Magen

Synonyme im weiteren Sinne

altgriechisch: Stomachos
griechisch: Gaster
lateinisch: Ventriculus
Englisch
: stomache

Definition

Der Magen ist formal gesehen eine Aussackung des Verdauungstrakts, die zwischen der Speiseröhre und dem Darm liegt und die Aufgabe hat die Nahrung zu speichern und zu durchmischen. Dieses muskulöse Hohlorgan bildet Magensäure (HCL) und Enzyme, die einige Bestandteile der Nahrung vorverdauen (chemisch aufschließen / spalten), um dann den Speisebrei portionsweise in den Dünndarm weiterzuleiten.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Aufgaben des Magens

Anatomie des Magens

Der Magen liegt meistens im linken und mittleren Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Die Lage, Größe und Form des Magens ist von Mensch zu Mensch und je nach Alter, Füllungszustand, Körperlage sehr unterschiedlich. Der Magen ist bei mäßiger Füllung im Mittel 25-30 cm lang und hat ein Speichervermögen von 1,5 und im Extremfall sogar bis zu 2,5 Litern.

Der Magen ist durch Bänder, die unter anderem zu Leber und Milz ziehen, in der Bauchhöhle befestigt und so stabilisiert. Der Magen liegt gekrümmt wie ein Angelhacken in der Bauchhöhle, und bildet mit seiner konvexen Seite die große Magenkrümmung (große Magenkurvartur/ Curvartura major) und mit der konkaven Seite die kleine Magenkrümmung (kleine Magenkurvatur/ Curvatura minor).

Man kann den Magen in verschiedene Abschnitte einteilen:

  • Mageneingang / Kardia / Ostium cardiacum:
    Der obere Magenmund ist ein Bereich von 1-2 cm wo die Speiseröhre in den Magen mündet. Hier befindet sich der scharfe Übergang von der Speiseröhrenschleimhaut zur Magenschleimhaut, die sich mit dem Endoskop meistens gut erkennen lässt.
  • Magengrund / Fundus gastricus:
    Oberhalb des Mageneingangs wölbt sich der Magengrund nach oben, der auch „Magenkuppel“ oder Fornix (Wölbung) gastricus genannt wird. Der Magengrund ist in der Regel mit Luft gefüllt, die man beim Essen unwillkürlich verschluckt. Beim aufrecht stehenden Mensch bildet der Magengrund den höchsten Punkt des Magens, sodass man im Röntgenbild die gesammelte Luft besonders eindrucksvoll als „Magenblase“ erkennen kann.
  • Magenkörper / Corpus gastricum:
    Der Hauptteil des Magens wird vom Magenkörper gebildet. Hier liegen tiefe Schleimhautlängsfalten (Plicae gastricae), die vom Mageneingang bis zum Pförtner ziehen und die man auch die „Magenstraße“ nennt.
  • Pförtnerabschnitt / Pars pylorica:
    Dieser Abschnitt beginnt mit einem erweiterten Vorraum, der Pförtnerhöhle (Antrum pyloricum), gefolgt vom Pförtnerkanal (Canalis pyloricus) und endet mit dem eigentlichen Magenpförtner (Pylorus). Hier liegt der Magenschließmuskel (Muskulus sphinkter pylori), der von einer starken ringförmigen Muskelschicht gebildet wird und den unteren Magenmund (Ostium pyloricum) verschließt. Der Pylorus verschließt den Magenausgang und lässt periodisch etwas Nahrungsbrei (Chymus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum) passieren

Anatomie Magen

  1. Ösophagus (Speiseröhre)
  2. Kardia
  3. Korpus
  4. kleine Kurvatur
  5. Fundus
  6. große Kurvatur
  7. Duodenum (Zwölffingerdarm)
  8. Pylorus
  9. Antrum

Lage des Magen

  1. Rachen / Schlund
  2. Speiseröhre / Ösophagus
  3. Mageneingang auf Zwerchfellhöhe (Diaphragma)
  4. Magen (Gaster)

Schichten und Struktur der Magenwand

Die Magenwand zeigt unter dem Mikroskop einen charakteristischen Schichtaufbau.

  • Von Innen wird die Magenwand von Schleimhaut ausgekleidet (Tunica mucosa). Man unterteilt die Magenschleimhaut in drei Unterschichten. Die oberste Lage bildet ein Deckgewebe (Lamina epithelialis mucosae), die einen zähen neutralen Schleim bildet, der die Magenschleimhaut vor mechanischen, thermischen und enzymatischen Schädigungen schützt. Darunter folgt eine Verschiebeschicht (Lamina propria mucosae), in welcher die Magendrüsen (Galandulae gastricae) eingelagert sind. Als letztes liegt eine ganz schmale Eigenmuskelschicht (Lamina muscularis mucosae), die das Relief der Schleimhaut verändern kann.
  • Der Magenschleimhaut folgt eine lockere Verschiebeschicht (Tela submucosa), die aus Bindegewebe besteht und in der ein dichtes Netz von Blut- und Lymphgefäßen verläuft, sowie ein Nervenfasergeflecht, der Plexus submukosus (Meißner-Plexus), der die Magendrüsentätigkeit (Sekretion) steuert. Dieser Plexus arbeitet unabhängig vom zentralen Nervensystem (ZNS), kann jedoch durchaus von diesem über das vegetative Nervensystem beeinflusst werden.
  • Es folgt eine starke Magenmuskelschicht (Tunica muscularis). Man unterteil sie in drei Unterschichten, deren Fasern jeweils in verschiedene Richtungen verlaufen: Zunächst eine innere Schicht kleiner schräg verlaufender Muskelfasern (Fibrae obliquae), dann eine Ringmuskelschicht (Stratum circulare) und ganz außen eine äußere Längsmuskelschicht (Stratum longitudinale). Diese Muskulatur sorgt für die wellenartige Bewegung des Magens (Peristaltik), die für die ständige Durchmischung des Speisebreis (Chymus) mit dem Magensaft zuständig ist. Zwischen der Ring- und Längsmuskelschicht verläuft ein Nervenfasergeflecht, der Plexus myentericus (Auerbach-Plexus), der die Funktion der Muskulatur steuert. Genauso wie der Plexus submucosus arbeitet dieser Plexus zwar weitgehend selbständig (autonom), wird aber von dem vegetativen Nervensystem regelmäßig beeinflusst.
  • Es folgt wieder eine erneute bindegewebige Verschiebeschicht (Tela subserosa).
  • Den Abschluss bildet ein Überzug vom Bauchfell (Peritoneum) der alle Organe auskleidet. Man nennt diesen Überzug auch Tunica serosa.

Abbildung Magen

  1. Speiseröhre - Oesophagus
  2. Einschnitt am Mageneingang -
    Incisura cardialis
  3. Mageneingang -
    Ostium cardiacum
  4. Magenkuppel - Fundus gastricus
  5. Magenkörper -
    Corpus gastricum
  6. Große Magenkrümmung -
    Curvatura major
  7. Zwölffingerdarm, horizontaler Teil -
    Duodenum, Pars horizontalis
  8. Zwölffingerdarm, oberer Teil -
    Duodenum, Pars superior
  9. Magenpförtner - Pylorus
  10. Kleine Magenkrümmung -
    Curvatura minor
  11. Magenfalten - Plicae gastricae

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Magendrüsen

Die Magendrüsen (Glandulae gastricae) liegen in der Lamina propria mucosae und lassen sich im Fundus und den Korpus des Magens finden. Bis zu 100 Drüsen befinden sich auf 1mm2 der Schleimhautoberfläche. In der Wand des Drüsenschlauches liegen verschiedenen Zellen:

  • Schleimzellen:
    Sie produzieren den gleichen neutralen Schleim wie die Oberflächendeckzellen (Epithelzellen).
  • Nebenzellen:
    Diese Zellen liegen ziemlich oberflächlich in der Drüse und sondern einen alkalischen Schleim ab, d.h. der pH-Wert ist hoch durch die darin enthaltenen Hydrogencarbonat-Ionen (OH- Ionen). Diese Eigenschaft ist wichtig um den pH-Wert des Magens zu kontrollieren und gegebenenfalls zu regulieren. Der Schleim überzieht die Magenschleimhaut und schützt so vor Selbstverdauung durch die aggressive Salzsäure (HCl) und Enzyme (selbstverdauende Eiweiße). Diese Zellart findet man besonders gehäuft in der Cardia und im Fundus des Magens.
  • Hauptzellen:
    Diese Zellen produzieren das inaktive Vorläuferenzym Pepsinogen, welches nach der Abgabe durch die Salzsäure (HCl) in das aktive Enzym Pepsin umgewandelt wird und für die Andauung der Eiweiße (Proteine) zuständig ist. Da das Enzym erst an der Oberfläche der Drüse mit der Salzsäure in Kontakt kommt, wird verhindert, dass es zu einer Selbstverdauung der Drüsen durch das Enzym kommt. Diese Zellform befindet sich hauptsächlich im Corpus des Magens.
  • Belegzellen:
    Diese Zellen, die vermehrt im Magencorpus zu finden sind, bilden reichlich Wasserstoffionen (H+ Ionen), die für die Bildung der Salzsäure (HCL) benötigt werden. Die Salzsäure hat einen sehr niedrigen pH-Wert von 0,9-1,5. Außerdem bilden die Belegzellen den so genannten Intrinsic-Factor. Dieser Stoff bildet im Darm mit Vitamin B12 einen Komplex, welcher dann die Dünndarmwand passieren kann. Dieses Vitamin ist von besonderer Bedeutung bei der Blutkörperchenbildung (Erythropoese), deshalb können Patienten bei denen der Magen entfernt wurde, eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.
  • G-Zellen:
    Diese Zellen, die sich bevorzugt im Antrum des Magens befinden, besitzen die Fähigkeit das Hormon Gastrin zu produzieren. Dieses Hormon bewirkt eine Steigerung der HCl-Bildung in den Belegzellen.

Funktion des Magens

Der Magen dient als Reservoir für die aufgenommene Nahrung. Er kann die Nahrung über Stunden speichern und sorgt so dafür, dass wir mit wenigen größeren Mahlzeiten den täglichen Nahrungsbedarf decken können. Durch die Peristaltik wird der Speisebrei (Chymus) mit dem Magensaft vermischt, die Nahrung chemisch zerkleinert, zum Teil verdaut und dann Portionsweise in den Zwölffingerdarm (Duodenum) weitergeleitet.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Aufgaben des Magens

Magensäure

Der Magensaft/ Magensäure enthält Säure (HCL), Schleim, Elektrolyte, Intinsic-Factor und einige Enzyme, darunter hauptsächlich Pepsin.
Die Salzsäure dient zur Abtötung der mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien und schützt so vor Infektionen.
Das Pepsin ist ein Enzym welches Proteine (Eiweiße) spaltet. Interessanterweise ist sowohl die Salzsäure als auch das Pepsin für die Verdauung von untergeordneter Bedeutung, was auch die Tatsache zeigt, dass nach operativer Entfernung des Magens die Verdauungsfunktion noch weitestgehend erhalten bleibt. Der Intrinsic-Factor jedoch erweist sich als sehr wichtig, da es bei Fehlen von diesem Stoff zu einer schweren Blutarmut (Anämie) kommen kann.

Da die Enzyme für die Fettverdauung (Lipasen) und Kohlenhydratverdauung (Amylasen) nur in sehr kleinen Mengen im Magen produziert werden, werden diese Nahrungsbestandteile im Magen so gut wie gar nicht verdaut, sondern erst im Darm.

Die Magenschleimhaut bildet täglich 2-3 Liter Magensaft. Im Vergleich zum Nüchternzustand kann die Magensaftabgabe (Magensaftsekretion) bei Nahrungsaufnahme um den Faktor 100 ansteigen.

Es gibt verschiedene Phasen der Verdauung in denen Nervensignale und verschiedene Hormone und Mediatoren eine Rolle spielen:

Kopfphase / Zephale (vagale) Phase:
Einige Nahrungssignale (Geruch, Geschmack, Aussehen) bewirken über den parasympathischen Vagusnerv (Nervus vagus), eine Gastrinausschüttung aus den G-Zellen und somit noch vor dem Essen eine Steigerung der Magensaftproduktion.

Magenphase / Gastrale Phase:
Hier ist der Dehnungsreiz durch die Nahrungsaufnahme derjenige, der reflektorisch über den Vagusnerv die Magensaftproduktion verstärkt. Einige chemische Reize wie Eiweißabbauprodukte, Alkohol und Kaffee bewirken eine vermehrte Gastrin- und Histaminabgabe, welche wiederum die Magensaftproduktion verstärkt.

Darmphase / Intestinale Phase:
Hier ist die wichtigste Funktion die Hemmung der Magensaftproduktion. Wenn stark saurer Chymus in den Zwölffingerdarm übertritt, besteht die Gefahr der Schädigung der Darmschleimhaut. Dieser Reiz bewirkt eine Ausschüttung des Hormons Sekretin, welches die Gastrinproduktion hemmt. Durch Verminderung des Gastrins kommt es wiederum zur Reduktion der Produktion der Magensäure.

Weitere Informationen finden Sie unter: Magensäure

Die Magen-Darm-Grippe

Allgemeines zur Magen Darm Grippe

Die Gastroenteritis, welche umgangssprachlich Magen-Darm-Grippe oder auch Brechdurchfall genannt wird, ist eine entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Traktes und bedeutet auch wörtlich Magen-Darm-Entzündung. Die typischen Beschwerden einer Magen-Darm-Grippe sind Erbrechen und Durchfall. Man darf sie nicht mit der „echten Grippe“ (Influenza) verwechseln. Gastroenteritiden sind die häufigste Ursache für Erbrechen und Durchfall bei Kindern und Erwachsenen. Früher verlief sie bei Kindern oft tödlich, da durch das Erbrechen und den Durchfall zu viel Flüssigkeit verloren ging. Heutzutage ist die Zahl der Sterbefälle von 2,5 Mio jährlich auf etwa 2000 beschränkt.

Ursachen einer Magen Darm Grippe

Eine Magen-Darm-Grippe kann durch pathogene (krankheitsverursachende) Erreger ausgelöst werden, zu denen verschiedene Viren (s.u.), Bakterien und Protozoen gehören.

Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Salmonellen, Yersinien, Shigellen, Campylobacter, Vibrio cholerae und Clostridium difficile.

Die Protozoen (Einzeller), die eine Magen-Darm-Grippe auslösen können, sind bspw. Amöben.

Der Mechanismus, der den verschiedenen Erregern zugrunde liegt unterscheidet sich zwar, doch meist resultiert eine Schädigung der Magenschleimhaut. Dadurch kann die Nahrung nicht mehr gut verdaut werden, und es kommt zu flüssigen Durchfällen und Erbrechen. Einige Bakterien produzieren außerdem Gifte (Toxine), welche zu einem vermehrten Wasser- und Salzverlust führen. Toxine können sich auch in verdorbenen Lebensmitteln anreichern, und so beim Verzehr dieser zu einer klassischen Lebensmittelvergiftung führen.

Des Weiteren kann die Ursache einer Magen-Darm-Grippe physikalischer Natur sein. So kann ionisierende Strahlung, beispielsweise im Rahmen einer Krebstherapie, zu einer Schädigung der Magenschleimhaut führen.

Übertragung

Die Magen-Darm-Grippe wird in den meisten Fällen mittels einer fäkal-oralen Schmierinfektion übertragen.

Das heißt, dass bei nicht ausreichend gereinigten Händen infektiöse Patienten die Erreger auf Nahrung oder Menschen übertragen können. Letztendlich wird die kontaminierte Nahrung dann verzehrt.

Andere Erreger wie Salmonellen reichern sich in nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln, wie bspw. Fleischprodukten, an. Lediglich die Noro-Viren sind so infektiös, dass eine Tröpfcheninfektion möglich ist. Beim Erbrechen gelangen so feinste infektiöse Tröpfchen in die Luft und können dann Angehörige oder etwa Klinikpersonal infizieren.

Symptome und Diagnose

Bis zum Auftreten der ersten Symptome können ab Infektionsbeginn bis zu 2 Tage vergehen.

Dann äußert sich die Magen-Darm-Grippe durch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfall. Der Durchfall kann blutig sein.

Magenbeschwerden und Schmerzen können auftreten. Außerdem kommt es zur allgemeinen Erschöpfung und Schwindel. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr treten Symptome der Austrocknung auf, da durch das Erbrechen und den Durchfall viel Flüssigkeit verloren geht.

In der Regel ist über die klinische Anamnese hinaus keine weitere mikrobiologische Diagnostik notwendig. Bei schweren oder besonderen Krankheitsverläufen können Stuhl- und Blutproben Aufschluss über die Art des Erregers geben, um weitere therapeutische Maßnahmen abklären zu können.

Therapie

Die Therapie erfolgt symptomorientiert.

Zunächst ist es wichtig die Betroffenen vor einer Austrocknung zu schützen. Dazu wird ihnen eine Lösung mit einem Traubenzucker-Salz-Gemisch (WHO-Rehydratationslösung) geboten. Diese kann um sogenannte Probiotika erweitert werden. Das sind Bakterienstämme, die zur natürlichen Darmflora gehören, und so die natürliche Darmtätigkeit unterstützen können. Bei Kinder und Menschen, bei denen die Rehydratation so nicht erfolgreich ist, kann die Lösung auch als Infusion verabreicht werden.

Begleitend können Medikamente helfen, die das Erbrechen stoppen (Antiemetika) oder das Fieber senken. Antibiotika werden in der Regel nicht verschrieben.

Zu Beginn der Erkrankung sollten im Übrigen nur leicht verdauliche Kohlenhydrate gegessen werden (bspw. Bananen, Zwieback und Weißbrot) um den Magen und Darm zu schonen.

Meldepflicht

In Deutschland gibt es für einige Erreger der Magendarminfekte eine Meldepflicht.

Dazu gehören Salmonella typhi, Vibrio cholerae, Norovirus, Rotavirus und EHEC.

Weitere Informationen finden Sie unter: Magen- Darm- Grippe

Der Magen-Darm-Virus

Allgemeines

Es gibt nicht das Magen-Darm-Virus schlechthin. Vielmehr sind es einige verschiedene Viren, die eine Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe) auslösen können. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht und kurze Beschreibung der jeweiligen Viren.

Rota-Viren

Das Rota-Virus ist ein sogenanntes RNA-Virus, das der häufigste Erreger kindlicher Magendarmgrippen ist. Es ist zudem ein wichtiger nosokomialer (Krankenhausinfektion) Erreger auf pädiatrischen Stationen in Kliniken.

Das Rota-Virus wird über Schmierinfektionen (fäkal-oral) übertragen und kann im Stuhl nachgewiesen werden.

Es gibt eine Schluckimpfung mit einem abgeschwächten (attenuierten) Lebendimpfstoff, welcher ab der 6. Lebenswoche empfohlen wird. Die letzte Dosis sollte vor der 26. Lebenswoche gegeben werden.

Ohne die Impfung erkrankt bis zum fünften Lebensjahr nahezu jedes Kind an Rota-Viren.

Eine Therapie gibt es derzeit nicht. Es sollte aber bei der Erkrankung auf eine ausreichende Wasserzufuhr geachtet werden. Die übliche Erkrankungsdauer beträgt 6-8 Tage.

Für Rota-Viren besteht eine gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht.

Adeno-Viren

Bei Adeno-Viren handelt es sich um unbehüllte DNA-Viren, von denen es 51 Serotypen (Untergruppen) gibt, die Krankheiten beim Menschen auslösen.

Sie werden mittels Tröpfcheninfektion oder Schmierinfektion (fäkal-oral) übertragen. Hauptsächlich lösen sie Atemwegsinfekte aus. Es gibt aber auch Serotypen, die vor allem bei Kindern Gastroenteritiden (Entzündungen des Magen-Darm-Traktes) oder Durchfall auslösen.

Die Viren können im Abstrichmaterial von Rachenabstrichen oder in Stuhlproben nachgewiesen werden.

Es gibt keine Therapie für Adenoviren. Man behandelt daher symptomatisch. Dies ist aber auch nur bei schwerem Krankheitsverlauf nötig. Eine leichte Infektion heilt von selbst aus.

Noro-Viren

Noro-Viren sind sehr umweltresistente RNA-Viren. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und mittels Schmierinfektion (fäkal-oral) übertragen.

Sie sind hochinfektiös und können auch per Tröpfcheninfektion übertragen werden. Beim schwallartigen Erbrechen gelangen feine Tröpfchen in die Luft, die dann von Gesunden eingeatmet werden.

Klassischerweise führen sie zu Lebensmittelvergiftungen beim Verzehr kontaminierter Nahrung. Noro-Viren verursachen gerade bei jungen Menschen sehr häufig Gastroenteritiden (Entzündungen des Magen-Darm-Traktes) mit Brechdurchfällen.

In der Regel dauert die heftige Magendarmgrippe 1-3 Tage und hört von selbst wieder auf.

Da es keine ursächliche Therapie gibt, wird nur die symptomatisch therapiert. Vor allem ist es wichtig den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bei sehr alten Patienten oder Kleinkindern kann mitunter ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig sein, um den Flüssigkeitshaushalt gut zu kontrollieren. Ebenso gilt dies für Patienten mit weiteren Vorerkrankungen und allgemeiner Schwäche.

Für Infektionen mit Noro-Viren besteht eine gesetzliche Meldepflicht.

Sapoviren

Sapoviren sind ebenfalls sehr umweltresistente Keime. Hauptsächlich werden sie durch Schmierinfektion übertragen. Sie lösen Gastroenteritiden bei Kindern aus und werden im Stuhl nachgewiesen. Hier erfolgt ebenfalls nur eine rein symptomatische Therapie.

Astroviren

Diese Viren erscheinen im Elektronenmikroskop sternförmig, weshalb man sie auch Astroviren nennt. Sie sind ebenfalls sehr umweltresistent.

Bei Kindern lösen sie akute Magendarmgrippen mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall.

Sie sind nach den Rota-Viren die zweithäufigste Ursache für Gastroenteritiden bei Kindern.

Nachweisbar sind sie im Stuhl.

Ihre Therapie erfolgt symptomatisch, wobei die Magendarmgrippe von selbst nach einigen Tagen aufhört.

Weitere Informationen finden Sie unter: Magen- Darm- Virus

Magen verdorben

Wenn man umgangssprachlich davon spricht, dass man sich „den Magen verdorben“ hat, ist damit meistens ein flaues Gefühl und Übelkeit gemeint. Diese kann von Bauchschmerzen begleitet sein. Übelkeit führt dann oft zu Erbrechen und kann verschiedene Ursachen haben.

Im Folgenden ist eine Übersicht zu den verschiedenen Ursachen eines „flauen Magens“.

Lebensmittelvergiftungen

Meistens, wenn man davon spricht, sich den „Magen verdorben“ zu haben, meint man eine Lebensmittelvergiftung. Eine Vergiftung klingt im ersten Moment nach einer lebensbedrohlichen Situation, in den hier genannten Fällen ist das jedoch nicht der Fall. Meistens entsteht sie ganz einfach durch kontaminierte Nahrung.

Der Erreger ist meistens Staphylococcus aureus, ein Hautkeim, der beispielsweise vom Metzger auf das Fleisch übertragen werden kann.

Er reichert sich dann auf der Nahrung an und vermehrt sich dort, vor allem nach längerem Herumstehen der Lebensmittel.

Langes Kochen tötet die Keime zwar ab, aber beim Verzehr von nicht ausreichend gekochter Nahrung kann es zu einer Vergiftung kommen. Teilweise können die von den Keimen gebildeten Toxine auch das Kochen überleben.

Weitere Bakterien, die solche Vergiftungen auslösen können, sind Clostridien, Schimmelpilze und Bacillen. Die Symptome treten meist kurz nach Verzehr der Lebensmittel auf und sind recht heftig.

Therapie

Zunächst sollte man viel Wasser trinken, um dem Flüssigkeitsverlust durch das Erbrechen und den Durchfall entgegenzuwirken.

Es empfiehlt sich eine leichte Kost mit leicht verdaubaren Kohlenhydraten. Dazu gehören zum Beispiel Weißbrot, Zwieback und Salzstangen.

Auf blähende Speisen wie Milchprodukte, Alkohol, Rohkost und Kaffee sollte verzichtet werden.

Es schadet nicht, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Beschwerden sehr stark sind.

Meistens sind solche Magenbeschwerden selbstlimitierend und hören nach 1 bis 3 Tagen auf.

Bei bakteriellen Infektionen, beispielsweise durch Salmonellen oder Listerien, die zu sehr starkem Durchfall führen, ist eine Antibiotikatherapie indiziert.

Wenn Beschwerden wie Seh-, Schluck- oder Sprachstörungen auftreten, sollte unverzüglich ein Notarzt gerufen werden.

Das kann ein Hinweis auf eine Botox-Vergiftung sein. Botulinumtoxin oder kurz Botox kann in aufgeblähten Konservendosen enthalten sein. Solche sollte man unbedingt verwerfen und nicht mehr verzehren.

Eine Vergiftung mit Botulinumtoxin wird durch ein Antitoxin unverzüglich behandelt.

Prognose

In der Regel klingen solche Lebensmittelvergiftungen oder Infektionen nach 2 – 3 Tagen ab, wenn kein Fieber vorhanden ist und die Durchfälle nicht blutig sind.

Die Beschwerden klingen von selbst spontan ab und eine Therapie ist, wenn überhaupt, nur symptomatisch sinnvoll.

Bei komplizierteren Verläufen, welche bspw. von Salmonellen verursacht werden, ist eine Antibiotikatherapie indiziert.

Wie kann man den Magen beruhigen?

Ist der Magen gereizt im Rahmen von Infektionskrankheiten wie der Magen-Darm-Grippe, Entzündungen oder Lebensmittelvergiftungen, kann das sehr unangenehm für Betroffene sein.

Man ist von Übelkeit geplagt, ist vielleicht appetitlos und fühlt sich unwohl. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Man hat Hunger, aber weiß nicht so recht, was der Magen in so einer empfindlichen Situation verträgt. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man seinen Magen beruhigen kann:

Bei Übelkeit

Bei Übelkeit helfen sogenannte Antiemetika. Das sind Medikamente, die das Erbrechen verhindern.

Dazu zählen zum Beispiel Antihistaminika oder Dopamin-Antagonisten. Sie wirken am Brechzentrum des Hirnstamms und hemmen so den Brechreiz.

Aber es gibt auch natürliche Stoffe, die den Brechreiz lindern. Das sind Kamille, Ingwer, Pfefferminze und Fenchel. Man kann sie als Tee trinken und so seinen Magen gut beruhigen.

Die Wärme des Tees ist auch gut bei krampfhaften Schmerzen.

Bei Schmerzen

Magenschmerzen und Magenkrämpfe treten häufig im Rahmen von Magen-Darm-Erkrankungen, Entzündungen oder aber bei viel Stress auf.

Wärme und Bettruhe können Linderung verschaffen.

Auch hier helfen natürliche Mittel wie Kamille, Kümmel oder Leinsamen, den gereizten Magen zu beruhigen.

Darüber hinaus sollte man auf Alkohol, Coffein und Nikotin verzichten.

Oft hilft es auch den Stress durch Entspannungsübungen zu reduzieren.

Säurehaltige Nahrungsmittel und zu schnelles oder hastiges Essen sollten vermieden werden. Das kann den Magen nur zusätzlich belasten.

Sogenannte Spasmolytika, wie beispielsweise Buscopan, lösen Krämpfe. Auch sie können gegen Magenschmerzen helfen.

Bei zu viel Säure und einem Gefühl von Sodbrennen helfen Antazida, welche die Magensäure neutralisieren. Darüber hinaus gibt es noch Protonenpumpenhemmer, die die Bildung der Magensäure hemmen und so die säurebedingten Schmerzen lindern.

Weitere Informationen zum Thema Magen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2017
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