Fieber

Synonyme im weiteren Sinne

Erkältung, Grippe, Husten, Schnupfen
med.: Hyperthermie
englisch: fever

Definition

Unter Fieber versteht man eine erhöhte, von den Normalwerten abweichende Körpertemperatur, die meistens Zeichen einer Infektion, Entzündung oder sonstige immunologischen Reaktionen des Körpers sind.

Einleitung

Fieber ist definiert als eine Erhöhung der Körpertemperatur auf über 38°C. In den meisten Fällen entsteht Fieber als Begleitsymptom bei entzündlichen Prozessen, Infekten oder Verletzungen. Der Körper versucht von außen eindringende krankheitsauslösende Keime, wie zum Beispiel Viren, Pilze oder auch Bakterien, zu bekämpfen.
Dabei wird das körpereigene Abwehrsystem aktiviert und es werden spezifische Stoffe, die die Körpertemperatur erhöhen, gebildet. Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Lichtempfindlichkeit kann Fieber abhängig vom jeweiligen Stadium und der Temperatur auch mit weiteren Symptomen einhergehen.
Dazu gehören vermehrtes Schwitzen, blasse Haut, verstärkte Atmung, Herzrasen, Übelkeit und ein vermehrtes Durstgefühl. Auch innere Unruhe und eine neu auftretende Verwirrtheit können Begleiterscheinungen von hohem Fieber sein.


Häufigkeit

Fieber an sich stellt keine Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptom dar, das aus verschiedenen Krankheitsbildern resultieren kann. Ähnlich wie Rückenschmerzen Kopfschmerzen und Bauchschmerzen ist Fieber ein sehr häufiger Grund, weshalb ein Arzt aufgesucht wird. Tendentiell geht die Fieberwahrscheinlichkeit im Alter zurück. Während Neugeborene meistens nicht fiebern, erkranken Kleinkinder, Kinder und Jugendliche relativ häufig an von Fieber begleiteten Erkrankungen. Im Erwachsenenalter führen meistens nur relativ schwere Infektionen zu Fieber.

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Symptome

Nach Infektion bzw. auslösendem Ereignis kommt es innerhalb weniger Tage (Inkubationszeit) zu allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit, Leistungsabfall aber auch Schnupfen, Husten und Kopfschmerzen. Entweder parallel damit einhergehend oder kurz darauf folgend beginnt meistens der sogenannte Schüttelfrost.
Darunter versteht man trotz warmer Umgebungstemperatur ein subjektiv wahrgenommenes Frieren und Frösteln, begleitet von Zittern. Durch das Zittern werden die Muskeln des Körpers in schnell aufeinanderfolgende Bewegungen versetzt. Diese schnellen Bewegungen verursachen die für das Fieber notwendige Wärme. Meistens kommt es lediglich in der Anfangsphase zu dem beschriebenen Schüttelfrost. Ist der Körper einmal aufgeheizt genügt die Körperenergie zum Aufrechterhalten der Temperatur. Mit Auffiebern verschlechtert sich meistens der Allgemeinzustand und die Anfangssymptome werden stärker. Hohes Fieber kann zu starken bis sehr starken Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen führen. Patienten mit sehr hohem Fieber fangen zum Teil an zu phantasieren und sind nicht mehr adäquat ansprechbar.

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Begleitet wird das Fieber oft von starkem Schwitzen, durch das der Körper versucht die entgleiste Temperatur wieder einzuregulieren. Den meisten Patienten mit hohem Fieber fällt es schwer aufzustehen, was eine epochale Bettlägerigkeit zur Folge hat.

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Messen der Körpertemperatur

Um von Fieber zu sprechen, ist es von großer Bedeutung die Temperatur im Rahmen eines Messverfahrens zu ermitteln.

In vielen Fällen ist die Ermittlung der Körpertemperatur etwas ungenau, da sie zum einen von der Messmethode, zum anderen aber auch von Schwankungen im Tagesverlauf oder körperlicher Aktivität abhängig ist und beeinflusst wird. Heutzutage werden zur Messung digitale Fieberthermometer verwendet.
Diese haben zum einen den Vorteil, dass der reine Messvorgang zur Ermittlung der Werte nur ungefähr eine Minute, im Ohr sogar nur wenige Sekunden, dauert. Zum anderen sind sie sehr stabil und gehen nicht so leicht kaputt.
Die bisher lang verwendeten Glasthermometer können aufgrund ihrer hohen Zerbrechlichkeit schnell zerspringen und eventuell Verletzungen am Patienten verursachen. Die bevorzugten Stellen, an denen gemessen wird, sind im Ohr (aurikulär), unter der Zunge (sublingual), in der Axelhöhle (axillär) und im Po (rektal).

Die rektale Messung erfolgt durch das Einführen eines Thermometers in den Po und ist für viele Patienten die unangenehmste Methode. Allerdings kann diese Methode die genauesten und repräsentativsten Messwerte liefern. Sie stimmt mit der exakten Körpertemperatur am ehesten überein und eignet sich daher auch sehr gut für eine Kontrollmessung. Wird die Temperatur nicht im Po gemessen, sollte beachtet werden, dass zu anderen Messorten in der Regel eine Differenz der Messwerte bestehen kann.
Wird die Temperatur im Mundbereich gemessen, sollte das Thermometer unter der Zunge platziert werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Mund wenn möglich für die Zeit der Messung geschlossen bleiben sollte. Ebenfalls sollte man darauf achten, dass kurz vor der Messung keine kalte Nahrung oder Flüssigkeit aufgenommen wurde, da es sich dabei um Störfaktoren handelt, die die Messung beeinflussen und sich auf die Messwerte auswirken können.

Bei der Temperaturmessung im Mund sollte man eine Differenz von ca. 0,3° C beachten.

Eine weitere Methode zur Bestimmung der Körpertemperatur ist die Messung im Ohr. Hierbei handelt es sich um eine oft angewandte Methode, da sie sehr schnell durchgeführt werden kann und von den Patienten, vor allem von Kindern, gut toleriert wird. Das Einführen der Sonde in den äußeren Gehörgang wird durch einen leichten Zug, der auf die Ohrmuschel ausgeübt wird, erleichtert. Wenn sich an einem Ohr eine Entzündung befindet, sollte man wenn möglich das gesunde Ohr zur Messung verwenden.

Bei der Methode, die die ungenauesten Messwerte liefert, handelt sich sich um die Temperaturmessung in der Axelhöhle.
Besonders zu beachten ist hierbei, dass eine Differenz von 0,5° C zur Temperaturermittlung im Po vorliegen kann. Behält man diese mögliche Abweichung im Hinterkopf, kann die Gefahr, die Körpertemperatur zu unterschätzen, vermieden werden.

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Senken des Fiebers

Da bei erhöhter Körpertemperatur viele Schritte des Abwehrsystems zur Bekämpfung der Erreger schneller ablaufen, sollte man nicht immer sofort versuchen das Fieber zu senken.

Sind die Betroffenen allerdings sehr schwach und weisen weitere Begleitsymptome auf, sollte man auf bekannte fiebersenkende Mittel zurückgreifen. Am effektivsten gelingt die Senkung des Fiebers, wenn der zugrunde liegende Fokus gefunden wird und man die Therapie darauf anpasst.
Bei bakteriellen Erkrankungen wählt man deshalb ein passendes Antibiotikum, das den verantwortlichen Keim abtötet. Dadurch fällt die Temperatur wieder ab. Es ist auch möglich auf fiebersenkende Medikamente in Form von Tabletten, Säften oder auch Zäpfchen zu verabreichen.

Vor allem der Wirkstoff Paracetamol ist in vielen Präparaten vorhanden, aber auch Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure enthalten eine fiebersenkende Wirkung. Auch einige bekannte Hausmittel eignen sich gut um erhöhte Temperaturen effektiv und eigenständig zu senken.
Besonders wichtig ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Durch das Fieber beginnt die Haut stärker zu Schwitzen, wodurch dem Körper Flüssigkeit und Mineralien verloren gehen. Ein altbekanntes und bewährtes Hausmittel sind Wadenwickel. Man wickelt Tücher, die zuvor in 30 ° C warmen Wasser getränkt wurden, um die Waden und bedeckt diese dann nochmal mit zwei oder drei Lagen trockener Tücher. Die Wärme, die vom Körper produziert wird, wird über die Wickel nach außen abgegeben. Auch ein kalter Waschlappen auf der Stirn dient zur Kühlung.

Auch Tees, versetzt mit Holunderblüte, entfalten eine fiebersenkende Wirkung und führen zu vermehrtem Schwitzen. Wichtig ist ebenfalls, dass man bei Fieber Bettruhe einhält, damit man dem Körper genügend Zeit gibt, gegen die Erreger anzukämpfen.

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Fieber beim Baby

Bei kleinen Säuglingen muss man bei Auftreten von Fieber besonders achtsam sein.

Zum einen können Säuglinge nicht mit Hilfe von Sprache darauf aufmerksam machen, dass es ihnen nicht gut geht und zum anderen ist bei Säuglingen das körpereigene Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt oder gestärkt, sodass schon bei leichten Infekten Fieber entstehen kann. Fiebernde Säuglinge fallen besonders dadurch auf, dass sie zum einen sehr unruhig oder im Gegensatz dazu auch apathisch erscheinen.

Außerdem schreien sie in den meisten Fällen sehr viel und Schwitzen stark. Besonders häufig stellt sich eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme beim Stillen oder bei der Gabe der Flasche ein.
Bei Säuglingen, die noch keine drei Monate alt sind, sollten die Eltern den zuständigen Kinderarzt schon ab einer Körpertemperatur von 38° C aufsuchen, da bei Säuglingen neben leichten Infekten auch schwerwiegende Erkrankungen, wie zum Beispiel Hirnhautentzündungen oder Neugeboreneninfektionen, mögliche Ursachen darstellen. Bei Fieber ist vor allem eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig, um den Wasserhaushalt des Körpers aufrecht zu erhalten und ein Austrocknen, die sogenannte Dehydratation, zu verhindern.
Deshalb kann bei nicht ausreichender Flüssigkeitsaufnahme eine durch den Arzt verordnete Zufuhr von Flüssigkeit über die Vene notwendig werden.

Bei fiebernden Säuglingen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu warm zugedeckt oder angezogen sind, da durch dicke Kleidung die überschüssige Wärme nicht abgegeben werden kann. Zur medikamentösen Fiebersenkung ist bei Säuglingen darauf zu achten, dass nur Zäpfchen verwendet werden sollten und das auf die richtige Dosierung zu achten ist. Das Präparat, das in den meisten Fällen Anwendung findet ist Paracetamol. Die Gabe von ASS ist bei Säuglingen und Kleinkindern untersagt, da als mögliche Komplikation eine schwere Erkrankung von Leber und Gehirn auftreten kann.

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Fieber beim Kleinkind

Babys und Kleinkinder bekommen viel häufiger Fieber als erwachsene Personen.

Bei leichten Infekten kann der Körper mit einer Erhöhung der Temperatur reagieren. Bei Fieber handelt es sich um ein Symptom und nicht um eine Krankheit. Zunächst handelt es sich bei der Erhöhung der Temperatur um einen natürlichen Schutzmechanismus des körpereigenen Abwehrsystems.
Auf diese Weise versucht der Körper im Rahmen eines beginnenden Infektes gegen die entzündlichen Erreger vorzugehen. Viele Bakterien und Viren können sich nämlich bei einer erhöhten Körpertemperatur nicht mehr so schnell vermehren und ausbreiten, wie bei Normaltemperaturen.

Bei Babys liegt die normale Körpertemperatur zwischen 36,5 und 37,5 ° C. Bei Werten zwischen 37,5 und 38,5 ° C sprechen Ärzte von erhöhten Temperaturen (subfebril). Erst ab einer Körpertemperatur von 38, 5° C spricht man von Fieber. Entsteht sehr hohes Fieber, über 39 ° C, werden wichtige Körperfunktionen stark beeinflusst und es entsteht eine große Belastungssituation für den Körper.
Oft erkennt man bei Babys schon am Verhalten und am äußeren Erscheinungsbild, ob das Baby fiebert. Meist fällt das Baby durch vermehrtes Schwitzen und ein gerötetes Gesicht auf. Die Augen wirken müde, können etwas eingetrübt sein und die Haut wirkt insgesamt eher kühl und blass. Außerdem können die Babys zum einen sehr abgeschlagen und benommen erscheinen, oder im Gegensatz dazu auch sehr unruhig und weinerlich werden.

Eltern sollten ihr Baby unbedingt bei einem Kinderarzt vorstellen, wenn das Baby mehr als zwei Mahlzeiten verweigert, ein Hautausschlag entsteht, das Baby mehrfach erbricht oder Durchfall bekommt, eine Veränderung des Bewusstseins auffällt , eine Körpertemperatur von 39° C erreicht wird und fiebersenkende Mittel, wie Zäpfchen oder Säfte keine Linderung der Beschwerden erzielen. Bei Babys und Kleinkinder sollte man vermeiden, dass zur Fiebersenkung Acetylsalicylsäure (ASS) verwendet wird, da dies bei Babys und Kleinkindern zu schweren Komplikationen führen kann. Für die Entstehung von Fieber bei Babys gibt es einige Ursachen. Zu den häufigsten zählen Entzündungen der Ohren, Husten und Halsschmerzen im Rahmen eines Infektes der Atemwegen oder leichte Infektionen des Magen – und Darmtraktes.

In wenigen Fällen steckt eine schwerwiegende Erkrankung, wie zum Beispiel eine Entzündung der Hirnhäute, schwere Störungen des körperlichen Stoffwechsels, Defekte des körpereigenen Immunsystems oder auch eine Blutvergiftung dahinter. Vor allem ist darauf zu achten, dass das Baby weiter genügend trinkt. Während des Fiebers besteht gerade bei Babys eine große Gefahr des Flüssigkeitsverlustes, da sie eine große Körperoberfläche aufweisen und über diese, in Form von Schwitzen, viel Flüssigkeit verlieren können.

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Fieber beim Kind

Fieber beim Kind tritt viel häufiger auf als bei einem Erwachsenen. In den meisten Fällen tritt Fieber im Rahmen von leichten Infektionen auf. Dazu zählen sehr häufig Mittelohrentzündungen, immer wieder auftretende Entzündungen der Atemwege oder auch Magen – Darm – Infektionen.

Vor allem Kleinkinder sind besonders anfällig, da sie in der Kita oder dem Kindergarten mit vielen krankheitserregenden Keimen in Kontakt kommen. Vorerst ist ein Temperaturanstieg nicht zwingend besorgniserregend, da es sich um einen natürlichen Schutzmechanismus des Körpers zur Abwehr von eingedrungenen Erregern handelt.
Allerdings sollte man den Verlauf genau beobachten. Steigen die Temperaturen trotz Gabe von fiebersenkenden Mitteln, sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden. Eine mögliche Komplikation eines hohen Fieberanstiegs im Kleinkindalter ist der Fieberkrampf. Das Fieber führt zu Krampfanfällen, bei denen die Kinder sich versteifen oder den Kopf überstrecken, Muskelzuckungen auftreten können, die Kinder nicht ansprechbar sind und sich nach dem Anfall ein Erschöpfungszustand und Müdigkeit einstellt.
Diese Anfälle dauern meist nicht länger als 15 Minuten und führen in der Regel zu keinen schwerwiegenden Folgeschäden. Häufig treten sie im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auf.

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Fieber nach einer Impfung

Im Rahmen einer Impfung wird Fieber als mögliche Nebenwirkung des Impfstoffes beschrieben. Impfungen werden beim Kinderarzt oder auch Hausarzt durchgeführt und gehören genauso wie die U – Untersuchungen zur Vorsorgen und Prävention. Die Impfungen gewährleisten den Kindern einen geeigneten Schutz gegen schwerwiegende Infektionen und verhindern den Ausbruch und die Verbreitung von gefährlichen, ansteckenden Krankheiten.

Ungefähr zwei bis drei Tage nach einer Impfung kann es als Nebenwirkung zu einer Erhöhung der Körpertemperatur kommen. Dies entsteht dadurch, dass das körpereigene Abwehrsystem den eingeführten Impfstoff als fremd erkennt und mit einer Temperaturerhöhung, als natürlichen Schutzfunktion, gegen diesen vorgeht.
Handelt es sich dabei um leichte fieberhafte Reaktionen, treten diese ohne weitere zusätzliche Beschwerden auf und sind in zeitlichen Zusammenhang mit der zuvor erfolgten Gabe der Impfdosis zu bringen.
Steigt die Temperatur nicht über 38° C an und ist diese nach einer Dauer von ungefähr 24 Stunden rückläufig, sollte man sich keine Sorgen machen. Geht das Fieber allerdings nicht zurück, oder werden Temperaturen von über 39° erreicht, sollte zur Vorsicht ein Arzt aufgesucht werden. Bei Kleinkindern kann es im Rahmen einer Impfung mit anschließend auftretendem Fieber zu einem Fieberkrampf kommen.

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Fieber unklarer Genese (FUO)

Neben zahlreichen bakteriellen und viralen Erregern stellt das Symptom des Fiebers unklarer Genese eine Sonderform dar. Hierbei ist kein Erreger und keine Ursache zu identifizieren. Bei 75% der Patienten, die Zytostatika (Chemotherapie) bekommen und deren Immunsystem nach unten reguliert wurde, bekommen ein FUO. Bei 50% ist kein Erreger nachweisbar, der zu diesem Temperaturanstieg geführt hat. Bis das Gegenteil bewiesen wurde, muss man von einer Infektion ausgehen. Meistens sind Staphylokokken, Streptokokken oder gramnegative Bakterien verursachende Erreger.
Zu den gramnegativen Erregern zählen Pseudomonas aeroginosa, E. Coli, Klebsiellen u.a.
Beim Fieber unklarer Genese unterscheidet man noch Verläufe mit reduzierten neutrophilen Granulozyten (Neutropenie, z.B. bei erwähnten immungedrosselten Patienten) von Verläufen bei Patienten mit intaktem Immunsystem. Patienten ohne Neutropenie, die ein unklares Fieber bekommen, sind meistens an einer Herzinnenwandentzündung (Endokarditis), einer Tuberkulose oder einer HIV Infektion erkrankt. Von einer nosokomialen FUO spricht man, wenn während eines Krankenhausaufenthaltes ein Fieberanstieg zu verzeichnen ist, ohne dass bei der Krankenhauseinlieferung der Verdacht auf eine Infektion bestand. Ursache könnten in diesem Fall ein Harnwegsinfekt oder ein infizierter Venenkatheter sein.
In diesem Fall sollten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (Urin Untersuchung und länger liegende Braunülen entfernen). Bei ca. 25% der Fieber unklarer Genese findet man die Erreger nicht.

Fieber nach einer Operation

Manchmal fiebern Patienten im Krankenhaus kurz nach einem operativen Eingriff auf. Die Ursachen liegen meistens in Wundinfektionen, in Entzündungen durch Blasenverweilkatheter, Lungenentzündungen durch im Krankenhaus eingefangene Erreger, und in tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien.

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Fieber psychogener Ursache

In einigen Fällen findet sich vor allem bei langanhaltenden Fieberperioden keine Infektion. Es kann vorkommen, dass Patienten durch ständigen Stress den eigenen Grundumsatz des Körpers so erhöhen, dass es zu einer generellen subfebrilen Körpertemperatur kommt. In diesem Fall sollte man den Patienten empfehlen durch stressreduzierende und nervenberuhigende Maßnahmen die Lebenssituation zu verändern.

In ganz seltenen Fällen wird ein Fieber von den Patienten auch nur vorgetäuscht. Grundlage können das Erhalten von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder das Erreichen von einer frühzeitigen Berentung sein. In diesem Fall sollte man den Patienten eine Fieberkurve über längere Zeit anlegen lassen. Das Fieber sollte zum einen unter dem Arm, im Mund und rektal gemessen werden. Die drei Werte unterscheiden sich zumeist, dass die Höhe der Werte, die im Mund gemessen werden zwischen beiden anderen Werten liegt. Trifft dies über die gesamte Fieberkurve nicht zu, könnte ein vorgetäuschtes Fieber dahinterstecken.

In extremen Fällen des Münchhausen-Syndroms fügen sich Patienten zunächst nicht sichtbare Wunden und Verletzungen mit zum Teil stark verschmutzten Gegenständen zu, damit ein Fieber daraus resultiert. Aus diesem Grund sollte auch immer, besonders bei Patienten mit entsprechender psychiatrischer Vorgeschichte eine komplett körperliche Untersuchungen mit Inspektion der Haut etc. durchgeführt werden.

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Erbliche Erkrankungen mit Fieberschüben

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die vererbt sind, zwar sehr selten vorkommen, aber auf jeden Fall in Erwägung gezogen werden sollten, wenn kein anderer Grund für das Fieber ersichtlich ist oder wenn die Fieberperiode ungewöhnlich lange dauert oder ungewöhnlich häufig zurückkehrt. Am häufigsten findet man unter den seltenen erblichen Erkrankungen das familiäre Mittelmeerfieber (FMF). Es tritt meistens zunächst nach dem 10. Lebensjahr auf, die Fieberschübe halten 1-3 Tage an, das Intervall zwischen den Fieberschüben beträgt Wochen bis Monate.
Die Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt. Des Weiteren macht sich die Erkrankung durch eine Monoarthritis, eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) und durch Erysipelähnliche Hautveränderungen (rote meistens stark abgegrenzte Hautrötungen am Körper) bemerkbar. Als Komplikation dieser Erkrankung kann die gefährliche systematische Erkrankung Amyloidose entstehen. Als Therapie würde die Gabe von Colchicin in Frage kommen.

Eine weitere vererbbare, aber viel seltenere Erkrankung, die Fieber erzeugen kann ist das Hyper IgD-Syndrom (HIDS). Meistens sind davon bereits kleine Kinder vor dem ersten Lebensjahr betroffen. Die Fieberanfälle dauern in der Regel 3-7 Tage, das beschwerdefreie Intervall wird mit 4-8 Wochen angegeben. Das HIDS wird ebenfalls autosomal rezessiv vererbt. Die kleinen Patienten zeigen als Befunde eine Lymphknotenvergrößerung, eine Entzündung der Bindehäute der Augen (Konjunktivitis), Entzündungen der Gelenke (Polyarthritis), Bauchschmerzen und Hautveränderungen. Eine Therapie ist nicht bekannt.

Die familiäre Kälteurtikaria (FCU) tritt meistens vor dem ersten Lebensjahr auf. Die Fieberdauer von Tagen bis Wochen wird ausschließlich durch den Kontakt mit Kälte ausgelöst. Neben den quaddelförmigen Hauterscheinungen kann es ebenfalls zu Entzündungen der Bindehäute der Augen kommen (Konjunktivitis). Ebenfalls konnten schmerzhafte Entzündungen der Gelenke sowie als Komplikation eine Amyloidose beobachtet werden. Die Erkrankung wird autosomal dominat verebt. Auch bei dieser Erkrankung kann ein Therapieversuch mit Kineret unternommen werden.

Als Fieberschuberzeugende Ursache kann auch die zyklische Neutropenie (ZN) in Frage kommen. Sie tritt meistens vor dem 5. Lebensjahr auf, die Dauer der Fieberschübe beträgt meistens 4-5 Tage, das Intervall wurde mit 20 Tagen angegeben. Neben den Fieberschüben klagen die Patienten häufig über entzündliche Veränderungen im Mundbereich (Stomatitis) sowie über Infektionen der Haut. Auch diese Erkrankung wird autosomal dominant weitergegeben. Als Komplikation muss die Blutvergiftung (Sepsis) beachtet werden. Als Therapie kann die Gabe von G-CSF versucht werden, das die Granulozytenproduktion stimulieren soll.

Zusammenfassung

Fieber ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedlichste Ursachen haben kann. Fieber ist auch eines der häufigsten Gründe, weshalb ein Arzt aufgesucht wird, bzw. weshalb ein Arzt einen Hausbesuch durchführen muss.

Der Mechanismus der Fieberentstehung ist sehr komplex. Man geht davon aus, dass im Gehirn u.a. hitzeempfindliche Nerven liegen, die gemeinsam mit den kälteempfindlichen Zellen die Solltemperatur des Körpers einstellen.
Kommt es zur Ausschüttung sogenannter Pyrogene, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen beiden Nervenzellaktivitäten, was einen Temperaturanstieg zur Folge hat. Zu den Pyrogenen zählt man sämtliche von außen in den Körper gelangten Fremdkörper und damit auch Krankheitserreger, aber auch vom Körper im Falle einer Entzündung gebildete Stoffe. Bei bösartigen Tumorerkrankungen kommt es zu einem Ausschütten des Tumor Nekrose Faktors, der einen Temperaturanstieg und somit starkes Schwitzen zur Folge hat (Leitsymptom von bösartigen Erkrankungen ist der Nachtschweiß). Die häufigsten externen Erreger sind Bakterien und Viren. Nach Operationen kann es ebenfalls zu Fieber kommen, das meistens durch im Krankenhaus eingefangene Erreger zustande kommt. Die häufigsten Infektionsquellen bei stationierten Patienten sind Harnwegsinfeke durch Katheter und zu lange in den Venen befindlichen Kanülen.

Aber auch im Krankenhaus eingefangene Erreger einer Lungenentzündung (Pneumonie) können ein Fieber verursachen. Wichtig ist bei Patienten im Krankenhaus möglichst schnell eine fiebersenkende Maßnahme einzuleiten. Patienten, die einen saisonalen Infekt vermuten lassen und in die Hausarztpraxis kommen sollten nur therapiert werden, wenn es sich um immungeschwächte Patienten handelt (Tumorpatienten, ältere Patienten), wenn der fiebrige Infekt schon länger als 7-10 Tage anhält, wenn eine besondere Rythmik des Fiebers sichtbar ist (z.B. Fieberschübe etc.) und wenn die Begleitsymptome des Fiebers sehr stark sind. Meistens geht Fieber generell mit Schwäche, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit bzw. Erbrechen einher. Steigt das Fieber in Regionen um die 40-42 Grad Celsius an, kommt es vor, dass Patienten zu phantasieren beginnen. In diesem Fall muss ebenfalls sofort das Fieber gesenkt werden. Dies geschieht zum einen durch kalte Wadenwickel, zum anderen aber durch fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol, ASS 100, Ibuprofen).

Besteht Fieber unnatürlich lange, handelt es sich um Patienten mit keinen offensichtlichen Infekten oder um im Krankenhaus befindliche Patienten, sollte auf jeden Fall die genaue Ursache des Fiebers geklärt werden. Dazu sollte eine Blutkultur 2-3mal am Tag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zur Erregerbestimmung durchgeführt werden.
Des Weiteren sind Venenkatheter bzw. Harnblasenkatheter zu wechseln. Das Blutbild, das außerdem untersucht werden sollte, sollte die Leukozyten und das Entzündungseiweiß CRP beinhalten.
Beide Werte sind in der Regel bei fiebrigen Infekten erhöht. Immungeschwächte oder im Krankenhaus liegende Patienten sollten schnellstmöglich nach Abnahme der Blutkultur eine Antibiose bekommen. Findet man den Erreger nicht heraus, was in ca. 60% der Fieber der Fall ist, ist ein Breitbandantibiotikum anzusetzen. Kommt es danach immer noch zu keiner Entfieberung, kann eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane, oder eine Röntgenuntersuchung des Herzens und des Brustkorbes erforderlich werden. Auch muss immer bei unklarem Fieber und Schwäche an eine Entzündung der Herzinnenwand gedacht werden (Endokartditis).Auch sind einige erbliche Krankheiten nach dem Ausschluss der häufigsten Ursachen zu untersuchen und auszuschließen. Fieber kann Ausdruck eines harmlosen Infektes sein (in dem meisten Fällen) oder aber erstes Anzeichen von schwerwiegenden Erkrankungen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.06.2017
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