Entzündung im Hals

Synonyme

Rachenentzündung, Pharyngitis

Einleitung

Von einer Halsentzündung spricht man, wenn sich die Rachenschleimhäute entzünden. Dieses Krankheitsbild gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden, wegen derer Patienten einen Arzt konsultieren. Besonders in den Wintermonaten tritt die Halsentzündung häufig im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten auf. Eine Halsentzündung kann durch verschiedene Krankheitserreger hervorgerufen werden und hinsichtlich ihrer Ausprägung, Intensität und Dauer deutlich variieren. Zudem kann eine akute von einer chronischen Halsentzündung unterschieden werden.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie unterSymptome einer Kehlkopfentzündung

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine akute Halsentzündung ist eine Infektion mit Erkältungsviren. Dazu gehören beispielsweise Rhinoviren, Adenoviren, Coronaviren und Paramyxoviren.

Besonders im Winter kommt eine solche Infektion nicht selten vor, da die Bedingungen für die Vermehrung von Krankheitserregern auf den menschlichen Schleimhäuten dann besonders günstig sind. Die kalte, trockene Winterluft führt zu einer Minderdurchblutung der Schleimhäute. Die trockene, warme Heizungsluft trocknet sie zusätzlich aus. Dadurch können Viren die nun anfälligeren Schleimhäute besser besiedeln und sich in den Schleimhautzellen vermehren. Dies macht die Schleimhäute ebenfalls anfälliger für eine bakterielle Infektion, die im ungünstigsten Fall zusätzlich zu der viralen Infektion entstehen kann. In diesem Fall spricht man auch von einer bakteriellen Superinfektion.
Die entsprechenden Bakterien gehören in den meisten Fällen zur Gruppe der Streptokokken. Aufgrund bestimmter Symptome kann zwischen einer viralen und einer bakteriellen Halsentzündung unterschieden werden (siehe unten).

Die chronische Halsentzündung hat andere Ursachen als die akute Halsentzündung. Von einer chronischen Halsentzündung geht man aus, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen.
Mögliche Ursachen dafür sind dauerhafter übermäßiger Nikotin- und/oder Alkoholkonsum, sowie eine Strahlen- oder Chemotherapie. Diese Faktoren führen zu einer langanhaltenden Schädigung der Rachenschleimhaut, die mit einer Entzündung reagiert.
Krankheitserreger sind dementsprechend nicht ursächlich für eine chronische Halsentzündung. Vielmehr kommt diese Form durch chronische Schädigung der Schleimhäute durch exogene Faktoren zustande.

Eine weitere Ursache für eine chronische Halsentzündung kann bei Frauen der Eintritt in die Wechseljahre sein. Durch die Umstellung des Hormonhaushaltes kann es zur Austrocknung der Schleimhäute kommen, was sekundär eine chronische Halsentzündung nach sich ziehen kann.

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Übertragung

Für die meisten Krankheitserreger gilt, dass sie besonders durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden. Besonders im Winter, wenn viele Menschen erkältet sind, werden Erkältungsviren und Bakterien über Husten und Niesen in der Luft verteilt und bis dato gesunde Personen atmen diese ein.
Sind die Schleimhäute dann bereits vorgeschädigt, zum Beispiel ausgetrocknet durch zu warme Heizungsluft, können sich die Erreger hervorragend festsetzen und eine Infektion auslösen.

Ein anderer Ansteckungsweg läuft über Kontakt mit Flächen, die von vielen Menschen angefasst werden, beispielsweise Türklinken, öffentliche Toiletten und öffentliche Verkehrsmittel. Wenn erkrankte Personen beispielsweise mit vorgehaltener Hand husten und danach an die Haltestange im Bus fassen, können sie dorthin ihre Krankheitserreger verteilen. Eine gesunde Person fasst als nächstes die Stange an, hat die Krankheitserreger nun an der Hand, fasst sich anschließend ins Gesicht und schon kann eine Krankheitsübertragung stattfinden.

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Symptome

Eine Halsentzündung äußert sich meist durch mehr oder weniger starke Halsschmerzen, die je nach Art der Halsentzündung entweder ein- oder beidseitig auftreten können. Oftmals kommen Schluckbeschwerden hinzu. Je nach Ausprägung schmerzt auch das Sprechen.

Zu Beginn der Erkrankung fühlt sich der Rachen oft trocken an, juckt oder kratzt. Der Patient muss sich immer wieder räuspern. Die Symptomatik kann auch zu Beginn der Erkrankung den Schlaf schon deutlich stören. Nicht selten wird die Halsentzündung von weiteren Erkältungssymptomen, wie beispielsweise Schnupfen, Husten und Fieber begleitet. Besonders wenn die Gaumenmandeln (Tonsillen) betroffen sind und anschwellen, kann sich die Sprache kloßig anhören. Manchmal klagen die Patienten zusätzlich über Ohrenschmerzen.

Bei der Inspektion des Rachenbereiches fallen gerötete und geschwollene Schleimhäute auf. Wenn die Halsentzündung bakteriell bedingt ist, sind häufig auch weiß-gelbe Beläge – sogenannte Eiterstippchen – im Rachenbereich und auf den Gaumenmandeln sichtbar. Diese können Mundgeruch verursachen und kommen bei einer rein viralen Halsentzündung nicht vor. Bei einer speziellen Form der Halsentzündung, der sogenannten Seitenstrangangina, sind die Seitenstränge des Rachens zusätzlich sehr stark gerötet und angeschwollen.

Begleitet werden die Symptome der Halsentzündung oftmals durch ein starkes Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Schlappheit und Appetitlosigkeit.

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Komplikationen

Eine akute Halsentzündung heilt in der Regel komplikationslos ab. In manchen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten, die insbesondere durch bakterielle Infektionen hervorgerufen werden. Eine bakterielle Halsentzündung kann sich beispielsweise bis zum Kehlkopf und den Stimmbändern ausbreiten und auf diese Weise eine Kehlkopf- bzw. Stimmbandentzündung (Laryngitis) auslösen.
Auch ist es möglich, dass sich die Entzündung bis zur Mündung der Ohrtrompete ausbreitet und sich dadurch sekundär eine Mittelohrentzündung bildet.
Die Krankheitserreger können auch in die Nasennebenhöhlen und Stirnhöhlen wandern und dort eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) verursachen.
Nicht zuletzt können sich die Entzündungsherde abkapseln und umschriebene Eiteransammlungen im Gewebe, sogenannte Abszesse, bilden, die dann oftmals chirurgisch eröffnet werden müssen.

Besonders junge und sportlich aktive Menschen neigen dazu, Erkältungskrankheiten nicht genügend auszukurieren, bevor sie mit sportlichen Aktivitäten wieder einsetzen. Dies kann dazu führen, dass die Infektion verschleppt wird und den Herzmuskel befällt. In der Folge kann sich eine potenziell lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung entwickeln.

Diagnose

Die Diagnose einer Halsentzündung kann von einem Hausarzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt in der Regel sehr einfach gestellt werden: Durch die Symptome des Patienten und die Inspektion von Mund- und Rachenraum wird bereits deutlich, woran der Patient leidet.

Anhand von Belägen im Rachenbereich können auch Rückschlüsse auf den jeweiligen Krankheitserreger gezogen werden. Findet der Arzt Eiterstippchen vor, so ist von einer bakteriellen Genese der Halsentzündung auszugehen.
Es gibt allerdings auch Viren, die charakteristische Beläge im Rachenbereich hervorrufen können. Ein Beispiel ist das Epstein-Barr-Virus (EBV), welches das Pfeiffer’sche Drüsenfieber auslöst. Dieses äußert sich durch eine starke Halsentzündung mit Schwellung der Gaumenmandeln, welche typischerweise schmutzig-grau belegt sind.
Auch die Diphtherie, ausgelöst durch das Corynebacterium diphteriae, ist oftmals schon an dem charakteristischen Rachenbelag erkennbar. Dieser ist gelb-weißlich und kann sich flächig im ganzen Rachenraum ausbreiten.

Ist es notwendig, den genauen Erreger der Halsentzündung zu bestimmen, so kann der Arzt einen Abstrich von der entzündeten Schleimhaut nehmen und diesen mikrobiologisch untersuchen lassen. Anschließend kann dann eine gezielte Therapie eingeleitet werden. Bei einer gewöhnlichen Halsentzündung ist diese Differenzierung jedoch meist nicht notwendig.

Therapie

Die Therapie einer Halsentzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache der Erkrankung. Eine virale Halsentzündung wird in der Regel rein symptomatisch therapiert und heilt in der Folge komplikationslos aus. Dazu empfiehlt es sich, Bettruhe zu halten, sich warm anzuziehen und viel zu trinken. Besonders geeignet sind Kräutertees (beispielsweise Salbei- und Kamilllentee), da diese eine entzündungshemmende Wirkung haben. Die Getränke sollten nach Möglichkeit keinen Zucker enthalten. Verzichtet werden sollte auf sehr heiße, sehr kalte und kohlensäurehaltige Getränke, da dadurch die Schleimhäute zusätzlich strapaziert werden.
Hilfreich kann hingegen das Gurgeln mit Salbeilösung sein. Bei stärkeren Schmerzen können auch Schmerzmittel zum Einsatz kommen (Ibuprofen, Paracetamol). Alternativ sind in der Apotheke auch Halssprays und Lutschpastillen mit betäubender Wirkung erhältlich, die die Beschwerden lindern können.
Als altbewährtes Hausmittel greifen manche Patienten außerdem auf Halswickel zurück.

Eine bakterielle Halsentzündung muss je nach Schweregrad medikamentös therapiert werden. Bei einer leichten Infektion wird wie bei der viralen Halsentzündung eine rein symptomatische Therapie empfohlen. Sind Rachen und Gaumenmandeln jedoch stark vereitert, so ist eine Antibiotikatherapie meist unumgänglich, um Komplikationen zu vermeiden. Sind Streptokokken die Erreger, die die Halsentzündung ausgelöst haben, so wird meist Penicillin verschrieben. Dabei ist es wichtig, dass das Antibiotikum nach Anweisung des Arztes eingenommen wird und die Therapie nicht eigenmächtig vorzeitig abgebrochen wird, auch nicht, wenn sich die Symptome bereits gebessert haben. Andernfalls können die Bakterien wieder aufkeimen und die Halsentzündung wieder verschlimmern. Zudem werden durch einen vorzeitigen Abbruch der Therapie Resistenzentwicklungen der Bakterien gefördert.

Zur Therapie der chronischen Halsentzündung reicht es oft aus, den ursächlichen Faktor nach Möglichkeit zu vermeiden. Dies ist am besten bei Halsentzündungen möglich, die durch Nikotin- oder Alkoholkonsum begünstigt werden. Fällt die reizende Wirkung dieser Stoffe auf die Schleimhäute weg, so wird die Halsentzündung in der Regel innerhalb kürzester Zeit abheilen.
Chronische Halsentzündungen im Rahmen einer Chemo- oder Strahlentherapie sind meist nicht vermeidbar. Um die Beschwerden zu lindern hilft die Befeuchtung der Schleimhäute mittels Lutschpastillen oder künstlichem Speichel. Auch auf eine gute Mundhygiene sollte geachtet werden, um mikrobielle Infektionen der vorgeschädigten Schleimhäute zu vermeiden.

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Prognose

Eine akute Halsentzündung, die durch Krankheitserreger hervorgerufen wurde, klingt in den meisten Fällen auch ohne spezifische Therapie innerhalb von drei bis fünf Tagen ab.
Selten kommt es zu komplizierten Verläufen mit Abszessbildung o.ä., die ein weiteres ärztliches Eingreifen nötig machen.

Bei bakteriellen Halsentzündungen, die den Einsatz von Antibiotika erfordern, kann die Dauer, bis die Erkrankung vollständig ausgestanden ist, etwas länger sein. Spätestens nach zwei Wochen sollte die Entzündung jedoch abgeklungen sein.

Chronische Halsentzündungen nach Chemo- oder Strahlentherapie bessern sich in der Regel in den Wochen nach Beendigung der Therapie von selber.

Prophylaxe

Es ist nicht immer möglich, eine Halsentzündung zu vermeiden. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn viele Menschen erkältet sind, ist die Ansteckungsgefahr sehr hoch. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichender Bewegung und einer gesunden Ernährung wirkt generell protektiv, da das Immunsystem auf diese Art und Weise gestärkt wird. Auf Alkohol und Zigarettenrauchen sollte verzichtet werden, da diese Stoffe die Schleimhäute reizen und sie anfälliger für Entzündungen machen.

Dennoch kann eine Ansteckung durch diese Maßnahmen nicht immer verhindert werden. Es empfiehlt sich daher, sich nach Kontakt mit anderen Menschen oder Flächen, die von vielen Menschen angefasst werden (beispielsweise Türklinken, Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln), gründlich die Hände zu waschen und sich möglichst wenig an Nase, Mund oder Augen zu fassen. Dies sind die bevorzugten Eintrittspforten der Krankheitserreger.'
Meiden Sie zudem den nahen Kontakt zu erkrankten Personen, da Erkältungsviren/-bakterien vor allem durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen von einer auf die andere Person übertragen werden. Zudem kann es hilfreich sein, darauf zu achten, dass die Räumlichkeiten, in denen man sich aufhält, nicht zu sehr überheizt werden. Die Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und macht sie anfälliger für Infektionen.
Achten Sie auf ausreichend frische Luft und genügend Schlaf.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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