Schmerzen beim Schlucken

Einleitung

Schmerzen beim Schlucken treten vor allem im Rahmen von Entzündungen der Mundhöhle, des Rachens und des Halses auf. Diese Entzündungen sind meistens viralen Ursprungs, können aber bei ausgeprägtem Beschwerdebild auch durch die Infektion mit einem Bakterium ausgelöst werden. Das heißt Schluckschmerzen treten in den meistens Fällen als Symptom einer Erkältungskrankheit auf und werden dann von weiteren Beschwerden wie beispielsweise Halsschmerzen, Heiserkeit und Fieber begleitet. Da Schmerzen beim Schlucken jedoch auch ein Ausdruck einer ernstzunehmenden Erkrankung sein können, bedarf es in Abhängigkeit der weiteren Symptome und der Dauer der Schmerzen einer dringenden ärztlichen Abklärung.

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Ursachen

Schmerzen beim Schlucken können ausgesprochen vielfältige Ursachen haben. So können Schluckschmerzen bei Entzündungen, bei Verletzungen, bei Tumorerkrankungen und Nervenschmerzen im Versorgungsgebiet des Zungen-Rachen-Nerv (9. Hirnnerv), einer sogenannten Glossopharyngeusneuralgie auftreten. Anzumerken ist jedoch, dass Schmerzen beim Schlucken in den meisten Fällen im Rahmen von Erkältungskrankheiten, das heißt Entzündungen auftreten. Im Weiteren wird kurz auf die verschiedenen Ursachen für Schmerzen beim Schlucken eingegangen. Diese Aufzählung beinhaltet die wichtigsten Auslöser für Schluckschmerzen. Folgende Entzündungen im Bereich des Mundes, des Rachens und der Speiseröhre (Ösophagus) können für unangenehme Schmerzen beim Schlucken sorgen.

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Glossitis

Bei einer Glossitis handelt es sich um eine Entzündung der Zunge, die mannigfaltige Ursachen aufweisen kann. Ursächlich für eine Glossitis können Veränderungen im Bereich der Zähne (scharfe Zahnkanten, Zahnstein, Metall-Legierungen bei der Zahnsanierung), ein Vitaminmangel (A, B und C), eine sogenannte Hunter-Glossitis im Rahmen eines Vitamin B12-Mangels, das Plummer-Vinson-Syndrom bei Eisenmangel oder auch eine Pilzinfektion (Mundsoor) sein. Auch bei einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus), in den Wechseljahren (Klimakterium) oder einer larvierten Depression, das heißt einer Depression mit körperlichen Beschwerden, kann eine Glossitis auftreten.

Stomatitis

Eine Stomatitis ist eine Entzündung der Mundschleimhaut, die ebenfalls verschiedene Ursachen aufweisen kann. So kann eine Entzündung der Mundschleimhaut durch eine vorangegangene Zahnfleischentzündung (Gingivitis), durch krankheitserregende Mikroorganismen (Viren, Bakterien), durch eine unzureichende Zahn-und/oder Mundpflege, durch einen Vitaminmangel (A, B und C) und auch bei Nikotin-und Alkoholmissbrauch auftreten.

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Tonsillitis (Angina tonsillaris)

Bei einer Tonsillitis handelt es sich um eine Entzündung der Gaumenmandeln. Meist sind Streptokokken der (Bakterien) verantwortlich für diese Entzündung. Seltener können auch Pneumokokken oder Haemophilus influenzae für eine Tonsillitis verantwortlich gemacht werden. Bei Kindern kann eine Tonsillitis auch durch eine virale Infektionen ausgelöst werden. Mandelentzündungen treten vor allem bei größeren Kindern und jungen Erwachsenen auf.

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Anginen

Neben der Tonsillitis gibt es weitere Ursachen für Schmerzen beim Schlucken im Bereich der Gaumenmandeln: Angina-Plaut-Vincent (Angina ulceromembranacea), Angina agranulocytotica, Diphtherie, eine spezifische Angina bei der Geschlechtskrankheit Syphilis (Lues) und auch bei der bakteriellen Infektionskrankheit Tuberkulose. Darüber hinaus können auch eine Herpangina durch das Coxsackie-A-Virus und das Pfeiffer-Drüsenfieber durch das Epstein-Barr-Virus für Schluckschmerzen sorgen.

Peritonsillarabszess

Ein Peritonsillarabszess, welcher an einer Verwölbung des Gaumenbogens erkennbar ist, stellt eine Komplikation einer Mandelentzündung (Tonsillitis) dar. Die Ursache für einen solchen Peritonsillarabszess ist die Ausbreitung der Entzündung ins Bindegewebe zwischen der Tonsille und einem Rachenmuskel (Musculus constrictor pharyngis), wo sich dann eine abgekapselte Ansammlung von Eiter (Abszess) bilden kann.

Mundbodenabszess

Auch im Bereich des Mundbodens kann es zu einer solchen abgekapselten Eiteransammlung kommen. Ursächlich für einen Mundbodenabszess können Verletzungen und Infektionen der Zunge durch das Einspießen von Fremdkörpern, wie Gräten oder Knochensplitter sein. Ein Mundbodenabszess kann auch seinen Ursprung am Zahnsystem oder den Unterkieferspeicheldrüsen (Glandula sublingualis beziehungsweise Glandula submandibularis) nehmen.

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Pharyngitis

Eine Entzündung der Rachenschleimhaut wird als Pharyngitis bezeichnet. Eine akute Entzündung der Rachenschleimhaut tritt meistens bei einem Virusinfekt der oberen Luftwege auf. Im weiteren Verlauf kann eine bakterielle Besiedlung hinzu kommen, man spricht dann von einer sekundären bakteriellen Besiedlung. Besteht die Entzündung des Rachens länger als drei Monate, so bezeichnet man diesen Zustand als chronische Pharyngitis. Für eine chronische Entzündung der Rachenschleimhaut gibt es verschiedene Auslöser. So spielen beispielsweise chemische Reize am Arbeitsplatz, Staubeinwirkung, trockene Raumluft, ständige Mundatmung bei behinderter Nasenatmung, Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit eine Rolle. Auch eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich kann Auslöser für eine länger anhaltende Entzündung der Rachenschleimhaut sein.

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Soor (Candidiasis)

Bei einer Candidiasis handelt es sich um eine Infektion von Schleimhäuten mit dem Sprosspilz Candida albicans, also um eine Pilzerkrankung. Zu beobachten ist dies vor allem bei geschwächten, sehr abgemagerten (kachektischen) Patienten während der Behandlung einer Krebserkrankung (bei Strahlen- und/oder Chemotherapie) oder auch nach längerer Therapie mit einem Antibiotikum.

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Epiglottitis

Eine Epiglottitis ist eine lebensbedrohliche Kehldeckelentzündung. Bei Kindern ist die Ursache meist eine Infektion mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ B. Bei Erwachsenen kommen eher die folgenden Erreger in Betracht: Streptokokken, Staphylokokken und Pneumokokken, also Bakterieninfektionen.

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Oesophagitis

Eine Ösophagitis ist eine Speiseröhrenentzündung, die beispielsweise auch durch eine Pilzinfektion ausgelöst werden kann. In der Speiseröhre sind dann während einer Spiegelung (Endoskopie) weiße Beläge zu sehen. Darüber hinaus kann eine Entzündung der Speiseröhre auch durch aufsteigenden sauren Magensaft ausgelöst werden, man spricht in diesem Fall von einer Refluxösophagitis.

Folgende Verletzungen im Bereich des Mundes, des Rachens und der Speiseröhre (Ösophagus) können für unangenehme Schmerzen beim Schlucken sorgen.

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Zungenbiss

Die häufigste Ursache für einen Zungenbiss ist ein Krampfanfall (epileptischer Anfall), wo sich der Betroffene unabsichtlich auf die Zunge beißt.
Ein Zungenbiss reicht von geringfügigen Schleimhautverletzungen über Teilabrisse der Zunge bis hin zum kompletten Verlust der Zunge.

Pfählungsverletzung

Eine Pfählungsverletzung ist gekennzeichnet durch das Eindringen oder Durchdringen des Körpers mit einem pfahlartigen Gegenstand. Kommt es dabei zu Verletzungen im Bereich des Gaumens so beklagen die Betroffenen selbstverständlich auch Gaumenschmerzen beim Schlucken. Ein Beispiel für eine Pfählungsverletzung im Bereich des weichen Gaumens ist, wenn Kinder mit einem Bleistift oder einem Stäbchen im Mund stürzen.

Verbrühungen und Verätzungen

Selbstverständlich können Verbrühungen oder auch Verätzungen im Bereich des Mundes, des Rachens oder der Speiseröhre zu quälenden Schmerzen beim Schlucken sorgen. Verbrühungen und Verätzungen können auftreten wenn Kinder unbeobachtet aus der Tülle von Kaffee- oder Teekannen oder auch Haushaltsreinigern trinken, durch die Verwechslung von Flascheninhalt (wenn in gewöhnliche Trinkflaschen Säuren oder Laugen abgefüllt werden), durch ungeschicktes Pipettieren oder auch mit einer suizidalen Absicht.

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Fremdkörper

Fremdkörper im Bereich des Mundes, des Rachens oder der Speiseröhre können den Schluckakt behindern und so für Schluckschmerzen sorgen. Gerade bei Kleinkindern sollte immer auch das Verschlucken von Fremdkörpern in Betracht gezogen werden.

Tumore

Folgende Tumoren im Bereich des Mundes, des Rachens und der Speiseröhre (Ösophagus) können für unangenehme Schmerzen beim Schlucken sorgen: Zungenkrebs, Mundbodenkrebs, Mundrachenkrebs (Oropharynxkarzinom), Schlundrachenkrebs (Hypopharynxkarzinom), Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom).

Diagnose

Da Schmerzen beim Schlucken viele Ursachen aufweisen, gibt es auch verschiedene Fachärzte und Therapeuten, die bei der Diagnosestellung und der Planung der Behandlung beteiligt sein können. Eine passende Anlaufstelle ist in jedem Fall ein Allgemeinmediziner oder auch ein Hals-Nasen-Ohren-(HNO-) Arzt. Bei Erkrankungen der Mundschleimhaut kann auch ein Hautarzt (Dermatologe) konsultiert werden. Für Krankheitsbilder, die die Speiseröhre (Ösophagus) betreffen, ist primär ein Internist beziehungsweise Gastroenterologe zuständig.
Zu Beginn der Annäherung an die mögliche Diagnose steht immer die ausführliche Erhebung der Krankengeschichte durch Befragung des Patienten (Anamnese). Dabei ist es wichtig, auch weiteren Beschwerden des Betroffenen Beachtung zu schenken. Im Hinblick auf eine mögliche Krebserkrankung spielt auch das Abfragen der sogenannten B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) eine Rolle.
Anschließend sollte die körperliche Untersuchung des Betroffenen erfolgen, wobei der Untersucher vor allem die Mundhöhle, den Rachen und den Kehlkopf inspizieren sollte. Hierbei lässt sich feststellen, ob eine Rötung, eine Schwellung, Bläschen oder auch Eiter als Zeichen einer Entzündung bestehen. Zudem können am Hals noch die eventuell tastbaren Lymphknoten und die Schilddrüse durch einfaches Tasten untersucht werden. Darüber hinaus kann ein Rachenabstrich erfolgen, in dem nach den auslösenden Erregern gefahndet werden kann.
Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Entzündungsparameter C-reaktives Protein (CRP) und den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kann ebenfalls das Vorliegen einer Entzündung verifizieren. Besteht beispielsweise der Verdacht, dass die Speiseröhre der eigentlich Auslöser für die Schmerzen beim Schlucken ist, so kann diese mit Hilfe einer Spiegelung (Endoskopie) näher betrachtet werden, da diese sonst in der klinischen Untersuchung nicht zugänglich ist. Bei Verdacht auf eine Refluxkrankheit kann darüber hinaus noch eine Säurerückfluss-Messung (24-Stunden-pH-Metrie) erfolgen, bei der die Säurebelastung in der Speiseröhre und/oder dem Magen über einen Zeitraum von 24 Stunden mittels einer Sonde gemessen wird.
Soll der Nasen-Rachen-Raum eingehender untersucht werden, so ist der Hals-Nasen-Ohren-(HNO-) Arzt der beste Ansprechpartner, da dieser mit zur Hilfenahme von entsprechenden Geräten, die beste Übersicht über diese Bereiche hat. Selbstverständlich können auch bildgebende Verfahren, wie Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) Krankheitsprozesse erfassen. Auch die Endosonografie, also die Ultraschalluntersuchung von Inneren des Körpers mittels einem schlauchförmigen Ultraschallgerät kann eventuell notwendig sein. Je nach Fragestellung sind auch spezielle bildgebende und nuklearmedizinsche Verfahren oder die Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien), wie beispielsweise zum Ausschluss einer Krebserkrankung, angezeigt.

Therapie

Die therapeutische Herangehensweise an die Schmerzen beim Schlucken hängt von der jeweiligen Diagnose ab und reicht von einfachen konservativen Maßnahmen (das heißt nicht operativ) bis hin zu verschiedenen Operationen. Da Erkältungskrankheiten eine häufige Ursache von Schmerzen beim Schlucken sind wird im Weiteren die Therapie einer viralen Infektion der oberen Luftwege (akute Pharyngitis) näher beleuchtet.
Bei einer akuten Entzündung der Rachenschleimhaut werden häufig warme Halswickel oder auch warme Getränke mit Honig als angenehm empfunden. Auch milde Öle, die über die Nase appliziert werden, wie beispielsweise Coldastop® Nasen-Öl (enthält Vitamin A und E) können Abhilfe verschaffen. Darüber hinaus können ebenfalls Lutschtabletten mit Dexpanthenol (Bepanthen®) oder Cetylpyridinumchlorid (Dobendan®) zur Anwendung kommen.
Antibiotikahaltige Lutschtabletten sollten bei einer viralen Infektion vermieden werden, da diese keine Wirkung auf eine Virusinfektion haben und des Weiteren für allergische Reaktionen sorgen können und das Auftreten von Pilzinfektionen begünstigen. Eine systemische Antibiotikatherapie mit Penicillin-G sollte jedoch bei ausgeprägtem Beschwerdebild erfolgen, da in diesen Fällen eine sekundär bakterielle Besiedlung vorliegen kann, gegen die das Antibiotikum eine Wirkung zeigt. Darüber hinaus gibt es auch eine Vielzahl von Hausmitteln, die gegen Schmerzen beim Schlucken beziehungsweise Halsschmerzen helfen können. Dazu zählen zum Beispiel Lehmwickel, wo ein Tuch mit Heilerde um den Hals gebunden wird oder auch Kartoffel- oder Quarkwickel. Auch das Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee, die Anwendung von Zwiebelsaft mit Honig oder Knoblauch sollen eine gute Wirksamkeit bei Halsschmerzen aufweisen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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