Eisenmangel

Synonyme

Sideropenie
englisch: iron deficiency

Definition/ Einleitung

Eisenmangel oder Sideropenie bedeutet einen Mangel an Eisen im menschlichen Körper, der durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden kann und meist ohne Symtome verläuft. Treten Symptome des Eisenmangels vor einer Anämie (Blutarmut) auf, spricht man von Sideropenie. Je nach Symptomen und Blutwerten, unterscheidet man verschieden Formen des Eisenmangels. Dabei bedeutet ein latenter Eisenmangel ein vermindertes Eisen ohne Blutbildveränderungen, während ein manifester Eisenmangel mit Veränderungen der Blutzellen einhergeht und einer Therapie bedarf.

Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung

Der Eisenmangel ist eine der häufigsten Mangelerkrankungen. Weltweit leidet ca. 25% der Bevölkerung unter dieser Mangelerkrankung. In Europa sind ca. 10% der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen, in Entwicklungsländern >50% der Frauen. Zudem macht der Eisenmangel ca. 80% aller Anämien (Blutarmut) aus.


Symptome vom Eisenmangel

Dezenter Eisenmangel ruft nicht zwingend direkt spürbare Symptome hervor und zeigt sich im Blut lediglich durch einen erniedrigten Ferritinwert (latenter Eisenmangel). Es gibt jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Anzeichen, die schon früh auf einen Mangel hindeuten können, bevor sich das Vollbild entwickelt.
Häufig treten

auf. In diesem Zusammenhang kann auch die körperliche Fitness beeinträchtigt sein. Ebenso kann eine eingeschränkte Kältetoleranz hinzukommen.Weitere mögliche frühe Anzeichen finden sich im Bereich der Haut und Schleimhäute. Dazu gehören Zungenbrennen, Schleimhautdefekte (z.B. Aphten im Mund), Mundwinkelrhagaden (kleine, entzündliche Einrisse in den Mundwinkeln), Schluckbeschwerden, aber auch brüchige und verformte Nägel (insbesondere Querrillen, nach oben gewölbte Uhrglasnägel oder muldenförmig eingesenkte Hohlnägel) sowie brüchige bzw. ausfallende Haare.

Lesen Sie viele weitere und umfangreiche Informationen zu allen Symptomen unter unserem Thema: Symptome von Eisenmangel

All diese Auffälligkeiten werden als Symptomkomplex unter der Bezeichnung Plummer-Vinson-Syndrom zusammengefasst.
Eisenmangel kann sich darüber hinaus auch in Pikazismus bzw. dem Pica-Syndrom äußern, bei dem die Betroffenen Essgelüste auf eigentlich nicht zum Verzehr geeignete Dinge (z.B. Erde, Kalk oder Steine) haben, in diesem Fall v.a. auf eisenhaltige Gegenstände.

Wenn der Eisenmangel über längere Zeit besteht bzw. stark ausgeprägt ist, werden auch die letzten Eisenreserven des Körpers aufgebraucht und es kommt zur Ausbildung einer Blutarmut (Eisenmangelanämie), also zum Vollbild bzw. zur ausgeprägten Form des Eisenmangels.
In diesem Fall fehlt auch dem roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) das Eisen, das er zwingend benötigt, um seine Funktion als Sauerstofftransporter im Körper zu erfüllen. Das hat zur Folge, dass die Konzentration an funktionsfähigem Hämoglobin im Blut abfällt und damit der Sauerstofftransport im gesamten Körper beeinträchtigt wird.
Die zuvor genannten Symptome können sich verstärken und zusätzlich zu diesen treten weitere, für eine Blutarmut spezifische Beschwerden auf. Neben Blässe der Haut und Schleimhäute zeigen sich v.a. Atemnot (insbesondere unter körperlicher Belastung, eine sog. Belastungsdyspnoe) und eine erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie), mit der der Körper das geringe Sauerstoffangebot in den Organen zu kompensieren versucht. Die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff kann u.a. zu Ohnmachtsanfällen (Synkopen) und Schwindel führen, bei schweren Formen der Anämie kann der Sauerstoffmangel sogar lebenswichtige Organe wie Nieren oder Herz schädigen.

Schwindel durch Eisenmangel

Ein typisches Symptom, was zu einem Eisenmangel passt, ist unspezifischer Schwindel, sogenannter Schwankschwindel. Durch den Eisenmangel kommt es zu einer Blutarmut, die oben beschriebene Eisenmangelanämie.
Durch Verminderung der Sauerstoffträgerfähigkeit im Blut treten relativ unspezifische Symptome, besonders ein Schwindel auf. Gerade bei unklarem Schwindel sollte immer eine Eisenmangelanämie ausgeschlossen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schwindel durch Eisenmangel

Haarausfall

Auch für den Stoffwechsel der Haare ist Eisen ein wichtiger Nährstoff.
Bei leichtem Eisenmangel werden die noch vorhandenen Reserven bevorzugt für die lebensnotwendigen Funktionen, also die Bildung von Hämoglobin zwecks Sauerstofftransports im Körper, eingesetzt, sodass Haare (und auch Nägel) schnell unterversorgt sein können.
Haarausfall sowie spröde, brüchige Haare können also ein frühes Anzeichen von Eisenmangel sein, das schon auftritt, bevor andere typische Symptome wie z.B. Blutarmut und Müdigkeit deutlich spürbar werden.

Da es aber auch noch viele weitere mögliche Gründe für Haarausfall gibt, sollte bei ersten Anzeichen von Haarausfall dessen Ursache abgeklärt werden, bevor man einfach auf Verdacht zu Eisentabletten greift (denn auch ein Eisenüberschuss kann sich negativ auswirken).
Zur Abklärung kann v.a. der Ferritin-Wert (Speicherform des Eisens) im Blut herangezogen werden, da dieser im Gegensatz zu den anderen Eisenwerten auch schon bei leichtem, „verstecktem“ Eisenmangel erniedrigt sein kann.

Haarausfall, der durch Eisenmangel bedingt ist, lässt sich durch das einfache Ausgleichen dieses Mangels leicht behandeln. Durch Ernährungsumstellung und/oder Einnahme geeigneter Präparate kann das Haarwachstum also wieder in Gang gesetzt werden.

Lesen Sie alles zu den Symptome unter unserem Thema: Symptome des Eisenmangels

Eisenmangelanämie

Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Blutarmut (Anämie) und wird durch einen Mangel an Eisen hervorgerufen. Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) in den roten Blutzellen (Erythrozyten) benötigt Eisen, um seine Funktion als Sauerstofftransporter im Körper zu erfüllen; steht zu wenig Eisen zur Verfügung, ist diese Funktion eingeschränkt und es kann nicht genügend Hämoglobin bereitgestellt werden.
Im Labor zeigen sich dabei neben einem reduzierten Hämoglobin-Wert im Blut eine verringerte Größe der Erythrozyten (MCV = mittleres Erythrozyteneinzelvolumen) und ein verringerter Hämoglobingehalt in diesen (MCHC = mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration). Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer mikrozytären, hypochromen Anämie.
Gleichzeitig zeigt sich der Eisenmangel im Blut durch eine verringerte Konzentration sowohl von freiem Eisen als auch von Ferritin (Speicherform des Eisens), aber auch durch einen erhöhten Transferrin-Wert (Transportprotein für Eisen, das vermehrt nachweisbar ist, wenn es weniger Eisen gebunden hat).
Ist eine Eisenmangelanämie diagnostiziert worden, gilt es, die Ursache für den Eisenmangel ausfindig zu machen, um dementsprechend therapieren zu können.
In Frage kommen ein erhöhter Bedarf (z.B. während einer Schwangerschaft), ein verstärkter Verlust (z.B. über Blutungen), eine mangelhafte Ernährung oder eine gestörte Eisenaufnahme (z.B. bei diversen Magen-Darm-Erkrankungen).
Erst wenn die Eisenspeicher des Körpers aufgebraucht sind, führt der Eisenmangel zu einer Anämie.

Lesen Sie mehr zum Thema: Eisenmangelanämie

Diagnose

Da der Eisenmangel an sich nur eine Folgeerkrankung anderer Ursachen ist, muss besonderen Wert darauf gelegt werden, die ursprüngliche Krankheit zu finden und zu therapieren. Aus diesem Grund muss, um die Diagnose Eisenmangel zu stellen, eine gründliche Befragung des Patienten durchgeführt werden. Dabei sollten chronische Erkrankungen, eine Schwangerschaft und vermehrte Blutungsneigung der Frau während der Menstruation zunächst ausgeschlossen werden. Des Weiteren liefert die Blutuntersuchung wichtige Aussagen zum Stadium des Eisenmangels.
Dabei werden die Zellzahl und Morphologie der Zellen betrachtet. Außerdem müssen die Parameter des Speichereisens, d.h. Serumtransferrin und Serumferritin betrachtet werden. So kann zwischen einem latenten Eisenmangel, der oft zunächst keiner Therapie bedarf, und einem manifesten Eisenmangel unterschieden werden. Da dieser Veränderungen der Blutzellen nach sich zieht, ist es wichtig hier medizinisch einzugreifen und Eisen zu substituieren.
Um den Verdacht auf innere Blutungen auszuschließen, sollte ein Ultraschall des Abdomens durchgeführt werden.
Auch Blut im Stuhl liefert einen wichtigen Hinweis auf Blutungen im Magen- Darm- Trakt.

Lesen Sie mehr zum Thema : Blut im Stuhl

Des Weiteren können eine Darmspiegelung (Koloskopie ), Röntgenaufname des Brustkorbs (Thorax) und die genaue Betrachtung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm Blutungsursachen aufdecken oder ausschließen.

Um eine Störung der Eisenaufnahme im Körper zu diagnostizieren, kann ein Eisenresorptionstest durchgeführt werden. Dabei werden 100mg Eisen oral aufgenommen. Nach 2 Stunden wird das Serumeisen gemessen. Normal ist ein Anstieg des Serumeisens auf das doppelte des Ausgangswertes.

Eisenmangel-Test

Es gibt verschiedene Tests, um einen Eisenmangel schnellstmöglich zu diagnostizieren. Man kann Tests online oder in der Apotheke erwerben oder beim Arzt durchführen lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Eisenmangel-Test

Therapie

Da Eisenmangel zunächst ein Befund ist, aber keine Ursache (siehe auch: Ursache Eisenmangel), sollte diese zuerst erkannt und behandelt werden um auf die Dauer den Eisenmangel auszugleichen. Dennoch wird gleichzeitig der Eisenmangel durch Medikamente behoben, sofern es nicht ausreicht, den Mangelzustand mit der täglichen Nahrung auszugleichen. Dabei wird Eisen in Form von Tabletten substituiert. Diese sollten ca. 1- 2 Stunden vor der nächsten Nahrungsaufnahme 1- 2mal täglich eingenommen werden, da Eisen vom Körper im nüchternen Zustand besser aufgenommen werden kann. Empfehlenswert bei Erwachsenen ist eine tägliche Dosis von 100 -150mg Eisen/ Tag.

Eisenpräparate können unter anderem Bauchschmerzen und Übelkeit hervorrufen. Sollten diese Nebenwirkungen auftreten, kann ein anderes Präparat getestet werden, da die verschiedenen Präparate individuell unterschiedlich vertragen werden, außerdem kann die Dosis zunächst reduziert werden. Bleiben die Nebenwirkungen dennoch bestehen, kann das Medikament auch während oder nach der Mahlzeit eingenommen werden. Die Aufnahme in den Organismus ist dann zwar nicht mehr optimal, aber das Präparat wird besser vertragen. Außerdem färbt sich der Stuhl unter Eisentherapie dunkel, da der größte Teil des Eisens wieder ausgeschieden wird. Weil sich die Eisenspeicher im Körper nur langsam wieder auffüllen, muss eine solche Behandlung oft über mindestens 2- 3 Monate erfolgen.

Es ist auch möglich Eisen direkt über die Vene zuzuführen. Diese Art der Substitution wird aber nur dann durchgeführt, wenn eine orale Gabe nicht vertragen wird. Die Therapie sollte dann 2- 3mal wöchentlich stattfinden und kann zu Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle führen. Um eine übermäßige Venenreizung zu vermeiden, sollte die Gabe langsam über eine große Venenkanüle erfolgen. Anaphylaktische Reaktionen auf das Eisen sind zwar selten, dennoch sollte der Arzt auf eine solche Reaktion vorbereitet sein.

Bei einer Überdosierung kann es zu schweren Vergiftungserscheinungen kommen. Bei Kleinkindern reichen 500- 1000mg um Vergiftungserscheinungen hervorzurufen, 2000 -3000mg können tödlich sein. Diesen Gehalt findet man schon in etwa 20- 30 Tabletten. Kinder sind auf Grund dessen besonders gefährdet eine Überdosis einzunehmen, da der Zugang zu der entsprechenden Menge Tabletten relativ leicht ist. Erste Anzeichen einer Überdosierung sind Fieber, Übelkeit, Blutdruckabfall und Erbrechen.

Nach 2 Monaten sollte spätestens die Hämoglobinkonzentration ihren Normalwert erreicht haben, Serumferritin nach 3 Monaten. Ist dies nicht der Fall, kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Zum einen ist es möglich, dass die verordneten Präparate nicht ordnungsgemäß eingenommen wurden, die Blutverluste weitergehen, die Aufnahme in den Organismus gestört ist oder eine falsche Diagnose gestellt wurde. In jedem Fall ist eine neue Suche nach der Ursache nötig um schwerwiegendere Krankheiten zu vermeiden.

Aufgrund wechselseitiger Resorptionsstörungen, sollten Eisentabletten nicht gleichzeitig mit:

Homöopathie bei Eisenmangel

Eisenmangel kann auch homöopathisch behandelt werden. Lesen Sie alles zu diesem Thema unter: Homöopathie bei Eisenmagel.

Prophylaxe

Durch eine ausgewogene und eisenreiche Ernährung lassen sich Mangelerscheinung vermeiden. Besonders viel Eisen findet sich in Petersilie (97,8mg Eisen/100g), grüner Minze, getrockneten Brennesseln, Schweineleber und Thymian. Im Vergleich dazu findet sich Relativ wenig Eisen in Geflügel, Schweinefleisch, Rindfleisch und Vollkornbrot. Außerdem lässt sich die Eisenaufnahme in den Körper durch eine gesteigerte Vitamin C Zufuhr verbessern. Hierbei reichen ca. 100mg Vitamin C aus, die allerdings höchstens 1 Stunde vor der Eisenaufnahme eingenommen werden sollten, da sich das Vitamin C noch im Verdauungstrakt befinden muss. 100mg Vitamin C sind z.B. in 200ml frisch gepresstem Orangensaft oder einigen Streifen Paprika enthalten. Aber auch andere Früchte und Gemüse können die Eisenaufnahme in den Körper verbessern.

Hemmend und damit kontraproduktiv bei Eisenmangel wirken Tannin, das in schwarzem Tee und Kaffee enthalten ist, Kalzium und Magnesium in größeren Mengen, Oxalsäure z.B. in Kakao, Spinat und Rhabarber und Phosphate in Fleisch und Käse.

Als wichtigste Eisenquellen im Alltag gelten Fleisch, Wurst und Leber. Milch und Eier hemmen hingegen die Aufnahme. Bei vegetarischer Ernährung kann Eisen aus Hülsenfrüchten, Nüssen, Gewürzen und Vollkorngetreiden aufgenommen werden.

Da Schwangere ein 100% höheren Eisenbedarf haben, reicht die normale Zufuhr mit der Nahrung oft nicht aus um einen Eisenmangel zu vermeiden. Deswegen sollte während einer Schwangerschaft präventiv 50mg Eisen/ Tag eingenommen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Lebensmittel mit Eisen

Prognose

Die Prognose des Eisenmangels steht in direkter Beziehung zur Ursache. Ist es möglich, die ursächliche Krankheit zu heilen, so ist es wahrscheinlich, dass der Eisenmangel behoben werden kann.

Eisenmangel in der Schwangerschaft

Für die ausreichende Durchblutung und Entwicklung des Kindes muss die Frau während einer Schwangerschaft ca. 30-40% mehr Blut bilden. Da für die Blutbildung i.A. Eisen benötigt wird, steigt der Eisenbedarf in der Schwangerschaft deutlich, ca. um das Doppelte, an, sodass ein erhöhtes Eisenmangelrisiko besteht.
Besonders gefährdet sind Frauen mit einer Mehrlingsschwangerschaft oder schnell aufeinander folgenden Schwangerschaften, aber auch geringes Körpergewicht und unausgewogene Ernährung sind Risikofaktoren. Die durch den Eisenmangel möglicherweise hervorgerufene Blutarmut (Anämie) weist während einer Schwangerschaft neben den üblichen Symptomen weitere Gefahren auf, sowohl für die Mutter als auch für das Kind.
Das Baby kann zum einen durch eine schlechtere Sauerstoffversorgung gefährdet werden, zum anderen kann es sein, dass sich der Mutterkuchen (Plazenta) nicht vollständig entwickelt. Wenn dieser zu klein ist, ist eine ausreichende Versorgung des Kindes mit wichtigen Nährstoffen nicht mehr unbedingt gewährleistet. Letztendlich können Wachstumsstörungen oder auch der intrauterine Kindstod (also innerhalb der Gebärmutter, noch vor der Geburt) die Folge sein.
Außerdem bestehen ebenso für die kindliche Entwicklung nach der Geburt gewisse Risiken, z.B. motorische Entwicklungsstörungen, geistige Retardierung oder Verhaltensauffälligkeiten.
Die Mutter weist i.A. eine geringere körperliche Belastbarkeit auf und hat bei der Geburt verminderte Blutreserven, sodass das Risiko für nötige Bluttransfusionen erhöht ist. Weitere mögliche Folgen sind Präeklampsie (ein Krankheitsbild mit u.a. Bluthochdruck und Proteinverlust über den Urin) oder eine Nierenbeckenentzündung. All diese Umstände können zu häufigeren und/oder längeren Krankenhausaufenthalten führen.

Aber auch der alleinige Eisenmangel ohne bereits begleitende Anämie kann schon für diverse Komplikationen verantwortlich sein. Dazu zählen u.a. vorzeitige Wehentätigkeit, vorzeitige Geburt und ein niedriges Geburtsgewicht.
Da der Organismus dem Baby während der Schwangerschaft das vorhandene Eisen bevorzugt zuteilt, besteht der Mangel bei der Mutter jedoch schon lange, bevor es sich beim Kind manifestiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt schwangeren Frauen daher eine tägliche Eisenaufnahme von 30 mg, Stillenden 20 mg (im Gegensatz dazu: Nichtschwangeren Erwachsenen ca. 10-15 mg). Während einer Schwangerschaft (v.a. ab dem zweiten Drittel) ist also ganz besonders auf eine ausreichende Zufuhr eisenhaltiger Lebensmittel zu achten, am besten in Kombination mit Vitamin C (z.B. einem Glas Orangensaft), da dies die Aufnahme im Körper verbessert.
Die gleichzeitige Einnahme von Substanzen, die die Eisenaufnahme hemmen, sollte hingegen vermieden werden; dazu zählen u.a. Kalziumpräparate, Antazida (magensäurebindende Mittel) und gewisse Antibiotika (Tetrazykline).
In Routinekontrollen während der Schwangerschaft wird das Blut auch auf Eisenmangel (u.a. Ferritin) und Blutarmut (u.a. Hämoglobin) untersucht. Auffällige Werte sollten stets bezüglich der Ursachen abgeklärt werden. Bei einem Hämoglobin-Wert unter 10 mg/dl ist i.A. von einer Risikoschwangerschaft die Rede.

Besteht auch bei ausgewogener Ernährung weiterhin ein Eisenmangel, können zusätzlich Eisentabletten eingenommen werden. Diese Therapie muss jedoch über mehrere Monate aufrechterhalten werden und kann diverse Nebenwirkungen, v.a. Magen-Darm-Beschwerden zur Folge haben.
Einige Schwangere nehmen solche Eisenpräparate auch schon vorsorglich ohne vorhandene auffällige Blutwerte ein, was jedoch nicht grundsätzlich empfohlen werden muss.
Alternativ kann auch eine intravenöse Gabe erwogen werden (v.a. bei einem Hämoglobin-Wert unter 9 mg/dl), womit sehr hohe Dosen in kurzer Zeit verabreicht werden können, ohne gleichzeitig auf Magen und Darm zu schlagen.

Das Vorgehen bei Eisenmangel in der Schwangerschaft sollte immer individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, es gibt hierzu bisher keine allgemeinen Therapieempfehlungen in Deutschland.

Vegetarier

Vegetarische oder vegane Ernährung muss nicht zwangsläufig zum Eisenmangel führen

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Eisenformen in der Nahrung: Das ausschließlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs enthaltene sog. Häm-Eisen und das sog. Nicht-Häm-Eisen, das sich nicht nur, aber vorwiegend, in pflanzlicher Nahrung findet.
Das Häm-Eisen (an tierisches Hämoglobin gebunden) kann zu einem größeren Anteil vom menschlichen Körper verwertet werden (höhere Bioverfügbarkeit) als das Nicht-Häm-Eisen, d.h. aus dem Häm-Eisen kann bei gleicher Menge mehr Eisen vom Körper aufgenommen werden.

(Ovo-Lacto-)Vegetarier und Veganer müssen ihren Eisenbedarf größtenteils bzw. komplett durch pflanzliche Lebensmittel decken. Abgesehen davon, dass Eisenmangel ohnehin häufig mit genetischer Veranlagung oder anderen Ursachen in Verbindung steht, führt vegetarische/vegane Kost nicht zwangsläufig zu einem Eisenmangel.
Viele pflanzliche Lebensmittel, wie z.B. diverse Getreidesorten (Hirse, Amaranth etc.), Kürbiskerne, Sesamsamen, Linsen oder Pfirsiche enthalten große Mengen an Eisen. Die schlechtere Verwertbarkeit dieses Eisens lässt sich zum einen durch eine insgesamt größere Gesamtmenge an zugeführtem Eisen, zum anderen durch eine ausgewogene, sinnvoll kombinierte Ernährung kompensieren.
So kann z.B. die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (in vielen Obst- und Gemüsesorten) oder fermentierten Sojaprodukten die Eisenverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen deutlich erhöhen, während Phytate (in Hülsenfrüchten und rohem Getreide), Tee, Kaffee, Milch-, Ei- und Sojaproteine die Eisenaufnahme hemmen.

Zusammenfassung

Eisenmangel ist eine ernst zu nehmende Diagnose, die schwerwiegende Ursachen haben kann, und deswegen einer umfassenden Diagnostik bedarf. Die häufigste Ursache für Eisenmangel sind Blutungen, sowohl bei Frauen während der Regelblutung, also auch Blutungen des Magen- Darm- Traktes. Eisenmangel aufgrund von Mangelernährung ist in der westlichen Welt eher selten, in Entwicklungsländern aber umso häufiger.

Ist die Ursache für den Eisenmangel gefunden, so liegt es an der zugrunde liegenden Erkrankung, wie gut der Eisenmangel zu behandeln ist. Liegen keine schwerwiegenden Erkrankungen wie Tumore oder chronische Erkrankungen des Magen- Darm– Traktes zugrunde, so ist ein Eisenmangel gut behandelbar. Eisen kann dann entweder vermehrt mit der Nahrung aufgenommen, oder in Form von Tabletten über einige Monate substituiert werden.

Weitere Informationen zum Thema "Eisenmangel"

Weitere allgemeine Informationen:

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.08.2016
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