Blutarmut durch Eisenmangel

Was ist eine Blutarmut durch Eisenmangel?

Die Definition der Blutarmut (Anämie) besteht aus einer verringerten Menge der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und/oder einer geringen Menge des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Liegt der Blutarmut ein Eisenmangel zugrunde, wird nicht genug roter Blutfarbstoff gebildet, sodass die Erythrozyten besonders klein sind und nicht viel Hämoglobin enthalten. Man spricht daher von einer mikrozytären (kleine Zellen), hypochromen (wenig Hämoglobin) Anämie.

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Ursachen

Die Ursachen für eine Eisenmangelanämie sind vielfältig. Durch eine zu geringe Menge von Eisen in der Nahrung kann es zu einer verminderten Aufnahme des Eisens kommen. Häufig sind davon Personen betroffen, die sich unausgewogen oder frei von tierischen Produkten oder Fleisch ernähren, da Fleisch die beste Eisenquelle für den Menschen bietet.

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Doch auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können eine verringerte Aufnahme des Eisens zur Folge haben und so die Blutarmut durch Eisenmangel hervorrufen. Eisen wird im Körper für die Bildung des Hämoglobins benötigt. Kann aufgrund des geringen Eisenspiegels nicht genügend Hämoglobin gebildet werden, fällt dieser Wert im Blut ab und es entsteht eine Blutarmut. Zudem können aufgrund des erniedrigten Hämoglobins nur noch wenige Erythrozyten gebildet werden, sodass es auch zu einem Mangel an roten Blutkörperchen kommt.

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Diagnose / Laborwerte

Um eine Blutarmut festzustellen, sollte zunächst eine Anamnese erfolgen, in welcher typische Symptome der Anämie erkannt werden können. Bei der körperlichen Untersuchung fällt meist eine Blässe auf, zudem können aucheingerissene Mundwinkel auffallen.

Die wichtigste diagnostische Stufe bei der Blutarmut durch Eisenmangel besteht in der Bestimmung der Laborwerte. Dabei kann im Blut eine verminderte Konzentration von Hämoglobin und Erythrozyten festgestellt werden. Meist wird außerdem das weniger aussagekräftige Serumeisen bestimmt. Dagegen kommt der Bestimmung der Eisentransporter vom Magen-Darm-Trakt in das Blut und dem Eisentransport im Blut eine wichtige Bedeutung in der Abgrenzung der Ursachen Eisenmangel von anderen möglichen Auslösern zu. Dafür werden das Transferrin, die Transferrinsättigung und das Ferritin bestimmt.

Lesen SIe mehr zum Thema unter: Test auf Eisenmangel

Retikulozyten

Retikulozyten sind Vorläuferzellen der Erythrozyten. Die Retikulozyten werden im Knochenmark gebildet, dort reifen sie zu fertigen roten Blutkörperchen heran und gelangen anschließend ins Blut. Bei einer Blutarmut durch Eisenmangel liegt eine geringere Konzentration an Erythrozyten im Blut vor. Der Körper versucht dies zu kompensieren, indem er viele neue Zellen bildet. Aufgrund des Mangels an roten Blutkörperchen beginnt der Körper, bereits Vorstufen wie die Retikulozyten ins Blut abzugeben. Ein erhöhter Retikulozyten-Wert im Blut deutet daher auf eine vermehrte Blutbildung hin.

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An diesen Symptomen erkenne ich eine Blutarmut durch Eisenmangel

Die typischen Symptome einer Blutarmut durch Eisenmangel sind meist unspezifisch. So äußert sich die Eisenmangelanämie durch eine Leistungsschwäche, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und vermehrt auftretende Kopfschmerzen. Zudem können eine ausgeprägte Blässe der Haut und der Schleimhäute (im Mund, Bindehaut an den Augen) auftreten. Auch ein starker Anstieg der Herzfrequenz bei Belastung ist bei einer Blutarmut nicht selten. Bei der Blutarmut durch Eisenmangel treten auch Schäden der Haut (Mundwinkelrhagaden) und der Schleimhaut (Aphthen) auf. Zudem werden Nägel und Haare brüchig. Nicht selten kommt es bei der Eisenmangelanämie zudem zu Schlafstörungen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome einer Blutarmut

Augenringe

Augenringe zeichnen sich meist als dunkle halb- bis drittel-Kreise unter den Augen ab. Typischerweise treten sie bei Schlafmangel (vor allem chronisch) auf. Auch ein Eisenmangel kann die Ursache für die Augenringe sein. Die Ursache für die Augenringe liegt vor allem in einer stärkeren Durchsichtigkeit der Haut und des Bindegewebes, die an der Stelle der Augenringe liegen. So kann die dunkle Farbe der darunterliegenden Gefäße besonders gut durch die Haut scheinen, sodass die Augenringe dunkel aussehen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Ursachen der Augenringe

Eingerissene Mundwinkel

Eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden) genannt sind typische Symptome, die spezifisch bei einer Eisenmangelanämie (also bei keiner anderen Form der Blutarmut) auftreten. Dabei reißen die Mundwinkel dort ein, wo die Ober- und Unterlippe aufeinandertreffen. Typischerweise sind Mundwinkelrhagaden schmerzhaft, sodass vor allem das Essen, aber auch das Sprechen durch Schmerzen beeinträchtigt sein kann. Bei einer Blutarmut durch Eisenmangel werden Haut und Schleimhaut so gestört, dass es leicht zu einer Ausbildung der eingerissenen Mundwinkel kommt. Auch Infektionen oder besonders trockene Haut können die Mundwinkelrhagaden hervorrufen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Eingerissene Mundwinkel

Behandlung

Die Blutarmut durch Eisenmangel sollte vor allem die Ursache des Eisenmangels beheben. Dabei kann beispielsweise die Behandlung einer chronischen Blutungsquelle (häufig im Darm gelegen) ein wichtiger Bestandteil der Therapie sein. Wichtig ist es, vor dem Ausgleich des Eisenhaushaltes eine Ursache des Eisenmangels abzuklären. Auch eine Umstellung der Ernährung hin zu eisenhaltigeren Nahrungsmitteln (Fleisch, tierische Produkte, Bohnen, Erbsen, Hülsenfrüchte, etc.) kann die Ursache des Eisenmangels beheben.

Bei einem gesicherten Eisenmangel kann zudem Eisen in Form von Tabletten oder Tropfen gegeben werden. Diese Art der Behandlung sollte bei einer ausgeprägten Eisenmangelanämie erfolgen. Das Eisen sollte mit einem möglichst großen Abstand zu Mahlzeiten eingenommen werden, damit möglichst viel des zugeführten Eisens im Darm aufgenommen wird. Die Eiseneinnahme erfolgt so lange, bis die Hämoglobinwerte sich stabilisiert haben, danach sollte die Therapie für weitere drei bis sechs Monate fortgeführt werden. Nach dieser Zeit sind die Eisenspeicher wieder aufgefüllt. Werden die Eisenpräparate nicht vertragen oder liegen chronische Erkrankungen vor, die den Eisenmangel verursachen, kann das Eisen auch direkt in die Vene gegeben werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: So behebt man einen Eisenmangel

Dauer und Prognose

Eine Blutarmut durch Eisenmangel ist meist eine Erkrankung, die länger andauert. Bis der Eisenmangel so ausgeprägt ist, dass er durch klinische Anzeichen auffällt, sind die Eisenspeicher meist bereits erschöpft, daher dauert es mehrere Monate, bis sich der Eisenhaushalt regeneriert hat. Jedoch ist die Erkrankung durch die Einnahme von Eisen sehr gut behandelbar, ohne dass Folgeschäden entstehen. Wird nach der Behandlung auf eine ausreichende Aufnahme von Eisen geachtet, kann ein erneutes Auftreten verhindert werden. Nicht selten leiden Betroffene jedoch immer wieder an einer Blutarmut durch Eisenmangel. Erst bei einer chronischen Eisenmangelanämie kann es auch zu Folgeschäden kommen.

Krankheitsverlauf

Die Blutarmut durch Eisenmangel macht sich zunächst kaum bemerkbar, da ihr Beginn sehr schleichend ist. Nach und nach kommt es vermehrt zu Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen. Auch Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit treten auf. Später kommen Schleimhautdefekte wie Aphthen im Mund und Mundwinkelrhagaden hinzu. Auch das Haar und die Nägel werden erst nach einer längeren Zeit der Blutarmut brüchig.

Was sind die chronischen Folgen einer Blutarmut durch Eisenmangel?

Bei der chronischen Blutarmut durch Eisenmangel können schwerwiegende körperliche Beschwerden auftreten. Zunächst werden Herz und Lunge negativ beeinflusst, da sie vermehrt arbeiten müssen, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Die Folge können Schmerzen und Druck auf der Brust bis hin zum Herzinfarkt sein, der durch einen Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen bedingt ist. Auch das Gehirn ist ein sehr empfindliches Organ und reagiert schnell auf einen chronischen Sauerstoffmangel, daher kommt es zunächst zu Konzentrationsschwierigkeiten, später auch zum Untergang von Gehirnzellen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 03.03.2020 - Letzte Änderung: 08.06.2021