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Eisenmangelanämie

Hinweis

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Allgemeine Informationen zum Thema finden Sie unter: Blutarmut

Einleitung

Die Eisenmangelanämie ist mit über 50 % der Fälle die häufigste Form der Blutarmut. Am häufigsten sind dabei Frauen betroffen (etwa 80%).
Sie entsteht, wenn der Körper mehr Eisen zur Blutbildung benötigt, als er aufnehmen kann und der Eisenspeicher erschöpft ist.

Symptome einer Eisenmangelanämie

Das klinische Erscheinungsbild der Eisenmangelanämie imponiert durch drei Komponenten:

  1. Anämiezeichen wie Blässe, Leistungsknick, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Atemnot
  2. Zeichen aufgrund des Eisenmangels:
    Trockenheit und Brüchigkeit von Haut, Haaren und Nägel, Entzündungen im Mundbereich (Rhagaden am Mundwinkel, Zungenbrennen)
  3. Zeichen durch Blutverlust wie z.B. Teerstuhl (schwarz gefärbter Stuhl), Blut im Urin (Hämaturie), Bluthusten (Hämoptoe), oder bei zu starker und zu häufiger Menstruation etc.

Lesen Sie mehr hierzu: So erkennen Sie eine Eisenmangelanämie sowie Folgen von Eisenmangel 

Therapie einer Eisenmangelanämie

Ziel der Eisenmangeltherapie ist es nachhaltig die Eisenspeicher im Körper aufzufüllen. Ist der Eisenmangel bereits im Blutbild in Form einer Anämie (Blutarmut) sichtbar, sind die Eisenspeicher bereits aufgebraucht und der Eisenmangel schon weiter fortgeschritten. Grundsätzlich muss bei einem Eisenmangel die Zufuhr von Eisen erhöht werden. Dies kann zum einen durch die vermehrte Aufnahme eisenhaltiger Nahrungsmittel erfolgen. Eisen aus tierischen Produkten kann 3mal besser vom Körper aufgenommen werden, pflanzliches Eisen hat dagegen eine geringere Wertigkeit und kann schlechter über den Darm aufgenommen werden.

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Allgemein wird jedoch nur 10-15% des über die Nahrung aufgenommenes Eisen im Darm aufgenommen. Ist bereits eine Eisenmangelanämie ausgeprägt, ist eine Therapie durch Ernährungsumstellung alleine sehr langwierig und wenig erfolgsversprechend. Hier sollte auf Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Säften (Kräuterblut), Tabletten oder Kapseln zurückgegriffen werden. Um die Aufnahme im Darm zu erhöhen sollten die Präparate mit Vitamin C haltigen Nahrungsmittel, wie Orangensaft eingenommen werden. Doch auch hier muss die Therapie mehrere Monate durchgeführt werden.
Die schnellste und effektivste Form ist die Gabe von Eiseninfusionen. Durch die Umgehung des Magen-Darm-Traktes steht das Eisen dem Körper 100% zur Verfügung. Eine intravenöse Eisentherapie muss allerdings durch einen Arzt durchgeführt und überwacht werden, da es zu allergischen Reaktionen kommen kann. Gleichzeitig zu Eisengabe muss immer nach der Ursache des Mangels gesucht und eine mögliche Grunderkrankung, wie Blutungen oder entzündliche Darmerkrankungen therapiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: So behebt man einen Eisenmangel sowie Ernährung bei Eisenmangel

Was sind Folgen einer Eisenmangelanämie?

Liegt eine Blutarmut durch Eisenmangel vor, ist der rote Blutfarbstoff Hämoglobin erniedrigt. Hämoglobin ist für den Sauerstofftransport im Körper zuständig, es wird in der Lunge mit Sauerstoffmolekülen beladen und gibt sie in den Organen wieder ab. Dort wird Sauerstoff zur Energiegewinnung benötigt. Den höchsten Sauerstoffbedarf hat die Herzmuskulatur, gefolgt von Skelettmuskeln, Gehirn und Niere. Diese Organe reagieren als erstes und sehr empfindlich auf einen abfallenden Sauerstoffgehalt im Blut. Dier ersten Folgen einer Eisenmangelanämie sind daher abfallende Leistungsfähigkeit, sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Arbeit. Betroffene fühlen sich oft schlapp und müde trotz ausreichendem Schlaf.
Sauerstoffmangel im Gehirn führt außerdem zu Kopfschmerzen und Schwindel. Der Körper reagiert auf den abgefallenen Sauerstoffgehalt, in dem er die Herz- und Atemfrequenz erhöht. So soll das übrig gebliebene Hämoglobin schneller durch den Körper transportiert und schneller wieder mit Sauerstoff in der Lunge beladen werden. Durch eine erhöhte Herz- und Atemarbeit wird allerdings wiederum mehr Energie und Sauerstoff verbraucht – ein Teufelskreis.

Haben Sie mehr Interesse zum Thema Eisenmangel? Hilfreiche Informationen können Sie hier nachlesen: Folgen von Eisenmangel

Eisenmangelanämie und Haarausfall

Ein typisches Symptom der Eisenmangelanämie ist Haarausfall. Eisen ist wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme, die an Stoffwechselprozessen, Wachstum und Regeneration beteiligt sind. Die Haarwurzelzelle ist eine der sich am schnellsten teilenden Zelle im menschlichen Körper und benötigen daher viel Eisen und Energie. Bei der Eisenmangelanämie fehlt dem Körper Eisen und Sauerstoff und damit die nötige Energie für schnelle Zellteilung. Wird eine Haarwurzelzelle nicht ausreichend versorgt stirbt sie ab und das Haar fällt aus. Allgemein werden die Haare zunehmend dünner und brüchiger.

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Kann eine Eisenmangelanämie auch tödlich enden?

Bei einer unbehandelten Eisenmangelanämie sinkt der Hämoglobinwert (Hb-Wert) weiter ab. Passiert das langsam kann der Körper sich bis zu einem gewissen Punkt anpassen. Hb-Werte zwischen 6-8 g/dl können teilweise gut kompensiert werden. Bei Hb-Werten unter 6 g/dl oder wenn vorher schon Komplikationen wie eine stark erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie), starker Blutdruckabfall (Hypotension), abfallender Blut-pH-Wert oder EKG-Veränderungen auftreten, muss dem Körper Fremdblut in Form einer Bluttransfusion zugeführt werden, da die Situation lebensbedrohlich dekompensieren (entgleisen) kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bluttransfusion

Ursachen einer Eisenmangelanämie

Ein Eisenmangel entsteht zum einen bei Störungen in Magen-Darm-Bereich wie z.B. nach Entfernung des Magens (Gastrektomie), Resorptionsstörungen im Darm (Malassimilation) oder durch chronische Darmerkrankungen.
Des weiteren gelten als häufigste Ursache Blutungen. Quelle dieser Verluste können sein:

Ein erhöhter Eisenbedarf besteht auch während der Schwangerschaft oder des Wachstums. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Eisenmangelblutarmut.
Besonders betroffen können dabei Vegetarier sein. Das zweiwertige Eisen im Fleisch kann vom Körper besonders gut aufgenommen werden. Ernährt sich eine Person vegetarisch, muss darauf geachtet werden, dass genügend Ersatzquellen zur Verfügung stehen.

Typische Risikofaktoren für eine Eisenmangelanämie

  • Weibliches Geschlecht (Menstruationsblutung)

  • Schwangerschaft/Stillzeit

  • Chronische Krankheiten (Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz)

  • Krebserkrankungen

  • Chronische Entzündungen

  • (chronische) Blutverluste (Magen-, Darmgeschwür, Hämorriden)

  • Leistungssportler

  • Nach Magen-, Darmresektion

Eisenmangelanämie durch eine starke Periode

Frauen im gebärfähigen Alter haben ein besonders hohes Risiko eine Eisenmangelanämie zu entwickeln. An einem normalen Tag verliert der gesunde Körper ca. 1mg Eisen. Diese Menge kann bei ausgewogener Ernährung ausgeglichen werden.
Bei Frauen mit starken Monatsblutungen kann der Blut- und damit Eisenverlust immens steigen. Normalerweise verliert eine Frau 30-60ml Blut (60-120mg Eisen) pro Monat, bei starken Blutungen jedoch bis zu 800ml Blut (1600mg Eisen). Da nur 10-15% des über die Nahrung aufgenommenen Eisen im Darm aufgenommen wird, kann es schnell zu Eisenmangelsituationen kommen.

Laborparameter bei einer Eisenmangelanämie

Bei der Eisenmangelanämie zeigen sich Laborparamter wie erniedrigtes Serumeisen und Ferritin, erhöhtes Transferrin mit verminderter Sättigung und erniedrigtes Retikulozyten-Hämoglobin.
Der lösliche Transferrin-Rezeptor sTfR ist erhöht. Differenzialdiagnostisch (alternative Ursachen) ist dabei noch wichtig, ob gleichzeitig ein Entzündung vorliegt. Die Parameter Transferrin und Ferritin zeigen bei Entzündungsreaktionen veränderte Konzentrationen.
Man bezeichnet sei auch als Akute-Phase-Proteine (Ferritin, der Wert ist bei einer Entzündung erhöht) bzw. als Anti-Akute-Phase-Proteine (Transferrin, der Wert ist bei einer Entzündung erniedrigt). Deswegen werden zusätzlich die Entzündungsparameter CRP und Leukozyten bestimmt.
Morphologisch erscheinen die roten Blutzellen hypochrom-mirkozytär, d.h. Hämoglobingehalt (MCH) und Zellvolumen (MCV) sind erniedrigt. Die Erythrozyten können im Blutausstrich als Anulozyten oder Target-Zellen imponieren. Das bedeutet, dass die Zellen durch den geringeren Hämoglobingehalt ringförmig abgeblasst sind.
Neben der Analyse des Blutes ist eine klinische Untersuchung (Untersuchung der betroffenen Person durch einen Arzt) zwingend.

Lesen Sie ebenfalls: Test auf einen Eisenmangel und Ferritin

Wie verändert sich das MCV?

MCV bedeutete mittleres corpuskuläres Volumen d.h. es zeigt das Durchschnittsvolumen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Der Wert kann aus dem Hämatokrit (Anteil der festen Bestandteile im Blut) und der Erythrozytenzahl errechnet werden.
Bei einer Eisenmangelanämie werden weniger und vor allem kleinere rote Blutkörperchen gebildet, da der wichtige Baustein Eisen weniger vorhanden ist. Das MCV ist somit niedriger – man spricht von einer mikrozytären Anämie. Der Normalwert beträgt 85-98 fl. Veränderungen im MCV alleine sind nicht aussagekräftig, es müssen immer weitere Blutwerte, wie Hämoglobin, Hämatokrit, MCH (mittlere Hämoglobinmenge pro Erythrozyt) und MCHC (durchschnittliche Hämoglobinkonzentration pro Erythrozyt) mit betrachtete werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Erythrozyten Parameter

Laborwerte von Transferrin

Transferrin ist ein Protein das Eisen transportiert. Es wird in der Leber, je nach Eisengehalt im Körper gebildet. Das gesamte Transferrin im Körper kann 12mg Eisen binden, in der Regel sind jedoch nur 30% mit Eisen beladen.

Ein Eisenmangel hat eine Erniedrigung des Transferrinspiegels zur Folge, genauso ist während einer Schwangerschaft der Wert erniedrigt. Erhöhte Werte zeigen sich bei chronischen Entzündungen, Tumorerkrankungen oder Eisenüberbeladung.

Laborwerte von Ferritin

Unter dem Begriff Ferritin versteht man ein Protein, welches der Speicherung von Eisen dient. Als die Speicherform des Eisens fungiert es als Indikator für die Eisenversorgung im Blutplasma.

Serum-Ferritin ist ein Grundbaustein für diagnostische Verfahren des Eisenstoffwechsels. Sein Referenzbereich beträgt im Normalfall 30-300 µg/l bei Männern und 10-200 µg/l bei Frauen.

Bei einer Eisenmangelanämie ist der Ferritinwert erniedrigt und entscheidend bei der Differentialdiagnose. So kann man z.B. eine Eisenmangelanämie nicht ausschließen, wenn der Ferritinwert erhöht ist, weil es zeitgleich eine chronische Entzündung vorliegen kann, welche den Ferritin Parameter erhöhen würde.  

Retikulozytenzahl bei einer Eisenmangelanämie

Retikulozyten sind neu gebildete, junge noch unreife rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Während der Blutbildung durchlaufen die roten Blutzellen verschiedene Reifestadien die Retikulozyten sind die letzte Stufe vor den reifen funktionsfähigen Erythrozyten. Normalerweise sind im Blut 1 % Retikulozyten vorhanden.

Bei Blutarmut, welche durch Blutverluste bedingt ist, steigt die Retikulozytenzahl an um den Verlust an roter Blutzellen möglichst schnell auszugleichen. Liegt ein Eisenmangel vor können jedoch nur langsamer Retikulozyten gebildet werden, da ein wichtiger Baustein fehlt. Bei der Eisenmangelanämie ist daher die Retikulozytenzahl erniedrigt.

Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft

Die Schwangere versorgt das Ungeborene über die Nabelschnur mit Blut und somit mit Nährstoffen und Sauerstoff. Dafür muss im Körper der Frau mehr Blut und vor allem rote Blutkörperchen gebildet werden. Dazu wird doppelt so viel Eisen (30mg/Tag) wie bei Nicht-Schwangeren (15mg/Tag) benötigt. Das Blutvolumen steigt während der Schwangerschaft um bis zu 40%.
Zusätzlich erhöht sich die Herzarbeit, um größere Mengen Blut pro Schlag vorwärts zu pumpen, dies erfordert mehr Energie und Sauerstoff. Liegt der Hämoglobin-Wert der Schwangeren unter 11 mg /dl liegt eine beginnende Anämie vor. Neben den typischen Symptomen der Blutarmut (Anämie) hat der Eisen- und Sauerstoffmangel negative Auswirkungen auf das Wachstum der Plazenta und des Kindes. Die Rate an Früh- und Fehlgeburten steigt. Außerdem wird die Entwicklung einer schwangerschaftsbedingten Krankheit (Gestose) begünstigt.
Eisen wird außerdem für die Bildung für Schilddrüsenhormone benötigt, die wiederum für die Gehirnentwicklung des Kindes sehr wichtig sind.  Durch eine bestehende Anämie können außerdem vermehrte Blutverluste unter der Geburt schwerer kompensiert werden und Wochenbettinfektionen begünstigen. Daher ist eine Hb- und Ferritin-Kontrolle zu Beginn der Schwangerschaft von großer Bedeutung. Ein Hb-Wert über 11g/dl ist unbedenklich. Unter 11g/dl sollte an eine Eisenmangelanämie gedacht werden und mit dem behandelnden Frauenarzt über eine Eisengabe beraten werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Eisenmangel in der Schwangerschaft

Einteilung der Eisenmangelanämie

Die Einteilung der Blutarmut erfolgt nach:

  • dem Volumen der roten Blutkörperchen: makrozytär, normozytär, mikrozytär
  • dem Hämoglobingehalt (Protein, welches den Sauerstoff transportiert und Eisen enthält): hypochrom, normochrom, hyperchrom
  • der Ursache: Blutverlust, Synthesestörung, vermehrter Abbau (Hämolyse)
  • dem Knochenmarkbefund

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.05.2019
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