Lymphknoten

Synonyme für Lymphknoten

Lymphdrüse
Medizinisch = Nodus lymphaticus, Nodus lymphoideus
Englisch = lymph node

Definition Lymphknoten

Lymphknoten sind Filterstationen des Lymphsystems im Körper, welches aus den Blutgefäßen ins Gewebe abgegebene Flüssigkeit in den Blutkreislauf zurück transportiert. Die Lymphknoten reinigen diese Flüssigkeit, die Lymphe, und spielen außerdem eine Rolle in der Abwehr von Keimen.
Sie sind ein Teil des lymphatischen Systems.

Anatomie der Lymphknoten

Bei Lymphknoten handelt es sich um 2 mm bis 2 cm große nierenförmige Organe, welche überall im Körper vorkommen, beispielsweise am Hals, in den Leisten, in den Achseln oder im Nacken.

Den Lymphknoten umgibt eine bindegewebige Kapsel, durch die mehrere zuführende Lymphgefäße (Vasa afferentia) eintreten. Am sogenannten Hilus verlässt ein Lymphgefäß (Vas efferens) das Organ und die Blutgefäße (Arterien und Venen) treten ein beziehungsweise aus.

Man unterscheidet regionäre von Sammellymphknoten. Regionäre Lymphknoten sammeln die Lymphe eines Körpergebiets (z. B. des Halses). Sammellymphknoten sind diesen nachgeschaltet und filtern die schon gereinigte Lymphe von mehreren regionären Lymphknoten.

Abbildung Lymphknoten und Lymphgefäße

A - Aufbau eines Lymphknotens    

  1. Zuführende Lymphgefäße
  2. Klappen gegen Rückstrom
  3. Rindenzone (Paracortex)
  4. Keimzentrum
    (B- und T-Lymphozyten-Regionen)
  5. Balken
  6. äußere Kapsel (Organhülle)
  7. Gewebeflüssigkeit (Lymphe)
  8. Abführendes Lymphgefäß
  9. Wasserscheide
    (zw. Hals- und Achsellymphknoten
    und oberhalb des Nabels))

B - Einzugsgebiete der Lymphknoten
      a - am Hals
      b - in der Achselgegend
      c - in der Leistengegend
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Lymphgefäßsystem

  1. Kopflymphknoten -
    Nodi lymphoidei capitis
  2. Halslymphknoten -
    Nodi lymphoidei cervicales
  3. Mündung des Milchbrustgangs
    in die linke Arm-Kopf Vene -
    Ductus thoracicus
    Vena brachiocephalica sinistra
  4. Mündung des rechten Haupt-
    lymphgangs in die rechte
    Arm-Kopf Vene -
    Ductus lymphaticus dexter
    Vena brachiocephalica dextra
  5. Obere Hohlvene -
    Vena cava superior
  6. Achsellymphknoten -
    Nodi lymphoidei axillares
  7. Milchbrustgang - Ductus thoracicus
  8. Lymphgefäße - Vasa lymphatica
  9. Bauchlymphknoten - Nodi lymphoidei abdominis
  10. Beckenlymphknoten - Nodi lymphoidei pelvis
  11. Leistenlymphknoten - Nodi lymphoidei inguinales
  12. Unterunterkieferlymphknoten - Nodi lymphoidei submandibulares
  13. Vordere Halslymphknoten - Nodi lymphoidei cervicales anteriores
  14. Oberflächliche seitliche Halslymphknoten - Nodi lymphoidei cervicales laterales superficiales
  15. Tiefe seitliche Halslymphknoten - Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi
  16. Warzenfortsatzlymphknoten - Nodi lymphoidei mastoidei
  17. Hinterhauptlymphknoten - Nodi lymphoidei occipitales
  18. Gesichtslymphknoten - Nodi lymphoidei faciales
  19. Ohrspeicheldrüsenlymphknoten - Nodi lymphoidei parotidei

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Histologie/Gewebe der Lymphknoten

Der mikroskopische Aufbau eines Lymphknotens ist dreischichtig und gliedert sich in die außen liegende Rinde (Cortex), die mittlere parakortikale Zone (Paracortex) und das innere Mark.

Umgeben wird das Ganze von der Bindegewebskapsel, von welcher Ausläufer (Trabekel) ins Innere des Lymphknotens ziehen.

Durchdrungen werden die Schichten des Lymphknotens von den Lymphsinus. Dabei handelt es sich um Räume, in denen die Lymphe ihren Weg ins Innere des Lymphknotens nimmt bis sie am Hilus den Lymphknoten wieder verlässt.

Man unterscheidet je nach Ort den direkt unter der Kapsel liegenden Randsinus (Marginalsinus), den durch Rinde und Paracortex laufenden Intermediärsinus sowie den im Mark befindlichen Marksinus. In den Randsinus münden die zuführenden Lymphgefäße und vom Marksinus geht das Vas efferens ab.

Weiterhin findet man je nach Schicht verschiedene Zellen im Lymphknotengewebe. In der Rinde liegen in rundlichen Ansammlungen (Follikel) B-Lymphozyten, eine bestimmte Form weißer Blutkörperchen.
Eine andere Form weißer Blutkörperchen, die T-Lymphozyten, kommen in der parakortikalen Zone vor. Im Mark schließlich finden sich aktivierte B-Lymphozyten und Fresszellen des Körpers, sogenannte Makrophagen.

Funktion der Lymphknoten

Die Lymphknoten erfüllen mehrere Funktionen. Zum einen dienen sie der Aktivierung, Vermehrung sowie Speicherung von Abwehrzellen, den B- und T-Lymphozyten.

Außerdem produzieren die enthaltenen Zellen nach der Aktivierung durch in der Lymphe enthaltene Keime Antikörper, welche im Anschluss an die Blutbahn abgegeben werden, um die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Weiterhin fungieren die Lymphknoten als Filter der Lymphflüssigkeit, das heißt, sie befreien sie von:

  • Krankheitserregern
  • Fremdkörpern (z. B. Rußpartikel) oder
  • Tumorzellen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Lymphgefäßsystem

Erkrankungen der Lymphknoten

Lymphknoten können sich bei Entzündungen in ihrem Einzugsgebiet verändern. Sie schwellen dann teils schmerzhaft an und sind von außen durch die Haut tastbar.
Beispiele für solche entzündlichen Veränderungen sind Atemwegsinfektionen, bei denen sich die Halslymphknoten vergrößern können. Auch nach einer Infizierung mit dem HIV (Aids) oder dem EBV-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononukleose) können zu Beginn der Erkrankung als eines der ersten Symptome die Lymphknoten anschwellen.

Desweiteren gibt es Tumorerkrankungen, welche Lymphknoten betreffen. Häufig findet man Tochtergeschwulste (Metastasen) eines anderen Tumors im Körper, wenn die von dort über die Lymphe angeschwemmten Krebszellen im Lymphknoten nicht eliminiert werden können, sondern sich ansiedeln und vermehren.

Seltener entsteht Krebs direkt im Lymphknoten. In solchen Fällen spricht man von einem Lymphom, wobei Hodgkin-Lymphome von Non-Hodgkin-Lymphomen unterschieden werden.

Lymphknoten geschwollen

Lymphknoten können aus unterschiedlichen Gründen anschwellen – generell liegt eine Abwehrreaktion des Körpers vor. Wenn der Körper eingedrungene Krankheitserreger bekämpfen muss, wird die Immunabwehr aktiviert. In den Lymphknoten befinden sich wichtige Filterstationen des Körpers sowie Immunzellen, die aus den Lymphknoten auswandern können. In der Lymphflüssigkeit werden Schadstoffe und Erreger auch bis in die Lymphknoten gespült, wo dann eine Abwehrreaktion eingeleitet werden kann. In diesem Zusammenhang schwellen die Lymphknoten dann an. Dies kann durchaus schmerzhaft sein, da sich die Lymphknoten bei einer akuten Infektion in sehr kurzer Zeit deutlich vergrößern können. Medizinisch wird eine Lymphknotenschwellung auch als Lymphadenopathie oder Lymphadenitis bezeichnet. Die Lymphknoten können jedoch auch bei anderen Erkrankungen anschwellen, beispielsweise auch bei bösartigen Erkrankungen. Dabei liegt die Größenzunahme der Lymphknoten jedoch häufiger an der Einwanderung entarteter Zellen in die Lymphknoten. Dort teilen sich die bösartigen Zellen dann weiter und bilden eine Lymphknotenmetastase des Primärtumors. Im Rahmen einer Brustkrebserkrankung zum Beispiel können durch die Ausbreitung des Tumors die Lymphknoten in den Achseln angeschwollen sein.

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Lymphknoten Schmerzen

Schmerzhafte Lymphknoten sind generell eher ein gutes Zeichen und deuten eher auf eine gutartige Ursache der Lymphknotenvergrößerung hin. Im Rahmen einer Infektion reagieren die Lymphknoten auf Krankheitserreger und vergrößern sich. Da das umliegende Gewebe an die rasche Vergrößerung nicht gewöhnt ist, werden Nervenfasern und sonstige umgebende Strukturen gedehnt, was Schmerzen verursachen kann. Manchmal zeigt sich bei rasch angeschwollenen Lymphknoten darüber auch eine Hautrötung. Bösartige Lymphknotenvergrößerungen wachsen im Gegensatz dazu häufig langsam und über einen längeren Zeitraum, sodass das umgebende Gewebe genügend Zeit hat, Platz zu machen und nur langsam gedehnt wird. Aus diesem Grund sind bösartig veränderte Lymphknoten seltener schmerzhaft, als gutartige Lymphknoten.

Lesen Sie mehr zum Thema: schmerzende Lymphknoten

Lymphknotenkrebs

Krebserkrankungen können sich bis in die Lymphknoten ausbreiten. Im Anfangsstadium der Erkrankung ist nur ein umschriebenes Areal betroffen. Mit der Zeit, in der der Krebs weiter wächst, kann er jedoch Anschluss an Lymphgefäße und umgebende Strukturen erhalten. So kann er in Nachbarorgane einwachsen, aber auch Lymphknoten befallen. Tumorzellen können über die Lymphbahnen in die Lymphknoten gespült werden. Der erste Lymphknoten, der die Lymphflüssigkeit aus einer Körperregion aufnimmt, wird auch als Wächterlymphknoten oder Sentinel-Lymphknoten bezeichnet. Wird eine Krebserkrankung festgestellt, so wird gezielt nach dem Wächterlymphknoten gesucht. Ist dieser tumorfrei, so kann davon ausgegangen werden, dass auch die anderen Lymphknoten keine Tumorzellen enthalten. Ist der Wächterlymphknoten jedoch bereits vom Tumor befallen, so muss er je nach Therapiekonzept mitsamt weiterer Lymphknoten in der entsprechenden Körperregion entnommen und/oder bestrahlt werden. Die Absiedlungen des Tumors in die Lymphknoten werden auch als Lymphknotenmetastasen bezeichnet. Befallene Lymphknoten vergrößern sich immer weiter und fühlen sich oft höckerig, unregelmäßig und derb an. Häufig sind sie mit der Umgebung verwachsen und lassen sich demnach nicht mehr im Gewebe verschieben, wie es normalerweise der Fall ist. Meist verursacht Druck auf bösartig veränderte Lymphknoten keinerlei Schmerzen. Bei vergrößerten Lymphknoten im Rahmen einer Entzündung ist jedoch durch Druck auf diese Lymphknoten in der Regel Schmerz auslösbar.

Lymphknotenregionen

Lymphknoten an der Leiste

Lymphknoten sind beim Menschen über den ganzen Körper verteilt. Auch in der Leiste befindet sich eine wichtige Lymphknotenstation. Die Leistenlymphknoten nehmen die Lymphflüssigkeit der unteren Extremität und der Organe des kleinen Beckens auf. Sie stellen demnach eine entscheidende Abflussstation dar. Um die Lymphknoten in der Leiste zu tasten, sucht man am besten den Puls der Femoralarterie (Arteria femoralis) auf, der ebenfalls in der Leiste tastbar ist. Um die Arterie herum finden sich meist Lymphknotengruppierungen. Die Lymphknoten in der Leiste sind bei den meisten Erwachsenen tastbar, da sie häufig größer sind als andere Lymphknoten. Durch Stürze in der Kindheit, aufgeschlagene Knie und sonstige Verletzungen der unteren Extremitäten werden die Lymphknoten bereits ab dem Kindesalter häufig gefordert. Durch die häufigen Aktivierungen kommt es auf Dauer zur Bindegewebsvermehrung in den Lymphknoten, weshalb diese dann leicht vergrößert und tastbar bleiben, ohne dass dies eine krankhafte Bedeutung hat.

Natürlich können die Lymphknoten in der Leiste jedoch auch bei bösartigen Erkrankungen vergrößert sein, so beispielsweise beim Prostatakrebs des Mannes, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs der Frau oder bei Darmkrebs, wenn sich die Krebszellen bis in die Lymphknoten ausgebreitet haben. Auch jegliche andere bösartige Erkrankung kann in einem fortgeschrittenen Stadium in die Lymphknoten streuen und dann auch die Leistenlymphknoten betreffen. Gutartige Lymphknotenschwellungen in der Leiste äußern sich durch vergrößerte, aber weiche und verschiebliche Knubbel, die druckschmerzhaft sein können. Im Rahmen einer Infektion vergrößerte Lymphknoten schwellen jedoch normalerweise innerhalb weniger Wochen wieder ab. Ständige Größenzunahme eines Lymphknotens in der Leiste ist daher eher suspekt auf einen bösartigen Befund.

Lesen Sie mehr zum Thema: Lymphknoten an der Leiste

Lymphknoten am Hals

Die meisten Lymphknoten des menschlichen Körpers befinden sich in der Halsregion. Sie sind besonders häufig im Rahmen von Erkältungskrankheiten geschwollen und bereiten dann oftmals Schmerzen. Die Lymphknoten am Hals sind in verschiedenen Linien angeordnet. Eine Linie verläuft im Nacken (nuchale Lymphknoten), eine beginnt vor den Ohren (präaurikuläre Lymphknoten) und läuft am Vorderrand des großen Halsmuskels Richtung Schlüsselbein, eine Linie beginnt hinter den Ohren läuft am Hinterrand des Halsmuskels Richtung Schlüsselbein (retroaurikuläre Lymphknoten). Zudem befinden sich Lymphknoten im Kieferwinkel und in den Weichteilen unter dem Unterkiefer bis hin zum Kinn (submandibuläre und submentale Lymphknoten). Bei Erkältungskrankheiten sind diese Lymphknoten oftmals geschwollen und druckschmerzhaft. Ist die Erkältung oder Halsentzündung vorbei, so schwellen auch die Lymphknoten rasch wieder ab. Bei sehr häufig stattgehabten Entzündungen können die Halslymphknoten jedoch auch dauerhaft etwas vergrößert bleiben. Im Rahmen bösartiger Erkrankungen kann es ebenfalls zu einer Vergrößerung von Halslymphknoten kommen, wenn der entsprechende Krebs sich in die Lymphknoten abgesiedelt hat. Die Lymphknoten tasten sich dann jedoch eher derb, unregelmäßig und sind mit der Umgebung verbacken. Schmerzhaft sind die Lymphknoten dann eher selten. Besonders bei bösartigen Erkrankungen im Kopf-Hals-Bereich sind die Halslymphknoten aufgrund der anatomischen Nähe besonders häufig mitbetroffen. So kann dies beispielsweise bei Kehlkopf-, Zungen-, Mandel-, Speicheldrüsen- oder Speiseröhrentumoren der Fall sein. Jedoch kann auch jede andere Krebserkrankung sich in den Lymphknoten ansiedeln. Ein Tumor, der direkt in den Lymphknoten entsteht, ist das Hodgkin-Lymphom. Es manifestiert sich nicht selten in Hals- oder Achsellymphknoten und wird meist mit einer Chemotherapie behandelt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Lymphknoten am Hals

Lymphknoten am Nacken

Auch im Nacken gibt es Lymphknoten. Diese werden medizinisch auch als nuchale Lymphknoten bezeichnet. Sie können bei Infektionen, Entzündungen oder bösartigen Erkrankungen vergrößert sein. Wie auch bei den Halslymphknoten sind die Lymphknoten im Nacken besonders bei Erkältungskrankheiten, die die oberen Atemwege betreffen, sowie bei Halsentzündungen geschwollen. Bösartige Erkrankungen des Kopf-Hals-Bereiches können in den Lymphknoten des Nackens Metastasen bilden.

Weitere Informationen zum Thema Lymphknoten

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2017
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