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Entzündung der Lymphknoten - Wie gefährlich ist das?

Synonym

Lymphadenitis

Definition

Eine Lymphadenitis ist die Schwellung von Lymphknoten aufgrund von entzündlichen Prozessen, meist im Rahmen von Infektionen. Die Schwellung eines oder mehrerer Lymphknoten wird als Lymphadenopathie bezeichnet.

Oftmals werden die Begriffe Lymphadenitis (im engeren Sinne Entzündung der Lymphknoten) und Lymphadenopathie (im engeren Sinne Schwellung der Lymphknoten) synonym verwandt. Eine Lymphadenitis kann zahlreiche Ursachen haben. Einige haben keine weitreichende gesundheitliche Relevanz und die Entzündung der Lymphknoten ist innerhalb weniger Tage spontan rückläufig, bei anderen kann die Lymphadenitis Hinweis auf eine ernstzunehmende Erkrankung sein sodass ein Arztbesuch mit weiterführender Diagnostik sinnvoll werden kann.


Anatomie und Pathophysiologie

Lymphknoten sind ein Teil des Immunsystems. Sie dienen der Filterung von Lymphflüssigkeit und tragen zur Erregerabwehr bei. Auch bei nicht-erregerbedingten Erkrankungen spielen sie eine Rolle.
Lymphknoten sind im Normalfall 0,2 bis maximal 2 cm groß und gut gegen das umliegende Gewebe verschieblich sowie nicht druckschmerzhaft.

Wichtige Lymphknotenregionen liegen im Bereich des Kopfes, des Halses, des Brustraumes, des Bauches und der Leiste. Kommt es zu einer Aktivierung von Lymphknoten aufgrund einer Auseinandersetzung mit einem Krankheitserreger – welcher Art auch immer – so führt dies in der Regel zu einer Vergrößerung der Lymphknoten, die sich als Schwellung bemerkbar machen kann. Eine Schwellung von Lymphknoten kann somit Hinweis auf eine Entzündung aber auch eine maligne (bösartige) Erkrankung liefern. Eine Schwellung von Lymphknoten wird als Lymphadenopathie bezeichnet. Eine Lymphadenitis ist spezieller und meint eine Lymphknotenschwellung im Rahmen einer Entzündung.

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Symptome

Je nach Ursache für die Schwellung der Lymphknoten können zusätzlich zu dieser noch weitere Symptome hinzukommen. So kann der geschwollene Lymphknoten druckschmerzhaft sein oder es kann zu einer Überwärmung und Rötung der betroffenen Region kommen. Weitere mögliche Begleitsymptome sind Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Unwohlsein. Je nach Ursache für die Lymphknotenschwellung können noch zahlreiche weitere Symptome hinzukommen (s. Ursachen).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lymphknotenschwellung

Gefährdungspotential eines entzündeten Lymphknotens

Die von einem entzündeten Lymphknoten ausgehende Gefahr eines dauerhaften Gesundheitsschadens ist sehr gering.
Die meisten Lymphknotenentzündungen treten im Rahmen einer Infektion benachbarten Gewebes, zum Beispiel eine Schwellung der Halslymphknoten als Bestandteil einer banalen Erkältung. Diese Lymphknotenschwellung klingt zumeist innerhalb weniger Tage oder Wochen wieder ab.

Geht eine Entzündung des Lymphknotens auf eine spezifische bakterielle Entzündung zurück, ist eine vollständige Ausheilung innerhalb einiger Wochen die Regel. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass dies nur unter adäquater und rechtzeitiger Therapie möglich ist.

Nur in seltenen Fällen, wie der Manifestation einer Tuberkulose im Lymphknoten, kann eine chronische Entzündung entstehen, die über Monate bis Jahre mit einer Schwellung imponiert.

Untersuchung

Die klinische Untersuchung der Lymphknoten kann wichtige Hinweise auf die Art der Schwellung geben. So gilt zumindest als grobe Regel, dass bei einer druckschmerzhaften und gut gegen das umliegende Gewebe verschieblichen Schwellung von einer Infektion als Ursache ausgegangen werden kann.

Sind die geschwollenen Lymphknoten nicht druckschmerzhaft und nicht gut gegen das umliegende Gewebe verschieblich, so kann dies Hinweis auf einen malignen (bösartigen) Tumor geben. Deshalb gilt wie bei den meisten nicht akuten Beschwerden: Generell kann einige Tage abgewartet werden wie sich die Schwellung entwickelt und ob weitere Symptome hinzutreten. Bleibt sie bestehen oder kommen Symptome hinzu die über das Maß einer unproblematischen Erkältungserkrankung hinausgehen, so sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Zumeist kann der Hausarzt genauer feststellen, wie die Lymphknotenschwellung einzustufen ist und welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sein könnten. Neben der klinischen Untersuchung ist immer auch die Anamnese wichtig. Hierbei können Fragen nach dem Zeitpunkt des Auftretens (handelt es sich um eine akute Schwellung der Lymphknoten oder ist sie chronisch?) und dem zeitlichen Zusammenhang mit anderen Ereignissen (beispielsweise Auftreten der Schwellung kurz vor Ausbruch einer Erkältung) wichtig sein. Auch die Frage nach Vorerkrankungen (beispielsweise eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte) und zuletzt unternommenen Reisen (Möglichkeit einer Infektion mit Erregern die in bestimmten Ländern häufig vorkommen) ist wichtig.

Neben der klinischen Untersuchung und der Anamnese spielt auch die Bildgebung eine Rolle. Hier kommen Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz. Auch nuklearmedizinische Verfahren wie die Szintigraphie spielen bei der genauen Untersuchung von Lymphknoten eine wichtige Rolle. Sie kommen allerdings nicht als Routineverfahren zum Einsatz.

Ursachen

Die möglichen Ursachen für eine Schwellung der Lymphknoten können grob in zwei Kategorien eingeteilt werden: Infektionen und maligne Prozesse.

Ist eine Infektion die Ursache für die Schwellung, so ist von der in diesem Artikel besprochenen Lymphadenitis im engeren Sinne, also einer Entzündung der Lymphknoten, die Rede. Zahlreiche bakterielle und virale Erreger können in den Körper eindringen und in den Lymphknoten gefiltert und „entdeckt“ werden sodass es zu einer erhöhten Aktivität der Lymphknoten und somit deren Anschwellen kommt.

Es seien hier einige Beispiele im Genaueren genannt: Die Katzenkratzkrankheit ist eine Erkrankung deren bakterieller Erreger - Bartonella henselae – durch Katzen übertragen wird. Sie tritt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf und zeigt sich durch Schwellung der Lymphknoten insbesondere im Bereich von Hals und / oder Achseln (Lymphknotenschwellung in der Achsel).
Es kann zu weiteren Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Halsschmerzen kommen. Außerdem tritt zu Beginn, kurz nach Infektion mit dem Erreger, häufig eine kleine bräunliche Hautläsion zu Tage die innerhalb einiger Tage wieder zurückgeht und oftmals unbemerkt bleibt.

Die Erkrankung verläuft häufig blande, es kann jedoch auch zu komplizierten Verläufen kommen die dann vor allem das Zentrale Nervensystem betreffen (zum Beispiel Enzephalitis, Lähmungen). Aber auch das Herz (Endokarditis), die Lunge (Pneumonie), das Auge (Retinitis) oder die Leber können betroffen sein. Im Blut können sich ein Zerfall von roten Blutkörperchen (Hämolyse) und ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) zeigen. Zur Sicherung der Diagnose müssen ein Antikörpernachweise gegen das Bakterium im Blut und der Nachweis des Bakteriums in einer molekularbiologischen Untersuchung, der PCR, erfolgen.

Häufig heilt die Erkrankung ohne spezifische therapeutische Maßnahmen aus, teilweise kommen Antibiotika zum Einsatz. Eine weitere bakterielle Infektionserkrankung die sich durch Schwellung der Lymphknoten zeigen kann ist das Lymphgranuloma venerum, auch als Lymphgranuloma inguinale bezeichnet.
Die Erkrankung entsteht durch das Bakterium Chlamydia trachomatis und zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (sexually transmitted diseases, kurz STD). Charakteristisch sind hier Lymphknotenschwellungen im Bereich der Leiste nahe der Intimregion. Die Schwellung ist deutlich schmerzhaft, teilweise kommt es zu einer rötlich-bläulichen Färbung der Haut im Bereich der geschwollenen Lymphknoten.

Eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika (Makroliden oder Tetrazyklinen) sollte immer erfolgen da es sonst zu einer Chronifizierung der Erkrankung kommen kann. Der Geschlechtspartner sollte immer antibiotisch mitbehandelt werden da die Erkrankung sonst immer wieder von Einem zum anderen übertragen werden kann.

Auch die als Yersiniose bezeichnete Erkrankung des Menschen kann zur Lymphknotenschwellung führen. Es sind insbesondere Kinder und Jugendliche betroffen. Es kommt typischerweise zu Lymphknotenschwellungen im Bereich des Bauches (mesenteriale Lymphknoten), häufig kommt es zu Symptomen die einer Blinddarmentzündung ähneln (Pseudoappendizitis), dies kann zu Fehldiagnosen führen.

Eine chronische Entzündung der Lymphknoten kann durch eine Lymphknotentuberkulose entstehen. Auch virale Erreger können von den Lymphknoten herausgefiltert werden und so deren Schwellung verursachen. Beispielsweise das Epstein-Barr-Virus (EBV) das zum Krankheitsbild der Mononukleose, auch als Pfeiffersches Drüsenfieber (umgangssprachlich kissing disease oder Kusskrankheit) bezeichnet, führen kann. Infiziert sind fast 100% der Europäer doch nur wenige zeigen Symptome.

Bei Erwachsenen zeigt sich die Erkrankung dann als grippeähnlicher Zustand während sie bei Jugendlichen zu einem Anschwellen der Lymphknoten, Halsschmerzen, Mandelentzündung, Fieber sowie einem Anschwellen der Milz (Splenomegalie) führen kann. Die Übertragung des Erregers erfolgt vor allem über den Speichel, daher auch die Bezeichnung als Kusskrankheit. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern gegen den viralen Erreger, häufig ist auch die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erhöht.

Eine spezifische Therapie gibt es nicht, eventuell werden fiebersenkende Mittel verordnet. Auch die Infektion mit dem Masernvirus und dem Rötelnvirus kann zu Lymphknotenschwellungen führen. Bei der Rötelninfektion sind typischer Weise die Lymphknoten hinter den Ohren und am Hinterkopf betroffen während bei der Maserninfektion zahlreiche Lymphknoten verschiedener Körperregionen angeschwollen sein können (generalisierte Lymphadenopathie).

Es soll hier kurz erwähnt sein, dass eine weitere wichtige Ursache für die Schwellung von Lymphknoten - neben der Entzündung durch Infektion mit Erregern - das Vorliegen eines bösartigen (malignen) Prozesses, also eine Tumorerkrankung, sein kann. Hier ist dann nicht von einer Lymphadenitis sondern einer Lymphadenopathie (also einer Schwellung der Lymphknoten ohne deren Entzündung) die Rede, diese beiden Begriffe werden jedoch häufig synonym verwendet. Zu den Tumorerkrankungen die typischerweise mit einer Schwellung der Lymphknoten einhergehen gehören unter anderem das Hodgkin-Lymphom und die Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) zu denen auch die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) zählt.

Therapie

Die Therapie einer Entzündung der Lymphknoten hängt ganz entscheidend von der auslösenden Ursache ab. So kann eine Lymphknotenschwellung im Rahmen einer Erkältung oder Grippe für nur wenige Tage auftreten, es bedarf hier keiner spezifischen Therapie. Sind die Lymphknoten aufgrund einer bakteriellen Infektion entzündet wie beispielsweise dem Lymphgranuloma venerum (Lymphgranuloma inguinale), so ist eine antibiotische Therapie zwingend notwendig. Bei Lymphadenitiden im Rahmen von viralen Erkrankungen wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber sowie Masern oder Röteln kann eine medikamentöse Therapie ebenfalls notwendig werden, diese zielt aber weniger auf die Lymphknoten oder die Beseitigung der Erreger ab, sondern wird zur Fiebersenkung eingesetzt.

Prognose

Die Prognose einer Lymphknotenentzündung hängt maßgeblich von der Ursache der Entzündung ab. So klingen Entzündungen und damit einhergehende Schwellungen der Lymphknoten im Rahmen eines banalen Infekts zumeist innerhalb weniger Tage oder Wochen wieder ab. Auch Lymphadenitiden im Rahmen von bakteriellen und viralen Entzündungen sind in der Regel innerhalb einiger Wochen rückläufig. Dies kann jedoch auch stark davon abhängen, ob eine rechtzeitige Therapie stattgefunden hat (beispielsweise beim Lymphgranuloma venerum). Es gibt jedoch auch chronische Lymphknotenschwellungen bei Infektionserkrankungen, ein Beispiel hierfür ist eine Tuberkulose mit Befall der Lymphknoten. Hier bestehen die Schwellungen als Ausdruck einer chronischen Entzündung über Jahre und Jahrzehnte.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.09.2018
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