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Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Synonyme im weiteren Sinne

CLL, Leukämie, weisser Blutkrebs

Definition

Die CLL (Chronisch lymphatische Leukämie) ist durch ein unkontrolliertes Wachstum von vor allem reifen Stadien von Lymphozyten (Lymphzellen)-Vorläuferzellen, also Vorläufern der weißen Blutkörperchen, gekennzeichnet. Diese reifen Zellen sind allerdings unfähig zur Immunabwehr. Es sind vor allem die sog. B-Lymphozyten betroffen, selten die sog. T-Lymphozyten (5%).

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Häufigkeit

Strenggenommen handelt es sich bei der CLL um ein Lymphom und nicht um eine Leukämie. Trotzdem ist die chronische lymphatische Leukämie die am häufigsten vorkommende Leukämieart insgesamt. Dabei sind vor allem ältere Patienten betroffen (über 60 Jahre). Obwohl häufig ältere Menschen betroffen sind, können durchaus auch Kinder an der CLL erkranken.

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Ursachen

Es ist bislang weitgehend unbekannt, warum die Erkrankung entsteht. Dennoch konnten einige Risikofaktoren mit der Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden. Zu diesen zählen neben dem hohen Alter der Patienten auch genetische Faktoren und verschiedene Umweltfaktoren, wie z.B. chemische Lösungsmittel.

Symptome

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie treten Lymphknotenvergrößerungen auf, z.B. an den Achseln oder am Hals oder nicht sichtbar, in der Bauchhöhle.
Zu Beginn der Erkrankung ist ein Leistungsknick, der für Krebserkrankungen typisch ist, zu beobachten. Hierbei nimmt die Motivation ab, der Patient ist nicht mehr so leistungsfähig wie früher, gerade beim Sport merken die Patienten deutliche Einschränkungen. Es tritt eine gewisse Schweißneigung auf, vor allem in der Nacht. Ein starker ungewollter Gewichtsverlust in kurzer Zeit, starker Juckreiz und häufige Infekte sind zu beobachten. Ebenso ist Blässe ein häufiges Symptom.

Wie erkennt man eine chronische lymphatische Leukämie?

Häufig verläuft die Erkrankung über einen langen Zeitraum ohne Symptome und wird daher nicht selten spät oder sogar zufällig entdeckt wird.

Mögliche Beschwerden können sogenannte „B-Symptome“ sein. Dazu zählen Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust und Fieber. Diese sind jedoch recht unspezifisch und treten bei vielen bösartigen Krebserkrankungen auf.

Oft bemerken Betroffene schmerzlose Lymphknotenvergrößerungen. Da die Leukämiezellen auch Leber und Milz befallen können, haben Patienten nicht selten unspezifische Oberbauchbeschwerden, wie z.B. ein „Ziehen“ oder „Drücken“.

Weiterhin kann sich die CLL chronischen Juckreiz (Pruritus) oder Hautausschlag (Urtikaria) verursachen.

Insbesondere in fortgeschrittenen Stadien, neigen die Betroffenen zu häufigen, schweren Infekten. Dazu können z.B. bakterielle Infektionen, aber auch ein ausgeprägter Herpes-Virus Befall zählen.

In manchen Fällen kann es zu einer schmerzlosen Schwellung der Ohrspeichel- und Tränendrüse kommen (Mikulicz-Syndrom).

Der behandelnde Arzt bzw. Ärztin kann die CLL meist anhand einer Blutuntersuchung erkennen. Unter dem Mikroskop lassen sich dann typische, veränderte Blutzellen feststellen.

Grundsätzlich sind die Symptome der Erkrankung jedoch unspezifisch, so dass wesentlich häufiger deutlich harmlosere Krankheiten „dahinter stecken“!

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Diagnose

Blut- und Laborwerte

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie gibt es einige relativ charakteristische Veränderungen der Blut- bzw. Laborwerte.

Typisch ist in erster Linie die „Leukozytose“. Darunter versteht man eine abnorme Erhöhung der weißen Blutkörperchen. Bei der CLL sind insbesondere die Lymphozyten, eine Unterart der weißen Blutkörperchen, erhöht. Erklären lässt sich dies u.a. durch die verlängerte Überlebenszeit der „bösartigen“ Leukämiezellen. Diese werden, vereinfacht gesagt, bei der Blutanalyse zu den Lymphozyten „gezählt“.

Oft kommt es im Rahmen der chronisch lymphatischen Leukämie zu einer Verdrängung der normalen, gesunden Blutzellen. In Folge dessen lässt sich eine Erniedrigung der roten Blutkörperchen (Anämie) und Blutplättchen (Thrombozytopenie) beobachten.

Neben der Laboranalyse der Blutbestandteile, spielt die Untersuchung des Blutausstriches unter dem Mikroskop eine große Rolle. Typisch ist hier z.B. eine erhöhte Anzahl reifer, kleiner Lymphozyten oder „Gumprecht-Kernschatten“.

Um die CLL weiter zu charakterisieren, gibt es die Immunphänotypisierung. Bei dieser Spezialuntersuchung werden verschiedene Merkmale auf der Oberfläche der Leukämiezellen untersucht.

So ist es möglich unterschiedliche Untergruppen der Erkrankung zu bilden und dementsprechende Therapieoptimierungen vorzunehmen.

Blutentnahme: Meistens liegt eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen vor (Leukozytose). Des Weiteren werden auch hier Parameter untersucht, die auf einen vermehrten Zellumsatz schliessen lassen (z.B. Harnsäure). Eine alleinige Zunahme der weißen Blutkörperchen ist jedoch nicht beweisend für eine CLL, da die weißen Blutkörperchen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen und deshalb auch bei Entzündungen oder Infektion vermehrt vorkommen.

Blutausstrich: Einige Bluttropfen werden dazu verwendet, das Blut unter dem Mikroskop zu analysieren. Nicht beweisend, aber auf die CLL (Chronisch lymphatische Leukämie ) hinweisend, sind sog. Gumprechtsche Kernschatten, die man erkennt. Es sind „geplatzte“ Zellen, die aufgrund der Vielzahl der Zellen beim Ausstreichen platzen.

Knochenmarksbiopsie

Bei der Knochenmarksbiopsie handet es sich um eine Gewebeentnahme von Knochenmark. Im Anschluss wird auch diese Biopsie unter dem Mikroskop analysiert.

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Bildgebung

Mit Hilfe des Schichtröntgens, im Fachjargon Computertomographie genannt, und des Ultraschalls werden Lymphknotenvergrösserungen und Organvergrösserungen, typisch sind hierbei Vergrößerungen von Milz und Leber, erkannt.

Therapie

Leider ist eine Heilung dieser Erkrankung zur Zeit nicht möglich. Die Therapiestrategien zielen auf eine Verbesserung der Lebensqualität ab (palliative Therapie). Auch hier wird die Chemotherapie eingesetzt. In seltenen Fällen wird auch eine Bestrahlung bestimmter Areale in Betracht gezogen.

Prognose

Nach aktuellem Kenntnisstand ist die chronisch lymphatische Leukämie durch Medikamente nicht heilbar. Einzig die Knochenmarktransplantation stellt einen möglichen, aber risikoreichen, kurativen, also heilbaren, Therapieansatz dar.

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Dennoch gab es in den letzten Jahren viele Fortschritte in der Behandlung der CLL. Häufig gelingt es mit einer Kombination aus Chemotherapie und sogenannten Antikörpern das Fortschreiten der Erkrankung stark zu verlangsamen, so dass Betroffene lange beschwerdefrei sein können.

Allgemeingültige Aussagen in Bezug auf Lebenserwartung oder Prognose sind wie bei jeder Erkrankung dennoch nur sehr schwer zu fällen.

Verschiedene Eigenschaften bzw. Merkmale der chronisch lymphatischen Leukämie lassen jedoch Rückschlüsse auf den Verlauf der Erkrankung zu. Diese sogenannten „Risikofaktoren“ können z.B. als Marker im Blut oder als Merkmal auf den Leukämiezellen selbst bestimmt werden. So ist z.B. eine erhöhte ß2-Mikroglobulin Konzentration im Blut ein eher ungünstiger Faktor und spricht für ein schnelles Voranschreiten der CLL.

Eine besondere Situation stellt der Verlust oder der Austausch von einzelnen Genabschnitten der Leukämiezellen dar. Besonders relevant ist die sogenannte „17p-Deletion“ und die „p53-Mutation“. Hinter diesen eher sperrigen Begriffen verbergen sich genetische Veränderungen in den Chromosomen der Leukämiezellen. Diese führen zu einem zum Teil rasanten, unkontrollierten Wachstum der Krebszellen. Wird eine dieser Mutationen bei einem CLL-Patienten festgestellt, kommen daher bereits frühzeitig aggressivere Medikamente zum Einsatz.

Neben den Eigenschaften der chronischen lymphatischen Leukämie an sich, spielen natürlich auch Allgemeinzustand, Alter und Vorerkrankungen des Betroffenen eine wichtige Rolle.
Vor der Behandlung werden daher alle möglichen Begleiterkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck oder Diabetes, ausgeschlossen. Zusätzlich erfolgt eine Analyse zahlreicher Laborwerte, um z.B. eine mögliche verminderte Nieren- oder Leberfunktion zu entdecken.

Nicht zu vernachlässigen sind z.B. das Alter, aber auch die körperliche Fitness der Erkrankten. Denn desto „fitter“ die Patienten bei der Erstdiagnose sind, desto eher vertragen sie die nebenwirkungsreiche Chemo- und Antikörpertherapie.

Zur groben Orientierung bezüglich der Prognose dient zudem die Stadieneinteilung nach Binet.

Prinzipiell kann jedoch nur der behandelnde Arzt individuelle Aussagen über Prognose und Lebenserwartung der Betroffenen fällen.

Stadieneinteilung

Um eine einheitliche und allgemeingültige Einteilung der chronischen lymphatischen Leukämie zu gewährleisten, haben sich Mediziner im europäischen Raum auf die sogenannte „Binet-Klassifikation“ geeinigt. Hierzu wird die CLL in 3 Stadien (A-C) unterteilt. Zur Feststellung des Stadiums werden lediglich eine Blut- sowie Lymphknotenuntersuchung benötigt.

 

  • Binet A: Weniger als 3 vergrößerte Lymphknotenregionen, erhöhte Lymphozyten (Unterart der weißen Blutkörperchen), kein Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen.
  • Binet B: Mehr als 3 vergrößerte Lymphknotenregionen, erhöhte Lymphozyten (Unterart der weißen Blutkörperchen), kein Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen.
  • Binet C: Mangel an roten Blutkörperchen („Blutarmut“, Anämie), Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie), unabhängig von der Anzahl der vergrößerten Lymphknotenregionen.

Grundsätzlich spielen die Stadien vor allem für den Beginn der Therapie eine wichtige Rolle. So werden Patienten im Stadium A nur in Ausnahmefällen therapiert. Betroffene in Stadium B erhalten Therapie, sobald sie Symptome spüren. Bei einem Stadium C spricht man bereits von einer fortgeschrittenen chronisch lymphatischen Leukämie. Diese Patienten werden in der Regel immer therapiert.

Zudem gilt, dass die Lebenserwartung mit Zunahme des Stadiums sinkt.

Weniger geläufig, aber durchaus angewandt ist die Stadieneinteilung nach Rai. Im Gegensatz zu den Stadien nach Binet, werden hier noch eine etwaige Leber- oder Milzvergrößerung miteinbezogen.

Stadium 0: Ausschließlich erhöhte Lymphozyten (Unterart der weißen Blutkörperchen)

Stadium 1: + vergrößerte Lymphknoten

Stadium 2: + Leber- und/oder Milzvergrößerung

Stadium 3: + Mangel an roten Blutkörperchen („Blutarmut“, Anämie)

Stadium 4: + Mangel an Blutplättchen

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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