Thrombozytopenie

Einleitung

Unter den sogenannten Thrombozyten (auch Blutplättchen genannt) versteht man eine Zellart des Blutes, die für die Gerinnung zuständig ist. Sie sind also ein wichtiger Bestandteil der Blutstillung, da sie sich bei Verletzungen an das geschädigte Gewebe heften und so dafür sorgen, dass sich die Wunde verschließt. Spricht man nun von einer Thrombozytopenie bedeutet dies, dass zu wenig Thrombozyten im Blut vorhanden sind. Das Gegenteil hiervon, also zu viele Thrombozyten, würde man als Thrombozytose bezeichnen.

Eine verminderte Anzahl der Blutplättchen hat zur Folge, dass Blutungen jeglicher Art häufiger eintreten und länger anhalten. Hierbei kann es sich um harmloses Nasenbluten oder kleinere Hauteinblutungen handeln. Bei sehr niedrigen Thrombozytenzahlen können jedoch auch schwere Komplikationen wie innere Blutungen auftreten.

Lesen Sie im Folgenden welche Ursachen eine Thrombozytopenie haben kann und wie diese zu behandeln ist.


Ursachen

Es gibt mehrere Ursachen für einen Mangel an Blutplättchen. Sie lassen sich jedoch grob in zwei Bereiche einteilen: entweder werden zu wenige funktionsfähige Thrombozyten produziert oder der Verbrauch bzw. Abbau im Blut ist zu hoch.

Die Blutplättchen werden wie die meisten Blutbestandteile im Knochenmark produziert. Liegt eine Schädigung des Knochenmarks vor, kann dies zur Folge haben, dass nur noch vermindert Thrombozyten produziert werden können. Die Ursachen einer Knochenmarksschädigung sind vielfelltig, jedoch ist sie zumeist durch Giftstoffe, wie z.B. Medikamente, Strahlung, Intoxikationen mit Blei usw., oder durch Krebserkrankungen, insbesondere Leukämien, erworben. Es gibt auch seltene genetische Grunderkrankungen (z.B. Wiskott-Aldrich-Syndrom), die die Funktion des Knochenmarks einschränken.

Auch kann ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure zu einer verminderten Produktion führen, da diese wichtige Bestandteile der Blutplättchen sind.

Ist die Produktion im Knochenmark nicht eingeschränkt, ist die Lebensdauer der Thrombozyten im Blutkreislauf vermutlich verkürzt. Hierbei kann ein krankhaft erhöhter Abbau der Blutplättchen für den Mangel verantwortlich sein. Ursächlich könnte hier ein Autoimmundefekt sein, bei dem unser körpereigenes Abwehrsystem die Thrombozyten vermehrt abbaut. Krankheitsbeispiele hierfür wären der sog. Lupus erythematodes oder die rheumatoide Arthritis. Auch Medikamente oder Krebserkrankungen können den Abbau erhöhen.

Zuletzt kann auch der Verbrauch der Blutplättchen durch Schädigungen von künstlichen Herzklappen, einer Dialyse oder durch bestimmte Infektionen (z.B. EHEC) erhöht sein. Auch eine Schwangerschaft kann zu einer verminderten Blutplättchenanzahl führen.

Diagnose

Der erste wichtige Schritt der Diagnostik ist das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Hierbei kann der Arzt erfragen, ob dem Patienten eine verlängerte Blutungsdauer, zB. bei einem kleinen Hautschnitt oder vermehrte blaue Flecken aufgefallen sind. Auch die aktuellen Medikamente, insbesondere blutverdünnende Arzneien wie Heparin, ASS oder Marcumar und eine mögliche familiäre Blutungsneigung können mögliche Ursachen erkennen lassen.

Es folgt die körperliche Untersuchung, in der z.B. eine vergrößerte Milz ertastet werden kann, aber auch Anzeichen auf die oben genannten Grunderkrankungen gefunden werden können.

Zuletzt ist eine Laboruntersuchung des Blutes unerlässlich. Hierbei wird beispielsweise durch ein Mikroskop die Form und Menge der Thrombozyten beurteilt. Hierbei können sich auch Hinweise auf eine Krebserkrankung finden lassen. Wegweisend für die Ursache der Thrombozytopenie ist hier das sogenannte „mittlere Thrombozytenvolumen“, welches über die Größe der Blutplättchen beurteilen kann, ob eine Produktionsstörung oder eine Abbaustörung vorliegt.

Zeigt das Labor eine Thrombozytopenie, die allerdings keinerlei Symptome verursacht und eher zufällig entdeckt wurde, sollte auch immer eine sogenannte „Pseudothrombozytopenie“ ausgeschlossen werden. Hierbei ist das Laborergebnis beispielsweise durch lange Transportzeit der Blutprobe verfälscht.

Symptome

Die Thrombozyten bewirken eine Blutstillung. Liegt also ein Mangel vor, kommt es zur erhöhten und verlängerten Blutungsneigung. Diese fällt zunächst durch Kleinigkeiten auf: ein kleiner Schnitt blutet deutlich länger, leichte Stöße verursachen blaue Flecken und es kommt zu häufigem Nasen- oder Zahnfleischblutungen. Liegt die Thrombozytenzahl über 30.000 Zellen pro µl treten bei einigen Patienten auch gar keine Symptome auf.

Nimmt die Thrombozytenzahl weiter ab, kommt es zu sogenannten Petechien, minimalen Einblutungen in die Haut, die als kleine rötlich-violette Punkte zu erkennen sind. Hinzu kommen vergrößerte Blutergüsse und Spontanblutungen an Schleimhäuten.

Ist die Ursache eine der oben genannten Grunderkrankungen, können spezifische Begleitsymptome auftreten. So kommt es bei Krebserkrankungen häufig zu Fieber, Nachtschweiß und ungewolltem Gewichtsverlust.
Die rheumatoide Arthritis zeigt sich in zusätzlichen Gelenkbeschwerden.
Bei Schädigungen des Knochenmarks hingegen ist oftmals auch die Produktion weiterer Blutzellen geschädigt und es kann zu einer Anämie, einer Blutarmut, kommen, die oftmals assoziiert mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Blässe ist.

Da eine Thrombozytopenie eine ernstzunehmende Ursache hat, sollten auftretende Symptome immer durch einen Besuch beim Arzt abgeklärt werden.

Therapie

Die Therapie der Thrombozytopenie richtet sich nach ihrer Ursache. Ist ein Infekt oder eine Schwangerschaft ursächlich für die Thrombozytopenie, so klingt diese meist von alleine wieder ab.

Liegt eine Grunderkrankung vor, muss diese behandelt werden. Bei einem Mangel an Vitamin B12 und Folsäure muss ein Ausgleich durch zusätzliche Aufnahme erfolgen. Medikamente, die zur krankhaften Verminderung der Blutplättchen führen, sollten neu dosiert oder abgesetzt und durch besser verträgliche Präparate ersetzt werden. Symptome durch Autoimmunerkrankungen können durch Fachärzte mit spezifischen immunsupprimierenden Medikamenten verbessert werden. Auch Krebserkrankungen werden fachärztlich eingeschätzt und behandelt. Bei einer stark vergrößerten Milz muss diese gegebenenfalls entfernt werden.

Ist der Thrombozytenmangel in einem lebensbedrohlichen Bereich bei unter 10.000 Blutplättchen pro µl Blut, werden Thrombozytenkonzentrate gegeben, die, ähnlich wie Bluttransfusionen, dem Blut fremde Thrombozyten zuführen. Auch hier muss anschließend die Ursache des Plättchenmangels gefunden und therapiert werden.

Medikamente

Es gibt keine allgemeine medikamentöse Therapie für eine Thrombozytopenie, da die Ursachen sehr unterschiedlich sind.

Beispielsweise wird bei Autoimmunerkrankungen auf immunsupprimierende Medikamente zurückgegriffen. Diese unterdrücken das körpereigene Immunsystem und verhindern so den übermäßigen Abbau der Blutplättchen. Beispiele aus dieser Medikamentengruppe wären Glukokortikoide oder spezifische Antikörper.

Wichtig ist es auch die aktuell eingenommenen Medikamente zu kontrollieren. Starke Blutverdünner wie Aspirin oder Heparin können zu einer Thrombozytopenie führen und sollten entsprechend abgesetzt oder neu dosiert werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Heparininduzierte Thrombozytopenie

Naturheilkunde

Unterstützend zu der passenden Therapie der Grunderkrankung, kann der Patient durch eine Umstellung seiner Lebensweise seine Thrombozytenanzahl steigern. So wird eine moderate Bewegung bzw. Sport als hilfreich gewertet. Hinzu kommt eine gesunde, ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung.

Hilfreich sind hier vor allem die Vitamine C, D, K und B12. Viel Vitamin C findet sich in Zitrusfrüchten (Zitronen, Kiwi, Orangen) oder in einigen Gemüsesorten (Kohl, Tomaten, Brokkoli). Vitamin B12 und Folsäure lassen sich natürlich durch Milchprodukte, Fisch, Eier und Spinat ergänzen. Natürlich gibt es für die Vitamine auch entsprechende Supplemente, die in Absprache mit dem Hausarzt in der Apotheke erworben werden können.

Ebenfalls sollen die gesunden Omega 3 Fettsäuren, die in Fisch, pflanzlichen Ölen und Nüssen vermehrt vorkommen, einen positiven Einfluss auf die Thrombozytenzahl haben.

Zuletzt wird auch eine positive Wirkung von pflanzlichen Wirkstoffen aus grünem Tee, weißem Giseng, Olivenblättern und Piperin diskutiert.

Wichtig ist zu beachten, dass eine solche Therapie niemals alleine stehend und immer in Rücksprache mit dem Hausarzt erfolgen sollte!

Leberzirrhose

Als Leberzirrhose bezeichnet man den Untergang von gesundem Lebergewebe. Dieser ist ausgelöst durch verschiedene Lebererkrankungen wie der Leberentzündung (Hepatitis) oder durch einen langjährigen Alkoholmissbrauch. Eine Leberzirrhose kann zahlreiche Folgen haben, darunter die sogenannten Ösophagusvarizen oder Krebserkrankungen der Leber.

Auch kann eine Leberzirrhose zu einer Thrombozytopenie führen. Die Leber reinigt normalerweise unser Blut. Hierfür bekommt sie Zufluss durch den sogenannten Pfortaderkreislauf. Ist die Leberfunktion nun eingeschränkt, kommt es zu einem Blutrückstau in diesem Venensystem. Hiervon ist nun auch die Milz betroffen, die durch den erhöhten Rückstau des Blutes größer wird und so viel Blut „zwischenlagert“. So kommt es auch zu einer Umlagerung der Thrombozyten. Diese verteilen sich nicht mehr gleichmäßig im Blutkreislauf sondern lagern sich zu großen Teilen in der Milz ein. Deshalb entstehen auch hier die Symptome eines Blutplättchenmangels.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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