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Nebenwirkungen der Chemotherapie

Allgemeines

Da alle Zytostatika neben den Tumorzellen auch stets normale Zellen schädigen sind Nebenwirkungen der Chemotherapie unvermeidlich. Man nimmt diese aber in Kauf, da nur eine aggressive Therapie den Tumor bekämpfen kann.
Jedoch kann man selten die Schwere der Nebenwirkungen voraus sagen, da diese von Patient zu Patient unterschiedlich sind. Auch die Art der Nebenwirkungen hängt stark vom eingesetzten Medikament ab.
Lesen Sie dazu unser Thema Substanzen der Chemotherapie

Eine akute Toxizität kann auftreten, wenn der intravenöse Katheter nicht richtig platziert ist und so die Chemo „para“ laufen kann, dass heißt nicht in die Vene sondern ins umliegende Gewebe. Dabei treten starke Schmerzen auf, die mit einer Hautreaktion (Rötung, Blasen) einhergehen.

In unterschiedlicher zeitlicher Verzögerung können auftreten:

Sofortreaktion: Übelkeit, Erbrechen, Fieber, allergische Reaktionen, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Venenentzündungen

Verzögert einsetzende, reversible Reaktionen: Veränderung der im Blut vorkommenden Zellen, Schleimhautentzündungen, Magen-Darm- Erkrankungen mit Durchfall und Appetitlosigkeit, Haarausfall, Hautveränderungen, Fruchtbarkeitsstörung, Erkrankungen der Lunge, Erkrankungen der Leber und Nierenfunktionsschädigung.

Im Folgenden werden einige der oben genannten Nebenwirkungen näher erläutert:

Einzelne Nebenwirkungen

Haarausfall

Die Nebenwirkung Haarausfall geschieht an sämtlichen Körperpartien- so fallen auch Wimpern und Augenbrauen aus. In der Regel wachsen die Haare aber wieder nach, meist sogar dichter als zuvor. Außerdem kann es passieren, dass der Farbton der Haare leicht verändert ist. Für weitere Informationen zu diesem Thema folgen Sie bitte dem Link Haarausfall.

Schleimhautentzündungen

Vor allem der Mund und Rachenraum können durch Entzündungen betroffen sein, die teilweise sehr schmerzhaft sein können. Hier muss man aufpassen, da diese Wunden im Mund und Rachen gerne auch von Bakterien und Pilzen (Mundsoor) befallen werden. Es würden weiße Auflagerungen entstehen.

Übelkeit und Erbrechen

Normalerweise ist das Erbrechen ein Schutzreflex des Körpers, um schädliche Substanzen wieder aus dem Körper zu entfernen. Auf noch nicht geklärte Weise reizt das Zytostatikum das Brechzentrum im Gehirn und löst somit Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen aus. Da Übelkeit und Erbrechen zu stärkstem Unwohlsein des Patienten führt, muss und kann dies vermieden werden. Es gibt gute Mittel , sog Antiemetika, die sehr schnell helfen die Übelkeit in den Griff zu kriegen. Um noch bessere Ergebnisse zu erreichen gibt man die Antiemetika schon während der Chemo als Prophylaxe(zu nennen sind hier Dexamethason, Setrone, MCP). Für weitere Informationen zu diesem Thema folgen Sie bitte dem Link Erbrechen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Medikamente gegen Übelkeit und Medikamente gegen Erbrechen

Blutbildveränderungen

Unsere Blutzellen werden im Knochenmark aus den so genannten Stammzellen hergestellt. Diese reagieren sehr empfindlich auf eine Chemotherapie und werden dabei soweit geschädigt, dass sie nicht mehr ausreichend die Zellen für unser Blut produzieren können. In erster Linie sind die weißen Blutkörperchen (hier am meisten die so genannten neutrophilen Granulozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) betroffen. Diese zwei Bestandteile des Blutes haben entscheidende Aufgaben für den Organismus die neutrophilen Granulozyten sind wichtig für unsere Infektabwehr, die Thrombozyten spielen eine große Rolle bei der Blutungsstillung. Sind nun diese zwei Komponenten vermindert, so sind wir anfälliger für Infekte und bluten schon bei kleineren Verletzungen. Da wir in dieser Zeit praktisch kein funktionierendes Immunsystem haben, können normalerweise mild verlaufende Infekte lebensbedrohlich werden. Deswegen ist es wichtig das Risiko für eine Infektion so gering wie möglich zu halten - der Patient selbst, aber auch die Menschen um ihn herum sollten Mundschutz und Handschuhe tragen. Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu einer Infektion, so muss man schnell handeln und mit einem breitem Spektrum an Antibiotika therapieren. Seit einigen Jahren hat man die Möglichkeit die Zahl der neutrophilen Granulozyten durch ein neues Medikament (G-CSF)ansteigen zu lassen. So sind wir schneller wieder in der Lage eine kompetente Abwehrlage aufzubauen.

Natürlich sind auch die roten Blutkörperchen (die Erythrozyten) von der Chemotherapie betroffen. Das Absinken der Erythrozyten führt zu Nebenwirkungen der Blutarmut (der Anämie), der so genannte Hämoglobin-Wert fällt. Da die Erythrozyten den lebendwichtigen Sauerstoff transportieren, der für unsere Energieproduktion unentbehrlich ist, geht die Anämie mit einem Leistungsabfall einher, die Patienten sind müde und abgeschlagen.

Appetitlosigkeit

Einige Patienten klagen über die Nebenwirkungen der anhaltenden Appetitsverlust. Das Essen schmeckt fade (nur nach „Pappe“) und jeglicher Genuss beim Essen ist verloren gegangen. Dies führt automatisch zu einem Gewichtsverlust.

Die bis hier aufgeführten Nebenwirkungen sind grundsätzlich nach Absetzten der Chemotherapie reversibel, dass heißt sie verschwinden meist komplett.

Es kann jedoch auch zu seltenen Komplikationen kommen, die einen dauerhaften Schaden zufügen.

Herzmuskelschäden

Hier wird die Herzmuskulatur durch die Chemotherapie angegriffen, sodass sie einen Teil ihrer Kontraktionsfähigkeit verliert und damit eine Herzschwäche auslöst. Dementsprechend sollte bei vorbestehender Herzerkrankung , aber auch bei höherem Alter eine Chemotherapie doppelt überdacht werden. Im weiteren Verlauf sollte die Herzfunktion gut untersucht werden.

Nierenschaden

Die meisten Zytostatika werden über die Niere ausgeschieden. Dies bedeutet dass sie unweigerlich die Niere passieren müssen und hier eventuell toxisch (giftig) wirken können. Vor allem betroffen sind die so genanten Nierentubuli, durch die der Harn fließt und hier konzentriert wird. Außerdem werden aus den Tubuli auch wichtige Substanzen, die sonst durch den Urin verloren gingen, wieder zurück in den Kreislauf geholt (resorbiert). Auf der anderen Seite werden über den Urin aber auch für den Körper giftige Stoffe ausgeschieden. Diese Funktionen kann eine geschädigte Niere nicht mehr erfüllen.

Nervenschäden

Es besteht ein gewisses Risiko für Nebenwirkungen, dass Berührungen nicht mehr richtig wahrgenommen werden oder der Tastsinn nicht mehr vollständig funktioniert. Auch ein unangenehmes Kribbeln kann eine Folge der Chemotherapie sein. Noch nicht bewiesen ist eine mögliche Schädigung unseres Gehirns. Interssieren Sie sich für das Thema Nerven.

Zweittumor

Paradoxerweise kann eine Chemotherapie, obwohl für die Krebsheilung eingesetzt, Jahre nach der Behandlung das Wachstum eines zweiten Tumors hervorrufen. Gott sei dank ist diese „Nebenwirkung“ sehr selten. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch nach einer erfolgreichen Krebsheilung die Wahrscheinlichkeit erneut an Krebs zu erkranken die eines Gesunden ist. Sie ist also nicht gleich null.

Störung der Fruchtbarkeit:

Um fortpflanzungsfähig zu sein brauchen Männer und Frauen gleichermaßen wichtige Hormone (wie Testosteron und Gestagen). Die Produktion von diesen Hormonen kann durch die Chemotherapie gestört sein und so eine Unfruchtbarkeit bewirken. Zusätzlich kann bei der Frau die Chemotherapie ein vorzeitiges Auftreten der Wechseljahre auftreten. Betroffen sind vornehmlich junge Patienten, die zum Beispiel im Rahmen einer Leukämie Behandlung sehr hohe Dosen der Chemotherapie erhalten. Für weitere Informationen zu diesem Thema folgen Sie bitte unserem Link Unfruchtbarkeit.

Weitere Organschäden:

Als seltene weitere Spätfolgen kann es auch zu einer Nebenwirkungen der Lunge (in Form einer so genanten Lungenfibrose), der Leber und des Gefäßsystems (Bluthochdruck) kommen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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