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Medikamente gegen Übelkeit

Einleitung

Übelkeit kann viele Ursachen haben. Fast jeder Mensch leidet in seinem Leben ein- oder mehrmals darunter – meist sind Magen-Darm-Infektionen der Grund für die Beschwerden. Um Übelkeit zu lindern, gibt es je nach Ursache verschiedene Hausmittel aber auch Medikamente, die dagegen eingenommen werden können. Diese Präparate werden medizinisch auch als Antiemetika bezeichnet.

Wirkstoffgruppen

H1-Antihistaminika

H1-Antihistaminika wirken im zentralen Nervensystem gegen Übelkeit, da sie spezielle Rezeptoren des Signalstoffes Histamin blockieren, welches ansonsten Übelkeit auslösen kann.

Beispiele aus dieser Wirkstoffgruppe sind unter anderem Clemastin (Tavegil®), Dimentinden (Fenistil®), Dimenhydriat (Vomex®).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Wirkstoffe Antihistaminika

Prokinetika

Prokinetika verstärken die Darmbewegung. Dadurch wird die Nahrungspassage beschleunigt und Nahrung, die schwer im Magen lag und dadurch Übelkeit ausgelöst hat, wird schneller abtransportiert. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Metoclopramid (MCP).

Dopaminrezeptor-Blocker

Die nächste Wirkstoffgruppe sind die Dopaminrezeptor-Blocker. Diese blockieren im zentralen Nervensystem die Bindungsstellen des Botenstoffes Dopamin, welches maßgeblich an der Entstehung von Übelkeit beteiligt ist.

Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören einige Neuroleptika. Wie zum Beispiel das Sulpirid.

Auch Prokinetika wirken über die Blockade der Dopaminbindungsstellen.

Serotoninrezeptor-Blocker

Die Serotoninrezeptor-Blocker schließlich blockieren die Bindungsstellen von Serotonin im zentralen Nervensystem. Auch Serotonin ist ein Signalstoff, der Übelkeit vermitteln kann.

Muscarinrezeptorblocker

Letztlich können auch andere Wirkstoffe, beispielsweise Muscarinrezeptorblocker (zum Beispiel Scopolamin) gegen Übelkeit eingesetzt werden. Sie kommen vor allem bei Übelkeit durch Gleichgewichtsstörungen in Betracht, wie sie zum Beispiel bei Seekrankheit vorkommt. Auch Glukokortikoide, Cannabinoide und andere pflanzliche Wirkstoffe zeigen Wirksamkeit in der Therapie von Übelkeit.

Hausmittel

Bei Übelkeit sollte je nach Ursache nicht direkt zu Medikamenten gegriffen werden. Häufig lassen sich die Beschwerden auch durch einfache Hausmittel bessern. Am häufigsten tritt Übelkeit im Rahmen einer Magenverstimmung oder einer Magen-Darm-Infektion auf und vergeht dann in der Regel von selbst innerhalb weniger Tage. Dennoch können auch andere Ursachen zu länger anhaltender und stärkerer Übelkeit führen, sodass der Betroffene sehr darunter leidet. Hausmittel sind in diesem Fall oft eine gute Alternative zu einer direkten Medikamenteneinnahme.

Lesen Sie hierzu auch: Hausmittel gegen Übelkeit

Tee

Verschiedene Teesorten können bei Übelkeit getrunken werden. Als besonders wirksam gilt dabei Pfefferminztee, da er eine entspannende und entkrampfende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt hat.

Ähnlich wirkt Kreuzkümmeltee, der auch entkrampfend auf die Muskulatur im Verdauungstrakt einwirkt.

Des Weiteren sind Kamillentee und Ingwertee bei Übelkeit gern eingesetzte Heißgetränke.

Wärme

Bei Magenkrämpfen, die mit der Übelkeit einhergehen, ist Wärme eine gute Möglichkeit, um diese Verkrampfungen zu lösen. Ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf dem Bauch können sehr effektiv sein, um Linderung zu bringen.

Dabei werden auch gern warme Umschläge mit Zitronensaft oder Obstessig verwendet.

Manchen Personen hilft bei Übelkeit auch ein warmes Bad, zum Beispiel mit Schafgarbe oder Lavendel als Zusatz. Ob dies hilft, muss jeder Patient selbst für sich austesten.

Frische Luft

Ein Gang nach draußen an die frische Luft oder zum geöffneten Fenster kann bei Übelkeit sehr hilfreich sein. Eine dabei aufrechte Körperhaltung entlastet den Magen und bessert dadurch oft Völlegefühle. Zudem sollte weite, bequeme Kleidung getragen werden, die nicht noch zusätzlich auf Magen oder Darm drückt.

Zitrone

Auch Zitrone hat sich bei Übelkeit bewährt. Entweder man lutscht an einem Stück Zitrone oder trinkt etwas Zitronensaft – wahlweise vermischt mit Wasser, wenn es sonst zu sauer ist.

Leicht verdauliche Ernährung

In Phasen der Übelkeit sollten nur leicht verdauliche Lebensmittel eingenommen werden. Auf fettiges, scharfes oder stark gewürztes Essen sollte verzichtet werden. Geeignet sind beispielsweise trockene Kartoffeln, Bananen, Zwieback oder klare Suppen. Kaffee, Alkohol und Tabak gehören bei Übelkeit nicht auf den Ernährungsplan.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind in den meisten Fällen Anzeichen für eine Magen-Darm-Infektion, die meist durch bestimmte Viren hervorgerufen wird.

Die Problematik bei der Einnahme von Medikamenten gegen die bestehen Übelkeit in diesem Fall ist, dass die Präparate häufig gar nicht lang genug im Verdauungstrakt verbleiben können, um eine Wirkung zu erzielen. Der Betroffene erbricht sie nach zu kurzer Zeit wieder.

Übelkeit und Erbrechen bei einer Magen-Darm-Infektion vergehen in der Regel von selbst wieder nach kurzer Zeit. Übelkeit und Erbrechen kann jedoch auch andere Ursachen haben, weshalb diese Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten, wenn sie sehr lange bestehen oder keine Tendenz zur Besserung zeigen. Äußerlich angewendete Hausmittel, wie das Drücken eines Akupressurpunktes gegen Übelkeit oder ein warmes Kirschkernkissen auf dem Bauch zur Entkrampfung können probiert werden.

Medikamente gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Übelkeit in der Schwangerschaft ein sehr häufiges Problem, unter dem viele schwangere Frauen leiden. Auf Medikamente sollte dabei möglichst verzichtet und zunächst auf Hausmittel zurückgegriffen werden. Jedoch sind nicht alle Hausmittel für schwangere Frauen geeignet. Besonders wichtig in der Schwangerschaft sind viele kleine Mahlzeiten, die über den Tag verteilt werden. Dies beugt Übelkeit vor und ist für den Körper weitaus bekömmlicher als die Einnahme weniger üppiger Mahlzeiten pro Tag. Zudem sollten fettige, scharfe und stark gewürzte Speisen vermieden werden.

Da besonders morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft auftritt, ist es ratsam, dass die Schwangere morgens nach dem Aufwachen bereits leicht verdauliche Kost wie zum Beispiel ein Stück Zwieback, einen Keks oder ein Stück Knäckebrot zu sich nimmt. Anschließend kann sie noch etwas liegen bleiben, bevor sie aufsteht. Dies kann Übelkeit in vielen Fällen vorbeugen, da der Blutzuckerspiegel dadurch direkt am Morgen angehoben wird, bevor sich die Schwangere belastet.

Des Weiteren sollte die Schwangere sich genügend an der frischen Luft bewegen, ausreichend trinken und Stressfaktoren reduzieren.

Bei bestehender Übelkeit kann das riechen oder lutschen an einer Zitrone helfen. Auch Tees, zum Beispiel Pfefferminztee, wirken durch ihre entkrampfende Wirkung entspannend auf den Magen-Darm-Trakt.

Schließlich profitieren manche Schwangere davon, wenn sie einen bestimmten Akupressurpunkt am Handgelenk drücken, der gegen Übelkeit helfen soll. Dazu sind auch spezielle Armbänder erhältlich, die angelegt werden können und durch einen aufgesetzten Noppen zu einer permanenten Stimulation des Akupressurpunktes führen.

Bringen all diese Maßnahmen jedoch keine Besserung der Übelkeit, so kann auch eine medikamentöse Therapie erfolgen. In der Schwangerschaft als sicher gilt zum Beispiel das H1-Antihistaminikum Meclozin. Im zentralen Nervensystem blockiert es bestimmte Andockstellen des Botenstoffes Histamin, das Übelkeit auslösen kann. Ein alternatives Präparat aus dieser Gruppe ist Doxylamin.

Des Weiteren kann das Prokinetikum Metoclopramid (MCP) bei Übelkeit in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Es fördert die schneller Magen-Darm-Passage, kann allerdings auch schwerwiegende Nebenwirkungen haben (Parkinson-ähnliche Symptome).

Bei ausbleibender Wirksamkeit dieser Arzneimittel können auch andere Präparate gegeben werden, beispielsweise Promethazin, Odansetron oder Glukokortikoide.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Übelkeit in der Schwangerschaft

Medikamente gegen Übelkeit bei Kindern

Medikamente gegen Übelkeit sollten bei Kindern nur bei unbedingter Notwendigkeit eingesetzt werden. Übelkeit und Erbrechen bestehen am häufigsten aufgrund relativ harmloser Magen-Darm-Infektionen und vergehen dementsprechend meist nach kurzer Zeit von allein.

Ist eine Medikation jedoch unbedingt erforderlich, so gilt Dimenhydrinat (Vomex®) als Mittel der Wahl im Kindesalter. Es ist bei Kindern ab 6kg Körpergewicht zugelassen und kann auch als Zäpfchen oder Saft verabreicht werden. Dimenhydrinat wirkt im zentralen Nervensystem auf Andockstellen von Signalstoffen, die Übelkeit und Erbrechen fördern und blockiert diese. Dadurch nehmen die Beschwerden ab.

Auch bei Kindern können jedoch zunächst Hausmittel probiert werden, zum Beispiel Tees. Bei unstillbarem Erbrechen sollte jedoch zeitnah eine ärztliche Vorstellung erfolgen, da bei Kindern der Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen schnell gefährlich werden kann. Der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt muss unbedingt ausgeglichen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Erbrechen bei Kindern

Medikamente gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Bei Chemotherapien kommt es sehr häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Daher gehören Medikamente gegen Übelkeit heutzutage fest zum Therapiekonzept bei einer Chemotherapie. Da die meisten eingesetzten Medikamente bei der Chemotherapie starke Übelkeit hervorrufen können, werden auch starke Medikamente gegen die Übelkeit verwendet.

Dazu gehören die Serotoninrezeptor-Blocker (genauer: 5-HT3-Rezeptorantagonisten), die bestimmte Bindungsstellen des Botenstoffes Serotonin im zentralen Nervensystem blockieren. Serotonin gehört zu den Botenstoffen, die Übelkeit und Erbrechen vermitteln. Dementsprechend sind die 5-HT3-Blocker sehr potente Mittel gegen Übelkeit. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören zum Beispiel Granisetron, Odansetron und Dolasetron. Sie werden auch allgemein als „Setrone“ bezeichnet.

Zusätzlich werden oft Steroide eingesetzt, da diese in der Kombination ebenfalls Eigenschaften gegen Übelkeit aufweisen. So zum Beispiel Dexamethason.

Schließlich kommt auch der NK1-Rezeptorblocker Aprepitant zum Einsatz.

Wirken diese Medikamente nicht, so können auch andere Präparate verabreicht werden. So zum Beispiel Metoclopramid (MCP), Antihistaminika (zum Beispiel Dimenhydrinat), Neuroleptika oder Benzodiazepine, wobei bei den letzten beiden Wirkstoffklassen vor allem die psychische Beruhigung des Patienten im Vordergrund steht. Je nach Art der Chemotherapie und der dabei verwendeten Substanzen wird die antiemetische Therapie für den Patienten gewählt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Chemotherapie Nebenwirkungen

Medikamente gegen Übelkeit nach Alkohol

Gegen Übelkeit nach Alkoholkonsum sollten keine Medikamente eingenommen werden. Bei dem berühmten „Kater“ eignen sich eher allgemeine Maßnahmen, um die Beschwerden erträglicher zu machen. Im Laufe des Tages gehen die Beschwerden in der Regel von selbst zurück.

Dabei sollte vor allem viel Wasser getrunken werden. Bei Übelkeit haben sich zudem Kräutertees bewährt, zum Beispiel Pfefferminz- oder Kamillentee. Ebenfalls ist ein Gang an die frische Luft förderlich, um Kopfschmerzen mit Übelkeit zu bekämpfen.

Sofern man es verträgt, kann das sogenannte Katerfrühstück helfen, dass die Beschwerden sich schneller legen. Dabei werden besonders nährstoffhaltige Lebensmittel verzehrt. Bei Übelkeit sollte jedoch nur langsam und vorsichtig mit der Nahrungsaufnahme begonnen werden.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Kater nach Alkohol- Was tun?

Rezeptfreie Medikamente gegen Übelkeit

In der Apotheke sind zahlreiche Medikamente gegen Übelkeit auch ohne ärztliches Rezept erhältlich. Dazu gehören zum Beispiel die Antihistaminika Diphenhydramin und Dimenhydrinat, die in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich sind (Tabletten, Zäpfchen, Saft, Kaugummi).

Auch Präparate mit Ingwerwurzel und Vitaminmischungen sind gegen Übelkeit in der Apotheke vorhanden und ohne Rezept zu kaufen. Metoclopramid (MCP), Setrone, Neuroleptika, Benzodiazepine und Dexamethason sind jedoch nur gegen Vorlage eines Rezepts in der Apotheke zu erwerben.

Weiterführende Informationen

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Eine Liste aller Medikamente, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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