Grippostad®

Definition

Das Medikament Grippostad® ist ein Kombinationspräparat aus 4 Wirkstoffen. Es wird in Form von Kapseln produziert und mit Wasser geschluckt. Jede Kapsel enthält 200 mg Paracetamol, 150 mg Vitamin C (= Ascorbinsäure), 2,5 mg Chlorphenamin und 25 mg Coffein.

Anwendungsgebiete

Grippostad® wird bei einfachen Erkältungen eingesetzt, um Schmerzen zu lindern, Fieber zu senken, eine Schwellung der Nasenschleimhaut zu verringern und einer Abschwächung der Immunabwehr durch einen Mangel an Vitamin C vorzubeugen.

Die typischen Zeichen einer Erkältung sind Halsschmerzen, Fieber und Frösteln, eine Schwellung/Entzündung der Nasenschleimhaut (= Schnupfen) und Husten. Häufig treten auch Kopf- und Gliederschmerzen auf.
Erwachsene haben jährlich ca. 2-3 Erkältungen, welche sich jedoch schnell ohne Medikation bessern.

Die typische Erkältung wird meist durch Viren verursacht. Diese lassen sich nicht wie Bakterien durch Antibiotika abtöten. Weil es im Allgemeinen nur wenige Mittel gibt, um Viren im menschlichen Körper abzutöten und weil eine typische Erkältung nur wenige Tage andauert, wird die Krankheit nur symptomatisch und nicht ursächlich - also nicht durch die Bekämpfung der Erreger - behandelt. Bei Alten und chronisch Kranken sollte beim Verdacht auf eine Erkältung der Krankheitsverlauf gut beobachtet werden – sie wird nämlich oft mit der Grippe verwechselt, die für alte und kranke Menschen lebensbedrohlich sein kann.

Grippostad® kann bei Kindern ab 12 Jahren eingesetzt werden, um die unangenehmen Symptome bis zum Abflauen der Krankheit zu mildern.Treten nur Einzelne der oben genannten Symptome auf, sollten andere Medikamente in Betracht gezogen werden, da Grippostad® eine fixe Kombination ist und idealerweise bei einer Kombination dieser Symptome eingesetzt wird.


Wirkweise

Die Nutzung von Grippostad® bei Erkältungen begründet sich auf der Wirkweise der oben genannten 4 Wirkstoffe.

Diese werden im Folgenden näher erläutert:
Paracetamol wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd und leicht
entzündungshemmend. Es ist heute eines der gebräuchlichsten Schmerzmittel weltweit. Die häufigsten Gründe für die Einnahme von Paracetamol sind leichte bis mittelstarke Schmerzen (Migräne und Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Zahnschmerz, Regelschmerzen, Gelenkschmerzen) und Fieber. Bis heute ist der genaue Wirkmechanismus jedoch trotz der weiten Verbreitung dieses Medikamentes nicht bekannt. Man weiß jedoch von einer Beteiligung an verschiedenen Mechanismen im menschlichen Körper: es blockiert die Herstellung von bestimmten Stoffen, die Entzündungen verstärken – den Prostaglandinen.
Weiterhin beeinflusst Paracetamol Nervenzellen, die durch den Überträgerstoff Serotonin gesteuert werden und unter anderem für die Schmerzempfindlichkeit von Bedeutung sind. Auch ein Einfluss auf das innere Cannabinoid-System (an dem z.B. auch Cannabis wirkt) ist bekannt, wodurch wahrscheinlich ein Teil des schmerzstillenden Effektes erklärt werden kann. Diese Wirkmechanismen unterscheiden sich von denen typischer, leichter Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen. Deshalb werden diese Substanzen klinisch nicht zur gleichen Gruppe gezählt. Die entzündungshemmende Eigenschaft von Paracetamol ist im Vergleich zu ähnlichen Mitteln sehr schwach. Dennoch wird es in vielen Fällen eingesetzt. Der Grund sind häufig die Vorteile gegenüber Stoffen wie Aspirin, wie bspw. keine Abschwächung der Blutgerinnung und seltenere Magengeschwüre.

Wie auch in Grippostad® wird Paracetamol oft in Kombination mit Coffein eingesetzt. Dadurch verstärkt sich seine Wirkung auf das bis zu 1,7-fache. Diese Verstärkung ermöglicht eine Reduktion der eingenommenen Paracetamol-Dosis und verringert so das Auftreten potenzieller Nebenwirkungen.

Coffein hat neben dieser unterstützenden Funktion eine Vielzahl weiterer Effekte auf den menschlichen Körper, die zum Teil auch nach dem Genuss von Kaffee entstehen können. In geringen Dosen (wie in Grippostad®) wirkt es stimulierend, regt das Hirn an und führt so zu erhöhter Konzentration und verringerter Müdigkeit. Es kann einen positiven Effekt auf die Stimmung haben. Neben diesen allgemein bekannten Wirkungen kann es bspw. auch die Herz- und Atemfrequenz erhöhen, Blutgefäße verengen oder erweitern. Diese Wirkungen entstehen durch die Anlagerung von Coffein an bestimmte Empfängerstoffe („Rezeptoren“) im Hirn, die bei ihrer Aktivierung normalerweise hemmend auf das Hirn wirken. Lagert sich Coffein jedoch an sie an, kann der natürliche Aktivator dieser Rezeptoren nicht mehr wirken. So erfährt das Hirn also indirekt durch eine fehlende Hemmung die beschriebene Stimulation.

Vitamin C ist wie jedes Vitamin ein Stoff, der vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden kann und deshalb über die Nahrung aufgenommen werden muss. Bei einer ausgewogenen Ernährung, die insbesondere durch genügende Mengen von Obst und Gemüse charakterisiert ist, treten normalerweise keine Mangelerscheinungen auf. Vitamin C ist in besonders hohen Mengen in Zitrusfrüchten, Brokkoli und Paprika enthalten. Schwangere und Menschen, die sich nicht ausgewogen ernähren, leiden häufiger an Vitamin C-Mangel.

Amerikanische Studien der letzten Jahre beschrieben, dass bis zu 20% der dortigen Bevölkerung zumindest an einem leichten Vitamin C-Mangel leiden. Dieser äußert sich auf verschiedene Art und Weise: durch Blutungen in der Haut und Schleimhäuten (insbesondere am Zahnfleisch), durch raue, schuppige und trockene Haut, eine verschlechterte Wundheilung, Gelenk- und Gliederschmerzen, Schwäche und Müdigkeit, vermehrte Infekte sowie Stimmungsschwankungen. Diese Erscheinungen treten aufgrund der breitgefächerten Funktion von Vitamin C auf. Es spielt beispielsweise im Aufbau des Bindegewebes unseres Körpers, das u.a. die Stabilität von Blutgefäßen gewährleistet, eine Rolle. Wird es aufgrund eines Vitamin C-Mangels fehlerhaft produziert, können Blutungen und Wundheilungsstörungen auftreten. Es wird weiterhin bei der Herstellung von Aminosäuren benötigt – den Bausteinen aller Proteine im menschlichen Körper. Dadurch ist das Immunsystem ebenfalls auf Vitamin C angewiesen. Eine Vitamin C-Gabe kann bei bestehendem Mangel also die Immunabwehr anregen und so das eigene Immunsystem bei der Krankheitsbekämpfung unterstützen. Weiterhin ist es für die Aufnahme von Eisen aus dem Darm ins Blut wichtig. Ein Vitaminmangel kann so einen Eisenmangel bedingen, der sich wiederum durch verschiedene Symptome wie Blässe, Schlappheit, Müdigkeit, Haarausfall und brüchige Nägel äußert.

Chlorphenamin als letzter wichtiger Bestandteil ist ein sogenanntes Antihistaminikum. Als solche werden Stoffe bezeichnet, die die Wirkung des Überträgerstoffes Histamin abschwächen. Histamin ist wichtiger Bestandteil der natürlichen Abwehrreaktion des Körpers. Wird die Wirkung verringert, kommt es zu einer abgeschwächten Reaktion des Körpers gegenüber dem Erreger, wodurch auch nur geringere Entzündungszeichen wie Schmerzen und Schwellungen entstehen. Die Schwellung wird typischerweise durch eine Weitung der Gefäße verursacht, was zu einem Austreten von Flüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe führt. Eine Beteiligung von Histamin ist auch bei allergischen Reaktionen und Asthma bekannt - es führt dabei beispielsweise zu Hautrötungen, Juckreiz und zu Schwellungen der Schleimhäute. Chlorphenamin ist bei Einnahme von Grippostad® insbesondere für das Abschwellen der Nasenschleimhaut verantwortlich, was die Nase wieder „frei macht“ und das ungestörte Atmen ermöglicht.

Richtige Dosierung

Alle 4 Wirkstoffe können bei Überdosierung typische Symptome auslösen. Falls diese auftreten, sollte man sofort einen Arzt aufsuchen, um notfalls eine Verschlimmerung zu verhindern.

Die Überdosierung mit Paracetamol äußert sich durch Übelkeit, Erbrechen, Blässe und Bauchschmerzen. Dabei kann die Leber stark geschädigt werden. Es kann eine Besserung dieser Symptome auftreten, obwohl die Leberschädigung weiter fortschreitet.

Coffein kann in zu hohen Dosen zu Störungen im Nervensystem führen (z.B. starke Euphorie) sowie Zittern und Herzrhythmusstörungen auslösen.

Vitamin C kann, falls die aufgenommene Menge nicht durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, zu Durchfall führen.

Chlorphenamin kann bei Überdosierung ein sogenanntes „anticholinerges Syndrom“ verursachen, bei dem der dämpfende Anteil des Nervensystems durch die Wirkung des Medikamentes schlechter funktioniert und dadurch Symptome wie Erregung, Halluzinationen, ein trockener Mund, weite Pupillen, Fieber und Rötungen im Gesicht auftreten können.

Nebenwirkungen

Viele andere unerwünschte Wirkungen können prinzipiell auch ohne eine Überdosierung mit Grippostad® auftreten. In den meisten Fällen treten Nebenwirkung jedoch nur sehr schwach oder gar nicht auf. Zu den möglichen Störungen gehören ein unregelmäßiger und zu schneller Herzschlag, Müdigkeit, Benommenheit, Schlaflosigkeit und Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schädigung der Nieren und der Leber und allergische Reaktionen (wie z.B. Hautausschlag, Fieber, Schwellungen). Chlorphenamin kann, insbesondere in der Kombination mit Alkohol, zu einer verschlechterten Reaktionsfähigkeit und damit zur Fahrunfähigkeit führen. Fallen starke Nebenwirkungen auf, sollte das Medikament nicht mehr eingenommen werden. Wird die Einnahme einer Kapsel vergessen, sollte sie nicht zusätzlich zur Nächsten eingenommen werden – dies kann zum verstärkten Auftreten von Nebenwirkungen führen.

Gegenanzeige für die Einnahme von Grippostad®

Grundsätzlich sollte Grippostad® nicht während der Schwangerschaft und der Stillzeit eingenommen werden. Bei einzelnen Bestandteilen und bei der Kombination der Wirkstoffe ist die Wirkung auf das Ungeborene nicht geklärt. Dies gilt besonders für Paracetamol.

Lesen Sie mehr zum Thema: Paracetamol in der Schwangerschaft

Darüber hinaus können Anteile von Grippostad® in die Muttermilch übertreten und im gestillten Kind wirken, weshalb auch stillenden Müttern von der Einnahme abgeraten wird.

Weitere Gegenanzeigen für eine Einnahme sind starke Nieren- und Leberschäden. Das Risiko für eine weitere Schädigung dieser Organe bzw. einer Anreicherung des Medikamentes im Körper ist dann stark erhöht. Auch bei Alkoholmissbrauch sollte auf Grippostad® verzichtet werden, da ein Leberschaden bereits vorliegen kann.

Die Anwendung von Grippostad® bei Kindern unter 12 Jahren ist nicht zu empfehlen. Bestehen Erkrankungen, die zu einem erhöhten Eisenspiegel im Blut führen, sollte Grippostad® nur vorsichtig eingenommen werden.

Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass keine weiteren Paracetamol-haltigen Arzneimittel eingenommen werden, während Grippostad® genutzt wird. Dies erhöht das Risiko für die oben beschriebene Überdosierung und Schäden an der Leber.

Bei Allergien oder Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber einem der Bestandteile von Grippostad® sollte das Medikament ebenfalls nicht eingenommen werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Grippostad® kann die Wirkdauer und Wirkstärke einer Vielzahl anderer Medikamente verändern sowie von vielen anderen Medikamenten beeinflusst werden. Grundsätzlich ist es deshalb wichtig, die Verträglichkeit von Grippostad® mit anderen eingenommenen Medikamenten zu überprüfen. Beispielsweise kann die Wirkung verschiedener Schlafmittel, herzfrequenzsteigernder Mittel, Nikotin, verschiedener Antibiotika, Psychopharmaka, Allergiemittel, der Pille und von Alkohol unter Einnahme von Grippostad® verändert sein.

Zusammenfassend ist Grippostad® ein relativ gut verträgliches und ungefährliches Präparat, wenn die empfohlene Dosis korrekt eingenommen wird. Es kann Erkältungssymptome zwar gut lindern, die Heilung aber nicht unbedingt beschleunigen.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 03.02.2017
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