Gelenke

Synonyme

Gelenkkopf, Gelenkpfanne, Gelenkbeweglichkeit,

Medizinisch: Articulatio

Englisch: joint

Abbildung Gelenkformen

Abbildung Gelenkformen menschlicher Gelenke
  1. Radwinkelgelenk
    = Drehscharniergelenk
    (z. B. Kniegelenk)
  2. Sattelgelenk
    (z. B. Daumensattelgelenk)
  3. Kugelgelenk
    (z. B. Schultergelenk,
    Hüftgelenk)
  4. Scharniergelenk
    (z. B. Ellenbogengelenk)
  5. Radgelenk
    = Zapfengelenk
    (z. B. Speichen-Ellen-Gelenke)
  6. Eigelenk (ohne Abb.)
    ähnlich wie Kugelgelenk,
    nur Zweiachsig
    (z. B. proximales Handgelenk)

    Einachsige
    Gelenke - Scharniergelenk und Radgelenk
    Zweiachsige Gelenke - Radwinkelgelenk, Sattelgelenk und Eigelenk
    Dreiachsiges Gelenk - Kugelgelenk

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Arten der Gelenke

Die unterschiedlichen Gelenke des Menschen

Gelenke werden unterschieden in echte Gelenke (Diarthrosen) und unechte Gelenke (Synarthrosen). Die echten Gelenke sind durch einen Gelenkspalt voneinander getrennt. Wenn der Gelenkspalt fehlt und mit Füllgewebe gefüllt ist spricht man von einem unechten Gelenk.
Bei den unechten Gelenken wird zwischen den

  1. bandhaften (Syndesmosen),
  2. knorpelhaften (Synchondrosen) und
  3. knochenhaften (Synostosen) unterschieden.

Unechte Gelenke

Unechte Gelenke (Synarthrosen) erlauben in der Regel nur wenig Bewegung, wobei diese von der Art des Füllgewebes abhängig ist. Bandhafte Gelenke werden auf Zug und knorpelhafte auf Druck beansprucht. Knöcherne unechte Gelenke werden nur durch ständige Bewegung an der Verknöcherung (Synostosierung) gehindert.

  1. Bei den bandhaften unechten Gelenken (Syndesmosen) werden zwei Knochen durch straffes kollagenfasriges Bindegewebe, selten auch durch elastisches Bindegewebe miteinander verbunden.
    Hierzu zählen die Zwischenknochenmembranen zwischen den Unterarm- und Unterschenkelknochen (Membranae interossea antebrachii et cruris), der Bandapparat des distalen Schienbeinwadenbeingelenks (Syndesmosis tibiofibularis) und die Bandverbindungen der Wirbelsäule.
    Die Bindegewebsmembranen zwischen den Schädelknochen eines Neugeborenen (Fontanellen) zählen ebenfalls zu den Syndesmosen.
  2. Bei knorpelhaften unechten Gelenke (Synchondrosen) besteht das Zwischengewebe aus Gelenkknorpel (hyalinem Knorpel). Hierzu zählen die Verbindung zwischen der knöchernen Diaphyse und der Epiphyse eines jugendlichen Röhrenknochens, die ehemaligen Verbindungen zwischen den knöchernen Anteilen des Hüftbeines und der Rippenknorpel zwischen den Rippen und dem Brustbein. Die Zwischenwirbelscheibe und die Schambeinfuge zählen ebenfalls dazu.
  3. Bei den knochenhaften unechten Gelenken werden Einzelknochen sekundär durch Knochenmasse verbunden. Hierzu zählen das verknöcherte Kreuzbein (Os sacrum), das Hüftbein (Os pelvis) und ebenso die verknöchertem Epiphysenfugen der Röhrenknochen beim Erwachsenen.

Echte Gelenke

Alle echten Gelenke bestehen aus zwei Knochen, deren Gelenkflächen (Facies articularis) mit hyalinem Gelenkknorpel überzogen sind. Diese Schicht unterscheidet sich in ihrer Dicke zwischen den einzelnen Gelenken und ist abhängig von der mechanischen Belastung.
Hyaliner Gelenkknorpel ist in der Regel bläulich milchig. Durch das Fehlen der Knorpelhaut (Perichondrium) hat dieser eine verminderte Regenerationsfähigkeit und wird darüber hinaus nur noch durch Diffusion und Konvektion über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Dabei wird über Be- und Entlastung der Knorpel an belasteten Stellen dünner und bei der Entlastung nimmt er die Gelenkflüssigkeit wie ein Schwamm auf. Innerhalb des hyalinen Gelenkknorpels werden vier Zonen in Richtung des Knochens unterschieden.

4 Zonen des hyalinen Gelenkknorpels:

  1. Zone 1 ist die Tangentialfaserzone . Sie dient hauptsächlich dazu, Scher- und Reibungskräfte zu reduzieren.
  2. Die Übergangszone ist die Zone 2,
  3. die Radiärzone ist die 3. Zone, die als Trennzone zwischen dem nicht-mineralisierten und mineralisierten Knorpel gilt.
  4. Die 4. Zone ist die Mineralisationsphase, die den Übergang zwischen Knochen und Knorpel bildet.

Zwischen den beiden Gelenkpartnern befindet sich der Gelenkspalt bzw. die Gelenkhöhle. Als Gelenkhöhle wird der Teil innerhalb der Gelenkkapsel bezeichnet, wo beide Gelenkpartner keinen unmittelbaren Kontakt mehr zueinander haben. Die Gestalt der Gelenkhöhle verändert sich mit der Bewegung des Gelenkes.
Dieser ist mit Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) gefüllt, die zum einen für die Ernährung des Gelenkknorpels zuständig ist und zum anderen mechanische Belastung abfängt. Umgeben wird das Gelenk von der Gelenkkapsel. Diese Membran besteht aus zwei Anteilen,

  1. der Membrana fibrosa und der
  2. Membrana synovialis.

Die Membrana fibrosa besteht aus straffem kollagenfaserigem Bindegewebe, das sich in der Knochenhaut (Periost) der jeweiligen, gelenkbeteiligten Knochen forstsetzt. In zahlreichen Gelenken wird die Membrana fibrosa durch interne bandartige Strukturen (Ligg. capsularia) verstärkt. Sie sind für die Stabilität und Führung verantwortlich der Gelenke verantwortlich.

Besonderheiten

Bei bestimmten Gelenken kommen zusätzlich noch Strukturen innerhalb des Gelenkes (intraartikuläre Strukturen) vor.
Menisci articulares sind sichelförmige, im Querschnitt keilförmige Strukturen befinden sich nur im Kniegelenk. Sie bestehen aus straffem kollagenem Bindegewebe und aus Faserknorpel. Sie dienen dazu die nicht passförmig ausgebildeten Gelenkpartner auszugleichen und die Druckbelastung des Gelenkknorpels zu reduzieren.
Disci artikulares sind scheibenförmig und teils aus Bindegewebe, teils aus Faserknorpel. Sie teilen ein Gelenk in zwei getrennte Kammern und reduzieren die Druckbelastung des Faserknorpels.
Sie kommen im Kiefergelenk, im Schlüsselbeingelenk und im körpernahem Handgelenk vor.

Gelenklippen

Gelenklippen (Labra articularia) der Gelenke sind keilförmige Auflagerungen auf den Rändern der knöchernen Hüft- und Schultergelenkpfannen. Sie bestehen überwiegend aus Faserknorpel und sind mit einem bindegewebigen Anteil außen an der Gelenkkapsel verwachsen. Die Gelenklippen vergrößern die Gelenkflächen. Intraartikuläre Bänder werden auch als intrakapsuläre Bänder bezeichnet, kommen im Knie- und im Hüftgelenk vor und haben unterschiedliche Funktionen. Während die Kreuzbänder (siehe auch Kreuzbandriss) (Ligg. cruciata) im Knie eine vorwiegend mechanische Aufgabe erfüllen, dient das Hüftkopfband (Lig. capitis femoris) als gefäßführendes Band zur Ernährung des Hüftkopfes. Sie bestehen aus straffem, gut mit Gefäßen durchzogenem Bindegewebe und werden von Teilen der Synovialmembran bedeckt.

Gelenkbeweglichkeit

Gelenkbeweglichkeit

Das Bewegungsverhalten der Gelenke wird mit Hilfe der Lehre von der Bewegung (Kinematik) beschrieben beschrieben.
Jede Gelenkbewegung wird auf zwei Grundlegende Bewegungen zurückgeführt und ist somit immer eine zusammengesetzte Komplexbewegung.

Zum einen gibt es ein:

  1. Gleit-oder Verschiebebewegung der Gelenke (Translationsbewegung), zum anderen eine
  2. Drehbewegung der Gelenke (Rotationsbewegung).

Bei der Gleit- oder Verschiebebewegung bewegt sich ein Körper auf einer geraden Line oder auf einer beliebig gekrümmten Kurve im Raum. Hierbei dreht sich der Körper nicht um sich selbst. Alle Punkte des Körpers machen also die gleiche Bewegung. Die Bewegung kann entlang von drei Raumachsen stattfinden. Man spricht hier von drei Freiheitsgraden der Verschiebebewegung. Wenn eine oder zwei Hauptrichtung in einem Gelenk blockiert sind, so reduziert sich die Anzahl der möglichen Bewegungsrichtungen.

Bei der Drehbewegung der Gelenke dreht sich ein Gelenkkörper um eine Achse oder einen Mittelpunkt. Der Drehpunkt kann hierbei innerhalb oder außerhalb des Gelenks liegen. Auch hier sind drei Freiheitsgrade möglich. Bei den Drehbewegungen können die Gelenkflächen aufeinander Gleiten oder abrollen, wobei meistens eine Kombination aus Rollen und Gleiten stattfindet.
Wenn sich ein Gelenkkörper mit Weggewinn der Achse auf seiner Gelenkfläche bewegt spricht man vom Rollen. Dreht ein Körper jedoch ohne Weggewinn seiner Achse, aber mit Weggewinn seiner Oberfläche kommt es zum Gleiten.

Schultergelenk

  • Beugung 170°
  • Streckung 40°
  • Heranführen 30°
  • Abspreizen 160°
  • Einwärtsdrehen 70°
  • Auswärtsdrehen 60°

Ellenbogengelenk

  • Beugung 150°
  • Streckung 10°

Handgelenk

  • Beugung 60°
  • Streckung 40°
  • Heranführen 30° (Radialduktion)
  • Abspreizen 40° (Ulnarduktion)
  • Einwärtsdrehen 90° (Pronation)
  • Auswärtsdrehen 90° (Supination)

Fingergelenke

  • Beugung 90°
  • Streckung 0°

Hüftgelenk

  • Beugung 140°
  • Streckung 10°
  • Heranführen 30°
  • Abspreizen 50°
  • Einwärtsdrehen 50°
  • Auswärtsdrehen 40°

Kniegelenk

  • Beugung 150°
  • Streckung 10°
  • Einwärtsdrehen 10°
  • Auswärtsdrehen 40°

Oberes Sprunggelenk

  • Beugung 50°
  • Streckung 30°

Unteres Sprunggelenk

  • Einwärtsdrehen 20° (Inversion)
  • Auswärtsdrehen 10° (Eversion)

Grußzehengrundgelenk

  • Beugung 45°
  • Streckung 70°

Schultergürtel

  • Hochnehmen 40°
  • Runterziehen 10°
  • Nach vorne ziehen 30°
  • nach hinten ziehen 25°

Übersicht aller wichtigen Gelenke

Schultergelenk

Das Schultergelenk (lat. Articulatio humeri) wird von dem obersten Anteil des Oberarmknochens, auch Oberarmkopf (lat.Caput humeri) genannt, und der Gelenkpfanne des Schulterblattes (lat.Scapula), auch Cavitas glenoidalis, gebildet. Es ist das beweglichste aber gleichzeitig auch anfälligste Gelenk des menschlichen Körpers.
Doch woher resultiert die große Beweglichkeit unseres Schultergelenkes? Die Gelenkfläche des Oberarmkopfes ist etwa drei- bis viermal größer als die Gelenkfläche des Schulterblattes. Dieses ausgeprägte Missverhältnis ermöglicht den großen Bewegungsfreiheit.
Gleichzeit sinkt jedoch die Stabilität, da eine feste, knöcherne Führung fehlt. Somit verwundert es nicht, dass etwa 45% aller Luxationen (Gelenkauskugelung) auf die Schulter fallen.

Systematisch betrachtet zählt das Schultergelenk zu den Kugelgelenken. Namensgebend ist die nahezu kugelige Form des Oberarmkopfes. Als typischer Vertreter dieser Gelenkart besitzt die Schulter drei Freiheitsgrade, also sechs mögliche Bewegungsrichtungen.
Neben den beteiligten Knochen sind auch Bänder, Schleimbeutel, Gelenkkapsel und Muskeln an der Gelenkbildung beteiligt. In erster Linie sind die genannten Strukturen für die Bewegungen der Schulter verantwortlich. Weiterhin haben sie die wichtige Aufgabe, das Gelenk zu stabilisieren! So bildet zum Beispiel das Band Ligamentum coracoacromiale zusammen mit knöchernen Anteilen (lat. Acromion und Processus coracoideus) das „Schulterdach“ und begrenzt so Bewegungen nach oben (kranial).
Zusätzlich sichert die kräftige Schultermuskulatur das Gelenk! Die wichtigste Muskelgruppe bildet die sogenannte „Rotatorenmanschette“. Zu ihr zählen der Muskulus infraspinatus, M. supraspinatus, M. teres minor und der M. suprascapularis. Sie umfassen die Schulter von mehreren Seiten und sind maßgeblich für die Stabilisierung verantwortlich.

Eine häufige Verletzung der Schulter ist das Impingementsyndrom, auch schmerzhafter Bogen genannt: Bei seitlicher Abspreizung des Armes (Abduktion) zwischen 60 und 120 Grad empfinden Betroffene große Schmerzen. Verantwortlich ist eine verkalkte und verdickte Sehne des M. Supraspinatus. Wenn der Arm gehoben wird wandert sie unter einen Knochenvorsprung sowie einen Schleimbeutel (lat. Bursa subacromialis). Schließlich stößt (engl. to impinge = stoßen) die Sehne bei zunehmender Bewegung an und wird schmerzhaft eingezwängt.

Ellenbogengelenk

Das Ellenbogengelenk (lat. Articulatio cubiti) wird von dem Oberarmknochen (lat.Humerus) und den beiden Unterarmknochen Elle (lat. Ulna) und Speiche (lat.Radius) gebildet. Innerhalb des Gelenkes können wiederum drei Teilgelenke unterschieden werden: Das Oberarmspeichengelenk (lat. Art. humeroradialis), das Oberarmellengelenk (lat. Art. humeroulnaris) sowie das proximale Ellenspeichengelenk (Art. radioulnaris proximalis) (s.u.). Diese drei Einzelgelenke bilden eine funktionelle Einheit und sind von einer gemeinsamen zarten Gelenkkapsel umschlossen. Fächerförmig verlaufende Seitenbänder, auch Kollateralbänder genannt, stabilisieren das Gelenk und verstärken die Kapsel. Weiterhin unterstützt das Ringband (lat. Lig. annulare radii) die knöcherne Führung im proximalen Ellenspeichengelenk.

In seiner Gesamtheit ermöglicht das Ellenbogengelenk Beuge- und Streckbewegungen (Flexion und Extension), sowie Drehbewegungen (Pro- / und Supination) des Unterarmes. Bei vielen feinmotorischen Tätigkeiten der Hand, wie zum Beispiel das Drehen eines Schraubenziehers, Aufschließen eines Türschlosses oder das Essen zum Mund führen, ist gerade die Fähigkeit der Drehung im Unterarm von großer Bedeutung!

1) Oberarmellengelenk
Das Oberarmspeichengelenk wird von der Gelenkrolle des Oberarms, der Trochlea humeri, sowie einer Vertiefung der Elle, der Incisura ulnaris, gebildet. Funktionell betrachtet gehört es zu der Gruppe der Scharniergelenke und ermöglicht Beugung und Streckung des Unterarmes.

2)Oberarmspeichengelenk
In diesem Gelenk artikuliert eine kleine Knorpelfläche des Oberarms, auch Oberarmköpfchen oder Capitulum humeri gennant, mit einer Vertiefung der Speiche, auch als Fovea articularis radii bezeichnet. Rein von der Form betrachtet zählt es zu den Kugelgelenken. Allerdings schränkt eine Verbindung aus Bindegewebe zwischen beiden Unterarmknochen (Membrana interossea antebrachii) die Bewegungen stark ein! Somit sind statt der üblichen sechs Bewegungsrichtungen nur vier vorhanden.

3) Proximale Ellenspeichengelenk
Das proximale Ellenspeichengelenk ist ein Drehgelenk, genauer gesagt ein Zapfengelenk. An der Innenseite ist das kräftige Ringband mit Knorpel überzogen und steht so mit den Gelenkflächen von Elle und Speiche in Kontakt!

Handgelenk

Der Begriff „Handgelenk“ fasst umgangssprachlich das proximale Radiokarpalgelenk sowie die Verbindung zwischen zwei Reihen der Handwurzelknochen, das Mediokarpalgelenk, zusammen. Häufig wird auch einfach zwischen „proximalem“ (körpernahem) und „distalem“ (körperfernem) Handgelenk unterschieden. Die Aufgaben und Funktionen unserer Hand sind zudem komplex, ähnlich dem Aufbau der beiden Teilgelenke!

1.) Radiokarpalgelenk
Vereinfacht gesagt verbindet das Radiokarpalgelenk die Unterarmknochen mit der Handwurzel. Das körperferne Ende des Speichenknochens, der Discus articularis (Knorpelfläche), sowie drei Knochen der proximalen Handwurzel (Kahnbein, Mondbein, Dreieckbein) bilden die Verbindung. Wenn man die Form der Gelenkflächen betrachtet, zählt das Radiokarpalgelenk zur Gruppe der Eigelenke. Damit besitzt es zwei Bewegungsachsen und vier mögliche Bewegungsrichtungen: Beugung und Streckung (Palmarflexion und Dorsalextension), sowie seitliches Abspreizen nach innen oder außen (Radial/-Ulnarabduktion).

2.) Mediokarpalgelenk
Zwischen der proximalen (Kahnbein, Mondbein, Dreieckbein) und distalen Handwurzelreihe (großes und kleines Vieleckbein, Kopfbein, Hakenbein) verläuft ein in etwa S-förmiger Gelenkspalt. Jeweils zwei gegenüberliegende Knochen bilden ein Einzelgelenk. In ihrer Gesamtheit bezeichnet man sie als Mediokarpalgelenk. Funktionell gehört es zu den Scharniergelenken. Durch zahlreiche Bänder ist es in seinen Bewegungen jedoch stark eingeschränkt. Zudem interagiert es mit dem Radiokarpalgelenk und den Interkarpalgelenken. Daher nennt der Mediziner dieses Gelenk auch „verzahntes“ Scharniergelenk.

Von besonderer Wichtigkeit sind die erwähnten Bänder der Handwurzelknochen. Bei Handwurzelverletzungen, zum Beispiel dem Kahnbeinbruch, sind sie nicht selten mit betroffen. Ältere Menschen leiden des Weiteren häufig unter verschleißbedingten Schmerzen, beispielsweise im Knorpel (Discus articularis) des Radiokarpalgelenkes.

Fingergelenke

Unsere Finger bestehen mit Ausnahme des Daumens aus jeweils drei kleinen Knochen: Fingergrundglied (lat. Phalanx proximalis), Fingermittelglied (lat. Phalanx media) und Fingerendglied (lat. Phalanx distalis). Untereinander stehen sie jeweils durch eine gelenkige Verbindung in Kontakt. In jedem Finger außer im Daumen finden wir also drei Einzelgelenke. So sind feinmotorische und komplexe Bewegungen möglich! Da der Daumen kein Mittelglied hat, besitzt er nur zwei Gelenke.
Zunächst verbindet das Fingergrundgelenk (lat. Art. metacarpophalangealis) den jeweiligen Mittelhandknochen mit dem Fingergrundglied. Daran schließen sich das Fingermittelgelenk (Art. interphalangealis proximalis) zwischen Fingergrund- und Fingermittelglied sowie das Fingerendgelenk (Art. interphalangealis distalis) zwischen Mittel-und Endfingerglied an.

Rein von der Form betrachtet zählt das Grundgelenk zu den Kugelgelenken. Allerdins ist die dritte Bewegungsachse, nämlich die Rotation beziehungsweise Drehung, stark durch die Seitenbänder eingeschränkt. Letztendlich können die Finger im Grundgelenk gebeugt und gestreckt sowie zu beiden Seite gespreizt werde.
Um die umständlichen, lateinischen Benennung der beiden verbleibenden Gelenke zu erleichtern, kürzen Mediziner die langen Bezeichnungen einfach ab: das Fingermittelegelenk wird zu PIP, das Fingerendgelenk zu DIP. Beide sind reine Scharniergelenke mit einer Bewegungsachse und somit zwei möglichen Bewegungen (Beugung und Streckung).

Auf der Unterseite des Handgelenks verlaufen die Sehnen der langen Fingerbeuger jeweils in einer gemeinsamen Sehnenscheide. Durch Ring- und Kreuzbänder ist diese wiederum an den knöchernen Fingerknochen befestigt. Zusätzlich werden die einzelnen Fingergelenke durch Seitenbänder (lat. Ligg. collateralia) unterstützt. Ihre Besonderheit: In Fingerstreckstellung sind sie entspannt, wohingegen sie bei Beugung gespannt werden. Bei Gipsverbänden der Hand müssen die Finger daher unbedingt in leichter Beugung fixiert werden! Ansonsten bilden sich die Seitenbänder schnell zurück und verkürzen. Im schlimmsten Fall ist eine Beugung danach nicht mehr möglich.

Kniegelenk

Das Kniegelenk verbindet den Oberschenkelknochen mit den beiden Unterschenkelknochen (Schien- und Wadenbein).

Unser Kniegelenk (Art. genu) setzt sich aus zwei Teilgelenken zusammen. Zum einem bilden Oberschenkelknochen (lat. Femur) und Schienbein (lat. Tibia) das Femorotibialgelenk. Des Weiteren artikulieren Kniescheibe (lat. Patella) und Oberschenkel im Femoropatellargelenk. Beide Teilgelenke sind von einer gemeinsamen Kapsel umgeben und stellen eine funktionelle Einheit dar.
In seiner Gesamtheit ist es ein Drehscharniergelenk mit möglicher Beugung, Streckung sowie Innen- und Außendrehung.
Wenn man das Kniegelenk streckt, lässt sich zudem die namensgebende Besonderheit beobachten: Bei maximaler Ausübung der Bewegung, dreht der Unterschenkel leicht nach außen („Schlussrotation“).

Zahlreiche Strukturen gewährleisten die Stabilität und Belastbarkeit unseres Knies:
Kreuzbänder
Innerhalb der Gelenkkapsel spannen sich das vordere (Lig. cruciatum anterius) und hintere (Lig. cruciatum posterius) Kreuzband. Beide Bänder sichern den Kontakt zwischen Schienbein und Oberschenkel und verleihen insbesondere während Drehbewegungen Stabilität. Bei einer Verletzung der Kreuzbänder empfinden Patienten daher häufig deutliche Unsicherheit beziehungsweise Instabilität im Kniegelenk.

Menisken
Namensgebend ist die halbmondartige Form (lat. Meniskus= Halbmond) der beiden Knorpelstrukturen. Sie vergrößern die Gelenkfläche und sorgen so für eine gleichmäßige Belastung. Wir unterscheiden zwischen dem Außen- und Innenmeniskus, wobei der innere Meniskus eng mit Gelenkkapsel und dem Knieinnenband verwachsen ist. Dementsprechend ist bei Verletzungen weitaus häufiger der Innenmeniskus betroffen!

Seitenbänder
Auf der Innenseite des Kniegelenkes verläuft das umgangssprachlich bekannte „Innenband“ (lat. Lig. collaterale tibiale), Dementsprechend findet man an der Außenseite das sogenannte „Außenband“ (lat. Lig. collaterale fibulare). Sie verhindern, dass unser Knie zur Seite wegknickt. Daher ist es nur logisch, dass die Seitenbänder vor allem bei seitlichen Umknickbewegungen verletzt werden. Wenn sowohl Innenband, Innenmeniskus als auch vorderes Kreuzband reißen, spricht man von einer „Unhappy Triad“.

Hüftgelenk

Das Hüftgelenk verbindet den Oberkörper (Hüfte) mit den Beinen (Oberschenkelhalskopf).

Unser Hüftgelenk (lat. Art. coxae) stellt die gelenkige Verbindung zwischen Oberkörper und Beinen dar. Es ermöglicht zum einem das Gehen und aufrechte Stehen, zum anderen sorgt es für Stabilität in der Körpermitte!
Oberschenkelkopf, auch Hüftkopf genannt, (lat. Caput femoris) und die mit Knorpel überzogene Hüftpfanne (lat. Acetabulum) bilden die knöchernen Anteile. Letztere entsteht durch die Verschmelzung von Darmbein (lat. Os ilium), Sitzbein (lat. Os ischii) und Schambein (Os pubis).
Bei dem Hüftgelenk handelt es sich um eine besondere Form des Kugelgelenkes, nämlich um ein Nussgelenk mit drei Bewegungsachsen. Somit sind hier Beugung und Streckung, Innen-und Außendrehung sowie seitliches Abspreizen möglich.
Charakteristisch sind die kräftigen und massiven Bänder, welche den kugeligen Hüftkopf gemeinsam mit der straffen Gelenkkapsel fest in die Pfanne drücken. In dem Zusammenhang spricht der Mediziner häufig von einer „Bänderschraube“.(Darmbein-Schenkel-Band, Sitzbein-Schenkel-Band und Schambein-Schenkel-Band).
So besitzt zum Beispiel das Darmbein-Schenkel-Band eine Zugfestigkeit von über 350 kg und ist damit das stärkste Band im menschlichen Körper! Beim aufrechten Stand verhindert es zudem ein Abkippen des Beckens nach hinten ohne den Einsatz von Muskelkraft. Eine weitere Besonderheit des Hüftgelenkes ist das Femurkopfband. In ihm verlaufen Blutgefäße, welche ausgesprochen wichtig für die Versorgung des Hüftkopfes sind. Es spielt eine große Rolle bei der Heilung von Oberschenkelhalsbrüchen.

Oft treten mit zunehmendem Alter Verschleißerscheinungen des Hüftgelenkes auf, die sogenannte Coxarthrose. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass in Deutschland etwa 2% aller 65-74 Jährigen betroffen sind. Besonders gefährdet sind übergewichtige Patienten ohne ausreichend Bewegung. Im Verlauf der Erkrankung nehmen Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit im Hüftgelenk zu. Schlimmstenfalls ist eine Endoprothese („künstliche Hüfte“) die einzige therapeutische Lösung.

Fußgelenk

Hinter dem umgangssprachlichen Begriff „Fußgelenk“ verbergen sich das obere (Art. talocruralis) und untere Sprunggelenk (Art. subtalaris und Art. talocalcaneonavicularis). Viele kleine Fußwurzelknochen und Bänder agieren sehr komplex miteinander und ermöglichen so unter anderem den aufrechten Gang.

Oberes Sprunggelenk
Beide körperfernen Enden der Unterschenkelknochen Schienbein und Wadenbein bilden die sogenannte Malleolengabel, auch Knöchelgabel genannt. Sie umfasst von beiden Seiten die Gelenkrolle (lat. Trochlea tali) des Sprungbeines und bildet so das obere Sprunggelenk. Das reine Scharniergelenk verbindet also Unterschenkel und Fußwurzel und ermöglicht Beugung sowie Streckung.
Zur Stabilisierung und Bewegungsführung besitzt das Gelenk zum einen Seitenbänder (Innen- und Außenbänder) zwischen Unterschenkelknochen und Fußwurzeln. Zum anderen sind Schienbein und Wadenbein durch die Syndesomsebänder miteinander verbunden.
Verletzungen des oberen Sprunggelenkes sind außerordentlich häufig. Typischerweise knicken Betroffene auf unebenem Boden nach außen um (Suppinationstrauma). In erster Linie resultieren daraus Überdehnungen oder sogar Risse des Außenbandes. Umgangssprachlich hat sich in vielen Fällen der Begriff „Verstauchung“ durchgesetzt.

Unteres Sprunggelenk
Innerhalb des unteren Sprunggelenkes unterscheidet man ein vorderes und hinteres Teilgelenk. Im vorderen unteren Sprunggelenk bilden verschiedene Fußwurzelknochen (Fersenbein, Kahnbein) sowie das mit Knorpel überzogene Pfannenband eine Gelenkpfanne für das Sprungbein (lat. Talus). Zusätzlich verstärkt das Pfannenband unser Fußlängsgewölbe.
Das hintere untere Sprunggelenk setzt sich aus dem Sprungbein und dem Fersenbein (lat. Calcaneus) zusammen. Zwischen den beiden Kammern des unteren Sprunggelenkes verläuft das Sprungbein-Fersenbein-Band (lat. Lig. talocalcaneum interosseum) und bildet so die räumliche Trennlinie.
Der Bewegungsumfang im Gelenk beschränkt sich ähnlich wie im oberen Sprunggelenk auf eine Bewegungsachse: Bei von vorne fixiertem Sprungbein kann die Ferse sowohl nach innen (Inversion) als auch außen (Eversion) gedreht werden. Letztendlich ist es jedoch schwierig, die Bewegungen im Fuß auf einzelne Gelenke zu reduzieren. Denn nahezu alle Komponenten innerhalb des Fußes sind aneinander gekoppelt, so dass Bewegungen zumeist kombiniert ausgeführt werden.

Zehengelenke

Umgangssprachlich fallen alle Gelenke der Zehenknochen unter diesen Begriff. Ihr Aufbau besitzt eine große Ähnlichkeit mit den Fingergelenken.
Demnach besteht jeder Zeh, mit Ausnahme der Großzehe, aus drei kleinen Knochen: Grundglied (lat. Phalanx proximalis), Mittelglied (lat. Phalanx media) und Endglied (lat. Phalanx distalis).
Zwischen den einzelnen Köpfchen der Mittelfußknochen und den Grundgliedern aller Zehen finden wir die Zehengrundgelenke (lat. Art. metatarsophalangea). Daran schließt sich zwischen Grund- und Mittelglied, das Zehenmittelgelenk (Art. interphalangealis proximalis, PIP) an.
Die Großzehe besteht wie der Daumen aus nur Grund- und Endglied. Da sie also kein Mittelglied besitzt, fehlt auch das entsprechende Zehenmittelgelenk!
An allen Zehen hingegen verbindet das Endgelenk (lat. Art. interphalangealis distalis, DIP) Mittel-/Grund- und Endglied. Bei manchen Menschen sind die beiden letzten Knochenglieder des kleinen Zehs miteinander verwachsen.
Zusammenfassend gibt es also fünf Zehengrundgelenke, vier Zehenmittelgelenke und fünf Zehenendgelenke.
Funktionell betrachtet zählen die Gelenke zwischen den Zehenknochen zu den Scharniergelenken. Durch sie können wir unsere Zehen beugen und strecken. Diese Fähigkeit stellt eine wichtige Voraussetzung beim Gehen und Rennen dar.

Zahlreiche Bänder, Sehnen und Muskeln unterstützen die komplizierte Anatomie.
Typische Beschwerden der Zehengelenke können zum Beispiel im Rahmen von Fußfehlstellungen in Erscheinung treten. Besonders bei dem Krankheitsbild des Spreizfußes verursachen die Grundgelenke der Zehen II-IV Beschwerden. Durch den typischen Verlust des Fußquergewölbes entsteht eine vermehrte Druckbelastung auf den Köpfchen der. Außerdem sind die kleinen Zehengelenke mit zunehmendem Alter nicht selten von Arthrose betroffen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2016
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