Rotatorenmanschette

Synonyme im weiteren Sinne

Englisch: rotator cuff

Anatomie

Als Rotatorenmanschette bezeichnet man eine funktionell wichtige Muskelgruppe der Schulter, die am Schulterblatt (Scapula) ihren Ursprung hat und sich wie eine Manschette rund um den Oberarmkopf legt und für die Drehung (Rotation) und Hebung des Armes mitverantwortlich ist.

Man unterscheidet bei der Rotatorenmanschette den

Der Musculus subscapularis entspringt von der Vorderseite des Schulterblattes (Fossa subscapularis der Scapula) und setzt an der Vorderseite des Oberarmkopfes (Tuberculum minus) an. Spannt er sich an, wird der Oberarm nach innen gedreht (stärkster Oberarm - Innendreher) und an den Körper herangezogen (adduziert).

Der Musculus supraspinatus entspringt am oberen Anteil der Rückfläche des Schulterblattes (Fossa supraspinata der Scapula) und zieht unter dem Schulterdach hindurch zum seitlichen Oberarmkopf (Tuberculum majus). Seine Funktion ist die des seitlichen Armhebers, insbesondere in der Startphase der Bewegung, bei am Körper anliegenden Armen. Geringer wirkt er auch bei der Außendrehung des Armes mit.
Er weißt von allen Muskel der Rotatorenmanschette die häufigste Verletzung auf.

Der Musculus infraspinatus entspringt am unteren Anteil der Rückfläche des Schulterblattes (Fossa infraspinata der Scapula) und zieht ebenfalls zum Tuberculum majus des Oberarmkopfes, etwas hinter dem Musculus supraspinatus. Er ist der stärkste Außendreher des Oberarmes.

Der Musculus teres minor hat seinen Ursprung am Seitenrand des Schulterblattes (Margo lateraris der Scapula). Auch er zieht zum Tuberculum majus. Funktionell ist er ein schwacher Außendreher des Oberarmes. Außerdem wirkt er beim Heranziehen des Oberarmes an den Körper mit.
Von allen Muskel der Rotatorenmanschette macht der M. teres minor die wenigsten Probleme.

Funktion der Rotatorenmanschette

Die Funktion für die Armbewegung eines jeden an der Rotatorenmanschette beteiligten Muskels wurde schon beschrieben.
zusammenfassend hat die Rotatorenmanschette eine wesentlichen Anteil an der Rotation des Armes, also an der Außen- und Innendrehung des Oberarms.
Die Rotatorenmanschette ist also äußerst wichtig für die Beweglichkeit des ganzen Armes. Zusammen mit anderen Muskeln verleiht die Rotatorenmanschette dem Schultergelenk den größten Bewegungsspielraum aller Gelenke des Menschen.

Darüber hinaus spannt ein jeder Muskel der Rotatorenmanschette die Gelenkkapsel des Schultergelenkes an und gibt somit dem Schultergelenk Stabilität.

Wegen der geringen knöchernen Führung des Schultergelenkes und des schwachen Bandapparates, wird die Sicherung des Schultergelenkes vor allem von der Rotatorenmanschette und dem Musculus deltoideus (Deltamuskel) übernommen. Zusammen bewirken sie, dass der Oberarmkopf in der Gelenkpfanne gehalten (zentriert) wird.
Diese erklärt aber in gleichem Maße auch die hohen Belastungen, die auf die Rotatorenmanschette einwirken und die Folgen bei Verletzungen, die daraus sich ergeben.

Abbildung Schultergelenk

  1. Schlüsselbein
  2. Schulterdach (Acromion)
  3. Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach
  4. Oberarmknochen
  5. Schultergelenk (Articulatio glenohumerale)

Erkrankungen der Rotatorenmanschette

Im Gegensatz zu anderen großen Gelenken des Körpers wird das Schultergelenk hauptsächlich durch seine Weichteile (Muskulatur, Bänder, Gelenkkapsel) geführt und stabilisiert.
Der Kontakt des großen Oberarmkopfes (Humerus) zur Schultergelenkpfanne (Glenoid) ist nur gering. Aufgrund dieser enormen Belastungen finden sich Erkrankungen des Schultergelenkes gehäuft im Bereich der Rotatorenmanschette.

Besonders häufig betroffen ist der Musculus supraspinatus der unter dem Schulterdach hindurch zum Oberarmkopf zieht. Bei Armbewegungen über die Horizontale kommt es zu einer Schulterdachenge für diesen Muskel, weil der Oberarmkopf beim Armanheben nach oben unter das Schulterdach steigt. Durch eine anlagebedingte oder verschleißbedingt erworbene Schulterdachenge kann es zum Krankheitsbild des Impingementsyndroms kommen. Gemeint ist damit das wiederholte Einklemmen der Supraspinatussehne unter dem Schulterdach, was eine Entzündung der Sehne und des dort befindlichen Schleimbeutels (Bursitis subacromialis) zur Folge hat. Ist die Belastungsfähigkeit der Supraspinatussehne überschritten, kann sie ohne adäquate Verletzung reißen (Supraspinatussehnenruptur / Rotatorenmanschettenriss).
Die deutsche Übersetzung von Impingementsyndrom bedeutet Engpasssyndrom, welches auch synonym als Schulterengpasssyndrom bezeichnet wird.

Durch eine chronische Schädigung kann sich auch Kalk in der Supraspinatussehne ablagern, aber auch in anderen Sehnen der Rotatorenmanschette.
Man spricht dann von dem Krankheitsbild einer Tendinitis calcarea oder Kalkschulter.

Abbildung Schulter

  1. Schulterdach (Acromion)
  2. Ausgedünnte Supraspinatussehne
  3. Oberarmkopf / Humerus
  4. Schultergelenk (Articu- lation glenohumerale)
  5. Muskelbauch des Suprasinatusmuskels
    (Musculus supraspinatus)
Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.10.2016
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