Ellenbogen

Einleitung

Das Ellenbogengelenk besteht in funktioneller Hinsicht aus drei Gelenken, da in ihm drei Knochen beweglich miteinander verbunden sind: Das Beugen und Strecken des Unterarmes wird durch das Zusammenwirken eines Scharniergelenkes und eines Kugelgelenkes bedingt; hinzu kommt das Zapfengelenk, das die Unterarmhanddrehungen ermöglicht.

Der Ellenbogen (Olecranon) ist ein hervorstehender Teil des Ellenknochens (siehe 4. untere Abbildung) und bildet zusammen mit dem Oberarmknochen ein Scharniergelenk. Das bewirkt, dass der Unterarm sich nicht zurückbiegen läßt.

Anatomie des Ellenbogens

Aufbau des Ellenbogens

Das Ellenbogengelenk wird von drei Knochen gebildet:

  1. Oberarmknochen (Humerus)
  2. Elle (Ulna)
  3. Speiche (Radius)

Durch Kombination von verschiedenen Gelenktypen (Scharnier-, Kugel- und Zapfengelenk) sind die großen Bewegungsgrade und Einschränkungen möglich. Da dieses Gelenk nicht ständig unter Last steht, sind ein Verschleiß (Arthrose) ohne Frakturen oder bestimmte Grunderkrankungen (z.B. Rheuma) selten.

Abbildung Ellenbogengelenk

Abbildung rechtes Ellenbogengelenk von vorn (A) und von links (B)
  1. Oberarmköpchen -
    Capitulum humeri
  2. Äußerer Obergelenkknorren -
    Epycondilus lateralis
  3. Innerer Obergelenkknorren -
    Epycondilus medialis
  4. Oberarmrolle - Trochlea humeri
  5. Oberarmschaft - Corpus humeri
  6. Speichenkopf - Caput radii
  7. Speichenhals - Collum radii
  8. Rauigkeit der Speiche -
    Tuberositas radii
  9. Rauigkeit der Elle -
    Tuberositas ulnae
  10. Speichenschaft - Corpus radii
  11. Ellenschaft - Corpus ulnae
  12. Gelenkknorpel
  13. Gelenkkapsel - Capsula articularis
  14. Ellennerv - Ulnaris
  15. Armstrecker - Musculus triceps brachii
  16. Oberarmmuskel - Musculus biceps brachii

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

  1. Gelenkknorpel (Trochlea humeri)
  2. Elle (Ulna)
  3. Speiche (Radius)
  4. Speichenköpfchen (Radiusköpfchen)
  5. Oberarmknochen (Humerus)

Erkrankungen des Ellenbogens

Tennisarm

Beim Tennisarm handelt es sich um ein Schmerzsyndrom im Bereich des Ursprungs der Hand- und Fingermuskulatur an den knöchernen äußeren Ansätzen des Oberarmknochens (Humerus), auch Epicondylitis radialis humeri genannt.

Der Tennisarm ist die häufigste Sehnenansatzentzündung (Ansatztendinose) der Strecker der Unterarmmuskulatur.
Lesen Sie mehr zum Thema: Tennisarm

Golferellenbogen

Beim sogenannten Golferellenbogen handelt es sich um eine Sehnenansatzentzündung (=Ansatztendinose) der Beuger der Unterarmmuskulatur, auch Epicondylitis ulnaris humeri/Epicondylitis medialis humeri genannt.

Patienten mit Golferellenbogen klagen über Schmerzen im Bereich des Epicondylus medialis humeri (= Knochenvorsprung an der Innenseite des Ellenbogens, an dem Sehnen ansetzen), die sich bei Faustschluss und Beugung (besonders gegen Widerstand) im Handgelenk verstärken. Nicht selten strahlen die Ellenbogenschmerzen in Unter- und/oder Oberarm aus, so dass dann der ganze Arm schmerzt. Regelmäßig besteht ein deutlicher Druckschmerz im Bereich des inneren Unterarmes, in der Nähe des Ellenbogens.

Die Ursache des chronischen Entzündungszustandes im Bereich der Sehnenansätze am Epicondylus medialis humeri ist nicht geklärt; vieles spricht für eine mechanische Auslösung/Überbelastung (deshalb auch der Ausdruck "Golferellenbogen").
Lesen Sie mehr zum Thema: Golferellenbogen

Ursachen für Schmerzen im Ellenbogen

Schmerzen im Ellbogen können durch Stürze, Entzündungen des Gelenks oder des Schleimbeutels verursacht werden.

Schmerzen im Ellbogen können verschiedenste Ursachen haben.

Sehr oft treten Schmerzen nach Traumata auf. Durch Stürze oder Unfälle können Muskeln und Bänder gezerrt oder anderweitig verletzt werden oder Frakturen (Brüche) der anliegenden Knochen, also Oberarmknochen (Humerus) und Unterarmknochen (Radius oder Ulna), auftreten. Weiterhin sind sehr oft Verrenkungen (Luxationen) des Ellbogens Ursache für akut auftretende Schmerzen.

Bei dauerhaft andauernden Überbelastungen des Ellbogengelenkes können Entzündungen Ursache für die Schmerzen sein. Dabei entzünden sich sehr oft die am Ellenbogen entspringenden Sehnen der Unterarmstreckermuskeln und Unterarmbeugermuskeln – der Tennis- oder Golfer-Ellenbogen.

Neben den Sehnen kann auch eine Entzündung des Schleimbeutels Ursprungsort der Schmerzen sein.

Bei chronischen Schmerzen im Ellenbogengelenk, die auch in anderen kleinen Gelenken wie z.B. den Fingergelenken auftreten, sollte auch an eine rheumatisch bedingte Arthritis gedacht werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Entzündung des Ellenbogens

Neben einer Entzündung entsteht bei langanhaltender Über- oder Fehlbelastung oft eine Arthrose im Ellbogengelenk, die sich durch Abnutzung von Knorpel kennzeichnet. Im Gegensatz zu den anderen genannten Schmerzursachen tritt der Schmerz hier nach längeren Ruhephasen auf und bessert sich durch Bewegung.

Neben der äußeren Begutachtung, Testen der Beweglichkeit und Abtasten der beteiligten Strukturen kann durch die Beschreibung der Zeitpunkte des Auftretens, der Art und der Lokalisation der Schmerzen eine erste Verdachtsdiagnose gestellt werden. Durch weitere Mittel wie Röntgen, MRT, Ultraschall oder auch Arthroskopie (Gelenkspiegelung) kann die Diagnose vervollständigt werden.
Aber auch Blutuntersuchungen können vor allem im Bereich der rheumatologischen Diagnostik weiterhelfen.

Ellenbogen ausgekugelt

Eine Ellenbogenluxation kommt deutlich seltener vor als eine Luxation (Ausrenkung) der Schulter. Sie findet häufig bei äußerer Krafteinwirkung statt, wie das Stürzen auf den ausgestreckten oder leicht pronierten (Handfläche ist nach unten gedreht) Arm.

Sehr häufig geht eine Luxation mit Begleitverletzungen einher.

Bei einer Luxation rutscht der Speichenkopf (Caput radii) und/oder das dem Körper zugewandte Ende der Elle, das Olecranon, vom distalen (dem Körper abgewandten) Ende des Oberarmknochens (Humerus) ab, dass die drei Knochenanteile nicht mehr ordnungsgemäß zueinander stehen – sie sind verschoben.

Grundsätzlich ist eine Luxation im Humeroulnaren Gelenk, also dem gelenkigen Teil zwischen Oberarmknochen und Elle, häufiger als eine Ausrenkung zwischen Speiche und Oberarmknochen.

Sehr häufig ist dabei eine Verschiebung nach hinten oder hinten-außen. Der Bandapparat am Ellenbogengelenk kann genauso wie die Kapsel ein- oder abreißen. Nicht selten treten dazu Frakturen (Knochenbrüche) am Oberarmknochen, des Olecranons der Elle oder der Radiuskopf auf. Unangenehme Komplikationen sind Verletzungen von Arterien, Venen und Nerven, die nahe dem Gelenk laufen.

Dabei rutscht der Humerus mit seiner Gelenkrolle (Trochlea humeri) nach hinten oder hinten-außen aus der knöchernen Vertiefung der Elle heraus, die vom Olecranon gebildet wird. Gleichzeitig findet aber auch eine Verschiebung in der Verbindung zwischen Oberarm und der Speiche statt. Dabei rutscht der Radiuskopf mit seiner Gelenkfläche vom Humerusköpfchen ab.

Eher selten findet eine ventrale Luxation statt, bei der sich der Oberarmknochen vor Elle und Speiche schiebt.

Auch selten findet eine seitliche bzw. divergierende Luxation statt – Elle und Speiche verschieben sich auf unterschiedliche Seiten vom Oberarmknochen.

Die Wiederherstellung (Reposition) der ursprünglichen Gelenkstellung sollte innerhalb weniger Stunden erfolgen, um Folgeschäden zu vermeiden. Dies findet unter Vollnarkose statt, indem, je nachdem welche Luxation vorliegt, das Gelenk mit ruckartigen Bewegungen in die Ausgangsposition gebracht wird. Nach kurzer Ruhigstellung (1-2 Wochen) erfolgt Krankengymnastik.

Bei möglichen Begleitverletzungen, wie Band- und Knochenschäden, ist eine Operation indiziert, um die Schäden zu beseitigen.

Eine besondere Form der Ellenbogenluxation ist die Ausrenkung des Radiusköpfchens bei kleinen Kindern. Dabei rutscht das Caput radii aus seiner gelenkigen Verbindung und wird von einem Teil des Bandhalteapparates, dem Ligamentum anulare radii, eingeklemmt. Häufig passiert das, wenn kleine Kinder von ihren Eltern an der Hand gehalten werden und vor einem Sturz bewahrt werden. Die Kraft, die dabei auf das Radiusköpfchen wirkt, kann von dem noch nicht sehr stabilen Bandapparat nicht gehalten werden und es kommt zur Ausrenkung. Die Kinder halten den Arm nach so einem Vorfall in einer Schonhaltung, bei dem der Arm und die Hand leicht nicht innen gedreht sind (Pronation), daher die Bezeichnung Pronatio dolorosa (schmerzhafte Pronation).

Für die Wiederherstellung der ursprünglichen Position des Radiusköpfchens ist keine Operation nötig. Sie kann von einem erfahrenen Arzt mit wenigen Handgriffen wieder hergestellt werden.

Therapie bei Ellenbogenschmerzen

Tapen

Das Tapen bei Reizungen im Ellbogen soll helfen, die Schmerzen zu lindern und die Durchblutung der betroffenen Bereiche zu steigern. Die gesteigerte Durchblutung soll den Heilungsprozess beschleunigen. Durch die Schmerzlinderung wird sich erhofft, dass der Patient seinen Arm weniger in Schonhaltung hält und so Verkrampfungen durch unnormale Positionen vermeidet.

Am Ellenbogen wird das Tapen oft im Zuge von Überbelastungen genutzt.

Eine Anwendungsmöglichkeit ist der Tennisellbogen – dabei ist der äußere Ursprungspunkt für die Streckmuskulatur des Unterarms gereizt (Epicondylus lateralis). Durch das Kleben von Tapes über den Unterarmrücken vom gebeugten Handgelenk bis zur äußeren Seite des Ellenbogens werden die Streckmuskeln entlastet.

Bei einer Reizung der Ursprünge der Unterarmbeuger an der inneren Seite des Ellenbogens (Epicondylus medialis) kann ebenfalls getaped werden. Dabei werden die Tapes auf der Innenseite des gestreckten Unterarms entlang der Beugemuskeln bis hin zum Handgelenk geklebt.

Bei weiteren Entzündungen des Ellenbogens können die am Ellbogen ansetzenden Muskelbäuche der Oberarmstrecker (Musculus trizeps brachii) ebenfalls getaped werden.

Grundsätzlich gilt, dass nur Personen, die sich mit den medizinischen und anatomischen Grundlagen am Ellenbogen auskennen, tapen sollten. Bei fehlerhafter Anwendung tritt zum einen kein unterstützender Effekt ein und in seltenen Fällen kann sich die Problematik verschlechtern.

Ellenbogenbandage

Durch eine Bandage kann das Gelenk ruhig gestellt werden, sodass man dadurch Problemen vorbeugen kann.

Viele Muskeln und Sehnen für Hand und Unterarm haben ihren Ursprung im Bereich des Ellenbogens. Bei Reizungen durch einseitige Bewegungen oder Überbelastungen, wie z.B. dem Tennisarm oder Golfer-Ellenbogen, kann eine Bandage am Ellenbogen unterstützende Wirkung ausüben. Durch die Bandage werden die Sehnen und Muskelursprüngen entlastet und stabilisiert.

Außerdem kann über eine Bandage eine Ruhigstellung des Ellenbogengelenkes erfolgen. Durch die zusätzliche Stabilität und Ruhigstellung kann die Abheilung einer Reizung unterstützt werden.

Außerdem kann eine Bandage noch vor der Entstehung von Problemen vorbeugend wirken – sie kann prophylaktisch angewendet werden.

Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.08.2016
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