Hüftarthrose

Synonyme

Hüftgelenksarthrose, Koxarthrose, Coxarthrose, Arthrosis deformans, Osteoarthrose, Osteoarthritis deformans, Arthrosis deformans coxae, coxarthrosis

Vlg. auch Arthrose am Kniegelenk: Kniearthrose, Gonarthrose

Medizinisch: Coxarthrose
Englisch: hiparthritis

Definition der Hüftarthrose

Der Begriff “Hüftgelenksarthrose/ Hüftarthrose“ (= Koxarthrose oder auch Coxarthrose) umfasst alle degenerativen Erkrankungen im Bereich des Hüftgelenkes, die durch Erkrankung (z.B. angeborene Störung der Funktionseinheit Hüftkopf – Hüftpfanne oder Durchblutungs-, bzw. Stoffwechselstörungen, ...), Unfall (z.B. Schenkelhalsbruch) oder Verschleiß hervorgerufen werden.

Allen ursächlichen Erkrankungen gemein ist eine zunehmende Zerstörung des Gelenkknorpels, die letztlich auch weitere Gelenkstrukturen wie Gelenkkapsel, Knochen und die zughörige Muskulatur schädigt und eine Hüftarthrose bewirkt.

Stadien

Die Hüftarthrose (Coxarthrose) kann je nach Zustand der Gelenkflächen und Funktion in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Diese Stadieneinteilung ermöglicht es zudem den Ärzten eine Einschätzung über den Schweregrad der vorliegenden Arthrose vorzunehmen und dient auch zur Abschätzung der geeigneten Therapie.

Bei Grad 0 sind die Gelenkflächen der Hüfte noch intakt und glatt. Der Knorpel ist gesund und elastisch.

Bei Grad 1 zeigt sich eine aufgeraute Knorpeloberfläche. Der Knorpel kann zudem in seiner Masse schon vermindert sein und weicher als gesunder Knorpel.

Bei Grad 2 liegt eine sichtbare Beschädigung des Gelenkknorpels vor. Dennoch ist der Knorpelüberzug noch intakt.

Dagegen weist Grad 3 schon eine deutliche Schädigung des Knorpels auf, die bis 50-100% die gesamte Knorpelschicht auf den Gelenkflächen betreffen kann.

Grad 4 ist schließlich am weitesten fortgeschritten, sodass der Knorpel vollständig abgenutzt wird und der Knochen sichtbar geworden ist. Hier hat der Patient zudem einen Verlust der Bewegung und oftmals dauerhaft Schmerzen.

Anzeichen einer Hüftarthrose

Die Hüftarthrose (Coxarthrose) äußert sich im Anfangsstadium mit diffusen Schmerzen im Hüftbereich nach einer längeren Belastung. So können die Schmerzen zunächst nur durch Sport, bei längeren Wanderungen oder dem Treppensteigen auftreten. Die Erkrankung schreitet weiter voran und die schützende Knorpelschicht auf Gelenkflächen wird zunehmend weniger.

Der Verschleiß wird schließlich immer deutlicher bis er auch Schmerzen bei geringfügiger Belastung verursacht. Die Beschwerden treten demnach immer häufiger auf bis sie schließlich auch dauerhaft bleiben und auch in Ruhe auftreten. Typisch für eine fortgeschrittene Arthrose in der Hüfte ist der Anlaufschmerz nach einer längeren Ruhephase oder nach langem Sitzen. Die Schmerzen lassen nach sobald der Betroffen sich etwas „warm“ gelaufen hat.

Weiterhin kann auch durch die Abnutzung des Gelenks Reibung entstehen, die sogar von außen hörbar sein kann. Einige Patienten berichten auch von dem Gefühl, ihr Hüftgelenk sei blockiert. Neben den charakteristischen Beschwerden treten Begleiterscheinungen auf. Durch die Schmerzen in der Hüfte nehmen viele Patienten eine ausgleichende Schonhaltung ein und gehen eventuell schief. Durch diese Fehlhaltung können nach einiger Zeit auch Rückenschmerzen auftreten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome einer Hüftarthrose

Hüftschmerzen / Schmerzen bei einer Hüftarthrose

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Wenn bekannt ist, dass Sie an einer Hüftarthrose leiden und Schmerzen haben, empfehlen wir unser Thema: Schmerzen bei Hüftarthrose - Was kann ich tun?

Alter

In Fällen, bei denen die Ursache der Hüftgelenksarthrose unbekannt ist (= primäre Hüftarthrose) entwickelt sich eine Hüftgelenksarthrose in der Regel erst im höheren Lebensalter (Malum coxae senile), somit meist erst nach dem 50.-60. Lebensjahr.
Häufig umfasst die Arthrose beide Seiten des Hüftgelenkes.

Hüftgelenksarthrosen, die auf nicht vollständig ausgeheilten Hüftgelenkserkrankungen oder anatomischen Varianten im Hüftkopf oder Pfannenbereich beruhen (= sekundäre Hüftarthrose), treten in der Regel früher auf und beziehen sich meist nur auf eine Seite des Hüftgelenks.
Medizinisch bezeichnet man den einseitigen Gelenkbefall als monoartikulär.

Geschlechtsverteilung

Da Frauen häufiger unter einer Hüftdysplasie leiden und der Knorpel aufgrund seiner Beschaffenheit weniger belastbar ist als der männliche Knorpel, neigen Frauen eher zu Hüftarthrose als Männer.

Abbildung Hüfte

  1. Wirbelsäule
  2. Beckenschaufel (Os ilium)
  3. Hüftgelenk
  4. Hüftkopf
  5. Schenkelhals
  6. Symphyse
  7. kleiner Rollhügel (Trochanter minor
  8. großer Rollhügel (Trochanter major)
Abbildung rechtes Hüftgelenk von vorn
  1. Hüftpfanne - Acetabulum
  2. Darmbeinschaufel - Ala ossis ilii
  3. Darmbeinkamm - Crista iliaca
  4. Gelenklippe der Hüftpfanne -
    Labrum acetabuli
  5. Hüftkopf (= Schenkelkopf) -
    Caput femoris
  6. Schenkelhals - Collum femoris
  7. Großer Rollhügel -
    Trochanter major
  8. Oberschenkelschaft -
    Corpus femoris
  9. Kleiner Rollhügel -
    Trochanter minor
  10. Sitzbein - Os ischii
  11. Hüftloch - Foramen obturatum
  12. Schambein - Os pubis
  13. Lenden-Kreuzbein-Knick - Promontorium

    Zu Hüftbein verschmelzen drei Knochen: Darmbein, Schambein und Sitzbein

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Häufigkeit

Da letztlich der Verschleiß als Auslöser für die Hüftarthrose als Ursache gesehen werden muss, erscheint es nicht überraschend, dass das Risiko an einer Hüftgelenksarthrose zu erkranken mit zunehmendem Lebensalter steigt. Studien belegen, dass ab einem Alter von 70 Jahren etwa 70 bis 80 % Verschleißerscheinungen an der Hüfte und/oder anderen Gelenken aufweisen.

Ein wesentlicher Risikofaktor zur Entstehung, bzw. zur Beschleunigung einer bestehenden Hüftarthrose ist das Übergewicht (Adipositas).

Risikofaktoren

Übergewicht:
Übergewicht wirkt verschlimmernd auf die oben genannten präarthrotischen Veränderungen. Somit wird das Auftreten einer Hüftarthrose durch Übergewicht erhöht. Sofern bereits eine Artrhose im Hüftgelenk vorliegt, wirkt das Übergewicht in der Regel Schmerz verstärkend. Übergewicht wirkt verschlimmernd, stellt allerdings keine Ursache isolierte dar und ist somit nicht alleinig arthroseerzeugend.

  • Fehlbelastungen, die beispielsweise in Folge schlecht angelegter Hüftpfannen (Hüftdysplasie), ungünstiger Schenkelhalswinkel (Coxa valga antetorta), etc. entstehen.
  • endokrine Faktoren (hormonell bedingte Faktoren), z.B. ein cortisonproduzierender Tumor
  • genetische Einflüsse, familiäre Häufung von Hüftarthrose durch vererbte Hüftdysplasie und Knorpelqualität

Röntgenbild Hüftgelenk

  1. Hüftpfanne

  2. Hüftkopf

  3. Schenkelhals

  4. aufgebrauchter Gelenkspalt

Diagnose

Diagnose Hüftarthrose anhand der Röntgenaufnahme

Was sollte untersucht werden, um eine Hüftgelenksarthrose zu diagnostizieren?

Klinische Diagnostik:

  • Beurteilung von Bewegungsumfang und Bewegungsschmerz
  • Beurteilung des Gangbildes
  • Beinlängendifferenz
  • Muskelatrophie
  • Beurteilung druckschmerzhafter Punkte
  • Beurteilung benachbarter Gelenke
  • Beurteilung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität

Apparative Diagnostik:
Notwendige Untersuchungen:

Im Einzelfall nützliche Untersuchung:

  • Röntgenbild: axiale / seitliche Aufnahme
  • Röntgen: Funktionsaufnahmen und Spezialprojektionen
  • Sonographie (Ultraschall)
  • Computertomographie (CT)
  • MRT der Hüfte (Magnetresonanztomographie / NMR)
  • Szintigraphie
  • Klinisch-chemisches Labor zur Differentialdiagnostik
  • Punktion mit Synovialanalyse (feingewebliche Untersuchung der Gelenkschleimhautzellen)

In der Regel beschränkt sich eine Arthrose auf ein oder mehrere Gelenke, wobei sie in den meisten Fällen zunächst über Jahre hinweg symptomfrei verläuft. Auch wenn man eine Koxarthrose, also den Verschleiß des Hüftgelenkes bereits auf dem Röntgenbild diagnostizieren kann, sind Schmerzen oder schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen usw. nicht zwangsläufig vorhanden.

Krankheitsspezifisch steht zunächst die zunehmende Zerstörung des Hüftgelenkes im Vordergrund. Es treten erste Risse im Gelenkknorpel auf, die sich zunehmend erweitern und in Folge durch kleine absterbende Knorpelabriebpartikel eine Gelenkhautentzündung (Synovitis) auslösen. Sie ist es, die dann beim Patienten teilweise sehr starke Schmerzen verursacht. Eine Arthrose alleine ist nicht schmerzhaft! Durch den zunehmenden Druck, der auf dem Gelenk lastet versucht dasselbe en Druck durch eine größere Gelenkfläche zu vermindern. Dadurch kommt es zu Knochenanbauten. Die Konsequenzen der Veränderungen durch Zerstörung und Verformung im Bereich der Hüftpfanne sowie Kapselschrumpfung und Knochenanbau schlägt sich in einer schmerzhaften Funktionsminderung nieder.

Das Röntgenbild weist einen aufgebrauchten Gelenkknorpel auf, den man durch das Nichtvorhandensein eines Gelenkspaltes erkennt. Die Veränderungen werden besonders dann deutlich, wenn man sie mit dem Röntgenbild einer gesunden Hüfte (siehe oben) vergleicht.

Folgen einer Hüftarthrose

  • Schmerzen
    Aus den Beschreibungen geht hervor, dass die Hüftarthrose als solches eine chronische Erkrankung darstellt, die sich im Laufe mehrerer Jahre entwickelt. Nichtsdestotrotz gibt es Phasen akuter Schmerzen, man spricht dann von einer so genannten aktivierten Hüftarthrose.
  • Zu den ersten Hinweisen gehört meist ein Steifigkeitsgefühl, sowie ein recht diffuser Gelenk- und Muskulaturschmerz (= Myalgie, Hartspann). Daneben tritt immer häufiger ein so genannter Überlastungsschmerz auf, sowie ein Gelenkschmerz, der vor allem morgens früh (nach dem Schlafen) und nach längerem Sitzen auftritt, der so genannte Anlaufschmerz nach Bewegungsruhe. Dieser Anlaufschmerz verschwindet in der Regel sobald das Gelenk „eingelaufen“ ist. Er kann allerdings nach langem Laufen, Stehen oder Arbeiten in Verbindung mit einem Muskelmüdigkeitsgefühl wieder auftreten. Man spricht dann von dem so genannten Ermüdungsschmerz. Gelegentlich kann es auch zu so genannten Einklemmungsschmerzen im Leistenbereich kommen. Sie werden beispielsweise durch abgelöste Osteophytenpartikel (knocherne arthrosebedingte Anbauten). Einklemmungsschmerzen sind plötzlich einschießend und in der Regel mit heftigen Schmerzen verbunden. Später kommt der Belastungsschmerz mit belastungsabhängigen freien Intervallen hinzu, der dann im Endstadium in einem mehr oder weniger ausgeprägten Ruheschmerz endet.
  • Schmerzlokalisation:
    Leiste, Hüftaußenseite (Trochanterregion), Gesäßmuskulatur, Oberschenkelvorderseite bis zu Knie. Da eine Schmerzausstrahlung bis hinein ins Knie möglich ist, ist ein fehlerhaftes Deuten der Schmerzen durch den Patienten möglich. Bei unauffälligem Kniebefund im Rahmen einer Untersuchung sollte der behandelnd Arzt immer auch an mögliche Erkrankungen der Hüfte denken.
  • Bewegungseinschränkung:
    Je nach Schmerzausmaß treten unterschiedliche Bewegungseinschränkungen bei einer Hüftarthrose auf. In der Regel ist von der Einschränkung zunächst die Drehung (Innendrehung) betroffen, Immer schwieriger wird dann auch die Abspreizfähigkeit, die unter Umständen erheblich eingeschränkt sein kann. Weiter unten aufgelistet ist auch die Beinverkürzung, die entsteht, wenn der Patient nicht mehr dazu in der Lage ist, die Hüfte komplett zu strecken. Man spricht dann von einer so genannten Beugekontraktur, die zu einer funktionellen Beinverkürzung führen kann. Erwähnenswert ist, dass die Bewegungseinschränkung anfänglich ursächlich in der schmerzhaften Muskelverspannung begründet liegt, während sie später durch die Kapselverkürzung hervorgerufen wird.
  • Störungen des Gangbildes – Der Patient vermeidet bei einer Hüftarthrose in der Regel schmerzhafte Bewegungen. Als Folge der Hüftarthrose fällt auf, dass Patienten sich beim Laufen verstärkt über das kranke Hüftgelenk neigen (zeigt sich als schwankender Gang)
  • Minderung der Muskulatur im Bereich des Gesäßes und der Oberschenkel.
  • Beinverküzung, bis zu 3 cm sind möglich.

Prognose

1. Natürlicher Verlauf

Der Verlauf einer Hüftarthrose unterliegt vieler Variablen, die es nicht erlauben für den Einzelfall eine exakte Prognose zu stellen:

  • Der individuelle Verlauf
  • Die vielfältigen Ursachen einer Hüftarthrose, die darüber hinaus nicht immer eindeutig definiert werden können.

Es kann daher keine wissenschaftlich exakte Prognose im Hinblick auf den Krankheits- und Schmerzverlauf, der eventuellen Notwendigkeit konservativer oder operativer Therapien gegeben werden.

Fest steht allerdings, dass der Arthrosegrad mit der Dauer der Erkrankung zunimmt.

2. Prognose nach bestimmten therapeutischen Verfahren

Hierbei wird in erster Linie eine Druckreduzierung herbeigeführt. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass mit zunehmendem Arthrosestadium und Alter die Erfolgschancen dieser Operationsverfahren sinken. Mehr hierzu erfahren Sie weiter unten im Text.

Der erfolgswahrscheinlich nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes liegt sehr hoch eine vollständige Beschwerdefreiheit zu erreichen. Die Wechselrate, das heißt der Austausch vom Komponenten des Hüftgelenkes, liegt bei ca. 0,5% pro Jahr, nach 10-15 Jahren steigt die jährliche Wechselrate an. Mehr dazu finden Sie im Rahmen der Beschreibung künstliches Hüftgelenk.

Weiter zum Thema: Therapie der Hüftarthrose

Einer Hüftarthrose Vorbeugen

Die Arthrose ist eine Erkrankung, die häufig im fortgeschrittenen Alter vorkommt und oftmals dann schon einen enormen Schaden am Gelenk verursacht hat. Daher ist es umso wichtiger, dass die Nicht- Betroffenen, aber auch diejenigen, die bereits an einer Arthrose leiden, dieser vorbeugen und aktiv bleiben.

Mäßiger Sport, der die Gelenke nicht zu sehr beansprucht, kann der Abnutzung des Knorpels entgegenwirken. Zu den geeigneten Sportarten zählen Radfahren, Schwimmen, Walking und Langlaufen. Von Sportarten, die das Gelenk stark beanspruchen und eine Verletzungsrisiko darstellen, raten Mediziner von ab.

Zusätzlich können physikalische Maßnahmen wie Massagen, Krankengymnastik, Wärme- und Kältebehandlungen vorbeugend wirken, indem sie die Durchblutung fördern und so die Gelenkstrukturen mit wichtigen Nährstoffen versorgen.

Eine gesunde Ernährung und dem Alter und der Größe angepasstes Gewicht sind zudem sehr gut. Übergewichtige sollten versuchen mit einer gesunden Ernährung ihr Gewicht zu reduzieren, denn durch ein zusätzliches Gewicht werden die Gelenke ebenfalls belastet und auch der Sport fällt deutlich schwieriger. Ist bereits eine Arthrose vorhanden, kann auch dann eine gesunde Ernährung die Beschwerden lindern und hinauszögern. Patienten sollten auf Noxen wie Nikotin, Alkohol und Koffein weitgehend verzichten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hüftarthrose Ernährung

Sport und Hüftarthrose

Radfahren, Schwimmen, Aquajogging und Walken sowie Gymnastikübungen helfen den Gelenken dabei, mehr Gelenkflüssigkeit zu produzieren.

Die Hüftarthrose ist eine weite verbreitete Erkrankung. Viele Betroffene leben ohne eine richtige Aufklärung in dem Irrglauben, dass sie Arthrose bekommen haben, weil sie eventuell zu viel Sport getrieben haben. Schließlich hören sie dann oftmals auf, sich sportlich zu betätigen, aber genau das ist der falsche Ansatz. Sport kann aber auch bei Arthrose gut und sinnvoll sein.

Durch die Bewegung wird im Gelenkspalt die Produktion von Gelenkflüssigkeit angeregt. Diese ist sehr wichtig für die Zufuhr von Nährstoffen und Wasser für den Knorpel, der die Gelenkflächen bedeckt. Der Knorpel wird so geschmeidig gehalten und dies wirkt einer vermehrten Abnutzung bei einer bestehenden Arthrose entgegen. Ohne Sport bleibt die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen aus. Die Arthrose macht den Knorpel rau und spröde, bis er sich schließlich löst. Dies kann soweit führen, dass der Knochen frei liegt und dadurch starke Schmerzen verursacht werden.

Demnach kann Sport in einem gesunden Maß die Arthrose verlangsamen und auch die Beschwerden lindern. Der Patient kann selbst entscheiden, wieviel sportliche Aktivität er sich zutraut und welche Sportart ihm Nutzen bringt. Ärzte raten zu Sportarten, die die Gelenke nicht zu stark beanspruchen, aber dennoch in einem gewissen Maß kontinuierlich bewegen. Zu diesen Sportarten zählen Radfahren, Schwimmen, Aquajogging und Walken. Zusätzlich können kraftaufbauende Gymnastikübungen durchgeführt werden.

Ärzte und Physiotherapeuten raten Arthrose- Patienten auch die Muskulatur gezielt zu trainieren. Sie können dadurch eine geschädigte Hüfte mehr unterstützen und entlasten. Welche Sportarten und in welchen Maß Sport gemacht werden kann, kann ein Patient zudem in einem Sportrehazentrum mit Ärzten und Therapeuten erarbeiten. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Sportarten keine Verletzungsrisiko darstellen. Bei Schmerzen sollte der Patient den Sport unterbrechen und eine Pause einlegen. Anfängliche Belastungsschmerzen oder auch der typische Muskelkater können auftreten, sollten aber auch nach einiger Zeit nachlassen. Bei einer akuten Entzündung oder einer schubweisen Verschlimmerung der Arthrose, sollte kurzzeitig auf den Sport verzichtet werden bis die Entzündung wieder abgeklungen ist.

Übung/ Gymnastik

Die Hüftarthrose wird in der medizinischen Fachsprache als Coxarthrose bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen fortschreitenden Verschleiß der Knorpelflächen des Hüftgelenks. Zunehmend erfährt der Patient Schmerzen und bemerkt eine Verschlechterung in der Bewegung. Mit gezielten Übungen soll die Abnutzung der Knorpelflächen verzögert werden. Regelmäßige Gymnastik soll darüber hinaus die Muskelgruppen stärken.

Neben leichten Sportarten wie Walking oder Fahrradfahren können Gymnastikübungen sehr gut zu Hause durchgeführt werden. Bevor der Patient seine Übungen beginnt, kann er die Hüftmuskulatur ein wenig aufwärmen, indem er sich mit einem Bein zum Beispiel auf eine Sportbank oder ein dickeres Buch stellt. Das freie Bein kann nun nach vorne und hinten locker bewegt werden. So können Zerrungen oder Verletzungen an den verschiedenen Muskeln vorgebeugt werden.

Eine Übung zur Stärkung der großen Gesäßmuskeln erfolgt auf einer Matte in Rückenlage. Die Beine werden bequem parallel zueinander aufgestellt. Nun wird das Gesäß nach oben gestreckt. Oberkörper, Becken, Gesäß und die Beine sollten nun eine Linie ergeben. Diese Position sollte nur für eine kurze Zeit gehalten werden, anschließend kann sie mehrmals wiederholt werden. Am Anfang können zum Beispiel 15 Wiederholungen angestrebt werden und die Übung wird dann langsam gesteigert.

Die kleine Gesäßmuskulatur kann im Stehen trainiert werde. Dazu wird ein Stuhl oder eine Wand zum Festhalten benötigt. Der Patient stellt sich so zur Stuhllehne hin, dass er sich dort gut festhalten kann und einen sicheren Stand hat. Der Oberkörper sollte in einer aufrechten Position gehalten werden. Nun wir ein Bein so weit es geht zur Seite hingestreckt und aufwärtsbewegt. Dabei kann der Fuß während der Bewegung nach außen gedreht werden. Dadurch wird der Effekt auf kleine Gesäßmuskulatur spürbar. Der Oberkörper sollte in der Ausgangsposition bleiben und keine Ausgleichsbewegung machen. Auch diese Übung kann je nach Möglichkeit des Patienten beliebig oft wiederholt werden.

Klassische Kniebeugen sind sehr gut zum Training der vorderen Oberschenkelmuskulatur geeignet. Dazu stellt sich der Patient zunächst aufrecht hin und die Füße haben ca. einen schulterbreiten Abstand zueinander. Nun erfolgt eine Beugung im Knie, dabei sollte das Knie jedoch nicht über die Füße hinausgebeugt werden. Bevor man die Beine wieder durchstreckt, kann die Position, wenn möglich, einen kurzen Moment gehalten werden. Diese Übung kann auf ähnliche Weise auch in einer Schrittstellung, bei der die Beine ca. einen Abstand von einem halben Meter haben, ausgeführt werden.

Zum Schluss der Übungen kann die Hüftmuskulatur noch gelockert und gedehnt werden. Dazu benötigt man erneut einen Stuhl, auf dessen Sitzfläche zunächst ein Bein abgestellt wird, während das andere Bein auf dem Boden bleibt. Nun wird der Oberkörper nach vorne geschoben und das Bein auf dem Stuhl im Knie gebeugt. Dabei wird die Hüfte gestreckt. Die Position wird für einige Sekunden gehalten und anschließend wird die Übung auf der anderen Seite wiederholt.

Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.08.2016
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