Handgelenksarthrose

Definition

Bei einer Arthrose handelt es sich es sich um den Verschleiß des Knorpels zwischen Gelenkstrukturen. Sie kann auch das Handgelenk befallen und verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Form am Handgelenk ist die Sattelgelenkarthrose (Rhizarthrose).
Die Arthrose des Handgelenks wird auch als Radiokarpalarthrose bezeichnet und beschreibt eine degenerative Veränderung des Handgelenks.
Die Arthrose des Handgelenks ist im Vergleich zu anderen Gelenkveränderungen sehr selten, führt jedoch bei massiver Ausprägung zu einer sehr starken Funktionseinschränkung bis zum völligen Funktionsverlust des Handgelenks.
In der Regel sind Frauen häufiger von einer Handgelenksarthrose betroffen.

Einteilung

Grundsätzlich werden zwei verschiedene Formen der Handgelenksarthrose unterschieden:

  • Idiopathische/ primäre Handgelenksarthrose
    Unter einer primären Radiokarpalarthrose wird eine Eigenerkrankung des Gelenkes verstanden.
    Es kommt zu einer anlagebedingten Minderwertigkeit des Gelenkknorpels, dessen Ursache nicht bekannt ist.
  • Symptomatische/ sekundäre Handgelenksarthrose
    Die sekundäre Handgelenksarthrose hingegen tritt nach Vorerkrankungen auf. Typisch hierfür sind Brüche (Frakturen), permanente Fehlbelastungen, eine rheumatoide Arthritis oder angeborene Fehlbildungen des Gelenks (kongenitale Luxation).

Ursache

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Handgelenksarthrose:

  1. Einige Patienten neigen zu degenerativen Gelenkveränderungen und können so ohne eine erklärbare Ursache eine Handgelenksarthrose entwickeln.
  2. In anderen Fällen entsteht die Arthrose durch massive Überlastungen,
  3. posttraumatisch oder
  4. entzündlich.
  5. Besonders Kahnbeinbrüche oder Speichenbrüche können später Arthrosen hervorrufen.
  6. In selteneren Fällen sind vorausgegangene Bänderrisse des Handgelenks Ursache für eine Handgelenkarthrose.

Symptome

Die Umbildung des Knochens führt zu:

  • Schmerzen,
  • Schwellung und
  • Bewegungseinschränkungen der Hand.
  • Zudem können nach einiger Zeit Gelenkdeformierungen sichtbar werden.

In der Regel sind die Schmerzen zu Beginn besonders während einer Belastung ausgeprägt, mit der Zeit stellt sich jedoch auch ein Ruheschmerz ein.
Des Weiteren können schubförmige Gelenkentzündungen aufgrund der Umbauvorgänge auftreten. Diese gehen mit Schwellung, Rötung und Wärmung des betroffenen Handgelenks einher. Die Handgelenksarthrose kann sowohl an nur einer Hand, als auch beidseits auftreten.
Obwohl die Handgelenksarthrose vergleichsweise selten ist, führt sie jedoch im Laufe der Erkrankung zu einer massiven Einschränkung der Beweglichkeit. Wird die Arthrose nicht in ihrem Fortschreiten aufgehalten, so kann die Funktion des Handgelenks vollkommen verloren gehen.

Diagnose

Die Diagnose einer Handgelenksarthrose erfolgt in erster Linie mit einer konventionellen Röntgenaufnahme in zwei Ebenen. Hier sind besonders eine Gelenkspaltverschmälerung und eine subchondrale Sklerose erkennbar. Auch die Ausbildung von zystischen Destruktionen können im Röntgenbild erkannt werden. Im Falle einer akuten, aktivierten Arthrose zeigt das Handgelenk auch klinische Auffälligkeiten:

  • Überwärmung,
  • diffuse Weichteilschwellung,
  • Rötung und
  • entsprechende Schmerzen bei Bewegung oder in Ruhe.
  • Auch die Beweglichkeit des Handgelenks ist in einigen Fällen herabgesetzt.

Therapie

Die Therapie der Handgelenksarthrose sollte zunächst konservativ erfolgen. Eine Operation gilt als letztes Mittel der Wahl.

Folgende Therapiewege gibt es:

  • Die Therapie der Handgelenksarthrose sollte zunächst konventionell verlaufen. Eine solche Therapie beinhaltet die Physiotherapie mit Kälteanwendungen, Krankengymnastik oder Reizstrom. Um eine weitere Überlastung des Gelenks zu vermeiden, kann eine stützende und bewegungslimitierende Manschette (Orthese) angepasst werden. Diese lindert zudem die Schmerzen, da sie das Handgelenk stützt.
  • Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, können langwirksame schmerzlindernde oder entzündungshemmende Medikamente direkt in den Gelenkspalt injiziert werden. Diese können sowohl die Schmerzen im Gelenk lindern, als auch den Entzündungsvorgang hemmen und hierdurch den Progress der Erkrankung verlangsamen.
  • Bei akuten Schmerzzuständen können auch oral und damit systemisch wirksame Schmerzmedikamente eingenommen werden, um die akuten Schmerzen erträglicher zu machen. Allerdings sollten diese nur nach Absprache mit einem Arzt regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden.
  • Reichen diese Maßnahmen noch nicht aus, so kann der Nerv selbst betäubt werden, wodurch eine Schmerzweiterleitung nicht mehr möglich ist.
  • Sind die Schmerzen dauerhaft zu stark, kann für einen gewissen Zeitraum (10 bis 14 Tage) ein Schmerzkatheter in unmittelbarer Nähe des versorgenden Nerven gelegt werden. Dieser wird über einen kleinen Katheter an die betroffene Stelle vorgeschoben, sodass kein Schnitt nötig ist. Über diesen Katheter kann ständig eine geringe Dosis an Lokalanästhetika injiziert werden.
    Da hierbei auch die Gefäßversorgenden Nerven betäubt werden, wird die Durchblutung in dem betroffenen Bereich deutlich gesteigert. Dies wirkt besonders den durch Entzündungen hervorgerufenen Schmerzen entgegen.
  • Sollten dennoch die konservativen Therapiemaßnahmen keine zufriedenstellende Linderung der Beschwerden bringen, so kann die Handgelenkarthrose operativ behandelt werden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann während einer Arthroskopie die Knorpel- Bandscheibe zwischen Elle (Ulna) und Speiche (Radius) korrigiert werden um so wieder ein reibungsloses Gleiten der Gelenkflächen zu ermöglichen.
  • Zudem kann Muskelgewebe in das Gelenk transplantiert werden und dadurch den Gelenkknorpel ersetzen.
  • Sollten diese Möglichkeiten nicht bestehen, kann das Handgelenk vollständig durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden. Die Unterbrechung der Nerven, welche das Handgelenk sensibel und mit Schmerzfasern versorgen (Denervation) wurde zunehmend verlassen. Grund hierfür ist die heute sehr erfolgreiche Versteifung (Arthrodese) des Handgelenks. Dabei wird das Gelenk vollständig entfernt und die Knochenenden fest miteinander verschraubt.
    Zwar verliert das Handgelenk dadurch seine Beweglichkeit, doch aufgrund der anschließenden Schmerzfreiheit kann die Hand im Anschluss wieder deutlich besser genutzt werden.

Operation

Eine operative Behandlung der Handgelenksarthrose hat immer das Ziel, dem Patienten die Beschwerden zu nehmen und besonders seine Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhalten.
Eine Operation einer Arthrose im Handgelenk kommt in der Regel immer als letzte Möglichkeit in Frage. Sie ist besonders dann indiziert, wenn die Erkrankung soweit fortgeschritten ist, dass sie im Alltag und besonders die Bewegung einschränkt. Hinzu kommen unerträgliche Schmerzen im Handgelenk, die ebenfalls durch eine OP gelindert werden können.

Es kommen verschieden Verfahren in Frage:

  • Im Rahmen einer Denervation (Störung der Nervenweiterleitung) kann die Schmerzweiterleitung unterbrochen werden, so werden die Schmerzen, die durch die Arthrose verursacht werden.
    Diese Maßnahme ist für viele Patienten schon eine enorme Erleichterung.
  • Eine weitere Möglichkeit bietet die Teilversteifung (Teilarthrodese) eines Abschnittes des Handgelenks, wenn die Arthrose noch nicht alle Handgelenksknochen betrifft. Es bleibt eine restliche Beweglichkeit bestehen, die weiterhin die alltäglichen Aktivitäten der Hand ermöglicht. Auch eine komplette Versteifung (Arthrodese) ist am Handgelenk möglich. Dabei bleiben die Finger beweglich.
    Dennoch sollte dieses Verfahren als letztes in Betracht gezogen werden, da die Operation nicht mehr umkehrbar ist.
  • Liegt eine schwere Zerstörung des Handgelenks durch die Arthrose vor, ist eine Implantation einer Prothese sehr sinnvoll. Trotz des Implantats kann die Hand ihre volle Kraft entwickeln und dementsprechend belastet werden. Auch die Beweglichkeit bleibt nach einer kurzen Gewöhnungsphase weitgehend erhalten und bietet den Patienten anschließend eine deutliche Besserung und sogar Beschwerdefreiheit.

Generell gilt, dass eine Operation am Handgelenk sehr gut abgewägt werden sollte. Zudem ist die Auswahl des Verfahrens abhängig vom Alter des Betroffenen und der Schweregrad der Erkrankung.

Übungen bei einer Arthrose im Handgelenk

Bei der Arthrose handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, die besonders mit einer progrienten (voranschreitende) Verschlechterung der betroffenen Gelenke einhergeht.
Umso wichtiger ist es, dass die Gelenke regelmäßig bewegt werden um ein Fortschreiten der Bewegungseinschränkung zu vermeiden. Oftmals stellt dies eine besondere Herausforderung für die Patienten dar, da die Krankheit auch schmerzhaft und schubweise verlaufen kann.

Sind bereits Operationen vorgenommen worden und Gelenke durch Prothesen ersetzt wurden, wie zum Beispiel am Handgelenk, ist es umso wichtiger, dass die restlichen Gelenke und Finger mit Übungen aktiv gehalten werden.
Hilfreich für solche Übungen können ein kleiner Gummiball oder eine sogenannte Seerose. Die Finger werden durch Löcher geführt und der Patient wiederholt öfters des Faustschluss gegen einen geringen Widerstand. So bleiben die Finger sehr beweglich und die Muskulatur wird trainiert. Den gleichen Effekt bewirken kleine Gummibälle.
Auch ein Tennisball kann für tägliche Übungen genutzt werden. Er kann zum Beispiel mit beiden Händen mit den Fingerspitzen umfasst werden. Nun wird die Hand wie bei Auf- und Zuschrauben einer Dose im Handgelenk und den Fingern bewegt. Diese Übung ist auch besonders gut für das Training des Handgelenks geeignet.

Eine weitere Übung für die Hand ist das Kreisen zweier kleineren Bälle umeinander in einer Hand. Es fördert die Beweglichkeit der Finger und stärkt die Muskulatur der gesamten Hand. Regelmäßige Übungen mit mehreren Wiederholungen kann die Arthrose verlangsamen und einen schwerere Abnutzung der Gelenkflächen vermeiden.

Tapen bei Arthrose

Im Anfangsstadium einer Arthrose aber auch bei fortschreitender Bewegungseinschränkung durch die Erkrankung, können konservative Maßnahmen wie das Kinesiotape oftmals die Schmerzen lindern und die Muskulatur unterstützen.
Dadurch werden die Gelenke entlastet. Demzufolge werden die Schmerzen gelindert und auch der Verschleiß der Gelenkflächen wird gemindert.

Das Anbringen der Tapestreifen kann zunächst durch einen geschulten Arzt oder auch durch einen Physiotherapeuten erfolgen. Hat man die Technik schließlich erlernt, kann man sich das Handgelenk auch selber tapen. Wichtig ist dabei ein korrekter Sitz des Tapes und ein ausreichender Zug, damit sie ihre Effekte bewirken können.
Oftmals werden die Tapes einmal längs am Handrücken und an der Innenseite über dem Handgelenk bis ca. zu Mitte des Unterarms angebracht. Anschließend erfolgt eine zirkulär laufender Streifen um das Handgelenk herum.
Bei der Anbringung können verschiedene Techniken benutzt werden. Welche für den Patienten am geeignetes und eventuell auch am erträglichsten ist, kann in Absprache mit dem Arzt oder dem Physiotherapeuten erarbeitet und angebracht werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Handgelenk tapen

Zusammenfassung

Die Arthrose des Handgelenks ist eine seltene, aber stark einschränkende Degeneration des Handgelenks. Sie geht mit starken Schmerzen, massiv eingeschränkter Beweglichkeit, Rötung, Schwellung und Entzündung einher. Beide Hände können in einigen Fällen gleichzeitig betroffen sein.
Die Ursachen sind sehr verschieden und zum Teil ist die Handgelenkarthrose nicht auf eine ursächliche Erkrankung zurückzuführen. Die Handgelenkarthrose geht sowohl mit typischen klinischen Beschwerden, als auch mit klassischen röntgenologischen Zeichen einher und lässt sich mittels der klinischen und bildgebenden Diagnostik gut erkennen.
Die Therapie kann zunächst konservativ erfolgen und die Beschwerden dadurch für einige Zeit sehr gut lindern.
Sollten die Symptome jedoch nicht ausreichend zurückgehen besteht die Möglichkeit einer Operation. Hierbei hat vor allem die Versteifung des Handgelenks (Arthrodese) einen hohen Stellenwert eingenommen, da sie sowohl Schmerzfreiheit als auch die Handfunktion in gewissem Umfang zurückbringt.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.10.2016
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