Entzündung im Handgelenk

Einleitung

Am Handgelenk finden sich mehrere Strukturen wie beispielsweise Sehnen, Sehnenscheiden sowie Schleimbeutel, die alle Ausgangspunkt einer Entzündung sein können.

Wenn man von einer Entzündung des Handgelenks spricht, kann damit also eine Sehnenentzündung (Tendinitis), eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) oder eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) gemeint sein.


Symptome

Die Symptome einer Handgelenksentzündung sind die klassischen Zeichen, wie sie auch bei anderen Entzündungen vorkommen.

Das Handgelenk ist geschwollen und schmerzt häufig stark.
Außerdem ist oft eine Rötung zu sehen und eine deutliche Überwärmung zu spüren.
Bedingt durch Schmerzen und Schwellung ist die Beweglichkeit meist auch sehr eingeschränkt.

Je nach Ursache der Handgelenksentzündung kann es darüber hinaus auch zu spezifischeren Symptomen kommen.
So kann es bei einer Sehnenscheidenentzündung bei Bewegung gelegentlich zu einem Knirschen kommen, und im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis kommt es beispielsweise vermehrt zu Schmerzen, die nachts und in den Morgenstunden auftreten.
Außerdem wird häufig von einer Morgensteifigkeit des Handgelenkes berichtet.

Bei einer Entzündung des Handgelenks, die von den Schleimbeuteln herrührt, kann es zusätzlich zu Fieber, Abgeschlagenheit und einer Schwellung der Lymphknoten kommen.

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Abbildung Handgelenkschmerzen

A - Chronische Ursachen
B - Akute Ursachen

  1. Rheumatoide Arthritis (RA) -
    entzündliche Erkrankung
    der Gelenke
  2. Arthrose -
    Gelenkverschleiß
  3. Karpaltunnelsyndrom (KTS) -
    einengung des Medianus Nervs
  4. Ganglion (Überbein) -
    gutartige Geschwulstbildung
  5. Bänderriss -
    Ruptur eines Gelenkbandes
  6. Fingerluxation -
    Fingerverrenkung
  7. Fingerbruch (Fingerfraktur) -
    a - distal
    b - medial
    c - promaximal
  8. Handwurzelbrüche
    (hier Kahnbeinbruch)
    I - I - Fingergrundgelenk -
    Articulatio metacarpophalangea
    II - II - Handwurzel-Mittelhand-Gelenke -
    Articulationes carpometacarpales
    III - III - Unteres  Handgelenk -
    (distales)
    Articulatio mediocarpalis
    IV - IV - Oberes  Handgelenk -
    (proximales)
    Articulatio radiocarpalis

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Ursachen

Die Ursachen für eine Entzündung des Handgelenks sind zahlreich.

Häufig ist die Entzündung Folge einer zu hohen oder ungewohnten Belastung.
Auch eine eintönige Tätigkeit mit immer gleichen Bewegungsabläufen kann eine Handgelenksentzündung nach sich ziehen.
Dabei können gleichermaßen Sehnenscheiden wie auch die Schleimbeutel betroffen sein.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Prellung Handgelenk

Eine weitere mögliche Ursache ist eine Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren, die dann auf die Gelenke übergreift.
Dies kann beispielsweise nach einer nicht adäquat behandelte Verletzung oder bei Verletzungen, bei denen Keime in die Wunde eindringen konnten, geschehen.

Auch ein Verschleiß des Gelenks kann zu einer entzündlichen Reaktion des Handgelenks führen.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie beispielsweise die rheumatoide Arthritis betreffen häufig das Handgelenk. Durch die Einlagerung von Stoffen in die Gelenke führen sogenannte Kristallarthropathien zu einer Entzündung der jeweiligen Gelenke.

Lesen Sie mehr zum Thema: Rheumatoide Arthritis

Das wohl bekannteste Beispiel in diesem Fall ist die Gicht, bei der es zur Ablagerung von Harnsäurekristallen kommt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Gicht

Diagnose

Die Diagnostik der Entzündung des Handgelenks beginnt zunächst mit einer Anamnese, an die sich eine körperliche Untersuchung anschließt.

Der Arzt erfragt dabei zunächst genauere Informationen über Charakter und Stärke der Beschwerden, sowie die dadurch bedingten Einschränkungen.
Außerdem ist es für den Arzt wichtig zu wissen, wie lange die Beschwerden bereits bestehen, und ob es eventuell einen bestimmten Auslöser wie beispielsweise eine vorangegangene Infektion oder ein Trauma gab.

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Untersucher das Gelenk ab und schaut nach Schwellungen, Druckschmerz und Überwärmung.
Außerdem wird er vorsichtig die Beweglichkeit testen.

Im Anschluss daran wird häufig ein Röntgenbild der Hand inklusive Gelenk angefertigt, um Hinweise auf mögliche Schäden des Handgelenks zu erhalten.
Durch spezielle Blutuntersuchungen kann eine Gelenkentzündung bestätigt werden.

Wichtige Werte dabei sind die sogenannten Entzündungsparameter.
Dazu gehören die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG).
Bei der rheumatoiden Arthritis finden sich häufig sogenannte Rheumafaktoren, und bei der Gicht lassen sich erhöhte Harnsäurewerte im Blut nachweisen.

Um genauere Informationen über die aktuelle Situation im Handgelenk zu erhalten, können auch eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT der Hand) indiziert sein.
Insgesamt ist die MRT Unterschung der Hand als am wertvollsten bei der Diagnose einer Entzündung am Handgelenk zu werten.

Sollten diese Untersuchungen für eine Diagnosestellung nicht ausreichend sein, können gegebenenfalls eine Gelenkpunktion (eine Entnahme von Flüssigkeit oder Gewebematerial aus dem Gelenk) oder eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) nötig sein.
Lesen Sie mehr zum Thema: Arthroskopie Handgelenk

Therapie

Da eine Handgelenksentzündung durch unterschiedliche Reize ausgelöst werden kann, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Ursache.

Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, die Tätigkeiten, die die Entzündung des Handgelenks auslösen, zu vermeiden.
Im Allgemeinen wird das Handgelenk zunächst mittels Bandagen oder festen Verbänden für einige Zeit ruhiggestellt, um weiteren schädigenden Reizen vorzubeugen und dem Gelenk Zeit zur Heilung zu geben.

Durch Kühlung können die Schmerzen gelindert werden. Dabei ist zu beachten, dass bei einer Entzündung des Handgelenks, die bereits das chronische Stadium erreicht hat, Wärme oft besser hilft als Kälte.

Des Weiteren kommen verschiedene medikamentöse, physikalische und chirurgische Maßnahmen zur Anwendung.
Schmerzmittel und entzündungshemmende Arzneimittel, die in Salbenform regelmäßig aufgetragen werden, bilden häufig die Grundlage der medikamentösen Therapie.

Ist die Entzündung des Gelenks durch eine bakterielle Besiedlung bedingt werden Antibiotika eingesetzt.

Bei der rheumatoiden Arthritis mit Beteiligung der Handgelenke wendet man spezielle Rheumamedikamente, die sogenannten Basistherapeutika oder DMARDs (=Disease Modifying Antirheumatic Drugs), an.

In Bezug auf die physikalische Therapie gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Die Entlastung des Gelenks kann durch eine Gelenkpunktion erfolgen. Dabei wird zu viel gebildete Flüssigkeit aus dem Gelenk entfernt, wodurch Spannungsgefühl, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen gelindert werden.
Auch mit Kältekompressen sowie mit Bewegungsübungen und Krankengymnastik können die Beschwerden gebessert werden.

Sollten die konservativen Maßnahmen zu keiner Besserung der Beschwerden führen, kann bei einer Sehnenscheidenentzündung auch ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden.
Der Chirurg durchtrennt dabei das Band, welches die Sehnen zusammenhält, das sogenannte Retinaculum, und entlastet auf diese Weise die Sehnen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Sehnenscheidenentzündung Therapie

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Ursache der Entzündung.

Bei frühzeitiger und angemessener Therapie sind die Heilungschancen einer Sehnenscheidenentzündung, einer Schleimbeutelentzündung und einer Sehnenentzündung recht hoch.
Im Anschluss daran sollte man dann darauf achten, die Faktoren, welche die Entzündung des Handgelenks ausgelöst haben, möglichst zu meiden.

Umgekehrt kann sich bei unzureichender Therapie aus der Sehnenscheidenentzündung auch eine chronische Entzündung entwickeln, die sich dann über mehrere Monate hinziehen kann. Ein Arzt sollte daher frühzeitig aufgesucht werden. Eine akute infektiöse Arthritis heilt ebenfalls meist folgenlos aus.

Es kann allerdings auch im Zuge des entzündlichen Prozesses zu einer Zerstörung des Gelenks und infolgedessen zu einer dauerhaften Fehlstellung kommen.

Ist die Entzündung des Handgelenks beispielsweise im Rahmen einer bestehenden Grunderkrankung wie der rheumatoiden Arthritis bereits im chronischen Stadium, sind eine Heilung und vollständige Regeneration meist nicht mehr möglich.

In diesem Fall ist das Ziel ein weiteres Fortschreiten der Entzündung und Gelenkzerstörung zu verhindern sowie Schmerzen und Entzündung zu mildern.

Prophylaxe

Um der Entstehung einer Entzündung des Handgelenks vorzubeugen, ist die Vermeidung beziehungsweise das möglichst seltene Ausführen auslösender Tätigkeiten und Bewegungen empfehlenswert.

Bei Verletzungen in der Nähe des Handgelenks sollte eine frühzeitige und angemessene Behandlung erfolgen, um zum einen Infektionen vorzubeugen und zum anderen Folgeschäden, die zu einer Gelenkentzündung führen, zu vermeiden.

Bei vorliegenden Grunderkrankungen, die zu einer Entzündung eines Gelenks führen können, sollte rechtzeitig mit der Therapie dieser Grunderkrankung begonnen werden.

Regelmäßige Kontrollen des Therapieerfolgs und eventuell bereits vorhandener Anzeichen einer beginnenden Entzündung im Handgelenk sind zu empfehlen.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.01.2018
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