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Sehnenriss am Finger

Definition

Unter einem Sehnenriss versteht man den Riss einer Sehne infolge rascher Überbelastung. Die Sehne kann sich also nicht an die Belastung anpassen und wird in Folge dessen verletzt. Sehnen sind die Verbindungselemente zwischen Muskeln und Knochen und besitzen dadurch eine wichtige Funktion in der für die Bewegung aufgebrachten Muskelkraft, welche zu diesem Zwecke auf den Knochen „übertragen“ wird. An den Fingern finden sich so genannte Streckersehnen auf Handrückenseite und Beugesehnen auf Handflächeninnenseite.

Beide Seiten können durch Verletzungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Zahlenmäßig überwiegen jedoch die Strecksehnenrisse der Finger. Mit ein Grund für die zahlenmäßige Überlegenheit ist, dass die Beugesehnen durch umliegendes Muskel- und Fettgewebe geschützter sind als die Strecksehnen.

Ursache

Sehnen reißen häufig in Nähe eines Gelenkes, da der dortige Ansatzpunkt eine Schwachstelle darstellt. Die Finger, mit Ausnahme des Daumens, besitzen 3 Gelenkpunkte : das Finger Grund-, Fingermittel- und das Fingerendgelenk.

Strecksehnenabrisse am Fingerendgelenk, also nahe der Fingerspitzen, können bereits bei kleinsten Unfällen auftreten. Vor allem bei Ballsportarten, wie Fußball, Handball oder Basketball reißen die Sehnen sehr schnell, wenn der Ball auf die Fingerspitze anprallt und diese ruckartig eine Beugebewegung vollzieht.

Als für Sehnenrisse begünstigender Risikofaktor ist auch eine natürliche Abnutzung und Kalkeinlagerungen in die Sehnen zu nennen, die mit zunehmenden Lebensalter und bei jahrelangen Belastungen eintritt.

Strecksehnen am Fingermittel- und Endgelenk werden ebenfalls häufig bei Ballsportarten, aber auch bei Stürzen auf die Hand oder bei Kampfsportarten, vor allem beim Boxen verletzt.

Beugesehnen werden am häufigsten im Rahmen von Schnittverletzungen in Mitleidenschaft gezogen.

Symptome

Beim gesunden Menschen herrscht ein Gleichgewicht zwischen den Zugkräften, die Beuge- und Strecksehnen auf die Finger ausüben. Der Finger ist also natürlicherweise gerade. Reißt nun eine Strecksehne, kann diese keine Kraft mehr von Knochen auf Muskel übertragen, also keine Streckung des betroffenen Fingers vollziehen. Die Kraft der Beugesehnen überwiegt und es kommt folglich zur Beugung des betroffenen Fingers, wobei dieser auch in der gebeugten Position verharrt und willentlich nicht gestreckt werden kann.

Weitere Symptome sind, vor allem auch bei Mitbeeinträchtigung des Kapselapparates, Schwellungen, Überwärmung und Druckschmerzhaftigkeit. Der betroffenen Finger ist, wie bereits erwähnt in seinen Bewegungen eingeschränkt. Gelegentlich wird beim Einreißen der Sehnen ein leises Knallgeräusch wahrgenommen.

Sehnenrisse sind häufig mit intensiven und rasch nach dem Unfall einsetzenden Schmerzen vergesellschaftet. Der Schmerz wird meist als stechend beschrieben. Genauso schnell, wie die Schmerzen gekommen sind, können sie auch wieder nachlassen. Druckschmerz bleibt jedoch durch begleitende Schwellungen und gelegentlich auch Einblutungen in der Regel länger bestehen.

Schmerzen, die bei Stauchung des Fingers, also Druck auf dessen Längsachse auftreten, sprechen eher für eine knöcherne Verletzung, als für einen Sehnenriss. Bei letzterem bereitet vor allem der Querdruck Probleme.

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Diagnostik

Der erste Weg zur Diagnose Sehnenriss der Finger ist die klinische Untersuchung durch den Arzt. Dabei werden Beweglichkeit und Stabilität des Gelenk- und Kapselapparates überprüft. Diese sind bei Sehnenrissen in der Regel eingeschränkt.

Während eine aktive Bewegung des betroffenen Fingers nicht mehr möglich ist, kann bei einem Sehnenriss der Finger passiv in die Normalposition gebracht, dort von dem Betroffenen jedoch nicht gehalten werden.

Oftmals ist ein Riss beziehungsweise eine Zerstörung der Fingersehnen bereits ohne Untersuchung sichtbar. Bei Verletzung der Beugesehnen durch Schnittwunden kann durch diese, in Kombination mit Unbeweglichkeit des Fingers, bereits der Verdacht gestellt werden.

Bei Verletzungen der Strecksehnen kommt es durch das kraftliche Übergewicht der Beugesehnen zu typischen Fingerdeformitäten, die als Wegweiser dienen.

Bei Riss der Streckersehne am Fingerendglied, also im Bereich der Fingerspitze, knickt diese ab. Der restliche Finger kann nach wie vor gestreckt werden. Aufgrund der Ähnlichkeit zu einem Hammer bezeichnet man den verletzten Finger als „Hammer-Finger“.

Ein Abriss der Strecksehne am Mittelgelenk führt zur „Knopflochdeformität“. Durch Riss der Strecksehne wird diese an die Seite gedrängt und das Fingermittelgelenk drängt sich wie ein Knopf durch das Knopfloch zwischen den entstandenen Sehnenspalt.Der Finger ist bei dieser Verletzung im Fingermittelgelenk gebeugt.

Im schlimmsten Falle und bei schweren Verletzungsmustern reißt nicht nur die Sehne. In manchen Fällen bricht durch die große Krafteinwirkung ein kleines Stück des Knochens, an dem die kaputte Sehne ansetzte, mit ab. Bei Verdacht eines Knochenabrisses können weitere bildgebende Verfahren, wie ein Röntgen- oder CT-Bild sinnvoll sein.

Therapie

Therapie mit einer Schiene

Bei Strecksehnenrissen an den Fingerendgelenken erfolgt in der Regel eine konservative Therapie mittels einer Schiene. Eine Operation ist im Großteil der Fälle nicht nötig.

Der Finger wird dabei in seiner Normalposition mittels einer Schiene (Stack’sche Schiene) fixiert. Dabei wird nur das betroffene Endgelenk in die Fixation eingefasst, während das gesunde Fingermittelglied weiterhin voll beweglich ist. Auf diesem Wege werden Bewegungseinbußen durch unnötige Fixation gesunder Teile entgegengewirkt.

Die Schiene darf höchstens einmal pro Woche zur Reinigung abgenommen werden und verbleibt bis Abheilung des Sehnenrisses etwa 8 Wochen. Der Finger muss dabei stets in Streckposition verbleiben. Dies gelingt, indem man ihn auf eine ebenen Fläche, wie beispielsweise eine Tischkante ablegt. Es empfiehlt sich also Hilfe hinzuzuziehen. Auf keinen Fall sollte mittels Bewegung des Fingers geprüft werden, ob die Sehne bereits angewachsen ist, da es den Heilungsprozess massiv beeinträchtigen und in die Länge ziehen kann.

Über 90% der Strecksehnenverletzungen können mittels der Schienentherapie geheilt werden. Gerissene Strecksehnen am Fingermittel- und Grundgelenk müssen vom behandelnden Arzt stets interindividuell eingeschätzt werden.

Tapen

Die Therapie eines Sehnenrisses im Finger kann oftmals konservativ erfolgen. Dazu wird die Sehne normalerweise für mehrere Wochen mittels einer Fingerschiene ruhiggestellt. Dabei kann sie in Ruhe zusammenwachsen.

In selteneren Fällen kann die Verletzung auch getapt werden. Allerdings ist ein Tape oftmals nicht so stabil wie eine Schiene, somit verhindert sie die Bewegung des Fingers nicht vollständig und verschlechtert so die Erfolgschancen der konservativen Therapie. Ist jedoch die Sehne wieder zusammengewachsen oder in einer Operation zusammengenäht worden, kann nach einer ersten Ruhigstellungsphase die Schiene durch Tape ersetzt werden. Auch wenn eine volle Belastbarkeit der Sehne schon wieder möglich ist, können noch Beschwerden wie Schmerzen auftreten. Gerade bei einer starken Belastung der betroffenen Hand kann der Finger unterstützend getapt werden.

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Operation eines Strecksehnenabrisses

Eine Operation bei einem Sehnenriss im Finger sollte man vor allem bei komplizierten Verletzungen in Erwägung ziehen.

Personen, die beruflich viel mit den Händen arbeiten müssen, sollten ebenfalls über eine zeitnahe Operation nachdenken. Dies gilt vor allem für Handwerker, Leistungssportler, Musiker, etc. aber auch wer viel am Computer arbeitet, kann von der Operation profitieren. Wer dagegen auch mit der konservativen Ruhigstellung des Fingers problemlos arbeiten kann, sollte eine unkomplizierte Verletzung zunächst konservativ therapieren lassen. Bleibt der Therapieerfolg aus, kann normalerweise immer noch operiert werden.

Verletzungen der Streckersehen werden in der Regel nicht operativ behandelt.In manchen Fällen ist ein kleiner operativer Eingriff in lokaler Narkose mit anschließender Schienung des Fingers notwendig.

Verletzungen der Beugesehnen sollten innerhalb weniger Stunden nach Verletzung operativ versorgt werden. Die Sehnenstümpfe werden mittels dünner Nähte, die dort verbleiben können und sich mit der Zeit von alleine auflösen vernäht, und können so verheilen. Bei kleineren Verletzungen ist eine Operation in Lokalanästhesie möglich. Diese Entscheidung muss jedoch stets an die momentane Situation angepasst werden und obliegt letzten Endes dem behandelnden Arzt. Anschließend ist noch keine volle Belastung des Fingers möglich. Zur Nachbehandlung sollte der Betroffene aus diesem Grund bis zur Ausheilung ca. 6 Wochen lang eine spezielle Schiene (Kleinert-Schiene) tragen.

Kam es zum Ausriss oder Bruch von Knochen, ist es, je nach Größe von Knochenfragment und Ausmaß des Bruches, in manchen Fällen nötig das Knochenfragment mittels Drähten oder Schrauben am Ursprungsort zu fixieren, um so eine Ausheilung zu ermöglichen. Ist der Knochen nur um wenige Millimeter verrückt, wird in manchen Fällen auch hier zunächst eine konservative, nicht-operative Schienenbehandlung versucht.

Begleitende Kapselverletzung

Die Kapsel stellt eine bindegewebige Hülle für die Fingergelenke dar. Durch Traumata kann es nicht nur zum Riss einer Sehne im Finger kommen, gleichzeitig kann auch die Kapsel betroffen sein.

Besonders häufig ist diese Verletzung bei Ballsportlern, die einen Ball frontal auf den Finger bekommen, sodass dieser in die falsche Richtung wegknickt. Auch die Kapselverletzung sollte zunächst durch eine Ruhigstellung des Fingers therapiert werden. Daher können die Sehnen- und Kapselverletzungen in der Regel gleichzeitig behandelt werden.

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Nachbehandlung

Finger mit Schnittverletzungen in deren Rahmen die Sehne(n) durchtrennt und operativ versorgt wurde(n), werden im Anschluss ca. 6 Wochen in einer Fingerschiene ruhig gestellt. Damit soll zu einer möglichst komplikationslosen Wundheilung beigetragen werden. Auch bei alleiniger Schienentherapie sollte der Finger bei Therapieende nach 6 – 8 Wochen noch nicht voll belastet werden.

Zudem werden häufig entzündungshemmende Mittel verschrieben. Diese sollen der Entstehung einer chronischen Entzündung an der Sehne vorbeugen. Gleichzeitig wirken sie nach einer Operation schmerzhemmend. Wenige Wochen nach der Operation kann zusätzlich mit Krankengymnastik begonnen werden. Dabei ist zunächst eine Mobilisation der Sehne wichtig. 

Eine vollständige Belastbarkeit des Fingers wird erst nach etwa 12 Wochen erreicht. Ist große körperliche Arbeit vorauszusehen, kann die Schiene in dieser Zeit erneut zum Schutz angelegt werden. Wurde mittels konservativer Therapie nicht das gewünschte Ergebnis erreicht, kann frühestens 3-4 Monate nach Verletzung eine operative Verbesserung angestrebt werden.

Das Tapen des verletzten Fingers bietet vor allem im Anschluss der Ausheilungsphase eine weitere Möglichkeit den noch labilen Finger zu stabilisieren. Des Weiteren bietet es die Möglichkeit zukünftig beim Sport oder starken, die Finger belastenden Tätigkeiten, diese zu stabilisieren und vorbeugend vor erneuten Verletzungen zu schützen.

Die Tapebänder dienen somit der Verstärkung und Sicherung des Kapsel-Band-Apparates. In der akuten Verletzungsphase sind Schienen die bessere Wahl, da sie in der Lage sind den Finger in der Position zu fixieren, in der die Sehne wieder anwachsen soll. Ein Tapverband empfiehlt sich also zu diesem Zeitpunkt weniger. Im einfachsten Fall ist eine Ruhigstellung des Fingers möglich, indem dieser mittels mehrerer Tapebänder am benachbarten gesunden Finger fixiert wird.

Wie lange wird man krankgeschrieben?

Wie lange man mit einem Sehnenriss im Finger krankgeschrieben wird ist zum einen von der Lokalisation des Sehnenrisses abhängig, zum anderen spielt auch die Arbeit selbst eine Rolle.

Grundsätzlich gilt: je stärker man bei der Arbeit auf die Hände angewiesen ist, desto länge ist man arbeitsunfähig. So kann ein Handwerker oder Sportler mehrere Wochen bis Monate krankgeschrieben werden, wer in seinem Job vor allem spricht und kaum schreibt, kann nach einer deutlich kürzeren Zeit wieder in den Beruf einsteigen. Wichtig ist, dass dabei die gerissene (und wieder zusammengenähte) Sehne nicht beansprucht wird.

Dauer

Der verletzte Finger verbleibt 6-8 Wochen in der Schiene. Bis zur vollständigen Ausheilung vergehen mindestens 12 Wochen. Die Dauer der Krankschreibung kann nicht pauschalisiert werden und richtet sich nach dem Verletzungsausmaß, begleitenden Verletzungen und der gewählten Therapieform. Zudem muss auch der Beruf als wichtiger Faktor mit berücksichtigt werden. Werden Hände und Finger bei den auszuübenden Tätigkeiten stark in Anspruch genommen, verlängert sich die Krankschreibungsdauer. Die Entscheidung über die Länge wird somit für jeden Betroffenen individuell durch und in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen.

Prognose

Trotz erfolgreicher Therapie einer Sehnenverletzung können geringe Bewegungsdefizite verbleiben. Bei Strecksehnenverletzungen ist ein Defizit von bis zu 15° als normal anzusehen. Das bedeutet, dass der Finger im Verhältnis zur Normalachse noch um 15° gebeugt ist und nicht komplett in die senkrechte Position gestreckt werden kann.

Bei einem Defizit von über 30° sollte eine korrigierende Operation in Betracht gezogen werden. In etwa 20% der Beugesehnenverletzungen gehen nach Abheilung mit einer verminderten Beweglichkeit des betroffenen Fingers einher. Sehnen heilen sehr langsam, da sie über keine eigene Blutversorgung verfügen und nur über die umgebende Flüssigkeit versorgt werden. Die vollständige Belastbarkeit wird aus diesem Grund erst nach ca. 12 Wochen erreicht. Unbehandelt besteht die Gefahr, dass die Sehnen in der deformierten Stellung verheilen, was dauerhafte Bewegungseinschränkungen mit sich bringen würde. In diesem Fall ist eine operative Korrektur der letzte Ausweg.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.12.2018
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