Verstauchung

Synonyme im weiteren Sinne

Distorsion, Verdrehung

Englisch: sprain

Definition

Bei der Verstauchung handelt es sich um eine der häufigsten Sportverletzungen. Die Ursache der Verstauchung ist eine gewaltsame Überdehnung eines Gelenkes, wobei innenliegende Strukturen wie Bänder oder die Gelenkkapsel beschädigt werden. Besonders oft betroffen sind hierbei die großen, viel benutzten Gelenke wie Hand, Fuß, Knie und vor allem das Sprunggelenk (Supinationstrauma). In der Regel geht die Verstauchung mit einer Schwellung, Schmerzen und manchmal auch einem Bluterguss an der entsprechenden Stelle einher. Meistens kann sich die Therapie darauf beschränken, das verletzte Gelenk zu kühlen, ruhig zu stellen und hochzulagern. Nach wenigen Tagen sollte der Patient dann wieder beschwerdefrei sein.

Epidemiologie

Die Verstauchung wird zu den Sportverletzungen gerechnet, da sie sich im Normalfall im Rahmen von sportlichen Aktivitäten ausbildet. Unter den Sportverletzungen zählt sie zu den häufigsten, die es gibt, wobei die deutlich bevorzugte Lokalisation der Verstauchung das Sprunggelenk ist (also das Gelenk zwischen Fuß und Unterschenkel).

Abbildung Verstauchung

Verstauchung (Distorsion) -
Band oder Gelenkkapsel
Verletzung
Band -
Ligamentum
Gelenkkapsel -
Capsula articularis

1 - 1 - Oberes (proximales)
Handgelenk -
Articulatio radiocarpalis
2 - 2 - Unteres (distales)
Handgelenk
Articulatio mediocarpalis
3 - 3 - Kniegelenk
Articulatio genus
4 - 4 - Oberes Sprunggelenk -
Articulatio talocruralis
5 - 5 - Unteres Sprunggelenk -
Articulatio talocalcaneonavicularis

PECH - Regel
Pause Eis Compression Hochlagerung

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Ursachen

Die Ursache für eine Verstauchung ist eine Gewalteinwirkung auf das Gelenk von außen. Normalerweise verstaucht man sich das Gelenk dann, wenn es plötzlich und unerwartet zu einer nicht bewusst ausgeführten Bewegung kommt, die über die eigentlich physiologische Beweglichkeit des Gelenks hinausgeht.
Das typischste Beispiel, das wohl fast jedem bekannt ist, ist das „Umknicken“ des Fußes, bei dem das Sprunggelenk überdehnt wird. Dies passiert oft bei Sportarten wie Fußball, Tennis, Basketball oder solchen, bei denen auf unebenem Boden gelaufen oder gesprungen werden muss. Auch Verstauchungen vom Kniegelenk sieht man im Fußball nicht selten, da dieses Gelenk vor allem bei Fouls häufig verdreht wird.
Eine Verstauchung von Finger- und Handgelenken kommen hingegen eher bei Sportarten wie Volleyball oder dem Skilaufen vor. In all diesen Fällen werden die beiden Flächen des Gelenkes gegeneinander verschoben und die Kapsel und / oder die Bänder, die am Gelenk beteiligt sind, dadurch beschädigt.
Das Ausmaß der Schädigung kann bei einer Verstauchung stark variieren. Manchmal werden die Gelenkstrukturen nur wenig bis mäßig überdehnt, nehmen dann allerdings ihre normale Position und Funktionstüchtigkeit wieder ein. Bei einer ausgeprägteren Gewalteinwirkung können die Bänder oder sogar die Gelenkkapsel allerdings auch einreißen. Häufige Verstauchungen eines Gelenks können später wiederum als „Ursache“ für weitere Verstauchungen angesehen werden, da die Bänder durch die regelmäßige Überdehnung praktisch ausleiern und dann anfälliger dafür sind, weitere Verletzungen zu erleiden.

Symptome

Das wichtigste Symptom der Verstauchung ist der, zum Teil sehr heftige, Schmerz. Dieser tritt vor allem dann auf, wenn der Patient das Gelenk bewegt. Es kann sogar sein, dass der Schmerz als so stark empfunden wird, dass das Gelenk gar nicht mehr bewegt werden kann, dann liegt allerdings meist zusätzlich eine stärkere Verletzung wie ein Knochenbruch vor. Bei einer reinen Verstauchung sollte das Gelenk trotz eingeschränkter Funktionsfähigkeit hingegen immer noch zumindest minimal belastbar bleiben. Die eingeschränkte Bewegung kann allerdings auch dadurch zustande kommen, dass die Stelle der Verstauchung in der Regel relativ schnell stark anschwillt. Da Gelenke normalerweise sehr gut durchblutet sind, kann es bei einer Gewalteinwirkung auch zum Einreißen von Blutgefäßen kommen, wodurch dann an der betroffenen Stelle ein Bluterguss (Hämatom) zu sehen ist.

Diagnose

Die Diagnose wird entweder vom Betroffenen selbst oder durch den Arzt gestellt, wobei die typischen Symptome üblicherweise als Grundlage genügen. Ist das Gelenk geschwollen, schmerzhaft und blau verfärbt (durch den Bluterguss), aber trotzdem noch geringfügig belastbar, kann von einer Verstauchung ausgegangen werden.
Die genaue Kenntnis darüber, wie sich der Unfall ereignet hat, ist außerdem nützlich, um die Diagnose zu sichern. Wenn jedoch eine Unsicherheit darüber besteht, ob es sich tatsächlich nur um eine Verstauchung oder nicht doch um etwas Schlimmeres wie einen Bänderriss oder einen Knochenbruch handelt (ein Hinweis hierauf ist zum Beispiel die Ausbildung eines Hämatoms, das über lange Zeit nicht wieder verschwindet), kann der Arzt zur Diagnose weitere Maßnahmen anschließen. Dazu zählen zum einen eine ausführliche körperliche Untersuchung und zum anderen bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Therapie

Die Therapie der Verstauchung richtet sich vor allem nach der Schwere der Verletzung, aber auch nach dem Alter bzw. der individuellen Notwendigkeit für den Patienten. So wird es zum Beispiel einem jungen Leistungssportler wichtiger sein, wieder die volle Belastbarkeit des Gelenks zurückzuerlangen als einem älteren Menschen, der sich vielleicht sowieso nicht mehr so viel zu Fuß fortbewegt.

Besonders wichtig ist bei einer Verstauchung die Erste Hilfe, die sich meistens direkt am Ort der Verletzung abspielt. Die Behandlung erfolgt hierbei nach der sogenannten „PECH-Regel“:
Das „P“ steht für Pause. Das Gelenk sollte keinen weiteren unnötigen Belastungen ausgesetzt werden, um weiterführende Schäden und eine Verstärkung der Schmerzen zu vermeiden. Am besten hört man mit der vorher durchgeführten Aktivität sofort auf und stellt die betroffene Extremität ruhig. Das „E“ steht für Eis. Man sollte nach der Verletzung so schnell wie möglich für eine Kühlung sorgen. Dies kann in Form von Eisbeuteln, Kältespray, Kältekompressen oder –umschlägen erfolgen. Dadurch ziehen sich die Gefäße zusammen, die betroffene Stelle wird weniger durchblutet und die Entwicklung eines Hämatoms und einer daraus resultierenden Schwellung wird unwahrscheinlicher. Auch der Schmerz wird durch Kühlung gelindert. Allerdings sollte man darauf achten, dass Eis nicht in direkten Kontakt zur Haut kommt, damit keine lokalen Erfrierungen entstehen. Eine Behandlung mit Wärme oder Alkohol auf der betroffenen Stelle sollte mindestens die ersten 24 Stunden lang hingegen unbedingt unterlassen werden.
Das „C“ steht für Compression. Es ist empfehlenswert, zusätzlich zur Kühlung, einen elastischen Kompressionsverband anzulegen. Der regional dosiert ausgeübte Druck sorgt nämlich ebenfalls dafür, dass weniger Blut durch das Gewebe fließt. Außerdem hilft der Verband auch, das beschädigte Gelenk zu stabilisieren.
Das „H“ steht für Hochlagerung. Die verletzte Stelle sollte unbedingt hochgelagert werden. Dies vermindert aufgrund der Schwerkraft wieder den Blutfluss. Prinzipiell kann die Extremität auf jeden Gegenstand hochgelagert werden, wenn sich nichts Geeignetes finden lässt, kann auch ein weiterer Anwesender die Gliedmaße einfach hochhalten. Hierbei sollte er allerdings darauf achten, das Gelenk nicht zu bewegen, um dem Betroffenen keine zusätzlichen Schmerzen zu bereiten.

Für die weiterführende Therapie, die im Normalfall ein bis zwei Wochen nicht überschreitet, gelten praktisch die gleichen Regeln wie für die Erstversorgung, die alle den Sinn haben, das Gelenk zu schonen. Es sollte so häufig wie möglich gekühlt und hochgelagert werden. Wenn überhaupt ein Verband benötigt wird, reicht hier ein schlichter Tape-Verband oder auch eine elastische Binde. Unter Umständen kann eine abschwellende und kühlende Salbe verwendet werden, die eine Linderung der Symptome und manchmal sogar eine schnellere Heilung mit sich bringt.

Sollte die Verstauchung jedoch von bleibenden Schäden begleitet sein, reichen diese konservativen (also nicht-operativen) Maßnahmen nicht aus, um eine endgültige Ausheilung des Gelenks zu erreichen. Es sollte operiert werden, um die volle Funktionsfähigkeit von Bändern und /oder Kapsel wiederherzustellen. Auch um einer entstehenden Instabilität des Gelenks (zum Beispiel ausgeleierten Bändern) vorzubeugen, kann operiert werden, was vor allem von sportlich aktiven Menschen gewünscht wird. Dann verlängert sich die Schonungszeit der betroffenen Extremität allerdings auch auf etwa 4 bis 6 Wochen.

Prophylaxe

Da die Verstauchung am häufigsten im Rahmen sportlicher Aktivitäten entsteht (siehe auch: Sportverletzung), ist auch in diesem Bereich das Vorbeugen am wichtigsten. Vor dem Sport sollte immer ein Aufwärmprogramm erfolgen, das eine ausgeprägte Dehnung und Lockerung der später belasteten Gelenke beinhalten muss. Darüber hinaus ist ein der Aktivität angemessener Trainingszustand zu empfehlen, da Bewegungen, die das Gelenk in solchem Umfang nicht kennt, häufiger nicht toleriert werden. Auch mithilfe einer entsprechenden Ausrüstung lassen sich viele Verstauchungen vermeiden. So kann man zum Beispiel Schuhe anziehen, die über den Knöchel hinausgehen und ihn dadurch schützen oder Gelenke bandagieren bzw. mit einem Tape-Verband versehen. Dies sollte vor allem dann geschehen, wenn die Gelenke schon vorbelastet sind.

Zusammenfassung

Verstauchungen kommen sehr häufig, vor allem aufgrund äußerlicher Gewalteinwirkungen beim Sport, vor und entstehen durch die Überdehnung bestimmter Gelenkstrukturen.
Es resultieren die typischen Symptome Schwellung, Schmerzen und blaue Flecken. Wenn die Verstauchung nicht mit anderen Verletzungen wie tatsächlichen Bänderrissen oder Knochenbrüchen einhergeht, ist sie allerdings relativ harmlos. Im Regelfall heilt sie nach wenigen Tagen bis Wochen von selbst ab. Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, sollte der Betroffene sichergehen, dass er das gestauchte Gelenk so wenig wie möglich bewegt, regelmäßig kühlt und hochlagert und sich allmählich wieder an seinen vollen Bewegungsumfang herantastet, ohne etwas zu überstürzen.

Weitere Informationen

Weitere interessante Informationen aus dem Gebiet der Sportverletzungen:

Eine Übersicht aller bereits veröffentlichten Themen aus dem Bereich der Sportmedizin finden Sie unter Sportmedizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.02.2017
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