Was ist eine Verstauchung?

Synonyme im weiteren Sinne

Distorsion, Verdrehung

Englisch: sprain

Definition

Bei der Verstauchung handelt es sich um eine der häufigsten Sportverletzungen. Die Ursache der Verstauchung ist eine gewaltsame Überdehnung eines Gelenkes, wobei innenliegende Strukturen wie Bänder oder die Gelenkkapsel beschädigt werden. Besonders oft betroffen sind hierbei die großen, viel benutzten Gelenke wie Hand, Fuß, Knie und vor allem das Sprunggelenk (Supinationstrauma). In der Regel geht die Verstauchung mit einer Schwellung, Schmerzen und manchmal auch einem Bluterguss an der entsprechenden Stelle einher. Meistens kann sich die Therapie darauf beschränken, das verletzte Gelenk zu kühlen, ruhig zu stellen und hochzulagern. Nach wenigen Tagen sollte der Patient dann wieder beschwerdefrei sein.

Epidemiologie/ Wie häufig tritt eine Verstauchung auf?

Die Verstauchung wird zu den Sportverletzungen gerechnet, da sie sich im Normalfall im Rahmen von sportlichen Aktivitäten ausbildet. Unter den Sportverletzungen zählt sie zu den häufigsten, die es gibt, wobei die deutlich bevorzugte Lokalisation der Verstauchung das Sprunggelenk ist (also das Gelenk zwischen Fuß und Unterschenkel).

Abbildung einer Verstauchung

Verstauchung (Distorsion) -
Band oder Gelenkkapsel
Verletzung
Band -
Ligamentum
Gelenkkapsel -
Capsula articularis

1 - 1 - Oberes (proximales)
Handgelenk -
Articulatio radiocarpalis
2 - 2 - Unteres (distales)
Handgelenk
Articulatio mediocarpalis
3 - 3 - Kniegelenk
Articulatio genus
4 - 4 - Oberes Sprunggelenk -
Articulatio talocruralis
5 - 5 - Unteres Sprunggelenk -
Articulatio talocalcaneonavicularis

PECH - Regel
Pause Eis Compression Hochlagerung

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Ursachen von Verstauchungen

Die Ursache für eine Verstauchung ist eine Gewalteinwirkung auf das Gelenk von außen. Normalerweise verstaucht man sich das Gelenk dann, wenn es plötzlich und unerwartet zu einer nicht bewusst ausgeführten Bewegung kommt, die über die eigentlich physiologische Beweglichkeit des Gelenks hinausgeht.
Das typischste Beispiel, das wohl fast jedem bekannt ist, ist das „Umknicken“ des Fußes, bei dem das Sprunggelenk überdehnt wird. Dies passiert oft bei Sportarten wie Fußball, Tennis, Basketball oder solchen, bei denen auf unebenem Boden gelaufen oder gesprungen werden muss. Auch Verstauchungen vom Kniegelenk sieht man im Fußball nicht selten, da dieses Gelenk vor allem bei Fouls häufig verdreht wird.
Eine Verstauchung von Finger- und Handgelenken kommen hingegen eher bei Sportarten wie Volleyball oder dem Skilaufen vor. In all diesen Fällen werden die beiden Flächen des Gelenkes gegeneinander verschoben und die Kapsel und / oder die Bänder, die am Gelenk beteiligt sind, dadurch beschädigt.
Das Ausmaß der Schädigung kann bei einer Verstauchung stark variieren. Manchmal werden die Gelenkstrukturen nur wenig bis mäßig überdehnt, nehmen dann allerdings ihre normale Position und Funktionstüchtigkeit wieder ein. Bei einer ausgeprägteren Gewalteinwirkung können die Bänder oder sogar die Gelenkkapsel allerdings auch einreißen. Häufige Verstauchungen eines Gelenks können später wiederum als „Ursache“ für weitere Verstauchungen angesehen werden, da die Bänder durch die regelmäßige Überdehnung praktisch ausleiern und dann anfälliger dafür sind, weitere Verletzungen zu erleiden.

Symptome - Daran erkennt man eine Verstauchung

Das wichtigste Symptom der Verstauchung ist der, zum Teil sehr heftige, Schmerz. Dieser tritt vor allem dann auf, wenn der Patient das Gelenk bewegt. Es kann sogar sein, dass der Schmerz als so stark empfunden wird, dass das Gelenk gar nicht mehr bewegt werden kann, dann liegt allerdings meist zusätzlich eine stärkere Verletzung wie ein Knochenbruch vor. Bei einer reinen Verstauchung sollte das Gelenk trotz eingeschränkter Funktionsfähigkeit hingegen immer noch zumindest minimal belastbar bleiben. Die eingeschränkte Bewegung kann allerdings auch dadurch zustande kommen, dass die Stelle der Verstauchung in der Regel relativ schnell stark anschwillt. Da Gelenke normalerweise sehr gut durchblutet sind, kann es bei einer Gewalteinwirkung auch zum Einreißen von Blutgefäßen kommen, wodurch dann an der betroffenen Stelle ein Bluterguss (Hämatom) zu sehen ist.

Diagnose - Was macht der Arzt?

Die Diagnose wird entweder vom Betroffenen selbst oder durch den Arzt gestellt, wobei die typischen Symptome üblicherweise als Grundlage genügen. Ist das Gelenk geschwollen, schmerzhaft und blau verfärbt (durch den Bluterguss), aber trotzdem noch geringfügig belastbar, kann von einer Verstauchung ausgegangen werden.
Die genaue Kenntnis darüber, wie sich der Unfall ereignet hat, ist außerdem nützlich, um die Diagnose zu sichern. Wenn jedoch eine Unsicherheit darüber besteht, ob es sich tatsächlich nur um eine Verstauchung oder nicht doch um etwas Schlimmeres wie einen Bänderriss oder einen Knochenbruch handelt (ein Hinweis hierauf ist zum Beispiel die Ausbildung eines Hämatoms, das über lange Zeit nicht wieder verschwindet), kann der Arzt zur Diagnose weitere Maßnahmen anschließen. Dazu zählen zum einen eine ausführliche körperliche Untersuchung und zum anderen bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Lokalisation der Verstauchung

Verstauchungen treten häufig im Rahmen von Stürzen oder Verletzungen im Sport auf. Zu den typischen Verletzungsstellen gehören:

  • das Handgelenk
  • der Daumen
  • Fuß bzw. Sprunggelenk
  • der Zeh
  • das Knie

Die Verstauchung am Handgelenk

Gerade bei Ballsportlern sowie Skifahrern und Snowboardern ist die Verstauuchung des Handgelenkes ein weit verbreites Phänomen.
Zu einer Verstauchung des Handgelenkes kommt es bei Überdehnung des Gelenkes. Grundsätzlich kann das in beiden Richtungen geschehen, häufiger verletzend ist allerdings die Überstreckung des Gelenkes in Richtung des Handrückens.
Da der empfundene Schmerz und das Ausmaß der Schwellung nicht unbedingt mit der Schwere der Verletzung übereinstimmen müssen und immer auch die Gefahr eines Knochenbruches besteht, sollte man einen Arzt aufsuchen und zumindest ein Röntgenbild anfertigen lassen.
Sowohl einer der beiden Unterarmknochen als auch die kleinen Knochen der Mittelhand können in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Ist das alles nicht der Fall, schient oder bandagiert man das verstauchte Handgelenk. Dabei ist zu beachten, dass die Bandage eng genug sitzt um eine Stütze zu sein, aber locker genug, um den Blutfluss oder die Nerven nicht zu beeinträchtigen. Werden die Finger nach dem Anlegen der Bandage oder des Verbandes weiß oder beginnen zu kribbeln oder werden taub, sind das klare Anzeichen dafür, dass die Bandage zu fest ist und neu angelegt werden muss. Unter guter Schienung und Entlastung heilt eine Verstauchung des Handgelenkes dann in aller Regel in einem Zeitraum von etwa 10 bis 14 Tagen vollständig ab.

Lesen Sie mehr zum Thema: Verstauchung des Handgelenkes

Verstauchung am Daumen

Eine Verstauchung im Daumen entsteht in der Regel durch eine unnatürliche Bewegung des Daumens nach außen oder starken Druck und eine gleichzeitige Einstauchung von oben, wie sie gerade durch fliegende Bälle leicht passieren. Sie zählt deswegen ebenfalls zu den klassischen Sportverletzungen.
Das sogenannte Daumensattelgelenk, welches am direkten Übergang der Hand zum Daumen liegt und für einen großen Teil der Bewegungen des Daumens verantwortlich ist, ist dabei am häufigsten betroffen.
Wie bei allen Verstauchungen besteht die optimale Therapie im Kühlen und Entlasten des Gelenkes. Letzteres geschieht am geschicktesten über einen elastischen Verband oder ein spezielles Tape. Tapen ist auch eine gute Möglichkeit eine erneute Verstauchung zu verhindern, wenn man eine Risikosportart wie beispielsweise Volleyball ausübt. Das Tape stabilisiert das Gelenk und macht es damit widerstandsfähiger gegenüber erneuten Verletzungen.  

Verstauchung des Kniegelenks

Eine Verstauchung des Knies ist in den meisten Fällen eher eine Verdrehung. Nichtsdestotrotz benutzen Ärzte häufig den Begriff "distorsio" sowohl für eine Verstauchung als auch eine Verdrehung. Die Bezeichnung distorsio bedeutet im eigentlichen Sinne aber Verdrehung.
Besonders gefährdet sind Sportler, die schnelle Start-Stopp-Bewegungen ausführen so also zum Beispiel Fußballer oder auch Skifahrer. Bei einer Verstauchung des Knies, die mit einer Schwellung einhergeht, sollte man immer ärztlichen Rat in Anspruch nehmen, da ein Laie nicht unterscheiden kann, ob das Knie „nur“ verstaucht ist oder beispielsweise ein Meniskus-, Kreuzband-, Innen- oder Außenbandriss vorliegt.
Da sich die Therapie der eben genannten Verletzungen eklatant unterscheidet und in jedem Fall eine Kontrolle mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens (zum Beispiel Röntgen, CT, MRT) erfolgen muss, sollte man sich in ärztliche Betreuung begeben. Der behandelnde Arzt kann zudem ein Schema festlegen, nach dem das Knie - sollte es lediglich verstaucht sein - behandelt und geschont werden soll und entscheiden, ab wann eine erneute sportliche Betätigung in Ordnung ist. Um das Gelenk nicht unnötig zu gefährden und zu belasten, sollte man sich an diese Hinweise auch unbedingt halten.

Verstauchung am Fuß / Sprunggelenk

Die Verstauchung des Fußes beziehungsweise genauer gesagt des Sprunggelenkes ist die häufigste aller Verstauchungen. Die Ursache ist meist ein sogenanntes Supinationstrauma, also das Umknicken mit dem Fuß zur Seite.
Dabei ist vor allem das obere Sprunggelenk von Verletzungen gefährdet. Nicht selten geschieht eine Verstauchung dann in Kombination mit einem Riss des Syndesmosenbands oder einem Bruch einer der Unterschenkelknochen. Aus diesen Gründen sollte man nach einem Umknicken des Fußes, welches mit starken Schmerzen und/ oder einer starken Schwellung einhergeht, einen Arzt aufsuchen.
Mit Hilfe eines Röntgenbildes (und gegebenenfalls einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie) lässt sich sicher ausschließen, dass schwerwiegende Verletzungen vorliegen.
Nichtsdestotrotz sollte auch eine isolierte Verstauchung des Fußes adäquat behandelt werden. Je nach Schweregrad kann man es bei Kühlung und einem anschließenden Stützverband mit elastischen Binden oder einem speziellen Tape belassen oder in schwereren Fällen, auf eine Sprunggelenksschiene oder sogar einen Unterschenkelgips zurückgreifen. Ein Gips ist allerdings nur in sehr schweren Fällen und dann meist auch nur für einige Tage nötig. Wohingegen eine Schiene (eine sogenannte Sprunggelenksorthese) gar nicht so selten Verwendung findet. Nach Abheilung ist das Sprunggelenk in den allermeisten Fällen wieder genau so stabil wie vorher. Lediglich in Einzelfällen verbleibt ein leichtes Unsicherheitsgefühl.
Nach mehreren aufeinander folgenden Verstauchungen des Sprunggelenkes oder nach einer nicht richtig ausgeheilten Verletzung kann es dahingegen leicht zu einer dauerhaften Instabilität im Gelenk und der Gelenkkapsel kommen.
Die Kapsel des Sprunggelenkes, die die Bewegungen des Fußes eigentlich stabilisieren soll, verzieht sich und verliert an Spannung. Dadurch ist der betroffene Fuß noch stärker gefährdet umzuknicken und eine erneute Verstauchung zu erleiden. Diese häufigen Zweit- oder Drittverletzungen können dann leider in letzter Instanz über die dauerhafte Fehlbelastung des Gelenkes zu einer frühzeitigen Arthrose des Sprunggelenkes führen, die dann nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Im Einzelfall sind häufige Umknickverletzungen deswegen ein Grund für eine Operation, die die Bänder und die Kapsel wieder straffen und somit die Gefahr einer Arthrose minimieren soll.

Lesen Sie mehr zum Thema: Verstauchter Fuß

Verstauchung am Zeh

Die Verstauchung eines Zehs ist zwar eine eher kleine Verletzung aber deswegen nicht zwingend weniger schmerzhaft als andere.
Die Verstauchung eines Zehs ist dabei nicht unbedingt immer ein Sportunfall sondern kann sich auch im Alltag ereignen.
Um die Schmerzen zu reduzieren und der Verstauchung die Möglichkeit zu geben, gut zu heilen, ist eine Bandage oder ein Tapeverband sinnvoll. Beide können so schmal gewickelt sein, dass das Tragen von normalem Schuhwerk weiterhin noch gut möglich ist. Beim Laufen wird der Betroffene schnell eine Technik finden, die ihm weniger Schmerzen ermöglicht. Das ist völlig in Ordnung und sogar wünschenswert, da somit der Zeh entlastet werden kann.
Man sollte darauf achten, diesen Schongang nicht zu lange auszuführen, da sonst Fehlhaltungen und unnatürliche Belastungen der Knochen und Gelenke, welche wiederum zu Problemen führen können, drohen. Eine Verstauchung des Zehs heilt in der Regel in einigen wenigen Tagen folgenlos aus. Bemerkt ein Patient allerdings noch nach über einer Woche Schmerzen oder Probleme, sollte er einen Arzt aufsuchen. Eventuell ist der Zeh doch gebrochen oder es handelt sich um ein anderes weiterführendes Problem.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Verstauchung eines Zehs

Therapie bei einer Verstauchung

Die Therapie der Verstauchung richtet sich vor allem nach der Schwere der Verletzung, aber auch nach dem Alter bzw. der individuellen Notwendigkeit für den Patienten. So wird es zum Beispiel einem jungen Leistungssportler wichtiger sein, wieder die volle Belastbarkeit des Gelenks zurückzuerlangen als einem älteren Menschen, der sich vielleicht sowieso nicht mehr so viel zu Fuß fortbewegt.

Besonders wichtig ist bei einer Verstauchung die Erste Hilfe, die sich meistens direkt am Ort der Verletzung abspielt. Die Behandlung erfolgt hierbei nach der sogenannten „PECH-Regel“:
Das „P“ steht für Pause. Das Gelenk sollte keinen weiteren unnötigen Belastungen ausgesetzt werden, um weiterführende Schäden und eine Verstärkung der Schmerzen zu vermeiden. Am besten hört man mit der vorher durchgeführten Aktivität sofort auf und stellt die betroffene Extremität ruhig. Das „E“ steht für Eis. Man sollte nach der Verletzung so schnell wie möglich für eine Kühlung sorgen. Dies kann in Form von Eisbeuteln, Kältespray, Kältekompressen oder –umschlägen erfolgen. Dadurch ziehen sich die Gefäße zusammen, die betroffene Stelle wird weniger durchblutet und die Entwicklung eines Hämatoms und einer daraus resultierenden Schwellung wird unwahrscheinlicher. Auch der Schmerz wird durch Kühlung gelindert. Allerdings sollte man darauf achten, dass Eis nicht in direkten Kontakt zur Haut kommt, damit keine lokalen Erfrierungen entstehen. Eine Behandlung mit Wärme oder Alkohol auf der betroffenen Stelle sollte mindestens die ersten 24 Stunden lang hingegen unbedingt unterlassen werden.
Das „C“ steht für Compression. Es ist empfehlenswert, zusätzlich zur Kühlung, einen elastischen Kompressionsverband anzulegen. Der regional dosiert ausgeübte Druck sorgt nämlich ebenfalls dafür, dass weniger Blut durch das Gewebe fließt. Außerdem hilft der Verband auch, das beschädigte Gelenk zu stabilisieren.
Das „H“ steht für Hochlagerung. Die verletzte Stelle sollte unbedingt hochgelagert werden. Dies vermindert aufgrund der Schwerkraft wieder den Blutfluss. Prinzipiell kann die Extremität auf jeden Gegenstand hochgelagert werden, wenn sich nichts Geeignetes finden lässt, kann auch ein weiterer Anwesender die Gliedmaße einfach hochhalten. Hierbei sollte er allerdings darauf achten, das Gelenk nicht zu bewegen, um dem Betroffenen keine zusätzlichen Schmerzen zu bereiten.

Für die weiterführende Therapie, die im Normalfall ein bis zwei Wochen nicht überschreitet, gelten praktisch die gleichen Regeln wie für die Erstversorgung, die alle den Sinn haben, das Gelenk zu schonen. Es sollte so häufig wie möglich gekühlt und hochgelagert werden. Wenn überhaupt ein Verband benötigt wird, reicht hier ein schlichter Tape-Verband oder auch eine elastische Binde. Unter Umständen kann eine abschwellende und kühlende Salbe verwendet werden, die eine Linderung der Symptome und manchmal sogar eine schnellere Heilung mit sich bringt.

Sollte die Verstauchung jedoch von bleibenden Schäden begleitet sein, reichen diese konservativen (also nicht-operativen) Maßnahmen nicht aus, um eine endgültige Ausheilung des Gelenks zu erreichen. Es sollte operiert werden, um die volle Funktionsfähigkeit von Bändern und /oder Kapsel wiederherzustellen. Auch um einer entstehenden Instabilität des Gelenks (zum Beispiel ausgeleierten Bändern) vorzubeugen, kann operiert werden, was vor allem von sportlich aktiven Menschen gewünscht wird. Dann verlängert sich die Schonungszeit der betroffenen Extremität allerdings auch auf etwa 4 bis 6 Wochen.

Prophylaxe

Da die Verstauchung am häufigsten im Rahmen sportlicher Aktivitäten entsteht (siehe auch: Sportverletzung), ist auch in diesem Bereich das Vorbeugen am wichtigsten. Vor dem Sport sollte immer ein Aufwärmprogramm erfolgen, das eine ausgeprägte Dehnung und Lockerung der später belasteten Gelenke beinhalten muss. Darüber hinaus ist ein der Aktivität angemessener Trainingszustand zu empfehlen, da Bewegungen, die das Gelenk in solchem Umfang nicht kennt, häufiger nicht toleriert werden. Auch mithilfe einer entsprechenden Ausrüstung lassen sich viele Verstauchungen vermeiden. So kann man zum Beispiel Schuhe anziehen, die über den Knöchel hinausgehen und ihn dadurch schützen oder Gelenke bandagieren bzw. mit einem Tape-Verband versehen. Dies sollte vor allem dann geschehen, wenn die Gelenke schon vorbelastet sind.

Dauer der Verstauchung

Die Dauer einer Verstauchung beträt in der Regel zwischen einer und mehreren Wochen, je nach Ausmaß der Verstauchung und begleitenden Verletzungen..
Die Akutphase, in der viel gekühlt werden sollte, erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von etwa 48h. In dieser Phase ist die Verletzung noch ganz frisch. Danach beginnt die betroffene Stelle langsam abzuschwellen. Betroffene können auf durchblutungsfördernde Salben oder Cremes zurückgreifen, die helfen können die Schwellung und einen eventuell vorhandenen Bluterguss schneller abzutransportieren. Bei leichten Verstauchungen geht es nun ganz schnell: von Tag zu Tag bessert sich die Verletzung und innerhalb einer Woche können die meisten Patienten bereits von Schmerzfreiheit berichten.
Um keine Risiken einzugehen, sollte man sich mit sportlichen Aktivitäten nach dem Eintreten der Schmerzfreiheit noch etwa eine Woche lang gedulden. Im Anschluss steht dem aber nichts mehr im Wege.
Anders sieht die Sache bei schwereren Verstauchungen oder sogar kombinierten Verletzungen aus. Diese benötigen in der Regel nach der ersten Akutphase eine längerfristige Ruhigstellung. Dabei ist von einer Dauer von circa 2 bis 3 Wochen auszugehen.
Falls die Verstauchung in Kombination mit einem Bänderriss oder ähnlichem aufgetreten ist, kann sich die Ruhigstellung auch über bis zu 8 Wochen erstrecken. Anschließend folgen ein langsamer Wiederaufbau der Muskulatur und zunächst leichtere Belastungen. Nach schweren Verstauchungen ist im besten Falle trotzdem mit etwa 12 Wochen Sportpause zu rechnen. Nach dem Ende dieser 3 Monate sind Sport und die vollständige Belastung aber in der Regel wieder möglich.

Lesen Sie mehr zum Thema: Dauer einer Verstauchung

Verstauchung oder Prellung- Was ist der Unterschied?

Sowohl die Verstauchung als auch die Prellung sind häufige Verletzungen. Zudem sind beide oftmals Sportverletzungen. Wo ist dann genau der Unterschied zwischen einer Prellung und einer Verstauchung?
Eine Prellung, lat. contusio, wird meist durch einen Stoß von außen verursacht und betrifft in aller Regel eher die Muskulatur. Eine Verstauchung, lat. distorsio, dagegen entsteht bei Verdrehung oder Überdehnung von zumeist Gelenken. Der Unfallmechanismus ist also zur Unterscheidung essentiell, weniger das Ergebnis der Verletzung. Die Symptome, mit denen beide Verletzungen sich äußern, sind nämlich nahezu identisch.
Beide gehen klassischerweise mit Schmerzen, Blutergüssen, Schwellungen und Funktionseinschränkungen einher. Leider werden, vermutlich genau aus diesem Grund, beide Begriffe häufig synonym verwendet und durcheinander geworfen. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn beispielsweise ein heftiger Schlag auf die Oberarmmuskulatur (etwa durch einen fliegenden Ball oder Ähnliches) „Verstauchung“ genannt wird. Davon sollte man sich nicht verwirren lassen.  

Zusammenfassung

Verstauchungen kommen sehr häufig, vor allem aufgrund äußerlicher Gewalteinwirkungen beim Sport, vor und entstehen durch die Überdehnung bestimmter Gelenkstrukturen.
Es resultieren die typischen Symptome Schwellung, Schmerzen und blaue Flecken. Wenn die Verstauchung nicht mit anderen Verletzungen wie tatsächlichen Bänderrissen oder Knochenbrüchen einhergeht, ist sie allerdings relativ harmlos. Im Regelfall heilt sie nach wenigen Tagen bis Wochen von selbst ab. Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, sollte der Betroffene sichergehen, dass er das gestauchte Gelenk so wenig wie möglich bewegt, regelmäßig kühlt und hochlagert und sich allmählich wieder an seinen vollen Bewegungsumfang herantastet, ohne etwas zu überstürzen.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.10.2017
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