Verstauchung der Hand

Einleitung

Die Verstauchung der Hand zählt zu den häufigsten Verletzungen, die Eingang in eine orthopädische Praxis oder ein Krankenhaus haben. Besonders Sportler sind dabei betroffen. Eine Verstauchung kann allgemein als eine Überdehnung des Gelenkes gesehen werden, bei der die beteiligten Bänder und zusätzliche Fasern in Gelenk und Gelenkkapsel stark gereizt wurden. Die Verstauchung der Hand ist überwiegend Folge eines Sturzes, bei dem mit ausgestrecktem Arm versucht wird, den Sturz abzufangen. Meist handelt es sich zwar um eine schmerzhafte, aber ungefährliche Verletzung. Da jedoch auch schwerer wiegende Verletzungen als die Verstauchung der Hand in Betracht gezogen werden müssen, sollte bei starken andauernden Schmerzen eine ärztliche Abklärung des Handgelenks erfolgen.

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Symptome

Das Ausmaß der Symptomatik nach einer Verstauchung der Hand ist unabhängig von der Schwere der Verletzung. So kann bereits eine leichte Verstauchung ähnliche Schmerzen wie eine Fraktur verursachen, genau so, wie bei Verdacht auf eine Verstauchung der Hand eine Zerrung oder ein Bänderriss dahinter stehen kann. Anhand der Symptome lässt sich also nicht genau auf die Art der Verletzung schließen.

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Als Leitsymptom der Verstauchung der Hand gilt der Schmerz am Handgelenk. Er tritt sofort nach der Krafteinwirkung auf und wird als stechend und teilweise äußerst stark beschrieben. Nach der Verletzung bleibt der Schmerz mit dumpfem, pochendem Charakter bestehen.
Im weiteren Verlauf schwillt das Handgelenk meist innerhalb von einigen Stunden, manchmal auch erst am nächsten Tag sichtlich an. Hinzu kommt oft eine Blauverfärbung, die durch einen Bluterguss (Hämatom) im Inneren verursacht wird. Dieser kommt durch Risse kleiner Blutgefäße zustande.
Eine starke Verstauchung der Hand kann sogar kleine Gewebseinrisse verursachen. Bei einer leichten Verstauchung kann der Schmerz jedoch auch das einzige Symptom sein.
In allen Fällen kommt es jedoch zu einem mehr oder weniger ausgeprägten Funktionsverlust des Handgelenks. Die Bewegung ist aufgrund der Schmerzen eingeschränkt und eine Belastung zum Beispiel beim Abstützen ist nur bedingt möglich.
Die Stabilität bleibt bei einer Verstauchung der Hand dagegen bestehen, was ein wichtiges Merkmal im Gegensatz zu einem Bänderriss oder einem Knochenbruch ist.

Wie lange die Symptome andauern ist unterschiedlich. So kann eine Verstauchung der Hand über Tage bis Wochen Beschwerden machen. Entscheidend für die Dauer bis zur vollständigen Genesung ist das Ausmaß der Verletzung, der körperliche Zustand und die Zeitspanne bis zum Einleiten erster Maßnahmen.

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Ursache

Eine Verstauchung der Hand ist bedingt durch eine äußere Krafteinwirkung auf das Gelenk, welche über das physiologische Maß hinaus geht und Strukturen im Gelenk überdehnt. Bei einer Verstauchung werden die beteiligten Gelenkflächen für einen kurzen Moment durch Überdehnung oder Verdrehung aus der normalen Position gehoben, um jedoch sofort zurück zu springen. Dies überlastet Bänder, Sehnen und Gelenkkapsel und kann zu Verletzungen führen. Das Handgelenk ist eine aus mehreren kleinen Gelenken zusammengesetzte funktionelle Einheit. Neben den beteiligten Knochen von Unterarm und Handwurzel besteht es aus der Gelenkkapsel, Knorpel und einer Vielzahl an stabilisierenden Bändern. Der normale Bewegungsumfang des Handgelenks umfasst zwei Bewegungsachsen. Die Beugung zur Handinnenfläche hin ist bis ca. 80° möglich, die Streckung zur anderen Seite beträgt 70°. Daneben kann das Handgelenk abgespreizt werden, zur Daumenseite hin um 20°, sowie zur Kleinfingerseite um 40°. Jede Bewegung darüber hinaus kann nur passiv durch äußere Krafteinwirkung erzielt werden und überlastet das Gelenk. Die typische Ursache für die Verstauchung der Hand ist ein Sturz, bei dem man sich mit der Hand abstützt und so das gesamte Körpergewicht auf das Handgelenk einwirkt, wie dies besonders beim Stolpern, aber auch oft beim Sport passiert. Zu nennen sind hier vor allem Radfahrer und Snowboardfahrer, theoretisch aber natürlich alle denkbaren Sportarten. Dabei werden die Bänder so stark überdehnt, dass sie Schmerzen verursachen und geschont werden müssen. Da die Bänder für Stabilität sorgen, sind sie nur bedingt dehnbar. Je stärker das Handgelenk über das normale Maß gedehnt wird, desto größer ist die Gefahr eines Bänderrisses oder einer Fraktur. Neben dem Sturz, der bei weitem am häufigsten für die Verstauchung der Hand verantwortlich ist, zählt zu den weiteren Ursachen zum Beispiel ein Fußball, der an die Hand geschossen wird. Ein vorgeschädigtes Handgelenk durch vorausgegangene häufige Verstauchungen oder Überdehnungen ist vermehrt gefährdet, da die Bänder hier in gewisser Weise schon ausgeleiert sind.

Diagnose

Die Diagnose einer Verstauchung der Hand ist in erster Linie ein klinische Diagnose. Auch für den Laien kann bei entsprechender Symptomatik eine Verstauchung der Hand richtig erkannt werden. Bei schweren oder lange andauernden Beschwerden, die nicht besser werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Art des Unfallherganges und die beschriebenen Beschwerden durch den Betroffenen geben dem Arzt genügend Hinweise, um in die Richtung Verstauchung der Hand weiter zu untersuchen. Leichtes Abtasten ruft einen Druckschmerz hervor und bestätigt, dass das Handgelenk verletzt ist. Eine wichtige Maßnahme ist die Bewegungsprüfung der Hand, um eine Verstauchung gegen eine schlimmere Verletzung wie dem Bänderriss oder der Fraktur abgrenzen zu können. Solange auch die aktive Bewegung der Hand durch den Patienten möglich ist, stellt dies ein gutes Zeichen dar. Nur durch klinische Untersuchung und Betrachtung des geschwollenen Handgelenks kann jedoch die sichere Diagnose Verstauchung der Hand nicht gestellt werden. Um schwerere Verletzungen auszuschließen, sollte ein Röntgenbild der betroffenen Region veranlasst werden. Ebenso ist die Computertomografie (CT) eine gute Methode, um knöcherne Strukturen beurteilen zu können. Für die Darstellung der Bänder und Sehnen kann im Zweifel eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich sein. CT und MRT kommen nicht routinemäßig bei einer Verstauchung der Hand zum Einsatz, das Röntgenbild sollte zur Sicherheit auch bei leichter Verletzung und andauernden Beschwerden veranlasst werden.

Therapie

Die Therapie einer Verstauchung der Hand sieht vor allem allgemeine Maßnahmen vor, die bei allen Sportverletzungen sinnvoll sind. Ziel ist es, die Hand zu schonen und die Symptome zu kontrollieren, was die Heilung unterstützt und die Beschwerden lindert. Dabei kommt der PECH-Regel eine zentrale Bedeutung zu, die vier Strategien berücksichtigt:

1) Pause

Eine sofortige Entlastung des Handgelenks ist eine wichtige Maßnahme. Mit dem Sport sollte für einige Zeit pausiert werden und auch im Alltag ist eine Schonung bei Verstauchung der Hand zu empfehlen. So sollte auch schweres Tragen von Lasten vermieden werden.

2) Eis

Nicht minder effektiv bei einer Verstauchung der Hand ist eine zeitnahe Kühlung mit Kühlpacks, Eis oder ähnlichem. Dies hat den Effekt, dass die Gefäße eng gestellt werden und so die Schwellung mit Bluterguss reduziert werden. Darüber hinaus setzt Kälte die Erregungsschwelle für Nervenfasern herauf und hilft damit, den Schmerz etwas zu lindern. Es wird empfohlen, direkt nach der Verstauchung der Hand mit dem Kühlen zu beginnen und im Verlauf alle 2 Stunden für 20 Minuten vor allem an den ersten Tagen zu kühlen. Dabei sind Eis oder Kühlpacks besser als Eisspray.

3) Compression

Neben der Pause und dem Kühlen ist Kompression eine weitere sinnvolle Maßnahme, um eine Verstauchung der Hand bei der Heilung zu unterstützen und Symptome zu lindern. Ziel ist das Eindämmen der Schwellung und die Ruhigstellung des betroffenen Gelenks. Hilfreich sein kann in diesem Rahmen ein elastischer Verband, der unter Zug angelegt werden muss, ohne jedoch die Blutzufuhr zu unterbinden. Werden die Finger blau oder taub, ist eine sofortige Lockerung des Verbandes angezeigt.

4) Hochlagern

Das Hochlagern über Herzhöhe hat von den genannten Maßnahmen bei der Verstauchung der Hand den geringsten Effekt, trägt aber ebenfalls zu einer schnelleren Heilung bei. Durch die Schwerkraft bedingt wird das Abschwellen etwas beschleunigt. All diese Maßnahmen sind umso wirkungsvoller, je früher damit begonnen wird. Vor allem für das Kühlen und die Pause gilt, je früher desto besser.

Neben der PECH-Regel kann der Betroffene bei der Verstauchung der Hand noch weitere Heil- und Hilfsmittel einsetzen. Einer großen Rolle kommt der Schmerzmedikation zu. Die klassischen Medikamente, die hier eingesetzt werden können, sind Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol. Sie sollten bei Bedarf und nur in den ersten Tage ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Gerade im Rahmen einer Verstauchung der Hand sind Salben beliebt, die lokal wirken und nicht mit den allgemeinen Nebenwirkungen der oralen Schmerzmedikamente behaftet sind. Ein beliebtes Mittel ist hier Voltaren, das ebenfalls den Wirkstoff Diclofenac enthält. Zur Stabilisierung des Handgelenks gibt es weitere Arten von Schienen und Stützen, die bei längerfristigen Verletzungen zum Einsatz kommen können. Ist die Verstauchung der Hand auskuriert, ist auf eine langsame Steigerung der Belastung zu achten.

Prognose

Die Verstauchung der Hand ist zwar eine schmerzhafte, in den meisten Fällen aber harmlose Verletzung, die meist ohne Komplikationen ausheilt. Wichtig ist, nach der Krafteinwirkung eine schwer wiegende Verletzung von Knochen oder Bändern auszuschließen, da in diesen Fällen eine frühzeitige, adäquate Therapie wichtig ist. Ebenso ist eine verstauchte Hand anfälliger für weitere Verletzungen, weshalb eine Schonung des Gelenks nicht nur der Heilung, sondern auch der Vermeidung von Komplikationen dient. Eine leichte Verstauchung der Hand ist nach 1-2 Wochen ausgeheilt. In schweren Fällen kann sich die Verletzung mehrere Wochen hinziehen.

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Prophylaxe

Um einer Verstauchung der Hand vorzubeugen, gibt es eine Reihe von stabilisierenden Handgelenksschonern, die vor allem beim Sport ihren Einsatz finden. Menschen, die viel Snowboard oder Inliner fahren, sollten über eine Anschaffung dieser Schoner nachdenken. Auch ein strammes Tape reduziert das Risiko für eine Verstauchung der Hand. Darüber hinaus ist ein gesundes Einschätzen der eigenen Fähigkeiten im Rahmen des Sportes essentiell. Allgemein gilt, sich vor dem Training gut aufzuwärmen und zu dehnen. Ein guter Trainingszustand spielt ebenso eine Rolle. Dies sind jedoch alles Maßnahmen der Risikoreduktion. Eine gezielte Vorbeugung ist schwierig, da das Handgelenk empfindlich ist und bei einer Vielzahl von Situationen belastet werden kann. Ein gewisses Risiko, sich eine Verstauchung der Hand zuzuziehen, ist also im Sport und auch im Alltag immer gegeben.

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