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Verletzung beim Bodybuilding

Synonyme im weiteren Sinne

Kraftsport, Krafttraining, Gewichtheben, Bodyfitness, Fitness, Powerlifting

Einleitung

Diese Thema richtet sich an alle Sportler, die mit Gewichten Muskelaufbau betreiben.

Unfallbedingte Verletzungen sind beim Bodybuilding selten. Ganz im Vordergrund stehen Verletzungen der Muskeln und Sehnen durch Fehl- oder Überlastung.

Verletzungsmöglichkeiten der Arme (oberen Extremität)

Die obere Extremität (Arme/ Armmuskulatur) ist von Verletzungen besonders häufig betroffen. Sowohl die Schulter, als auch das Ellenbogengelenk und das Handgelenk sind von Verletzungen betroffen.

Schultergelenk

Rotatorenmanschette

Im Bereich vom Schultergelenk überwiegen Beschwerden der Rotatorenmanschette. Von besonderem Interesse für die Muskel- und Sehnenerkrankungen der Schulter ist die Supraspinatussehne, die bei Bodybuildern oft um 50% kräftiger ausgebildet ist als in der Normalbevölkerung. Der Supraspinatusmuskel liegt dem oberen Anteil des Schulterblattes auf und zieht unter dem Schulterdach zum Oberarmkopf, wo er mit seinem sehnigen Ende ansetzt. Die Funktion des Musculus supraspinatus ist die Seithebung des Armes, insbesondere während der Startphase, wenn die Hände dem seitlichen Oberschenkel noch anliegen. Durch Überlastungen des Sehnenansatzes beim Training kann es zu einer chronischen Entzündung kommen (Supraspinatussehnentendinitis/tendinose). Eine typische Übung hierfür ist die Seithebung (Abduktion) des gestreckten Armes mit der Hantel oder einem Seilzug. Andere Übungen, die vorwiegend eine Außendrehbewegung des Armes erfordern, können ebenfalls zu einer Sehnenansatzerkrankung der hinteren Anteile der Rotatorenmanschetten führen (Musculus infraspinatus, Musculus teres minor).

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Impingementsyndrom

Durch den Muskelzuwachs des Musculus supraspinatus kann es zudem zu einer Enge im Schulterdachbereich (subacromialer Raum) kommen. Bei Hebebewegungen des Armes kann der Supraspinatus deshalb unter dem Schulterdach anstoßen (Impingementsyndrom) und bei häufiger Wiederholung zu einer Entzündung des ebenfalls dort befindlichen Schleimbeutels führen (Busitis subacromialis). Eine unausgewogene Schultermuskulatur mit Überwiegen den Musculus deltoideus kann diesen Effekt noch unterstützen, weil der „Deltoideus“ den Oberarm tendenziell nach oben zieht und die Schulterdachweite zusätzlich reduziert. Im schlimmsten Fall entwickelt sich aus einer chronischen Supraspinatussehnenreizung ein Rotatoren- manschettenriss.

In ähnlicher Form spielt dies für das Instabilitätsimpingement eine Rolle. Hierbei wird der Oberarmkopf tendenziell immer wieder nach vorne gegen die vordere Gelenkkapsel gedrückt, wodurch sich diese erweitert und eine unbemerkte vordere Schulterinstabilität entsteht. Durch diese Instabilität kann der Oberarmkopf vermehrt gleiten und zu Einklemmungen im Schulterdachbereich führen. Übungen, die ein Instabilitätsimpingement begünstigen, sind das Nackendrücken hinter dem Kopf, das Latissimusziehen in den Nacken, Überzüge und so genannte Fliegende (einem Brustmuskeltraining, bei dem der Sportler auf dem Rücken liegt und die Arme ausgestreckt nach oben und unten bewegt).

Die Schmerzen beim Impingementsyndrom bestehen im Bereich der seitlichen Schulter und strahlen oft in den seitlichen Oberarm aus.

Im Bereich des Schultereckgelenkes (Acromioclaviculargelenk) kommen überlastungsbedingte Reizungen vor. Der Schmerzpunkt befindet sich im Bereich der seitlichen/oberen Schulter. Das Gelenk wird besonders bei endgradiger Seithebung des Armes belastet, wenn der Oberarm fast die Ohren berührt. Besonders schmerzhaft ist auch das horizontale Herüberführen des Armes zur Gegenseite. Auch hierbei wird das Gelenk besonders belastet und Schmerzen provoziert. Folge einer chronischen Überlastung dieses Gelenkes kann eine frühzeitige Arthrose oder eine Knochenauflösung (Osteolyse) des seitlichen Schlüsselbeinendes sein. Die Beschwerden werden besonders durch das klassische Bankdrücken verursacht. In fortgeschrittenen Fällen muss das seitliche Schlüsselbeinende operativ entfernt werden.

Ein Sehnen- oder Muskelriss sind relativ seltene Ereignisse und beruhen auf einer degenerativen Vorschädigung der Sehne oder einer extremen Überlastung des Muskels. Im Bereich der Schulter kann es zu einem Riss der langen Bizepssehne (Musculus biceps, Caput longum) kommen. Hierbei reißt die lange Bizepssehne im Schultergelenk ab und der Muskelbauch des Bizepsmuskels rutscht auf der Vorderseite des Oberarmes in Richtung Ellenbogen ab. Es entsteht ein plötzlicher Schulterschmerz und bei Anspannung des Bizepsmuskels wird der herunter gerutschte Muskelbauch am Oberarm erkennbar. Die Muskelkraft des „Bizeps“ ist durch die Funktion seines zweiten Ursprungs (kurzer Kopf) am Coracoid weitgehend erhalten.

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Ellenbogen

Am Ellenbogengelenk findet man vorwiegend die sogenannten Sehnenansatzerkrankungen (Med. Synonyme: Insertionstendinopathie, Insertionstendinose, Enthesiopathie), die durch Zugbelastungen der das Ellenbogengelenk umgebenen Sehnen verursacht werden.

Tennisarm und Golferellenbogen

Dazu gehört der Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis), der sich natürlich nicht auf die namensgebende Sportart bezieht, sondern vielmehr die Sehnenansatzerkrankung der Unterarmstreckmuskulatur am Oberarmknochen (Epicondylus humeri radialis) beschreibt. Ein Krankheitsbild, welches sich oft bei Tennisspielern findet, deshalb die Namensgebung.

Der Epicondylus und damit auch der Schmerzpunkt, befinden sich am Ende des seitlichen Oberarms an einem rundlich, erhabenen Knochenvorsprung der gut zu ertasten ist. An diesem Punkt setzt die Unterarmstreckmuskulatur an. Schmerzen an diesem Punkt ziehen in Richtung streckseitigen Unterarm und werden durch das Strecken im Handgelenk provoziert und unterhalten. Die hauptsächliche Beschwerden auslösende Übung ist v.a. der Bizepscurl mit der langen Stange. Hierbei wird das Handgelenk maximal nach außen gedreht (Handfläche nach oben, Supination), wodurch die Unterarmstreckmuskulatur in eine ungünstige Zugrichtung kommt. Besser wäre eine gebogene Hantelstange, wo eine bessere Griffposition eingenommen werden kann und die maximale Supination des Unterarmes während der Übung unterbleibt.

In gleicher Weise gibt es die Erkrankung am Ansatz der Unterarmbeugemuskulatur am Epicondylus humeri ulnaris (Epicondylitis humeri ulnaris = Golferarm). Den Schmerzpunkt findet man durch Herabfahren des innenseitigen Oberarmes in Richtung Ellenbogengelenk. Auch hier ist der Epicondylus als rundlich, erhabener Knochenvorsprung gut zu tasten. Schmerzen in diesem Bereich werden u.a. durch Übungen mit der geraden Stange in Pronationshaltung (Handflächen bodenwärts) verursacht.

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Sehnenansatzentzündungen (Enthesiopathie)

Die Ansatztendinose des Musculus triceps (Trizeps) findet sich an der Ellenbogenrückseite. Verursacht werden die Beschwerden besonders durch das Trizepsdrücken, das enge Bankdrücken und das Stirnpressen. Auch hier spielt die gerade Stange eine wichtige Rolle bei der Schmerzentstehung, aber auch eine unsauber ausgeführte Bewegung mit maximaler Streckung des Ellenbogengelenkes in der Endphase, kann für die Symptomatik verantwortlich sein. In Extremfällen kann es zum Riss der Trizepssehne kommen.
Weitere Informationen zur Korrekten Ausführung finden Sie auch unter unseren Themen:

Schmerzen im Bereich des Bizepssehnenansatzes (Enthesiopathie des Bizepsansatzes) im Bereich des oberen Speichenknochens (Radius) werden durch Überlastungen (zu große Gewichte) hervorgerufen. In Extremfällen kann es zum Riss der Bizepssehne an diesem Ansatz kommen. Es besteht dann die Indikation zur operativen Befestigung der Sehne (Refixation). Schmerzen bestehen in der Tiefe des beugeseitigen und daumenseitigen Ellenbogengelenkes. Auch bei den Bizepsübungen sollte die volle Streckung im Ellenbogengelenk vermieden werden.

Handgelenk

Im Handgelenksbereich überwiegt die Sehnenscheidentzündung (Tendovaginitis) der Beuge- oder Streckmuskulatur, sowie Überlastungssymptome des Handgelenkes durch extreme Überstreckbelastungen des Handgelenkes, wie beispielsweise beim Bankdrücken. Durch das enge Bankdrücken kann es zur Schädigung des Diskus triangularis (speichenseitige Knorpelscheibe im Handgelenk) kommen.

Karpaltunnelsyndrom

Durch Überlastungen des Handgelenkes, einer Sehnenscheidentzündung oder einer anhaltenden Streckhaltung des Handgelenkes, können Symptome eines Karpaltunnelsyndrom hervorgerufen werden. Hierzu zählen der Handgelenkschmerz und das Einschlafen der Finger 1-3.

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Verletzungen der unteren Extremität (Beine)

Becken / Oberschenkel

Es handelt sich meistens um Sehnenansatzerkrankungen, Muskelzerrungen oder Blockierungen des Kreuz-Darmbein-Gelenkes (Iliosakralgelenk, ISG).

Muskelverletzung

Viele Kraftsportler, besonders die Anfänger, neigen dazu unaufgewärmt mit dem Training zu beginnen. Eine kalte Muskulatur ist allerdings weniger flexibel und belastbar, weshalb es leicht zur Muskelzerrung oder sogar einem Muskelfaserriss kommen kann. Von Verletzungen betroffen ist die Adduktorenmuskulatur, die vordere Oberschenkelmuskulatur (v.a. Musculus rectus femoris) sowie die hintere Oberschenkelmuskulatur (v.a. Musculus biceps femoris). Der Sportler spürt einen stichartigen Schmerz mit anschließendem krampfartigem Muskelgefühl. Die Erstmaßnahmen richten sich nach dem PECH - Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagern).

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Sehnenansatzentzündungen

Die gleichen Muskeln können auch Ansatztendinosen am Beckenring verursachen. Hierzu zählen Schmerzen am Sitzbein (Gesäß), in der vorderen (M. rectus femoris) und inneren Leistenregion (Adduktoren).

Leistenbruch

Leistenschmerzen können aber auch durch einen Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht werden. Hernien jedweder Art, ob im Bereich der Leiste oder der Bauchwand, treten besonders bei Übungen mit starker Erhöhung des inneren Bauchdrucks (intraabdomineller Druck) auf. Hierzu zählen beim Bauchmuskeltraining, die Beinpresse oder das Kniebeugen.
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Leistenbruch.

Blockierung des Iliosakralgelenkes

Durch Ausweichbewegungen bei maximaler Anstrengung oder unsauber durchgeführter Übung, kann es zu einer Blockierung des Iliosakralgelenkes (ISG) oder einer Fehlstellung des Kreuzbeines (Sacrum) kommen. Die Beschwerden sind häufig im Bereich des oberen Gesäßanteils lokalisiert und können in die Leiste und den Oberschenkel ausstrahlen. Mit einer manuellen Therapie können die meisten Fehlstellungen und Blockierungen gut behandelt werden, ggf. unterstützt von Infiltrationen, Wärmebehandlungen und einer medikamentösen Schmerztherapie.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Blockierung des Iliosakralgelenkes

Kniegelenk

Ein Meniskusriss oder gar ein Kreuzbandriss sind sehr seltene Ereignisse und nicht typisch für das Bodybuilding.

Häufige Ursache für einen Knieschmerz ist ein femoropatellarer Überlastungsschmerz (Chondromalazie), der insbesondere durch Kniebeugen entstehen kann. Bei der Kniebeuge wird die Kniescheibe (Patella) gegen ihre Gleitfläche (femoropatellares Gleitlager) gepresst. Je stärker das Kniegelenk gebeugt wird, desto stärker wird der Anpressdruck. Unter diesem Druck leidet der Kniescheibenknorpel. Es ist deshalb ratsam bei Beinübungen weder zu stark in die Kniebeugung zu gehen, noch das Kniegelenk an der Beinmaschine voll zu strecken.

Ansonsten treten auch im Bereich des Kniegelenkes Ansatztendinosen auf. Betroffen sind häufig die Quadrizepssehne am oberen Kniescheibenansatz und die Kniescheibensehne (Patellarsehne) am unteren Kniescheibenansatz (Patellaspitzensyndrom).

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Sprunggelenk

Beschwerden der Sprunggelenke und Füße sind sehr selten und dann meistens traumatisch bedingt, beispielsweise durch ein Umknicken oder durch ein herunter fallendes Gewicht.

Therapeutische Maßnahmen

Die Prophylaxe ist immer noch die beste Therapie.
Zur Prophylaxe gehören eine gute Trainingsausrüstung, ein richtiges Aufwärmen, Dehnübungen / Stretching der Muskulatur und die Beherrschung der benutzen Geräten. Deshalb ist es gerade für den Anfänger eine vernünftige Beratung besonders wichtig, mit Erklärung der Geräte, Handhabung der Geräte, Erörterung der Zielstellung des Trainings sowie die Erstellung eines individuellen Therapie- und ggf. auch Ernährungsplans.

Bestehen bereits Beschwerden sollte der Trainingsumfang herunter gefahren werden oder eine Trainingspause eingelegt werden. Es sollte kritisch geprüft werden, welche Übungen die Beschwerden verursachen. Evtl. muss nur die Ausübung angepasst werden, ggf. aber auch eine Ersatzübung gefunden werden.

Zur Schmerztherapie eignen sich vorübergehend NSAR (nicht-steroidale-anti-Rheumatika), in Rücksprache mit dem Arzt, gezielte Infiltrationen sowie eine physiotherapeutische und physikalische Therapie. Zur Behandlung der häufigen Ansatztendinosen eigenen sie Dehnübungen und Friktionsmassagen während der Physiotherapie (Krankengymnastik). Von den physikalischen Therapiemaßnahmen sind eine Wärme-, in akuten Phasen auch Kältebehandlung erfolgreich, sowie die Ultraschalltherapie, Stoßwellenbehandlung, sowie verschiedene Stromanwendungen. Auch Funktionsorthesen („Bandagen“), Tapes o.ä. können zwischenzeitlich eingesetzt werden. Ein zu früher Belastungsbeginn wird jedoch jede Therapiebemühung zunichte machen. Das gilt besonders für die häufigen Ansatztendinosen, deren Beschwerden zur Chronifizierung neigen.

Bei jeder länger anhaltenden Beschwerdesymptomatik sollte ein Arzt, möglichst ein Orthopäde und Sportmediziner, konsultiert werden.

Hinweis

Bei unklaren Beschwerden möchten wir auf unsere Diagnostikum verweisen. Anhand Ihrer Beschwerden und Symptome können Sie durch unsere Diagnostikum zur Diagnose Ihrer Erkrankung kommen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 27.12.2018
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