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Kapselriss am Finger

Definition

Wie jedes Gelenk sind auch die Fingergelenke von einer Kapsel umgeben. Diese kann durch eine Überdehnung verletzt werden, zum Beispiel bei einer zu extremen Überstreckung. Meistens passiert dies beim Sport, z.B., beim Volley- oder Basketball, wenn der Ball den gestreckten Finger trifft. Dann reißt  die beugeseitige Gelenkkapsel. Meist spürt man sofort Schmerzen und betroffene Stelle schwillt an. Ist das Gelenk zusätzlich verrenkt (das Köpfchen aus der Gelenkpfanne gesprungen), ist eine Fehlstellung sichtbar. Bei einem seitlichen Abknicken können auch die Seitenbänder mit ein- oder abreißen; gegebenenfalls kann auch ein Teil des Knochens mit ausreißen.


Ursachen eines Kapselrisses am Finger

Normale Belastungen halten die Kapseln der Fingergelenke gut aus. Die Kapsel und die umgebenen Bandstrukturen sorgen für Stabilität beim Beugen und Strecken des Fingers. Bei einer Bewegung, für die das betreffende Fingergelenk nicht gemacht ist, kann die Kapsel reißen. Besonders häufig passiert das bei Stürzen, bei denen die Finger oder ein Finger nach hinten abknickt, oder bei Sportarten wie Volleyball, bei dem der Ball den gestreckten Finger nach hinten Richtung Handrücken, drückt. Ab einem gewissen Punkt kann die Dehnung von der Kapsel nicht mehr getragen werden. Wenn ein zu starker Zug auf den Finger kommt, kann das Gelenk die Längsdehnung auch nicht mehr verkraften. Meist werden zusätzlich andere Strukturen verletzt. Reißen Blutgefäße des Fingers, kann es in das Gelenk einbluten (siehe auch: Bluterguss), was zu einer schmerzhaften Schwellung und Bewegungseinschränkung führen kann.

Begleitende Symptome bei einem Kapselriss am Finger

Tritt ein Kapselriss im Finger akut auf, schmerzt das betroffene Gelenk meist stechend und ist oft geschwollen, eventuell ist auch ein Bluterguss zu sehen. Da der Abfluss in diesem Gebiet nicht mehr richtig funktioniert, lagert sich Gelenkflüssigkeit aus dem verletzten Gelenk ab. Manchmal kann man auch ein Knacken beim Reißen der Kapsel selbst hören. Der akute Dauerschmerz wird stärker, wenn man den Finger weiter belastet. Meist ist auch die Beweglichkeit und die Funktion des Gelenkes bzw. Fingers stark eingeschränkt, als Schutzfunktion oder weil für die Bewegung wichtige Strukturen mit verletzt wurden. Ist zusätzlich das Gelenk selbst verletzt, zum Beispiel, wenn das Köpfchen vom Grundglied des Fingers aus der Gelenkpfanne des Mittelgliedes springt (Luxation), kann man eine Fehlstellung beobachten.

Welcher Arzt behandelt einen Kapselriss am Finger?

Allgemein wird sich der Arzt darum kümmern, der zuerst zur Stelle ist: Vielleicht betreut ein Mannschaftsarzt bereits das Sportteam oder man begibt sich in die Notaufnahme, wo der diensthabende Arzt sich den Finger ansehen wird. Der Spezialist auf dem Gebiet des Bewegungsapparates ist aber der Orthopäde/ Unfallchirurg, der auch in diesem Fall helfen kann. Gegebenenfalls kennen sich auch Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ auf diesem Gebiet aus. Sind zusätzlich Strukturen wie die umgebenen Bänder verletzt oder ist auch ein knöchernes Problem aufgetreten, so wird man bei Bedarf auch an einen Handchirurgen oder ein handchirurgisches Zentrum weiterverwiesen. Diese Ärzte sind die Spezialisten der operativen Versorgung von Handverletzungen.

Diagnose eines Kapselrisses am Finger

Zunächst wird der behandelnde Arzt nach dem Verletzungsereignis fragen. Ihn interessiert, bei welcher Bewegung und unter welchen Umständen der Kapselriss passiert ist. Danach muss der betroffene Finger angeschaut und klinisch untersucht werden: Man prüft allgemein die Durchblutung, die Motorik (Beweglichkeit) und die Sensibilität (das Gefühl) im betroffenen Gebiet und in der Fingerspitze.

Um die Schwellung und den Bewegungsumfang besser abschätzen zu können, wird der Finger mit dem der Gegenseite verglichen. Ist der Finger stark angeschwollen? In wiefern kann der Finger noch bewegt werden? Kann der Arzt nicht sicher ausschließen, dass auch der Knochen mit geschädigt ist, wird man eine Röntgenaufnahme des Fingers anfertigen. Dort wäre zum Bespiel ein ausgerissenes Knochenteil sichtbar. Um die Verletzung der Kapsel und des umgebenen Bandapparates besser beurteilen zu können, kann zusätzlich eine MRT- (= Kernspintomographie-) Aufnahme gemacht werden. Auf dieser können Bänder, Weichteile und ein Gelenkerguss besonders gut beurteilt werden.

Behandlung eines Kapselrisses am Finger

Die Therapie richtet sich nach den in der Untersuchung und ggf. in Röntgen und/oder MRT entdeckten Schäden. Bei einem weniger schweren Fall eines Kapselrisses wird meistens konservativ, das heißt nicht operativ, behandelt. Um dem Finger genügend Gelegenheit zur Heilung zu geben, sollte der Finger (und eventuell die Hand allgemein) geschont werden, das heißt der Finger wird ruhiggestellt und Belastungen des Fingers sollten so gut wie möglich vermieden werden. Eventuell kann der Finger auch eng bandagiert werden.

Besonders eine Sportpause ist angebracht, auch um Zweitverletzungen vorzubeugen. Außerdem sollte der Finger gekühlt werden, um die entstandene Schwellung zu bekämpfen und die Schmerzen zu reduzieren. Auch ein Hochlagern des Fingers kann da helfen: Flüssigkeit kann besser zurückfließen und der Finger schmerzt weniger. Zusätzlich können schmerzstillende und entzündungshemmende (antiphlogistische) Medikamente über einen kurzen Zeitraum helfen, zum Beispiel Ibuprofen-Tabletten. Wichtig ist nach einem Rückgang der Schwellung das schnelle Mobilisieren des Fingers, um einer Gelenksteife vorzubeugen.

Behandlung mit einer Fingerschiene

Wird im Verlauf der Behandlung eine merkliche Bewegungseinschränkung bemerkt, kann eine Schiene zur Dehnung der vernarbten Gelenkkapsel nötig sein, eine so genannte Quengelschiene. Dies ist eine dynamische Schiene, das heißt durch integrierte Federdrahtbügel wird dauerhaft Kraft auf das betroffene Gelenk in Richtung der eingeschränkten Bewegung ausgeübt. Diese Kraft kann individuell angepasst werden. So vermeidet man andauernde Versteifungen, zum Beispiel wird dieses Prinzip auch nach Sehnenverletzungen angewandt. Manchmal wird die Schiene auch mit einer Verbandhülse kombiniert, um die betroffene Stelle besser zu schützen. Es kann aber auch eine „normale“ starre Schiene zum Schutz und zur Ruhigstellung des Fingers getragen werden. Dies ist besonders in den ersten Tagen bis zum Rückgang der Schwellung sinnvoll.

Übungen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit

Bevor man damit beginnt, den betroffenen Finger gezielt zu beüben, sollte man Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt halten. Um das Bindegewebe zu mobilisieren, kann man die Haut über dem Gelenk vorsichtig in kreisförmigen Bewegungen verschieben, um so die Schwellung zu reduzieren, eine bessere Gleitfähigkeit zu erzeugen und die Durchblutung zu fördern. Zudem kann man Greifübungen, zum Beispiel mit Bällen oder Wasserflaschen machen, um den Finger wieder für den Alltag zu trainieren. Den Finger immer wieder zwischendurch vorsichtig beugen und strecken bzw. einen Faustschluss zu machen, kann die Beweglichkeit im Idealfall schnell verbessern. Dabei sollte man auf Schmerzen achten. Im Zweifelsfall kann professionelle Physiotherapie weiterhelfen.

Behandlung durch Tapen

Durch ein professionelles Tapen des Fingers (siehe auch: Finger tapen - wie geht das?) kann eine Stabilisierung und bessere Kraftverteilung am betroffenen Finger erzielt werden. Meist wird dazu der betroffene Finger an den Nachbarfinger getapt und so ruhiggestellt. Ein Tape ersetzt aber die Schonung des Fingers während des Heilungsprozesses nicht: das heißt, auch mit Tape sollte eine Sportpause bis zur Heilung des Kapselrisses eingelegt werden. Tapen kann, ähnlich einem Verband, unterstützend wirken. Die Heilung des Kapselrisses wird durch Taping aber nicht beschleunigt.

Wann brauche ich eine Operation bei einem Kapselriss am Finger?

Meist heilt ein Kapselriss auch ohne Operation wieder gut. Bei schweren Verletzungen der Kapsel oder wenn ein Knochen mitbeteiligt ist, sollte auch über eine Operation als Option nachgedacht werden. Auch wenn das Gelenk schief steht und nicht mehr eingerenkt werden kann, muss operativ korrigiert werden, sonst droht im Verlauf ein früher einsetzender Gelenkverschleiß (Arthrose). In der OP werden die gerissenen Kapselteile genäht und gegebenenfalls neu am Knochen verankert. Dies kann mithilfe von Drähten oder Schrauben geschehen. Sind noch andere Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Bänder verletzt, so werden diese ebenfalls genäht. Oft kann eine solche OP auch ambulant erfolgen.

Dauer der Heilung eines Kapselrisses am Finger

Die vollständige Heilung dauert etwa sechs Wochen. Während dieser Zeit sollte auf sportliche Belastung verzichtet werden und der Finger im Alltag nur vorsichtig eingesetzt werden. Natürlich kann der Prozess von Person zu Person unterschiedlich schnell ablaufen. Um die Gelenkschwellung schnell zu reduzieren, ist eine konsequente Hochlagerung und Kühlen des Fingers wichtig. Außerdem ist, sobald die Akutphase überstanden ist, ein vorsichtiger Bewegungsaufbau wichtig, um eine dauerhafte Versteifung des Gelenkes zu vermeiden. Sind zusätzlich zu der Kapsel noch Sehnen oder Bänder gerissen, kann sich die Heilung verzögern.

Ab wann kann man nach einem Kapselriss am Finger seiner Arbeit nachgehen?

Meist dauert es circa sechs Wochen, bis der Finger wieder vollständig verheilt ist und man seiner Arbeit nachgehen kann. Das ist natürlich abhängig von der Art der Arbeit und wie stark der Finger dort belastet wird. Wird der Finger nicht stark belastet, kann man auch schon vor dem Ablauf der sechs Wochen wieder arbeiten. Eventuell hilft eine Wiedereingliederung die Arbeitszeit und Belastung nach und nach zu steigern. Wichtig ist, den betroffenen Finger nicht zu früh zu stark zu belasten, um nicht einen erneuten Kapselriss zu provozieren. Außerdem ist die Zeit abhängig von der Schwere der Verletzung; sind zusätzlich Knochen und/oder Bänder betroffen, kann sich der Heilungsprozess weiter verzögern.

Was sind die Folgen von einem Kapselriss am Finger?

Meist heilt ein Kapselriss folgenlos aus, selten ist die Fingerbeweglichkeit dauerhaft eingeschränkt. In diesem Fall bleibt die Kapsel verdickt, das kann zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) führen. Wird der Kapselriss (besonders mit Begleitverletzungen) nicht korrekt behandelt, kann es zu Fehlstellungen kommen oder Entzündungen auftreten.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.04.2018
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