Schmerzen in der Wade

Verschiedene Ursachen für Schmerzen in der Wade

Die Wade (Syn. Unterschenkel und dessen Muskulatur/ Wadenzwillingsmuskel) kann aufgrund zahlreicher Ursachen schmerzen. Dabei können die Schmerzen unter Belastung, beim Gehen, Laufen oder auch in Ruhe auftreten. Da Wadenschmerzen nicht nur Zeichen einer muskulären Überbelastung, sondern auch hinweisend auf Gefäßerkrankungen sein können, sollten sie bei anhaltenden Schmerzen ärztlich untersucht werden.

Ursachen durch die Muskulatur

Muskuläre Ursachen sind die häufigste Erklärung für Wadenschmerzen. Durch einen Unfall, Fehl- oder Überbelastungen können Verletzungen wie ein Muskelfaserriss im Unterschenkel oder eine Zerrung auftreten, dies insbesondere im Rahmen sportlicher Tätigkeiten. Auch durch langanhaltende Belastungen können die Muskeln überlastet sein und im Sinne eines Muskelkaters schmerzen.


Abbildung der unterschiedlichen Wadenschmerzen

Abbildung Schmerzen in der Wade: Arterien und Venen des rechten Unterschenkels (I) und Muskeln der Hinterseite (II)

Schmerzen in der Wade

  1. Kniekehlenarterie -
    Arteria poplitea
  2. Kniekehlenvene -
    Vena poplitea
  3. Große Rosenvene -
    Vena saphena magna
  4. Hintere Schienbeinvene -
    Vena tibialis posterior
  5. Hintere Schienbeinarterie
    Arteria tibialis posterior
  6. Wadenbeinarterie -
    Arteria fibularis
  7. Kleine Rosenvene -
    Vena saphena parva
  8. Sohlenmuskel -
    Musculus plantaris
  9. Innerer Wadenmuskel -
    Musculus gastrocnemius Caput mediale
  10. Äußerer Wadenmuskel - Musculus gastrocnemius Caput laterale
  11. Schollenmuskel - Musculus soleus
  12. Achillessehne - Tendo calcaneus
  13. Langer Wadenbeinmuskel - Musculus fibularis (peroneus) longus
    A - Atherosklerose (Veränderung der Blutgefäße), Arteriosklerose (Arterienverkalkung)
    B - Venenthrombose, TVT - Tiefe Venenthrombose
    C - Muskelfaserriss, Zerrung
    D - Thrombophlebitis - Entzündung von Oberflächlichen Venen


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Ursachen durch Kreislauferkrankungen

Für Schmerzen in der Wade kann es vielfältige Ursachen geben.

Besonders Schmerzen, welche beim Gehen auftreten und in Ruhe wieder nachlassen, können Hinweis für eine Durchblutungsstörung sein. Grund hierfür sind arteriosklerotische Ablagerungen an den Gefäßwänden. Durch muskuläre Arbeit benötigen diese vermehrt Sauerstoff und aus diesem Grund eine erhöhte Durchblutung.
Durch die Gefäßverkalkungen sind die Gefäße jedoch nicht zu einer vermehrten Durchblutung fähig, sodass Schmerzen auftreten. Da diese Verkalkungen neben den Beingefäßen auch häufig an den Herzkranzgefäßen auftreten, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Des Weiteren kann eine Thrombose der tiefen Beinvenen zu massiven Schmerzen führen. Die Schmerzen treten oft akut auf und entstehen aufgrund der plötzlichen Unterbrechung der Blutzufuhr. Zudem kann es durch Bewegung zur Ablösung des Gefäßthrombus kommen, der dann mit dem Blutstrom in die Lunge transportiert wird und dort zu einer Lungenembolie führt. Folge ist akute Atemnot, die lebensbedrohlich sein kann.

Ursachen durch Entzündung der Wade

Eine Entzündung der Gefäße im Sinne einer Thrombophlebitis kann ebenfalls zu starken Schmerzen der Wade führen. Es handelt sich hierbei um eine Entzündung der kleinen oberflächlich gelegenen Hautvenen, welche häufig mit einer Rötung und Schwellung des Beins einhergeht.
Auch andere Infektionen durch von außen eindringende Keime können zu starken Schmerzen, Rötung, Schwellung und einem allgemeinen Krankheitsgefühl führen.

Ursachen durch die Wirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall der unteren Lendenwirbelsäule kann, bei Kompression entsprechender Nerven, zu starken Schmerzen in der Wade führen. Auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Frakturen mit Einengung des Spinalkanals oder Knochentumore der Wirbelsäule können die Nerven reizen und so Schmerzen in der Wade auslösen.

Der Wadenkrampf

Wadenkrämpfe sind eine häufige Ursache für Schmerzen in der Wade. Bei vielen Menschen treten die Krämpfe nachts auf und können so stark sein, dass ein normales Laufen während und im Anschluss an den Krampf nicht möglich ist, da die Muskulatur schmerzhaft verhärtet bleibt. Während des Krampfes zieht sich die Wadenmuskulatur krampfartig zusammen und ist als harter Strang tastbar.

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Abhilfe verschafft in der Regel die sofortige Dehnung des betroffenen Muskels, im Falle der Wade wird die Dehnung durch eine starke Anwinklung des Fußes erreicht. Die Schmerzen lassen dann häufig rasch nach. Manchmal bleibt jedoch ein Gefühl zurück, das einem Muskelkater ähnelt.

Die Krämpfe treten meist sehr plötzlich auf, häufig während sportlicher Betätigung oder nachts. Die Ursache kann eine Überbeanspruchung der Muskulatur, aber auch eine Unterforderung der Muskulatur sein.

Bei starker sportlicher Betätigung verliert der Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe, die wichtig für die normale Funktion der Muskulatur sind. Dadurch können Krämpfe entstehen. Eine ausreichende Flüssigkeits- und Magnesiumzufuhr beugt Krämpfen vor.

Bei Unterforderung der Muskulatur treten besonders häufig nächtliche Wadenkrämpfe auf, da der Körper nicht genug Bewegung erfahren hat.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wadenkrämpfe nachts

Eine weitere Ursache für Wadenkrämpfe sind schlecht sitzendes Schuhwerk oder Fußfehlstellungen, die die Wadenmuskulatur überlasten können.

Auch bei der Einnahme bestimmter Medikamente wird ein vermehrtes Auftreten von Wadenkrämpfen beobachtet. Dies gilt besonders für Diuretika (entwässernde Medikamente) oder Medikamente gegen Bluthochdruck (Antihypertonika).

Lesen Sie mehr zum Thema: Krämpfe in den Beinen

Falls Sie auch unter Krämpfen in den Füßen leiden, lesen Sie hier mehr zum Thema: Krämpfe im Fuß

Wie werden Wadenschmerzen diagnostiziert?

Im ersten Schritt ist eine genaue Anamnese, besonders die Schmerzdauer der Wade, Schmerzlokalisation und das Auftreten der Schmerzen entscheidend. Dies kann erste Hinweise für die Ursache der Schmerzen geben.
Im Anschluss wird die Wade genau untersucht. Hierbei achtet der untersuchende Arzt besonders auf Zeichen einer Entzündung, beispielsweise Rötungen, Schwellungen und eine Überwärmung der Wade. Druckschmerzhaftigkeit an einer definierten Stelle kann hinweisend auf eine muskuläre Verletzung sein.

Des Weiteren wird das Blut auf eine Entzündung, Gerinnungs- und Herzerkrankung untersucht. Diese können Zeichen einer Thrombose geben. Eine spezielle Untersuchung, die Bestimmung der D-Dimere gibt schnell Aufschluss über das Vorliegen einer Thrombose. Besteht der Verdacht auf eine akute Verlegung der Gefäße, kann durch eine Ultraschalluntersuchung der Gefäßverlauf dargestellt werden und ein eventuell bestehender Thrombus wird sichtbar.
Besteht der Verdacht auf eine zunehmende Gefäßverkalkung, sollte eine invasive Darstellung der Gefäße mittels eines Katheters und Kontrastmittels (Gefäßangiographie) erwogen werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird eingesetzt, wenn der Verdacht einer Wirbelsäulenerkrankung mit ausstrahlenden Schmerzen in die Beine besteht.

Therapie von Schmerzen in der Wade

Die Behandlung der Wadenschmerzen ist abhängig von der entsprechenden Ursache. Wenn chronische Schmerzen, ausgelöst durch Fehl- oder Überbelastungen, bestehen, sollten diese durch Verhaltensänderungen und Änderung der Bewegungsmuster therapiert werden. In einigen Fällen kann es hilfreich sein, die schmerzende Muskulatur beim Sport zu dehnen, um die Muskeln zu entspannen. Im Falle akuter Muskelverletzungen, beispielsweise einem Muskelfaserriss oder einem Muskelkater, sollten die entsprechenden Muskeln geschont werden und entsprechend eine Belastungspause eingehalten werden, bis die Schmerzen vergangen sind. Salbenverbände, Bandagen oder ein Tape- Verband können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Muskulatur zu entlasten.
Besteht der Verdacht auf eine akute Thrombose, ist die Kompression sowie eine blutverdünnende Medikation notwendig. Die Therapie erfolgt zu Beginn immer stationär, bis der Thrombus sich organisiert hat und stabil besteht. So ist die Gefahr des Transports in die Lunge gemindert. Im Rahmen der Gefäßdarstellung unter Kontrastmittelgabe können die Gefäße nicht nur dargestellt, sondern auch therapiert werden.
Engstellen können mittels eines Ballons aufgedehnt werden, oder durch den Einsatz eines Stents erweitert und offen gehalten werden. In einigen Fällen reicht diese Therapie nicht aus, sodass ein Bypass gelegt werden muss.
Hierbei wird eine andere lange Vene entnommen, welche als Umgehungskreislauf für das verengte Gefäß dient. So kann die Muskulatur wieder durchblutet werden.

Allerdings reicht diese Therapie nicht auf Dauer aus, da häufig der Lebensstil entscheidend für die Prognose der Arteriosklerose ist. So gehören neben viel Bewegung auch eine Gewichtsreduktion und Nikotinkarenz zu den entscheidenden Faktoren. Wirbelsäulenerkrankungen müssen häufig operativ therapiert werden. Durch die Entlastung der komprimierten Nerven sind in der Regel die Schmerzen in der Wade rückläufig. Bei Entzündungen der Wade sollte eine antibiotische Therapie, häufig ebenfalls stationär, eingeleitet werden.

Wo können Schmerzen in der Wade auftreten?

Schmerzen an der Außenseite der Wade

Schmerzen an der Außenseite der Wade können mehrere Ursachen haben:

  • Verspannungen: Schmerzen an der Außenseite der Wade sind häufig durch Verspannungen der dort liegenden Muskulatur bedingt. Typischerweise handelt es sich bei den betroffenen Muskeln um die Peroneusmuskeln. Liegt eine solche Verspannung vor, lässt sich meist ein harter Muskelstrang an der Außenseite des Unterschenkels tasten. Ursache für die Verspannung können beispielsweise Fehlstellungen der Füße (Knick-Senk-Fuß, Plattfuß) oder auch Fehlstellungen der Beine (X-Beine, O-Beine) sein. Durch die Fehlstellungen kommt es zu pathologischen Bewegungsabläufen, die zu einer Über- und Fehlbelastung der Muskulatur führen. Diese können dann mit Verkrampfungen und Verspannungen reagieren, die sehr schmerzhaft sein können.
  • Bindegewebe, Muskelfaszie, Nerven: Ist nicht der Muskel selber Ursprung der Beschwerden, kann der Schmerz auch vom Bindegewebe oder der Muskelfaszie an der Wadenaußenseite herrühren. Durch starke Belastungen, beispielsweise bei ausgiebiger sportlicher Betätigung, können die Strukturen des Unterschenkels gereizt werden und Schmerzen verursachen. Durch Kompression von Nerven können dabei besonders unangenehme Beschwerden hervorgerufen werden, die bis in den Fuß ausstrahlen können.
  • Sonstige Ursachen: Natürlich können auch Entzündungen durch vorangegangene Verletzungen im Unterschenkelbereich Wadenschmerzen erklären. Dann finden sich in der Regel jedoch auch weitere Entzündungszeichen, wie Schwellung, Rötung und Überwärmung der betroffenen Region. Des Weiteren ist differentialdiagnostisch besonders bei vorbelasteten Patienten eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) auszuschließen. Dabei kommt es durch eine Minderdurchblutung der Muskulatur zu starken Unterschenkelschmerzen, die je nach Ausprägung des Gefäßverschlusses bereits in Ruhe oder erst bei Belastung auftreten.

Schmerzen an der Innenseite der Wade

Auch Schmerzen an der Wadeninnenseite können verschiedene Ursachen haben:

  • Verspannungen: Für Schmerzen an der Wadeninnenseite gilt prinzipiell das gleiche wie für äußere Wadenschmerzen. Bei Schmerzen an der Innenseite der Wade sind häufig der Gastrocnemiusmuskel oder die Zehenbeuger betroffen. Diese können durch starke Belastung, durch ausgiebige sportliche Betätigung oder im Rahmen von Körperfehlhaltungen überbeansprucht werden und mit Verspannungen und Krämpfen reagieren. Dies äußert sich in der Regel in ziehenden oder bohrenden Schmerzen, die bei Bewegung und Belastung stärker werden.
  • Bindegewebe, Muskelfaszie, Nerven: Auch Wadenschmerzen an der Innenseite müssen ihren Ursprung nicht unbedingt in der Muskulatur haben, sondern können auch von anderen Strukturen ausgehen. Durch starke Beanspruchung können Nerven und Bindegewebe gereizt werden, was die Beschwerden erklären kann.
  • Sonstige Ursachen: Natürlich können auch Entzündungen durch vorangegangene Verletzungen im Unterschenkelbereich Wadenschmerzen erklären. Dann finden sich in der Regel jedoch auch weitere Entzündungszeichen, wie Schwellung, Rötung und Überwärmung der betroffenen Region. Eine wichtige Differentialdiagnose ist auch hier die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), die starke Unterschenkelschmerzen bereiten kann.

Schmerzen an der Achillessehne

Schmerzen im Bereich der Wade können durch Beeinträchtigungen der Achillessehne oder der Muskeln die in die Achillessehne übergehen hervorgerufen werden. In den meisten Fällen steckt hinter diesen Schmerzen (Achillodynie) eine Verspannung in der Muskulatur der Wade. Vor allem Verspannungen im Bereich des Musculus gastrocnemius und des Musculus soleus können starke Beschwerden verursachen. Auf Grund der Tatsache, dass diese Muskeln einen großen Beitrag beim Gehen leisten kommt es vor allem unter Bewegung zu Schmerzen in der Wade.
Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass nicht die Achillessehe selbst beeinträchtigt sein muss um eine derartige Symptomatik hervorzurufen. In den meisten Fällen gehen die von den betroffenen Patienten verspürten Beschwerden vielmehr von dem die Achillessehne umgebenden Bindegewebe aus. Eine weitere Ursache für die Entstehung von Wadenschmerzen ist die Achillessehnenentzündung. Diese Erkrankung gehört zu den häufigsten Ursachen für das Auftreten von Schmerzen über der Ferse und im Bereich der Wade.
Sowohl Überbelastungen, als auch körperliche Veränderungen (beispielsweise Muskelverkürzungen) können für die Entstehung der entzündlichen Prozesse im Bereich der Achillessehne verantwortlich sein. Patienten die an einer Achillessehnenentzündung leiden verspüren in der Regel starke Schmerzen über der Ferse und an der Wade. Darüber hinaus kann es auf Grund der entzündlichen Prozesse zu Rötungen der Hautoberfläche und Schwellungen innerhalb des die Achillessehne umgebenden Gewebes kommen. Im Gegensatz zur einfachen Achillodynie treten die Schmerzen bei Vorliegen einer Achillessehnenentzündung sowohl in Ruhe, als auch unter Belastung auf.
Erkrankungen der Achillessehne die zu ausgeprägten Schmerzen im Bereich der Wade führen können entweder medikamentös oder nicht-medikamentös behandelt werden. Zur akuten Linderung der Schmerzen empfiehlt es sich ein leichtes Schmerzmittel (Analgetikum) einzunehmen. Vor allem Arzneimittel die über den Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen verfügen eignen sich besonders zur Behandlung von Schmerzen an der Ferse und im Bereich der Wade. Patienten die an einer Achillessehnenentzündung leiden sollten jedoch Ibuprofen-haltige Schmerzmittel vorziehen. Grund dafür ist die Tatsache, dass Ibuprofen sowohl über schmerzstillende, als auch über entzündungshemmende Eigenschaften verfügt. Darüber hinaus können leichte Beeinträchtigungen der Achillessehne die Schmerzen an der Wade verursachen durch Anwendung von Kinesiotapes therapiert werden.

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Schmerzen bis in die Kniekehle

Bei Schmerzen in der Wade, die bis in die Kniekehle ausstrahlen, ist häufig der Gastrocnemiusmuskel Ursprung der Beschwerden. Sein Ansatzpunkt liegt am unteren Ende des Oberschenkelknochens. Ist dieser Muskel beispielsweise durch starke sportliche Aktivität verspannt oder verkrampft, kann dies die Schmerzen verursachen. Je nach Ausmaß der Verspannung kann das Knie manchmal nicht mehr ganz gestreckt werden. Die Ursache für die Verspannung kann auch in einer Körperfehlhaltung liegen, besonders häufig ist ein Hohlkreuz die Ursache. Dabei kommt es zu einer ungünstigen Verlagerung des Körpergewichts, was zu einer Überlastung des Gastrocnemiusmuskels führt.

Wann können Schmerzen an der Wade auftreten?

Schmerzen im Ruhezustand

Bein vielen Patienten treten Schmerzen im Bereich der Wade vor allem bei körperlicher Betätigung auf. Es gibt jedoch auch Erkrankungen die typischerweise zu Schmerzen im Ruhezustand führen.
Eine mögliche Ursache für die Entstehung von Schmerzen an der Wade, die sowohl im Ruhezustand, als auch bei Bewegung auftreten können, ist die sogenannte „Phlebothrombose“ (tiefe Beinvenenthrombose, Thrombose im Bein). Unter diesem Begriff versteht man eine Erkrankung die durch den Verschluss tiefliegender Beinvenen durch ein Blutgerinnsel entsteht. Bei den an einer tiefen Beinvenenthrombose leidenden Patienten besteht die Gefahr, dass sich das Blutgerinnsel plötzlich löst und mit dem Blutstrom in Lunge oder andere Organe gelangt. In Folge dessen kann es beispielsweise zur Entstehung einer lebensgefährlichen Lungenembolie kommen. Die Thrombose in tiefen Beinvenen die zu Schmerzen in der Wade führen kann, wird durch das Zusammenspiel verschiedene Faktoren provoziert (sogenannte Virchow-Trias). Eine ausgeprägte Verlangsamung des Blutflusses spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Vor allem langes Anwinkeln der Kniegelenke (beispielsweise bei Langstreckenflügen) kann den Blutfluss entscheidend drosseln. Zudem kann eine mangelnde Blutzirkulation nach operativen Eingriffen das Risiko der Entstehung einer Beinvenenthrombose mit Schmerzen im Ruhezustand die im Bereich der Wade auftreten deutlich erhöhen.
Weitere Risikofaktoren sind die Veränderung der Blutzusammensetzung und Veränderungen beziehungsweise Schädigungen der Gefäßwände. Neben den Schmerzen in der Wade die auch im Ruhezustand auftreten können gehören die vermehrte Venenzeichnung, die Überwärmung des betroffenen Beins, die gespannte Glanzhaut, Wadendruckschmerzen (Lowenberg-Zeichen), Schmerzen in der Wade beim Fußstrecken (Hohmann-Zeichen) und Fußsohlenschmerz beim Druck auf die innere Fußsohle (Payr-Zeichen) zu den typischen Symptomen der Beinvenenthrombose.
Darüber hinaus können die betroffenen Patienten Fieber entwickeln und erhöhte Entzündungswerte im Blut aufweisen.

Die Behandlung der tiefen Beinvenenthrombose die auch im Ruhezustand zu Schmerzen in der Wade führen kann beinhaltet in der Regel drei wichtige Ziele. Sowohl die Ausbreitung des Blutgerinnsels und dessen Verschleppung, als auch die Wiederherstellung des ursprünglichen Blutflusses zählen zu den wichtigsten Behandlungszielen. Eine weitere Ursache für die Entstehung von Schmerzen in der Wade die sich auch im Ruhezustand zeigen ist der Wadenkrampf. Beim Wadenkrampf kommt es zu einer unwillkürlichen Anspannung (Kontraktion) einzelner Muskeln oder ganzer Muskelgruppen im Unterschenkel. In den meisten Fällen kommt es gerade bei Belastungssituationen zur Entstehung eines Wadenkrampfes. Oftmals berichten Personen jedoch auch davon, dass sie nachts durch einen Wadenkrampf geweckt werden, der im Ruhezustand auftritt. Typischerweise zeigen sich die durch einen Wadenkrampf hervorgerufenen Schmerzen als derart stark, dass der Schlafende vorerst keine Ruhe mehr findet. Darüber hinaus gehört die akute Verhärtung der betroffenen Muskulatur zu den typischen Symptomen des Wadenkrampfes. Zumeist ist der Wadenkrampf der auch im Ruhezustand zu Schmerzen in der Wade führen kann wird oftmals durch eine harmlose Störung im Elektrolythaushalt hervorgerufen. Diese Elektrolytverschiebungen beruhen beispielsweise auf Grunderkrankungen die zu einem erhöhten Elektrolytverlust führen. Klassische Beispiele für derartige Erkrankungen sind der akute Durchfall, Erbrechen, Diabetes insipidus und chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Zudem können verschiedene Medikamente (beispielsweise Diuretika) zu einem ausgeprägten Elektrolytmangel führen. Vor allem ein Mangel an Magnesium kann einen Muskelkrampf, der auch im Ruhezustand zu Schmerzen in der Wade führt provozieren. Neben dem Auftreten von Muskelkrämpfen weisen starke Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche, Müdigkeit und kalte Füße auf einen Magnesiummangel hin. Des Weiteren kann auch eine Überbelastung während des Tages zu Krämpfen im Ruhezustand führen.
Bei älteren Menschen besteht eine deutlich erhöhte Anfälligkeit für das Auftreten von Wadenkrämpfen. Grund dafür ist die Tatsache, dass sich die Muskulatur im Zuge des Alterns zunehmend verkürzt. Regulationsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems hingegen führen typischerweise zu Schmerzen in der Wade die bei Belastung zunehmen und im Ruhezustand deutlich nachlassen.

Schmerzen nach dem Joggen

Schmerzen in der Wade, die besonders nach dem Joggen auftreten, sind in der Regel durch eine Überbeanspruchung der Wadenmuskulatur bedingt. Diese ist beim Laufen einer starken Belastung ausgesetzt und kann mit schmerzhaften Verspannungen oder Ermüdungserscheinungen reagieren. Manchmal ist auch das Schuhwerk Ursache für die Schmerzen, wenn dieses nicht zum Joggen geeignet ist oder nicht optimal an den Läufer angepasst ist. Auch schlechte Lauftechniken mit resultierender Fehlbelastung können die Beschwerden auslösen. Auch Fußfehlstellungen, die nicht entsprechend durch orthopädische Einlagen korrigiert wurden, können die Wadenmuskulatur beim Laufen stark beanspruchen. Optimales Schuhwerk ist daher für jeden Läufer essentiell und sollte unbedingt angeschafft werden, um zusätzlich Verschleißerscheinungen in den Gelenken vorzubeugen. Durch falsche Belastung wird dauerhaft auch der Knorpel im Kniegelenk geschädigt.

Schmerzen beim Gehen oder beim Laufen

Oft liegen Muskelverletzungen zugrunde.

Bei vielen der betroffenen Patienten treten die Schmerzen im Bereich der Wade vor allem beim Gehen oder Laufen auf. In einigen Fällen persistieren diese Beschwerden auch im Ruhezustand nehmen jedoch beim Gehen oder beim Laufen deutlich an Intensität zu.
Zu den häufigsten Ursachen für die Entstehung von Schmerzen in der Wade beim Gehen oder beim Laufen gehören Muskelverletzungen (beispielsweise Zerrungen oder Muskelfaserrisse).

Unter dem Begriff „Zerrung“ (Fachwort: Distension) versteht man in der medizinischen Fachsprache den Vorgang einer Muskeldehnung die das gewöhnliche Maß überschreitet. Einfache Muskelzerrungen müssen von einem Muskelfaserriss abgegrenzt werden, da das Verletzungsausmaß bei einem Muskelfaserriss deutlich ausgeprägter ist. Im Gegensatz zur unkomplizierten Muskelzerrung lassen sich bei Vorliegen eines Muskelfaserrisses deutliche Strukturveränderungen nachweisen die sowohl zur Zerstörung einiger Muskelzellen, als auch zu lokalen Einblutungen in das Muskelgewebe führen.

Bei einem Muskelfaserriss handelt es sich um eine der häufigsten Sportverletzungen. Im Bezug auf die Symptomatik ähneln sich beiden Krankheitsbilder jedoch stark. Sowohl bei der Muskelzerrung, als auch beim Muskelfaserriss gehört ein plötzlich einschießender, starker Schmerz im Bereich der Wade der beim Gehen oder beim Laufen deutlich an Intensität zunimmt, zu den typischen Symptomen. Zudem ist die Beweglichkeit der betroffenen Körperstelle unmittelbar nach der Entstehung der Muskelverletzung deutlich eingeschränkt.

Darüber hinaus können lokale Prellungen und Blutergüsse Schmerzen in der Wade hervorrufen, die beim Gehen oder Laufen an Intensität gewinnen. Bei solchen Läsionen handelt es sich häufig um Sportverletzungen, die im Volksmund auch als Pferdekuss bezeichnet werden.

In einigen Fällen besteht für Patienten die an Schmerzen in der Wade leiden ursachenbedingt ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Herzinfarktes. In diesem Zusammenhang deuten vor allem Schmerzen in der Wade, die beim Gehen oder beim Laufen auftreten und im Ruhezustand wieder nachlassen, auf eine Durchblutungsstörung (Arteriosklerose) hin. Des Weiteren kann eine Entzündung der oberflächlichen Beinvenen zu chronischen Schmerzen im Bereich der Wade führen die den Betroffenen vor allem beim Gehen oder beim Laufen einschränken.

Schmerzen in der Nacht

In manchen Fällen werden besonders nachts die Schmerzen schlimmer.

Für die Entstehung von Schmerzen in der Wade die vor allem nachts auftreten kann es verschiedene Ursachen geben.
Viele Patienten die nachts Schmerzen in der Wade verspüren leiden am sogenannten „Restless-Legs-Syndrom“ (Synonym: ruhelose Beine, Wittmaack-Ekbom-Syndrom). Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um eine neurologische Erkrankung die sich vor allem durch Gefühlsstörungen und einen ausgeprägten Bewegungsdrang in den Waden und Füßen bemerkbar macht. Zudem leiden viele der betroffenen Patienten unter Schmerzen in der Wade und unwillkürlichen Bewegungen (Zuckungen). Gelegentlich kann ein ähnliches Krankheitsbild auch im Bereich der Arme beobachtet werden.
Das Restless-Legs-Syndrom verursacht vor allem in Zuständen der Ruhe, beispielsweise nachts, in den Waden und Füßen ein starkes Ziehen. Darüber hinaus berichtet die Mehrzahl der betroffenen Patienten von einem ausgeprägten Spannungsgefühl, Kribbeln und Schmerzen.
Die durch die neurologische Störung verursachten Symptome lösen bei den Betroffenen einen unwiderstehlichen Drang zur Bewegung aus, da das Anspannen und Dehnen der Muskulatur der Wade die Beschwerden zumindest zeitweise lindert. Obwohl die für das Restless-Legs-Syndrom typischen Symptome zu jeder Tageszeit auftreten können, berichten die meisten Patienten davon, dass die Beschwerden abends oder nachts schlimmer seien als während des Tages. Ein typisches Charakteristikum des Restless-Legs-Syndroms ist die sofortige Linderung der Symptome durch das Bewegen der betroffenen Gliedmaße. Vor allem langsames Umhergehen, Kniebeugen und periodisches Anspannen der Muskulatur der Wade kann dabei helfen die Beschwerden zu lindern. Die durch diese Erkrankung hervorgerufenen Schmerzen in der Wade können nachts dazu führen, dass der Schlaf negativ beeinflusst wird. Bei den betroffenen Patienten kann der Schlafrhythmus derart gestört werde, dass sie während des Tages unter zunehmender Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Erschöpfung leiden. Auf diese Weise kann das Restless-Legs-Syndrom und die damit einhergehenden Beschwerden nachts, auch die Psyche der Betroffenen nachhaltig beeinflussen. Die Ursache für die Entstehung dieser Erkrankung konnte bis heute nicht nachhaltig geklärt werden. Man geht jedoch davon aus, dass der Neurotransmitter Dopamin in der Krankheitsentstehung eine entscheidende Rolle spielt.
Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms richtet sich vor allem nach dem subjektiven Leidensdruck der Betroffenen. Da die Beschwerden die vor allem nachts auftreten einen ausgeprägten Schlafmangel hervorrufen und auf diese Weise psychische Leiden (beispielsweise Depressionen) hervorrufen kann, sollte das Restless-Legs-Syndrom frühzeitig behandelt werden. Mögliche Behandlungsformen reichen von der oralen Substitution von Eisenpräparaten, über die Gabe von hochpotenten Schmerzmitteln bis zur Einnahme von synthetischen Botenstoffen. Vor allem Levodopa, eine Vorstufe des Dopamins, eignet sich besonders gut zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms.

Prophylaxe von Wadenschmerzen

Leider kann nicht allen Wadenschmerzen vorgebeugt werden. Durch eine gesunde Lebensweise, viel Bewegung, das Vermeiden von Übergewicht, sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin können dazu beitragen, besonders die Schmerzen durch Gefäßerkrankungen zu vermeiden.
Um Muskelkater im Rahmen von sportlicher Aktivität zu vermeiden, kann eine regelmäßige Muskeldehnung nach dem Sport den Schmerzen vorbeugen.

Zusammenfassung

Schmerzen in den Waden können zahlreiche Ursachen haben. Diese können harmlos im Rahmen muskulärer Überbelastung auftreten, oder auch Zeichen einer Verletzung sein.
Diese Schmerzen treten in der Regel in direktem Zusammenhang mit starker sportlicher Aktivität oder einem Unfall auf. Sind die Schmerzen immer wiederkehrend, besonders nach kurzer Wegstrecke, welche bei Ruhe nachlassen, besteht der Verdacht auf eine Gefäßverkalkung. Diese kann zudem Hinweis auf weitere Verkalkungen, besonders der Herzkranzgefäße, darstellen.

Diese gehen mit einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko einher. Entzündungen, welche sich im Rahmen von Überwärmung, Schwellung und Rötung darstellen, sollten antibiotisch behandelt werden. Besteht der Verdacht einer Wirbelsäulenerkrankung, kann die Diagnose mit bildgebenden Verfahren gestellt werden.
In den meisten Fällen ist dann eine Operation notwendig. Im Rahmen der Diagnostik wird zunächst die Anamnese erhoben, und eine genaue klinische Untersuchung durchgeführt. Des Weiteren werden Laborparameter bestimmt. Die weiteren Untersuchungen, wie bildgebende Verfahren, schließen sich an. Die Therapie besteht im Allgemeinen in einer gesunden Lebensweise und viel Bewegung. Abhängig von der Diagnose können operative oder angiographische Interventionen notwendig werden. Da besonders die Gefäßverkalkungen hinweisend für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko sein können, sollten anhaltende Schmerzen der Wade ärztlich untersucht werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.03.2017
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