Pferdekuss

Definition

Pferdekuss ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Prellung im Bereich des Oberschenkels, Knies oder der Wade. Der medizinische Begriff hierfür lautet Kontusion.

Die Bezeichnung „Pferdekuss“ leitet sich wahrscheinlich von Verletzungen durch Huftritte ab, die schmerzhafte Prellungen nach sich ziehen. In manchen Regionen Deutschlands nennt man sie auch Hirsch, Eisbein oder Schenkerl. Als Pferdekuss werden meist solche Oberschenkelprellungen bezeichnet, die in Sportarten mit gewaltsamem Körperkontakt entstehen, wie etwa durch heftiges Rammen eines Gegners. Die Haut ist hierbei typischerweise intakt, da es sich um stumpfe Kräfte handelt.

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Ursachen eines Pferdekusses

Die Ursachen einer Oberschenkelprellung sind stumpfe Gewalteinwirkungen von außen. Dazu gehören Tritte, Stöße oder Stürze. Spricht man im Sport von einem Pferdekuss, ist hierbei meist ein gegnerischer Spieler involviert. Besonders in Kontaktsportarten wie Handball und Fußball und in Kampfsportarten sind Pferdeküsse häufig und geschehen akzidentell oder beabsichtigt. Die sichtbare Schwellung und der entstehende Bluterguss sind auf eine Quetschung der Muskulatur und Verletzung kleiner Blutgefäße zurückzuführen, durch die Blut in das Gewebe austritt.

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Diagnose eines Pferdekusses

Diagnostisch sind Pferdeküsse schnell als Blickdiagnose zu identifizieren, wenn man sich an die auslösende Situation erinnert. Auch bei moderatem Körperkontakt können größere Blutergüsse auftreten. Insbesondere der seitliche Oberschenkel ist hierfür empfindlich - Ursache ist die wenig nachgiebige Sehnenplatte, die ihn durchzieht, der Tractus iliotibialis.

Diagnostisch wegweisend können Vorerkrankungen und Medikamente des Betroffenen sein, welche die Empfindlichkeit für Blutergüsse steigern. Hierzu zählen Menschen mit der Bluterkrankheit oder die Einnahme von Blutverdünnern. Kann eine Verletzung als Ursache des Pferdekuss ausgeschlossen werden, sollte beim Arzt eine weitere Abklärung erfolgen.

Symptome beim Pferdekuss

Ein Pferdekuss ist sehr schmerzhaft. Die Schmerzen im Oberschenkel treten meist akut nach der Verletzung auf und können sich unter Druck oder Belastung noch verstärken. Durch die Verletzung von Gefäßen kommt es zum Austritt von Blut und Lymphflüssigkeit in das Gewebe um die betroffene Stelle und ein Bluterguss (ein sog. Hämatom) und eine Schwellung treten auf. Die Stelle erscheint zunächst gerötet und ist sehr schmerzempfindlich. Ein Pferdekuss kann die Beweglichkeit deutlich einschränken. Der Bluterguss nimmt im Verlauf der Heilung innerhalb weniger Tage unterschiedliche Farben an, ist zunächst blau, dann lila bis braun, grün und schließlich gelb.

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Behandlung eines Pferdekusses

Wie bei Prellungen üblich sollte bei einem Pferdekuss nach der sogenannten PECH-Regel vorgegangen werden.

Die sportliche Aktivität sollte sofort unterbrochen werden (Pause) und die Extremität ruhig gestellt werden. Zur Kühlung kann lokal Eis verwendet werden. Dadurch wird die Durchblutung verringert und weniger Blut sickert ins Gewebe, die Ausbreitung von Schwellung und Bluterguss wird vermindert. Ein straffer Kompressionsverband unterstützt diesen Prozess. Zuvor kann eine kühlende, antientzündliche Salbe aufgetragen werden. Dann muss das Bein hochgelagert werden, auch so wird die Durchblutung und daraus resultierende Schwellung verringert.

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Die Sportpause sollte bis zum Abheilen der Prellung eingehalten werden. Nach Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden, die die Entzündung zusätzlich eindämmen. Dazu gehört Ibuprofen oder Diclofenac, das auch als Salbe angewandt werden kann. Schmerzmittel, die stark blutverdünnend wirken, sollten nicht eingenommen werden.

Tapeverband bei einem Pferdekuss

Bei einer Vielzahl von Sportverletzungen, so auch bei Prellungen und Pferdeküssen, wird zu Tape-Verbänden geraten. Kinesiologische Tapes sind selbstklebende, elastische Tapes die nach speziellen Taping-Techniken auf die Haut aufgebracht werden. Sie sollen die Heilung der Verletzung beschleunigen, über ihre Wirksamkeit gibt es bisher keine Studien.

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Viele Ärzte, Sporttherapeuten und Physiotherapeuten setzen sie in ihrer täglichen Praxis ein, vor allem zur Prophylaxe und Therapie von Sportverletzungen oder Bewegungsschmerzen. Das Anbringen von Tapes erfordert eine spezielle Technik. Eine Selbstanwendung ist nach Anleitungen auch möglich.

Ein Tapeverband bei Pferdeküssen sieht folgendermaßen aus: Über das Schmerzzentrum wird ein Kreuz geklebt, die Enden werden sorgfältig ausgestrichen. Mit zwei weiteren Tapes wird das sternförmige Muster vollendet. Dabei kreuzen sich alle Tapestreifen im Schmerzzentrum.

Pferdekuss massieren

In der Akutphase ist von einer Massage der betroffenen Stelle unbedingt abzuraten. Massage und Druck bei einem frischen Pferdekuss erhöht die Durchblutung des Gewebes und Schwellung und Bluterguss nehmen wesentlich größere Ausmaße an. Deshalb sollte zunächst auf eine Massage verzichtet werden.

Auch im weiteren Verlauf ist die Stelle zunächst sehr schmerzempfindlich; es kommt jedoch häufig nach Prellungen zu Verspannungen und Verhärtungen des Muskels. Diese können durch sanftes Streichen und Massieren gelockert werden. Der behandelnde Arzt oder Physiotherapeut kann beurteilen, wann eine Massage in der Heilungsphase anzuraten ist.

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Dauer eines Pferdekusses

Wie lange die Heilungsphase der Prellung andauert, ist abhängig vom Ausmaß der Verletzung. Je ausgeprägter der Pferdekuss war, desto länger dauert die vollständige Ausheilung. Zudem ist die Heilungsdauer davon abhängig, wie sorgfältig die Sportpause und heilungsunterstützende Maßnahmen durchgeführt werden.

Es ist völlig natürlich, dass sich die Farbe des Blutergusses innerhalb weniger Tage verändert: Dies hängt mit dem Abbau des roten Blutstoffes, des Hämoglobins, zusammen. Bei zügiger Regeneration ohne weitere Belastung und regelmäßiger Nachsorge sollte der Pferdekuss innerhalb von zwei bis drei Wochen verheilt sein. Der sichtbare Bluterguss kann trotz weiterhin bestehender Schmerzen vorzeitig verschwunden sein. Auch dann sollte weiterhin eine Sportpause eingehalten werden.

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Lokalisierung des Pferdekusses

Pferdekuss am Oberschenkel

Von einem Pferdekuss häufig betroffen ist der Oberschenkel, da dieser häufig von Verletzungen durch Tritte oder Stöße bei Kontaktsportarten betroffen sind. Die Oberschenkelmuskulatur ist großflächig und seitlich durch eine sehnige Platte verstärkt, die ihn spannt und somit wenig nachgiebig für gewaltsame Stöße macht. Aus dieser hohen Empfindlichkeit resultieren häufig großflächige Blutergüsse, die sich über die komplette Seite ausbreiten können.

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Eine Verletzung der Oberschenkel ist sehr schmerzhaft, besonders bei Bewegungen in der Hüfte, da hierdurch die Sehnenplatte, der Tractus iliotibialis, zusätzlich gespannt wird. Nach einer Verletzung sollte man auf sportliche Aktivitäten verzichten, zu Beginn kann sogar das Laufen schmerzhaft sein.

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Pferdekuss an der Wade

Wirkt stumpfe Gewalt auf die Wade ein, können auch hier Prellungen mit Blutergüssen entstehen. Es handelt sich hierbei um eine typische Verletzung beim Fußball.

Es kommt zur Schwellung der betroffenen Stelle und Wadenschmerzen. Besonders das Dehnen der Wade ist schmerzhaft. Auch hier sollte nach den Schritten der PECH-Regel verfahren werden: Sportpause, zunächst Kühlung, Kompression und Hochlagern der Extremität. Bei Bedarf können schmerzhemmende Medikamente eingenommen werden, weniger empfohlen sind stark blutverdünnende Schmerzmittel wie ASS.

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Pferdekuss am Knie

Durch gewaltsame Tritte, Stöße oder Stürze kann es auch an Gelenken zu einem Pferdekuss kommen. Zu den häufigsten Verletzungen gehört hierbei die Knieprellung. Blutgefäße und Lymphbahnen werden gequetscht und zerrissen; es kommt zum Austritt von Flüssigkeit. Dieser führt zur Knieschwellung; gegebenenfalls bildet sich ein Gelenkerguss im Knie aus, der bei Mobilisation zu starken Schmerzen führen kann.

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Auf eine Belastung des Gelenks sollte verzichtet werden, selbst Gehen kann zu starken Schmerzen führen. Wie bei allen Prellung wird zunächst gekühlt, ein Kompressionsverband angelegt und das Bein hochgelagert. So wird die Durchblutung im Gelenk verringert und weniger Blut und Lymphflüssigkeit treten aus den verletzten Gefäßen in das umliegende Gewebe aus.

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Da Kniegelenksverletzungen sehr schmerzhaft sind, können nach Bedarf Schmerzmittel eingenommen werden. Es gibt eine Vielzahl anderer Verletzungen, die zu Knieschmerzen führen können, so etwa die Bandverletzung im Kniegelenk. Der Arzt kann durch eine sorgfältige Anamnese die Diagnose stellen, dabei ist es vor allem wichtig die auslösende Situation, also die Krafteinwirkung von außen oder die Bewegung, die zum Schmerz geführt hat, ausführlich zu beschreiben.

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Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.04.2018
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