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Wie behandelt man einen Bluterguss?

Einleitung

Synonyme: Blauer Fleck, Hämatom

Blutergüsse können im Zuge von Stoßverletzungen entstehen. Dabei kommt es zu einer Einblutung aus kleinen bis größeren in das Gewebe. Dies ist grundsätzlich nichts Schlimmes und stellt sich bei kleineren Geschehen als ein blauer Fleck dar, der sich über die nächsten Wochen in Richtung grüngelb verfärbt und langsam zurückbildet.

Bei größeren Blutergüssen kann es sein, dass diese sich nicht von selber zurückbilden und dass man mit verschiedenen Mitteln und Verfahren nachhelfen muss. Bei Personen mit Blutungsneigung, zum Beispiel durch gerinnungshemmende Medikamente (Heparin, Xarelto® oder Marcumar®) oder bei Hämophilie, können die Blutergüsse sehr groß werden und müssen gegebenenfalls durch einen Arzt kontrolliert und behandelt werden.

Grundsätzlich gilt aber, dass wenn keine Risikofaktoren vorhanden sind, der Bluterguss meist von selber wieder verschwindet.

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Allgemeine Behandlungsmlöglichkeiten

Für die Behandlung eines Blutergusses gilt allgemein die sogenannte P-E-C-H Regel.

  • Das P steht für Pause. Es ist wichtig, dass die betroffene Stelle erstmal nicht weiter belastet wird und der Betroffene mit seiner Tätigkeit pausiert.
  • Das E steht für Eis. Es hilft, wenn, idealerweise sofort, gekühlt wird. Dadurch kann der Verlauf des Blutergusses verbessert werden.
  • Das C steht für Kompression, aus dem Englischen "compression". Gemeint ist damit, dass stützende bzw. komprimierende Verbände angelegt werden. Diese führen im besten Falle dazu, dass weniger Blut an der betroffenen Stelle ins Gewebe austritt und dass es schneller wieder abfließt. Diese Verbände bieten sich zum Beispiel zusammen mit Heparin-, Voltaren- und auch Arnika-Salben an.
  • Der letzte Buchstabe das H steht für Hochlagern. Wenn zum Beispiel das Bein betroffen ist, heißt das im praktischen Bespiel, dass das Bein über längere Zeit auf einen Stuhl oder die Couch hochgelegt wird. Sinn dahinter ist, dass der Blutdruck, der sonst im Stehen im Bein herrscht, durch das Liegen reduziert wird, und so weniger Blut aus den defekten Gefäßen in den Erguss gepresst wird. Zusätzlich kann das Blut so auch besser aus dem Bein und dem Bluterguss abfließen.

Über die nächsten Wochen sollte sich der Erguss dann zurückbilden. Wenn dies nicht der Fall ist und sich ein abgekapselter Erguss bildet, kann mit Stoßwellentherapie und operativer Entfernung weitertherapiert werden. Dies ist aber nicht der Regelfall.

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Behandlung mit Heparin-Salbe

Eine hilfreiche Salbe zur Behandlung von Blutergüssen ist eine Heparin-Salbe. Heparin ist ein medikamentöser Wirkstoff, der in den Prozess der Blutgerinnung eingreift. Wenn das Heparin als Salbe auf einen Bluterguss aufgetragen wird, zieht es in die Haut und das Gewebe ein. Hier verhindert es, dass der Bluterguss sich von einem flüssigen in einen festen Zustand umbaut. Zudem sorgt das Heparin dafür, dass der Bluterguss schneller abgebaut wird. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass eine bessere Durchblutung des Gewebes bewirkt wird.

Im Idealfall verschwindet der Bluterguss so schneller. Bei manchen Blutergüssen und Patienten wirken Heparin-Salben gut, bei anderen weniger bis gar nicht. Von Expertenseite her gibt es zu dem Thema Heparin-Salben ebenfalls unterschiedliche Meinungen. Von manchen Seiten her hießt es, dass das Heparin erst gar nicht durch die Haut gelangt und daher nicht wirkt. Andere Meinungen gehen in die Richtung, dass es das Heparin sehr wohl gut wirkt.

Prinzipiell kann man sagen, dass es auf jeden Fall eine Möglichkeit ist, die Behandlung mit einer Heparin-Salbe zu probieren. Es gibt viele Hersteller auf dem Markt. Hier muss nicht unbedingt die teuerste Marke verwendet werden.

Behandlung mit schmerzstillenden Salben

Ein Bluterguss sieht meist nicht nur unangenehm aus, sondern fühlt sich oft auch so an. Je nach Stärke der Verletzung verursacht der Bluterguss nur Beschwerden, wenn man ihn versehentlich berührt oder bewusst auf in drückt.
In anderen Fällen macht er sich auch Ruhe oder bei alltäglichen Bewegungen bemerkbar. Hier kann die Nutzung von Ibuprofen oder Voltaren®  in Salbenform helfen. Durch den enthaltenen Wirkstoff wird lokal an der Stelle die Ausschüttung von schmerzfördernden Mediatoren (Überträgerstoffen) reduziert, das bedeutet Schmerzlinderung. Zudem wird dadurch auch die Heilung beschleunigt.

Für diese Salben gibt es unterschiedlichste Anbieter, die sich in ihrer Wirksamkeit überbieten wollen. Grundsätzlich gilt hier, dass aber auch schon das billigere Präparat aus der Apotheke helfen kann. Anschließend kann bei Nicht-Wirken immer noch ein teureres Präparat probiert werden.
Auch hier gehen die Experten Meinungen über die Wirksamkeit auseinander. Die Frage ist, ob die Wirkstoffe überhaupt in ausreichender Menge durch die Haut gelangen und an dem Bluterguss wirken.
Bei akuten Schmerzen in den ersten Tagen empfiehlt es sich aber auf jeden Fall eine der verschiedenen Salben auszuprobieren. Bei stärkeren Schmerzen kann sonst über einen kürzeren Zeitrahmen auch Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol in Tablettenform genutzt werden. Dies sollte aber die Ausnahme bleiben.

Behandlung eines Blutergusses nach einer OP

Im Zuge einer Operation kommt es nicht immer, aber häufig zu kleineren bis größeren Blutergüssen. Je nach dem, welcher Eingriff und nach welchen Verfahren operiert wird, werden Schnitte gesetzt und Gefäße verletzt. Dabei kommt es zu Einblutungen in umliegendes Gewebe oder die Körperhöhle. An der Stelle, wo der Schnitt gesetzte und nach der OP genäht oder getackert wurde, können kleine Blutergüsse entstehen.

Nach einer größeren Operation (z.B. Hüftgelenks-OP) kann es sein, dass es in eine Muskelloge einblutet, und dass sich der Bluterguss auch über längere Strecken (z.B. den Oberschenkel oder Unterschenkel) ausdehnt.
Das ist aber im Regelfall nicht gefährlich. Der Bluterguss kann mit Heparin-Salben, Kälte und Hochlagern meist gut behandelt werden.

Eine Ausnahme bildet das Kompartment-Syndrom, dabei baut sich in einer Muskelloge großer Druck auf, der  Nerven und Gefäße quetscht und starke Schmerzen verursacht. Hier muss sofort eine ärztliche Behandlung erfolgen, um bleibende Schäden zu verhindern
Ansonsten gilt: Wenn sich der Bluterguss über mehrere Wochen nicht zurückbildet und Beschwerden in Gelenken macht, muss gegebenenfalls eine operative Beseitigung in Betracht gezogen werden.

Neben äußerlichen Blutergüssen, können auch Ergüsse im Bauchraum entstehen, die von außen nicht sichtbar sind und nur mit bildgebenden Verfahren dargestellt werden können. Je nach dem wo diese liegen, besteht hier die Gefahr der Entzündung oder auch dem Abdrücken von Gefäßen oder anderen Strukturen. Anhand von Ultraschall, MRT oder auch CT, kann hier seitens der Chirurgen aber eingeschätzt werden, ob der Bluterguss entfernt werden muss oder ob abgewartet werden kann.

Behandlung mit Hausmitteln

Als Hausmittel sind verschiedenste Kräuter, Wickel und Umschläge bekannt, die die Ausheilung eines Blutergusses vorantreiben sollen.

Neben dem Kühlen mit Eis oder Cool-Packs, sind Quarkwickel eine gut funktionierende Alternative.
Weiterhin scheinen lauwarme Bäder mit Arnikaessenz, das Einreiben mit Brandwein, Umschläge mit Tonerde getränkten Wickeln, Petersilie-, Butter- und Zwiebelumschläge bei Blutergüssen zu helfen. Ein häufig erwähnter Stoff ist Arnika. Es kann zum einen als Salbe und zum anderen als Globuli verwendet werden.

Eine weitere hilfreiche Pflanze aus der Natur ist der Beinwell, der Gerbstoffe enthält, die die Entzündung bekämpfen und die Durchblutung anregen.
In vielen Hausapotheken findet sich außerdem Pferdesalbe. Dies ist eigentlich eine Salbe für die Regeneration von Muskeln von Pferden, welche verschiedenste Stoffe, wie Menthol oder auch Rosmarin enthält.
Eine weitere Gruppe von Helfern aus der Hausapotheke sind die Schüssler-Salze. Hier bieten sich verschiedene Salze mit unterschiedlichen Wirkweisen an um die Abheilung von Blutergüssen zu fördern.

Eignet sich Wärme oder Kälte zur Behandlung?

Wenn der Bluterguss gerade entstanden ist, sollte schnellstmöglich mit Kälte behandelt werden. Dazu bieten sich kalte Wickel, Cool-Packs oder Eis an. Wichtig ist hier, dass die Kälte nicht direkt auf die Haut kommt, sondern beispielsweise ein Handtuch dazwischenliegt, da sonst Erfrierungen auftreten könnten. Durch die Kälte werden die Blutgefäße an der betroffenen Stelle enggestellt und es tritt nicht so viel Blut ins Gewebe ein.
Beim Kühlen sollte zwischendurch immer wieder pausiert werden, zum Beispiel alle 20 Minuten.

In den folgenden Tagen können sich warme Umschläge anbieten, durch die die Durchblutung der Stelle und der Abbau des Blutergusses gefördert werden soll.

Behandlung eines Blutergusses am Knie

Ein Bluterguss am Knie, entstanden durch ein Trauma oder eine Operation, kann für den Patienten sehr schmerzhaft sein. Die Schonung und Kühlung des Knies ist von Anfang an sehr wichtig. Es sollten zunächst keine weiteren Belastungen und Bewegungen ausgeführt werden.

Im Normalfall bildet der Körper Enzyme, die den Bluterguss abbauen. Zusätzlich kann dies natürlich durch Salben unterstützt werden. Weiterhin kann mit verschiedenen Taping-Varianten die Abheilung beschleunigt werden.
Eine zusätzliche Möglichkeit liegt der in der Punktion des Kniegelenks. Dabei wird mit Spülen und Absaugen versucht, den Bluterguss aus dem Knie zu entfernen.

Wenn sich trotz all dieser Maßnahmen keine Besserung einstellt, kann eine Arthroskopie des Kniegelenks erfolgen. Hier kann per Kamera genau beurteilt werden, ob die Problematik durch den Bluterguss oder vielleicht durch eine Begleitverletzung verursacht ist. Mit diesem Verfahren können auch direkt Schäden behandelt werden.

Lesen Sie mehr dazu unter: Gelenkerguss am Knie, Bluterguss am Knie

Behandlung eines Blutergusses am Oberschenkel

Blutergüsse am Oberschenkel entstehen häufig durch Sportverletzungen oder bei älteren Menschen durch Stürze. Die Blutergüsse sehen oft groß und unangenehm aus. Hier bietet sich die Nutzung von Heparin- und Voltaren-Salben an. Zusätzlich ist es wichtig, dass das betroffene Bein in den ersten Tagen hochgelegt und gekühlt wird, damit sich der Erguss nicht verschlimmert.

Sollte der Erguss zu Sensibilitätsausfällen führen oder sich vergrößern, weiter Richtung Knie wandern und nicht abklingende Schmerzen mit sich ziehen, dann sollte der Hausarzt aufgesucht werden, um schwerwiegendere Begleitverletzungen auszuschließen.

Behandlung eines Blutergusses im Auge

Ein Bluterguss im Auge baut sich meist von selbst wieder ab.
Da aber von außen nicht ersichtlich ist, wie groß der Erguss ist bzw. ob relevante Strukturen geschädigt sind und ob der Sehnerv betroffen ist, ist das Aufsuchen eines Augenarztes wichtig. Dieser kann per Ultraschall  eine genauere Beurteilung durchführen.

Bei behandlungsbedürftigen Blutergüssen, werden kleinste Schnitte gesetzt um das Blut abfließen lassen zu können. Dies geschieht mit minimal-invasiven Methoden und hinterlässt keine bleibenden Schäden oder sichtbaren Narben.

Siehe auch unter: Bluterguss im Auge

Behandlung eines Blutergusses im Ohr

Ein Blutererguss an beziehungsweise in der Ohrmuschel sollte ärztlich behandelt werden. Wenn der Erguss zu lange besteht, können nicht mehr alle Anteile der Ohrmuschel ausreichend durchblutet werden und Gewebe stirbt ab.

Mit einer sterilen Nadel wird in den Bluterguss gestochen, damit das Blut herausläuft und die Durchblutung des restlichen Gewebes wieder gewährleistet ist. Bei kleinen Ergüssen und nach einer Inzision sollte ein Druckverband angelegt werden. Bei größeren Blutergüssen am Ohr, muss eventuell ein größeres Fenster geschnitten werden, damit der Erguss ablaufen kann.

Eine Untersuchung der Hörleistung sollte idealerweise erfolgen damit Schäden am Innenohr, die im Zuge des Unfalls oder Schlages entstanden sein könnten, ausgeschlossen werden können.

Mehr dazu finden Sie hier: Bluterguss am Ohr

Wie lange sollte man einen Bluterguss behandeln?

Die Dauer der Behandlung eines Blutergusses hängt stark von der Größe und dem Ausmaß des Blutergusses ab. Bei kleineren blauen Flecken heilen diese oft in wenigen Wochen (1-2 Wochen) aus. Größere Blutergüsse, die zum Beispiel durch heftigere Stoßverletzungen an den Beinen, bei Einnahme von Gerinnungshemmern oder nach Operationen entstanden sind, brauchen manchmal mehr als 4 Wochen um komplett auszuheilen.

Lesen Sie hierzu auch Dauer eines Blutergusses

Wann ist eine OP notwendig?

Die Operation eines Blutergusses ist dann notwendig, wenn die Gefahr besteht, dass er zum Absterben (Nekrose) der betroffenen Körperregion führt. Damit ist zum Beispiel das Kompartment-Syndrom gemeint.

Ein Kompartment ist eine durch Bindegewebe abgegrenzte Muskelloge. Die häufigste Stelle von Blutergüssen, bei denen ein solches Problem auftritt, ist der Unterschenkel. Bei einem Trauma kann es zu Einblutungen in diese Muskelloge kommen. Durch den Bluterguss kommt es zu einer Druckerhöhung in der Muskelloge und Gewebe wird geschädigt. Problematischer ist auch, dass Arterien ebenfalls abgedrückt und weiter Richtung Fuß liegende Strukturen nicht mehr versorgt werden und möglicherweise absterben. Neben starken Schmerzen, macht sich das Kompartment durch ein steinhartes Bein bemerkbar. In diesem Fall muss schnellstens eine Faszienspaltung durchgeführt werden. Dabei wird die Muskelloge aufgeschnitten, so dass das Blut entweichen und der Druck sinken kann. Ein Kompartment durch einen Bluterguss kann aber auch an anderen Körperstellen, wie dem Arm auftreten.

Weitere Indikationen für eine Operation eines Blutergusses sind, wenn dieser zu nah an Gelenken liegt oder, wenn durch ihn Nervenstrukturen abgedrückt werden (z.B. an der Wirbelsäule oder im Kopfbereich).

Sonst kann eine Operation nötig sein, wenn es sich um einen sehr großen Bluterguss handelt, da diese sich manchmal abkapseln. Dann ist eine Ausräumung des Blutergusses möglich.
Wenn der Bluterguss einfach zu lange bleibt und nicht besser wird, sollte durch einen Arzt ausgeschlossen werden, dass sich der Erguss infiziert hat, dass eine Anbindung zu einem größeren Gefäß besteht oder auch das weitere Verletzungen an Knochen vorhanden sind.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.04.2018
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