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Die Oberschenkelprellung

Definition

Eine Prellung wird in der Medizin auch als Kontusion bezeichnet. Es handelt sich um eine Verletzung durch einen Stoß, Tritt, Sturz oder andere gewaltsame Einwirkung von außen. Sichtbare Verletzungen können fehlen, häufig kommt es allerdings zur Entstehung von Blutergüssen, Schmerzen und Schwellungen der betroffenen Stelle, weil dabei kleinere Gefäße und Kapillaren kaputt gehen und es dadurch zum Austritt von Flüssigkeit und Blut in das umliegende Gewebe kommt.

Äußere Verletzungen wie Aufschürfungen, Wunden und der Austritt von Blut gehören per se nicht zur Definition einer Oberschenkelprellung. Eine Prellung ist nichts Gefährliches, kann aber durchaus sehr schmerzhaft und störend sein. Besonders der seitliche Oberschenkel ist durch die Sehnenplatte, die die Hüfte verspannt, wenig nachgiebig und Prellungen besonders schmerzhaft und ausgedehnt.

Ursachen

Eine Oberschenkelprellung kann grundsätzlich bei allen möglichen Tätigkeiten entstehen. Sehr häufig kommt es zu einer Prellung bei Unfällen, Stürzen und Sportarten mit Körperkontakt oder hohen Geschwindigkeiten. Doch auch im Alltag kann eine Prellung entstehen, z.B. bei einfach Stößen an Türen oder Gegenständen. Jede Situation, bei der eine Kraft punktuell oder auf einer größeren Fläche auf den Oberschenkel einwirkt, kann eine Oberschenkelprellung bewirken.

Zu den möglichen Ursachen für die Entstehung von Oberschenkelprellungen gehören zum Beispiel Sturzereignisse oder Kollisionen mit einem Hindernis. Einige Sportarten haben ein hohes Sturzrisiko und Oberschenkelprellungen sind häufig, wie etwa Reiten, verschiedene Ballsportarten wie Handball und Fußball und Wintersportarten. Auch beim Kampfsport treten sie häufig auf.
Blaue Flecken werden beim Poledance als „pole kisses“ bezeichnet, je nach Heftigkeit können hier auch Prellungen auftreten.

Prellungen können auch Folgen körperlicher Gewalt sein und durch Stöße oder Tritte hervorgerufen werden. Misshandlungen und körperliche Auseinandersetzungen können Prellungen verschiedener Bereiche nach sich ziehen.

Oberschenkelprellung nach einem Sturz

Bei einem Sturz sind Prellungen am Oberschenkel eine sehr häufige Problematik. Prädestiniert sind hier beispielsweise Rad- oder Motorradfahrer. Bei Stürzen mit hoher Geschwindigkeit treten neben kritischeren Verletzungen auch weniger problematische Schürfwunden und Prellungen auf. Oberschenkelprellungen treten auch bei älteren und gebrechlichen Personen auf. Hier entstehen diese durch Stürze beim Gehen oder aus dem Bett. Diese Personengruppe zeigen die Oberschenkelprellungen oft im Bereich des Hüftkopfes (Außenseite des Oberschenkels). Diese Stürze sind nicht zu unterschätzen, da neben den Prellungen auch Frakturen auftreten können.  Daher gilt die Faustregel, dass ältere Menschen nach Stürzen auf den Oberschenkel und die Hüfte einem Arzt vorgestellt werden sollten.

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An diesen Symptomen erkennen Sie eine Oberschenkelprellung

Die Symptome einer Oberschenkelprellung sind je nach Ausmaß des Sturzes oder der aufgetretenen Gewalteinwirkung unterschiedlich stark. Typischerweise gehört die Beschreibung eines schmerzhaften Ereignisses durch den Patienten dazu.

Kurze Zeit nach dem Ereignis benennen die Betroffenen starke Schmerzen an der betroffenen Stelle. Über die nächsten Stunden bis Tage entsteht meist ein Bluterguss, der von rot über blau über schwarz bis hin zu gelb und grün die Farbe wechselt. Dies begründet sich im Abbau des Blutfarbstoffes Hämoglobin, welches über verschiedene Zwischenprodukte abläuft. Sie werden auch als blaue Flecken, Hämatome oder Prellmarken bezeichnet.

Blutergüsse entstehen durch Quetschung der Muskulatur, wobei Gefäße verletzt werden und Blut und Lymphflüssigkeit ins Gewebe austreten. Dies bedingt auch die entstehende Schwellung. Diese kann sehr schnell auftreten und über mehrere Tage andauern. Einströmende Zellen des Immunsystems erhöhen die Schmerzempflindlichkeit und sind am Entzündungsprozess beteiligt.

Bei Prellungen an Gelenken oder Muskelursprüngen und -ansätzen kann es zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen bei Sport und Belastung kommen, da der Muskel sich verhärtet und so die Funktionsfähigkeit eingeschränkt wird. Grundsätzlich können die verschiedenen Symptome sehr ausgeprägt oder auch nur schwach sein. Dies hängt von der Kraft und der Fläche der Einwirkung ab.

Bluterguss bei Oberschenkelprellung

Ein Bluterguss wird medizinisch als Hämatom bezeichnet, im Volksmund auch als „blauer Fleck“. Er kann Folge einer Prellung oder anderen Verletzung sein: Zugrunde liegt die Schädigung von kleinen Gefäßen, bei denen Blut ins umliegende Gewebe austritt. Blutergüsse treten häufig nach Sportverletzungen, Tritten, Stürzen oder Schlägen auf, können also auch Folge von körperlichen Auseinandersetzungen sein. Auch nach der Blutabnahme und nach Operationen treten Blutergüsse auf.
Dabei sind manche Menschen empfindlicher und bekommen schneller Hämatome, in seltenen Fällen liegt hier eine erblich bedingte Erkrankung zugrunde (Hämophilie). Eine Neigung zu Blutergüssen nach Bagatellverletzungen weisen auch Patienen auf die mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden. Treten Blutergüsse ohne sichtlichen Zusammenhang auf, ist ein Arztbesuch anzuraten um andere Ursachen auszuschließen wie etwa eine Erkrankung des Knochenmarks. Nach einer Oberschenkelprellung ist es jedoch völlig normal, dass ein begleitender Bluterguss auftritt, sodass hierbei zunächst nicht an eine andere Grunderkrankung gedacht werden muss.

Blutergüsse heilen meist in zwei bis drei Wochen ab und machen dabei verschiedene Verfärbungen durch: Dies lässt sich durch den Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im verletzen Bereich erklären. Zunächst sind Hämatome rot, verfärben sich dann dunkel bis braun-schwarz, um schließlich gelb und grün zu werden. Eine Ausbreitung des Blutergusses lässt sich durch sofortige Kühlung nach Verletzung eindämmen.

Für allgemeine Informationen zu diesem Thema lesen Sie auch unsere Seite: Bluterguss.

Schmerzen bei einer Oberschenkelprellung

Das Auftreten von Schmerzen gehört zu einer Oberschenkelprellung dazu. Bei der direkten Einwirkung gibt es meist ein starkes sofortiges Schmerzgefühl, wie z.B. einem Pferdekuss. Die Betroffenen haben oft das Gefühl, den Oberschenkel nicht mehr bewegen zu können. Dieser starke Schmerz geht im Idealfall nach wenigen Minuten zurück. Über die folgenden Tage verbleibt oft ein drückendes Schmerzgefühl zurück. Je nach Ausmaß der Prellung kann sich dieser Zeitraum auch länger hinziehen. Sollten die Schmerzen unerträglich sein, nicht abklingen oder stärker werden, besteht die Möglichkeit, dass eine komplexere Verletzung vorliegt. In diesem Fall sollte der Haus- oder diensthabende Breitschaftsarzt kontaktiert werden.

Ist eine Prellung auch ohne Bluterguss möglich?

Ein Bluterguss ist typisch für eine Oberschenkelprellung und entsteht dadurch, dass kleinere Gefäße verletzt werden und Blut und Flüssigkeit ins Gewebe austreten. Es muss aber nicht bei jeder Prellung ein Bluterguss auftreten. Dies hängt vom Ort und der Kraft des Ereignisses ab. So löst z.B. ein „Pferdekuss“ beim Fußball oft einen Erguss aus, während beispielsweise das Anschlagen an einer Autotür folgenlos bleibt.

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor liegt bei den Betroffenen selbst. Viele Personen bekommen schon bei kleineren Krafteinwirkungen Blutergüsse, ohne dass diese überhaupt wahrgenommen werden. Bei vielen Frauen treten z.B. schnell kleinere Blutergüsse an den Beinen auf. Auch bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente nehmen, treten Blutergüsse verstärkt auf. Anderseits gibt es auch Patienten, die weniger schnell Blutergüsse bekommen.

Behandlung/ Was tun?

Im Normallfall verläuft die Behandlung einer Oberschenkelprellung konservativ. Es sollte nach der sogenannten PECH-Regel gearbeitet werden: 

  • Zunächst ist eine Pausierung (P) der Tätigkeit angesagt.
  • Zentral ist die Nutzung von Eis (E) bzw. Kälte als Mittel, um der Schwellung und dem Bluterguss entgegen zu wirken. Neben der regelmäßigen Nutzung im Verlauf der Abheilung kann die Anwendung von Kälte direkt nach dem Ereignis den Verlauf enorm verbessern. Hier bietet sich Kältespray an. Dadurch werden Gefäße sofort enggestellt und die Ausschüttung von Schmerztransmittern reduziert. Von einer dauerhaften und direkt auf der Haut angewandten Kältetherapie sollte zur Verhinderung von Erfrierungen abgesehen werden.
  • Weiterhin kann durch Kompression (C) des Oberschenkels einer Schwellung und einem starken Bluterguss entgegenwirken.
  • Der letzte Schritt der PECH-Regel lautet Hochlagern (H). Dadurch befindet sich das Bein auf einer Höhe mit dem Herz und das Blut „versackt“ nicht in den Beinen. Dadurch wird weniger Blut und Flüssigkeit durch die verletzen Gefäße und Kapillaren gepresst.

Allgemeine Informationen zur Behandlungsart finden Sie hier: Die PECH-Regel

Die Behandlung der Schmerzen erfolgt meist mit leichten Schmerzmedikamenten, wie Ibuprofen. Zusätzlich können lokale Schmerz- oder Heparinsalben die Schmerzen lindern und die Abheilung des Blutergusses verschnellern. In selten Fällen kann ein Bluterguss abgekapselt werden. Dann entsteht eine bindegewebige Wand um den Bluterguss herum. Sollte dem so sein, muss gegebenenfalls eine operative Ausräumung des Blutergusses durchgeführt werden. Dies gehört aber nicht zum regulären Verlauf einer Oberschenkelprellung.

Kinesio-Tape

Oberschenkelprellungen gehören zu den vielfältigen Anwendungsbereichen von Kinesio-Tapes. Es handelt sich hierbei um ein elastisches, selbstklebendes Tape (Band), welches nach den Prinzipien des Kinesiologie in verschiedenen Techniken auf die Haut aufgebracht wird. Kinesio-Tapes finden Anwendung in der Prophylaxe aber auch Behandlung von Sportverletzungen oder in der Schmerzmedizin. Es wird von einer Vielzahl von Ärzten und Physiotherapeuten angewandt.

Bislang gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Ergebnisse oder Studien zur Wirksamkeit von Kinesio-Tapes. Hypothesen zur Wirkweise sind zum Beispiel eine Verbesserung der Durchblutung, Aktivierung von Selbstheilungskräften und über Haut vermittelte Reizung.

Es gibt verschieden Taping-Techniken, die man selbst anwenden kann. Bei Oberschenkleprellungen wird zunächst ein Kreuz über die betroffene Stelle geklebt, das Schmerzzentrum liegt in der Mitte. Zwei weitere Tapes vollenden die sternförmige Formation. Es kann ein horizontal geklebtes Tape über den Bluterguss gelegt werden. Eine andere Möglichkeit legt den Fokus auf die Förderung des Lymphabflusses. Hierbei werden nach kranial (oben) gefächerte Tapes auf den Bluterguss zusammenlaufend geklebt. Hier ist eine genauere Kenntnis über den Verlauf von Lymphbahnen wichtig.

Diagnose

Die Diagnose einer Prellung stellt sich in den meisten aller Fälle klinisch, Das heißt, dass der Arzt nicht auf weitere diagnostische Methoden zurückgreift. Ein schmerzhaftes Ereignis in der Anamnese reicht meist schon als Hinweis auf eine Prellung. Hier wird die auslösende Ursache hinterfragt. Durch Palpation (Abtasten) und Inspektion (Anschauen) kann die Diagnose dann sichergestellt werden. Sollte ein schlimmerer Sturz oder Ähnliches beschrieben werden, bieten sich eine genauere Untersuchung an, um potentiell gefährliche Krankheitsverläufe, wie z.B. größere Einblutungen oder Frakturen ausschließen zu können.

Dies ist vor allem bei älteren Personen wichtig, da hier durch eine ungenaue Beschreibung des ursächlichen Ereignisses Komplikationen übersehen werden könnten. Bei länger andauernden Prellungen mit Schwellung und Bluterguss kann eine Ultraschalluntersuchung des Oberschenkels eine genauere Darstellung ermöglichen.

Eine Prellung zeichnet sich durch heftige, dumpfe Schmerzen meist unmittelbar nach der Gewalteinwirkung aus. Druck verstärkt die Schmerzen zusätzlich. Typisch sind Blutergüsse, Rötung und Schwellung der betroffenen Körperregion.
Dabei muss die Prellung von Zerrungen und Verstauchungen abgegrenzt werden.

  • Zerrungen sind schmerzhafte Überdehnung von Sehnen und Muskelfasern
  • Verstauchungen betreffen Bänder von Gelenken

Lesen Sie dazu auch unsere Seite Oberschenkelzerrung.

Dauer einer Oberschenkelprellung

Eine Oberschenkelprellung heilt im regulären Verlauf innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen aus. Hat nur ein kleines Ereignis stattgefunden, wie z.B. das Anstoßen an einem Möbelstück, ist von einem Verlauf von wenigen Tagen auszugehen. Handelt es sich jedoch um eine größere Prellung mit starker Schwellung und Bluterguss können auch noch nach zwei Wochen Auswirkungen zu spüren und zu sehen sein.

Es ist unabdingbar, das betroffene Bein bis zur vollständigen Genesung ruhigzustellen.
Die Heilung kann durch auftragen von antientzündlichen und schmerzstillenden Salben unterstützt werden. Im Allgemeinen heilen die Beschwerden nach einigen Tagen wieder ab. Mit dem Training sollte erst bei vollständiger Schmerzfreiheit begonnen werden, die Intensität sollte langsam erhöht werden um einer erneuten Verletzung vorzubeugen.

Vor allem der Bluterguss kann über die verschiedenen Phasen des Abbaus des Hämoglobins (Blutfarbstoff) lange sichtbar sein. Dabei verändert dieser seine Farbe von rot und blau in den ersten Stunden und Tagen über lila und braun im weiteren Verlauf zu grün und gelb in den nächsten Wochen. Die Schmerzen sollten nach wenigen Tagen abgeklungen sein. Das Auftreten von leichtem Druck- oder Belastungsschmerz ist auch nach ein bis zwei Wochen noch als normal zu bewerten.

Ein dauerhafter und stechender Schmerz, der normale Tätigkeiten verhindert, ist jedoch nicht normal und sollte kontrolliert werden. Langfristige Auswirkungen der Oberschenkelprellung sind nicht zu erwarten.

Der sogenannte Pferdekuss

Der "Pferdekuss" ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Oberschenkelprellung. Je nach Region gibt es weitere Bezeichnungen, zum Beispiel Hirsch, Eisbein oder Schenkerl. Verantwortlich für die Namensgebung sind wahrscheinlich die Huftritte von Pferden, die eine schmerzhafte Oberschenkelprellung nach sich ziehen. So werden als Pferdekuss besonders Oberschenkelprellungen bezeichnet, die bei Kontaktsportarten durch Rammen eines gegnerischen Spielers entstehen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Pferdekuss

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.09.2019
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