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Bandscheibenvorfall der LWS

Einleitung

Die Wirbelsäule besteht aus der:

Die Lendenwirbelsäule (kurz: LWS) besteht wiederum aus fünf aufeinanderliegenden Wirbel, die aus Knochen bestehen und eine waagrechte Unterseite bilden.
Auf dieser liegt die Bandscheibe auf, die zum Einen die Bewegungen, die die Wirbelsäule durchführen muss, reibungsärmer gestaltet, zum Anderen Kräfte, die auf die Wirbelsäule lasten abfedert (Stoßdämpfer des Körpers).

Die Bandscheiben sind teilelastisch und bestehen aus zwei Teilen, dem Faserring (Anulus fibrosus) und einem Gallertkern (Nucleus pulposus).
Die Bandscheibe liegt genau zwischen zwei Wirbelkörpern abgegrenzt recht gut befestigt.
Kommt es zu chronischen, unphysiologischen Belastungen der Wirbelsäule kann es sein, dass der Druck auf die Bandscheibe so groß wird, dass der Ring reißt und der flüssige Kern austritt.
In diesem Fall kann das Bandscheibengewebe (Vorfall, med. auch Prolaps genannt) entweder nach hinten (dorsal) oder nach vorne (ventral) austreten.
Als Folge hat die Bandscheibe seinen Quelldruck verloren und die stoßdämpfenden Eigenschaften lassen los.
Das Herausdrücken der Bandscheibe zwischen beiden Wirbelkörpern oder des Nucleus pulposus aus dem Anulus fibrosus bezeichnet man als Bandscheibenvorfall. Er hat zur Folge, dass sich die Wirbelkörper nicht mehr in sicherer Entfernung zueinander befinden und sich annähern.

Viele allgemeine Informationen finden Sie auch auf unserer Hauptseite: Bandscheibenvorfall


Ist der Bandscheibenvorfall sehr alt oder sehr ausgeprägt (sogenannter Massenvorfall) kann es sein, dass sich die Wirbelkörper zwischen der Bandscheibe so weit annähern, dass die Knochenenden in bei besonders starker Belastung in Kontakt treten und aneinander reiben. Meistens sind es die Hinterkanten oder die Vorderkanten, die aufeinandertreffen. Als Folge entstehen chronische Rückenschmerzen.
Der Mittelteil des Wirbelkörpers kommt selten in Kontakt mit seinem benachbarten Wirbelkörper. Dies geschieht im Grunde nur dann, wenn die Bandscheibe sich vollständig aus der Enge zwischen den Wirbelkörpern herausgedrückt hat und der komplette Wirbelkörper auf unteren Wirbelkörper liegt.
Der Knochenkontakt zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und die Reibung verursacht letztendlich Schmerzen. Meistens bei Bewegungen der Wirbelsäule (z.B. beim Laufen, Bücken oder Sitzen), in extremen Fällen aber auch in Ruhe.

Abbildung eines Bandscheibenvorfalls

Bandscheibenvorfall -
Nucleus-pulposus-Prolaps

A - Bandscheibenvorfall von links
B - Bandscheibenvorfall von oben
C - Gesunde Bandscheibe
a - Hals- und Brustbereich
b - Lendenbereich

  1. Faserring -
    Anulus fibrosus
  2. Gallertkern -
    Nucleus pulposus
    1. + 2. Bandscheibe
    (Zwischenwirbelscheibe) -
    Discus inter vertebralis
  3. Rückenmarknerv -
    Nervus spinalis
  4. Rückenmark - Medula spinalis
  5. Wirbelkörper - Corpus vertebrae
  6. Dornfortsatz - Processus spinosus

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Symptome eines Bandscheibenvorfalls der LWS

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls der LWS können sehr unterschiedlich sein, je nachdem an welcher Stelle der Bandscheibenvorfall sitzt und ob durch den Vorfall Nerven eingeklemmt werden (siehe auch: Bandscheibenvorfall mit Nervenschädigung). Wenn der Bandscheibenvorfall an einer Stelle liegt, an der es zu keiner Nervenwurzelreizung kommt, kann die Erkrankung ohne Schmerzen und ohne neurologische Ausfälle (z.B. Taubheitsgefühle) verlaufen. In diesem Fall muss der Bandscheibenvorfall auch nicht behandelt werden.
In vielen Fällen kommt es durch einen Bandscheibenvorfall zur Kompression der Nervenwurzeln, die im Bereich der Lendenwirbelsäule das Rückenmark verlassen. Dadurch werden heftige Rückenschmerzen ausgelöst, die sehr plötzlich auftreten und sozusagen "in den Rücken einschießen". Auslöser für eine solche Schmerzattacke sind beispielsweise Tätigkeiten, bei denen man etwas hochhebt oder sich vorn über beugt. Der Betroffene nimmt sofort eine Schonhaltung ein, da jede weitere Bewegung die Schmerzen verschlimmert. Schon ein Niesen oder Husten reicht aus, um den starken Rückenschmerz zu verstärken. Um die Wirbelsäule zu schützen, verhärtet sich die Muskulatur im Rücken- und besonders im Lendenwirbelbereich reflexartig. Sie fühlt sich steif an, was auch als Muskelhartspann oder Muskelblockade bezeichnet wird.
Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule kündigt sich in manchen Fällen (häufig mit zunächst leichteren) Symptomen an. Starke Schmerzen im Kreuz, die länger als eine Woche andauern und eventuell sogar in die Beine ausstrahlen, können Warnsymptome für einen drohenden Bandscheibenvorfall darstellen und sollten unbedingt ärztlich untersucht werden (Bandscheibenvorfall Symptome im Bein). Im Bereich der LWS verläuft der sogenannte Ischiasnerv. Wird dieser wichtige Nerv von dem Bandscheibenvorfall eingeengt, kommt es häufig zu Rückenschmerzen, die in Gesäß oder Bein ausstrahlen, was im Allgemeinen auch als "Hexenschuss" bezeichnet wird.

Zusätzlich kann es zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommen.
Darunter fallen beispielsweise Kribbeln im Bein ("Ameisenlaufen"), ein pelziges Gefühl oder ein Taubheitsgefühl durch den Bandscheibenvorfall im Bereich von Hüfte bis Fuß. Während Kribbeln eher auf eine kleinere Schädigung des Nerven hindeuten kann, ist ein Taubheitsgefühl schon ein Anzeichen für einen kompletten Ausfall des sensorischen Anteil des betroffenen Nervens.
Lesen Sie hierzu auch: Kribbeln nach Bandscheibenvorfall

Diese Symptome müssen unbedingt ernst genommen werden, da es unter Umständen sogar zu Lähmungen im Bereich der Beinmuskulatur kommen kann.

Ein weiteres Symptom bei einem Bandscheibenvorfall der LWS kann ein verändertes Gangbild sein. Je nachdem, ob der Vorfall zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbelkörper oder dem fünften Lendenwirbelkörper und dem Steißbein befindet, kann der Betroffene nicht mehr auf der Fußspitze oder auf der Ferse stehen.

Im schlimmsten und sehr seltenen Fall können Nerven durch einen Bandscheibenvorfall derartig eingeengt werden, dass es zu einem Querschnittsyndrom kommt, bei dem beispielsweise weder Schmerz noch Berührungen empfunden werden und es zu Lähmungserscheinungen der Beine kommt. Dieser Zustand ist ein akuter Notfall und müssen umgehend operativ versorgt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome bei einem Bandscheibenvorfalles der LWS

Sie erkennen die schmematische Abbildung eines MRT der LWS.

  • Blau: Bandscheibe
  • Rot: Bandscheibenvorfall (Massenvorfall L4/5)
  • Grün: Rückenmark
  • Gelb: Wirbelkörper mit Dornfortsatz

Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall der LWS

Ein charakteristisches Symptom eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule (LWS) sind Schmerzen.
Je nach exakter Lokalisation des Vorfalls können die Schmerzen jedoch unterschiedlich stark und an unterschiedlichen Stellen ausgeprägt sein. Typisch ist ein plötzlich beginnender, sehr starker und „einschießender“ Schmerz am unteren Rücken. Wenn ein Bandscheibenvorfall der LWS besteht ist, kommt es außerdem häufig zu Schmerzen, welche in das Bein und den Fuß ausstrahlen. Besonders dann, wenn die Schmerzen in ein oder beide Beine ausstrahlen ist ein Bandscheibenvorfall als Ursache wahrscheinlich.

Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall der LWS entstehen durch eine Kompression des Nervenstrangs, welcher in der Wirbelsäule verläuft. Durch die Kompression der Nerven am unteren Rücken wird der Schmerz häufig an den Beinen oder den Füßen wahrgenommen. Behandelt werden kann der Schmerz konservativ durch Übungen und die Einnahme schmerzlindernder Medikamente.
Durch die Operation eines Bandscheibenvorfalls der LWS werden die Nerven ebenfalls entlastet und es kann eine Schmerzfreiheit erreicht werden. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist sollte nach einer ausführlichen Diagnostik mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Besonderheiten der LWS

Die Lendenwirbelsäule (LWS) hat im Gegensatz zur Brustwirbelsäule und zur Halswirbelsäule eine Besonderheit.
Die Wirbel sind besonders steil zueinander gestellt. Im normalen Fall können sie Kräften, die nach vorne oder hinten gerichtet sind, entgegen wirken. Solche Kräfte treten am ehesten beim Bücken sowie beim Vor- und Rückneigen des Oberkörpers auf. Besonders bei sehr häufig und unphysiologisch durchgeführten Bewegungen kann es zu Instabilitäten kommen.
Von Bandscheibenvorfällen sind am ehesten die Wirbelkörper LWK (Lendenwirbelkörper) 4 und 5 (Bandscheibenvorfall L4/5) sowie LWK 5 und SWK (Sakralwirbelkörper) 1 (Bandscheibenvorfall L5/S1) betroffen.

Neben den chronischen Fehlbelastungen, die zu Bandscheibenvorfällen der LWS führen, kann es auch in einigen seltenen Fällen zu angeborenen Fehlstellungen der Wirbelkörper kommen. Diese Fehlstellungen betreffen besonders häufig die Wirbelbögen der Wirbelkörper und fördern das Auftreten von einem Wirbelgleiten und Bandscheibenverfällen.

Neben den Schmerzen, die durch das Reiben gegeneinander von gegenüberliegenden Wirbelkörper auftreten können, stellt eine neurologische Symptomatik ein weiteres Risiko dar. Die Wirbelsäule dient nicht nur der Stabilität des Körpers sondern bildet auch eine Art Tunnelsystem für das Rückenmark dar, das vom Kopf bis zur LWS durch übereinander liegende Löcher (Foramina) durch die Wirbelkörper hindurchführt. Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall besteht aus diesem Grund die Gefahr, dass die sich herausschiebende Bandscheibe gegen das Rückenmark drückt und so zu zum Teil massive neurologische Einschränkungen führt.
In einigen, leichten Verläufen verspürt der Patient meistens nur ein Kribbeln in linkem oder rechtem Bein. Bei schweren Verläufen kann das Rückenmark so komprimiert werden, dass es zu Symptomen einer Querschnittslähmung kommt.
Auch Symptome einer Inkontinenz können Anzeichen für einen schweren Bandscheibenvorfall sein. An vielen Stellen, wo sich die Bandscheibe herausgedrückt hat und wo benachbarte Wirbelkörper oft in kippender Position aufeinander stehen, hat ein Bandscheibenvorfall zudem noch die Folgen einer Instabilität.
Für den Patienten hat dies zur Folge, dass er Bewegungen nicht mehr so einfach durchführen kann und, dass Kräfte, die über die Wirbelsäule abgeleitet werden sollen ungedämpft auf der gesamten Wirbelsäule lasten. Dies hat wiederum Mehrbelastungen und Schäden der anderen Wirbelkörper zur Folge. In vielen Fällen entsteht aus diesem Grund beim Auftreten eines Bandscheibenvorfalles an benachbarter Stelle ein weiterer.
Um einen Bandscheibenvorfall der LWS vorzubeugen, sollte zunächst evtl. vorhandenes Übergewicht abgebaut werden.
Des Weiteren sollten unter physiotherapeutischer Betreuung Bewegungsabläufe optimiert werden. Langes Sitzen oder Stehen sollte vermieden werden.

Bei der Auswahl des Schuhwerkes sollte auf bequeme aber stabile Schuhe geachtet werden. Menschen in sitzenden Berufen sollten in regelmäßigen Abständen den Arbeitsplatz verlassen und Bewegungsübungen durchführen. Dazu zählen Streckübungen und Dehnübungen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden sollten. Lockerungsübungen der Muskulatur in Form von Massagen können helfen, die durch die Fehlstellung belastete Muskulatur zu enthärten.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls der LWS

Die Beschwerden, die neurologischen Untersuchungen und letzten Endes die bildgebende Verfahren können zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls beitragen.
Typische Symptome eines Bandscheibenvorfalls der LWS sind starke Rückenschmerzen bei Belastung (im Stehen, Beugen, Sitzen).
Bei schweren Formen treten sogar in Ruhe starke Schmerzen auf. Zusätzlich fragt der Facharzt nach Taubheitsgefühlen oder Kribbeln durch den Bandscheibenvorfall in den Beinen nach. Wenn bei Ihnen eine neu aufgetretene Inkontinenz besteht, müssen Sie dies unbedingt dem behandelnden Arzt mitteilen, da es sich hierbei um eine schwere Form des Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule handeln kann. Zusätzlich führt der Facharzt eine neurologische Untersuchung durch, wobei er mit einfachen körperlichen Untersuchungen herausfinden kann, ob es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt oder nicht.
Lesen Sie mehr zum Thema: Bandscheibenvorfall erkennen und Diagnose eines Bandscheibenvorfalls.

Um den Verdacht „Bandscheibenvorfall LWS“ zu sichern, werden radiologische bildgebende Verfahren durchgeführt. Ein Röntgenbild kann durch eine Höhenabnahme der Bandscheibe auf einen Vorfall hindeuten. Für die genaue Diagnose stehen die Computertomographie (CT) oder die MRT Untersuchung der LWS zur Verfügung. Sie fertigen Schnittbilder der Wirbelsäule an, worauf man erkennt, auf welcher Höhe sich der Bandscheibenvorfall der LWS befindet und in welche Richtung sich die Bandscheibe verschoben hat. Um die Nervenwurzel genauesten beurteilen zu können, wird in seltenen Fällen eine sogenannte Myelografie durchgeführt. Hierbei wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt und anschließend eine Röntgen oder CT Aufnahme durchgeführt.
Am wertvollsten aller bildgebenden Diagnosen hat sich das MRT der LWS etabliert. Das MRT der LWS kann aus Ausmaß und die potentiellen Gefahren des Bandscheibenvorfalls der LWS am besten darstellen.

Lesen Sie mehr hierzu unter: Bandscheibenvorfall L4/L5

MRT der Lendenwirbelsäule bei einem Bandscheibenvorfall

Um einen Bandscheibenvorfall der LWS sicher diagnostizieren zu können, kommen häufig bildgebende diagnostische Geräte zum Einsatz.
Eine häufig durchgeführte Methode für die Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls ist somit die Magnetresonanztomographie (MRT der LWS). Das MRT erstellt Bilder der gesamten Wirbelsäule ohne dass schädliche Strahlung verwendet wird.
Die Untersuchung wird in der Regel von Radiologen übernommen und kann in einer Klinik oder einer privaten Praxis durchgeführt werden. Das Erstellen der Bilder dauert, ja nach Gerät etwa eine halbe Stunde. Um die Wirbelsäule auf einen Bandscheibenvorfall zu überprüfen werden in der Regel die Bilder von der Seite begutachtet und interpretiert.

Wenn ein Bandscheibenvorfall vorliegt sind typische Veränderungen im MRT sichtbar. Ist der Riss des Faserknorpelrings der Bandscheibe in dem während der MRT erstellten Bilder zu erkennen, kann die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls gestellt werden.

Es gilt zu beachten, dass eine MRT Untersuchung nicht stattfinden kann, wenn sich nicht entfernbare metallische Gegenstände im Körper befinden. Ob eine MRT Untersuchung im individuellen Fall möglich ist wird in der Regel von dem behandelnden Arzt im Vorfeld erörtert.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Lokalisation der häufigsten Bandscheibenvorfälle der LWS

Bandscheibenvorfall L4/L5

Durch natürliche Verschleißerscheinungen kommt es im Bereich zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel ("L4 und L5") am häufigsten zu einem Bandscheibenvorfall. Die Begründung dafür ist, dass dieser Bereich der Lendenwirbelsäule bei körperlicher Belastung oder beim Sport am meisten belastet wird. Der Bandscheibenvorfall L4/5 drückt auf den Nerv, der in diesem Bereich das Rückenmark verlässt. Dabei kommt es zu starken Schmerzen am äußeren vorderen Oberschenkel und an der inneren Vorderseite des Unterschenkels.
Häufig werden die Schmerzen durch ungewohnte Bewegungen oder beim Heben schwerer Lasten ausgelöst und können durch Niesen oder Husten verstärkt werden. Außerdem kann es zu Sensibilitätsstörungen in den beschriebenen Bereichen am Bein kommen, es kann beispielsweise kribbeln, sich taub oder pelzig anfühlen, ähnlich wie bei einem eingeschlafenen Bein. Der sogenannte Kennmuskel für einen Bandscheibenvorfall L4/L5 ist der Musculus quadriceps femoris, der vierköpfige Oberschenkelstrecker auf der Vorderseite des Oberschenkels. Wenn der Bandscheibenvorfall auf die motorischen Nervenfasern zu diesem Muskel drückt, kann das Kniegelenk nicht mehr gestreckt werden. Anhand des Kennmuskels kann häufig nur durch die Untersuchung der Kniestreckung bereits der begründete Verdacht für die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls im Bereich L4/5 ausgesprochen werden. Auch das Zehenanheben ist nur noch eingeschränkt möglich, weshalb es für den Betroffenen schwer oder unmöglich ist, auf den Hacken zu gehen, während die Zehen in die Luft gestreckt werden (Hackengang).

Lesen Sie mehr zum Thema: Bandscheibenvorfall L4/L5

Bandscheibenvorfall -
Nucleus-pulposus-Prolaps

A - Bandscheibenvorfall von links
B - Bandscheibenvorfall von oben
C - Gesunde Bandscheibe
a - Hals- und Brustbereich
b - Lendenbereich

  1. Faserring -
    Anulus fibrosus
  2. Gallertkern -
    Nucleus pulposus
    1. + 2. Bandscheibe
    (Zwischenwirbelscheibe) -
    Discus inter vertebralis
  3. Rückenmarknerv -
    Nervus spinalis
  4. Rückenmark - Medula spinalis
  5. Wirbelkörper - Corpus vertebrae
  6. Dornfortsatz - Processus spinosus

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Bandscheibenvorfall L5/S1

Ein Bandscheibenvorfall L5/S1 liegt zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Steißbeinwirbel. Häufig wird ein Vorfall in diesem Bereich auch nur als "Ischias" bezeichnet, da der Ischiasnerv starke Schmerzen verursacht, wenn er von dem Bandscheibenvorfall eingeengt wird. Das Überprüfen des sogenanntne Lasègue-Zeichens ist eine einfache Methode, um die Verdachtsdiagnose einer Einengung des Ischiasnerves stellen zu können. Dabei liegt der Betroffene auf dem Rücken und das schmerzende Bein wird angehoben, während es im Kniegelenk gestreckt ist. Dadurch wird der Nerv gedehnt und im Falle einer Einengung ein Schmerz ausgelöst. Die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich von L5/S1 können bis zur Ferse und Kleinzehe ausstrahlen.
In diesen Bereichen kann es zu Sensibilitätsstörungen am Bein kommen, es kann beispielsweise kribbeln, sich taub oder pelzig anfühlen. Der sogenannte Kennmuskel für einen Bandscheibenvorfall L5/S1 ist der Musculus triceps surae, der dreiköpfige Wadenmuskel auf der Rückseite des Unterschenkels. Wenn der Bandscheibenvorfall auf die motorischen Nervenfasern zu diesem Muskel drückt, kann der Fuß nicht mehr gebeugt (nach unten abgewinkelt) werden. Anhand des Kennmuskels kann häufig nur durch die Untersuchung der aktiven und kraftvollen Fußbeugung bereits der begründete Verdacht eines Bandscheibenvorfalls im Bereich L5/S1 diagnostiziert werden, da der Betroffene nicht mehr oder nur erschwert auf den Zehen gehen kann.

Lesen Sie mehr Informationen zu diesem Thema unter: Bandscheibenvorfall L5/S1

Therapie

Zwei Arten der Behandlung sind möglich: das konservative und das operative Behandlungsverfahren.

In den meisten Fällen reicht eine konservative Methode aus, um den Bandscheibenvorfall der LWS zu therapieren. Zu den konservativen Behandlungen zählen die Schmerztherapie und das Trainieren der Rückenmuskeln.

  • Eine geeignete Schmerztherapie durch Medikamente ist die wichtigste Behandlungssäule bei einem Bandscheibenvorfall. Der Arzt verschreibt schmerzstillende Medikamente, die auch entzündungshemmend wirken, da ein Vorfall gehäuft mit einer lokalen Entzündungsreaktion einhergeht. Reichen orale Tabletten nicht aus, kann eine örtliche Spritze, also Spritzen in die Region des Bandscheibenvorfalls, die Schmerzen durch Medikamente eine Zeit lang lindern. Der örtlichen Spritze kann zusätzlich ein Kortison vermengt werden, um die Entzündungsprozesse zu hemmen.
    Lesen Sie mehr hierzu unter unserem Thema: Medikamente bei einem Bandscheibenvorfall
  • Wärme regt die Durchblutung in der Haut an und lockert die steifen Rückenmuskeln etwas auf, sodass auch Fango- oder Moorpackungen, Rotlicht oder warme Kleidung helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Eine weitere wichtige Säule der konservativen Behandlung ist das Kräftigen der Rückenmuskulatur. Krankengymnastische Übungen entlasten die Wirbelsäule. Damit sollte sobald wie möglich begonnen werden. Auch Massagen oder spezielle Entspannungsübungen können zur Entspannung der verkrampften Rückenmuskulatur betragen.
    Lesen Sie mehr zum Thema: Krankengymnastik bei einem Bandscheibenvorfall
  • Schwere körperliche Belastungen, die den Rücken verstärkt beanspruchen, sollten nicht durchgeführt werden. So sind das Tragen von schweren Lasten und das Arbeiten in gebückter Haltung verboten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie eines Bandscheibenvorfall der LWS

Nach sechs bis acht Wochen sollte sich die Beschwerdesymptomatik verbessert haben. Tritt keine Besserung ein, sinkt die Erfolgsrate für eine konservative Therapie.

Übungen bei einem Bandscheibenvorfall der LWS

Übungen können bei einem stattgefundenen Bandscheibenvorfall helfen, Symptome zu lindern sowie den Bandscheibenvorfall zu therapieren.
Besonders Übungen, welche für einen Muskelaufbau und damit eine Stabilisierung des Rückens sorgen sind bei einem Bandscheibenvorfall wichtig, da die Verletzung eine Instabilität der Lendenwirbelsäule nach sich zieht und häufig ein schwacher Rücken die Entstehung des Bandscheibenvorfalls begünstigt hat.

Neben dem Training der Rückenmuskulatur ist besonders in der Anfangsphase der Behandlung ein Training der Bauchmuskulatur essentiell.
Welche Übungen im individuellen Fall sinnvoll sind, kann am besten der behandelnde Arzt und Physiotherapeut einschätzen. Da die korrekte Durchführung der Übungen für den Behandlungserfolg relevant ist, ist es ratsam die Durchführung zu Beginn bei Anwesenheit der Therapeuten durchzuführen.

Neben Übungen, die dem Muskelaufbau dienen sind häufig auch Dehn- und Mobilisationsübungen in das Programm integriert und können helfen die Funktion der Wirbelsäule und der darin verlaufenden Nerven wiederherzustellen.

Lesen Sie auch hierzu unser umfangreiches Thema aus dem Bereich der Physiotherapie: Übungen bei einem Bandscheibenvorfall und Übungen nach einem Bandscheibenvorfall der LWS

Letzer Ausweg: Operation

Wenn eine der folgenden Punkte eintrifft, sollte bei dem Betroffenen eine Operation des Bandscheibenvorfalls der LWS durchgeführt werden:

  • Lähmungserscheinungen
  • kein Ansprechen auf Schmerzmittel
  • schnell verschlechternde Symptomatik des Bandscheibenvorfalls LWS
  • Caudasyndrom.

Das Cauda-Equina-Syndrom ist ein echter Notfall in der Orthopädie. Hier klemmt die vorgefallene Bandscheibe die Nervenwurzel und das Rückenmark ab, so dass folgende Beschwerden auftreten:

In der Operation entfernt der Chirurg mithilfe eines Mikroskops die Teile der vorgefallenen Bandscheibe und entlastet die Nervenwurzel. Nach der OP bleibt der Patient noch drei bis fünf Tage im Krankenhaus. Von dort geht es oft gleich weiter in die Reha. Rückengerechtes Verhalten, stabilisieren der Rückenmuskulatur mithilfe von Krankengymnastik und eine optimale Schmerztherapie sind die Hauptpunkte der Rehabilitation.

Lesen Sie viele weitere Informationen zu diesem Thema unter: Operation eines Bandscheibenvorfalls der LWS

Dauer eines Bandscheibenvorfalls der LWS

Die Dauer des Heilungsprozesses nach einem Bandscheibenvorfall hängt von der Schwere des Vorfalls sowie von der Behandlung ab.
Nur etwa zehn Prozent aller Bandscheibenvorfälle müssen operativ (durch eine OP) behandelt werden, wobei nicht immer eine Schmerzminderung durch eine Bandscheiben-OP erreicht werden kann und die Schmerzen wiederkehren können.
Die Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall können unter Umständen sehr lange bestehen bleiben. Die Dauer des Heilungsprozesses kann eigentlich nur durch den Betroffenen selbst beeinflusst werden. Nur wer selbst aktiv wird und sich viel bewegt, kann die Schmerzen loswerden. Dabei ist jede sportliche Betätigung die die Rücken- und Bauchmuskulatur aufbaut hilfreich, um die Schmerzen zu bekämpfen. Durch regelmäßige Spaziergänge, gezieltes Training in der Rückenschule, Schwimmen oder Radfahren wird die Dauer der Rückenschmerzen von jedem Betroffenen selbst beeinflusst.
Eine Operation (OP) oder Schmerzmittel können die Bewegung erleichtern oder überhaupt erst wieder möglich machen, doch wie lange die Probleme und Beschwerden durch den Bandscheibenvorfall andauern, wird hauptsächlich durch ein aktives Sportprogramm nach dem Bandscheibenvorfall entschieden. Je stabiler die Rückenmuskulatur ist, desto stabiler und gesünder sind auch die Bandscheiben.

Lesen Sie viele weitere Informationen zu diesem Thema unter: Dauer eines Bandscheibenvorfalls

Kann man einem Bandscheibenvorfall der LWS vorbeugen?

Sofern ein paar Punkte beachtet werden, kann man einem Bandscheibenvorfall der LWS entgehen, bzw. vorbeugen.
Gymnastik und Sport, wie Schwimmen oder Radfahren, stärken die Rückenmuskulatur und entlasten so die Lendenwirbelsäule. Wer in seinem beruflichen Leben lange sitzt, sollte sich zum Ausgleich viel bewegen. Wer zusätzlich übergewichtig ist, sollte sein Gewicht reduzieren, da Übergewicht zu den Risikofaktoren des Bandscheibenvorfalls der LWS zählt.
Aber auch unbeeinflußbare Faktoren, wie die genetische Qualität und Unfälle der Wirbelsäule spielen eine Rolle und können nicht immer vorgebeugt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Vorbeugen eines Bandscheibenvorfalls

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.04.2017
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