Die Halswirbelsäule (HWS)

Synonyme

HWS, Halswirbel, Halswirbelkörper, Lordose, Cervicalgie, Cervicobrachialgie, Cervicocephalgie, HWS-Syndrom

Anatomie

Die Halswirbelsäule (HWS) ist Bestandteil der Halswirbelsäule als Ganzes, auch Rückrat genannt.
Es gibt 7 Halswirbelkörper (Vertebrae cervicales), die den Kopf mit dem Rumpf verbinden. Während sich die unteren 5 Halswirbelkörper im Aufbau ähneln, sind die ersten beiden Halswirbelkörper in ihrem Aufbau unterschiedlich.
Der erste, ringförmige Halswirbelkörper (Atlas) stellt den Übergang vom Kopf zur Halswirbelsäule dar. Hier tritt das Rückenmark als Verlängerung des Gehirns in den Wirbelkanal ein. Zum Schädel hin gibt es ein paarig angelegtes Gelenk (Antlantocipitalgelenk). Der 2. Halswirbelkörper (Axis) besitzt als Besonderheit einen vorderen Zapfen (Dens axis), der nach oben in den Ring des Atlas ragt.

Die Wirbelkörper der Halswirbelsäule (HWS) sind in einer stabilen Reihe aneinandergefügt. Untereinander verbunden werden die Wirbelkörper durch paarig angelegte Wirbelgelenke zu den Nachbarwirbeln.
Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben, die für die Beweglichkeit der Wirbelsäule von Bedeutung sind und axial einwirkende Kräfte abpuffern.
Zahlreiche Bänder und Muskeln verlaufen zwischen den Wirbelkörpern, die für die Bewegung und Stabilität der Halswirbelsäule von Bedeutung sind.

Abbildung der Halswirbelsäule

Abbildung Halswirbelsäule: A - von links und B - von vorn

Halswirbelsäule (rot)

  1. Erster Halswirbel (Träger) -
    Atlas
  2. Zweiter Halswirbel (Dreher)-
    Axis
  3. Siebenter Halswirbel -
    Vertebra prominens
  4. Erster Brustwirbel -
    Vertebra thoracica I
  5. Zwölfter Brustwirbel -
    Vertebra thoracica XII
  6. Erster Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis I
  7. Fünfter Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis V
  8. Lenden-Kreuzband-Knick -
    Promontorium
  9. Kreuzbein - Os sacrum
  10. Steißbein - Os soccygis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Natürlicherweise hat die Halswirbelsäule von der Seite betrachtet eine geringe Krümmung (Lordose). Die Wirbelsäule ist hier nach vorne konvex gebogen.

Der einzelne Halswirbel besteht aus einem Wirbelkörper (Corpus vertebra), einem Wirbelbogen (Arcus vertebra), 4 kleinen Wirbelgelenken (rechts und links, oben und unten), einem Dornfortsatz (Processus spinosus), einem Querfortsatz und einem durch die Wirbelbögen gebildeten Wirbelloch (Foramen vertebrale). Das Wirbelloch eines einzelnen Wirbelkörpers bildet zusammen mit den anderen Wirbellöchern einen knöchernen Kanal, den Wirbelkanal oder Rückenmarkskanal (Spinalkanal).
Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, das bei einem Erwachsenen etwa auf Höhe des zweiten Lendewirbelköpers endet. Zusammen mit den benachbarten Wirbelkörpern (darüber und darunter) wird eine Austrittsöffnung für die Rückenmarksnerven geformt (Foramen intervertebrale; Neuroforamen).

Abbildung Wirbelsäule

Der jeweils rot eingefärbte Bereich zeigt die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule.

Von links nach rechts:

Abbildung Wirbelsäule

  1. Querfortsatz
  2. abgehender Nerv
  3. Wirbelkörper
  4. Dornfortsatz
  5. Rückenmark

Funktion der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule (HWS) trägt den Kopf. Insofern ist sie als statisches Organ von großer Bedeutung. Auch die Bewegungen des Kopfes werden von der Halswirbelsäule ausgeführt.

Die Gesamtbeweglichkeit der Wirbelsäule ist groß, obwohl zwischen den einzelnen Wirbelkörpern nur relativ geringe Bewegungen möglich sind. Durch Summation dieser kleinen Bewegungsspielräume resultiert letztendlich der große Gesamtbewegungsumfang.

Dir größte Bewegungsfreiheit besitzt die Halswirbelsäule und dort insbesondere die unteren Halswirbelabschnitte. Bewegungen in alle Richtungen sind gut möglich. Möglich sind Drehung (Rotation), Beugung (Flexion, Inklination), Streckung (Dorsalflexion, Reklination) und Seitwärtsneigung (Lateralflexion).
Der große Bewegungsumfang wird hauptsächlich von den Wirbelgelenken ermöglicht, die in der Halswirbelsäule eine annähernd horizontale Ausrichtung besitzen.

Die kleinste funktionelle (bewegliche) Einheit der Wirbelsäule ist das Bewegungssegment. Unter einem Bewegungssegment versteht man die Einheit zwischen zwei benachbarten Wirbelkörpern, die über zwei Wirbelgelenke untereinander verbunden sind, sowie die zwischen den Wirbelkörpern liegende Bandscheibe und alle muskulären Strukturen, Band- und Nervenstrukturen, die sich in diesem Bereich befinden.

Isolierte Störungen befinden sich häufig in einem einzelnen Bewegungssegment (z.B. Blockierungen, Bandscheibenvorfälle). Zur örtlichen Beschreibung einer Wirbelsäulenerkrankung werden die einzelnen Wirbelkörper durchgezählt, z.B. HWK 5 für den 5. Halswirbelkörper, BWK 9 für den 9. Brustwirbelkörper, LWK 3 für den 3. Lendenwirbelkörper usw.
Ebenso verhält es sich mit den Bandscheiben und den Bewegungssegmenten. Die Beschreibung HWK 4/5 bezieht sich auf das Bewegungssegment zwischen dem 4. und 5. Halswirbelkörper.

Neben der Funktion als statisches Organ und als Bewegungsorgan, hat die Wirbelsäule noch eine weitere wichtige Funktion als Schutz- und Leitungsorgan für das Rückenmark. Das Rückenmark stellt im Prinzip die Verlängerung des Gehirn dar und wird deshalb auch dem zentralen Nervensystem zugeordnet.

Erkrankungen

Schmerzen in der HWS sind häufig.

Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule sind sehr häufig anzutreffen. Als unspezifische Schmerzbeschreibung spricht man in solchen Fällen auch von einem HWS-Syndrom. Ein charakteristisches Zeichen bei plötzlichen Halswirbelsäulenbeschwerden ist die schräge Schonhaltung oder Zwangshaltung des Kopfes, der Schiefhals.

Durch Bandscheibenveränderungen, z.B. durch einen Bandscheibenvorfall der HWS, können charakteristische, in den Arm ausstrahlende Schmerzen entstehen (Cervicobrachialgie). Andere Formen des Bandscheibenverschleißes (Osteochondrose) ohne Bandscheibenvorfall, führen immer häufiger zum Einpflanzung einer künstlichen Bandscheibe (Bandscheibenprothese).

Schwere Verschleißerscheinungen an den Wirbelgelenken können ein Facettensyndrom hervorrufen. Hierbei handelt es sich um ein lokales Krankheitsbild, welches durch Bewegungs- und Ruheschmerzen der HWS und zugleich durch eine Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule gekennzeichnet ist. Auch ein in den Kopf ausstrahlender Schmerz ist häufig anzutreffen (Cervicocephalgie).

Eine schwere verschleißbedingte (degenerative) Einengung des Wirbelkanals im Bereich der Halswirbelsäule (Spinalkanalstenose der HWS) kann das Halsrückenmark schädigen und zum Krankheitsbild einer Cervicalen Myelopathie führen, dass gekennzeichnet ist durch Kraftverlust und zunehmende Lähmungen der Arme und Beine. In diesen Fällen ist die Druckentlastung (Dekompression) des Rückenmarkes und meistens auch eine Versteifungsoperation (Spondylodese) notwendig.

Ein an der Lendenwirbelsäule häufig auftretendes Wirbelkörpergleiten (Spondylolisthese) kommt im Bereich der Halswirbelsäule nur aufgrund degenerativer Veränderungen zustande.

Harmlose, aber sehr häufig anzutreffende Halswirbelsäulen- und Nackenschmerzen werden aufgrund einer muskulären Verspannung (Muskelhartspann) verursacht. Die muskuläre Verspannung ist häufig Ausdruck einer von innen oder von außen provozierten Stressreaktion.

Beschwerden der Halswirbelsäule

Die Beschwerden, die durch eine Schädigung im Bereich der Halswirbelsäule hervorgerufen werden können, unterscheiden sich je nach Höhenlokalisation der Störung.
Je nachdem, welche Beschwerden auftreten, können also häufig schon Rückschlüsse gezogen werden, in welchem Teil der Halswirbelsäule die Beeinträchtigung vorliegt.
Starke Kopfschmerzen, die vom Hinterkopf zur Stirn ziehen, weisen auf eine Störung im oberen Bereich der Halswirbelsäule hin. Gleiches gilt für Kribbel- oder Taubheitsgefühle im Hinterkopf- und Stirnbereich. Sind die Beschwerden vornehmlich durch Schulterschmerzen und Probleme beim seitlichen Anheben des Arms charakterisiert, so könnte die Ursache in einer Störung auf Höhe des 4./5. Wirbelkörpers liegen. Je tiefer die beeinträchtigten Wirbelkörper sitzen, desto weiter nach unten projizieren sich auch die Beschwerden. Bei einer Störung des 5./6. Halswirbels können daher Gefühlsstörungen bis hin zu Daumen und Zeigefinger auftreten und die Beugung im Ellenbogengelenk eingeschränkt sein. Schädigungen auf Höhe des 6./7. Halswirbelkörpers verursachen zusätzlich auch Gefühlsstörungen an Handrücken und den restlichen Fingern. Zudem kann die Streckung des Ellenbogengelenks eingeschränkt sein.

All diese Beschwerden können natürlich auch andere Ursachen haben. Treten Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen auf, so sollte unbedingt ein Arzt zur weiteren Abklärung aufgesucht werden.
Ist ein Halswirbel blockiert, so kann ein Physiotherapeut oder Chiropraktiker helfen, die Blockade zu lösen. Die Beschwerden lassen dann meist sofort nach.
Von eigenmächtigen Versuchen, den blockierten Wirbel wieder einzurenken, sollte unbedingt abgesehen werden, da es dadurch zu schwerwiegenden Verletzungen kommen kann.
Häufig werden die Beschwerden auch durch eine verspannte Muskulatur ausgelöst. In diesem Fall helfen Massagen, Wärmeanwendungen oder auch muskelentspannende Medikamente, die Schmerzen zu bessern.
Liegt den Beschwerden ein Bandscheibenvorfall der HWS zugrunde, so muss ärztlich entschieden werden, ob eine konservative Therapie in Frage kommt. Andernfalls kann ein operativer Eingriff notwendig werden.

Prophylaktisch empfiehlt es sich, auf ausreichend Bewegung im Alltag zu achten. Dehnungs- und Kräftigungsübungen beugen Abnutzungserscheinungen und Verletzungen der Halswirbelsäule vor, können aber auch bereits bestehende Beschwerden deutlich lindern.

Schmerzen an der Halswirbelsäule

Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule werden auch als Halswirbelsäulen-Syndrom, kurz HWS-Syndrom bezeichnet. Dies ist ein Sammelbegriff für sämtliche Schmerzzustände der Halswirbelsäule, die auch bis in die Arme oder die Schulterregion ausstrahlen können.

Ursachen:
Die möglichen Ursachen für ein HWS-Syndrom sind vielfältig. Sie reichen von akuten Schmerzen durch Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur über Wirbelgelenkblockaden bis hin zu Veränderungen der Bandscheiben, Bänder oder Wirbelkörper.
Dabei können insbesondere die knöchernen Auffälligkeiten auch angeboren (beispielsweise Skoliose) oder durch Abnutzungserscheinungen entstanden sein.
Eine akute Ursache für ein HWS-Syndrom ist das HWS-Schleudertrauma, welches meist im Rahmen von Autounfällen entsteht, wenn der Kopf des Insassen zunächst nach vorne und dann gegen die Kopfstütze geschleudert wird.
Auch entzündliche Erkrankungen können ein HWS-Syndrom hervorrufen. Dazu gehören beispielsweise die rheumatoide Arthritis, der Morbus Bechterew und die Spondylitis, bzw. Spondylodiszitis. Erkrankungen, die die Knochensubstanz beeinträchtigen, zum Beispiel Osteoporose oder Osteomalazie, können ebenfalls Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule hervorrufen. Bei Osteoporose entstehen die Schmerzen dabei in der Regel durch sekundäre Einbrüche (Frakturen) der Wirbelkörper.
Nicht zuletzt kann ein HWS-Syndrom auch durch Tumoren im Bereich der Halswirbelsäule oder dortige Absiedlungen anderer Tumoren verursacht werden.

Symptome:
Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule können bis in die Arme, Schultern und in den Schulterblattbereich ausstrahlen. Insbesondere wenn die Ursache in einer Blockade von Wirbelgelenken oder einer verspannten Nackenmuskulatur liegt, ist häufig die Drehung des Kopfes eingeschränkt und schmerzhaft.

Therapie:
Bei akuten Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, die aufgrund von Verspannungen bestehen, kann es helfen, die verspannte Muskulatur mit lokalen Betäubungsmitteln zu infiltrieren. Dies kann beispielsweise vom Hausarzt vorgenommen werden. An verschiedenen Punkten wird das Betäubungsmittel in die Muskulatur des Nackenbereichs gespritzt. Der Betroffene spürt meist schnell eine Besserung. Durch die Betäubung wird eine schmerzbedingte Fehlhaltung vermieden, sodass die Beschwerden sich nicht weiter verschlechtern. Auch Wärme und Massagen können Verspannungen im Nackenbereich lockern. Liegt eine ernsthaftere Ursache zugrunde, so muss individuell entschieden werden, welche Therapiemaßnahme angebracht ist. Häufig wird zunächst eine Bildgebung in Form eines MRT oder CT angeordnet, sodass der behandelnde Arzt Anhaltspunkte für die genaue Ursache der Beschwerden erhält.
Liegt eine degenerative Veränderung der Halswirbelsäule vor und helfen konservative Therapiemaßnahmen nicht mehr, so muss eventuell auch über einen operativen Eingriff nachgedacht werden.

Ein HWS-Schleudertrauma kann noch sehr lange nach dem Unfall schmerzhaft bleiben. Die Betroffenen sollten den Hals jedoch nicht krampfhaft still halten oder mit einer Halskrause ruhigstellen, sondern sich zunächst vorsichtig bewegen. Eine komplette Ruhigstellung hat sich als nachteilig für die Beschwerden erwiesen.
Physiotherapeutische Übungen können neben Schmerzmitteln eine baldige Besserung bewirken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen an der Halswirbelsäule

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule ist eher selten (ca. 15% aller Bandscheibenvorfälle).
Am häufigsten finden sich Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule, da diese stärker beansprucht wird. Kommt es dennoch zu einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule, so betrifft dies vorwiegend ältere Menschen, die deutliche Abnutzungserscheinungen der Halswirbelsäule aufweisen.
Durch Knorpelabrieb, Bandlockerungen und eine muskuläre Schwäche im Nackenbereich wird ein solcher Bandscheibenvorfall begünstigt.
Eine weitere Ursache sind Traumata, bei denen starke Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken. Dadurch kann es ebenfalls zu einem Herausquellen der inneren Masse der Bandscheibe kommen (Prolaps). Am häufigsten sind dabei die Bandscheiben zwischen dem 5. und 6., beziehungsweise dem 6. und 7. Wirbelkörper betroffen.
Nicht selten entsteht ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule auch durch ständige Fehlhaltung des Kopfes, beispielsweise durch eine andauernde verkrampfte Körperposition. Dies betrifft oftmals Personen, die sich wenig bewegen, zum Beispiel im Büro arbeiten und dementsprechend lange sitzen und ihren Kopf ruhig halten. Dies kann auf Dauer zu einer Schädigung der Bandscheiben führen. Bei Beanspruchung reißen sie dann schneller und die Innenmasse der Bandscheibe quillt hervor. Diese drückt auf die Nerven, die zwischen den Wirbelkörpern hervortreten, wodurch die klassischen Symptome des Bandscheibenvorfalls ausgelöst werden.

Symptome

Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule kann es je nach Lokalisation des Vorfalls und seiner Ausprägung zu unterschiedlichen Symptomen kommen.
Typische Beschwerden sind:

  • einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet der durch die dislozierte Bandscheibenmasse abgedrückten Nerven
  • Gefühlsstörungen der Haut im Schulter- oder Armbereich
  • Klopfschmerz über der beschädigten Bandscheibe
  • schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule.
  • Einschränkung der Motorik bis hin zu Lähmungserscheinungen

Im schlimmsten Fall kann ein Bandscheibenvorfall auch eine Querschnittslähmung bedingen, sofern er das Rückenmark abdrückt. Dies ist jedoch – insbesondere bei der Halswirbelsäule – selten.
Lesen Sie mehr hierzu unter unserem Thema: Symptome eines Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule

Diagnostik

Die beste Diagnostik zum Nachweis eines Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule stellt das MRT dar.
Das MRT ist eine strahlungsfreie Untersuchung, die Schichtbilder der HWS anfertigt.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter: MRT der Halswirbelsäule

Therapie

Nach Möglichkeit wird ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule konservativ behandelt, das bedeutet, man möchte eine Operation möglichst vermeiden. Zum Einsatz kommen in diesem Fall zum Beispiel Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) und Physiotherapie. Spezielle Übungen für die Nackenmuskulatur (zum Beispiel Rückenschule) können in den meisten Fällen in Kombination mit einer adäquaten Schmerzmedikation eine ausreichende Besserung der Beschwerden bewirken, sodass eine Operation umgangen werden kann.

Genügen diese konservativen Maßnahmen nicht, so muss ein operativer Eingriff (Operation des Bandscheibenvorfalls) erwogen werden. Bei Bandscheibenvorfällen, die bereits zu Lähmungserscheinungen geführt haben, wird in der Regel direkt operativ vorgegangen. 
Der Operationszugang wird häufig auf Höhe des Kehlkopfes von vorne gewählt. Der Operateur arbeitet sich so bis zur Halswirbelsäule vor, kann die defekte Bandscheibe herausschälen und durch eine künstliche Bandscheibe der HWS oder einen Abstandhalter ersetzen. Als Abstandhalter kann beispielsweise ein Titankorb dienen, der an die Stelle der alten Bandscheibe gesetzt und mit Knochenmasse aufgefüllt werden kann.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:

Prophylaxe

Um einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule zu vermeiden, sollte auf eine ausreichende körperliche Betätigung geachtet werden. Die Bewegung ist wichtig, um eine einseitige Belastung der Bandscheiben zu vermeiden. Auf diese Weise werden die Bandscheiben weniger beansprucht und reißen nicht so schnell ein. Zudem wirkt ein Training für die Nackenmuskulatur protektiv, da die Muskeln die Halswirbelsäule stabilisieren. Gezielte Lockerungs- und Kräftigungsübungen für den Nacken sind daher besonders für Personen mit wenig Bewegung und einseitigen Belastungssituationen (PC-Arbeit) geeignet.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Eingeklemmter Nerv der Halswirbelsäule

Ein eingeklemmter Nerv ist sehr belastend und schmerzhaft.

Ein eingeklemmter Nerv kann sehr schmerzhaft sein.
Häufig sind Muskelverhärtungen die Ursache. Im Bereich der Halswirbelsäule können Muskelverhärtungen beispielsweise durch Fehlhaltungen oder Überbelastungen, aber auch durch Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule entstehen.
Wird dadurch Druck auf einen Nerven ausgeübt, so kann dies zu einschießenden, starken Schmerzen führen. Auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Versorgungsbereich des entsprechenden Nerven (Dermatom) können auftreten.
Kribbeln oder Taubheitsgefühle können durch verschieden Ursachen ausgelöst werden.
Wenn Sie einen Bandscheibenvorfall als Ursache Ihrer Beschwerden vermuten, empfehlen wir Ihnen unsere Themen:

Viele Menschen haben ausgeprägte Verspannungen im Hals- und Schulterbereich. Entsprechend sind Symptome durch gereizte oder eingeklemmte Nerven häufig. Im Kopf-Hals-Bereich kommt es dadurch auch oftmals zu Kopf- oder Nackenschmerzen, die bis in die Arme oder den oberen Rückenbereich ausstrahlen können.
Liegt die Ursache in der verspannten Muskulatur, so können Wärme und muskelentspannende-, sowie schmerzlindernde Mittel helfen, die Beschwerden zu bessern. Dadurch nimmt der Betroffene weniger eine Schonhaltung ein, die ansonsten zu einer weiteren Verschlimmerung der Beschwerden führen könnte. Durch gezielte Massagen können die Verspannungen gelöst werden. Um diesen zukünftig vorzubeugen, empfiehlt es sich, regelmäßig Lockerungs- und Kräftigungsübungen für die Nacken- und Schultermuskulatur durchzuführen.

Halswirbelsäule einrenken

Bei verschobenen oder blockierten Wirbelgelenken im Bereich der Halswirbelsäule sollte nicht versucht werden, die Fehlstellung eigenmächtig wieder einzurenken. Dies kann sehr gefährlich sein, da im Nackenbereich wirbelnah wichtige Gefäße Richtung Gehirn verlaufen. Durch falsche Handgriffe kann es im schlimmsten Fall zu einer Verletzung dieser Gefäße kommen. Blutungen sind die Folge. Diese könnten potenziell auch einen Schlaganfall auslösen, wenn das Gehirn durch die Verletzung eines zuführenden Gefäßes stellenweise nicht mehr genügend mit Blut versorgt wird.
Wissenschaftlich einwandfrei bewiesen ist der Zusammenhang zwischen dem Einrenken und dem Auftreten von Schlaganfällen jedoch nicht. Dennoch sollte bei einer Blockade der Halswirbelsäule definitiv ein Fachmann (Chiropraktiker) aufgesucht werden. Dieser kann die Gelenkflächen optimal zueinander ausrichten und durch einen kurzen, schnellen Impuls auf das Gelenk die korrekte Position wiederherstellen. Diese Methode wird als „Manipulation“ bezeichnet. Je besser der Behandelnde diese Technik beherrscht, desto weniger Kraft muss er aufwenden und desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Nerven, Gefäße oder Bandstrukturen verletzt werden. Vom „Einrenken“ spricht man in der Chirotherapie jedoch nicht. Dies ist lediglich ein Laienbegriff, da es sich nicht tatsächlich um einen ausgerenkten Wirbel, sondern lediglich um Blockaden kleiner Wirbelgelenke handelt. Das Knacken, was beim Lösen der Blockade oftmals hörbar ist, entsteht durch das Auseinanderziehen der Gelenkflächen.
Wichtig ist, dass vor der Manipulation an blockierten Wirbelsäulengelenken ein beurteilbares Röntgenbild angefertigt wurde. Nur so kann der Therapeut schwerwiegende Erkrankungen wie beispielsweise Tumoren der Wirbelsäule ausschließen, bei denen die Manipulation unter keinen Umständen vorgenommen werden darf. Dies könnte unter Umständen schwere Komplikationen verursachen. Erst wenn derartige ernsthafte Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen wurden, darf die Manipulation vorgenommen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wirbel einrenken

Knirschende Halswirbelsäule

Knirschgeräusche der Halswirbelsäule können verschiedene Ursachen haben.

Zu einem gewissen Maße sind Knackgeräusche beim Drehen des Kopfes normal, da sich die kleinen Wirbelgelenke, die sich zwischen den einzelnen Halswirbeln befinden, dabei gegeneinander verschoben werden. Dies kann zu derartigen Geräuschen führen. Handelt es sich eher um ein sandartiges Reiben, so kann es sich auch um eine Verschleißerscheinung der Halswirbelsäule handeln. Werden die Halswirbel durch Fehlhaltungen oder übermäßige Belastung zu stark beansprucht, so kann dies auf Dauer zu Knorpelabrieb an den Gelenkflächen und anschließend auch zu knöchernen Schädigungen führen. Abgeriebene Knorpelstücken oder Knochenvorsprünge können bei Rotation des Kopfes dann ein Knirschen hervorrufen.

Eine ärztliche Abklärung der Symptome kann also durchaus sinnvoll sein. In einem solchen Falle empfiehlt sich ein gezieltes physiotherapeutisches Training, um die Nackenmuskulatur zu stärken. Diese kann dann die Halswirbelsäule besser stabilisieren und weiteren Schädigungen vorbeugen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.03.2017
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