Spondylodese

Synonyme

Wirbelsäulenversteifung, Ventrale Spondylodese, Dorsale Spondylodese, Wirbelkörperfusion, Versteifungsoperation der Wirbelsäule, Wirbelversteifung, Segmentversteifung, Rückenschmerzen, Wirbelsäulenoperation, Bandscheibenvorfall

Definition

Unter dem Begriff Spondylodese versteht man eine operative Therapie, bei der durch verschiedene Implantate und Techniken eine therapeutisch gewünschte Teilversteifung der Wirbelsäule herbeigeführt wird.

Behandelt werden durch die Spondylodese v.a. verschleißbedingte Wirbelsäuleninstabilitäten (Spondylolisthese) und instabile Wirbelbrüche. Anwendung findet die Spondylodese aber auch bei Korrekturen der Wirbelsäule bei starkem Rundrücken (Kyphose) oder Seitverbiegung (Skoliose).

Die herbeigeführte Versteifung bei der Spondylodese ist dauerhaft.


Einleitung

Eine Hauptursache von Rückenschmerzen sind krankhafte Beweglichkeit von Wirbelkörpern untereinander, sog. Instabilitäten. Verursacht werden solche Instabilitäten v.a. durch verschleißbedingte Wirbelsäulenerkrankungen (ältere Patienten; Osteochondrose), besonders der Bandscheiben, aber auch bei angeborenen Wirbelkörperfehlbildungen (jüngere Patienten, Spondylolyse).
Im höheren Lebensalter treten verschleißbedingte Bandscheibenerkrankungen gehäuft mit anderen verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen auf (Spinalkanalstenose, Spondylarthrose (Facettensyndrom)).

Derartige Veränderungen können sich durch heftige lokale Rückenschmerzen bemerkbar machen. In fortgeschrittenen Krankheitsfällen werden auch das Rückenmark und die vom Rückenmark abgehenden Nervenwurzeln in den Krankheitsprozess mit einbezogen. Das Rückenmark und die Nervenwurzeln werden hierbei von Knochenanbauten (Osteophyten) der Wirbelsäule sowie von Bandscheiben- und Wirbelbandanteilen bedrängt.
Bei zu starker Bedrängung (Irritation) der Nervenfasern kommt es zu einem typischerweise fortgeleiteten Hals- oder Rückenschmerz in die Arme oder Beine. Im Endstadium können verschleißbedingte Wirbelkanalengen (Spinalkanalstenose) sogar Lähmungen der Arme oder Beine hervorrufen. Die Aufgabe einer Wirbelsäulenteilversteifung ist es nun, die ursprüngliche Stabilität der Wirbelsäule wieder herzustellen, sowie knöcherne und weichteilige Engen zu beseitigen.

Indikation der Spondylodese

Es gibt einige Krankheiten bei denen eine Spondylodese der Wirbelsäule notwendig werden kann. Allen gemeinsam ist, dass aus unterschiedlicher Ursache heraus die Stabilität der Wirbelsäule nicht mehr ausreichend gewährleistet ist.
Hierzu gehören:

  1. Verschleißbedingte Bandscheibenerkrankung
  2. (Osteochondrose)
  3. Wirbelbogenschlussstörung (Spondylolyse)
  4. Bandscheiben- und Wirbelkörperinfektion (Spondylodiszitis)
  5. Wirbelkörperbruch (Wirbelkörperfraktur)
  6. Wirbelkörpertumor

1. Verschleißbedingte Bandscheibenerkrankung

Verschleißbedingte Bandscheibenerkrankungen (Pseudospondylolisthese) stellen den häufigsten Grund für eine Spondylodese dar. Es ist in diesen Fällen nicht mehr möglich, durch eine sonst wie geartete, wiederherstellende Operation an den Bandscheiben einen Therapieerfolg zu erzielen. Bandscheibenoperationen, wie sie bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) vorgenommen, sind in diesen Fällen nicht mehr möglich. Auch eine Bandscheibenprothese kann eine verlorene Wirbelsäulenstabilität nicht mehr wieder herstellen. Im Gegenteil, eine Wirbelsäuleninstabilität ist eine Gegenanzeige (Kontraindikation) für den Einbau einer Bandscheibenprothese.
Auch im Rahmen eines anhaltenden Schmerzzustandes nach einer Bandscheibenvoroperation (Postdiskektomiesyndrom) kann eine Spondylodese angezeigt sein.

2. Wirbelbogenschlussstörung (Spondylolyse)

Dieses Krankheitsbild findet sich gehäuft bei jüngeren Patienten. Durch eine angeborene oder erworbene Wirbelbogenschlussstörung (Lyse) kommt es zu einem Wirbelkörpergleiten (Spondylolisthese/ Spondylolisthesis /Olisthese) des erkrankten Wirbelkörpers über den darunter liegenden gesunden Wirbelkörper. Eine gängige Einteilung dieses Wirbelkörpergleitens ist die Einteilung nach Meyerding (I-IV).

3. Bandscheiben- und Wirbelkörperinfektion (Spondylodiszitis)

In einigen Fällen einer bakteriellen Bandscheiben- und Wirbelkörperinfektion ist eine konservative Behandlung mit Antibiotika allein nicht ausreichend. Gründe hierfür können sein, dass die Entzündung droht auf das Rückenmark überzugreifen und damit das Gehirn zu bedrohen oder das aufgrund einer fortgeschrittenen Bandscheiben- und Wirbelkörperzerstörung die Stabilität des betroffenen Wirbelkörperabschnittes nicht mehr gewährleistet ist.

4. Wirbelkörperbruch (Wirbelkörperfraktur)

Durch die Entwicklung der Kyphooplastie/ Vertebroplastie können viele, v.a. osteoporotisch bedingte Wirbelkörperbrüche heutzutage durch ein minimal invasives Operationsverfahren stabilisiert werden. Stabile, verletzungsbedingte (traumatische) Wirbelkörperbrüche können ggf. konservativ im Korsett oder Mieder ausbehandelt werden. Bei instabilen Wirbelkörperbrüchen mit Beteiligung der den Wirbelkanal begrenzenden Hinterkante des Wirbelkörpers, ist die Gefahr einer Rückenmarkverletzung mit Ausbildung einer Querschnittssymptomatik gegeben. In solchen Fällen muss die Wirbelsäule durch eine Spondylodese stabilisiert werden.

5. Wirbelkörpertumor

Gutartige Wirbelkörpertumore oder aggressiv wachsende Wirbelkörpertumore oder Wirbelkörpermetastasen (Tochtergeschwulste) können einen Wirbelkörper derart schwächen, dass zur Stabilisierung eine Spondylodeseoperation notwendig werden kann. Bei dieser Versteifungsoperation muss dann ggf. auch ein kompletter Wirbelkörperersatz vorgenommen werden.

Diagnostik

Eine Spondylodese (Wirbelsäulenversteifung) ist eine große Operation und kann je nach Umfang des geplanten Verfahrens mehrere Stunden dauern. Eine detaillierte Operationsvorbereitung ist notwendig, um das Operationsausmaß festzulegen. Zum einen sollen im Hinblick auf die Wirbelsäulenbeweglichkeit und die Operationsdauer nur diejenigen Anteile der Wirbelsäule mit Krankheitswert operiert werden, andererseits müssen alle Beschwerden verursachenden Veränderungen beseitigt werden, um ein optimales Operationsergebnis zu erzielen.

1. Anamnese / Untersuchung

Die Leidensgeschichte des Patienten ist meistens lang und geprägt durch eine Vielzahl konservativer Therapiemaßnahmen. Erst wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen ergebnislos ausgeschöpft sind, sollte eine Versteifungsoperation der Wirbelsäule in Betracht gezogen werden.

Typische Beschwerden sind:

  • Lokaler Rückenschmerz
  • Ausstrahlender Rückenschmerz in die Arme oder Beine
  • Schwächegefühl in den Armen oder Beinen
  • Deutliche Reduzierung der maximalen Gehstrecke
  • Gefühlsstörungen

2. Röntgen

Die Röntgenuntersuchung ist die Basisuntersuchung der Bild gebenden Diagnostik bei der Spondylodese. Verschleißerscheinungen und Instabilitäten der Wirbelsäule können gut erkannt werden. Zudem sind die Wirbelbogenschlussstörungen auf sog. Schrägaufnahmen gut zu erkennen.

3. Magnetresonanztomographie (MRT)

Mit der Kernspintomographie/ Magnetresonanztomographie gelingt es Weichteilveränderungen (Bandscheiben, Nervenwurzeln, Rückenmark etc.) zu beurteilen. Wirbelkanalengen und Nervenwurzelbedrängungen können erkannt werden, sowie Aussagen über den Verschleißzustand der Bandscheiben getroffen werden. Zudem können frische von alten Wirbelkörperbrüchen unterschieden werden und Infektionen der Bandscheiben und Wirbelkörper erkannt werden.

4. Myelograpie/ Myelo-CT

Bei der Myelographie wird Kontrastmittel in den Rückenmarksschlauch für diagnostische Zwecke der Spondylodese gespritzt. Wirbelkanalengen mit Verdrängung des Rückenmarkes sowie der abgehenden Nervenwurzeln können hierbei am besten beurteilt werden. Auch die Wirbelgelenke sind einer Beurteilung besonders gut zugänglich.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.03.2017
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