Spinalkanalstenose

Synonyme im wieteren Sinne zur Spinalkanalstenose

Definition Spinalkanalstenose

Bei der Spinalkanalstenose (Wirbelkanalenge) handelt es sich um eine degenerative (verschleißbedingte) Erkrankung der Wirbelsäule mit Verengung des Wirbelsäulenkanals und einer hierdurch verursachten Bedrängung des darin liegenden Rückenmarkes bzw. der darin verlaufenden Nervenwurzeln.
Man unterscheidet eine cervikale, die Halswirbelsäule betreffende, eine thorakale, die Brustwirbelsäule betreffende und eine lumbale, die Lendenwirbelsäule betreffende Wirbelkanalenge.

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Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule und Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule

Der Spinalkanal verläuft in der Wirbelsäule zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen als ein Hohlraum, der auch als Wirbelkanal bezeichnet und von den einzelnen Wirbellöchern (Foramen vertebrale) gebildet wird.

Das Krankheitsbild der Spinalkanalstenose tritt vorwiegend im höheren Lebensalter, jenseits der 60 Jahre, auf. Von der Spinalkanalstenose ist meistens die Lendenwirbelsäule betroffen.

Bei der nachfolgenden Darstellung wird deshalb hauptsächlich die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule beschrieben.


Anatomie der LWS

Die Lendenwirbelsäule (= LWS) wird aus den fünf Lendenwirbeln der Wirbelsäule gebildet. Da sie im unteren Bereich der Wirbelsäule lokalisiert sind, müssen sie den höchsten Gewichtsanteil tragen. Aus diesem Grund sind sie auch wesentlich dicker als die anderen Wirbel. Dies vermeidet jedoch nicht die Verschleißerscheinungen, die besonders in diesem Bereich sehr häufig auftreten.
So sind beispielsweise Gelenkabnutzungen und Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule am häufigsten.

Die Lendenwirbelsäule unterscheidet sich auch im Aufbau von den anderen Bereichen der Wirbelsäule.
So findet man beispielsweise ab dem zweiten Lendenwirbel kein Rückenmark mehr vor, sondern nur noch einzelne Nervenwurzeln, die weiter nach unten ziehen und aus den ihnen bestimmten Nervenwurzellöchern (Neuroforamen) austreten.
Diesen Bereich, in dem das Rückenmark endet und der Wirbelkanal durch Nerven ausgefüllt wird, bezeichnet man als „Pferdeschweif“, bzw. medizinisch als Cauda equina.

Lesen Sie weitere Informationen hierzu unter: Anatomie der LWS

Röntgenbild der Lendenwirbelsäule

  1. Bandscheibe (blau)
  2. Wirbelkörper
  3. Kreuzbein (rot)

Pathologie der Spinalkanalstenose

Bei der Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals.

Die Krankheitsentstehung der Spinalkanalstenose ist im Zusammenhang mit anderen degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen zu sehen.

Der Verschleiß der Bandscheiben als Ursache der Spinalkanalstenose beginnt schon in den 20- iger Jahren eines Menschen. Es kann dabei zur Bandscheibenvorwölbung oder zum Bandscheibenvorfall (Nucleus pulposus prolaps) kommen. Der zunehmende Wasserverlust der Bandscheiben führt zu einer Höhenabnahme des Zwischenwirbelkörperabschnittes (Osteochondrose). Die Folgen sind eine Überlastung der kleinen Wirbelgelenke, eine Fehlfunktion der Wirbelsäulenbänder und eine sich schleichend entwickelnde Instabilität des Wirbelsäulenbewegungssegmentes, bestehend jeweils aus zwei Wirbelkörpern und der dazwischen liegenden Bandscheibe.

Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper werden durch die erniedrigte Bandscheibe mehr belastet. Der Körper reagiert darauf mit einer Knochenverdichtung im Bereich dieser Strukturen (Sklerosierung), was röntgenologisch zu erkennen ist.

Die sich schleichend entwickelnde Instabilität der Wirbelsäule versucht der Köper dahingehend zu begegnen, dass knöcherne Anbauten an den Wirbelkörpern (Osteophyten / Exophyten) produziert werden, die nach Halt in der Umgebung suchen.

Bei sehr weit fortgeschrittener Instabilität, kann sich eine verschleißbedingte Verkrümmung der Wirbelsäule ausbilden, wodurch die Statik der Wirbelsäule weiter geschwächt wird (degenerative Skoliose).

Die veränderte Wirbelsäulenstatik ändert auch die Ursprungs- und Ansatzpunkte der Muskulatur und des Bandapparates der Wirbelsäule, wobei sich einige Muskeln und Bänder zu sehr annähern und verkürzen und andere wiederum zu sehr gestreckt werden. Beides führt über den Funktionsverlust zur Schwächung dieser Strukturen. Schmerzhafte Muskelhärten (Muskelhartspann/Myogelosen) können sich ausbilden.

Durch eine inkongruente Lage der Wirbelkörpergelenke zueinander kommt es zu einem vorzeitigen Knorpelabrieb der Gelenkpartner. Es spielen sich dann die gleichen Vorgänge ab, die für die Kniegelenkarthrose oder Hüftgelenksarthrose hinlänglich bekannt sind. Es kommt zur Gelenkentzündung, Kapselschwellung und –verdickung, sowie schneller noch als bei den großen Gelenken, zur Gelenkdeformität. Das Gesamtbild einer Wirbelgelenkarthrose (Spondylarthrose) ist entstanden.

  • Instabilitätsbedingte Verschiebungen der Wirbelkörper (Pseudospondylolisthesis)
  • Verdickungen der Wirbelgelenkstrukturen
  • knöcherne Wirbelkanalanbauten
  • Bandscheibenvorwölbungen
    und
  • Verdickungen der Wirbelbänder (Ligamentum flavum)

können schließlich zu einer beträchtlichen Enge des Wirbelkanals führen (Spinalkanalstenose) und das Rückenmark selbst oder die abgehenden Nervenwurzeln bedrängen. Als Rezessusstenose bezeichnet man eine Bedrängung der Nervenwurzel im Rezessus lateralis, meistens durch degenerative Veränderungen des oberen Wirbelgelenkfortsatzes (Prozessus articularis superior) verursacht.

Symptome der Spinalkanalstenose

Die Beschwerden die durch eine Spinalkanalstenose hervorgerufen werden können sind vielfältig und wenig charakteristisch. Erst in sehr weit fortgeschrittenem Stadium der Spinalkanalstenose tritt eine erkrankungsspezifische Symptomkonstellation (Krankheitszeichen) auf.

Zu den allgemeinen Symptomen der Spinalkanalstenose gehören:

  • Rückenschmerzen (Lumbago) in Ruhe, bei Bewegung, bei Belastung, je nach Schweregrad der Erkrankung
  • Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine (Lumboischialgie), entweder entsprechend dem Ausbreitungsgebiet (Dermatom) einer Nervenwurzel oder unspezifisch.
  • Gefühlsstörungen (Mindergefühl = Hypästhesie) der Beine
  • Missempfindungsstörungen (Parästhesien) der Beine, z.B. Brennen, Ameisenlaufen, Kältegefühl, Watte unter den Füßen
  • Schwächegefühl der Beine
  • Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule
  • Muskelverspannungen
  • Blasen-/Mastdarmstörungen (Probleme beim Stuhlgang und Wasserlassen)

Krankheitstypisch für eine Spinalkanalstenose sind Rückenschmerzen mit Maximum beim Gehen und Ausstrahlung über das Gesäß in die Beine sowie ein Schwächegefühl der Beine. Durch Vorbeugen des Rumpfes bessern sich die Beschwerden (z.B. Fahrradfahren). Ebenso durch Hinsetzen und Hinlegen.

Man spricht deshalb bei der Spinalkanalstenose auch von der Schaufensterkrankheit (Claudicatio spinalis), weil die Betroffenen, wie bei einem Schaufensterbummel, nach kurzen Gehstrecken stehen bleiben müssen, um eine Schmerzerleichterung zu erfahren. Weil dies für die Patienten oft unangenehm und peinlich ist, wird so getan, als interessiere man sich für die Auslagen in den Schaufenstern.

Schmerzen in der Halswirbelsäule

Beschwerden der Halswirbelsäule

In den allermeisten Fällen tritt eine Verengung des Spinalkanals, also des Kanals, durch den die Nerven des Rückenmarks geleitet werden, im Bereich der Brustwirbelsäule sowie begrenzt auch in der Lendenwirbelsäule auf. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine solche Verengung im HWS-Bereich auftritt und entsprechend für Beschwerden sorgt. Die Halswirbelsäule zieht sich von Wirbel C1 bis C7.

Aufgrund des Drucks, der auf die austretenden Nerven der HWS bei einer Spinalkanalstenose entsteht, kommt es vor allem zu Nackenschmerzen, die an Intensität zunehmen. Des Weiteren klagen die Patienten über zum Teil starkes Taubheitsgefühl der oberen Extremität. Zu Beginn einer Spinalkanalstenose und damit einer der ersten Symptome sind Kribbelgefühle im Bereich der Arme, der Hände oder der Finger. Manchmal wird auch über ein Kältegefühl bzw. ein Wattegefühl berichtet. In extremen Fällen kann es auch zu Mobilitätsbeeinträchtigungen kommen. Manchmal können die Betroffenen den Arm oder die Beine nur noch eingeschränkt bewegen.

Beschwerden der Lendenwirbelsäule

Die Lendenwirbelsäule bildet den Abschluss der Wirbelsäule nach unten und besteht aus 5 Wirbeln. Die sich noch anschließenden 2 Wirbel sind das Kreuzbein und das Steißbein. Tritt in diesem Bereich eine Verengung des Spinalkanals auf, spricht man auch von einer lumbalen Spinalkanalstenose.

Kommt es zu einer Verengung in diesem Bereich, berichten die Betroffenen zunächst über Rückenschmerzen der tiefen LWS sowie über eine schnelle Ermüdbarkeit der Beine. Meistens kommt es nicht abrupt sonder schleichend zu einer Verengung des Spinalkanals, und so treten die ersten Symptome auch entsprechend langsam auf.
Meistens sind die ersten Beschwerden bei unbehandelter Spinalkanalstenose nicht rückläufig, sondern verschlechtern sich Stück für Stück. Im weiteren Verlauf kommt es zunächst dann zu Kribbeln in den Beinen und Taubheitsgefühl. In den allermeisten Fällen gehen die Betroffenen dann erst zum Arzt. Diese Beschwerden deuten auf jeden Fall schon auf eine starke Beeinträchtigung der Nerven im Bereich der LWS hin.

Zur Diagnostik der Wahl gehört neben einer ausgiebigen neurologischen Testung (hierbei wird festgestellt, welche Nerven auf welcher Höhe betroffen sind). Daraufhin sollte schnellstmöglich eine Bildgebung stattfinden. Hierbei ist die Magnetresonanztomografie Mittel der Wahl. Unter Umständen wird sie mit Kontrastmittel durchgeführt und zeigt sehr deutlich an, an welcher Stelle das Rückenmark eingeengt ist. Im weiteren Verlauf, bei unbehandelter Spinalkanalstenose kommt es bei den Betroffenen zu einem zunehmenden motorischen Ausfall der Beine. Meistens knicken die Bein weg, die Patienten haben nicht mehr die ausreichende Kontrolle der Bewegung. Werden hier auch keine Maßnahmen zur Behandlung eingeleitet, kommt es unter Umständen zu kompletten Lähmungserscheinungen im Bereich der Beine.

Im Allgemeinen sind die Symptome nach einer operativen Dekompressionsbehandlung langsam rückläufig. Trotzdem ist es besonders wichtig so früh wie möglich mit einer entsprechenden therapeutischen Behandlung zu beginnen, um entsprechende Langzeitschäden abzuwenden. Die Ursachen für eine Spinalkanalstenose liegen meistens in einer zunehmenden Degeneration, also Abnutzung, der Wirbelkörper. Auch Verkalkungen oder Vorfälle der Bandscheiben in diesem Bereich können dazu führen, dass sich der Raum im Bereich der Wirbelsäule zunehmend verengt. Zu den Hauptursachen von Degenerationen im Bereich der Wirbelkörper kommen vor allem Fehlbelastungen im täglichen Leben bzw. unzureichend ausgeglichene Fehlstellungen als Ursache in Frage.

Diagnose einer Spinalkanalstenose

Die Krankengeschichte (Anamnese) der Patienten, mit den Indizien für eine Spinalkanalstenose ist richtungsweisend. Meistens jedoch werden eher die unspezifischen Krankheitssymptome beschrieben. Durch den Untersuchungsbefund allein sind das Krankheitsbild und ist die Höhe der Spinalkanalstenose meistens nicht festzulegen.

Bildgebende Verfahren helfen hier die Erkrankung und deren Ausmaß zu diagnostizieren.

1. Röntgen

Prinzipiell lässt sich die Röntgenaufnahme der Wirbelsäule als bildgebende Basisdiagnostik bezeichnen. Über die Röntgenbilder erhält der behandelnde Arzt einen Einblick in die Wirbelsäulenhaltung. Darüber hinaus können knöcherne Veränderungen (Kalksalzminderung, Wirbelsäulenverkrümmungen, ein Wirbelkörperbruch, Wirbelgelenkarthrosen, Wirbelkörperanbauten) und Bandscheibenerniedrigungen erkannt werden.

Die Spinalkanalstenose selbst kann in konventionellen Röntgenaufnahmen nicht direkt erkannt werden. Hierfür sind Schnittbildverfahren wie CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie) notwendig, die durch ihre transversale Schnittführung die Weite des Wirbelkanals darstellen können.

2. CT/MRT

Die Schnittbilddiagnostik (CT und MRT der LWS oder HWS, entweder mit oder ohne Kontrastmittel) ermöglicht die Zuordnung des Schmerzes zu einem bestimmten Nerven oder einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt.

Mit Hilfe einer CT (Computertomographie) Untersuchung lassen sich insbesondere weitergehende Fragen bezüglich der knöchernen Struktur beantworten (z.B. Spinalkanalstenose, Wirbelkörperbruch).

Noch wertvoller in der Wirbelsäulendiagnostik ist hingegen die MRT der LWS oder HWS (Magnetresonanztomographie), die neben den knöchernen Strukturen, deutlich besser als die CT, auch die Weichteilstrukturen (Bandscheiben, Nervenwurzeln, Bänder) darstellt. Alle o.g. Erkrankungen können mit der MRT der LWS oder HWS erkannt und einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt zugeordnet werden.
Weitere Informationen hierzu finden Sie auch unter unseren Themen:

3. Myelographie

Die Myelographie beschreibt eine Untersuchung, bei der dem Patienten Kontrastmittel in den Duralsack injiziert wird.
Der Duralsack umhüllt das Rückenmark und ist im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule der Bereich, der den Anfang eines Nerv umgibt, bevor dieser den Rückenmarkskanal wieder verlässt.
Durch die Vermischung von Nervenwasser und Kontrastmittel lassen sich somit gezielt Fragestellungen in Bezug auf das Rückenmark klären. Nach der Einspitzung des Kontrastmittels werden gewöhnlich Funktionsaufnahmen der Wirbelsäule vorgenommen (in Beugung und Streckung), um eine Nerven-/Rückenmarkbedrängung in funktioneller Stellung zu erkennen.

Die Myelographie ist jedoch in ihrer Vorrangstellung durch das MRT abgelöst worden, was unter anderem dadurch bedingt ist, dass die Kontrastmittelgabe ein gewisses – wenn auch niedriges – Komplikatons-Risiko birgt. Allerdings bietet sie den Vorteil, dass Bilder der Wirbelsäule unter Belastung (also bei stehendem Patienten) und in bestimmten Körperpositionen gewonnen werden können. Dies kann das MRT bisher nicht leisten.

Zugleich wird bei der Spinalkanalstenose häufig auch eine CT-Untersuchung angeschlossen, die aufgrund des applizierten Kontrastmittels aussagekräftiger für bestimmte Fragestellungen wird (Myelo-CT) und bezüglich der Rückenmarkbeurteilung sogar der MRT überlegen ist.

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Zum Ausschluss von Nervenschädigungen oder aber um den Grad eventueller Nervenschädigungen ermitteln zu können, müssen erweiterte Untersuchungen durchgeführt werden. Dies kann durch eine fachneurologische Untersuchung und Erhebung neurophysiologischer Parameter (z.B. Nervenleitgeschwindigkeit) erfolgen.

Röntgenbild Spinalkanalstenose

  1. Rückenmark
  2. Spinalkanalstenose
  3. Wirbelkörper
  4. Bandscheibe

Spinalkanalstenose LWS

Symptome
Die Patienten klagen häufig über starke Rückenschmerzen, die oftmals auch ausstrahlen können, beispielsweise in eines oder beide Beine (Lumboischialgie). Diese ausstrahlenden Schmerzen werden zumeist als einschießend und stechend beschrieben. Ein weiteres Merkmal ist eine oftmals eingeschränkte Gehstrecke. Je nach Ausprägung der Einengung geben die Patienten schon nach (wenigen) 100 Metern an, dass die Beine beginnen zu schmerzen und sie ein unangenehmes Kribbeln oder Taubheitsgefühl empfinden, das sie am Weiterlaufen hindert. Dieses Phänomen wird als Claudicatio spinalis bezeichnet. Charakteristisch für die Claudicatio bei der Spinalkanalstenose ist, dass die Schmerzen sich bessern, wenn der Patient sich nach vorne beugt (Reklination). (Wohingegen eine durch Reklination bedinge Besserung der Beschwerden bei der Claudicatio intermittens – umgangssprachlich auch als "Schaufensterkrankheit" beschrieben – nicht zu beobachten ist. Diese wird durch eine arterielle Minderdurchblutung der unteren Extremität bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit bedingt, hat also ganz andere Ursachen, aber eine ähnliche Symptomatik.) Die Besserung durch Vorbeugung ist dadurch zu erklären, dass sich hierbei der Wirbelkanal ein kleines Stück weitet und somit eine leichte Entlastung des Rückenmarks erreicht wird. So bevorzugen betroffene Patienten zumeist auch eine nach vorn gebeugt sitzende Stellung gegenüber dem Liegen, was in ausgeprägten Fällen dazu führen kann, dass sie auch im Sitzen versuchen zu schlafen.

Therapie
Grundsätzlich wird eine Spinalkanalstenose erst einmal konservativ (also nicht-operativ) angegangen. Hierbei ist das nicht Ziel nicht, die zugrunde liegende Ursache zu entfernen, sondern die hieraus entstandenen Folgen zu behandeln. Zu den Maßnahmen gehören Entlastung des Rückenmarks, beispielsweise durch Stufenbettlagerung oder – wenn der Patient weiterhin mobil ist – Bewegung wie Radfahren. Medikamentös werden Schmerzmittel eingesetzt, vor allem solche aus der Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), hierzu zählen Stoffe wie Ibuprofen, Diclofenac, Piroxicam und Celecoxib (Celebrex®). Außerdem spielt ein früher Beginn der Physiotherapie eine wichtige Rolle zur Behandlung muskulärer Verspannungen und zum Erlernen eines rückengerechten Verhaltens. Auch Spritzen die Lokalanästhetika zur vorübergehenden Betäubung enthalten und direkt in den betroffenen Bereich gespritzt werden, können zeitweise Abhilfe schaffen.

Ein operativer Eingriff sollte dann in Erwägung gezogen werden wenn der Patient auch nach konservativer Behandlung weiterhin deutliche Beschwerden hat, die Erkrankung also therapierefraktär ist. Aber auch – oder vor allem – wenn es zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen oder größeren Sensibilitätsstörungen kommt sollte eine Operation dringend überdacht werden. Ziel der Operation ist eine Entlastung des Rückenmarks dadurch, dass knöcherne oder ligamentäre (zum Bandapparat gehörige) Teile der Wirbelsäule entfernt oder gespalten werden. Dieses Verfahren wird als mikrochirurgische Dekompression bezeichnet. Mikrochirurgisch deshalb, weil mit einem Operationsmikroskop gearbeitet wird, das es möglich macht, dass nur sehr kleine Hautschnitte gesetzt werden müssen. Erstreckt sich die Enge über mehrere Wirbel, so muss die Operation offen (also mit einem größeren Hautschnitt) erfolgen.

Spinalkanalstenose HWS

Symptome

Im Bereich des Halsmarkes finden sich unter anderem Nerven zur Versorgung der Arme. Ein mögliches Symptom bei zervikaler Enge sind also neben Nackenschmerzen auch Schmerzen in den Armen (Brachialgien) und Händen, die sich bis hin zu Kribbeln und Taubheitsgefühl ausweiten können. Auch eine Schwäche in Armen und Händen und feinmotorische Ungeschicklichkeit können hinweisend sein. Doch nicht nur die Nerven zur Versorgung der oberen Körperhälfte verlaufen im Bereich der Halswirbelsäule, sondern auch die Nerven, die den unteren Teil der Körpers versorgen. So kann es bei ausgeprägter Kompression des Rückenmarks auch zu Schmerzen in den Beinen und Gangunsicherheit führen, sogar ein Kontrollverlust über Stuhl- und Urinabgang ist denkbar. Die umgehende Konsultation eines Arztes ist hier dringend geboten.

Therapie

Auch hier gilt, dass grundsätzlich erst einmal ein konservativer Therapieansatz mit Schmerzmitteln und Physiotherapie versucht werden sollte. Bei einer Schädigung des Rückenmarks, die sich durch neurologische Ausfälle wie beispielsweise Lähmungserscheinungen bemerkbar macht sollte jedoch ein operatives Vorgehen dringend überdacht werden.
Bei der Operation gibt es zwei mögliche Zugangswege. Einen von vorne (ventral) und einen von hinten (dorsal). Beim Zugang von vorne können Bandscheibe oder knöcherne Anteile entfernt werden. Beim Eingriff von dorsal können Wirbelbögen aufgesägt oder Teile des Bandapparates entfernt oder gespalten werden, was ebenfalls zur einer Entlastung des Rückenmarks führt.

Operation einer Spinalkanalstenose

Ein operativer Eingriff bringt einige Risiken mit sich.

Die auch als Dekompressionsbehandlung bezeichnete Operation einer Spinalkanalstenose wird dann durchgeführt, wenn das Risiko gegen den Nutzen ordentlich durch den Neurochirurgen abgewogen wurde. Sie ist nicht ohne Risiken durchführbar, aber oftmals unabdingbar, denn bei einer starken unbehandelten Spinalkanalstenose droht die Querschnittslähmung.
Ziel der Dekompressionsbehandlung ist es, dem eingeengten Rückenmark wieder genug Platz einzuräumen, damit wieder genügend Nervenreize ungehindert in diesem Bereich weitergeleitet werden können. Die Operation wird mittels Operationsmikroskop bei dem auf dem Rücken liegenden Patienten durchgeführt. Insgesamt ermöglicht ein ca. 3-4 cm langer Schnitt den Zugang zum Wirbelsäulenbereich der HWS. Die Bandscheibe des betroffenen Wirbels wird mittels Operationsmikroskop entfernt. Anschließend werden die Strukturen herausgetrennt, die zu der Verengung des Spinalkanals führten. Sobald diese Strukturen entfernt wurden, wird die Stelle, an der die Bandscheibe der HWS war, durch eine Kunststoffkonstruktion aufgefüllt.
Der Krankenhausaufenthalt beträgt etwa drei Tage. Der Hals muss 2 Tage nach der Operation ruhiggestellt bleiben. Danach beginnt die physiotherapeutische Nachbehandlung, die mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Im allgemeinen kommt es an der Stelle, wo es zu der Spinalkanalstenose gekommen ist, nicht mehr zu einer Verengung. An anderer Stelle kann aber wieder eine solche Engstelle vorkommen.

Lesen Sie auch mehr unter unserem Thema: OP einer Spinalkanalstenose

OP einer Spinalkanalstenose der LWS

Reicht eine konservative Behandlung, also eine physiotherpeutische oder medikamentöse Behandlung nicht aus den notwendigen Erfolg zu erbringen, so muss überlegt werden, ob ein operatives Vorgehen sinnvoll ist. Hier ist es notwendig die Risiken gegen die Nutzen einer Operation abzuwägen. Vor allem, wenn die Beschwerden über Monate anhalten, sich verschlechtern sowie auch neurologischen Beschwerden und Ausfälle mit sich führen, muss über eine OP ernsthaft nachgedacht werden.

Der Eingriff findet in Vollnarkose statt. Er wird in speziellen Zentren durchgeführt und findet meistens minimal invasiv, also mit einer operativen Schlüssellochtechnik statt. Meistens wird hierfür ein Operationsmikroskop genutzt, das dem Operateur einen guten Blick und Zugriff auf die Wirbelsäule gewährleistet. Die Operation wird auch als Dekompressionslaminektomie bezeichnet. Nach Desinfektion und Hautschnitt entfernt der Operateur Teile des Wirbelkörpers. Diese Teile sind Wirbelbögen, Dornfortsätze und Facettengelenke.
Manchmal kann es auch notwendig werden, dass eine Bandscheibe komplett entfernt werden muss. Sodann kann der Operateur durch sein Mikroskop sehen, welche Struktur zu der entsprechenden Einengung des Wirbelkanals führt. Meistens sind dies Verkalkungen oder knöcherne Vorsprünge sowie degenerative Veränderungen, die zu einer solchen Einengung führen. Diese Vorsprünge oder Verkalkungen werden dann entfernt. Manchmal werden Teile der Bandscheibe wieder eingesetzt, manchmal auch durch ein Kunststoffpräparat ausgetauscht.
In einigen Fällen kann es auch vorkommen, dass die Stelle im Bereich der Wirbelsäule versteift werden muss. In diesem Fall werden zwei gegenüberliegende Wirbelkörper durch eine Schraube oder einen Nagel verbunden und so unbeweglich aneinandergebunden. Da dies meistens nur 2 Gelenkkörper betrifft, hat diese Versteifung keinen Einfluss auf die gesamte Beweglichkeit der Wirbelsäule.
Nach einer Operation, muss der Patient meistens 3-5 Tage in der Klinik bleiben. Danach beginnt die Rehabilitationsphase, die auch aus einer umfangreichen physiotherapeutischen Behandlung besteht. 2-3 Mal in der Woche sollte ein Physiotherapeut aufgesucht und entsprechende Übungen durchgeführt werden. Diese Übungen bewirken meistens einen Aufbau der Muskulatur, die dafür sorgen soll, dass die Wirbelsäule entlastet wird. Des Weiteren werden den Betroffenen auch Übungen gezeigt, die sie im Alltag anwenden können und die dafür sorgen sollen, dass entsprechende Fehlhaltungen nicht mehr stattfinden. Nur so kann auch verhindert werden, dass es in den Folgejahren zu einem erneuten Bandscheibenvorfall der LWS bzw. Spinalkanalstenose kommen kann.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.02.2017
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