Facettensyndrom

Synonyme

Facettengelenkssyndrom, Facettenschmerz, Spondylarthrose, Wirbelgelenkarthrose, Wirbelgelenkverschleiß, degenerative Wirbelsäulenerkrankung, Lumbalsyndrom, LWS-Syndrom, Zervikalsyndrom, Cervicalsyndrom, HWS-Syndrom

Definition und Lokalisation

Das Facettensyndrom gehört zu den degenerativen (verschleißbedingten) Erkrankungen der Wirbelsäule und beschreibt ein Komplex verschiedener Krankheitszeichen (Syndrom) bei fortgeschrittener Abnutzung der kleinen Wirbelgelenke (Spondylarthrose).

Die Spondylarthrose selbst kann entweder als eigenständiges, führendes Krankheitsbild auftreten, dann spricht man von einem Facettensyndrom, oder wiederum Verursacher anderer Krankheitsbilder sein (z.B. Spinalkanalstenose, Wurzelkompressionssyndrom)

Von einem Facettensyndrom sind vorwiegend Menschen über 50 Jahre betroffen. Das Krankheitsbild tritt überwiegend im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (LWS) auf, kann aber auch die Wirbelgelenke (Facetten) der Halswirbelsäule (HWS), am seltensten die der Brustwirbelsäule (BWS) betreffen.

Lokale Rückenschmerzen mit Zunahme bei Belastung und Besserung in Ruhe sind die führenden Krankheitszeichen.

Ein Bandscheibenschaden, wie er nach einem Bandscheibenvorfall auftritt, kann ursächlich für das Facettensyndrom sein.


Symptome

Das Leitsymptom des Facettensyndroms ist der Schmerz der Wirbelsäule. Als Folge langjährigen Verschleißes der Wirbelgelenke kann das Facettensyndrom in allen Bereichen der Wirbelsäule auftreten, an der Lendenwirbelsäule (LWS) ist es jedoch am häufigsten zu finden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Hauptartikel: Symptome des Facettensyndroms

Der Schmerz entsteht durch eine Entzündung am Facettengelenk und lässt sich somit lokal durch Druck provozieren und verstärken. Hinzu kommt oft ein Ausstrahlen der Schmerzen. Die Fortleitung ist abhängig von der Höhe des ursprünglichen Gelenks. Bei betroffenen Wirbeln der Lendenwirbelsäule ist die Ausstrahlung in das Bein typisch. In der Brustwirbelsäule lässt sich die Fortleitung eher am Oberkörper spüren. Ist die Halswirbelsäule betroffen, kann der Schmerz bis in die Arme, Hände und Finger ausstrahlen. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten pseudoradikulären Schmerz. Mit „Radix“ ist die Nervenwurzel gemeint, die am betroffenen Gelenk entspringt. Der Schmerz breitet sich entlang des Verlaufs der Nervenstränge aus, ohne jedoch die typischen Reizungen an der Nervenwurzel zu verursachen. Beim Facettensyndrom kommt es dadurch in der Regel nicht zu Kribbeln und Taubheit und auch die Reichweite des Schmerzes ist geringer.

Schmerzen bei einem Facettensyndrom

Durch den Verschleiß des Gelenks werden auch die Gelenkflächen und Gelenkkapseln in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch kann Gelenkflüssigkeit austreten und die Gelenkkapsel kann sich entzünden, was lokal an der Wirbelsäule einen starken Schmerz verursacht. Dieser lässt sich durch Druck oberhalb des betroffenen Wirbels provozieren. Je nach Verlauf des Facettensyndroms strahlt der Schmerz entlang der vom betroffenen Wirbel ausgehenden Nervenstränge aus. An der Lendenwirbelsäule sind oft die Beine vom Schmerz betroffen, an der Halswirbelsäule vor allem die Schultern und Arme. Die Brustwirbelsäule ist zwar nur selten betroffen, kann aber Schmerzen entlang der Rippen bewirken.

Lokalisierung eines Facettensyndroms

Lendenwirbelsäule (LWS)

Ein enorm großer Anteil erwachsener Menschen in Deutschland leidet an chronischen Rückenschmerzen. Unter dem Oberbegriff „LWS-Syndrom“ wird eine Reihe von Erkrankungen zusammengefasst, die solche Schmerzen verursachen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Facettensyndrom an der LWS

Das Facettensyndrom ist eine häufige Grunderkrankung, die ein LWS-Syndrom nach sich zieht. Schuld an dem Verschleiß der Facettengelenke sind mehrere Faktoren. Heutzutage üben die meisten Menschen langwierige sitzende Tätigkeiten aus. Die Rückenmuskulatur, welche die Wirbelsäule maßgeblich stabilisiert, ist bei einem Großteil der Erwachsenen zu schwach ausgeprägt. Hinzu kommen schädliche, falsche Bewegungen zum Beispiel beim Heben. Schweres Heben aus dem Rücken belastet die Wirbelsäule und insbesondere die Bandscheiben enorm.

Die Lendenwirbelsäule ist dabei besonders häufig betroffen, da auf ihr große Teile des Körpergewichts lasten. Aus diesem Grund ist auch Übergewicht ein zusätzlicher Risikofaktor. Zudem besitzt die LWS eine deutlich höhere Beweglichkeit, als die Brustwirbelsäule, die durch die Rippen in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt wird.

Bei dem Facettensyndrom der Lendenwirbelsäule liegt der Ursprung des Verschleißes oft bei den Bandscheiben. Durch ihren Höhenverlust liegen die Zwischenwirbelgelenke näher aufeinander, was zur einer stärkeren Abnutzung mit jeder Bewegung führt. Zusätzlich können sich dadurch die Gelenkflächen und Gelenkkapseln entzünden und zu erheblichen Schmerzen führen. Im Bereich der Lendenwirbelsäule treten diverse Nerven aus dem Rückenmark aus, welche die Beine, Füße und Leistenregion sensibel und motorisch versorgen. Bei einem Facettensyndrom kann es im Verlauf zu einer Fortleitung des Schmerzes im Bereich dieser Nervenstränge kommen.

Lesen Sie hierzu auch: Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls

Halswirbelsäule (HWS)

Die Halswirbelsäule ist von einem Facettensyndrom deutlich seltener betroffen als die Lendenwirbelsäule, jedoch häufiger als die Brustwirbelsäule. Dies liegt daran, dass die Halswirbelsäule als sehr flexibler, beweglicher Teil der Wirbelsäule zwar viele alltägliche Aufgaben übernimmt, jedoch einer geringeren Druck- und Gewichtsbelastung als die Lendenwirbelsäule ausgesetzt ist.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Facettensyndrom an der HWS

Wenn das schmerzhafte Facettensyndrom auftritt, sind die Symptome jedoch umso lästiger im Alltag. Neben permanenten Nackenschmerzen machen sich auch der Hinterkopf, die Schultern und Schulterblätter bemerkbar. Findet eine Fortleitung des Schmerzes statt, kann der Schmerz bis in die Finger ausstrahlen. Eine aufrechte Körperhaltung und kräftige Nackenmuskulatur sind wichtige Faktoren, um ein Facettensyndrom der HWS zu verhindern.

Bei leichten Schmerzen kann schon Wärme, zum Beispiel durch das Tragen eines Schals Linderung verschaffen. Die Behandlung des Facettensyndroms an der Halswirbelsäule sollte generell vorsichtig gehandhabt werden, da sich am Hals auf engem Raum viele lebenswichtige Strukturen befinden. Manuelle Eingriffe und kräftige Übungen können bei Schäden an der Halswirbelsäule sogar lebensbedrohlich sein (Lesen Sie hierzu auch: Behandlung eines HWS-Syndroms)

Brustwirbelsäule (BWS)

Die Brustwirbelsäule ist von einem Facettensyndrom nur sehr selten betroffen. Der starre Brustkorb mit den Rippen schränkt die BWS weitestgehend in der Beweglichkeit ein. Auch von Belastungen beim Heben schwerer Lasten ist größtenteils lediglich die Lendenwirbelsäule betroffen.

Das Facettensyndrom an der BWS macht sich vor allem durch Druckbelastungen auf den oberen Rücken bemerkbar. Zum Beispiel im Liegen kann dieser Schmerz erstmalig auffallen. Auch bei Anspannung der Brustmuskeln oder beim Zusammenziehen der Schulterblätter kann der Schmerz provoziert werden. In seltenen Fällen kann der Schmerz entlang der Rippen bis zum Brustbein fortgeleitet werden. Liegt das Facettensyndrom am Übergang zur Halswirbelsäule vor, können auch Schultern und Arme betroffen sein.

Lesen Sie hierzu auch: Schmerzen in der Brustwirbelsäule

Anatomie

Die Lendenwirbelsäule (LWS) wird aus den fünf Lendenwirbeln der Wirbelsäule gebildet. Da sie im unteren Bereich der Wirbelsäule lokalisiert sind, müssen sie den höchsten Gewichtsanteil tragen. Aus diesem Grund sind sie auch wesentlich dicker als die anderen Wirbel. Dies vermeidet jedoch nicht die Verschleißerscheinungen, die besonders in diesem Bereich sehr häufig auftreten. So sind beispielsweise Gelenkabnutzungen und Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule am häufigsten.

Jeder Wirbelkörper besitzt zwei obere und zwei untere Wirbelgelenke. Diese schaffen die Verbindung zu dem nächst oberen bzw. unteren Wirbelkörper, der wiederum die gleichen Gelenkfortsätze besitzt. Je nach Ausrichtung der Wirbelgelenke und Aufbau der Wirbelkörper sind unterschiedliche Bewegungsausmaße für den betreffenden Wirbelsäulenabschnitt möglich.

Die Gesamtbeweglichkeit der Wirbelsäule ist groß, obwohl zwischen den einzelnen Wirbelkörpern nur relativ geringe Bewegungen möglich sind. Durch Summation dieser kleinen Bewegungsspielräume resultiert letztendlich der große Bewegungsumfang.

Den größten Bewegungsumfang besitzen die Halswirbelsäule (HWS) und dort insbesondere die unteren Halswirbelabschnitte, aufgrund der annähernd horizontalen Ausrichtung der kleinen Wirbelgelenke. Bewegungen in alle Richtungen sind gut möglich.

Der Bewegungsumfang der Brustwirbelsäule (BWS) ist gering, aufgrund des besonderen Wirbelkörperaufbaus und der Befestigung der Rippen. Die hauptsächliche Bewegung der Brustwirbelsäule findet bei Drehung des Oberkörpers in der unteren Brustwirbelsäulenregion statt.

In der Lendenwirbelsäule sind hauptsächlich Beuge- und Wiederaufrichtbewegungen und Seitwärtsbewegungen möglich. Eine Drehbewegung findet aufgrund des besonderen Wirbelkörperaufbaus und der Wirbelgelenkausrichtung (vorne/hinten) kaum statt.

Ursachen

Das Facettensyndrom ist eine erworbene Alterskrankheit.

Zu den Ursachen ihrer Entstehung gehören:

  • Überlastungen in Beruf und Sport
  • Bandscheibendegenerationen / Bandscheibenverschleiß
  • Bandscheibenvorfall
  • Wirbelsäuleninstabilitäten
  • Wirbelsäulenverformungen (Seitverkrümmungen: Skoliose; Hyperlordose: Hohlkreuz)
  • Rheuma
  • Übergewicht / Muskelschwäche

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Hauptartikel: Ursachen eines Facettensyndroms

Im Rahmen einer Bandscheibendegeneration/Bandscheibenverschleiß kommt es zur Höhenminderung und Instabilität der Wirbelsäule mit Fehl- und Überlastung der Wirbelgelenke.

Schwere körperliche Arbeit (viel Heben und Bücken) fördert das Auftreten eines Facettensyndroms der Lendenwirbelsäule durch gesteigerten Verschleiß. Überkopf-Arbeiten, wie beispielsweise bei Malerarbeiten, können durch die gesteigerte Belastung der Wirbelgelenke bei der Reklination (nach oben schauen, Rückbeugen) zu einem Facettensyndrom der Halswirbelsäule führen.

Instabilitäten und Verkrümmungen der Wirbelgelenke führen zu einem erhöhten Knorpelabrieb durch eine krankhaft erhöhte Gelenkbeweglichkeit oder einer verkrümmungsbedingten Fehlbelastung.

Rheumatische Erkrankungen können sich auch an der Wirbelsäule abspielen und zu einem frühzeitigen Wirbelgelenkverschleiß führen.

Gründe warum es zu einem Wirbelgelenkschmerz kommen kann:

  • Typischer Arthroseschmerz (Facettensyndrom)
  • Entzündungsschmerz (Rheuma, rheumatoide Arthritis)
  • Schleimhauteinklemmungen (akuter Rückenschmerz)
  • Funktionsstörungsschmerz („Blockierungen“) (akuter Rückenschmerz)

Lesen Sie mehr zum Thema: LWS Syndrom Ursachen

Krankheitsentstehung (Pathologie)

Die Krankheitsentstehung des Facettensyndroms ist im Zusammenhang mit anderen degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen zu sehen.

Der Verschleiß der Bandscheiben beginnt schon in den 20iger Jahren eines Menschen. Es kann zur Bandscheibenvorwölbung oder zum Bandscheibenvorfall (Nucleus pulposus prolaps) kommen. Der zunehmende Wasserverlust der Bandscheibe führt zu einer Höhenabnahme des Zwischenwirbelkörperabschnittes (Osteochondrose). Die Folgen sind eine Überlastung der kleinen Wirbelgelenke, eine Fehlfunktion der Wirbelsäulenbänder und eine sich schleichend entwickelnde Instabilität des sogenannten Wirbelsäulenbewegungssegmentes (bestehend jeweils aus zwei Wirbelkörpern und der dazwischen liegenden Bandscheibe).

Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper werden durch die erniedrigte Bandscheibe mehr belastet. Der Körper reagiert darauf mit einer Knochenverdichtung im Bereich dieser Strukturen (Sklerosierung), was röntgenologisch zu erkennen ist.

Der Instabilität der Wirbelsäule versucht der Köper entgegenzuwirken, indem knöcherne Anbauten an den Wirbelkörpern (Osteophyten/Exophyten) produziert werden, die nach Halt in der Umgebung suchen.

Bei sehr weit fortgeschrittener Instabilität, kann sich eine verschleißbedingte Verkrümmung der Wirbelsäule ausbilden, wodurch die Statik der Wirbelsäule weiter geschwächt wird (degenerative Skoliose).

Im weiterem Verlauf der Facettensyndrom verändert sich die Wirbelsäulenstatik. Die Ursprungs- und Ansatzpunkte der Muskulatur und des Bandapparates der Wirbelsäule ändern sich, wobei sich einige Muskeln und Bänder zu sehr annähern und verkürzen und andere wiederum stark gestreckt werden. Beides führt über den Funktionsverlust zur Schwächung dieser Strukturen. Schmerzhafte Muskelhärten (Muskelhartspann/Myogelosen) können sich ausbilden.

Durch eine inkongruente (nicht deckungsgleiche) Lage der Wirbelkörpergelenke zueinander kommt es zu einem vorzeitigen Knorpelabrieb der Gelenkpartner. Es spielen sich dann die gleichen Vorgänge ab, die für die Knie- oder Hüftgelenksarthrose hinlänglich bekannt sind. Es kommt beim Facettensyndrom zur Gelenkentzündung, Kapselschwellung und –verdickung, sowie schneller noch als bei den großen Gelenken, zur Gelenkdeformität. Das Gesamtbild einer Wirbelgelenkarthrose (Spondylarthrose) ist entstanden.

Instabilitätsbedingte Verschiebungen der Wirbelkörper (Pseudospondylolisthesis), Verdickungen der Wirbelgelenkstrukturen, knöcherne Wirbelkanalanbauten, Bandscheibenvorwölbungen und Verdickungen der Wirbelbänder (Ligamentum flavum) können schließlich zu einer beträchtlichen Enge des Wirbelkanals führen (Spinalkanalstenose) und das Rückenmark selbst oder die abgehenden Nervenwurzeln bedrängen. Als Rezessusstenose bezeichnet man eine Bedrängung der Nervenwurzel im Rezessus lateralis (seitlicher Bereich des Wirbelkanals), meistens durch degenerative Veränderungen des oberen Wirbelgelenkfortsatzes beim Facettensyndrom (Prozessus articularis superior) verursacht.

Diagnose

Um die Diagnose eines Facettensyndroms stellen zu können, müssen zunächst die Schmerzen und begleitenden Symptome in einer detaillierten Anamnese erfragt werden. Entscheidend ist dabei vor allem die Lage des Schmerzes in der Wirbelsäule. Abhängig davon, ob der Schmerz in der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule lokalisiert ist, können weitere Symptome typisch sein. Oft findet sich eine sogenannte pseudoradikuläre Schmerzsymptomatik. Dabei leitet sich der Schmerz fort und strahlt in umliegende Körperbereiche aus. Die Lage dieser Symptome lässt wiederum einen Rückschluss auf den Ursprung an der Wirbelsäule zu.

Lesen sie mehr zu diesem Thema im Hauptartikel: Diagnose des Facettensyndroms

Zur Diagnosestellung des Facettensyndroms bieten sich einige körperliche Tests an. Typisch ist beispielsweise ein Schmerz über den Wirbeln, der sich durch gezielten Druck von außen auslösen lässt. Auch die Symptomatik bei Bewegung kann über eine körperliche Untersuchung festgestellt werden. Dabei werden Schmerzpunkte und die Beweglichkeit geprüft, während der Patient Beugungen und Streckungen der Wirbelsäule ausführt.

Erst wenn die Symptome anschließend noch immer unklar bleiben und nicht von Rückenschmerzen anderer Art zu unterscheiden sind, bieten sich in der Diagnostik bildgebende Verfahren an. Da es sich bei dem Facettensyndrom um eine Verschleißerscheinung handelt, müssen detailreiche Aufnahmen herangezogen werden, zum Beispiel das CT oder MRT. Eine reine Röntgenaufnahme reicht zur Darstellung der Gelenke oft nicht aus.

Auch eine sogenannte „Facetteninjektion“ bietet sich als diagnostisches Mittel an. Dazu wird das vermutete Gelenk mit Kochsalzlösung sensibilisiert oder mit einem Anästhetikum betäubt, um eine Schmerzsymptomatik bestätigen zu können.

Das Facettensyndrom muss in der Diagnostik von Bandscheibenvorfällen, Wirbelbrüchen, Spinalkanalstenosen und diversen Schmerzsyndromen am Rücken unterschieden werden, um die richtige Therapie einleiten zu können.

Computertomographie einer Spondylarthrose

  1. Bandscheibe
  2. Spondylarthrose (Arthrose der kleinen Wirbelgelenke)
  3. Rückenmark
  4. Einengung des Nervenkanals durch knöcherne Anbauten (Osteophyten) am Gelenk (verschleißbedingt = Arthrose)
  5. Einengung des Nervenkanals
  6. Wirbelgelenk mit Arthrose
  7. Dornfortsatz

Therapie der LWS

Als häufig betroffenes Gebiet ist die Lendenwirbelsäule ein wichtiger Auslöser des LWS Syndroms, von dem viele Menschen betroffen sind. Es ist ein häufiger Faktor für Berufsunfähigkeit und betrifft insbesondere körperlich hart arbeitende Leute, aber auch Personen mit langen sitzenden Tätigkeiten. Die Therapie ist enorm wichtig, um die Lebensqualität aufrecht zu erhalten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Hauptartikel: Therapie des Facettensyndroms

Bei Verschleißerscheinungen wie dem Facettensyndrom sind zum Zeitpunkt der Diagnose häufig schon viele der Gelenkstrukturen beschädigt. Das Ziel der Therapie besteht darin, den Fortschritt der Erkrankung aufzuhalten, die Nerven zu entlasten, die Bewegung in der Wirbelsäule zu erhalten und die Schmerzen und Symptome einzudämmen. Dazu wird in den meisten Fällen eine Kombination aus symptomatischer Schmerztherapie und ursächlicher Physio- und Bewegungstherapie durchgeführt.

Bei leichten Schmerzen werden zunächst Schmerzmedikamente aus der Gruppe der NSAR verordnet. Die wichtigsten Vertreter sind Ibuprofen und Diclofenac. Bei schwerer erträglichen Schmerzen können Opiate zum Beispiel in Form eines Schmerzpflasters eingesetzt werden. Neuere Methoden der Schmerztherapie umfassen auch Wärmetherapien, Ultraschallbehandlungen oder Stromtherapien.

Essentiell zur ursächlichen Therapie des Facettensyndroms der Lendenwirbelsäule ist eine disziplinierte Bewegungstherapie. Dazu müssen die Rückenmuskeln intensiv gestärkt werden. Unter Anleitung von Physiotherapeuten können auch diverse Übungen zur Aufrechterhaltung der Beweglichkeit im Gelenk durchgeführt werden.

Bei therapieresistenten Schmerzen können symptomatische langfristige Therapiemöglichkeiten erwogen werden. Hierzu können mittels Anästhetika und Koagulationstherapien die sensiblen Nerven am betroffenen Gelenk behandelt werden. Bei letzterer Therapie handelt es sich um eine Hitzeverödung der Nerven. Ziel ist es, die sensiblen Nerven zu zerstören, um den Schmerz langfristig zu unterdrücken.

Therapie der HWS

Das Facettensyndrom ist an der Halswirbelsäule deutlich seltener zu finden, als an den Lendenwirbeln. Durch die vielen Bewegungsmöglichkeiten im Hals, stellt es bei Schmerzen jedoch eine deutlich größere Einschränkung im Alltag dar. Die Schmerzen ziehen vom Nacken mitunter bis in den Kopf. Um den Fortschritt der Erkrankung zu stoppen und die Beweglichkeit im Hals zu erhalten, ist auch in der Halswirbelsäule eine vorsichtige Bewegungstherapie mit symptomatischer Schmerzbehandlung wichtig. Die Bewegungstherapie an der Halswirbelsäule muss vorsichtig durchgeführt werden, da die Gelenk- und Muskelstrukturen hier im Gegensatz zur Lendenwirbelsäule deutlich empfindlicher sind und sich im HWS Bereich viele überlebenswichtige Strukturen befinden.

Die Schmerztherapie besteht aus mehreren Stufen, die abhängig von der Stärke der Schmerzen und der Resistenz gegenüber der Behandlung sind. Medikamente wie Ibuprofen und Diclofenac werden anfänglich verordnet. Bei leichten Beschwerden können auch Naturheilmittel zum Einsatz kommen. Bei unerträglichen Beschwerden können Opiate eingesetzt werden. Auch Ultraschall- und Wärmetherapien können beim Facettensyndrom an der Halswirbelsäule verwendet werden.

Zur ursächlichen Therapie ist es auch wichtig, den Auslöser des Schmerzsyndroms zu ermitteln. Dies können eine fehlerhafte, gebückte Körperhaltung, aber auch Belastungen in Sport und Alltag sein. Zusätzlich müssen die Muskulatur gestärkt und die Körperhaltung optimiert werden. Spezielle Rückenschulen können entsprechende Therapien durchführen und Übungen für den Hals anleiten.

Übungen bei einem Facettensyndrom

In der Rückenschule und Physiotherapie können zur Therapie des Facettensyndroms bestimmte Übungen erlernt werden. Diese haben vor allem den Zweck, die Stabilität der Wirbelsäule zu fördern und die Muskelkraft im Rücken zu stärken.

Die Rückenschule umfasst neben Krafttraining für die lange Streckmuskulatur der Wirbelsäule auch Übungen zur Selbstwahrnehmung des Körpers, Förderung der eigenen alltäglichen Aktivität, Haltungsschulung und Maßnahmen zur Schmerzbewältigung.

Sport mit Facettensyndrom

Sport kann beim Facettensyndrom sowohl Ursache als auch Therapie darstellen. Zunächst können viele Sportarten durch kräftige, ruckartige Bewegungen die Wirbelsäule belasten und das Facettensyndrom auslösen. Bei Sportarten wie Basketball kommt es zu einer vermehrten Belastung der Bandscheiben und in der Folge auch der Facettengelenke.

Kraftsport und Sportarten wie Radfahren und Schwimmen können jedoch den Verlauf des Facettensyndroms positiv beeinflussen. Alle Sportarten, die schonend für die Bandscheiben und Gelenke sind, aber eine hohe Muskelaktivität und Stabilität im Rücken erfordern sind bei einem Facettensyndrom zu bevorzugen. Welche Sportarten im Einzelnen beim Facettensyndrom unterlassen werden sollten und welche bedenkenlos ausgeübt werden können, sollte mit dem Orthopäden oder Physiotherapeuten abgeklärt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.04.2017
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