Behandlung eines HWS-Syndroms

Wie wird das HWS-Syndrom behandelt?

Die Behandlung eines HWS Syndroms gestaltet sich in der Regel als relativ schwierig, besonders beim chronischen Krankheitsbild. So verschieden die Ursachen und Verläufe der Krankheit, so verschieden die Therapien, die den Patienten einen beschwerdefreien Alltag ermöglichen sollen. Besonders beim chronischen Verlauf des HWS-Syndroms kann die Behandlung sehr schwierig sein und oftmals führt nur eine Kombination verschiedener Therapieformen zum Erfolg.

In akuten oder subakuten Fällen wird eine Therapie normalerweise mit Schmerzmitteln begonnen. Hierzu bieten sich zunächst besonders Präparate aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac an. Sind die Schmerzen jedoch besonders schlimm, so greift man manchmal auch auf zentral-wirksame Schmerzmittel (Analgetika) zurück, zum Beispiel solche aus der Gruppe der Morphine, wobei man hier bei der Einnahme vorsichtig sein muss, um keine Abhängigkeit auszulösen. Hier werden häufig Tilidin oder Tramadol (Tramundin®) verwendet.

Alle Schmerzmittel sollen jedoch nur unter Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Hausarzt über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, denn sie führen zu Nebenwirkungen wie Sodbrennen oder Schäden an inneren Organen, denen dann vorgebeugt werden muss (z.B. durch Tabletten zum Schutz des Magens vor der Übersäuerung).

Vor allem bei starken Muskelverspannungen werden ergänzend zu den Schmerzmitteln außerdem Muskelrelaxanzien verabreicht, die die Muskulatur lockern und dadurch ebenfalls Schmerzen lindern können. Dazu gehören unter anderem Sirdalud®DiazepamTolpiseron und Flupirtin. Daneben gibt es dann noch die Möglichkeit, Antidepressiva einzunehmen, die eine gewisse schmerzdistanzierende Wirkung hervorrufen und dadurch den Gebrauch von den klassischen Schmerzmitteln ein wenig herabsetzen können.


Abbildung eines HWS - Syndroms

1. - 3. - Halswirbelsäule (HWS)

  1. Erster Halswirbel (Träger) -
    Atlas
  2. Zweiter Halswirbel (Dreher) -
    Axis
  3. Siebenter Halswirbel -
    Vertebra prominens
  4. Erster Brustwirbel -
    Vertebra thoracica I
  5. Schultereck - Acromion
  6. Oberarmkopf - Caput humeri
  7. Schulterblatt - Scapula
  8. Oberarmbein - Humerus
  9. Zwölfter Brustwirbel -
    Vertebra thoracica XII
  10. Scheitelbein - Os parietale
  11. Großhirn - Telencephalon
  12. Kleinhirn - Cerebellum
    A - Hinterkopf, B - Nacken, C - Schulter, D - Oberarm

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Therapie allgemein

Neben der medikamentösen Behandlung ist beim HWS Syndrom besonders auch die Physiotherapie von großer Bedeutung. Physiotherapie und manuelle Therapie sind wichtige Bestandteile bei der Behandlung des HWS-Syndroms. Gemeinsame Ziele beider Behandlungsmaßnahmen sind eine dauerhafte Linderung der durch das HWS-Syndrom ausgelösten Schmerzen, durch Senkung des Muskeltonus in verspannter Muskulatur, sowie eine Stabilisation der Halswirbelsäule durch zielgerichteten Aufbau von Muskulatur.

Die Physiotherapie wurde bis zum Jahre 1994 als Krankengymnastik bezeichnet. Sie beinhaltet die konservative Behandlung des Körpers mithilfe von sogenannten Heilmitteln, welche äußerlich Anwendung finden.
Unter dem Begriff Heilmittel sind im Grunde verschiedene Substanzen, Materialien und Verfahren zusammengefasst, welche gesundheitsfördernde Wirkung besitzen. Bei der Physiotherapie eingesetzte Heilmittel sind vor allem Wärme, Kälte und Druck. Am häufigsten findet die Physiotherapie bei der Behandlung von orthopädischen Erkrankungen Anwendung. Hierbei liegt die Behandlung von Rückenschmerzen, so auch die Behandlung von HWS-Beschwerden, an erster Stelle.

Bei der Behandlung des HWS-Syndroms unterscheidet man kurzfristige von langfristigen Zielen. Kurzfristige Ziele beinhalten vor allem Schmerzlinderung, Regulation der Muskelspannung des Nacken-, Schulter-, und Rückenbereichs, sowie eine Steigerung der Beweglichkeit des Kopfes.
Langfristige Ziele beinhalten besonders die Heilung der Erkrankung, sowie eine Erhaltung der Arbeitsfähigkeit des Betroffenen. Erreicht werden diese Ziele mithilfe verschiedener Methoden.
Dabei werden aktive Methoden, bei welchen der Betroffene mitarbeiten muss, von passiven Methoden differenziert. Zu den aktiven Methoden gehören beispielsweise Bewegungstherapie (Rückenschule) und Atemtherapie. Die passiven Methoden beinhalten unter anderem Massagen, Thermotherapie (Anwendung von Kälte und Wärme), Hydrotherapie (Anwendung von Wasser) und Phototherapie (Anwendung von kurzwelligem Licht). Physiotherapie wird nach Diagnosestellung vom Arzt verordnet und bei gesetzlich Versicherten meist durch die Krankenkassen finanziert.

Die Manuelle Therapie ist eine Teildisziplin der Physiotherapie. Die Manuelle Therapie beschäftigt sich mit dem Erkennen und Behandeln von Störungen oder Blockierungen in Gelenken der Wirbelsäule. Ziel ist die Aufhebung vorhandener Blockaden, um falsche Bewegungsabläufe im Gelenk und dadurch entstehende Folgeschäden zu vermeiden. Auf die entsprechenden Gelenke wird dabei kräftig und schnell Druck ausgeübt, sie werden „eingerenkt“. So werden Schmerzen gelindert und Bewegungseinschränkungen behoben. Im Bereich der Halswirbelsäule wird die Manuelle Therapie kritisch betrachtet. Im schlimmsten Fall kann die Behandlung, nämlich wenn sie unsachgemäß durchgeführt wird, Blutgefäße im Hals beschädigen und so zu schweren Krankheitsbildern, wie zum Beispiel zu einem Schlaganfall führen.

Verschiedene Behandlungsmethoden des HWS-Syndroms

Während Massagen bei der Behandlung des HWS-Syndroms,zumindest langfristig gesehen, keine größere Wirkung zeigen, ist der Aufbau von Muskulatur mithilfe verschiedener Übungen durchaus sinnvoll. Massagen des Hals-Nacken-Bereichs dienen einer kurzfristigen Schmerzlinderung. Etwas erfolgversprechender sind jedoch sogar häufig Dehnungen oder die sogenannte Traktion, bei der der Kopf langsam in Längsrichtung gezogen wird, wodurch die Wirbelsäule entlastet werden soll.

Die Kräftigungen zum Muskelaufbau, die beim HWS Syndrom stattfinden sollten, bezeichnet man als isometrisch, was soviel bedeutet wie gleichbleibendes Volumen. Der Patient soll also keine sichtbaren Muskelanspannungen durchführen, sondern gegen einen Widerstand gezielt Druck ausüben, entsprechend seiner momentanen Leistungsfähigkeit. Eine konsequente Durchführung solcher Maßnahmen dient auch recht erfolgreich dazu, die Beschwerden langfristig verschwinden zu lassen, da die gesamte Muskulatur im betroffenen Gebiet gestärkt wird.

Außerdem hat man mithilfe der Thermotherapie ein weiteres Feld zur Behandlung des HWS Syndroms gefunden, wobei sowohl Kälte als auch Wärme eingesetzt werden kann. Die Kältetherapie (beispielsweise mit kalter Luft) wird vor allem verwendet, um lokalen oberflächlichen Schmerzen Abhilfe zu schaffen. Die Wärmetherapie (in Form von warmen Bädern, Rotlicht, warmen Kompressen oder Kissen) wird allerdings von den meisten als wirkungsvoller angesehen.

Auch eine Elektrostimulation kommt häufig zum Einsatz. Mithilfe dieser sogenannten Transkutanen Nervenstimulation (TENS) können Patienten sich sogar teilweise selbst behandeln. Hierbei werden die Nerven unter der Haut über aufgeklebte Hautelektroden gereizt und die Weiterleitung von Schmerzen an das Gehirn soll verändert werden. Für die Wirksamkeit dieses Verfahrens gibt es noch sehr wenige Studienbeweise, vielen Patienten konnte die Anwendung jedoch schon Linderung bringen.

Den nächsten Schritt der Behandlung des HWS Syndrom stellen die etwas aufwändigeren örtlichen Betäubungen (Lokalanästhesien) dar, die eher bei chronischen Schmerzzuständen in Frage kommen. Hier wird dem Betroffenen ein Betäubungsmittel gespritzt, das räumlich nur sehr begrenzt seine Wirkung entfaltet. Dadurch kann oft eine lange Schmerzfreiheit erreicht werden.

Weitere, etwas alternativere Methoden, die immer häufiger in eine Behandlung beim HWS Syndrom mit eingeschlossen werden, allerdings aufgrund mangelnder nachgewiesener Wirkung nicht eine eigenständige Behandlung darstellen sollten, sind zum Beispiel die Akupunktur oder hypnoide Verfahren.

Eine große Linderung bringt auch das Betäuben der Nerven, die das Ausstrahlen der Schmerzen in den Arm verursachen. Die Nerven verlaufe aus einem Nervengeflecht (= Plexus Brachialis) zwischen den Muskeln der Halswirbelsäule und ziehen dann in den Arm. In schweren Fällen kann hier auch ein Katheter eingebracht werden über den dauerhaft Medikamente verabreicht werden, da die Wirkung einzelner Medikamente zeitlich begrenzt ist und oft wiederholt werden muss. Diese Methode ist aber nur schwerwiegenden Fällen vorenthalten.

Die vielen im Gedächtnis gebliebene Halskrause kommt heute nur noch selten zum Einsatz. Früher sehr oft verwendet wird sie heute wenn überhaupt nur noch kurzzeitig zur Entlastung der Halswirbelsäule angewendet. Zu langes Tragen führt schnell zur Schwächung der Muskulatur, welche ja beim HWS-Syndrom dringend gestärkt werden soll. Deshalb hat neben der Entlastung hier der Muskelaufbau den höheren Stellenwert.

Homöopathie darf auch als eine alternative Behandlungsmethode nicht vergessen werden. Je nach der Lokalisation und dem Schweregrad kommen hier verschiedenartige homöopathische Mittel zum Einsatz. Lesen Sie mehr zum Thema: Homöopathika bei HWS-Syndrom

Übungen

Durch verschiedene Übungen, die auch zuhause durchgeführt werden können, können die Beschwerden beim HWS-Syndrom deutlich gebessert werden. Das Ziel dieser Übungen ist der Muskelaufbau und eine Stärkung geschwächter Muskulatur. Kräftige Muskeln im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich ermüden später und können die Halswirbelsäule dadurch länger stabilisieren und vor Überlastung schützen.

Meist handelt es sich dabei um sogenannte isometrische Kräftigungsübungen. Bei den Übungen ist zu beachten, dass sie in Intensität und Dauer an den jeweiligen Trainingszustand des Betroffenen angepasst sind. Weiterhin ist es wichtig die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur regelmäßig zu dehnen.
Auch einige Sportarten können sich beim HWS-Syndrom positiv auswirken. Hierzu gehören vor allem Schwimmen und Walking. Desweiteren können zuhause auch verschiedene Entspannungsübungen durchgeführt werden, um die verspannte Muskulatur zu lockern und so die Beschwerden lindern. Gleichzeitig können durch Entspannungsübungen Stress abgebaut und so innere Anspannungen gelöst werden. Hierunter fallen autogenes Training, Yoga oder die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen.Bei der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen wird durch den Wechsel von An- und Entspannung verschiedener Muskelgruppen Entspannung im ganzen Körper erreicht. Zusätzlich wird durch dieses Verfahren die Durchblutung gesteigert.

Genauso wichtig wie der Aufbau einer kräftigen Muskulatur im Nacken-, Schulter,- und Rückenbereich zur Stabilisierung der Halswirbelsäule und die Lockerung von angespannter Muskulatur durch Entspannungsübungen, ist die Vermeidung von Körperhaltungen und Bewegungen, die überhaupt erst zu Verspannungen und Verkrampfungen in den entsprechenden Muskelpartien führen. Hierunter fallen vor allem das Beachten einer rückengerechte Sitzhaltung am Arbeitsplatz und die Durchführung rückenschonender Bewegungen im Alltag, wie rückengerechtes Bücken oder rückengerechtes Tragen von Gegenständen. Hierdurch wird der Rücken entlastet und dem HWS-Syndrom vorgebeugt.

Ist vom Arzt die Diagnose eines HWS-Syndroms gestellt worden und wurde sich für eine konservative Therapie entschieden, stehen zahlreiche Übungen für den Patienten zur Verfügung, die die Schmerzen im Bereich des Rückens lindern und dafür sorgen sollen, dass Rückenschmerzen in diesem Maße nicht mehr vorkommen. Beim HWS-Syndrom handelt es sich größtenteils um schmerzhafte Muskelverspannungen, die es zu lockern gilt. Zahlreiche Übungen zielen aus diesem Grund auf die Lockerung dieser Muskelpartien hin.

Übung 1: Der Patient steht gerade, streckt die Arme ganz nach oben, stellt sich auf die Fußspitzen und atmet tief ein. Beim Ausatmen lässt er die Arme sinken und durchschwingen sowie den gestreckten Rücken wieder in seine ursprüngliche Position zurückgleiten.

Übung 2: Auf einem Stuhl sitzend lässt man die Arme neben dem Oberkörper hin und her schwingen und wiederholt dies einige Male. Danach wird der Oberkörper und der Kopf mit in die Bewegung mit hineingenommen, der Rücken bleibt allerdings hierbei gerade. Auch hier ist das Ziel eine Lockerung der Rückenmuskulatur.

Übung 3: Sehr gut in den All-, und Arbeitstag integrierbar ist eine Übung, bei der man sich auf die gesamte Rückenmuskulatur im Sitzen konzentriert und diese versucht so stark es geht anzuspannen und zu halten. Nach mehreren Sekunden sollte man sich wieder entspannen und diese Übungen mehrmals wiederholen.

Übung 4: Eine reine Streckübung ist der Zehenspitzengang. Hierbei soll der Betroffene mehrere Sekunden auf den Zehenspitzen durch einen Raum laufen und versuchen mit den Zeigefingern die Decke zu berühren. Diese Übung sollte aber nur nach anfänglicher Aufwärmung der Muskulatur erfolgen.

Übung 5: Diese Übung soll für eine entsprechende Muskeldehnung sorgen. Hierbei sollte man den Vierfüsslerstand einnehmen und dann den Rücken so rund wie möglich zu machen. Danach wieder die Ursprüngliche Position einnehmen. Auch hier sollten nur leicht federnde Bewegungen durchgeführt und reißende Bewegungen vermieden werden.

Wichtig ist vor allem neben der Dauer, mit der die Übungen durchgeführt werden, auch die Anzahl der Wiederholungen. So muss derjenige meistens einige Sekunden in den Endpositionen verbleiben, dann in die Ausgangsposition zurückkommen und die Übungen dann noch einige Male wiederholen. Ohne regelmäßige Wiederholung und den regelmäßigen Wechsel von An- und Entspannung kommt es zu keinem positiven Effekt. Übung 1 sollte insgesamt fünfmal hintereinander wiederholt werden. Danach sollte die normale physiologische Haltung wieder eingenommen werden. Diese Übung kann aber trotzdem einige Male am Tag erfolgen.

Übung 2 sollte einmal wiederholt werden und dann wieder die normale Haltung eingenommen werden. Auch diese Übung kann mit der ersten sehr gut kombiniert werden.

Praktisch unbegrenzt kann die Anspannungs- Entspannungsübung (Übung 3) in den Alltag integriert werden. Gerade bei sitzenden beruflichen Tätigkeiten macht es Sinn gegebenenfalls sogar einmal die Stunde diese Übungen durchzuführen, bei der zunächst ganz bewusst die Rückenmuskeln angespannt und dann wieder gelockert werden. Neben der Beseitigung der Rückenschmerzen wird dieser Übung auch eine generell beruhigende und stresslindernde Wirkung zugeschrieben.

Übung 4 sollte nur nach ausreichender Aufwärmung der Muskulatur durchgeführt werden, da es zu Zerrungen der Muskulatur des Rückens bei kaltem Körper und sofort durchgeführter Übung kommen kann. Man sollte diese Übung nur ein bis zweimal am Tag, z.B. nach dem Arbeitstag vor dem Schlafengehen durchführen. Wichtig ist auch, dass man nicht über die Belastungsgrenze hinausgeht. Man sollte sich nur so weit strecken, dass keine Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule vorhanden sind. Reißende und ruckartige Bewegungen sollten bei allen Übungen unterlassen werden. Eher vorsichtige, dehnende Bewegungen tragen mit dazu bei, dass die Rückenmuskulatur entsprechend langsam aber konstant gelockert bzw. gedehnt wird.

Bei Übung 5 sollte die Position ca. 20-30 Sekunden gehalten werden, danach kann in die ursprüngliche Position zurückgegangen werden. Diese Übung sollte am Tag nicht zu oft wiederholt werden. Ein bis zweimal am Tag ist hier die Empfehlung.

Zur allgemeinen Dauer der Übungen ist zu sagen, dass die Übungen, die in den Alltag, z.B. Arbeitsplatz eingebaut werden können, öfters am Tag durchgeführt werden sollen. Mattenübungen oder laufende Streckübungen sollten nur 1-2 Mal z.B. vor oder nach der Arbeit durchgeführt werden.

Weitere Informationen finden Sie auch unter unserem Thema: Übungen gegen ein HWS-Syndrom

Physiotherapie / Manuelle Therapie

Die Physiotherapie beschäftigt sich mit der erweiterten Behandlung einer muskulären Funktionsbeeinträchtigung. Sie greift mit ihren Übungen da an, wo die Grenzen der selbstdurchführbaren Übungen im Alltag erreicht wird. Der ungeschulte Patient bekommt durch die Physiotherapeuten u.a. oben genannte Übungen zum Einbau in den Alltag genannt.

Bei regelmäßigen physiotherapeutischen Behandlungsmodulen wird die Muskulatur aber noch weiter trainiert: Hierbei kommen auch des öfteren Trainingsgeräte zum Einsatz, die mit leichten Gewichten versehen, die Muskulatur im Bereich des Rückens entsprechend auftrainieren sollen. Neben der klassischen Physiotherapie können auch Reizstromanwendungen zur Lockerung der Muskulatur oder Wärme-, und Kälteanwendungen durchgeführt werden.

Bei der manuellen Therapie handelt es sich um spezielle Handgrifftechniken, um eine Bewegungsstörung im Bereich der Wirbelsäule ausfindig zu machen und einzuschätzen.
Danach beginnt die manuelle Therapie, die in der physiotherapeutischen Fachsprache auch als "Mobilisation" bezeichnet wird.

Neben dem HWS-Syndrom kommt diese Behandlungstechnik auch bei Kopf-, oder Kiefergelenken, Gelenke der Arme und Beine sowie Gelenke des Brustkorbs und des Beckens zum Einsatz. Man unterscheidet bei der manuellen Therapie drei verschiedene Techniken. Die Traktion, die Gleittechnik und die Dehn-, und Entspannungstechnik.

Bei der Traktionstechnik zieht der Therapeut sanft die Gelenkflächen auseinander, um entsprechende Blockaden in diesem Bereich zu lockern.
Bei der Gleittechnik werden durch spezielle Handgriffe zwei Gelenkflächen parallel zueinander bewegt. Dadurch kommt es zu einer größeren Gelenkfreiheit und die entsprechende Bewegung in diesem Bereich kann wieder einfacher durchgeführt werden.
Die Dehn-, und Entspannungstechniken sorgen dafür, dass die Muskulatur wieder in einen Zustand kommt, der für eine schmerzfreie Bewegung Voraussetzung ist.

Nicht alle Techniken sind in gleichem Maße für die Behandlung geeignet. Wichtig ist vor allem die Klärung der Kontraindikationen durch einen Orthopäden.
So kann eine Traktionstechnik bei einem Bandscheibenvorfall der HWS verheerende Wirkungen haben. Zunächst muss gegebenenfalls sogar mittels Röntgenbild bestätigt werden, dass der Einsatz von physiotherapeutischen Maßnahmen unbedenklich ist. Sobald dies geklärt ist, können regelmäßige physiotherapeutische Übungen durchgeführt werden, die auch unter Umständen von der Krankenkasse bezahlt werden.

Dauer der Erkrankung

Wie lange die Beschwerden beim HWS-Syndrom andauern, ist von Person zu Person sehr verschieden und so fällt auch die Dauer der Behandlung unterschiedlich aus. Oftmals verschwinden die HWS-Beschwerden unter Behandlung bereits nach wenigen Tagen bis Wochen. Verschiedene Faktoren, wie beispielsweise Stress können die Dauer der HWS-Beschwerden und somit auch die Dauer der Therapie verlängern. Auch kann es zum unregelmäßigen Wechsel von HWS-Beschwerden und symptomfreien Intervallen kommen und so Therapien erforderlich machen, welche vor allem kurzfristig eine Schmerzlinderung bewirken.

Auch die Ursache, die zu den Beschwerden führt, spielt für die Dauer der Behandlung eine wichtige Rolle. So kann die Behandlung der HWS-Beschwerden, die durch ein Schleudertrauma verursacht sind, kürzer ausfallen als wenn die HWS-Beschwerden durch jahrelange schlechte Körperhaltung und rückenungerechte Gewohnheiten entstehen. Eine langfristige Linderung der Beschwerden, kann dann nur erfolgen, wenn die Körperhaltung verbessert und rückenschonende Bewegungen erlernt werden. Die Behandlung ist dann oft langwierig, da jahrelang verinnerlichte Gewohnheiten schwer abgelegt werden können. In jedem Fall ist die Mitarbeit und Motivation des Betroffenen von herausragender Rolle für den Erfolg und die Dauer der Behandlung des HWS-Syndroms.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.03.2017
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