Schiefhals

Synonyme: Torticollis, Torticollis spasmodicus

Englisch: wry neck, loxia

Schiefhals - Was ist das?

Schiefhals (Torticollis) ist ein Sammelbegriff für viele verschiedenen angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen des Halses, die in einer asymmetrischen Haltung des Halses oder des Kopfes resultieren. Der in der medizinischen Fachsprache verwendete Begriff Torticollis leitet sich von den lateinischen Wörtern tortus für verdreht und collis für Hals ab.

Symptome

Generell klagen die Patienten häufig über eine Fehlstellung des Kopfes zum Hals. Diese Fehlstellung ist entweder organisch bedingt, also beispielsweise durch einen zu kurzen Muskel, oder wird aktiv eingenommen, um beispielsweise einen gereizten Nerv zu schonen. Deswegen kann ein Schiefhals mit oder ohne Schmerzen auftreten, in allen Fällen ist es aber eine unangenehme Situation, welche das Sehen und die Kommunikation mit anderen Menschen deutlich erschwert.

Es gibt viele verschiedene äußere Formen des Schiefhalses, die alle einen eigenen Namen besitzen, je nachdem, wie Hals und Kopf zueinander stehen. Bei dem Laterocollis ist der Kopf entweder nach rechts oder links Richtung Schulter geneigt, beim rotatorischen Torticollis bewegt sich der Kopf permanent, als ob man den Kopf schütteln würde, beim Antercollis sind Kopf und Hals nach vorne geneigt, und beim Retrocollis sind Kopf und Hals dagegen nach hinten geneigt. Klassischerweise beobachtet man aber nicht eine isolierte Form, sondern eine Kombination aus mehreren dieser Bewegungen.


Ursachen

Ein Schiefhals kann viele verschiedene Ursachen haben, manche davon können bereits angeboren sein, andere werden erst im Laufe des Lebens erworben. Deswegen werden generell angeboren und erworbene Formen des Schiefhalses unterschieden.

Angeborener muskulärer Schiefhals (Torticollis muscularis congenitus)

Die Ursachen für einen angeborenen Schiefhals sind heute noch nicht vollständig geklärt, jedoch wird vermutet, dass der angeborene Schiefhals entweder durch eine falsche Lage des Embryos im Bauch der Mutter oder verschiedenen Traumata während der Geburt verursacht wird. Dies betrifft fast immer einen der beiden großen seitlichen Halsmuskeln (Musculus Sternocleidmastoideus). Durch verschiedene Mechanismen kann der Muskel geschädigt werden, woraufhin er sich häufig verkürzt und bindegewebig umbaut wird, also in seiner Funktion nachlässt. Normalerweise ziehen beide Muskeln mit der gleichen Kraft am Kopf und fixieren diesen dadurch am Hals. Ist aber einer der Muskeln als Folge der Verletzung geschwächt oder verkürzt, so entsteht ein Ungleichgewicht zwischen beiden Muskeln; es entsteht ein Schiefhals. Die Verkürzung eines Muskel führt zu einer Neigung des Kopfes in diese Richtung. Gleichzeitig dreht sich der Kopf in die andere, die gesunde Richtung.

Auch eine einfache Schädigung dieses Halsmuskels beispielsweise durch ein Trauma während der Geburt kann Ursache für einen Schiefhals sein. Meist verschwindet der Schiefhals dann von alleine, wenn der Bluterguss im Muskel nach einigen Wochen verschwindet und damit beide Muskeln wieder die gleiche Kraft besitzen. Meistens wird der Schiefhals beim Neugeborenen nicht direkt nach der Geburt bemerkt, sondern erst nach 7 – 10 Tagen. Besonders gut erkennbar ist es im Schlaf, da Neugeborenen mit Schiefhals den Kopf beim Schlafen immer in der gleichen Position halten.

Der angeborene Schiefhals wird zu Beginn mit Physiotherapie behandelt. Besonders in einfacheren Stadien der Erkrankung kann es schon ausreichend sein, das Neugeborene häufig auf den Bauch zu legen, da dadurch die Halsmuskeln eher beansprucht werden und sich somit gleichmäßiger ausbilden und evtl. vorhanden Fehlstellungen von alleine verschwinden. Zusätzlich dazu kann zur Unterstützung eine Art Halskrause getragen werden, die extra angepasst wird, um passgenau das Problem zu beheben. Etwa 10 % der angeborenen Schiefhälse können nicht oder nur unbefriedigend mit konservativen Maßnahmen behandelt werden, sodass hier die Operation Methode der Wahl ist.

Wird ein angeborener Schiefhals nicht behandelt, so kommt es durch die ständige Fehlhaltung des Kopfes mit der Zeit auch zu einer krummen Wirbelsäule (Skoliose). Gleichzeitig kann die geneigte Gesichtsseite im Wachsstum zurückbleiben. Daher ist eine frühstmögliche Therapie immer ratsam.

Erworbener Schiefhals

Der erworbene Schiefhals entsteht im Laufe des Lebens und kann viele verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen für einen erworbenen Schiefhals gehören:

  • knöcherne Störungen
  • Entzündungen der Speicheldrüsen und Mandeln
  • verschiedene Formen von Rheuma
  • Abszesse oder
  • Hirntumore

Ossärer Schiefhals

Beim ossären Schiefhals ist eine Fehlbildung oder Fehlstellung der Knochen im Halsbereich die entscheidene Ursache für den Schiefhals. Für den ossären Schiefhals gibt es viele verschiedene Ursachen, am häufigsten sind dabei Wirbelverletzungen und Wirbelfrakturen, die anschließend nicht gerade, sondern in einer Fehlstellung verheilt sind. Da die knöcherene Struktur den Hauptteil der Fixation des Kopfes am Rumpf übernimmt, können bereits kleine Abweichungen in der Heilung von der Normalachse zu einem ossären Schiefhals führen. Die definitive Therapie muss im Einzelfall beurteilt werden, je nachdem wir stark die Abweichung vom Normalbild ist, jedoch gilt hier die Operation zur Korrektur der Knochenfehlstellung meistens als erste Wahl.

Entzündlicher Schiefhals

Ist der Schiefhals auf eine Entzündung der Weichteile des Halses (Kehlkopf, Mandeln oder Speicheldrüsen) zurückzuführen, so spricht man von einem infektiösen Schiefhals. Ursache hierfür ist meistens eine bakterielle Infektion. Durch die Infektion kommt es zu Schwellungen und Schmerzen, was häufig dazu führt, dass der Kopf in eine Schonhaltung gebracht wird, die einer Schiefstellung gleich ist.

Spastischer Schiefhals (Torticollis spasticus)

Beim spastischen Schiefhals ist der Kopf nicht dauerhaft zu einer Seite geneigt, sondern es kommt zu wiederkehrenden Bewegungen des Kopfes zu einer Seite, also zu einer Spastik. Ein spastischer Schiefhals kommt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen vor. Häufigste Ursachen für einen spastischen Schiefhals sind Schädigungen des Gehirns in Folge eines Unfalls oder durch eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Dies führt dann zu Krämpfen in der Halsmuskulatur (tonisch-klonische Krämpfe). Die Therapie des spastischen Schiefhalses ist schwierig, da häufig nur die Symptome, also der Schiefhals selbst, aber nicht die Schädigungen im Gehirn, behandelt werden können.

Akuter Schiefhals ( Torticollis acutus)

Der akute Schiefhals, im Volksmund oft auch aus steifer Hals bezeichnet, kann verschiedene Ursachen haben. Häufig entsteht der akute Schiefhals durch starke Muskelverspannung in Folge von Fehlhaltungen oder starker Zugluft, und der daraus resultierende Schiefhals ist mehr eine Schonhaltung, um den Muskel nicht weiter zu beanspruchen. Dies verschwindet meist innerhalb weniger Stunden oder Tage von selbst. Allerdings kann ein akuter Schiefhals auch im Zusammenhang mit einem Halswirbelsäulensyndrom (HWS – Syndrom) entstehen. Hierbei werden bestimmte Nerven (meningeale Nerven) durch Abnutzungserscheinungen (degenerative Veränderung) im Halswirbelbereich gereizt, was dazu führt, dass der betroffene Patient den Hals automatisch zur Seite neigt. Wird diese Schonhaltung über einige Zeit eingenommen, so kommt es folglich zusätzlich auch zu ausgiebigen Verspannungen von der Muskulatur im Schulter- und Halsbereich. Die Therapie des akuten Schiefhalses erfolgt am besten durch einen geübten Arzt oder Physiotherapeuten, der die Fehlstellung durch bestimmte Zug- und Bewegungstechniken wieder ausgleichen kann. Da dies sehr schmerzhaft sein kann, ist zu empfehlen, gleichzeitig eine ausreichende Menge von Schmerzmittel, beispielsweise Paracetamol oder Aspirin, einzunehmen.

Rheumatischer Schiefhals (Torticollis rheumaticus)

Der rheumatische Schiefhals tritt genauso wie der akute Schiefhals meist plötzlich auf. Ursache für den rheumatischen Schiefhals sind starke Schmerzen in den Wirbelgelenken, bedingt durch eine rheumatische Entzündung. Um weitere Schmerzen zu vermeiden, nehmen die Patientene auch hier eine Schonhaltung ein. Die Therapie kann einerseits in der Beseitigung der Entzündung durch entsprechende Medikamten bestehen, andererseits aber auch wie beim akuten Schiefhals in manualtherapeutischen Maßnahmen.

Narbenschiefhals (Torticollis cutaneus)

Wie der Name bereits sagt, sind die Ursachen für den Narbenschiefhals Narben im Halsbereich. Es kommt allerdings nur dann zum Narbenschiefhals, wenn das Narbengewebe einen großen Teil des Halses ausmacht. Ursachen für eine Narbenschiefhals können Verletzungen, Verbrennungen oder Unfälle aller Art mit Narbenbildung als Folge sein, aber auch größere chirurgische Eingriffe im Halsgebiet. Als Therapiemöglichkeit bietet sich hier neben ausgeprägter Physiotherapie zur Lockerung des Gewebes die erneute chirurgische Intervention durch einen plastischen Chirurg an.

Weitere Formen

Häufig kann ein Schiefhals auch dadurch verursacht werden, dass ein Patient häufig die gleiche Haltung einnimmt, beispielsweise bei VerkäuferInnen an der Kasse, die immer in die gleiche Richtung schauen. Nach einiger Zeit kann diese vorrübergehende Haltung am Arbeitsplatz in eine fixierte Fehlhaltung übergehen, die Nacken- und Rückenschmerzen verursachen kann.

Klagt ein Patient über eine einseitige Schwerhörigkeit, so entsteht häufig ein Schiefhals zum Ausgleich des Hörvermögens. (Torticollis acusticus)

Auch Sehstörungen können die Ursache eines Schiefhalses sein (Torticollis Opticus). Ist beispielsweise ein Augenmuskel gelähmt und die Augenbewegungen sind dadurch gestört, so kann der Betroffene versuchen, durch einen schiefen Hals das Blickfeld wieder gerade zu bekommen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.02.2017
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