Wirbelgleiten

Synonyme

Einzelne Wirbel verrutschen, meistens nach vorne.

Spondylolisthesis, Gleitwirbel

Definition

Bei einer gesunden Wirbelsäule bildet diese eine gleichmäßig verlaufende S-Kurve (physiologische Lordose und Kyphose) aus.

Die einzelnen Wirbelkörper sitzen fest aufeinander und werden durch Gelenkverbindungen, Bänder und Muskel untereinander befestigt und verstärkt.

Unter dem Wirbelgleiten versteht man das Verrutschen von einem oder mehrerer Wirbel der Wirbelsäule.

In den meisten Fällen verlagern sich die Wirbel nach vorne, sie können aber auch nach hinten oder zur Seite hin gleiten.

Vom Wirbelgleiten sind häufiger die Wirbel der Lendenwirbelsäule betroffen, als im unteren Rückenbereich.

Da die Wirbelkörper über Gelenke miteinander verbunden sind, kommt es häufig dazu, dass ein verrutschter Wirbel mehrere Wirbel mit sich zieht. Daraus folgt eine Instabilität der Wirbelsäule.


Einteilung

Das Wirbelgleiten kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden.

Bei Grad I sind weniger als 25% aller Wirbel verschoben und es treten keine oder nur kaum spürbare Beschwerden auf.

Diese Symptomatik findet sich ebenfalls bei Grad II obwohl hier bereits 25 bis 50% der Wirbel betroffen sein können.

Bei Grad III können 51 bis 75% der Wirbelkörper verrutscht sein, was zu starken Beschwerden bei dem Betroffenen führt.

Ähnlich ist der Verlauf bei Grad IV, bei dem mehr als 75% der Wirbel weggleiten, und zu erheblichen Problemen führen kann.

Ursachen

Verantwortlich für das Wirbelgleiten sind zunächst abbauende Veränderungen an den verschiedenen Gelenken (siehe auch: Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen). Dies betrifft besonders die Gelenke, die ober- und unterhalb die benachbarten Wirbelkörper miteinander verbinden.

Aufgrund der starken Überbelastung wird der Knochen allmählich abgenutzt und mürbe. Durch die Abnutzung kann sich infolgedessen ein Spalt zwischen den Wirbelkörpern bilden. Die Ausbildung des Spaltes wird in der Fachsprache als Spondylolyse bezeichnet. Die daraus resultierende Lockerung des Wirbels in seiner Verankerung, ermöglicht das Gleiten nach vorne.

Hierbei ist es nicht selten, dass mehrere Wirbel vorgleiten. Faktoren wie Form, Beschaffenheit sowie fortgeschrittene Veränderungen an der dazugehörigen Bandscheibe können diesen Prozess begünstigen.

Der Verschleiß und dadurch bedingte Abbau der Knochensubstanz ist im Alter der häufigste Grund für das Auftreten von Wirbelgleiten. Betroffen sind häufig Personen im Alter von 50 und 60 Jahren.

Die Bandscheibe verliert mit zunehmenden Lebensjahren an Flüssigkeit und somit auch ihre Wirkung als Stoßdämpfer. Die umliegende Muskulatur nimmt an Stärke ab und kann die Wirbelsäule nicht mehr ausreichend stabilisieren.

Viel seltenere Ursachen können Entzündungen, Verletzungen oder Tumore der Wirbelsäule sein.

Zusätzlich gibt es einige Sportarten, die das Wirbelgleiten auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel im Leistungssport Disziplinen wie Geräteturnen, Trampolinspringen oder auch Stabhochsprung sowie die verschiedenen Wurfdisziplinen. Die Überbeanspruchung ist dann sehr groß.

Das Wirbelgleiten kann auch genetisch bedingt sein, wenn seit Geburt eine gewissen Instabilität der Wirbelsäule vorliegt, die gegeben sein kann durch Fehlbildungen wie zum Beispiel das Fehlen von Knochenvorsprüngen an vereinzelten Wirbeln.

Symptome

Sind mehr als 50% der Wirbel verrutscht, klagen die Betroffenen über Rückenschmerzen.

Die Beschwerden der Patienten sind abhängig von dem Schweregrad des Wirbelgleitens, und dem Ausmaß des degenerativen Prozesses der betroffenen Wirbelgelenkflächen.

Sind weniger als 50 Prozent der Wirbel verrutscht, verspüren die Patienten häufig keine Schmerzen. Oftmals wird das Wirbelgleiten dann nur per Zufall diagnostiziert.

Es besteht ein Unterschied zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Wirbelgleiten. Betroffene, bei denen bereits seit Geburt das Wirbelgleiten bekannt ist, haben häufig schon früh im jugendlichen Alter die ersten Symptome.

Dagegen treten bei dem erworbenen Fall die Beschwerden erst recht spät auf, und die Ursache bleibt lange unentdeckt.

Bei dem Wirbelgleiten treten keine charakteristischen Symptome auf. Schmerzen äußern sich als unspezifische Rückenschmerzen. Diese treten besonders plötzlich bei Bewegung auf, und können sich gürtelförmig vom Rücken bis nach vorne Richtung Bauch ausbreiten.

Die Patienten berichten häufig über eine Zunahme der Schmerzen bei Strecken des Rückens.

Es können zusätzliche Probleme auftreten, wenn der verrutschte Wirbel auf Nerven drückt und diesen einklemmt. Der Patient kann dann Sensibilitätsstörungen und Muskelschwäche in den Beinen verspüren.

Bei solch einer schwerwiegenderen Symptomatik sollte eine Behandlung sofort eingeleitet werden, um eine Verschlechterung oder sogar dauerhafte Schädigung zu vermeiden.

Konservative Therapie

Starke Beschwerden können die Lebensqualität bei dieser Erkrankung deutlich einschränken.

Durch eine frühe geeignete Therapie kann ein Fortschreiten des Wirbelgleitens verhindert und Schmerzen deutlich gelindert werden.

Im Rahmen der konservativen Therapie wird der Patient zunächst ausreichend darüber informiert, wie er seine Wirbelsäule im Alltag und Arbeitsleben gezielt entlastet.

Dazu unterstützend wird eine Physiotherapie und Rückenschule angeboten.

Der Patient wird dazu angeleitet, selbständig Übungen auch nach der vereinbarten Krankengymnastik anzuwenden. Dies ist für den Therapieerfolg sehr wichtig. Zusätzlich erhält er Informationen darüber, welche Bewegungen und Sportarten geeignet sind um zum Beispiel die Rückenmuskulatur zu stärken und der Wirbelsäule mehr Stabilität zu verleihen.

Eine Entlastung der Wirbelsäule und die Verhinderung eines fortschreitenden Schiefstands kann durch orthopädische Schuheinlagen verhindert werden. Diese werden mittels Rezept von einem Orthopädietechniker individuell dem Fuß angepasst.

Die Anwendung einer Elektrotherapie, der Stromflüsse über die Muskulatur fließt, ist muskelentspannend und lindert die Schmerzen. Begleitend kann eine medikamentöse Therapie die Schmerzreduzierung unterstützen.

Operation

Eine Operation kann dann notwendig werden wenn die konsequente konservative Therapie keinen Erfolg zeigte.

Andere Indikationen sind ein weit fortgeschrittenes Wirbelgleiten über mehrere Wirbelkörper oder wenn bereits Nerven geschädigt werden und Sensibilitätsstörungen stärker werden.

Eine OP hat das Ziel, die ursprünglich anatomische Form der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die verrutschten Wirbel werden mittels Schrauben und Stäben in ihre eigentliche Position zurück gezogen und fixiert.

Die Stabilität der Wirbelsäule wird dadurch wieder gewährleistet. Eine zusätzliche Auffüllung von Zwischenräumen mit Titan oder Kunststoff stützt die Wirbel und hält sie in ihrer Lage.

Nachbehandlung

Damit die OP erfolgreich ist, sollte die Wirbelsäule mittels eines Korsetts für mehrere Wochen ruhig gestellt werden.

Es dauert einige Zeit, bis die Wirbel in ihrer neuen Position verknöchern und dann die Stabilität garantieren.

Anschließend sollte eine Physiotherapie begonnen werden, um langsam die umliegende Rückenmuskulatur zu stärken. Der Aufbau der Muskeln wirkt sich unterstützend auf die Heilung aus.

Die Patienten lernen in der Reha, wie sie sich nach der Operation verhalten sollten, und welche Übungen an Geräten oder in der Wassertherapie hilfreich für den Erfolg der Operation sind.

Nach der OP sind die Symptome wie Taubheitsgefühle in den Beinen oder Nervenschädigungen rückläufig, und die Patienten verspüren eine deutliche Verbesserung.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.02.2017
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