Schmerzen im unteren Rücken

Einleitung

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb in Deutschland ein Arzt aufgesucht werden. Gründe hierfür sind im Allgemeinen Fehlbelastungen im Alltag, die durch zu langes Sitzen im Büro oder schwere körperliche Arbeit zustande kommen. Treten Schmerzen im unteren Rücken auf, ist die Lendenwirbelsäule betroffen, die den untersten Teil der Wirbelsäule bildet.

Ursachen

Während früher Rückenschmerzen oftmals aufgrund von Überlastungs- und Verschleißerscheinungen nach körperlicher Arbeit auftraten, sind heute oftmals mangelnde Bewegung und Fehlhaltungen zum Beispiel beim Arbeiten am Computer Ursachen für Schmerzen im unteren Rücken, die sich auch als Ziehen oder Brennen im Rücken bemerkbar machen können. Bewegt sich der Mensch nicht ausreichend, wird keine stabile Muskulatur um die Wirbelsäule herum gebildet, daraus resultieren Instabilitäten.

Der untere Rücken wird hohen Belastungen ausgesetzt, da er einen hohen Anteil des Körpergewichts tragen muss. Ist der muskuläre Stützapparat nicht ausreichend ausgebildet, kann es zu zahlreichen Krankheitsbildern kommen, die Schmerzen im unteren Rücken bereiten.

Im Folgenden werden häufige Erkrankungen vorgestellt:


Erkrankungen

  • Muskelverspannungen

Muskelverspannungen sind der häufigste Grund für Rückenschmerzen. Sie entstehen, wenn die Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule durch Fehlhaltung überlastet oder gereizt wird und sind ein Schutzmechanismus und Warnsignal des Körpers. Oftmals treten sie auch stressbedingt auf, da Stress mit einer erhöhten Muskelspannung einhergeht. Aufgrund der Schmerzen, die die Verspannungen mit sich bringen, nimmt der Körper eine unnatürliche Schonhaltung ein, die ihrerseits zu Verspannungen und Schmerzen führt, sodass der Patient in einen Teufelskreis hineingezogen wird.

Therapie der Muskelverspannungen

Bei der Therapie ist es wichtig, dass der Teufelskreis der Schmerzen durch konsequentes Handeln durchbrochen wird. Hilfreich sind hierbei die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac für einige Tage. Durch die Hemmung der Schmerzen kann wieder eine natürliche Haltung eingenommen und Bewegungen durchgeführt werden. Auch Wärmeanwendungen am unteren Rücken können die Verspannungen lösen und damit die Schmerzen lindern.

Weitere physikalische Anwendungen wie Massagen sind ebenfalls hilfreich. Vor allem stressbedingte Verspannungen können mit gezielten Entspannungsübungen behandelt werden. Langfristig ist es ratsam, Muskelaufbau im Bereich der Wirbelsäule zu betreiben. Dies hilft, dass der Stützapparat der Wirbelsäule robuster wird und Verspannungen infolge von Fehlhaltungen nicht mehr so leicht auftreten.

Der Hexenschuss, auch Lumboischialgie genannt, ist durch einen plötzlich einschießenden Kreuzschmerz im unteren Rücken gekennzeichnet. Zusätzlich wird der Schmerz ins Bein weitergeleitet. Dieser Schmerz entsteht durch die Reizung von Nervenwurzeln, die zwischen den Wirbelkörpern austreten. Ursächlich hierfür ist oftmals eine verspannte Rückenmuskulatur. Die angespannten Muskeln können Druck auf die Nerven ausüben und somit eine mechanische Reizung herbeiführen. Die Schmerzausstrahlung ins Bein kommt auch aufgrund einer solchen Irritation zustande, betroffen ist dabei in der Regel der Ischiasnerv an der Rückseite des Beines. Neben verspannten Muskeln kann auch eine vorgewölbte Bandscheibe (siehe unten) oder degenerierte Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenksarthrose, siehe unten) Nervenwurzeln im unteren Rücken reizen und zu einem Hexenschuss führen.

Therapie der Lumboischialgie

Grundsätzlich ist es wichtig, die Ursache für die Beschwerden zu ermitteln und diese dann gezielt zu therapieren. Bei Muskelverspannungen sind die weiter oben vorgestellten Therapien hilfreich. Wichtig bei starken Schmerzen, die im Rahmen einer Lumboischialgie auftreten, ist, dass eine ausreichende medikamentöse Schmerztherapie erfolgt, damit sich der Patient bewegen kann und nicht in Schonhaltungen verharrt. Auch ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass die Chronifizierung der Schmerzen so verhindert werden kann. Um auf lange Sicht ein erneutes Auftreten eines Hexenschusses zu vermeiden, ist es wichtig, Muskelaufbau zu betreiben. Ein stabiler Stützapparat im unteren Rücken ist essentiell für eine langfristige Beschwerdefreiheit.

Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern und dienen dem menschlichen Körper als Stoßdämpfer, darüber hinaus geben sie der Wirbelsäule ihre Beweglichkeit. Sie bestehen aus einem gallerartigen Kern, der von einem faserreichen Knorpelring umschlossen wird. Mit zunehmendem Alter nimmt die Flexibilität der Bandscheiben ab und sie werden weniger stabil, was zu Problemen führen kann. Bandscheibenprobleme kommen vermehrt in der Lendenwirbelsäule vor, was zu Schmerzen im unteren Rücken führen kann. Bei jeder Bewegung werden die Bandscheiben hohen Drücken ausgesetzt. Kann eine Bandscheibe diesen Druck nicht mehr standhalten, kann es zu einer Bandscheibenvorwölbung oder einem -vorfall kommen.

Bei der Vorwölbung wird der Faserring der Bandscheibe nur etwas in Richtung Wirbelkanal gedrückt. Beim Vorfall reißt der Faserring ein und Teile des Kerns treten in den Wirbelkanal aus. Beide Krankheitsbilder können starke Nervenschmerzen im Rücken aufgrund einer Nerveneinklemmung verursachen. Diese Schmerzen treten oftmals plötzlich und einschießend aus und strahlen ins Bein aus. Im Bein kann es auch zu Sensibilitätsstörungen und Kraftminderung oder gar Lähmungserscheinungen kommen, in schweren Fällen können Harn- und Stuhlinkontinenz auftreten, dies erfordert unverzüglich einen Arzt aufzusuchen, um bleibende Nervenschädigungen zu verhindern.

Zur sicheren Diagnosestellung wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Lendenwirbelsäule durchgeführt, die die Verhältnisse um die Bandscheibe abbildet.

Therapie der Bandscheibenvorwölbung und des Bandscheibenvorfalls
Die Therapie sollte zunächst konservativ erfolgen. Nur bei Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls und nach erfolgloser konservativer Therapie über mindestens sechs Wochen oder starken Lähmungserscheinungen sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Die konservative Therapie erfolgt mit Schmerzmitteln, Physiotherapie, physikalischen Anwendungen und ähnlichem. Hilfreich können auch lokale Injektionen an die gereizten Nervenwurzeln mit Schmerz- oder Betäubungsmitteln sein.

Wichtig ist im Zusammenhang mit der Entscheidung für eine Operation, dass genau abgewogen wird, ob die Bandscheibenprobleme tatsächlich die Ursache der Schmerzen sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein hoher Anteil der Bevölkerung einen Bandscheibenvorfall hat, ohne dabei Schmerzen zu verspüren. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass bei vorliegenden Schmerzen nicht unbedingt der diagnostizierte Bandscheibenvorfall deren Ursache sein muss. In diesem Fall ist eine Operation nutzlos.

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  • Facettengelenksarthrose

Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu fortschreitendem Verschleiß der Wirbelsäule, eine Facettengelenksarthrose kann die Folge sein. Hierbei handelt es sich um den Gelenkverschleiß der Facettengelenke, welche die einzelnen Wirbel miteinander verbinden und auch Zwischenwirbelgelenke genannt werden. Beschleunigt wird die Degeneration dieser Gelenke durch Fehlhaltungen, erhöhte Belastungen durch Übergewicht und degenerative Bandscheibenerkrankungen.

Symptomatisch äußert sich die Facettengelenksarthrose mit Rückenschmerzen, die ins Gesäß und Bein ausstrahlen können. Wichtig für den behandelnden Arzt ist die Lokalisierung der Beinschmerzen, um die Facettengelenksarthrose von einem Bandscheibenvorfall abzugrenzen. Gefühlsstörungen treten bei der Facettengelenksarthrose in der Regel nicht auf. Die Rückenschmerzen können sich durch Bewegungen wie die Überstreckung der Wirbelsäule verschlimmern. Diagnostisch ist überdies ein Röntgen- beziehungsweise MRT-Bild hilfreich.

Therapie der Facettengelenksarthrose

Gerade im Anfangsstadium der Erkrankung lindern Wärmeanwendungen die Beschwerden. Darüber hinaus können zur Schmerzlinderung Cortison und lokal wirkende Schmerzmittel mit Spritzen in die Umgebung der Facettengelenke gebracht werden. Dieser Vorgang heißt Facettengelenksinfiltration und wird unter Röntgenkontrolle durchgeführt, damit gewährleistet ist, dass die richtigen Strukturen getroffen werden.

Um eine Facettengelenksarthrose zu vermeiden oder deren Verschlimmerung aufzuhalten, ist es ratsam eine gute Wirbelsäulenstützmuskulatur aufzubauen, da so die Gelenke entlastet werden. Besteht eine Übergewichtigkeit, sollte dagegen angegangen werden, da mit jedem abgenommenen Kilo die Belastung auf die Wirbelsäule sinkt.

Kräftigung der Rückenmuskulatur

Viele Erkrankungen, die zu Schmerzen im unteren Rücken führen, lassen sich vermeiden oder lindern, wenn konsequenter Muskelaufbau betrieben wird. Im Folgenden sind beispielhalft einfache Übungen vorgestellt, die zu Hause durchgeführt werden können. Um einen positiven Effekt zu erzielen, sollten Kräftigungsübungen drei bis viermal pro Woche durchgeführt werden. Dabei sollte eine gewisse Anstrengung in den Muskeln verspürt werden. Neben der Kräftigung ist es auch sinnvoll, konsequent Dehnübungen durchzuführen, damit Bänder und Sehnen flexibel bleiben.

  • Vierfüßlerstand mit Arm- und Beinheben

Für diese Übung nimmt man den Vierfüßlerstand ein, die Hände und die Knie stehen auf dem Boden. Zunächst wird der rechte Arm waagrecht und gestreckt nach vorne angehoben und gehalten, ebenso wird mit dem linken Bein verfahren. Diese Position wird für circa 15 Sekunden (bei Bedarf steigern) gehalten, danach werden Arm und Bein wieder abgestellt. Dann kommen der andere Arm und das andere Bein dran. Diese Übung wird für beide Seiten mehrmals hintereinander durchgeführt.

  • Brücke

Bei dieser Übung liegt man auf dem Rücken, die Beine sind angewinkelt, sodass die Füße auf dem Boden stehen können. Nun drückt man das Becken in die Luft, sodass Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden, nach einem kurzen Verharren in dieser Position wird das Becken wieder langsam abgesetzt. Diese Übung zehnmal wiederholen und danach eine kurze Pause machen, wonach erneut zweimal 10 Wiederholungen durchgeführt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Training der unteren Rückenmuskulatur

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.02.2017
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