Rückenschmerzen unterer Rücken

Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den häufigsten Gründen, aus denen heutzutage ein Arzt aufgesucht wird. Sie setzen die Patienten einem sehr starken Leidensdruck aus, können aber in der Regel relativ einfach diagnostiziert und behandelt werden, da in dem meisten Fällen keine schwere Erkrankung die Ursache der Schmerzen ist. Lesen Sie auch Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule

Die Ursachen für Schmerzen im Bereich des unteren Rückens können sehr verschieden sein, weshalb es immer wichtig ist, eine eingehende Untersuchung durchzuführen, um nicht nur die Schmerzen therapieren zu können, sondern auch eine unter Umständen vorliegende Grunderkrankung der Rückenschmerzen zu erkennen oder Folgeschäden vermeiden zu können.
Prinzipiell geht ein Arzt erst einmal davon aus, dass die Beschwerden von der Wirbelsäule stammen oder muskulär bedingt sind und richtet dann seine Untersuchung entsprechend aus. Die Wirbelsäule weist in solchen Fällen nicht selten Verbiegungen im Lendenwirbelbereich auf, die die Schmerzen erklären können. Auch Bandscheibenvorfälle der LWS führen zu Rückenschmerzen.
Besonders wenn durch die herausgerutschte Bandscheibe ein aus der Wirbelsäule entspringender Nerv gereizt oder sogar eingequetscht wird, empfindet der Betroffene neben teils heftigsten Schmerzen auch ein Taubheits- und / oder Lähmungsgefühl im von diesem Nerven versorgten Gebiet seines Beines.

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Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Rückenschmerzen des unteren Rückens durch eine fehlerhafte Körperhaltung oder einen Bewegungsmangel zustande kommen, häufig sind auch beide Faktoren kombiniert. Dadurch, dass viele Menschen über einen sehr langen Zeitraum hinweg sitzen und sich deshalb in der gleichen Position befinden, wird die Muskulatur des unteren Rückens stark und einseitig beansprucht, was zu Verspannungen oder Verkrampfungen und Fehlhaltungen führt, was wiederum ein Auslöser von Rückenschmerzen ist. Um dem entgegenzuwirken, kann man darauf achten, dass man seine Sitzposition mehrmals am Tag wechselt oder einen Sitzball benutzt, durch den man praktisch gezwungen ist, in regelmäßigen Abständen Ausgleichsbewegungen durchzuführen.
Auch ein Bewegungsmangel kommt für Rückenschmerzen in Frage. Wenn die Wirbelsäule aufgrund mangelnder Bewegung zu wenig beansprucht wird, können Wirbelkörper porös werden und Bänder erschlaffen, was ebenfalls Schmerzen entstehen lässt. Allerdings kann auch eine zu starke Belastung den Rücken schädigen, wie das Tragen oder Anheben schwerer Gegenstände.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Training der unteren Rückenmuskulatur

Abbildung Ursachen für Rückenschmerzen im unterem Rücken

Abbildung Rückenschmerzen unterer Rücken: Knochen, Muskeln der Rückseite und Ursachen (A - E)

Rückenschmerzen unterer Rücken

  1. Dornfortsatz - Processus spinosus
  2. Gallertkern - Nucleus pulposus
  3. Faserring - Anulus fibrosus
  4. Zwischenwirbelscheibe
    = Bandscheibe (2.+3.)
  5. Faccetengelenk (Wirbelgelenk) -
  6. Wirbelkörper - Corpus vertebrae
  7. Gesunder Knochen
  8. Knochen mit Osteoporose
  9. Breiter Rückenmuskel -
    Musculus latissimus dorsi
  10. Großer Gesäßmuskel -
    Musculus gluteus maximus
  11. Tiefe Rückenstrecker -
    Musculi dorsi proprii
  12. Lendenwirbelsäule (LWS)
  13. Kreuzbein - Os sacrum
    Ursachen:
    A - Osteoporose (Abnahme der Knochendichte - Alterserkrankung)
    B - Bandscheibenvorfall - Austritt von Gewebe des Gallertkerns der BS
    in den Rückenmarkskanal (von oben gesehen)
    C - Wirbelsäule mit Arthrose
    D - Faccetengelenksartrose (der Wirbelgelenke) auch Spondylarthrose
    E - Wirbelbruch (Dornfortsatz, Wirbelkörper)

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Ursachen Rückenschmerzen unterer Rücken

Neben den eingangs beschriebenen "funktionellen", also den durch ein beeinträchtigtes Zusammenspiel des Bewegungsapparates und Fehlbelastung verursachten Rückenbeschwerden, können Rückenschmerzen im unterem Rücken auch ein Hinweis auf eine Erkrankung der Wirbelsäule selbst sein. Diese Erkrankungen können selbst Schmerzen verursachen, führen aber auch häufig zu einer reflexbedingten Schonhaltung und Verspannungen, die dann ihrerseits wieder Ursache von Rückenschmerzen sein können.

Erkrankungen der Wirbelsäule selbst können Störungen in der Struktur der einzelnen „Bauteile“ sein und durch abnutzungsbedingte, entzündliche, im schlimmsten Falle sogar bösartige Prozesse verursacht werden.

Wirbelkörper, die Gelenke zwischen den Wirbelkörpern und Bandstrukturen unterliegen mit den Jahren Alterungs- und Abnutzungserscheinungen, verstärkt dort, wo besonders hohe Lasten auftreten. Dies ist besonders an den Übergängen zwischen den natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule der Fall – dies sind auch die Orte, wo durch Verschleißerscheinungen bedingte Probleme häufig auftreten.

Die Knochendichte der Wirbelkörper nimmt – wie bei allen Knochen im Körper – mit steigendem Lebensalter ab. Dieser Prozess ist besonders ausgeprägt, wenn zusätzlich eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels wie bspw. Osteoporose vorliegt. Ist dieser Abbau an Substanz weiter fortgeschritten, kann es zu Abbrüchen an den Kanten der Wirbelkörpern oder zum Einbruch der Deckplatten der Wirbelkörper kommen. Dies wiederum kann zu Fehlhaltungen, Fehlbelastung anderer Strukturen der Wirbelsäule und daraus resultierenden Rückenschmerzen im unterem Rücken führen.

Besonders betroffen von Alterungserscheinungen sind auch die Bandscheiben, die zwischen den Wirbelkörpern liegen und diese gegeneinander abpuffern. Sie bestehen aus einem gallertartigen Kern, der von einem Ring aus festeren Bindegewebsfasern umgeben ist. Dieser Außenring wird mit steigendem Alter immer spröder, so dass es – besonders im Zusammenhang mit Fehlbelastungen – dazu kommen kann, dass er reißt und Teile des Bandscheiben-Kerns nach außen treten. Geschieht dies so, dass die hervorquellende Gallertmasse auf die aus der Wirbelsäule austretenden Spinalnerven drückt, entspricht dies dem weit verbreiteten und mitunter äußerst schmerzhaften „Bandscheibenvorfall des unteren Rückens“.

Auch ohne dass es zum Austreten des Bandscheibenkerns kommt, können die Bandscheiben durch abnutzungsbedingte Veränderungen zur Ursache von unteren Rückenschmerzen werden: so nimmt mit dem Alter die Höhe der Bandscheiben ab, weil das Bindegewebe, aus dem sie bestehen, weniger Flüssigkeit speichern kann.
Diese Höhenminderung führt dazu, dass die straffen Bänder, die die Wirbelkörper entlang der Wirbelsäule untereinander verbinden und die Wirbelsäule über die ganze Länge stabilisieren, sich lockern. Dadurch müssen die Rückenmuskeln eine erhebliche Mehrarbeit an Ausgleichsbewegungen leisten, um die Haltung zu korrigieren, was zu überlastungsbedingten Schmerzen führen kann - Im gelockerten Verbund aus Bändern und Wirbelkörpern kann es auch zu Wirbelgleiten, dem Verrutschen einzelner Wirbelkörper aus ihrer angestammten Position, kommen.

Von den degenerativen Vorgängen sind auch die Zwischenwirbelgelenke, die zwei benachbarte Wirbelkörper miteinender verbinden („Facettengelenke“) betroffen, umso mehr, wenn bereits eine Lockerung im Gefüge der einzelnen Bausteine eingetreten ist. Durch lokale Überbelastung kommt es zu einem übermäßigen Verschleiß an Gelenkknorpel und knöchernen Anbauten an den Gelenkfortsätzen, die zum sehr schmerzhaften „Facettensyndrom“ führen können.

Aus mechanischen Gründen sind diese degenerativen Veränderungen der Zwischenwirbelgelenke im Bereich der Lendenwirbelsäule besonders häufig.

Eine seltenere Ursache, die bei der Abklärung von unteren Rückenschmerzen aber auch in Betracht gezogen werden sollte, sind Entzündungen des Wirbelkörpers („Spondylitis“) und der Bandscheibe („Spondylodiszitis“). Diese werden durch eine Aussaat von Infektionserregern aus anderen Infektherden im Körper über die Blutbahn hervorgerufen, können aber auch durch eine Keimverschleppung von der Körperoberfläche, z. B. bei der Injektion von Schmerzmitteln in die Nähe der Wirbelsäule entstehen. Das Risiko für eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule ist v. a. bei den Menschen erhöht, die im Rahmen einer chronischen Allgemeinerkrankung wie Diabetes mellitus eine herabgesetzte Infektabwehr besitzen.

Schlussendlich muss bei entsprechendem Verdacht abgeklärt werden, ob den Rückenschmerzen eine Tumorerkrankung zugrunde liegt. Während bösartige Entartungen des Knochengewebes selten sind, gibt es einige Krebserkrankungen, die besonders häufig in die Wirbelsäule streuen.
Diese Absiedlungen können zum Knochenabbau oder -überaufbau führen und selbst oder durch Einbrüche des Wirbelkörpers zu Rückenschmerzen führen. Auch verschiedene bösartige Erkankungen der Blutkörperchen spielen sich am Entstehungsort dieser Zellen, im Knochenmark ab.

Da die Wirbelkörper reich an blutbildendem Knochenmark sind, ist die Wirbelsäule ein häufiger Manifestationsort dieser Erkrankungen. Dadurch, dass das entartete Knochenmark normales Knochengewebe verdrängt, kann es zu Rückenbeschwerden und einer Instabilität der Wirbelkörper kommen, die zu Wirbeleinbrüchen führen kann.

Abbildung Rückenschmerzen

Abbildung Rückenschmerzen: Ursachen und Bereiche der Schmerzstellen

A - Nackenschmerzen
B - Schmerzen des oberen Rückens
C - Schmerzen im Bereich der LWS
Hexenschuss (Lumbago)
D - Lumboglutäalgie
(Ausstrahlen in das Gesäß)
E - Lumboischialgie
(Ausstrahlen in das Bein)

  1. Erster Halswirbel (Träger) - Atlas
  2. Siebenter Halswirbel -
    Vertebra prominens
  3. Trapezmuskel -
    Musculus trapezius
  4. Breiter Rückenmuskel -
    Musculus latissimus dorsi
  5. Erster Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis I
  6. Fünfter Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis V
  7. Kreuzbein - Os sacrum
  8. Steißbein - Os soccygis
  9. Darmbeinkamm - Crista iliaca
  10. Mittlerer Gesäßmuskel - Musculus gluteus medius
  11. Großer Gesäßmuskel - Musculus gluteus maximus
  12. Großer Anzieher - Musculus adductor magnus
  13. Zweiköpfiger Oberschenkelmuskel - Musculus biceps femoris

    a - Bandscheibenvorfall - Nucleus-pulposus-Prolaps (von oben)
    b - Wirbelbruch (Wirbelfraktur)
    c - Wirbelsäulenarthrose - (Gelenkverschleiß)

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.12.2016
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