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Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule

Synonyme

  • Dorsalgie (lat.Dorsum- der Rücken; griech. Algos- der Schmerz)
  • Lumbalgie / Lumbago (lat. Lumbus- Lende; deutsch auch Hexenschuss), wenn die Lenden-Kreuzbeinregion betroffen ist

Englisch: chronic back pain, lower back pain

Einleitung

Rückenschmerzen haben sich mittlerweile zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. Sie sind mit der häufigste Grund neben Infektionskrankheiten einen Arzt aufzusuchen. So vielfältig die Ursachen sein können, steht man bei der Behandlung doch meistens vor einem Rätsel. In den meisten Fällen sind Patienten mit Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen

Definition

Rückenschmerzen sind Schmerzzustände, die in den verschiedenen Abschnitten des Rückens auftreten können.
Nach ihrer vorherrschenden Häufigkeit lassen sie sich in verschiedene Grade einteilen.
Akute Rückenschmerzen treten entweder erstmals, plötzlich auf oder nach einer Pause von mindestens sechs Monaten wieder auf. Sie sollten nicht länger als drei Monate anhalten.
Hingegen nehmen chronische, andauernde Rückenschmerzen den größten Teil des Alltags ein und bestehen länger als drei Monate. Die Beschwerden können wiederkehren oder auch nur zeitweilig sein.
Weiter kann man Rückenschmerzen nach ihrer Qualität auch in einen radikulären und pseudoradikulären Schmerz unterscheiden.
Der radikuläre Schmerz (radicula – die Wurzel) geht dabei von einer Kompression der Nervenwurzel, wie es bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule der Fall ist, aus. Der pseudoradikuläre Schmerz (scheinbar radikulärer) entsteht durch Veränderungen der kleinen Gelenke der Wirbelsäule.

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Wer bin ich?
Meine Name ist Dr. Nicolas Gumpert. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Gründer von Dr-Gumpert.de
Diverse Fernsehsendungen und Printmedien berichten regelmäßig über meine Arbeit. Im HR Fernsehen sehen Sie mich alle 6 Wochen live bei "Hallo Hessen". 
Aber jetzt ist genug angegeben ;-)

Die Wirbelsäule ist kompliziert zu behandeln. Auf der einen Seite ist sie hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt, anderseits hat sie große Beweglichkeit.

Daher erfordert die Behandlung der Wirbelsäule (z.B. Bandscheibenvorfall, Facettensyndrom, Foramenstenosen, etc.) viel Erfahrung.
Ich behandele die unterschiedlichsten Erkrankungen der Wirbelsäule im Schwerpunkt.
Ziel jeder Behandlung ist die Behandlung ohne eine Operation.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

Sie finden mich im:

  • Orthopaedicum - Frankfurt
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    60318 Frankfurt am Main

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Leider ist eine Terminvereinbarung nur bei privater Krankenversicherungen möglich. Ich hoffe auf Ihr Verständnis!
Weitere Informationen zu meiner Person finden Sie unter Orthopaedicum Frankfurt

Häufigkeit

Ca. 60-80% aller Frauen und in etwa 65-70% aller Männer leiden zumindest teilweise unter Rückenschmerzen.
Bei über der Hälfte besteht ein Zusammenhang mit ihrem Beruf. Über 75% der Beschwerden lassen sich im Lendenbereich lokalisieren. Der Lendenwirbelsäule mit ihren fünf Wirbeln schließt sich das Kreuzbein an, welches gelenkig mit dem Becken verbunden ist.
Betreffen die Schmerzen dieses Gelenk, so spricht man von „Kreuzschmerzen“ (iliosakrale Beschwerden) oder nach dem lateinischen Namen des Gelenks – Iliosakralgelenk - auch „Iliosakral-(ISG-)syndrom“.
Bei 25% der Patienten gehen die Rückenschmerzen von der Hals-Nacken-Region aus. Die Verteilung von Bandscheibenvorfällen folgt der Häufigkeit der Lokalisation der Schmerzen. Im Lendenbereich sind sie also vermehrt anzutreffen.
Kur- und Invaliditätsanträge werden in Deutschland in über 60% der Fälle aufgrund von Rückenschmerzen gestellt und erzeugen Kosten von etwa 49 Milliarden Euro.

Schmerzlokalisationen

Rechts

Oftmals kommen Rückenschmerzen im Bereich der LWS nur auf einer Seite, zum Beispiel rechts, vor.

Hierfür gibt es verschiedenste mögliche Ursachen, die in den meisten Fällen ungefährlich sind und durch regelmäßige Kräftigungsübungen verbessert werden können. Denn oft handelt es sich bei den Rückenschmerzen auf der rechten Seite um Muskelverspannungen oder Einklemmungen eines Nervens. Bei Letzterem kommt es oft zu Schmerzen, die bis in das rechte Bein ziehen, da aus der Lendenwirbelsäule viele Nerven kommen, die hinunter ins Bein verlaufen.

Auch eine sogenannte Spinalkanalstenose kann zu diesen Symptomen führen. Dabei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, die vor allem in der Lendenwirbelsäule vorkommt. Lokale Entzündungen oder beispielsweise ein Abszess, also eine mit Eiter gefüllt Höhle, kommen ebenfalls als Ursache für Rückenschmerzen auf der rechten Seite in Frage.

Bei starken Schmerzen über einen längeren Zeitraum sollte auch ein seitlicher Bandscheibenvorfall oder eine Vorwölbung der Bandscheibe in Betracht gezogen werden. Erkrankungen der rechten Niere, wie eine Nierenbeckenentzündung, kann ebenfalls zu Rückenschmerzen auf rechten Seite im LWS-Bereich führen. Hierbei treten oft weitere Symptome, wie Fieber oder blutiger Urin, auf.

Links

Rückenschmerzen im Bereich der LWS kommen oft nur einseitig vor und viele Betroffene klagen über Schmerzen im linken unteren Rücken. Hierfür kommen verschiedene Ursachen in Frage. Dazu gehören auch Verspannung oder Zerrungen der Muskeln, die zum Beispiel beim Sport entstehen können. Häufig ist der stärkste Hüftbeuger, der sogenannte Ilipsoas, verspannt, wodurch die in der Umgebung liegenden Nerven komprimiert werden. Dadurch entsteht eine Ausstrahlung des Schmerzes in das linke Bein. Je nach Ausprägung dieser Nervenkompression können diese Schmerzen auch abhängig vom Laufen schlechter und besser werden.

Die Spondylolisthesis, also das Wirbelgleiten bei Instabilität der Wirbelsäule, kommt häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule vor und kann zu einem einseitigen Schmerz auf der linken Seite führen. Eine häufige Ursache ist auch der Bandscheibenvorfall oder die Vorwölbung der Bandscheibe, die je nach Ausprägung auch nur hauptsächlich links Schmerzen verursachen kann. In einigen Fällen kann es auch durch Erkrankungen der linken Niere zu Rückenschmerzen auf Höhe der LWS kommen. Bei einem Verdacht sollte daher auch auf andere Symptome, wie Fieber und Blut im Urin, geachtet werden. Auch der Darm kann bei starken Verdauungsproblemen zu Rückenschmerzen der LWS auf der linken Seite führen.

Beidseits

Häufig treten Rückenschmerzen der LWS beidseitig auf. Auch dafür gibt es unterschiedliche Ursachen.

Beispielsweise können alltägliche Probleme, wie Fehlhaltungen oder eine schwache Muskulatur zu Beschwerden führen. Die Bandscheiben führen am häufigsten im LWS-Bereich bei Vorwölbungen oder Verschiebungen zu Schmerzen. In Extremfällen sind auch Brüche oder Tumoren, die auf den Wirbelkanal drücken, denkbar. Dies ist allerdings eher selten.

Auch die Nieren können als Ursache in Frage kommen, wobei es häufiger ist, dass eine Nierenerkrankung nur einseitig stattfindet.

Schmerzsituationen

Schmerzen im Sitzen

Im Sitzen werden bei vielen Erkrankungen und Verspannung im LWS-Bereich die Rückenschmerzen schlimmer. Der Grund hierfür ist eine erhöhte Belastung der Wirbelsäule mit dem Körpergewicht.

Dies kann sich zum Beispiel als typisches Zeichen eines Bandscheibenvorfalls zeigen. Die Ursache ist aber häufig weniger schwerwiegend und die Schmerzen belastungsabhängig. Meist ist es bereits sehr hilfreich, wenn auf eine richtige Haltung im Sitzen geachtet wird. Eine gestärkte Muskulatur des Rückens ist ebenfalls wichtig. Zusätzlich sollten beispielsweise Büro-Arbeiter auf ausreichend Bewegung am Tag achten, um die Lendenwirbelsäule zu entlasten.

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Im Liegen

In einigen Fällen treten Rückenschmerzen an der Lendenwirbelsäule vor allem beim Liegen auf und werden hierdurch verstärkt. Da im Liegen die Muskulatur weniger beansprucht wird, kann es bei längerem Liegen zu Verkürzungen der Muskeln kommen. Dies liegt daran, dass sich Muskeln, wenn sie zu wenig genutzt werden, zurückbilden können. Dadurch können verschiedenste Einschränkungen, wie Verspannungen, aber auch Bandscheibenvorfälle, verschlimmert werden.

Es gibt aber auch Erkrankungen, wie die Spinalkanalstenose, bei denen die Schmerzen im Liegen besser werden. Dabei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, die im Liegen wieder etwas erweitert wird.

Insbesondere morgens

Wenn Rückenschmerzen der LWS besonders morgens nach dem Schlafen auftreten, gibt es dafür verschiedene Gründe. Am häufigsten ist eine falsche Schlafposition Schuld an den Beschwerden. Wenn sich die Wirbelsäule nicht genügend entspannen und entlasten kann, werden Verspannungen oder bereits bestehende Schmerzen deutlich verstärkt. Daher sollte auf eine Rückenfreundliche Matratze geachtet werden. Verschiedene Kissen können zusätzlich die Schlafposition korrigieren.

Morgendlich auftretende Rückenschmerzen können auch ein Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung sein. Oft sind hierbei auch noch andere Gelenke betroffen, die vor allem morgens schmerzen. In solchen Fällen sollte ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Nachts

Manchmal kommt es vor, dass vor allem abends oder nachts während dem Schlafen Rückenschmerzen im Bereich der LWS auftreten. Sie können so stark werden, dass die Betroffenen davon aufwachen und danach wieder unter Einschlafproblemen leiden.

Eine mögliche Ursache ist eine für den Rücken ungünstige Schlafposition, die zu Muskelverspannungen und Reizung der Nerven führt. Diese kann durch eine rückenfreundliche Matratze und Schlafkissen verbessert werden. Eine andere mögliche Ursache ist der Morbus Bechterew, bei dem sich die Beckenfugen entzünden und den Schmerz auf den Rücken übertragen.

Nach dem Sport

Vielen Menschen passiert es im Laufe ihres Lebens, dass sie beim Sport eine ungeschickte oder ungewohnte Bewegung ausführen und plötzlich Schmerzen im Rücken bekommen. Die Lendenwirbelsäule ist häufig bei Sportarten betroffen, bei denen man sich bücken oder in die Hocke gehen muss. Beim Kraftsport und Gewichtheben ist es daher besonders wichtig, auf eine Entlastung der LWS zu achten. Aber auch bei anderen Sportarten, wie beispielsweise Hockey oder Turnen, kann der untere Rücken sehr stark beansprucht werden.

Die Schmerzen entstehen dabei am häufigsten durch eine Muskelverspannung, Muskelzerrung und einen dadurch möglicherweise eingeklemmten Nerven. Sie sind häufig von stechendem Charakter und lassen sich durch Schonung, Massagen oder Physiotherapie oft wieder vollständig kurieren. Aber auch Bänderrisse oder andere ernsthaftere Verletzungen kommen als Ursache in Frage. Bei starken Schmerzen, die sich auch nach mehreren Tagen nicht bessern, sollte daher ein Orthopäde aufgesucht werden. Zusätzlich empfiehlt es sich stets bei regelmäßigem Sport auch durch gezielte Übungen den Rücken zu stärken.

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Schmerzcharakter

Stechender Schmerz

Die Schmerzen am Rücken können von unterschiedlichem Charakter sein. Werden sie als stechend beschrieben, liegt die Ursache oft im Bereich der Nerven. Viele Betroffene beschreiben es, als würden man ihnen ein Messer in den Rücken rammen.

Dieser stechende Charakter kommt durch eine Kompression, also eine Einklemmung, eines der dort verlaufenden Nervens zustande. Dadurch wird dieser stark gereizt und sendet Warnsignale an das Gehirn. Eine solche Einklemmung kann verschiedene Ursachen haben. Oft handelt es sich um extreme Muskelverspannungen, auch Muskelhartspann genannt. Da aber auch ein Bandscheibenvorfall als Ursache in Frage kommt, sollte ein Arzt zur Abklärung hinzugezogen werden.

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Weitere Ursachen

Schmerzen durch ein Hohlkreuz

Eine aufrechte Haltung ist sowohl im Sitzen als auch im Stehen sehr wichtig. Immer wieder passiert es, dass eine falsche Haltung zu schweren und langfristigen Rückenschmerzen der LWS führt. Oft ist hierbei das Hohlkreuz schuld.

Durch die übermäßige Krümmung der Wirbelsäule wird vor allem der untere Rücken zu stark belastet. Die Folgen zeigen sich oft erst nach einigen Jahren. Da die Haltung ein automatisches Verhalten ist, ist es oft sehr schwer, diese im Alltag zu korrigieren. Eine Physiotherapie ist in solchen Fällen sehr hilfreich, um durch verschiedene Übungen und Tricks eine korrekte Haltung in den Alltag zu integrieren.

Entzündungen

Eine Entzündung kann am Rücken im Bereich der LWS Schmerzen verursachen. Diese treten meist relativ akut und mit anderen Zeichen der Entzündung, wie Rötung und Schwellung, auf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wo die Entzündung am Rücken entsteht.

Morbus Bechterew ist eine Erkrankung mit einer Entzündung der Beckenfugen, also dem Übergang des Darm- und Kreuzbeines. Dies äußert sich oft in Rückenschmerzen der LWS. Eine weitere mögliche Ursache ist die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, die häufig auch zu entzündeten Gelenken an der Wirbelsäule führt und dann auch als Psoriasisarthritis bezeichnet wird.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kommt es häufig zu Rückenschmerzen der LWS. Die Zunahme des Bauchumfangs und das wachsende Gewicht sind eine starke Belastung für den Rücken. Außerdem verändern sich im Laufe der Schwangerschaft einige Bereiche des Körpers der Mutter. Hierzu gehört auch, dass das Becken etwas breiter wird, um sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Dies kann ebenfalls Schmerzen im unteren Rücken verursachen.

Um diesen Beschwerden vorzubeugen bzw. entgegen zu wirken ist es wichtig, auf eine aufrechte und den Rücken entlastende Haltung zu achten. Auch im Sitzen sollte daran gedacht werden. Gegebenenfalls können Sitzkissen unterstützend wirken. Heutzutage gibt es für Schwangere auch viele Angebote im Sport- und Fitnessbereich. Dabei handelt es sich nicht nur um die klassische Geburtsvorbereitung, sondern auch um Kurse, in denen die Muskulatur des Rückens gestärkt wird. Dies ist sehr wichtig und sollte bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft begonnen werden. Dadurch kann der Körper auf die Gewichtszunahme und die dadurch entstehende Belastung vorbereitet werden.

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Begleitende Symptome der Rückenschmerzen

Anfangs nehmen viele Betroffen die ersten Anzeichen oder Beschwerden mit Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule/Lendenwirbel in Form von:

nicht ernst, ignorieren sie oder versuchen sich durch verschiedene Gegenmaßnahmen und Schonhaltungen Linderung zu verschaffen.

Dies führt aber genau zum Gegenteil und verschlimmert die Situation zumeist noch. Fehlhaltungen und zunehmende Schmerzen folgen. Wichtig ist, dass sich jeder einzelne genau beobachtet und sich zum Beispiel folgende Fragen stellt:

  • „In welchen Situationen habe ich Rückenschmerzen?“
  • „Wie oft und wann genau treten sie auf?“
  • „An welcher Stelle habe ich Rückenschmerzen?“
  • „Wie ist dieser Schmerz und wie lange dauert er an?“

Jeder Arzt wird aber auch in einer gezielten Schmerzanamnese nach diesen Gegebenheiten fragen. Das ist besonders wichtig, um die Ursache für die Rückenschmerzen herauszufinden und eine gezielte weitere Diagnostik und die Therapie der Rückenschmerzen einzuleiten.

Schmerzausstrahlung ins Bein

Es kommt immer wieder vor, dass Rückenschmerzen auf einer Seite der LWS auftreten, die bis ins Bein runterziehen.

In der Regel handelt es sich bei diesem Schmerz um einen Nerven, der eingeklemmt ist. Viele Nerven im Bein kommen nämlich aus dem Rückenmark auf Höhe der Lendenwirbelsäule. Bei einer Reizung des Ischiasnervs, also dem dicksten Nerv, der ins Bein zieht, spricht man von einer Lumboischialgie. Hierbei können auch Lähmungen auftreten. Auch eine Spinalkanalstenose, bei der der Wirbelkanal verengt ist, kann zu ausstrahlenden Schmerzen im Bein führen und sollte schnellstmöglich behandelt werden.

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Bauchschmerzen

Manchmal tauchen Rückenschmerzen der LWS auch zusammen mit Bauchschmerzen auf. Es sollte natürlich in Betracht gezogen werden, dass die Beschwerden unabhängig voneinander auftreten. In vielen Fällen gibt es jedoch auch Zusammenhänge.

Der Magen-Darm-Trakt wird durch verschiedene Nerven versorgt, wobei viele davon letztlich aus dem Rückenmark kommen. Dadurch können sich vor allem Probleme des Dickdarms und des Enddarms im Rücken wiederspiegeln. Besonders bei Verdauungsstörungen mit häufigen Durchfällen, die oft im Bauchbereich schmerzhaft sind, kann es zu Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule kommen. Aber auch Verstopfungen wirken sich, durch das vergrößerte Volumen und Gewicht des Darms, auf den Rücken aus. Hiervon ist vor allem die Muskulatur zwischen Rücken und dem Magen-Darm-Trakt betroffen. Dazu gehört beispielsweise auch der Hüftbeuger-Muskel Ilipsoas. Dieser kann bei erhöhter Belastung vor allem beim Aufrichten Schmerzen im Bereich der LWS verursachen. Wenn Bauch- und Rückenschmerzen gemeinsam auftreten ist es daher sinnvoll, Verdauungsbeschwerden zu behandeln. Oft reicht bereits eine Ernährungsumstellung und ggf. eine Entgiftung des Darms.

Diagnose

Am Anfang jeder Diagnosestellung der Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule steht die individuelle Anamnese (Krankheitsgeschichte) eines Patienten.
Ziel dieser Detektivarbeit des Arztes ist es, einen Überblick über die aktuellen Beschwerden zu bekommen.
Gezielte Fragen nach:

  • Lokalisation und vielleicht Ausstrahlung der Schmerzen in andere Bereiche, wie zum Beispiel der Beine
  • Qualität und Intensität der Beschwerden und zeitliches Auftreten
    sowie
  • mögliche Verstärkung oder Abschwächung des Schmerzes durch bestimmte Umstände

sind zwingend nötig.

Nicht weniger wichtig sind die Fragen nach Vorerkrankungen. In unserem Fall sollte der Behandelnde nach Begleitkrankheiten wie Osteoporose (Knochenschwund) oder Arthrose (Gelenkverschleiß) fragen.
Weiterhin wird nach sozialen Gegebenheiten wie Beruf, Partnerschaft, Familie und belastenden Situationen gefahndet.

Nach diesem gründlichen „Interview“ folgt die körperliche Untersuchung, die erste Aufschlüsse liefern kann.
Von außen ersichtlich sind beispielsweise:

Zusätzlich werden:

  • Muskelkraft
  • Reflexe
  • Berührungsempfindungen (Sensibilität)
    und
  • die Beweglichkeit der Gelenke insbesondere die der Wirbelsäule

überprüft.
Sollten diese Maßnahmen nicht genau die Ursache der Rückenschmerzen aufdecken, stehen zusätzlich technische Methoden wie:

zur Verfügung.

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Therapie

Was ist zu tun, wenn der Rücken schmerzt, Muskeln verspannt sind und die Beweglichkeit im Alltag stark eingeschränkt ist?
Grundsätzlich richtet sich jede Therapie der lumbalen Wirbelsäule nach der Ursache des Leidens. Sollte also eine organische Ursache gefunden werden, so ist diese in erster Linie zu behandeln. Rückenschmerzen entstehen häufig durch Dysbalancen der Muskulatur im Rumpfbereich. Bei vielen Patienten treten Rückenschmerzen aber in Episoden auf und erfordern schnelles und gezieltes Handeln. Eine gezielte Diagnose dieser Dysbalancen mit darauffolgenden Training der Rumpfmuskulatur hilft in den meisten Fällen um Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen.
Folgende Methoden stehen jedem einzelnen als Möglichkeiten offen:

Wärme lindert in vielen Fällen akute Schmerzen. Wärmeanwendungen haben sich besonders bei Muskelverspannungen bewährt.
Hier reicht das Spektrum von:

  • Bädern
  • Umschlägen
  • Wärmepackungen
  • Pflastern
    bis hin zu
  • Saunabesuchen

Schmerzmittel können bei stressbedingten Rückenschmerzen akut die Schmerzen lindern, allerdings beheben sie nicht die eigentliche Ursache der Rückenschmerzen.
Jedoch sind Schmerzmittel eine erste Wahl und Alternative, wenn eine Operation nicht zwingend erforderlich ist.
Eingesetzt werden vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Sie lindern akute Schmerzzustände und hemmen Entzündungen. Das kann besonders hilfreich sein, wenn die Schmerzen Schonhaltungen und damit Verspannungen der Muskeln hervorrufen.
Durch die Schmerzlinderung ist eine einigermaßen normale Haltung und Beweglichkeit gegeben, mögliche Entzündungen heilen zudem ab und der Patient erfährt schnell Beschwerdefreiheit.
Bei chronischen Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule haben sich aber andere Methoden, wie die Akupunktur oder verhaltenstherapeutische Maßnahmen bewiesen. Eine dauerhafte Gabe von Schmerzmitteln kann nämlich eine immer höhere Dosis erfordern, wenn sich der Körper daran gewöhnt, und so schnell in einer Abhängigkeit enden.
Interessant sind Studien zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule mit Akupunktur zu verfolgen. Hier scheint sich ein deutlich höherer Therapieerfolg gegenüber der konventionellen Therapie mit Schmerzmitteln und begleitender Krankengymnastik in zudem kürzerer Behandlungszeit zu zeigen.
Dennoch ist die Physiotherapie/ Krankengymnastik oder speziell die Rückenschule das Mittel der Wahl für einen gezielten Muskelaufbau des Rückenbereichs und zum Lösen von Verspannungen. Geschult werden Alltagsbewegungen, rückengerechtes Heben, Stehen, Gehen und Sitzen.
Experten empfehlen besonders sportliche Aktivitäten und viel Bewegung, die den Rücken nicht belasten. Sehr geeignet sind Schwimmen, vor allem Kraulschwimmen und längere Spaziergänge.
Operationen werden nur in den seltensten Fällen durchgeführt. Häufige Indikation sind schwere Bandscheibenvorfälle der LWS. Neben den großen offenen Operationen wendet man auch Verfahren an, die einen kleineren Eingriff erlauben (sog. minimalinvasive Verfahren) – vor allem bei weniger schwer wiegenden Fällen.

Beispiele für minimalinvasive Verfahren sind chemische Auflösung der Bandscheibe durch Enzyme (Chemonukleolyse), Verdampfung von Teilen der Bandscheibe mittels Laser und Wirbelsäulenchirurgie mittels Endoskopie (mithilfe eines röhrenförmigen Systems, in dem eine Kamera eingebaut ist (Endoskop), kann der Arzt Hohlräume des Körpers sehen und Störungen behandeln).


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Übungen

Es gibt viele Übungen, die bei Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule helfen können. Sie dienen vor allem der Dehnung und Kräftigung der Muskeln im Rücken, wodurch eine bessere Haltung und damit eine Entlastung des schmerzenden Rückens gewährleistet wird.

Zu Beginn empfiehlt es sich, die Wahrnehmung und Fixierung die Lendenwirbelsäule im Körper zu verbessern. Dazu legt man sich am besten auf eine Matte, winkelt die Beine an und legt die Arme entspannt neben den Körper. Nun werden die Fußspitzen nach oben gezogen, die Fersen und der untere Rücken drücken sich in die Matte.

Zur Kräftigung der Rückenmuskulatur gibt es einige Übungen in der Bauchlage. In dieser Position können zum Beispiel die Arme und Beine leicht vom Boden angehoben werden. Diese Lage wird dann eine Weile gehalten, es können auch Schwimmbewegungen gemacht werden. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass dabei kein Hohlkreuz entsteht. Zur Stärkung der Muskeln im Lendenwirbelsäulenbereich kann auch eine Übung durchgeführt werden, die den Vierfüßlerstand als Ausgangsposition hat. Nun werden abwechselnd der rechte Arm und das linke Bein ausgestreckt und dann der linke Arm und das rechte Bein. Dabei sollte man versuchen mit Arm und Bein eine waagrechte Linie zu bilden. Diese Übung verbessert zusätzlich das Gleichgewicht und sorgt so für eine bessere Haltung des gesamten Rückens.

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Kinesiotape

Oft kann es bei Rückenschmerzen der LWS helfen, wenn Kinesiotape angebracht wird.

Dadurch können die Wirbel entlastet werden und in vielen Fällen gehen die Schmerzen zurück. Handelt es sich jedoch um eine ernsthafte Verletzung, wie beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall, reicht Kinesiotape nicht aus. Bei Unsicherheiten über den Ursprung der Schmerzen sollte daher ein Arzt aufgesucht werden. Es gibt mehrere Varianten zum Tapen im Bereich der Lendenwirbelsäule, wobei die gängigsten die Sternform oder ein Y-Streifen sind.

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Hausmittel

Bei Rückenschmerzen der LWS reichen oft schon Hausmittel aus, um beispielsweise Muskelverspannungen zu lösen.

Ein sehr beliebtes Hilfsmittel sind Wärmekissen oder Wärmflaschen, die lokal für eine Entspannung der Strukturen sorgen. In manchen Fällen können aber auch Kältekissen oder Eis dazu helfen, den Schmerz zu betäuben. Auch Öle, z.B. Johanniskrautöl oder Öle vermischt mit Salben, wie Arnika oder Teufelskralle, können an den betroffenen Stellen eingerieben werden. Alternativ können auch Tücher in den Ölen getränkt werden und dann als Wickel über Nacht getragen werden.

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Akupunktur

Viele Menschen, die unter Rückenschmerzen der LWS leiden, berichten, dass bei ihnen Akupunktur zu einer Linderung der Beschwerden geführt hat.

Die Idee der Akupunktur beruht auf der gezielten Behandlung von sogenannten Triggerpunkten. Diese Triggerpunkte stellen Knotenpunkte von verschiedenen dort verlaufenden Nerven dar und sind oft die Stellen, an denen der Schmerz am größten ist. Daher kann diese Form der Therapie dazu beitragen, die Schmerzen zu verringern.

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Prognose

Bei der Mehrheit der Menschen mit Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule zeigt sich eine gute Prognose. In über der Hälfte der Fälle verschwinden die Schmerzen innerhalb einer Woche, nach zwei Wochen sind ca. 80 % der Patienten zumindest soweit genesen, dass sie ihre normale Tätigkeit wieder aufnehmen können. In über 60% der Fälle treten jedoch erneut Beschwerden auf.

Dauer

Um die Dauer für Rückenschmerzen der LWS zu beurteilen, muss zunächst die Ursache betrachtet werden. Liegt beispielsweise eine akute Entzündung vor, kann diese meist erfolgreich behandelt werden und die Schmerzen sind nur einige Tage bis Wochen vorhanden.

Leider sind Rückenschmerzen jedoch oft chronisch. Treten sie im Alter auf, handelt es sich oft um eine Ursachen-Mischung aus vielen Komponenten. Häufig kommt es im Alter zur sogenannten Degeneration, also der Abnutzung, von Knochen. Dies trifft vor allem auch für die Wirbelsäule zu, da sie jeden Tag belastet wird. In solchen Fällen ist die Ursache nur bedingt beeinflussbar, wodurch die Rückenschmerzen leider oft nicht komplett heilbar sind. Die Folge davon ist, dass die Betroffenen lernen müssen mit den Beschwerden im Alltag umzugehen. Daher ist es wichtig auf den eigenen Körper zu hören und bei Beginn der Schmerzen früh entgegen zu wirken. Eine aufrechte Haltung im Alltag ist dabei genauso wichtig, wie regelmäßiger Sport und die Kräftigung der Muskulatur am Rücken.

Eine weitere immer wieder vorkommende Ursache ist ein Bandscheibenvorfall, der je nach Ausprägung und Zeitpunkt der Therapie unterschiedlich lange zu Beschwerden führen kann. Leider bleiben auch hier oft langfristig Schmerzen durch die Schäden der Nerven-Strukturen vorhanden.

Zusammenfassung

Starke Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule sind keine Seltenheit, nichts Außergewöhnliches und sollten dennoch niemals unterschätzt werden. Was als recht harmloser akuter Rückenschmerz begann (z.B. Morgensteifigkeit oder leichte Nackenverspannungen) kann sich zu einem chronischen, im schlimmsten Fall lebenslangen, Rückenschmerz entwickeln. Fazit ist, dass sich viele Symptome durch einfache Maßnahmen lindern und durch ein bisschen Eigeninitiative sogar vorbeugen lassen.

Wie kann ein jeder diesem Martyrium vorbeugen?
Nun der wichtigste Aspekt ist neben einer gesunden Lebensweise viel Bewegung, sportliche Aktivitäten und daneben ein ausgewogenes Maß an Entspannung.
Sollte ein Beruf ausgeübt werden, der mit besonders rückenbelastenden Tätigkeiten verbunden ist, wie Büroarbeit, schweres Heben auf Baustellen usw., empfiehlt sich eine Rückenschule, um die Muskulatur zu stärken und rückengerechtes Heben und berufsbedingte Verhaltensweisen zu erlernen.
Unbedingt sollte auch Übergewicht durch eine gesunde Ernährung vermieden werden. Zu viele Kilos belasten die Wirbelsäule und führen schnell zu Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.01.2019
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