Morbus Scheuermann

Synonyme

M. Scheuermann, juvenile Kyphose, Adoleszentenkyphose, Adoleszenskyphose, posturale Kyphose, Scheuermann-Krankheit, jugendlicher Rundrücken, Scheuermannsche Kyphose, Juvenile Osteochondrosen, Osteonekrosen

Definition Morbus Scheuermann

Der Morbus Scheuermann, eine im Jugendalter auftretende Wachstumsstörung an Grund und Deckplatten der Wirbelkörper der Brust- und / oder Lendenwirbelsäule mit vermehrter Kyphose bzw. verminderter Lordose (Ab- bzw. Zunahme der physiolog. Schwingung der Wirbelsäule). Es müssen mindestens drei benachbarte Wirbelkörper betroffen sein, die jeweils einen Keilwirbelwinkel von mindestens 5 Grad aufweisen. Der Bezeichnung als Morbus Scheuermann geht auf den dänischen Röntgenologen und Erstbeschreiber dieser Erkrankung H. W. Scheuermann (1877-1960) zurück.

Epidemiologie

Der Morbus Scheuermann ist die häufigste Wirbelsäulenveränderung im Wachstumsalter. Nicht jeder Erkrankung geht zwangsläufig mit Symptomen oder Beschwerden einher.
Ein Morbus Scheuermann kann bei ca 20 -30 % aller Jugendlichen auf dem Röntgenbild nachgewiesen werden, nur ein geringer Teil entwickelt davon Beschwerden.
4 - 6% der Gesamtbevölkerung sind davon betroffen.
Das Geschlechtsverhältnis beträgt männlich : weiblich = 2:1.

Alter

Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen dem 11.-13. Lebensjahr.

Lokalisation

In den meisten Fällen befällt der Scheuermann die Brustwirbelsäule, seltener die Lendenwirbelsäule. Bei gleichzeitigem Befall spricht man von einen thorakolumbalen Scheuermann.

Ursache

Die Ursache des M. Scheuermann ist nicht bekannt.
Mechanische und genetische Faktoren mit einer Minderbelastbarkeit des Wirbelkörpers, Anomalitäten der Wirbelkörperrandleisten, Bandscheibengewebe, das in die Wirbelkörper gelangt, sowie Vitaminmangelsyndrome usw. können eine Rolle spielen.
Auf dem Röntgenbild imponiert eine Keilwirbelbildung und sogenannte Schmorlsche Knötchen, das in den Wirbelkörper eingedrungenes Bandscheibengewebe darstellt.
Letztlich tritt eine Imbalance im Wachstum der vorderen und hinteren Anteile des Wirbelkörpers auf, welche eine Keilwirbelbildung zur Folge hat.

Klinische und radiologische Veränderungen können ab dem 11. Lebensjahr auftreten. Die krankheitstypischen Veränderungen an den Wirbelkörpern sind zum Wachstumsende stabilisiert. Sekundäre Phänomene durch die kyphotische Wirbelsäulenfehlstellung können auch sich auch noch später zeigen.

Insbesondere das ausführen kraftaufwendiger Sportarten im Jugendalter kann eine Entstehung eines Morbus Scheuermann begünstigen. Leistungsturner sind hier im besonderen zu nennen.

Selten kann einem Scheuermann eine Bindegewebsstörung (Kollagen) zu Grunde liegen.
Das Auftreten besonders während der Pubertät läßt den Rückschluß auf eine hormonelle Beteiligung der Erkrankung zu. Viele Knochenwachstumsstörungen, wie z.B. der Morbus Perthes treten während der Pubertät auf.

Symptome

Wie bei vielen Erkrankungen gibt es keine eindeutigen Symptome, die auf einen Morbus Scheuermann hindeuten. Häufig stehen im Anfangsstadium diffuse Rückenschmerzen im Vordergrund.

Die Erkrankung Morbus Scheuermann bildet sich typischerweise in drei Stadien aus:

Initialstadium:
Während des ersten Stadium des Morbus Scheuermann bestehen meist keine Beschwerden. Dieses Stadium wird in den meisten Fällen nur im Röntgenbild erkannt.

Ausbildungsstadium:
Während des zweiten Stadium des des Morbus Scheuermann kommt es vermehrt zu Schmerzen. Es bilden sich Deformierungen an den WirbeIkörpern. Durch eine Keilwirbelbildung kann sich im Brustwirkelsäulenbereich ein so genannter Rundrücken, im Lendenwirbelsäulenbereich einen so genannten Flachrückenbilden.

Endstadium:
Im Endstadium treten am häufigsten Schmerzen auf. Der deformierende Wachstumsprozess ist abgeschlossen. Durch die Fehlbildung der Wirbelkörper kommt es zu einer Überlastung der angrenzenden Strukturen, wie Bänder, Wirbelgelenke und Muskulatur. Durch eine dauerhafte Überlastung setzt ein frühzeitiger Verschleiß und damit Arthrose der Wirbelsäule (degenerative Veränderungen) ein.

Folgen der Erkrankung können sein:

  • Rundrücken in der Brustwirbelsäule
  • Flachrücken in der Lendenwirbelsäule
  • Eingeschränkte Beweglichkeit in Beugung und Rotation
  • Rückenschmerzen treten bei rund der Hälfte aller Fälle vorwiegend in der Brustwirbelsäule auf.
  • Bandscheibenprobleme und Rückenschmerzen insbesondere in der Lendenwirbelsäule können später ebenfalls hinzukommen.

Diagnose

Im Anfangsstadium fallen bei Morbus Scheuermann die Haltungsschwächen, meist in der Brustwirbelsäule auf (Buckelbildung).
Klinisch kann die Diagnose durch den Nachweise der Fixierung der Rundrückenbildung (Unfähigkeit den Rundrücken aktiv auszugleichen) gesichert werden.

Weist das Röntgenbild die Scheuermann - typischen Veränderungen auf, kann die Diagnose gestellt werden.

Keilwirbelbildung

Die Röntgenbildaufnahe zeigt den Deckplatteneinbruch eines Wirbelkörpers bei Morbus Scheuermann und den resultierenden Keilwirbel. Mehrere solcher Keilwirbel führen dann zum Rundrücken.

Radiologische Veränderungen beim Morbus Scheuermann sind:

  • typische Schmorl´sche Knötchen (siehe weißer Pfeil, Bild oben)
  • unregelmäßige Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper
  • Keilwirbelbildung (vgl. die zwei Wirbelkörper obere Bild - obere Wirbelkörper normal, untere Keilwirbel)
  • Edgren - Vaino - Zeichen: Knötchen in der Deck- oder Bodenplatte gegenüber den Schmorl-Knötchen

Therapie des Morbus Scheuermann

Therapieziele des Morbus Scheuermann:

  • Verhinderung des Auftretens bzw. des Fortschreitens zu einer schwerwiegenden Wirbelsäulendeformität
  • Schmerzreduktion bzw. -beseitigung
  • Versuch der Korrektur der Wirbelsäulendeformität

Die Therapie des Morbus Scheuermann hängt vom Erkrankungsstadium, wie auch von Ausmaß der Fehlbildung und Beschwerdesymptomatik ab.
So lange das Wachstum nicht abgeschlossen ist, ist theoretisch eine Wachstumskorrektur möglich. Durch muskuläre Stabilisierung kann eine Verbesserung erzielt werden.

Bei leichtgradigen Erkrankungen des Morbus Scheuermann ist eine muskuläre Stabilisierung, die den Haltungsschaden ausgleicht in Kombination mit Bewegungsübungen sicherlich ausreichend.
Sollte sich jedoch ein ausgeprägter Rundrücken bilden, kann eine Korsettanpassung oder Aufrichtungsoperation notwendig werden. Diese kann jedoch erst nach Abschluß der Wachstumsphase durchgeführt werden.
Durch Veränderungen vieler Kleinigkeiten im Alltag können häufig Beschwerdearmut oder -freiheit erreicht werden.

Wichtig beim Morbus Scheuermann ist die Ergonomie Ihres Arbeitsplatzes, alle Arbeitsbereiche sollten rückengerecht eingestellt sein.
Eine Rückenschule weist Ihnen viele hilfreiche Tips im Alltag, wie Sie rückenschonender Arbeiten können. Durch muskuläre Aufbau- und Entspannungsübungen, die Sie täglich mehrfach “zwischendurch” durchführen können, werden häufig große Erfolge erzielt.
Eine sachgerechte Anwendung aller Übungen ist hierbei wichtig!
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Rückenschule.

Durch eine intensive krankengymnastische Behandlung des Morbus Scheuermann sollte eine muskuläre Stabilisierung erreicht werden. Verkürzte Muskelgruppen müssen aufgedehnt werden.
Gegen muskuläre Dysbalancen können Rotlicht, Massagen, sowie physikalische Maßnahmen wie Elektrotherapie (TENS) angewendet werden.

Prophylaxe

Alte in der Therapie genannten Verfahren können selbstverständlich auch aus prophylaktischen Zwecken eingesetzt werden. Ein gutes muskuläres Korsett sollte sich schon in der Kindheit angeeignet werden damit Beschwerden erst gar nicht aufkommen können.
Insbesondere das Training der Bauch- und Rückenmuskulatur, Schwimmen (besonders Rückenschwimmen, kein Delphin), Vermeidung von Leistungssport, kein Tragen und Heben schwerer Lasten, Lesen in Bauchlage sowie eine angemessene Höhe und Neigung der Schreibtischplatte.

Prognose

In den meisten Fällen bereitet ein Morbus Scheuermann keine Beschwerden und wird nur als Zufallsdiagnose im Röntgenbild diagnostiziert. Durch Fehlstellungen der Wirbelsäule können sich chronische Rückenbeschwerden oder Bandscheibenvorfälle entwickeln.
Dauerhafte Fehlstellungen, die vom Grad der Ausprägung einer operativen Therapie bedürfen, stellt meist die Ausnahme dar.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.09.2016
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