Pubertät

Synonyme im weiteren Sinne

Jugendalter, Reifezeit, Entwicklungsjahre, Frühlingsjahre

Definition

Als Pubertät wird die Phase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter bezeichnet, in der es zu eingreifenden körperlichen und psychischen Veränderungen kommt.
Die sekundären Geschlechtsmerkmale werden ausgeprägt, Geschlechtsreife und Wachstumsschübe treten ein. Zusätzlich unterteilt man diese Phase in die Präpubertät und Postmenarche.
Die Präpubertät beginnt etwa im 9. Lebensjahr mit den ersten körperlichen Veränderungen und endet durchschnittlich im 13.Lebensjahr mit Einsetzen der ersten Regelblutung (Menarche).
Als Postmenarche wird der anschließende Zeitraum bezeichnet, in dem der Monatszyklus zunehmend regelmäßiger wird- er endet etwa im 15. Lebensjahr. Bei Mädchen beginnt die Pubertät etwa 2 Jahre früher als bei Jungen.


Körperliche Veränderungen in der Pubertät

Der Beginn der körperlichen Veränderungen kann sowohl durch die erste Brustentwicklung (Thelarche; Siehe auch Thema Weibliche Brust) als auch durch beginnende Schambehaarung (Pubarche) angezeigt werden.

In der Brustentwicklung werden in der Regel 5 Stadien durchlaufen. Das Volumen der Brust sowie die Größe der Brustwarze nehmen dabei stetig zu. Die Brustwarze hebt sich anfangs vom Niveau der Brust ab, befindet sich in Stadium 3 jedoch wieder im Niveau der Brust, um sich in Stadium 4 erneut von der übrigen Brustkontur abzuheben. Einige Frauen behalten diese Brustform, in der Regel kommt es jedoch zum letzten Entwicklungsstadium, in dem sich die Brustwarze wieder dem restlichen Brustniveau anpasst.

Die Entwicklung der Schambehaarung beginnt in der Regel mit etwas Flaum an den großen Schamlippen und dem Venushügel (mons pubis) und breitet sich kontinuierlich aus, bis die typische Dreiecksform mit waagerechter Begrenzung nach oben entstanden ist. Dichte und Pigmentierung der Schamhaare nehmen dabei stetig zu.

Die Ausschüttung von Sexualhormonen bewirkt bei Jungen eine Veränderung der Körperzusammensetzung zu Gunsten von Muskelmasse, bei Mädchen zu Gunsten von Fettgewebe.

Der Wachstumsschub wird durch Sexualhormone sowie Wachstumshormone bestimmt, wobei das weibliche Geschlechtshormon Östrogen diesen Prozess beschleunigt und das Wachstum früher beenden lässt. Mädchen haben ihren Wachstumsschub daher deutlich früher als Jungen, am stärksten ausgeprägt vor der ersten Regelblutung.

Die hormonellen Veränderungen sind geprägt durch die Adrenarche und Gonadarche.

Die Adrenarche stellt den Beginn der Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone aus der Nebennierenrinde dar, die sich durch die Entwicklung der Schamhaare zeigt.

Mit der Gonadarche beginnt die Stimulation zur Geschlechtshormonausschüttung durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und übergeordnete Zentren.

Störungen und Krankheitsbilder der Pubertät

In der sensiblen psychischen und körperlichen Entwicklungszeit der Pubertät treten eine Reihe von Krankheitsbildern auf, die ein ärztliches Eingreifen nötig machen.

Hochwuchs

Unter Hochwuchs versteht man, wenn die betreffende Person größer als 96% aller Gleichaltrigen ist. Meist liegt die Ursache in familiärer Veranlagung.

Die Therapie erfolgt hier mit weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogene, Gestagene), da diese die Knochenreifung beschleunigen und so zu einer frühzeitigen Beendigung des Knochenwachstums führen. Die Therapie muss allerdings vor dem Wachstumsschub erfolgen, wenn das Knochenalter unter 12 Jahren beträgt. Das bedeutet, dass das Röntgenbild einen Entwicklungsstand des Knochenwachstums anzeigt, wie er vor dem 12. Lebensjahr üblich ist. Nach etwa 2-jähriger Therapie kann die Behandlung beendet werden, dabei sollte das Knochenalter etwa 15,5 Jahre betragen (das Kind ist dabei jünger).

Pubertas praecox

Hierbei kommt es zu einem verfrühten Einsetzen der Pubertät mit Entwicklung der sekundären Geschlechtsorgane vor dem 8. Lebensjahr. Der verfrühte Wachstumsschub führt zu einer vorzeitigen Wachstumsbeendigung mit einer verringerten Endgröße.

Bei der echten Pubertas praecox liegt die Ursache oft im Gehirn. Sie kann auch im Anschluss an Unfälle oder Entzündungen auftreten - oft kann keine Ursache gefunden werden. Die Therapie erfolgt medikamentös mit sogenannten GnRH-Analoga, die die Sexualhormonproduktion drosselt und damit die Pubertät zeitlich nach hinten verlegen kann. So kann in der Regel auch der Kleinwuchs verhindert werden.

Die Pseudopubertas praecox entsteht oft durch Tumore der Eierstöcke oder der Nebenniere. Auch andere Störungen können zu Grunde liegen. Die Therapie muss hier, nach eingehender Diagnostik, die ursächliche Störung behandeln.

Als inkomplette Pubertas praecox wird bezeichnet, wenn lediglich die erste Regelblutung, die Brustentwicklung oder die Hormonausschüttung aus der Nebennierenrinde verfrüht einsetzt. Hier ist in der Regel keine Therapie notwendig.

Pubertas tarda

Die Pubertas tarda stellt eine Verspätung im Einsetzen der Pubertät dar, mit Ausbleiben der ersten Regelblutung bis zum 16. Lebensjahr oder Fehlen jeglicher Pubertätszeichen bis zum 14. Lebensjahr.

Die häufigste Ursache liegt in der Fehlentwicklung der Geschlechtsorgane mit einer mangelnden Funktion der Eierstöcke, wie sie z.B. beim Ulrich-Turner-Syndrom auftritt. Auch das Gehirn kann ursächlich in Frage kommen. Dabei sind besonders Tumoren und Unterfunktion der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sowie das Kallmann-Syndrom zu nennen. Auch Essstörungen, Leistungssport und schwere Grunderkrankungen können den Beginn der Pubertät massiv beeinträchtigen.

Diagnostisch wird zum Ausschluss eines Ulrich-Turner-Syndroms eine Chromosomenanalyse durchgeführt. Die Funktion des Gehirns in Bezug auf den Hormonhaushalt wird ein sogenannter GnRH-Test vorgenommen.

Therapeutisch steht nach der Behandlung der Grunderkrankung die medikamentöse Ersetzung der weiblichen Geschlechtshormone im Vordergrund.

Akne vulgaris

Durch den verstärkten Einfluss männlicher Geschlechtshormone (Androgene) kommt es bei etwa dreiviertel aller Pubertierenden zu dieser Hauterkrankung. Betroffen sind die Talgdrüsen, die durch vermehrte Talgproduktion und übermäßige Verhornung verstopfen. Zunächst bilden sich Mitesser (Komedone), die noch narbenlos verheilen. Entzünden sich diese Mitesser, entstehen Papeln und Pusteln („Pickel“), die nach ihrer Abheilung Narben hinterlassen. Neben den männlichen Geschlechtshormonen wirken auch Rauchen, Stress und falsche Pflegeprodukte förderlich für eine Akneentwicklung. Neben den körperlichen Beschwerden kommt es vor allem bei schwerer Akne zu psychischer Belastung der Jugendlichen.

Die Behandlung sollte in dermatologische Hände gegeben werden (Hautarzt). Es steht die Behandlung mit der Fruchtsäure Alpha-Hydroxy-Säure sowie mit der Salicylsäure zur Verfügung, mit der durch regelmäßige Peelings das Hautbild verbessert werden kann. Antibiotika sollten eingesetzt werden, wenn starke Entzündungen vorliegen. Benzoylperoxid wirkt antibakteriell und löst die Hornschicht auf, so dass der übermäßige Talg entfernt werden kann. Auch die Anwendung von Linolsäure und Vitamin-A-Säure hilft gut gegen Akneerscheinungen. In besonders schweren Fällen kann die Einnahme von Isotretinoinen Abhilfe verschaffen. In der Regel ist allerdings mit einem Verschwinden der Akne im Alter von Anfang zwanzig zu rechnen.

Essstörungen während der Pubertät

Durch die Veränderungen des weiblichen Körpers zu Gunsten von Rundungen kann es bei jungen Mädchen leicht zu Ablehnungsreaktionen kommen. Treten weitere psychische Konflikte oder gar schlechte sexuelle Erfahrungen hinzu, kann daraus eine Essstörung entstehen.

Typische Esstörungen, die sich entwickeln können sind die:

  • Magersucht (Anorexia nervosa)
  • Bulimie
  • Bing-Eating-Disorder

Bei der Magersucht (Anorexia nervosa) kommt es durch massiv restriktives Essverhalten, Erbrechen, den Gebrauch von Abführmitteln oder Appetitzüglern sowie exzessiven Sport zu einem starken Gewichtsverlust. Per Definition liegt der Bodymass-Index (BMI, Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch Körpergröße in m) bei der Magersucht unter 17,5. Durch den geringen Körperfettanteil kommt es zum Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe). Dieses lebensgefährliche Krankheitsbild sollte keinesfalls verdrängt oder verharmlost werden. Eine Psychotherapie sollte so schnell wie möglich veranlasst werden.
Mehr Informationen zu dieser Erkrankung erhalten Sie unter: Magersucht (Anorexia nervosa)

Bei der Bulimie kommt es zu Essattacken mit anschließendem Erbrechen. Durch die Magensäure tritt eine massive Beschädigung der Zähne auf. Die Speicheldrüsen schwellen an und Elektrolytentgleisungen können gefährliche Folgen haben. Oft entwickelt sich die Bulimie aus einer Magersucht heraus, wenn der Heißhunger überhand nimmt. Auch hier ist eine Psychotherapie dringend notwendig.
Mehr Informationen zu dieser Erkrankung erhalten Sie unter:Bulimie

Bei der Binge-Eating-Disorder treten Essattacken ohne anschließendes Erbrechen auf. Übergewicht ist die logische Folge.
Mehr Informationen zu dieser Erkrankung erhalten Sie unter: Binge-Eating-Disorder

Weitere Informationen zu diesem Thema

Eine Übersicht aller Themen der Gynäkologie finden Sie unter: Gynäkologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2017
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