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Zeckenbiss

Einleitung

Die Zecke, auch gemeiner Holzbock genannt, gehört zur Gattung der Milben und stellt für den Menschen einen Parasiten dar. Sie kommt in ganz Deutschland, Teilen von Österreich und der Schweiz vor, ist aber auch in den meisten anderen Teilen der Welt zu finden.

Zecken halten sich bevorzugt an schattig-feuchten Orten wie Büschen, hohem Gras und am Boden auf, um dort auf einen Wirt zu lauern. Zu den Wirten gehören kleine und große Säugetiere, also auch der Mensch. Beim Vorbeistreifen klammern sich Zecken an Fell oder Kleidung fest und suchen sich eine geeignete Stelle zum Blutsaugen. Meist suchen sie dabei für den Zeckenbiss eine warme, dünnhäutige und gut durchblutete Stelle auf (Achseln, Leiste, Kniekehle, Haaransatz, Schambereich).

Dabei verankert sie sich mit ihren Mundwerkzeugen in der Haut und sondert verschiedene Stoffe in die Wunde ab. Die Zecke saugt sich einige Tage mit Blut voll, bis sie ein Vielfaches ihres Körpergewichtes erreicht hat. Dann lässt sie sich abfallen und ist bereit für die Eiablage. Durch die betäubende und gerinnungshemmende Wirkung des Sekretes, das beim Zeckenbiss von der Zecke abgegeben wird, wird ein Stich meist erst später bemerkt.

Da Zecken auch ernsthafte Erkrankungen übertragen können, sollten sie schnellstmöglich entfernt werden.


Entfernung

Um nach einem Zeckenbiss das Tier zu entfernen, hat man verschiedene Werkzeuge zur Auswahl:

  • Pinzette: entweder eine normale Pinzette oder eine spitz zulaufende und gebogene Zeckenpinzette

  • Zeckenkarte: Plastikkarte mit Schlitzen an den Ecken, teilweise in verschiedenen Größen

  • Zeckenschlinge/-zange: durch Druck auf den Knopf am oberen Ende öffnet sich die Schlinge oder die Zangenarme am unteren Ende und die Zecke kann gefasst werden.

Ganz gleich für welches Gerät man sich entscheidet, die Zecke sollte direkt über der Haut am Kopf gefasst werden bzw. die Karte direkt zwischen Zecke und Haut schieben und nicht am Körper fassen. Dann wird das Tier unter langsamen Drehbewegungen oder vorsichtigem Zug gerade herausgelöst. Mit der Karte wird sie vorsichtig herausgehebelt.

Es ist wichtig, dass kein Teil des Kopfes in der Zeckenbiss-Wunde zurückbleibt und die Zecke möglichst bald entfernt wird, damit die Gefahr einer Krankheitsübertragung oder Entzündung gering gehalten wird.

Die Stelle, an der der Zeckenbiss erfolgte, sollte nach dem Entfernen desinfiziert werden.

Traut man sich die Entfernung selbst nicht zu oder ist die Zecke nicht komplett beseitigt, sollte man zu einem Hausarzt gehen.

Niemals Öl, Sekundenkleber oder andere Substanzen zur Behandlung benutzen. Das Tier kann zwar dadurch sterben, es entleert vorher aber noch seinen Mageninhalt in die Wunde und die Übertragungsgefahr von Bakterien und Viren steigt deutlich. Die Zecke auch nicht ruckartig aus der Haut ziehen, da sonst Teile des Mundwerkzeugs abbrechen und in der Wunde verbleiben können.

Die Einstichstelle sollte einige Tage beobachtet werden, damit Veränderungen rechtzeitig bemerkt werden können. Mithilfe eines Fotos am ersten Tag hat man eine gute Vergleichsmöglichkeit.

Symptome

Ein Zeckenbiss bleibt am Anfang meist unbemerkt und fällt eher durch Zufall oder gezieltes Suchen auf.

An der Stelle des Zeckenbisses kann es aber zu lokalen Reizungen kommen wie Juckreiz, Überwärmung, Schwellung und Rötung.

Bestimmte Symptome sollten hierbei als Warnhinweis gesehen und durch einen Arzt abgeklärt werden, da sie Anzeichen für eine Erkrankung sein können:

Mögliche Folgeerkrankungen

  • Frühsommermeningoenzephalitis (FSME)

Die FSME wird durch einen Virus ausgelöst, welcher durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen werden kann.

Risikogebiete in Deutschland sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg, Teile von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz von Juni bis Oktober.

Die Ansteckung kann nach 3-28 Tagen nach einem Zeckenbiss erfolgen. Bei einem Großteil von bis zu 70% der betroffenen Personen läuft die Krankheit unbemerkt ab.

Bei ca. 30% der infizierten Personen kommt es nach 7-20 Tagen zu grippeähnlichen Beschwerden, welche nach einem fieberfreien Intervall bzw. kurzweiliger Genesung in eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung übergehen können. Diese kann sich mit hohem Fieber, heftigen Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schmerzhaftigkeit des Nackens zeigen. Beide Erkrankungen können auch zur gleichen Zeit bestehen. Im Verlauf kann es zu Bewusstseins- und Sprachstörungen, Lähmungen und Krämpfen kommen, je nachdem welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

FSME wird durch eine Blut- oder Hirnwasseruntersuchung nachgewiesen, dabei finden sich erhöhte Antikörper gegen das Virus. Die Erkrankung muss stationär behandelt werden, wobei die Therapie symptombezogen durchgeführt wird; ein Medikament gegen das Virus selbst ist nicht vorhanden. Nach einer entsprechenden Behandlung und auch nach schweren Verläufen heilt die Erkrankung in vielen Fällen ohne Folgen aus. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Restsymptome zurückbleiben und sich zum Beispiel in Form einer Epilepsie äußern.

Nicht zu verwechseln ist die FSME mit der Neuroborreliose. Lesen Sie mehr zum Thema Neuroborreliose

Eine Impfung gegen das FSME-Virus ist möglich und wird Personen empfohlen, die entweder in einem Risikogebiet leben oder arbeiten bzw. durch Reisen in Kontakt kommen können. Die Impfung wird nach einem getesteten Schema verabreicht: Erstimpfung 3x innerhalb eines Jahres, dann alle 3-5 Jahre auffrischen.

In seltenen Fällen wird von einer Übertragung des FSME-Virus nach dem Genuss von Rohmilch durch infizierte Kühe, Schafe oder Ziegen in Risikogebieten berichtet.

  • Borreliose

Ebenfalls durch Zeckenbisse werden die Erreger dieser Erkrankung auf den Menschen übertragen, es handelt sich in diesem Fall um Bakterien der Gruppe Borrelia.

Die Borreliose tritt nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch europaweit auf. Nach einer Ansteckung kann es Wochen bis Monate dauern, bis erste Symptome auffällig werden.

Dabei kann es zu einer sich weiter ausbreitenden schmerzlosen Rötung rund um die Einstichstelle kommen, die mittig wieder blass wird (Wanderröte). Auch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen ohne eine Beteiligung der Lunge sind möglich.

Außerdem kann es zu Lähmungen der Gesichtsmuskeln, Taubheitsgefühlen, schlaffer Lähmungen der Arme oder Beine, Schmerzsymptomen (u.a. Gelenkschmerzen) oder zu Herzmuskelentzündungen kommen.

Auch Jahre nach einer Infektion kann es zum erstmaligen Auftreten von Gelenkschmerzen, Missempfindungen oder zu Hauterscheinungen kommen. Diese Hauterscheinungen äußern sich in einer bläulich-roten Verfärbung der Haut, die vor allem an den Innenseiten der Arme und Beine, aber auch an der Nase, Finger und Zehen auftreten können.

Die Diagnose Borreliose wird aus der Kombination der körperlichen Untersuchung bzw. der Schilderung der vorhandenen Symptome und durch das Ergebnis von Laboruntersuchungen gestellt. Dies ist nicht immer leicht, da die Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, nicht aufeinander aufbauen und manchmal erst Jahre nach einem Zeckenbiss auftreten können. Eine Laboruntersuchung kann eine Erkrankung nicht zweifelsfrei beweisen. Das Blut wird hierbei auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen Borrelien untersucht, somit kann der Kontakt mit dem Bakterium nachgewiesen werden. Ein positives Ergebnis weisen auch viele Menschen auf, die diese Antikörper in sich tragen, ohne an der Borreliose erkrankt zu sein. Dagegen schließt das Fehlen von Antikörpern eine Borreliose nahezu aus, außer die Blutentnahme war erst kurz nach dem Zeckenbiss, da der Körper Zeit zur Antikörperproduktion braucht.

Für die Diagnose ist es deshalb wichtig, dass das Laborergebnis und die vorhandenen Symptome zu einer Borreliose passen und Verlaufskontrollen durchgeführt werden, um die Sicherheit der Diagnose zu erhöhen bzw. einen Beginn der Erkrankung nicht zu verpassen. Gleichzeitig sollten weitere mögliche Erkrankungen in Betracht gezogen und ausgeschlossen werden.

Wird die Diagnose Borreliose gestellt, wird die Therapie mittels Antibiotika durchgeführt. Besteht ein akuter Verdacht aufgrund der körperlichen Beschwerden ohne eine Bestätigung erhöhter Antikörper gegen die Borreliose, wird vorsorglich mit einer Antibiotikatherapie begonnen.

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es zur Zeit nicht.

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Erkrankungen, die durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen werden können, zum Beispiel Rickettsiosen, Babesiosen oder Anaplasmosen. Da diese aber sehr selten auftreten bzw. nicht in Deutschland vorkommen, werden sie hier nicht weiter aufgeführt.

Vorbeugung

Nach einem Aufenthalt in der freien Natur ist es ratsam, beim Duschen oder Umziehen den Körper nach Zecken abzusuchen, besonders an den erwähnten bevorzugten Stellen. Vor allem wenn man in hohem Gras gesessen hat oder durch Unterholz gelaufen ist.

Sollte bereits ein Zeckenbiss erfolgt sein, sollte die Zecke möglichst schnell zeckengerecht entfernt werden.

Lange Kleidung schützt ebenfalls, da die Zecke länger braucht, um überhaupt bis zur Haut zu gelangen. Die Kleidung nach dem Tragen gut ausschütteln und gegebenenfalls nach Zecken absuchen.

Auch für die Haut und für Zecken geeignetes Insektenschutzmittel kann benutzt werden, der Schutz hält allerdings nur für einige wenige Stunden.

Eine Impfung ist, wie bereits oben beschrieben, nur gegen FSME möglich und auch eher für bestimmte Personengruppen empfohlen.

Schwangerschaft und Kinder

Auch in der Schwangerschaft kann es passieren, dass die werdende Mutter von einer Zecke gestochen wird. In diesem Fall ist es besonders wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Die Einstichstelle sollte einige Tage gut beobachtet werden und sollte es Anzeichen einer Wanderung der Rötung (s.o.) geben, ist ein Arztbesuch erforderlich. Sowohl das FSME-Virus als auch die Borreliose kann theoretisch von einer infizierten Mutter auf das ungeborene Kind übergehen.

Aus diesem Grund sollte vor einer Schwangerschaft bei Müttern, die in einem Risikogebiet leben, über eine FSME-Impfung nachgedacht werden. Man geht ebenso davon aus, dass auch die Antikörper einer geimpften Mutter auf das Kind übertragen werden können und so dem Kind ein Erstschutz verliehen wird.

Ist ein Zeckenbiss erfolgt, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden und die Einstichstelle genau beobachtet werden. Ist die entfernte Zecke schon größer oder beginnt die Rötung zu wandern, sollte mit dem zuständigen Arzt über eine Antibiotikaprophylaxe nachgedacht werden.

Werden bei einer Laboruntersuchung Antikörper gegen Borrelien gefunden, ist es wichtig, ausführliche Ultraschalluntersuchungen des Kindes durchzuführen, um eine unauffällige Entwicklung verfolgen zu können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Zeckenbiss in der Schwangerschaft

Besteht der Verdacht einer Übertragung auf das Kind, sollte der zuständige Kinderarzt über diesen Umstand informiert werden, damit eventuelle Folgen schnell erkannt und therapiert werden können.

Bei Kleinkindern aber auch größeren Kindern ist die Gefahr von Zecken gestochen zu werden etwas erhöht, da sie sich gern und viel im Freien aufhalten und spielen. Außerdem erleichtert die dünnere Haut eines Kindes den Zeckenbiss.

Deshalb ist es besonders wichtig, Kinder nach dem Spielen im Freien gründlich nach Zecken abzusuchen und diese gegebenenfalls zu entfernen. Auch hier natürlich die Einstichstelle gut beobachten und bei grippeähnlichen Beschwerden kurze Zeit nach dem Stich einen Arztbesuch in Erwägung ziehen.

Eine Impfung gegen das FSME-Virus ist ab 1 Jahr durchführbar und vor allem für Kinder empfohlen, die in einem Risikogebiet leben. Eine FSME-Erkrankung verläuft bei Kindern und Jugendlichen meist schwächer ab als bei Erwachsenen und das Risiko von bleibenden Schäden ist geringer. Trotzdem besteht die Möglichkeit eines schweren Verlaufes und von Folgekomplikationen wie z.B. einer Lernbehinderung. Die Schwere des Verlaufes ist zu Beginn nicht vorherzusagen.

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    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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