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Lernbehinderung

Einleitung - Was ist eine Lernbehinderung?

Den Begriff „Lernbehinderung“ verwenden wir im Deutschen seit den 1960er Jahren. Noch heute wird die Lernbehinderung umstritten definiert und es gab in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Versuche, den Begriff zu definieren. Als plausibel gilt die Definition des Pädagogen Gustav Otto Kanter, der die Lernbehinderung als ein „langandauerndes, schwerwiegendes und umfängliches Schulleistungsversagen“ versteht. Dabei geht Kanter davon aus, dass die Betroffenen in ihrer Intelligenz beeinträchtigt sind.

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Wie ist der IQ bei einer Lernbehinderung?

Der Intelligenzquotient, IQ, ist ein Wert, der mithilfe eines Intelligenztests ermittelt wird und soll das intellektuelle Leistungsvermögen, also die Intelligenz eines Menschen quantifizieren. Ein durchschnittliche IQ-Wert liegt bei 100. Eine Lernbehinderung, auch Minderbegabung genannt, ist im Bereich eines IQ-Wertes zwischen 70 – 84 definiert.

An welchen Symptomen kann ich eine Lernbehinderung erkennen?

Es ist nicht immer leicht, eine Lernbehinderung zu erkennen und richtig zu diagnostizieren. Häufig treten bei einer Lernbehinderung dennoch bestimmte Anzeichen auf. Die Betroffenen verhalten sich oft sehr passiv und machen sich unbewusst psychisch abhängig von anderen Menschen. Das führt dazu, dass lernbehinderte Menschen auf Fürsorge und Schutz angewiesen sind.

Ein typisches Symptom einer Lernbehinderung ist eine niedrige Frustrationstoleranz. Die Betroffenen können durch gestörte Kontrolle der eigenen Impulse auffallen, zum Beispiel durch aggressives Verhalten oder Selbstverletzungen. Daneben fallen Lernbehinderte häufig durch eine reduzierte Anpassungsfähigkeit im Alltag auf. Sie haben häufig Probleme mit sowohl verbaler als auch non-verbaler Kommunikation. Das kann das Zusammenleben deutlich erschweren, da die Betroffenen oft Schwierigkeiten haben, sich verständlich zu machen und gleichzeitig schwere Verständnisprobleme haben. Die Betroffenen können Schwierigkeiten haben, einfache Aufgaben zu bewältigen, was sie häufig in ihrer sozialen Entwicklung beeinträchtigt. Das kann zu Auffälligkeiten führen, wie Anpassungsstörungen, auffällige Verhaltensweisen und eventuell sogar körperliche Symptome. Es ist wichtig, eine Lernbehinderung zu erkennen und von psychischen Erkrankungen und Demenz abzugrenzen. Eine gründliche Diagnostik ist nötig, um die Betroffenen zu fördern.

Die Symptome auf einen Blick:

  • niedrige Frustrationstoleranz
  • Probleme in verbaler unf non-verbaler Kommunikation
  • reduzierte Anpassungsfähigkeit und Anpassungsstörungen
  • auffällige Verhaltsweisen
  • beeinträchtigte soziale Entwicklung
  • gestörete Kontrolle der eigenen Impulse
  • psychisch abhängig von anderen Menschen
  • Verständnisprobleme

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Gibt es eine spezielle Therapie bei einer Lernbehinderung?

Zunächst kann ein Kind oder Teenager im Kindegarten oder in der Schule durch langsamere Lernerfolge im Vergleich zu Gleichaltrigen auffallen. Wenn es vor Ort einen Schulpsychologen, kann es hilfreich sein, mit dem Psychologen zu sprechen und eine Ersteinschätzung abzugeben. Auf einen Verdacht auf eine Lernbehinderung folgen leider keine speziellen Tests. Die einzige Möglichkeit, die Diagnose Lernbehinderung zu stellen, ist der IQ-Test. Der IQ-Test misst Fähigkeiten zum analytischen und logischen Denken, die Verarbeitung von Wissen und Informationen und Allgemeinwissen. Ein Ergebniss im IQ-Test mit einem Wert zwischen 70 und 84 Punkten spricht für eine Lenrberehinderung. Werte unter 70 deuten auf eine geistige Behinderung hin und Werte zwischen 85 – und 115 gelten als gesund beziehungsweise unauffällig. Eine früher IQ-Test kann dem Betroffenen eine spezielle Förderung und die Prävention von sekundären Verhaltensauffälligkeiten ermöglichen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Intelligenztest und Therapie und Hilfen für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche

 

Was sind die Ursachen für eine Lernbehinderung?

Die Ursachen für eine Lernbehinderung sind in vielen Fällen nicht eindeutig beziehungsweise nicht mehr reproduzierbar. Jedoch gibt es bestimmte Risikofaktoren, die das Risiko für ein Auftreten einer Minderbegabung deutlich erhöhen. Eine Lernbehinderung kann durch genetische Faktoren begünstigt werden, dazu gehört das Down-Syndrom (Trisomie 21) und diverse stoffwechselbedingte Erkrankungen.

Eine mögliche Ursache ist die Folge eines hirnorganischen Entwicklungsdefekts im Kindes- oder Jugendalter. Die Gehirnentwicklung kann beeinträchtigt werden, wenn Epilepsie vorliegt oder hormonelle Störungen vorhanden sind. Weitere Ursachen für eine Lernbehinderung sind Störungen der Schwangerschaft der Mutter des Betroffenen. Virale oder bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft, wie zum Beispiel Röteln können zu einer Minderbegabung des Kindes führen.

Ebenso ursächlich können bestimmte Medikamente, Drogen, Alkohol und eine Mangelernährung für die Fehlentwicklung des Kindes sein. Darüber hinaus werden Zusammenhänge von Lernbehinderungen mit Frühgeburtlichkeit und Geburtstraumen beschrieben, die bleibende Schäden hinterlassen können. Eine weitere mögliche Ursache für eine Intelligenzminderung sind die Folgen einer Meningitis (Hirnhautentzündung) nach einem Zeckenbiss oder niedrige Vitamin-D-Blutwerte, die sich negativ auf die Hirnleistung auswirken können. Die Ursachen für eine Lernbehinderung können vor der Geburt oder nach der Geburt auftreten und die Gehirnentwicklung der Betroffenen beeinträchtigen und somit eine Lernbehinderung verursachen.

 

Welche Arten von Lernbehinderung gibt es?

Im Prinzip gibt es diverse Arten von Lernbehinderungen, die von Person zu Person komplett unterschiedlich ausfallen können. Lernbehinderungen können verschiedene Ursachen haben und deshalb entsprechend individuell ausgeprägt sein. Da Lernbehinderungen bei vielen Betroffenen nicht so offensichtlich zu erkennen sind, werden sie in vielen Fällen erst sehr spät erkannt. Der Grad zwischen einer Lernschwäche, einer Lernbehinderung und einer geistigen Behinderung kann sehr schmal sein.

Wie sieht die Therapie und Förderung einer Lernbehinderung aus?

Häufig entstehen Lernbehinderung aufgrund genetischer oder stoffwechselbedingter Ursachen, teilweise sogar schon während der Schwangerschaft. In den meisten Fällen sind die hirnorganischen Schäden deshalb irreparabel. Große Bedeutung haben jedoch die Förderung und Prävention bei einer Lernbehinderung. Wenn man die Betroffenen Frühzeitig fördert, kann man Sekundärschaden vorbeugen, wie bestimmte psychische Verhaltensmuster, zum Beispiel aggressives Verhalten als Selbstschutz. Die Betroffenen benötigen Schutz, da sie oft auf andere Menschen angewiesen sind. Sie laufen Gefahr, vernachlässigt oder missbraucht zu werden. Es ist besonders wichtig, minderbegabten Menschen optimale Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen damit sie sich bestmöglich verwirklichen können. Eine frühe Förderung kann Verhaltensstörungen vorbeugen und eine spezielle Therapie kann bestimmte Verhaltensstörungen behandeln, zum Beispiel eine psychotherapeutische Gesprächstherapie. Die Therapie/Förderung einer Lernbehinderung ist ganz individuell und sollte mit einem erfahrenen Psychologen besprochen werden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Hilfen und Therapien bei verhaltensauffälligen Kindern

Was ist der Unterschied zwischen einer Lernbehinderung und einer Lernschwäche?

Eine Lernbehinderung ist über einen IQ-Wert zwischen 70 und 84 definiert, während eine Lernschwäche den Betroffenen deutlich weniger in seinem Leistungsvermögen beeinträchtigt. Bei einer Lernschwäche sind bestimmte (schulische) Leistungen unterdurchschnittlich, wie zum Beispiel Lesen, Rechtschreibung oder Rechnen. Das bedeutet, dass sich eine Lernschwäche damit genügt, dass keine Lernbehinderung vorliegt, sondern lediglich eine Beeinträchtigung im Lernen bestimmter intellektueller Fähigkeiten.

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Wie ist die Prognose einer Lernbehinderung?

Leider ist die Prognose einer Lernbehinderung eher ungünstig, da dieser in der Regel eine Intelligenzminderung zugrunde liegt und Entwicklungsstörungen des Gehirns häufig irreparabel sind. Jedoch führt eine Lernbehinderung häufig zu sekundären Störungen des Verhaltens. Die Betroffenen weisen oft eine niedrige Frustrationstoleranz auf und können auf Misserfolge mit aggressivem Verhalten reagieren oder Schwierigkeiten in der Kommunikation aufweisen. Mit der richtigen Förderung können diese Folgen einer Lernbehinderung gemildert oder sogar vermieden werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 05.06.2019
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