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Lernschwäche bei Kindern

Einleitung - Was ist eine Lernschwäche?

Lernschwächen kommen bei Kindern häufig vor und werden nicht immer als solche diagnostiziert. Eine Lernschwäche kann über einen bestimmten Zeitraum andauern oder lang andauernd sein mit chronischem Charakter. Die Ausprägung einer Lernschwäche kann leicht, mäßig oder sehr schwer sein. Eine Lernschwäche kann sich bei einem Kind auf einen bestimmten Leistungsbereich definieren oder sogar das gesamte Leistungsspektrum negativ beeinflussen. Demnach können Lernschwächen bei verschiedenen Kindern ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

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Was sind die Ursachen von Lernschwächen bei Kindern?

Lernschwächen bei Kindern können ganz verschiedene Ursachen haben. Ein Teil der Lernschwächen ist mit organischen Ursachen verknüpft. Lernschwächen können erblich bedingt sein oder ein Symptom von bestimmten Krankheiten wie Autismus oder ADHS sein. Tritt eine Lernschwäche erst im Erwachsenenalter auf, kann unter Umständen sogar eine schwere Hirnschädigung der Auslöser sein, wie ein Schlaganfall oder ein Schädelhirntrauma. Neben diesen gravierenden Ursachen für Lernschwächen gibt es Gründe, die weniger offensichtlich sind.

Leiden Kinder unter enormen Erwartungsdruck durch Eltern und/oder Lehrer oder leiden unter Schulangst, können ernste Lernblockaden auftreten. Das soziale Umfeld spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Lernschwächen. Wenn Kinder zuhause Probleme haben oder die Eltern geschieden oder viele Konflikte haben, welche die Kinder mitbekommen, kann sich das negativ auf das Leistungsvermögen der Kinder auswirken. Ebenso können Kinder darunter leiden, wenn sie von Mitschülern gemobbt werden. Lernschwächen können genetische, organische, aber auch psychosoziale Ursachen haben.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema: Konzentrationsschwäche

Diagnose Lernschwäche - Was jetzt?

Vermutet man als Elternteil eine Lernschwäche bei seinem Kind, kann es hilfreich sein, zuallererst ein Gespräch mit dem Lehrer des Kindes zu führen. Dieser kann das Lernverhalten des Kindes beurteilen und oft besser einschätzen, ob es sich um eine vorübergehende Lernblockade oder eine behandlungsbedürftige Lernschwäche handelt. Die Schule und der Kinderarzt können bei einem Verdacht auf eine Lernschwäche Kinder- und Jugendpsychiater empfehlen. Dabei handelt es sich um Experten, die die Entwicklung des Kindes und das Lernverhalten professionell untersuchen können.

Wie wird eine Lernschwäche getestet?

Es gibt unterschiedliche Formen von Lernschwächen und keinen einheitlichen Test, der diese nachweist. Für die häufig vorkommenden Lernschwächen, Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie) gibt es normierte Testverfahren. Man kann die Rechtschreibfähigkeit mit dem WRT, DRT oder HSP überprüfen, während das Lesevermögen mit dem ZLT-II oder SLRT-II-Test untersucht werden kann.

Eine Rechenschwäche Im Grundschulalter kann mit dem Heidelberger Rechentest geprüft werden. Häufig wird bei Kindern mit Lernschwäche die Durchführung eines Intelligenztests empfohlen. Kindgerechte Intelligenztests sind HAWIK, CFT und K-ABC.

Nicht selten sind die Ursachen für eine vorübergehende Lernblockade auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen, wie Schulangst oder Konflikte im sozialen Umfeld. Deshalb ist es wichtig, dass die Untersuchung von einem erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt wird. Ein solcher hat die Mittel, außerdem die psychische Befindlichkeit des Kindes und die Aufmerksamkeit und Konzentration zu untersuchen. Das psychische Wohlbefinden wird mit kindgerechten Tests untersucht, wie DTK, AFS und „Tiere in Bildern“. Das Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvermögen von Kindern wird mit dem TAP-Test und einem gründlichen Gespräch mit Kind und Eltern analysiert. Die genannten Untersuchungen ermöglichen es dem Untersucher bei dem Kind gezielte Lernschwächen aufzudecken oder auszuschließen. Lernschwächen können insgesamt individuell ganz unterschiedlich ausgeprägt sein.

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Das sind die begleitenden Symptome einer Lernschwäche!

Lernschwächen führen dazu, dass Kinder in bestimmten Leistungsbereichen negativ auffallen. Das schwächt das Selbstbewusstsein der Kinder. Häufig entwickeln sie Versagensängste, Angst vor Kritik und trauen sich vieles nicht mehr zu. Begleitende Erscheinungen einer Lernschwäche können eine Schulangst und insgesamt introvertiertes Verhalten sein. Viele Kinder ziehen sich zurück und beschäftigen sich mit sich selbst. Nicht selten werden diese Kinder in der Schule als Einzelgänger abgestempelt. Durch die Misserfolge in der Schule machen viele Kinder mit einer Lernschwäche andere Dinge, in denen sie mehr Erfolg haben. Dazu gehören verschiedene sportliche Aktivitäten und Computerspiele. Jugendliche können dazu verleitet werden, sich mit Alkohol, Drogen und Cliquen zu beschäftigen, die ihnen nicht guttun.

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An welchen Symptomen kann man eine Lernschwäche erkennen?

Die Symptome einer Lernschwäche können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen davon ab, ob ein Kind in einem Leistungsbereich oder insgesamt Schwierigkeiten beim Lernen hat. Eine Lese-Rechtschreibschwäche kommt sehr häufig vor und wird in vielen Fällen im zweiten Schuljahr in der Grundschule erkannt. Symptome sind besonders langsames Lesen, ungewöhnlich stockendes Lesen und das Vertauschen von Silben in Worten. Die Kinder lassen Worte, Silben und Buchstaben weg und fügen fälschlicherweise solche hinzu, die nicht in den Kontext passen. Außerdem haben Kinder mit Legasthenie Schwierigkeiten, das Gelesene in zu verstehen und in eigenen Worten zusammenzufassen. Daneben werden die Kinder beim Schreiben von Texten und Diktaten auffällig, da sie überdurchschnittlich viele Fehler machen. Häufig fallen ihnen Grammatik und Zeichensetzung schwer. Weitere Symptome einer Legasthenie sind eine schlecht leserliche Handschrift und unterschiedliche Schriftgrößen innerhalb eines Textes.

Informieren Sie sich mehr zum Thema: Diagnose einer Lese-Rechtschreibschwäche

Daneben verursacht eine Rechenschwäche ebenfalls charakteristische Symptome. Die Kinder haben oft Schwierigkeiten, die Uhr zu lesen, Gegenstände in ihrer Anzahl abzuzählen und Verhältnisangaben wie „mehr“ und „weniger“ korrekt zu verwenden. Viele Kinder mit Rechenschwäche benutzen sehr lange ihre eigenen Finger zum Rechnen und können Zahlen nicht korrekt schreiben oder benennen.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema: Diagnose einer Rechenschwäche

Die verschiedenen Lernschwächen haben gemeinsam, dass die Kinder deutlich länger für die Aufgaben brauchen als Gleichaltrige ohne Lernschwäche. Lernschwächen führen häufig zu auffälligem psychosozialen Verhalten der Kinder. Aus Angst zu versagen, meiden die Kinder die unangenehmen Aufgaben und ziehen sich zurück.

Behandlung und Therapie einer Lernschwäche

Bei Kindern führt eine Lernschwäche zu jeder Menge Misserfolg. Diese Misserfolge schaden dem Selbstvertrauen der Kinder. Deshalb ist es bei Kindern mit einer Lernschwäche sehr wichtig, das Selbstbewusstsein wiederaufzubauen. Je nach Ursache kann die Behandlung darin liegen, familiäre Probleme zu lösen und Leistungsdruck zu beseitigen. Es ist wichtig, dass man soziale Faktoren, die das Lernverhalten des Kindes beeinträchtigen, weitestgehend aus dem Weg räumt. Der Prozess erfordert jede Menge Geduld vom Kind und von den Eltern. Leidet ein Kind unter einer angeborenen Lernstörung, kann eine Inklusionsklasse oder eine Förderschule infrage kommen. Grundsätzlich erfolgt die Therapie einer Lernschwäche ganz individuell. Jedes Kind muss persönlich gefördert und unterstützt werden.

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Dauer einer Lernschwäche

Eine Lernschwäche kann ganz unterschiedlich lang andauern. Bei manchen Kindern liegt insbesondere zum Schulbeginn eine Lernschwäche vor, die nur kurz andauert (wenige Monate). Bei anderen Kindern ist eine Lernschwäche deutlich länger andauernd, bei manchen sogar chronisch.

Prognose einer Lernschwäche

Lernschwächen können in vielen Fällen gut behandelt werden, wenn man früh mit Übungen beginnt. Damit können häufig viele Defizite gegenüber Kindern ohne Lernschwäche reduziert werden. Hinzu kommt, dass die Kinder bei früher Behandlung der Lernschwäche weniger unter psychosozialen Faktoren wie Schulangst oder ständigen Misserfolgen leiden. Eine frühe Behandlung einer Lernschwäche kann Kindern helfen, sich gut zu entwickeln und geht mit einer guten Prognose einher.

Lernschwäche bei Erwachsenen

Lernschwächen können unter Umständen Jahre lang nicht erkannt beziehungsweise verheimlicht werden. Es gibt zahlreiche Erwachsene, die unter Lernschwächen wie eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche leiden. Das liegt daran, dass viele Menschen mit Lernschwächen bereits im Kindesalter Tricks entwickeln, um nicht aufzufallen und schreiben oder rechnen zu müssen. Leider wächst mit dem Alter die Scham und es fällt Erwachsenen häufig schwerer über ihre Schwäche zu sprechen. Ein großer Nachteil ist, dass viele Erwachsene mit Lernschwächen sich in bestimmten Dingen von anderen Menschen abhängig machen. Dabei ist eine Lernschwäche nichts, wofür man sich schämen muss und man kann auch noch im Erwachsenenalter an den Defiziten arbeiten. Es gibt genauso wie für Kinder auch für Erwachsene Übungen und Aufgaben, mit denen sie die Lernschwäche behandeln und mildern können.

Lernschwäche und Konzentrationsschwäche - Welchen Zusammenhang gibt es?

Konzentrationsschwächen wie bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, wird tatsächlich häufig von Lernschwächen begleitet. Dazu gehören zum Beispiel die Lese-Rechtschreibschwäche und die Rechenschwäche. Leidet ein Kind unter ADHS, sollte man sich die Frage stellen, ob zusätzlich Lernschwächen bestehen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, bei vorhandenen Lernschwächen eine ADHS-Diagnostik durchführen zu lassen. Leider werden die Diagnosen ADHS und Lernschwächen im Alltag häufig von Pädagogen gestellt, die dazu eigentlich nicht ausgebildet sind. Deshalb sollte man bei einem Verdacht auf eine Lern- und Konzentrationsschwäche einen erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater zurate ziehen. Werden die Störungen früh erkannt, kann man vieles tun, damit das Kind in der Schule weniger Probleme hat.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.06.2019
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