ADS - Das Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom

Synonyme im weiteren Sinne

  • Aufmerksamkeitsdefizitstörung
  • Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
  • Psychoorganisches Syndrom (POS)
  • Hans-guck-in-die-Luft
  • Attention-Deficit-Disorder (ADD)
  • minimal brain syndrome

Definition

Unter einem Aufmerksamkeits - Defizit - Syndrom versteht man ein ausgeprägt unaufmerksames, teilweise auch impulsives Verhalten, das über einen längeren Zeitraum (etwa sechs Monate) hinweg in mehreren Lebensbereichen (Kindergarten / Schule, zu Hause, Freizeit) auffällig wird. Dabei muss ADS nicht zwangsweise mit Hyperaktivität verbunden sein.
Unter ADS leiden vielmehr auch Kinder, die durch Träumen oder ähnliches in Erscheinung treten. Die gezeigten Verhaltensweisen entsprechen meist nicht dem Entwicklungsstand des Kindes, manifestieren sich allerdings, was zur Folge hat, dass die entsprechenden Verhaltensweisen nicht phasenweise auftreten, sondern andauern. Dies hat zur Folge, dass die Problematik ohne geeignete Hilfe nicht überwunden werden kann. Es gibt zwei Formen eines Aufmerksamkeits - Defizit - Syndroms: Neben dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität (ADS), gibt es noch die hyperaktive Variante davon, das ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität), sowie den Mischtyp aus beiden Varianten.


Beiden Begriffen gemein ist die Tatsache, dass es sich um ein klar definiertes Krankheitsbild handelt, die durch unterschiedliche Symptome des ADS gekennzeichnet werden. Kinder mit einer ADS, bzw. einer ADHS können ihre Aufmerksamkeit nicht gezielt ausrichten, sodass ihre Konzentrationsfähigkeit Mängel aufweist. Diese Mängel durchziehen in der Regel alle Lebensbereiche des Kindes, also sowohl Kindergarten oder Schule als auch den familiären und den Freizeitbereich. Besonders in Phasen, in denen Kinder über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet ausrichten können, werden die Konzentrationsmängel deutlich. Während das ADS-Kind dann zu träumen anfängt und sonst nicht unbedingt negativ auffällt, können beim hyperaktiven (ADHS-) Kind negative Begleiterscheinungen (zappeln bis hin zur Verweigerung der Arbeit) in Erscheinung treten.

Durch die unterschiedlichen äußerlichen Erscheinungsformen des ADHS wird dieses in der Regel auch häufiger, vor allem aber schneller diagnostiziert.

Verschiedene Untersuchungsreihen bestätigen mittlerweile, dass beim Vorliegen eines AD(H)S die Informationsweiterleitung und -verarbeitung zwischen verschiedenen Hirnabschnitten fehlerhaft funktioniert. In beiden Fällen ist die Konzentrationsfähigkeit teilweise erheblich beeinträchtigt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass bei Kindern mit ADS oder ADHS eine Hochbegabung von vornherein ausgeschlossen werden kann.
Auffällig ist jedoch, dass die Symptomatik auch Konsequenzen in anderen schulischen Bereichen haben kann. Nicht selten ist eine Lese- Rechtschreibschwäche oder / und eine Rechenschwäche.

Häufigkeit des Auftretens von ADS

Da die Diagnose schwierig und leider oftmals auch immer noch fehlerhaft ist, bzw. von den verwendeten Diagnosekriterien abhängt, fällt es schwer eine Häufigkeit von ADS - Fällen anzugeben. Man beschränkt sich daher in der Regel auf repräsentative Studien.

Derzeit geht man davon aus, dass etwa 3 bis 10% der Bevölkerung an einem ADS leiden. Davon entfallen ungefähr 3 - 6 % auf die Altersgruppe der 6 bis 18 - Jährigen (3 - 4 % Kinder im Grundschulalter, ca. 2 % auf Jugendliche). Den Forschungsergebnissen zur Folge geht man davon aus, dass Jungen tendenziell häufiger an ADS oder der hyperaktiven Variante ADHS erkranken. Das Verhältnis soll bei 1:7 zu Gunsten der Mädchen liegen.
Generell wird das Verhältnis von ADS zu ADHS auf etwa 1: 3 geschätzt. Die Meinungen, worin dies begründet liegt, gehen auseinander. Häufig ist man der Auffassung, dass ADS ohne Hyperaktivität nicht so sehr negativ “auffällt” und daher auch seltener zur Abklärung und Diagnose geraten wird.

Aufgrund der Tatsache, dass Zwillingsstudien an eineiigen Zwillingen nachwiesen, dass - sofern ein ADS / ADHS vorliegt - meistens beide Kinder betroffen sind, geht man davon aus, dass das Symptom - unter dem auch Erwachsene leiden können - vererbt werden kann.

Historie

Historisch bekannt ist die Geschichte des “Hans - guck - in - die - Luft”, geschrieben von Heinrich Hoffmann, der auch den “Zappelphilipp” verfasste.
Generell findet das Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität deutlich weniger Beachtung, was unter anderem damit zusammenhängen könnte, dass ruhige aufmerksamkeitsdefizitäre Kinder in der Regel weniger auffallen. Eine dahin gehende Diagnose inklusive der vorher zur Kenntnis genommenen Aufmerksamkeitsdefizte fällt ungleich schwerer.

Hinsichtlich der Ursachenforschung in Bezug auf ADS ist zu sagen, dass bereits um 1870 herum erste Äußerungen laut wurden, die eine Vererbung nicht ausschlossen und auch darauf verwiesen, dass der soziale Druck, der auf Kinder ausgeübt werde, immer größer werde. Die immer wichtiger werdenden Tugenden wie Pünktlichkeit, Ordnung, Gehorsam, ... könnten nicht von allen Kindern in gleicher Weise erfüllt werden. Diese Aussage sollte uns aufhorchen lassen...
Im weiteren Forschungsverlauf, so beispielsweise im frühen 20. Jahrhundert, ging man vermehrt dazu über der Erziehung ein großes Maß an Verantwortung einzuräumen. Es entstanden Gruppierungen, die aufmerksamkeitsdefizitäre Kinder als schwer erziehbar einstuften. Hier wird aber auch erneut deutlich, dass es sich bei jenen Kindern wohl eher um die hyperaktive Variante des ADS handeln dürfte und die Diagnose eines ADS ohne Hyperaktivität auch damals schon wesentlich schwieriger gewesen sein dürfte.
Parallelen finden sich historisch also nicht nur im Hinblick auf die Schwierigkeiten einer Diagnose des ADS, sondern auch zur Geschichte der Legasthenie. Da wie dort wurden und werden mögliche Ursachen angenommen, formulilert, später wieder widerrufen und dann wieder neu postuliert.

In den dreißiger Jahren fand man eher zufällig heraus, dass spezielle Medikamente hyperaktive Kinder ruhig stellen. Da dies funktionierte, ging man in den 60’er Jahren und auch Forschungsergebnisse darauf hin deuteteten, ging man dann auch von einer Hirnstörung als Ursache für die Entstehung des ADS aus und therapierte entsprechend. Im weiteren Forschungsverlauf glaubte man zu erkennen, dass es nicht DIE EINE Ursache für die Entstehung eines ADS geben kann und so setzte sich der multikausale Ansatz (= durch viele Faktoren bedingt) durch: Als Ursachen des ADS kamen verschiedene Faktoren in Betracht: Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD, eine Form der Hirnschädigungen), Vererbung (genetische Weitergabe), Konsequenzen, die sich aus der veränderten Gesellschaft heraus ergeben, etc.

Zwei konträre und extreme Positionen haben sich aufrechterhalten. Dies sind zum einen jene, die glauben, dass ADS prinzipiell medikamentös therapiert werden sollte und zum anderen jene, die die Auffassung vertreten, dass nur durch Therapie und veränderte Erziehungsmaßnahmen ein Ziel erreicht werden kann und eine medikamentöse Therapie unterlassen werden sollte. Zwischen diesem beiden “extremen” Ansichten finden sich heute wohl die meisten Therapieformen wieder.

Alle (wissenschaftlichen) Erklärungsversuche zogen sich durch die Fachrichtungen der Medizin, Psychologie, aber auch Pädagogik. Vielleicht ist allerdings dennoch zu bedenken, dass es den klassischen Königsweg, der für alle gültig ist, insbesondere im Bereich von Lernproblemen nicht geben kann. Die Probleme sind stets individueller Natur und bedürfen somit auch einer individuellen Therapie des ADS.

Sie finden weiterführende Informationen zu diesen Unterthemen:

Ursachen des ADS

Auch wenn man heute immer noch viele Faktoren als Ursache eines ADS annimmt, hat sich seit den 90’er Jahren der neurobiologische Erklärungsansatz als Erklärungsansatz für die Entstehung eines ADS wissenschaftlich durchgesetzt.

Mögliche Ursachen, die den neurobiologischen Erklärungsansatz ursächlich zu erklären versuchen, finden Sie unter Ursachen des ADS.

Symptome

Redet man von einem Aufmerksamkeitsdefizit, dann hat jeder sofort das Bild des Zappelphilipp vor Augen. Dass es darüber hinaus sehr vielschichtige Haupt- und Nebensymptomatiken gibt, sehen nur jene, die mit dem Syndrom in irgendeiner Weise in Kontakt kommen.
Darüber hinaus werden verschiedene Varianten des Aufmerksamkeits- defizitsyndroms voneinander zu unterscheiden: Das ADS und das ADS + Hyperaktivität (ADHS), sowie einen Mischtyp aus beiden Varianten. Menschen, die unter einer Variante dieses Syndroms leiden fällt es schwer, zischen wichtigen und unwichtigen Reizen zu unterscheiden. Man geht davon aus, dass die Betroffenen sich häufig in einem dauerhaft reizüberfluteten Zustand befinden, demzufolge unter dauerhaftem Stress leiden.
Entsprechend der unterschiedlichen Varianten gibt es zum einen Symptome, die in beiden Hauptbereichen - also sowohl bei ADS als auch bei ADHS auftreten können, aber auch jene, die spezifisch sind.

Lesen Sie mehr Zum Thema: Symptome des ADS und ADS Symptome beim Erwachsenen

Was können Anzeichen für ADS sein?

Typisch ist die Verträumtheit, welche sich beim Kind beispielsweise durch langes Starren aus dem Fenster oder Kritzeln auf den Unterlagen bemerkbar machen kann. Dazu ist die Konzentrationsfähigkeit gestört, die Betroffenen können Aufgaben daher nur schwer erfüllen, folgen Anweisungen unvollständig und sind leicht abgelenkt. Sie finden nur schwer sozialen Anschluss und isolieren sich häufig. Die Intelligenz ist dabei nicht eingeschränkt und die Betroffenen verfügen häufig über eine blühende Phantasie und Kreativität.

Diagnose

Dass die Stellung einer ADS Diagnose nicht einfach ist, liegt zum einen daran, dass ADS-typische Symptome auch bei Kindern und Jugendlichen wie auch bei Erwachsenen (ADS Diagnose beim Erwachsenen) vorkommen ohne dass diese selbst unter einem ADS leiden. Mangelnde Aufmerksamkeit und “Bocklosigkeit” gibt es bei nahezu jedem Kind von Zeit zu Zeit.

Die Schwierigkeit einer Diagnosestellung liegt darin, diese Fälle abzugrenzen und “echte” ADS - Fälle zu diagnostizieren. Vergleichen lässt sich dies sinnbildlich etwa mit der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Bevor eine anstrengende Diagnostik auf das Kind herein prasselt, sollten sich eventuelle “Verdachtsmomente” schon über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr immer wieder - und vor allem auch in ähnlicher Form - gezeigt haben.

Folgende diagnostische Maßnahmen sollten berücksichtigt werden, um eine fehlerhafte Diagnostik weitestgehend ausschließen zu können.

  1. Befragung der Eltern
  2. Beurteilung der Situation durch die Schule (Kiga)
  3. Erstellung eines psychologischen Gutachtens
  4. klinische (ärztliche) Diagnostik

Test auf ADS bei Kindern

Wenn Eltern oder Lehrer eine anhaltende Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche und eventuell noch weitere ADS-Symptome bemerken, können sie das Kind auf diese Störung testen lassen. In der Regel ist hierfür der Kinderarzt zuständig und führt verschiedene Aufmerksamkeits- und Verhaltenstestungen durch. Auch eine körperliche Untersuchung und Intelligenztests gehören zur Diagnostik, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Als Tests kommen die Verfahren zum Einsatz, die auch beim typischen ADHS Verwendung finden. Dazu gehören beispielsweise Fragebögen für die Eltern und das Kind, die typische Symptome und Begleitprobleme abfragen, wie der SDQ (Strengths and Difficulties Questionnaire), die Conners-Skalen oder der CBCL (Child Behavior Checklist). Auch computergestützte Varianten, bei denen die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeiten des Kindes gefordert sind, können angewandt werden. Noch wichtiger als diese Tests ist jedoch die Anamnese, also ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt. Oft erfassen diese standardisierten Tests nämlich nicht alle Symptome und sind nicht verlässlich. Erst wenn der Arzt nach der Untersuchung ebenfalls ein ADS feststellt, ist die Diagnose gesichert.

Lesen Sie mehr: Therapie und Hilfe für verhaltensauffällige Kinder und JugendlicheWie erkennt man Verhaltensauffälligkeiten beim Baby

Test auf ADS beim Erwachsenen

Auch beim Erwachsenen mit ADS kommen grundsätzlich die gleichen Tests infrage wie bei Kindern, denn Fragebögen zur Symptomatik und begleitenden Problemen gibt es für jede Altersstufe. Zur reinen Aufmerksamkeitsprüfung gibt es ebenfalls ganze Testbatterien, die der Arzt mit dem Patienten durchführen kann. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, als Betroffener überhaupt auf sein ADS aufmerksam zu werden und sich an einen Arzt zu wenden. In der Regel sind sich die Patienten ihrer Störung nicht bewusst und halten die Symptome für charakterliche Schwächen. Wird das ADS also nicht frühzeitig in der Kindheit diagnostiziert, erfahren die Personen daher erst spät oder nie davon. Nicht selten äußert erst der Arzt, der den Patienten aufgrund begleitender Probleme wie beispielweise Depressionen behandelt, den Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsstörung. Die Diagnose erfolgt dann mittels eines ausführlichen Gesprächs und Aufarbeitung der ganzen Jahre, in denen sich die Probleme entwickelt haben. Gerade beim Erwachsenen ist daher das Gespräch mit dem Arzt wichtiger als standardisierte Tests, bei denen auch viele Patienten, die Kompensationsstrategien entwickelt haben, durch das Raster fallen und nicht erkannt werden würden.

Differentialdiagnose

Da im Hinblick auf eine Therapie eine exakte Diagnose erforderlich ist, müssen spezifische Erkrankungen differentialdiagnostisch abgegrenzt werden. Dies bedeutet, dass man durch typische Untersuchungen Krankheiten ausschließt, die sich symptomatisch ähnlich dem ADS äußern.

Eine differentialdiagnostische Abgrenzung kann auch dann erforderlich werden, wenn neben dem ADS noch weitere Erkrankungen vermutet werden, die erschwerend hinzu kommen.

Um weitere und nähere Informationen zur Differentialdiagnose zu erhalten, klicken Sie bitte auf die Diagnose des ADS: Diagnose des ADS.

Was ist der Unterschied zum ADHS?

Beim typischen ADHS stehen die Symptomkomplexe Hyperaktivität und Impulsivität im Vordergrund. Die Betroffenen zeigen häufig das typische Bild eines „Zappel-Philipps“, der nicht stillsitzen kann und anderen ins Wort fällt. Bei diesen ADHS-Formen werden die Symptome daher bereits in der Kindheit auffällig und die Eltern und Lehrer des Kindes konsultieren einen Arzt. Auch beim ADS ohne Hyperaktivität bestehen die Symptome seit der Kindheit, werden aber sehr häufig übersehen. Diese Kinder erleben eine ähnliche Reizüberflutung wie beim ADHS, bei der sie nur schwer Wichtiges von Unwichtigem trennen können und daher viel zu viele Reize aus ihrer Umgebung aufsaugen. Aus dieser Überforderung resultiert die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung, da einfach zu viele Informationen gleichzeitig auf sie einprasseln. Hyperaktive Kinder kompensieren das mit Bewegung, auffälligem Verhalten und impulsiven Reaktionen. Hypoaktive, also „unteraktive“ ADS-Kinder versuchen, sich von der Außenwelt abzuschotten und flüchten sich in ihre Phantasie. So entsteht das Bild des typischen „Träumers“, der sich ebenfalls schlecht konzentrieren kann und daher auch Probleme in der Schule hat. Diese verträumte Geistesabwesenheit wird allerdings häufig als normale Schüchternheit und Introvertiertheit gedeutet und die Schwierigkeiten in der Schule als mangelnde Intelligenz.

Das kann schwere Folgen haben, denn die Misserfolge und sozialen Probleme werden dann dem eigenen Charakter zugeschrieben und belasten das Selbstwertgefühl enorm. Dies begünstigt dann die assoziierten Probleme im späteren Leben, wie beispielsweise Depressionen und soziale Isolation. Aufgrund der erschwerten Erkennung der Störung hat das ADS daher ein höheres Risiko für psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten als das ADHS. Zudem dauert es häufiger bis ins Erwachsenenalter an, was nicht nur an der mangelnden Therapie liegt und noch weitere Gründe haben muss.
Welche Ursache die Symptome haben und woher der Unterschied zwischen den hyper- und hypoaktiven ADHS-Formen kommt, ist aber noch unklar. Manche Mechanismen, wie beispielsweise die gestörte Signalübertragung im Gehirn, ist beiden Typen gemein, während die Unterschiede, die zu den verschiedenen Erscheinungsbildern führen, noch nicht vollständig erforscht sind. Bei allen ADHS-Typen gilt jedoch: das frühe Erkennen und Behandeln der Symptome senkt bei fast allen Patienten den Leidensdruck und ermöglicht ihnen ein uneingeschränktes Leben.

ADS und Asperger Syndrom

Viele Symptome des ADS ähneln denen des Asperger-Syndroms, das eine Störung des Autismus-Spektrums darstellt. Besonders soziale Isolation, psychische Auffälligkeiten und unangemessenes Verhalten kommen bei beiden Störungen vor. Manche Patienten haben tatsächlich beide Erkrankungen, meistens liegt jedoch nur ein Zustand vor, den es zu identifizieren gilt. Bei der Diagnose sollten daher ADS-typische Aufmerksamkeitsschwächen von Autismus-ähnlichen Symptomen abgegrenzt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Asperger- Syndrom

Therapie

So individuell wie die Symptome eines ADS sind, muss auch die Therapie gestaltet werden. Dies hat zur Folge, dass jede Therapie individuell auf die Defizite des Kindes zugeschnitten werden und nach Möglichkeit ganzheitlich (multimodal) ansetzen sollte. Dabei muss das Kind dort “abgeholt” werden, wo es sich derzeit ansiedelt. Das bedeutet: die pädagogische und therapeutische Arbeit muss am jeweils individuellen Lernstand und im Bereich der individuellen Lernbedingungen und Arbeitsmöglichkeiten eines Kindes ansetzen und sich an ihnen in besonderer Weise orientieren.
“Ganzheitlicher Ansatz” impliziert an dieser Stelle auch eine Zusammenarbeit von Therapeut - Eltern - Schule. Allen an der Erziehung Beteiligten (insbesondere auch Großeltern) muss verdeutlicht werden, dass nur eine Kooperation untereinander zum Erfolg zielen kann.
Darüber hinaus impliziert “ganzheitlich” im Rahmen eines therapeutischer Ansatzes stets auch eine Kombination des sozial - emotionalen Bereiches mit dem psychomotorischen und dem kognitiven Bereich.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: Therapie ADS.

Unter anderem gibt es spezifische Therapieansätze, die wir spezifisch ausgearbeitet haben. Diese sind:

  1. die medikamentöse Therapie des ADS: ADS Medikamente, unter anderem Methylphenidat und Antidepressiva,
  2. der psychotherapeutische Ansatz der ADS - Therapie: Psychotherpie bei ADS,
  3. der heilpädagogische Ansatz: ADS Heilpädagogik,
  4. der ernährungstherapeutische Ansatz: Ernährung bei ADS, sowie
  5. die familiäre Unterstützung: ADS und Familie

Medikamente bei ADS

Behandelt wird das ADS auch mit Medikamenten gegen die hyperaktiven ADHS-Formen. Eine Heilung wird dadurch nicht erzielt, aber die Symptome verringert und damit der Leidensdruck vermindert. Das am meisten eingesetzte Präparat ist das sogenannte Methylphenidat (z.B. in Ritalin ®), ein Amphetamin-ähnlicher Stoff, der die Signalübertragung im Gehirn verbessert und somit die Leistungsfähigkeit erhöht. Beim ADS schlägt diese Substanz nicht ganz so häufig an wie beim typischen ADHS, dafür kommen die Patienten aber oft mit geringeren Dosen oder mit anderen Therapien ganz ohne Medikamente aus. Andere Substanzen wie Atomexetin (z.B. in Strattera ®), die beim hyperaktiven ADHS oft nicht ausreichen, finden beim ADS mehr Verwendung.
Auch homöopathische und pflanzliche Alternativen stehen dem Patienten zur Verfügung. Welche Substanz im Einzelfall am besten wirkt oder die geringsten Nebenwirkungen zeigt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und erfordert daher eine ausführliche Beratung und geduldiges Ausprobieren. In fast allen Fällen ist die medikamentöse Therapie allein jedoch nicht ausreichend und sollte durch Psycho- und Verhaltenstherapien ergänzt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Medikamente gegen ADS

Methylphenidat

Das Methylphenidat ist die gängigste Substanz in der ADS- und ADHS-Therapie und findet sich in Medikamenten wie Ritalin® oder Medikinet®. Es handelt sich dabei um einen Amphetamin-ähnlichen Stoff aus der Gruppe der Psychostimulantien, der die Signalübertragung im Gehirn über den Botenstoff Dopamin verbessert, indem er die Konzentration dieses Stoffes in den Synapsen erhöht. Methylphenidat beseitigt daher nicht die Ursache der Störung, die bis heute ungeklärt ist, sondern lindert die Symptome. Leider sind Nebenwirkungen von Ritalin® sehr häufig, besonders im Magen-Darm-Trakt und der Psyche. Der Einsatz dieses Medikaments ist daher heutzutage umstritten.

Pflanzliche Medikamente

Bei nur leichter Symptomatik oder zur unterstützenden Behandlung greifen viele ADS-Patienten auf pflanzliche Arzneien zurück. Beispiele sind die Extrakte des Gingko-Baumes zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit oder Bachblüten-Zubereitungen zur Steigerung des psychischen Wohlbefindens. Allerdings können auch pflanzliche Substanzen Nebenwirkungen aufweisen und nicht alle sind mit herkömmlichen Medikamenten verträglich, eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ist daher sinnvoll.

Homöopathie bei ADS

Ein weiterer Therapieansatz sind homöopathische Mittel, die immer öfter zur ADS-Behandlung eingesetzt werden. In vielen Fällen können hierdurch, bei besserer Verträglichkeit, ähnliche Erfolge erzielt werden wie bei der herkömmlichen Medikation, die Wirkung ist allerdings bei jedem Patienten anders und weniger erforscht als beim Methylphenidat. Nach dem Prinzip der Homöopathie wird eine Substanz in geringer Konzentration verabreicht, die sich an der Ausprägung der Symptome orientiert. Für typische ADS-„Träumer“ wären beispielsweise Substanzen wie Sulfur oder Agaricus mögliche Therapieoptionen.

Mögliche Begleitsymptomatik eines ADS

Auf den nachfolgend genannten Seiten erfahren Sie mehr über auftretende Begleitprobleme. Im schulischen Bereich sind dies die Lese- Rechtschreibschwäche und die Rechenschwäche.
Da ADS Kinder auch Probleme haben, ihre Aufmerksamkeit gezielt auszurichten, können Sie auf der Konzentrationsschwäche - Seite mehr über die Probleme und die Symptome erfahren.

ADS beim Erwachsenen

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität bleibt häufiger bis ins Erwachsenenalter erhalten als die anderen ADHS-Typen. Das bedeutet, dass die ersten Symptome in der Kindheit auftreten und sich zwar verändern, aber nicht „verwachsen“, sondern den Betroffenen über die Schulzeit hinweg bis in den Berufsalltag beeinträchtigen können. Während also die hyperaktive Form des ADHS meistens eine Kindererkrankung bleibt, handelt es sich beim ADS um eine häufig altersübergreifende Störung. Die Gründe hierfür sind bislang nicht eindeutig geklärt.
Da diese Form deutlich unauffälliger ist als das typische impulsive, hyperaktive ADHS, wird sie bei vielen Betroffenen im Kindheitsalter nicht diagnostiziert und daher auch nicht adäquat behandelt. Auch Patienten mit dem hyperaktiven ADHS können Probleme bis ins Erwachsenenalter haben, wenn sie als Kind nicht gelernt haben, mit ihren Symptomen umzugehen. Das fehlende Erkennen der Erkrankung oder der falsche Umgang damit kann also einer der Gründe dafür sein, dass überdurchschnittlich viele Betroffene dieses Subtyps über Jahrzehnte unter der Störung leiden. Mit der Dauer der Erkrankung ändert sich aber auch die Ausprägung der ADS Symptome beim Erwachsenen. Während Kinder vor allem verträumt und geistesabwesend wirken, fallen die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten beim Erwachsenen weniger auf. Oft sind sie vergesslich, schnell abgelenkt und überfordert, entwickeln aber meistens Kompensationsstrategien, die ihre Symptome verstecken. Oft meiden sie Situationen, die ihnen Schwierigkeiten bereiten, z.B. auf der Arbeit oder im sozialen Umfeld. Meist tun sie sich im Beruf und im Alltag schwer, wenn sie keine angemessene Therapie erhalten haben.

So stehen beim Erwachsenen eher die psychischen und sozialen Probleme im Vordergrund, die durch häufige Misserfolge und mangelndes Selbstwertgefühl zustande kommen und den Leidensdruck des Patienten verursachen. Die Symptome nehmen sie dabei meistens nicht als Krankheit bzw. Störung wahr, sondern als eigene Schwächen und Fehler. Neben den Leistungsproblemen leiden ADS-Patienten daher auch überdurchschnittlich oft an Depressionen. Eine angemessene Therapie mit psychologischen Trainings und ggf. Medikamenten kann den Leidensdruck senken und das Auftreten dieser Begleitstörungen vermeiden. Das Erkennen und Behandeln der Störung ist daher essentiell, um das Wohlbefinden des Patienten zu sichern.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: ADS beim Erwachsenen

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Depressionen und ADS?

Bedingt durch die Leistungsschwächen und sozialen Probleme erleben viele ADS-Patienten bereits in der Kindheit Misserfolge und Enttäuschungen, die sie sich selbst zuschreiben. Werden ihre besonderen Talente nicht gefördert und der Umgang mit ihrer Aufmerksamkeitsstörung nicht erlernt, leidet bei den meisten Betroffenen das Selbstwertgefühl enorm darunter. Die überdurchschnittliche Häufung von Depressionen bei ADS-Patienten ist daher nicht verwunderlich. Die genauen Zahlen variieren dabei je nach Studie, doch kann man davon ausgehen, dass mindestens jeder 5. ADS-Patient mindestens eine depressive Phase durchlaufen hat.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen einer Hochbegabung und ADS?

Die Datenlage zur Häufigkeit einer Hochbegabung kombiniert mit ADHS bzw. ADS ist unklar. Fest steht jedoch, dass beide Zustände die Diagnose erschweren, oft also entweder die Hochbegabung oder das ADS nicht erkannt wird. Da Personen mit hoher Intelligenz ihre Aufmerksamkeitsstörung aber viel deutlicher wahrnehmen, leiden sie meist stärker darunter als andere. Hochbegabte ADS-Patienten stehen daher unter einem enormen Leidensdruck und haben ein höheres Risiko für psychische Begleitprobleme.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Alkohol und ADS?

Suchtverhalten ist ein großes Problem beim verwandten ADHS. Nikotin und Alkohol stehen dabei an erster Stelle. Da aber vor allem die Impulsivität als Auslöser schädlichen Verhaltens angesehen werden kann, wird die Häufigkeit von Nikotin- und Alkoholmissbrauch beim reinen ADS weniger hoch eingeschätzt, die Studienlage ist hierzu allerdings dürftig. Wie hoch also das Risiko für den Einzelnen ist, einen Alkoholismus zu entwickeln, ist vermutlich vom individuellen psychischen Befinden und Leidensdruck durch die Symptome abhängig.

Welche Auswirkungen kann ADS auf eine Partnerschaft haben?

Personen mit ADS fällt es schwerer zwischenmenschliche Beziehungen zu führen. Es fällt ihnen nicht leicht, aufmerksam zuzuhören und angemessen auf ihr Gegenüber zu reagieren. Zudem fühlen sie sich schnell missverstanden und stoßen oft auf Ablehnung. Das Problem ist also die Kommunikation, die in einer ADS-Beziehung erschwert ist. Für beide Partner gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, in denen sie lernen, auf den anderen einzugehen und ihre Bedürfnisse verständlich zu machen.

Weitere Informationen

Eine Liste aller Informationen zum Thema "Probleme beim Lernen" finden Sie unter: Probleme beim Lernen A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.10.2017
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