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Wie erkennt man Verhaltensauffälligkeiten beim Baby

Einleitung

Verhaltensauffälligkeiten umfassen eine Vielzahl mehr oder weniger ausgeprägter Störungen des Verhaltens und werden meist im Grundschulalter diagnostiziert. Die Kinder fallend störend auf und hindern somit sich und andere am Lernen. Um dem vorzubeugen, wäre eine Diagnostik bereits in jungen Jahren von Vorteil, da eine frühe Förderung und Therapie spätere Probleme in Schule und Beruf verhindern könnte. Während dies beim Kindergarten- bzw. Vorschulkind durchaus funktioniert, gestaltet sich die Diagnose einer Verhaltensstörung beim Baby deutlich schwieriger.

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Was ist normal, ab wann spricht man von einer Verhaltensauffälligkeit beim Baby?

 Genau diese Frage ist der Knackpunkt der Diskussionen um auffälliges Verhalten. Früher bezeichnete man auffälligen Nachwuchs als „Problemkinder“ oder „ Schreibaby“, deren Verhalten sich „schon noch verwächst“. In den meisten Fällen stimmt das auch, denn in jeder Familie gibt es unruhige Babys, die sich im Laufe ihrer Kindheit ganz normal entwickeln. Wo „normales“ anstrengendes Verhalten eines Babys aufhört und Verhaltensstörungen anfangen, ist in so früher Kindheit sehr schwer festzustellen. Eltern verhaltensauffälliger Kinder berichten im Rückblick, ihr Kind wäre bereits als Baby besonders fordernd gewesen. Da ein Baby aber jeglichen Unmut nur durch schreien, quängeln, nicht schlafen wollen usw. äußern kann, kommt eine psychische Ursache erst dann in Frage, wenn akute Krankheiten und sonstige Störfaktoren beseitigt sind und das Verhalten bestehen bleibt. Da aber die genaue Diagnostik bei so kleinen Kindern noch nicht sicher möglich ist und daher auch keine spezifische Therapie angeraten werden kann, hat die Feststellung von Verhaltensauffälligkeiten beim Baby (noch) keinen medizinischen Stellenwert.

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Welche Symptome einer Verhaltensauffälligkeit gibt es? 

Im Allgemeinen fallen die betroffenen Kinder durch auffallend störendes, forderndes und anderweitig unangenehmes Verhalten auf, besonders bei Interaktionen mit Gleichaltrigen oder bei der Konfrontation mit Autorität und Aufgaben bzw. Pflichten. Auch Ängste und Unsicherheit werden beobachtet. Typischerweise werden Verhaltensauffälligkeiten daher im Schulalter festgestellt, da diese Symptome erst ab einem gewissen Alter und in bestimmten Situationen beobachtet werden können.

Rückblickend beschreiben viele Eltern, ihre Kinder wären bereits als Säuglinge und Kleinkinder durch vermehrtes Schreien, Essstörungen, Schlafprobleme und ähnlichem Verhalten aufgefallen. Diese Zusammenhänge werden seit einigen Jahren untersucht und wurden teilweise auch bestätigt.

Da aber nur eine kleine Zahl „anstrengender“ Babys später Verhaltensstörungen ausbildet und es keine spezifische Therapie für Kinder diesen Alters gibt, ist es für die Eltern ratsam, sich in viel Geduld zu üben und dem Verhalten mit Liebe und Verständnis zu begegnen. Denn ungeachtet der Ursache der Symptome trägt eine gute Eltern-Kind-Beziehung und ein hohes kindliches Selbstwertgefühl zur erfolgreichen Behandlung einer möglichen späteren Störung bei.

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Wie kann ich eine Verhaltensauffälligkeit selbst erkennen?

 Haben die Eltern das Gefühl, das mit ihrem Kind etwas nicht stimmt, haben sie in der Regel recht. Da sie jeden Tag mit dem Baby verbringen, können sie als einzige sicher sagen, ob es sich auffällig verhält. Dies trifft vor allem auf akute Erkrankungen zu, die die Eltern wahrnehmen, noch bevor manifeste Symptome auftreten. Bei Verhaltensauffälligkeiten ist das schwieriger. Wie bereits beschrieben können die Babys durch Unruhe, Schreien, Essstörungen/-verweigerung, Schlafprobleme und ähnliche Anforderungen an die Eltern auffallen. Haben Mutter und Vater bereits Erfahrung durch ein älteres Geschwisterkind, fällt ihnen ein solches Verhalten im Vergleich eventuell deutlicher auf. Da diese Symptome aber nicht spezifisch sind, können Verhaltensauffälligkeiten bei Babys faktisch nicht festgestellt werden. Wichtiger ist das Erkennen eines zusätzlichen Unwohls- oder Leidensgefühls des Kindes, da dies Anzeichen einer akuten Erkrankung sein könnte, die einer sofortigen Behandlung bedarf. Verhaltensauffälligkeiten hingegen werden erst im Laufe der Kindheit deutlicher und erfordern dann das Handeln der Eltern. Sollte das Kind daher auffällig bleiben, kann z.B. im Kindergartenalter eine genauere Abklärung erfolgen.

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Werden bei einer U-Untersuchung Verhaltensauffälligkeiten untersucht?

Ein Screening für Verhaltensauffälligkeiten gibt es nicht. Bei den U-Untersuchungen wird die altersgemäße körperliche und psychische Entwicklung untersucht, wobei massive Verhaltensauffälligkeiten deutlich werden können. Erst ab der U9 und/oder der Einschulungsuntersuchung rücken auch soziale und verhaltenstechnische Kompetenzen des Kinders in den Fokus des Arztes, um die Schulfähigkeit zu überprüfen. Aber auch hier wird nicht spezifisch nach Verhaltensauffälligkeiten gesucht.

Welcher Arzt ist zuständig, wenn eine Verhaltensauffälligkeit besteht?

Im Allgemeinen kommt hierfür der Kinderarzt, bei älteren Kindern auch der Kinderpsychologe/-psychiater in Frage. Beim Baby wäre der Kinderarzt zuständig. Wie aber bereits beschrieben, haben Verhaltensauffälligkeiten in diesem Alter aus medizinischer Sicht keinen großen Stellenwert, daher gibt es auch keinen Spezialisten hierfür.

Ab wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Kindliches Verhalten, das die Eltern sehr beunruhigt, ist prinzipiell immer eine Indikation für einen Arztbesuch. Eine medizinische Abklärung und Therapie ist bei Babys aber in erster Linie bei akuten Erkrankungen wichtig, die sich initial auch in den bereits beschriebenen Symptomen äußern. Für Verhaltensauffälligkeiten als solche, ist eine ärztliche Behandlung frühestens im Kleinkindes-, evtl. Schulkindesalter indiziert.

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Gibt es Tests für Verhaltensauffälligkeiten beim Baby?

Schon bei älteren Kindern ist die Diagnose einer Verhaltensauffälligkeit äußerst schwierig, da es keinen Test gibt, der als beweisend gelten kann. Das liegt unter anderem daran, dass die Definition auffälligen Verhaltens oftmals unklar ist und man es nur feststellen kann, wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen worden sind. Es gibt daher selbst für ältere Kinder keinen eindeutigen Test, sondern viel eher eine Testbatterie, die den Verdacht auf Verhaltensauffälligkeiten erhärten oder verwerfen. Bei Babys, deren Verhalten noch undifferenzierter und mögliche Anzeichen noch unspezifischer sind, kann es folglich auch keinen solchen Test geben. Sollte dennoch der Verdacht auf eine Verhaltensauffälligkeit im Raum stehen, kommen Untersuchungen zur allgemeinen Entwicklung des Babys zum Einsatz. Diese lassen aber lediglich Rückschlüsse auf den Gedeih des Kindes zu, ohne mögliche Ursachen für Verzögerungen genauer zu beleuchten.

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Hilft Osteopathie?

Die Osteopathie, ein manuelles Diagnostik- und Behandlungsverfahren, wird für ältere Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten angeboten und ist auch schon bei Babys anwendbar. Der Nutzen dieser Therapie ist nicht eindeutig erwiesen. Hier gilt: Gut ist, was gut tut – Wenn es dem Baby also nach der Behandlung deutlich besser geht, ist die Osteopathie bei fast allen Problemen eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin. Eine Behandlung beim Arzt ersetzt sie aber nicht.

Was kann ich selbst tun?

Mehrfach wurde nun angedeutet, dass ein Arzt Verhaltensauffälligkeiten beim Baby weder eindeutig feststellen noch behandeln kann. Was also können Eltern selbst tun, wenn sie merken, dass es ihrem Kind nicht gut geht? Die wichtigsten Prinzipien hierbei sind Liebe, Geduld und Verständnis, egal welche psychische Auffälligkeit vorliegt. Denn das Wichtigste ist, dass das Baby sich wohl fühlt, da sich andernfalls jedes mögliche Problem verschlechtert. Spezifischere Hilfe können erfahrene Eltern bieten, die verhaltensauffällige Kinder großziehen. Aufgrund der hohen Anzahl an Kindern, die Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, finden sich in fast jedem Bekanntenkreis betroffene Eltern. Das Internet bietet Foren zu diesem Thema in Hülle und Fülle, wobei die Seriosität der Website überprüft werden sollte. Manche Babys profitieren beispielsweise von einem strikt geregelten Tagesablauf, andere von besonders viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung, wieder andere sind aber an zu viel Zuwendung gewöhnt und werden erst verhaltensauffällig, wenn sie sich vernachlässigt fühlen. Der Austausch mit anderen liefert hierfür Ideen, die dann ausprobiert werden können. Denn schließlich kennt keiner das Kind so gut wie die eigenen Eltern.

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Qualitätssicherung durch: Dr Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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