Scharlach

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Scarlatina

Englisch: scarlet fever

Definition Scharlach

Der Scharlach ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit, die typischerweise mit einer fiebrigen Mandelentzündung (Angina tonsillaris) und einem roten Hautausschlag (Exanthem) einhergeht.


Formen des Scharlachs

In der Regel verläuft eine Scharlach-Erkrankung beim Kind problemlos. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Krankheitsverläufen mit Komplikationen kommen.

Die eitrige Mandelentzündung (Angina tonsillaris) kann sich auf die Nebenhöhlen oder das Mittelohr ausweiten und dort zu Entzündungen (Sinusitis bzw. Otitis media) führen. Auch eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) kann beim schwer kranken Kind auftreten.

In 1% der Fälle kommt es durch eine massive Rachenvereiterung (Angina necroticans) zu einer Blutvergiftung (Sepsis), die mit einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder im schwersten Fall mit einer Verstopfung der abführenden Gehirngefäße (Hirnsinusthrombose) einhergeht.

Noch seltener ist, dass es durch die hohe Konzentration der Bakteriengifte (Toxine) im Blut zu einem Kreislaufschock (toxischer Schock) mit Erbrechen, Kreislaufversagen, Krämpfen und Benommenheit kommt, was zum Tode führen kann (Scarlatina fulminans).

Nach einer Streptokokken-Infektion wie Scharlach kann das Kind eine Folgeerkrankung ausbilden, die dadurch hervorgerufen wird, dass das Immunsystem Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Bakterien gebildet hat, die sich nun an körpereigene Strukturen anlagern und dort zu einer Entzündung führen.

Dies kann sich als sog Streptokokkenrheumatismus (rheumatisches Fieber) mit einer Herzentzündung (Karditis) oder Gelenkentzündungen (Polyarthritis) äußern.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Hautausschlag und Gelenkschmerzen
Auch eine Erkrankung der Nieren (Glomerulonephritis) kann hierdurch hervorgerufen werden.

Fühlt sich das Kind 1-2 Wochen nach dem Scharlach wieder krank, muss der Kinderarzt eine solche Folgeerkrankung ausschließen.

Epidemiologie

Beim Scharlach liegt der Häufigkeitsgipfel der Erkrankung zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr. In der Haupterkrankungszeit von Oktober bis März kommt Scharlach in Gemeinschaftseinrichtungen wie z.B. Schulen oder Kindergärten dauerhaft vor (Endemie).

Dies kommt nicht zuletzt dadurch, dass in den Wintermonaten 20% der Bevölkerung gesunde Träger des Scharlach erregenden Bakteriums (Streptokokkus Pyogenes) sind und die Ansteckung somit unerkannt geschehen kann.

Symptome

Nach der Aufnahme des Virus in den Körper über Tröpfcheninfektion dauert es etwa 2-8 Tage, bis die Erkrankung beim Kind ausbricht (Inkubationszeit). Scharlach beginnt in der Regel mit plötzlich auftretendem hohem Fieber über 38,5°C, bei dem das Kind Schüttelfrost und Kopfschmerzen haben kann und sich sehr krank fühlt. Auch Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit sind häufige begleitende Krankheitsmerkmale. Weiter hat ein Kind mit Scharlach einen feuerroten (scharlachroten) Rachen und Schmerzen beim Schlucken (Tonsillopharyngitis), sowie einen geröteten weichen Gaumen (Enanthem). Die Mandeln (Tonsillen) sind geschwollen, gerötet und tragen weiß-gelbliche Eiterflecken (Stippchen).
Lesen Sie hier mehr zum Thema: Geschwollene Mandeln

Tastet man bei einem Kind mit Scharlach die Halsregion und den Nacken ab, so finden sich in der Regel geschwollene Lymphknoten, die ein Zeichen dafür sind, dass die körpereigene Abwehr hochaktiv ist. Ab dem 2. Krankheitstag erscheint typischer Weise ein roter Hautausschlag (Hautausschlag nach Fieber) mit stecknadelkopfgroßen, dichtstehenden, nicht ineinanderübergehenden (nicht konfluierenden) Flecken, die leicht erhaben sind und sich dadurch wie Sandpapier anfühlen. In der Regel juckt der Ausschlag nicht und breitet sich von der Leistengegend ausgehend über den gesamten Rumpf des Kindes aufsteigend in Richtung Hals aus.

Nach etwa 4 Tagen (2-6 Tage) verblasst der Hautausschlag und es kann danach zu einer Schuppung der Haut kommen. Hierbei sind vor allem die Handteller und die Fußsohlen des Kindes betroffen. Dieses Abschälen der Haut geschieht in gröberen Hautplättchen (Lamellen) und tritt etwa 1 bis 6 Wochen nach Krankheitsbeginn auf, jedoch nicht bei jedem an Scharlach erkrankten Kind. Charakteristisch für Scharlach ist weiter, dass das Kind zwar intensiv gerötete Wangen hat, der Bereich um den Mund jedoch blass ist (periorale Blässe, Facies scarlatinosa).

Am 4. Krankheitstag erscheint ein weiteres Merkmal für Scharlach: die Erdbeer- oder Himbeerzunge. Ist am Anfang des Scharlach die Zunge des Kindes noch weiß belegt, so treten nun die roten entzündeten Zungenknospen (Papillen) hervor und verleihen der Zunge ihr erdbeer- oder himbeerähnliches Aussehen. Lesen Sie auch: Rote Flecken auf der Zunge.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Ausschlag bei Scharlach und Scharlach in der Schwangerschaft

Rote Flecken am Gaumen - ein Hinweis auf Scharlach?

Gerade wenn Erwachsene an einer Scharlachinfektion erkrankt sind, kann es vorkommen, dass nicht alle Symptome, wie bei Kindern auftreten.
Manchmal sind lediglich rötliche Flecken im Bereich des Gaumens und Wangenschleimhaut sichtbar. Hier kann es dann notwendig werden, dass ein Abstrich durchgeführt werden muss, um zu überprüfen ob tatsächlich eine Scharlacherkrankung vorliegt.
Allgemein betrachtet geht eine Scharlachinfektion aber nur in den seltensten Fällen ausschließlich mit einer Rötung des Gaumens einher. In aller Regel werden die rötlichen Flecken im Bereich des Gaumens nach dem ersten Fieberanstieg sichtbar. Kurz darauf verschwinden diese wieder.

Ursachen

Scharlach wird durch ein Bakterium hervorgerufen, das Streptokokkus pyogenes heißt und zur Gruppe der A-Streptokokken (GAS) gezählt wird. Dieser Krankheitserreger führt in der Regel zu einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris), da Gruppe- A-Streptokokken Substanzen absondern (Toxine), die das Gewebe im Rachenraum und an den Mandeln (Tonsillen) schädigen. Dies geht mit einer starken Rötung, Schmerzen und Fieber einher. Der beim Scharlach typischerweise auftretende Hautausschlag (Exanthem) kommt dadurch zustande, dass sich ein Virus (Bakteriophage) ins Bakterium einnistet und ein Gift (erythrogenes Toxin) gebildet wird. Dieses Gift aktiviert die körpereigenen Abwehrzellen, welche Substanzen (Zytokine) freisetzen, die die Durchlässigkeit der Blutgefäße (Gefäßpermeabilität) erhöhen. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) treten aus den Adern in die Haut und führen so zu der für Scharlach typischen Rötung der Haut. Nicht alle Kinder sind gegenüber diesem Gift empfindlich, so dass es auch möglich ist, dass die Krankheit ohne scharlachroten Ausschlag abläuft.

Da es viele verschiedene Varianten des Giftes (erythrogenes Toxin) gibt und auch das Bakterium (Streptokokkus pyogenes) in mehreren Ausprägungen vorkommt, ist es möglich, mehrfach an Scharlach zu erkranken.

Diagnose

Der Kinderarzt erkennt die Krankheit Scharlach leicht an ihren typischen Krankheitsmerkmalen: das Kind hat eine fiebrige Mandelentzündung in Kombination mit rotfleckigem Hautausschlag und Erdbeer-/Himbeerzunge. Sind diese Merkmale erkennbar, so sind weitere diagnostische Maßnahmen normaler Weise nicht nötig. Ist der Untersuchungsbefund jedoch nicht so eindeutig, können verschiedene Tests zur Sicherung der Diagnose Scharlach durchgeführt werden.

Um auszuschließen, dass eine andere Erkrankung als Scharlach (z.B. Röteln, Masern) die Ursache des Ausschlags (Exanthems) ist, drückt der Arzt mit einem durchsichtigen Spatel (Glasspatel) auf die Flecken: beim Scharlach verschwindet die Rötung unter dem leichten Druck und die Haut darunter erscheint gelblich (Subikterus). Weiter kann der Arzt einen Rachenabstrich vornehmen, durch den man die typischen Streptokokken (GAS) anzüchten und somit nachweisen kann. Es kann notwendig sein, dass der Kinderarzt dem kranken Kind Blut abnimmt, denn in einer Blutuntersuchung lassen sich Zeichen einer bakteriellen Entzündung erkennen. Weiter kann überprüft werden, ob das Abwehrsystem (Immunsystem) des Kindes aktiv gegen die Streptokokken vorgeht: dafür wird der sog. Anti-Streptolysin-Titer (ASL-Antikörper) bestimmt. Ein typischer Bestandteil der Bakterienart Streptokokken (Streptolysin) wird von den körpereigenen Abwehrzellen erkannt und es werden Abwehrstoffe (Antikörper) dagegen gebildet, um das Bakterium zu zerstören. Diese Stoffe lassen sich im Blut des Kindes messen und je nach dem, in welcher Menge sie im Blut vorliegen, kann man einschätzen, ob das Immunsystem des Kindes momentan gegen diese Bakterien aktiv ist und somit eine Streptokokken-Infektion besteht. Auch der direkte Nachweis von Streptokokken- Bestandteilen (Antigenen) im Blut ist möglich, im Normalfall jedoch nicht notwendig.

Ansteckung

Scharlach ist eine Infektionserkrankung die vor allem Kinder im Alter zwischen vier und sieben Jahren betrifft. Sie kann allerdings auch im Erwachsenenalter auftreten. Es gibt keine Impfung gegen Scharlach, die Erkrankung kann auch mehr als einmal im Leben auftreten.

Die Ansteckung erfolgt über Bakterien die man Beta-hämlolysierende Streptokokken nennt, sie gehören zur Lancefield-Gruppe A. Besitzen diese Bakterien spezialisierte Viren, sogenannte Bakteriophagen, kommt es zum vollen Krankheitsbild da die Bakteriophagen ein Scharlach-Toxin produzieren. Haben die Bakterien keine spezialisierten Viren kommt es nicht zum vollen Krankheitsbild, sondern „nur“ zur einer eitrigen Mandelentzündung.

Alleine haben die spezialisierten Viren keinen Krankheitswert.

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion, Mund- und Rachenkontakt. Die Bakterien können also durch Niesen, Husten und Sprechen übertragen werden. Sie können aber auch über offene Wunden in den Körper eindringen und Wundscharlach auslösen. Es gibt auch Krankheitsträger die selber nicht erkranken, jedoch die Krankheit übertragen können.

Die Erkrankung kann mehrmals im Leben auftreten da es verschiedene Typen von den spezialisierten Viren gibt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wie ansteckend ist Scharlach?

Therapie des Scharlachs

Da Scharlach eine Krankheit ist, die durch Bakterien (Streptokokken) hervorgerufen wird, behandelt man ein erkranktes Kind mit einem Antibiotikum.

Gegen Streptokokken wirkt am besten das Antibiotikum Penicillin. Dieses Antibiotikum schädigt die Zellwand der Streptokokken und zerstört sie so.

Liegt z.B. eine Unverträglichkeit gegen Penicillin vor, gibt es alternativ weitere wirksame Antibiotika (Cephalosporine, Makrolide).

Die Therapie des Scharlach mit Penicillin dauert 10 Tage und sollte auch nicht früher beendet werden, da sonst das Risiko, dass das Kind eine Folgeerkrankung (rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis) entwickelt, erhöht ist.

Nach 1-2 Tagen Medikamenteneinnahme sollte das Fieber gesunken sein und das Kind sollte sich schon viel besser fühlen.

Ist dies der Fall, so kann das Kind 48 Stunden nach Beginn der Therapie wieder öffentliche Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule besuchen, da es jetzt nicht mehr ansteckend ist.

Inkubationszeit

Scharlach ist eine hochansteckende, jedoch nicht gefährlich Erkrankung. Es ist kaum möglich Geschwisterkinder vor der Erkrankung zu schützen, da die Inkubationszeit bei einigen Tagen liegt. Die Inkubationszeit ist die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Krankheit. Die Inkubationszeit von Scharlach liegt je nach Literatur bei ca. zwei bis vier Tagen. Danach kommt es zu den ersten Symptomen. Dazu gehören Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und Hautausschläge. Am häufigsten sind Kinder im Kindergarten- und Schulalter betroffen, also im Alter von ungefähr vier bis sieben Jahren.

Ohne Behandlung sind Kinder und Erwachsene bis zu drei Wochen ansteckend. Bei starken Scharlacherkrankungen kann die Ansteckungsgefahr steigen bzw. auch länger andauern. Beginnt die Antibiotikatherapie kurz nach Ausbruch der Erkrankung verkürzt sich die Ansteckungsgefahr auf ca. ein bis zwei Tage.

Prophylaxe

Es gibt keine Impfung gegen Scharlach, da das auslösende Bakterium (Streptokokkus pyogenes) in zu vielen unterschiedlichen Varianten vorkommt.

Eine längerfristige medikamentöse Vorsorge zur Verhinderung einer neuerlichen Erkrankung (Reinfektionsprophylaxe) ist nur dann notwendig, wenn beim Kind die Folgeerkrankung rheumatisches Fieber aufgetreten ist.

Das betroffene Kind muss dann Penicillin in niedriger Dosierung über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren einnehmen. Um eine späte krankhafte Veränderung der Nieren (Glomerulonephritis) nicht zu übersehen, sollte bei einem Kind mit Scharlach 2 Wochen nach Krankheitsbeginn beim Kinderarzt der Urin kontrolliert werden.

Prognose

Der Scharlach ist eine häufige ansteckende Erkrankung, die vor allem in Kindesalter auftritt. Da der Krankheitsverlauf in der Regel unkompliziert ist, es nur selten zu Komplikationen kommt und die Behandlung mit Antibiotika einfach und effektiv ist, ist die Prognose sehr gut. Der Großteil der an Scharlach erkrankten Kinder ist innerhalb kurzer Zeit wieder gesund und entwickelt keine Folgeerkrankung. Bildet sich jedoch als Folge der Infektion mit dem Scharlach erregenden Bakterium (Streptokokkus pyogenes) eine Nierenerkrankung (Glomerulonephritis) oder rheumatisches Fieber aus, so ist die Prognose entsprechend schlechter und es muss mit einem längeren und schwereren Krankheitsverlauf gerechnet werden. Daher ist es umso wichtiger, das vom Kinderarzt verordnete Antibiotikum streng nach den Vorgaben einzunehmen, denn durch die kontinuierliche Penicillin-Therapie über 10 Tage kann das Auftreten einer Folgeerkrankung weitgehend verhindert werden.

Anders als bei durch Viren hervorgerufenen Kinderkrankheiten, wie z.B. Windpocken (Varizellen), kann ein Mensch Scharlach mehrmals im Leben bekommen.

Eine durchgemachte Scharlach-Erkrankung bietet also keinen dauerhaften Ansteckungsschutz (Immunität). In 1-4% der Fälle kommt es zu einer Zweiterkrankung an Scharlach.

Zusammenfassung

Ein Kind steckt sich mit der Krankheit Scharlach an, indem es über die Luft kleine Tröpfchen von Körperflüssigkeiten (z.B. Speichel) eines Erkrankten aufnimmt (Tröpfcheninfektion). Nach Aufnahme des Erregers dauert es etwa eine Woche (2-8 Tage), bis die Krankheit ausbricht (Inkubationszeit). Beim Scharlach sind typische Krankheitsmerkmale, dass das Kind plötzlich hohes Fieber hat, Halsschmerzen und Kopfschmerzen äußert und sich sehr krank fühlt. Bald darauf entwickelt sich ein vom unteren Stamm ausgehender Hautausschlag mit kleinen roten Flecken, der auch jucken kann. Beim Arzt zeigt sich eine ausgeprägte eitrige Entzündung der Mandeln und eine starke Rötung des Rachens.

Nach Einnahme eines Antibiotikums fühlt sich das Kind bald besser, ist in der Regel 24 Stunden nach Beginn der Therapie nicht mehr ansteckend und nach etwa einer Woche ist der Scharlach komplett ausgeheilt.

Bei dieser sehr häufigen Krankheit im Kindesalter kommt es nur selten zu Komplikationen wie z.B einer Herzmuskelentzündung (Myocarditis), einer Mittelohrentzündung (Otitis media) oder einer Eiteransammlung hinter den Mandeln (Pertonsillarabszess). Folgekrankheiten wie akutes rheumatisches Fieber oder Nierenerkrankungen (Glomerulonephritis) kommen vor, sind aber ebenfalls nicht häufig.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.05.2017
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