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Die Scharlachzunge

Was ist eine Scharlachzunge?

Die Zunge nimmt bei einer vorliegenden Scharlach-Infektion eine charakteristische Färbung an. Nachdem sie zunächst mit weißen Belägen überzogen ist, präsentiert sie sich nach dem Abklingen dieser Beläge rot und glänzend. Zudem sieht es aus, als hätte die Scharlachzunge lauter kleine Pickelchen. Dies sind die Geschmackknospen, die aufgrund der Infektion hervorstehen.

Wegen der charakteristischen Färbung nennt man die Scharlachzunge auch Himbeer- oder Erdbeerzunge. Dabei kann sie leicht mit der Himbeerzunge verwechselt werden, die beim Kawasaki-Syndrom (einer Erkrankung der Lymphknoten) entsteht.

Allgemeine Informationen zur Erkrankung finden Sie hier: Scharlach

Ursache einer Scharlachzunge

Die Ursache der Scharlachzunge liegt in der Infektion mit den Scharlach-Erregern. Schuld ist die Bakterienart Streptokokken. Diese Bakterien setzen sich besonders gerne im Rachen-, Hals- und Mundbereich ab. Dort führen sie zu einer starken Entzündungsreaktion, weshalb Rachen und Hals schmerzhaft gerötet sind. Auch in der Zunge kommt es zu einer Entzündung. Die Zunge besteht nahezu nur aus Muskulatur, darauf befindet sich die Schleimhaut mit ihren Geschmacksknospen.

Ist die Zunge nun entzündet, schwillt sie etwas an und es kommt wie bei jeder Entzündung zu Schmerzen und einer Rötung. Auch die Überwärmung der Zunge ist möglich. Diese fällt allerdings im Rahmen des hohen Fiebers bei Scharlach oftmals nicht auf. Durch die Schwellung der Zunge werden zudem die Geschmacksknospen etwas nach außen gedrückt, weshalb sie so auffällig erscheinen. Meist befinden sich die Krankheitserreger auch auf den Geschmacksknospen selbst. Diese schwellen ebenfalls an und treten dadurch noch stärker hervor.

Die Scharlachzunge bezeichnet man auch als Himbeer- oder Erdbeerzunge. Dies liegt an ihrer zum Teil tiefroten Färbung sowie dem Hervorstehen der Geschmacksknospen, was an eine Frucht erinnert.

Andere mögliche Ursachen für eine Himbeerzunge können folgende sein:

  • die Masern
  • eine Pellagra (zu wenig Vitamine bei Mangelernährung)
  • das Kawasaki-Syndrom (eine Lymphknotenkrankheit)

Wie sieht die Scharlachzunge im Anfangsstadium aus?

Die typische Scharlachzunge mit ihren herausstehenden Geschmacksknospen und der tiefroten Färbung tritt in der Regel erst nach einigen Tagen auf. Vorher ist die Zunge mit einem dicken weißen Belag belegt. Diese fleckigen weißen Beläge kommen zudem auch im Rachenraum und auf den Mandeln zum Vorschein. Bereits bevor die Zunge ihre Beläge verliert und den glänzenden roten Ton annimmt, können die Geschmacksknospen anschwellen, was dazu führt, dass diese sich etwas von der Zungenoberfläche abheben. Dadurch wirkt die Zunge sehr rau, zudem bleiben die weißen Beläge an der unebenen Oberfläche stärker hängen. Auch in der Zunge selbst kann aufgrund der Infektion eine Entzündungsreaktion vonstattengehen. Diese führt zu einem Anschwellen der Zunge. Zudem können dadurch starke Schmerzen ausgelöst werden. Auch die rote Färbung der Zunge rührt von dieser Entzündungsreaktion, allerdings ist sie im Anfangsstadium der Erkrankung aufgrund der Beläge noch nicht sichtbar.

Begleitende Symptome

Bei der Erkrankung Scharlach treten zusätzlich zu der typischen Himbeerzunge gerade im Rachen- und Halsbereich auch andere Symptome auf. Dazu gehört ein stark geröteter und schmerzhafter Rachen, die Mandeln können anschwellen. Zudem entstehen oftmals weißliche Beläge, die nicht nur die Zunge sondern auch die Mandeln und den Hals befallen. Begleiterscheinungen sind starkes Fieber bis hin zu Schüttelfrost, auch Kopf- und Bauchschmerzen können auftreten. Aufgrund der Schwellung der Zunge sowie den Schmerzen an Zunge, Rachen und Hals kommt es zu Schluckbeschwerden.

Als Zeichen einer starken Infektion können auch die Lymphknoten anschwellen. Diese bilden Wächterstationen im Lymphsystem und sind ein wichtiger Teil des Immunsystems des Körpers. Besonders die Lymphknoten am Hals und unter dem Kinn schwellen bei Scharlach stark an. Aber auch an anderen Stellen wie der Achsel und unter dem Schlüsselbein können Lymphknotenschwellungen entstehen.

Nach etwa vier Tagen taucht ein weiteres charakteristisches Symptom des Scharlachs auf: der Ausschlag, der aus vielen kleinen roten Punkten entsteht. Diese sind meistens leicht erhaben, sodass sie auf der Haut auch als kleine Unebenheiten spürbar sind. Typischerweise wird der Mund von diesem Ausschlag ausgespart, dies nennt man auch "periorale Blässe", umgangssprachlich auch Milchbart. Nach etwa zwei Wochen beginnt die Haut, sich an den Fingern und Zehen abzulösen. Manchmal sind auch die kompletten Fußsohlen und Handflächen betroffen.

Informieren Sie sich hier zum Thema: Symptome von Scharlach.

Begleitsymptom: Brennende Zunge

Aufgrund der Entzündung, die bei Scharlach auch in der Zunge stattfindet, ist diese besonders empfindlich. Entzündungsreaktionen führen dazu, dass Nervenendigungen, die Informationen wie Schmerzen und Brennen ans Gehirn weiterleiten, schneller auf Berührungen reagieren. Dies wird durch bestimmte Stoffe ausgelöst, die bei Entzündungen vom Körper ausgeschüttet werden. Deshalb ist bei Infektionen wie Scharlach die Zunge besonders sensibel und reagiert auf Berührungen sowie Wärme und Kälte mit Schmerzen und Brennen. Die Schwellung der Zunge und der Geschmacksknospen führt zusätzlich dazu, dass die Geschmacksknospen etwas aus der Zunge heraustreten. Dies macht sie noch empfänglicher für Berührungen und verstärkt das Brennen der Zunge.

Begleitsymptom: Schmerzen

Die Schmerzen, die im Rahmen von Scharlach auftreten, sind auf die starke Entzündungsreaktion des Körpers zurückzuführen. Während der Infektion sind Zunge, Rachen und Hals stark geschwollen und gerötet. Dadurch reagieren sie besonders empfindlich auf Berührungen und starke Temperaturveränderungen wie Wärme und Kälte. Schmerzen treten bei Scharlach zusätzlich oftmals in Gelenken (Polyarthritis) oder als Muskelschmerzen im Rahmen des hohen Fiebers auf. Auch Kopf- und Bauchschmerzen können mit Scharlach einhergehen. Sie sind in der Regel ebenfalls auf das Fieber, oftmals auch auf eine zu geringe Trinkmenge zurückzuführen.

Behandlung von Scharlach

Die Behandlung von Scharlach sollte unbedingt mit Antibiotika erfolgen. Diese können die auslösenden Bakterien effektiv bekämpfen und so Betroffene vor schwerwiegenden Komplikationen wie Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen sowie Auffälligkeiten des Gehirns schützen. In der Regel wird Penicillin V als Antibiotikum der Wahl eingesetzt. Bei einer Allergie gegen Penicillin können aber auch Erythromycin oder Clarythromycin eingesetzt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie hier: Behandlung von Scharlach

Zusätzlich zur ursächlichen Therapie mit Antibiotika sollte gerade bei hohen Fieberschüben auch symptomatisch behandelt werden. Dazu gehört die Gabe von fiebersenkenden Mitteln, zudem sollten auch Schmerzen mit Schmerzmedikamenten gelindert werden. Reicht dies nicht aus, um Schluckbeschwerden und Halsschmerzen einzudämmen, können Lutschtabletten, die sonst bei Erkältungen eingesetzt werden, helfen.

Auch Hausmittel wie Salbei- oder Ingwertee mit Honig sind hilfreich, da sie antibakterielle Inhaltsstoffe haben, beruhigend auf die angeschlagenen Schleimhäute im Hals wirken und gleichzeitig für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.

Wird das Fieber besonders hoch, können auch kühle Wadenwickel oder Quarkwickel eingesetzt werden, die die Körpertemperatur dezent senken.

Erfahren Sie mehr zum Thema: Wadenwickel gegen Fieber

Da es sich bei Scharlach um eine schwere Infektionskrankheit handelt, sollten betroffene Personen sich für einige Tage körperlich schonen. Zudem besteht eine hohe Ansteckungsgefahr, weshalb auch auf einen ausreichenden Schutz von Angehörigen und anderen Kontaktpersonen zu achten ist.

Diagnose Scharlach

Die Diagnose von Scharlach drängt sich meist schon aufgrund der typischen Symptome auf. Dazu gehören hohes Fieber und die ganz charakteristisch aussehende Scharlachzunge. Im weiteren Verlauf kann auch ein Hautausschlag auftreten, der typischerweise die Mundgegend ausspart.

Da es sich bei Scharlach um eine hochansteckende Krankheit mit schweren Komplikationen handelt, sollte die Infektion mit Streptokokken sicher diagnostiziert werden. Dazu genügt in der Regel ein Scharlachschnelltest. Dabei wird ein Rachenabstrich genommen, in dem die Scharlach Bakterien nachgewiesen werden. Ist der Schnelltest trotz eines hochgradigen Verdachts negativ, kann der Rachenabstrich auch ins Labor eingeschickt werden, wo eine Kultur der Bakterien angelegt wird.

Lesen Sie auch: Scharlachschnelltest

Wie lange dauert eine Scharlach-Infektion an?

Scharlach dauert unbehandelt meist etwa zwei bis drei Wochen an. Allerdings sollte aufgrund schwerwiegender Komplikationen immer eine antibiotische Therapie erfolgen. Diese führt meist nach etwa vier Tagen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden, dennoch sollten die Antibiotika vollen vom Arzt oder Apotheker angegebenen Tage (z.B. 7 oder 10) lang eingenommen werden. Nur so kann verhindert werden, dass andere Personen angesteckt werden und dass die Infektion mit den Streptokokken auf Organsysteme im Körper übergreift.

Bereits bevor die Erkrankung sich bemerkbar macht, tragen betroffene Personen die Bakterien für zwei bis vier Tage im Körper. Diese Phase nennt man Inkubationszeit. Insgesamt ist also mit zwei bis drei Wochen Krankheitsdauer zu rechnen, sofern keine nachfolgenden Komplikationen auftreten.

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Prognose einer Scharlach-Erkrankung

Die Prognose vom Scharlach ist stark davon abhängig, ob es gelingt, schwerwiegende Komplikationen abzuwenden. Bei einer adäquaten Behandlung mit Antibiotika ist die Infektion nach spätestens drei Wochen vorüber.

Da es mehrere Bakterienstämme gibt, die Scharlach hervorrufen, kann man sich allerdings erneut mit der Krankheit anstecken. Treten in der Folge der Infektion Komplikationen auf, kann dies lebenslange Einschränkungen wie eine Herz-, Nieren- oder Leberschwäche hervorrufen. Die Komplikationen können sogar tödlich enden. Daher ist es wichtig, ein Antibiotikum einzunehmen, um dieses Risiko zu minimieren.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Komplikationen von Scharlach

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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