Kindliche Entwicklung

Einleitung

Die kindliche Entwicklung stellt einen entscheidenden Abschnitt im Leben eines Menschen dar. Sie beginnt mit der Geburt und vollzieht sich bis in die Pubertät. In diesem Zeitraum ändern sich nicht nur äußere, sondern auch innere Merkmale, zu denen neben vielen anderen Dingen die zunehmende neurologische Ausprägung und Verknüpfung der Hirnstrukturen zählt.

Die kindliche Entwicklung kann in motorische, sensorische, sprachliche, kognitive, emotionale und soziale Fortschritte unterteilt werden. Jede Entwicklung ist durch charakteristische Veränderungen gekennzeichnet. Während der motorischen Entwicklung, zum Beispiel, lernt ein Kind zunächst das Umwenden, dann Sitzen, Krabbeln und anschließend Laufen. Nicht bei jedem Kind treten diese Schritte zum gleichen Zeitpunkt und in ähnlichen zeitlichen Abständen auf. Manchmal geht einem Fortschritt sogar ein kurzfristiges Nachlassen bestimmter Fähigkeiten voraus.

Die kindliche Entwicklung kann von außen positiv beeinflusst werden, indem das Kind in seinen Fähigkeiten gefordert und unterstützt wird.

Im Rahmen der sogenannten U-Untersuchungen des Kinderarztes werden mittels geeigneter Tests einzelne Entwicklungsphasen sowie der allgemeine Gesundheitszustand beurteilt. Auf diese Weise lassen sich bestimmte Entwicklungsstörungen frühzeitig erkennen und behandeln.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Frühkindliche Entwicklung

Definition

Der Lebensabschnitt eines Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt bis in die Pubertät wird als kindliche Entwicklung definiert. Äußere und innere Merkmale, genauso wie das Verhalten und Denken sind deutlichen Veränderungen unterworfen. Sie vollziehen sich bei jedem Kind in unterschiedlicher Weise und werden durch zahlreiche Erfahrungen aus Umwelt und Umgebung nachhaltig geprägt.


Ursache

Ursächlich für die zahlreichen Veränderungen sind strukturelle Umbau- sowie Aufbauprozesse in den Strukturen des Gehirns. Es entstehen Verknüpfungen und Schaltstellen zwischen Nervenendigungen, die das Erlernen und Durchführen neuer Fertigkeiten ermöglichen. Dieser Prozess kann durch Eindrücke und Erfahrungen, die das Kind in seinen ersten Lebensjahren macht, nachhaltig beeinflusst werden.

In jeder Entwicklungsphase existieren Zeiträume, in denen ein Kind besonders empfänglich für dargebotene Reize ist und sich bestimmte Fähigkeiten schnell aneignet. Bleiben derartige Reize aus oder fehlt die Möglichkeit zu deren Wahrnehmung, kann es mitunter zu schweren Entwicklungsstörungen kommen.

  • Die motorische Entwicklung umfasst Bewegungen und Bewegungsabläufe, die von den ersten Bewegungen zur Nahrungsaufnahme bis hin zur Koordination beim Sprechen reichen.
  • Die Ausbildung der Sinnesorgane, mit denen ein Kind seine Umgebung wahrnimmt und Eindrücke verarbeitet, wird unter dem Begriff der Sensorik zusammengefasst. Hierzu zählen neben schmecken, fühlen und riechen, auch das Sehen und Hören. Der Spracherwerb wird insbesondere von einem ausreichenden Hörvermögen beeinflusst.
  • Während der sozialen Entwicklung, erlernt ein Kind auf Basis einer funktionierenden Mutter-Kind-Beziehung, den Bindungsaufbau und Umgang mit anderen Personen. Eine starke Eltern-Kind-Beziehung steht in engem Zusammenhang mit einer positiven emotionalen Entwicklung. Von dieser Grundlage profitiert auch der Spracherwerb.
  • Die kognitive Entwicklung zeichnet sich durch das Erlernen geistiger und intellektueller Fähigkeiten aus. Beispiele sind das Lösen von Problemen und die Merk- und Wahrnehmungsfähigkeit.

Beurteilung der kindlichen Entwicklung

In jeder Entwicklungsphase existieren Meilensteine, die etwa 95% der Kinder in einem ähnlichen Zeitraum erreichen. Sie dienen einer objektiven Beurteilung der kindlichen Entwicklung und können bei Nichterfüllung frühzeitig auf eine mögliche Entwicklungsverzögerung aufmerksam machen.

Zur Beobachtung und rechtzeitigen Erkennung dienen die sogenannten U-Untersuchungen, die vom Kinderarzt durchgeführt werden. Bis zum sechsten Lebensjahr gibt es zehn Untersuchungstermine. Der erste findet unmittelbar nach der Geburt statt, während die darauffolgenden zunächst im Abstand von Monaten und schließlich von Jahren erfolgen. Die U9 im sechsten Lebensjahr wird gefolgt von der U10 und U11 bis zum 10. und der J1 und J2 bis zum 17. Lebensjahr. (siehe: U11- Untersuchung). Die ersten elf Vorsorgeuntersuchungen werden von der Krankenkasse übernommen.

1. Lebensjahr

Bereits in den ersten drei Lebensmonaten erlernt ein Kind bestimmte Fähigkeiten, die ihm erlauben erste Bewegungen auszuführen und in Kontakt mit der Umgebung zu treten. Motorische Funktionen wie Kopfheben oder das Abstützen auf die Unterarme erfolgen aus der Bauchlage heraus. Interessante Gegenstände werden aktiv wahrgenommen. Das Kind versucht sie durch Drehen des Kopfes nicht aus dem Augenwinkel zu verlieren. Es erwidert das Lächeln fremder und bekannter Personen.

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Nach einem halben Jahr greift das Kind Gegenstände mit der Hand und lässt sie von der rechten in die linke Hand wandern und umgekehrt. Hilft man ihm unterstützend in die Sitzposition, kann es den Kopf selbstständig halten und beugt reflektorisch die Arme. Die Umwelt wird vom Kind aufmerksam wahrgenommen. Streicheln und Ansprechen rufen positive Reaktionen hervor. Das richtige Tragen des Babys während dieser Zeit ist ebenfalls bedeutsam für seine Entwicklung (siehe auchBabytrage oder Tragetuch - womit transportiere ich mein Baby am besten?).

Im neunten Monat sollte das Kind weitgehend problemlos sitzen können. Seine Neugier zeigt sich in der eingehenden Untersuchung von Gegenständen, die mit allen Sinnen erfasst werden. Bezugspersonen und fremde Menschen werden vom Kind bewusst erkannt.

Am Ende des ersten Lebensjahres ist die motorische Entwicklung so weit vorangeschritten, dass sich das Kind an festen Gegenständen in eine stehende Position ziehen und koordinierte Fingerbewegungen durchführen kann. Es beginnt aktiv Kontakt zu Gleichaltrigen zu suchen und sucht nach Dingen, die vor seinen Augen versteckt wurden.

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2. Lebensjahr

In der ersten Hälfte des zweiten Lebensjahres gelingt dem Kind nicht nur das Stehen, sondern auch Gehen mit Unterstützung. Bei den ersten Gehversuchen können die in dieser Entwicklungsstufe physiologischen O-Beine beim Baby dazu beitragen dem Gang mehr Stabilität zu verleihen. Gegenstände werden beim Spielen sorgfältig unter die Lupe genommen und ausprobiert. Einfache Spiele, die Melodien, Reime oder Bewegung beinhalten, bereiten dem Kind Freude.

Nach 18 Monaten kann das Kind frei stehen und gehen. Es kann nicht nur einfache Aufforderungen befolgen, sondern auch einige aufgestellte Regeln. Das Spielverhalten ist ausgereifter, was sich, zum Beispiel, in ersten Rollenspielen zeigt.

Am Ende des zweiten Lebensjahres kann das Kind rennen und präzise motorische Bewegungen ausführen, wie das Auspacken einer Süßigkeit. Auch das Spielverhalten wird selbstständiger, die Rollenspiele ausgereifter.

3. Lebensjahr

Im dritten Lebensjahr besitzt das Kind die Fähigkeit sicher von einem kleinen Absatz hinab zu hüpfen und kann immer genauere Bewegungen mit den Fingern ausführen. Es zeichnet seine ersten Bilder und versetzt sich beim Spielen gerne in andere Personen hinein. In der Interaktion mit den Eltern versucht es deren Verhalten und Handeln zu imitieren.

4. Lebensjahr

Am Ende des vierten Lebensjahres fährt das Kind sicher auf einem Bobby-Car oder Dreirad. Die richtige Haltung eines Stifts, zunehmend komplexe Rollenspiele und W-Fragen (Wer? Wie? Wo? Was?) sind weitere Meilensteine in der Entwicklung. Das Kind kann sich auf bestimmte Dinge konzentrieren und zeigt im Umgang mit anderen Kindern ein soziales Verhalten.

5. Lebensjahr

Im fünften Lebensjahr gelingt es dem Kind Treppen koordiniert auf- und abzusteigen und beim Basteln eine Schere sinnvoll zu benutzen. Die Interaktion mit anderen Kindern nimmt zu. Beim Spielen werden die Rollen detailreicher, Spiele, bei denen Dinge gebaut werden, häufiger.

6. Lebensjahr

Im sechsten Lebensjahr sollte ein Kind die motorischen Fähigkeiten besitzen, sich selbstständig an- und auszuziehen, einige Sekunden auf einem Bein zu stehen und einen Ball werfen und fangen zu können. Wie sicher es diese koordinieren kann, ist bei jedem Kind individuell verschieden. In der kindlichen Wahrnehmung wächst das Bedürfnis nach dem Verständnis der umgebenden Umwelt. Es sucht eigene Erklärungsansätze. Die Interaktion mit anderen Kindern umfasst in diesem Abschnitt die Integration in eine Gruppe und das Eingehen von Kompromissen.

Sprachentwicklung

Die kindliche Sprachentwicklung hängt nicht nur von ausreichendem Hörvermögen, sondern auch von zahlreichen äußeren Faktoren ab und entwickelt sich parallel mit dem Erwerb sozialer und emotionaler Kompetenzen.

In den ersten Lebensmonaten äußert sich das Kind in erster Linie durch Schreien und vermittelt damit bestimmte Bedürfnisse. Die erste, sogenannte Lallphase setzt zwischen dem 2. und 3. Monat ein. Das Kind erlernt die motorischen Grundlagen des Sprechens in dem es gurrende und lallende Laute produziert. In der zweiten Lallphase vom 4. bis 7. Monat hängt das Kind einzelne Silben hintereinander und imitiert einzelne Vokale.

Im 8. bis 12. Monat kann das Kind Sprache zunehmend verstehen und benutzt erste Worte wie „Mama“ und „Papa“.

Im Verlauf des zweiten Lebensjahres spricht das Kind zunächst Einwortsätze, die sich meist auf die jeweilige Situation beziehen, später Zweiwortsätze. Auch Aufforderungen werden zunehmend verstanden und befolgt. Der Wortschatz besteht bis dahin aus etwa 50 Wörtern.

Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr eignet sich das Kind mehr und mehr Wörter an, baut Sätze aus drei Wörtern und nimmt das Wort „Ich“ in seinen Sprachgebrauch auf.

Die Fragephase liegt zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr. Außerdem verwendet das Kind vermehrt Nebensätze.

Im weiteren Verlauf nimmt die Satzlänge, ebenso wie der Wortschatz zu. Mit Eintritt in das Schulkindalter, kann das Kind zuvor gehörte Geschichten erzählen und ist grammatikalisch immer sicherer.

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Prophylaxe von kindlichen Entwicklungsstörungen

Frühkindliche Entwicklungsstörungen können rechtzeitig erkannt und gefördert werden, wenn Eltern, Kinderärzte und Erzieher eng miteinander kooperieren.

Generell gilt, dass sich Fähigkeiten bevorzugt unter Darbietung bestimmter Reize und einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung ausbilden. In bestimmten Zeitfenstern sind Kinder besonders empfänglich für das Erlernen bestimmter Fertigkeiten. Das Vorlesen einer Gutenacht-Geschichte, Ratespiele und kreative Aufgaben wie Malen und Basteln können das Meistern von Entwicklungsaufgaben erleichtern. Kinder sollten in ihren bereits erworbenen Fähigkeiten bestärkt und zu anderen ermutigt werden.

Kindliche Entwicklungsstörungen können auch durch falsche oder mangelhafte Ernährung auftreten.

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Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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